Uwe Jensen. Gute und schlechte Argumente für und gegen Studiengebühren. Erschienen in: Christiana Albertina, Heft 63, 2006, S.

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1 Uwe Jensen Gute und schlechte Argumente für und gegen Studiengebühren Erschienen in: Christiana Albertina, Heft 63, 2006, S Die Diskussion um Studiengebühren ist wie einige andere gegenwärtige Diskussionen in unserer Gesellschaft von unversöhnlichen Standpunkten geprägt. >>Wir wollen die<< steht einem >>wir wollen die nicht<< gegenüber. Beide Seiten suchen auf der Basis der jeweiligen Haltung nach Argumenten. Dieser Aufsatz soll diese Debatte versachlichen. Dazu wird zunächst ökonomisches Handwerkszeug über Erträge, Kosten und Risiken eines Studiums dargestellt. Dann werden ausgewählte ausländische Studiengebührensysteme und die bisher in einigen deutschen Bundesländern geplanten Regelungen beschrieben. Schließlich werden die Argumente für und gegen Studiengebühren auf ihre Relevanz hin geprüft. I. Individuelle Entscheidungskriterien für ein Studium Welche ökonomischen Kriterien sind bei der rationalen Entscheidung für oder gegen ein Studium von Bedeutung? Am Beginn der Überlegungen steht der Begriff >>Humankapital<<, der 2004 von einer Jury aus Sprachwissenschaftlern zum >>Unwort des Jahres<< gewählt wurde. Als >>Humankapital<< bezeichnet man all die von jedem Menschen im Elternhaus, im Kindergarten, in der Schule, in der Lehre, an der Uni, in Weiterbildungsmaßnahmen, in Auslandsaufenthalten oder auch durch die Pflege der eigenen Gesundheit erworbenen Fähigkeiten und Eigenschaften, die einen Arbeitnehmer oder Selbstständigen produktiver machen. Das Humankapital ist also etwas sehr Positives und ein in allen (teils stärker, teils weniger) wachsender und wieder verfallender Bestand. Man investiert Zeit (Bildung statt Freizeit) und Geld (z.b. fünf Jahre Universität ohne Einkommen statt Berufstätigkeit direkt nach dem Abitur), um dieses Humankapital zu erwerben, soweit es die persönlichen Fähigkeiten und Ressourcen gestatten. Man tut das, da dieses Humankapital, d.h. die höhere Produktivität, zumeist für deutlich höhere Einkommen sorgt und u.a. auch im Durchschnitt das Risiko senkt, arbeitslos zu werden. Ökonomen degradieren die Menschen damit nicht >>zu nur noch ökonomisch interessanten Größen<<, wie die Jury mitteilte; sie denken nur, wie alle Wissenschaftler, in Modellen. Wenn ein Physiker erklären soll, warum bei dem 120 kg schweren Anton A. eine morsche Brücke durchgebrochen ist, während sie bei dem 70 kg schweren Berthold B. gehalten hat, wird er das Gewicht und nicht andere Eigenschaften der beiden Herren heranziehen. Wenn Ökonomen erklären sollen, warum Anton A. mehr verdient als Berthold B., dann sollten sie auch nicht diese Individuen in ihrer ganzen Komplexität erfassen, sondern sich auf die wesentlichen messbaren Größen konzentrieren. Das ist ihre Aufgabe. Und das Humankapital, also Bildung und Erfahrung, erklärt ziemlich gut rund 50 % aller individuellen Einkommensunterschiede. Individuen entscheiden sich gemäß der Humankapitaltheorie für ein Studium, wenn die erwarteten zukünftigen Erträge aus dem Studium die erwarteten zukünftigen Kosten, beide angemessen diskontiert, übersteigen. In den individuellen Diskontsatz fließt die individuelle intertemporale Nutzenabwägung ein. Wer um jeden Preis jetzigen Konsum späterem Konsum vorzieht und für wen möglichst viel Freizeit in jungen Jahren das Wichtigste ist, der wird sich

2 schwerlich für ein Studium entscheiden wollen. Da es sich bei Erträgen und Kosten um erwartete zukünftige Größen handelt, spielen auch Risiken und der individuelle Grad der Risikoaversion eine Rolle. Natürlich kommen weitere wichtige Determinanten einer Studienentscheidung hinzu, etwa individuelle Neigungen. Wer Informatik schrecklich findet, wird dieses Fach nicht studieren, und seien die erwarteten zukünftigen Erträge noch so hoch. Wenn jemand für sein Leben gern Kleider näht, wird er versuchen, dies zu seinem Beruf zu machen, und seien die Erträge und Risiken noch so unerfreulich. Außerdem ist der technische Fortschritt von Bedeutung, der die Abschreibungsrate des Humankapitals, also die Geschwindigkeit der Wissensentwertung bestimmt. Vor wenigen Jahrzehnten noch konnte man mit den in der Jugend erworbenen Fähigkeiten relativ gut durch das Berufsleben kommen. Gegenwärtig veraltet einmal erworbenes Wissen aber immer schneller. Dies ist ein individueller Anreiz, höhere Qualifikationen anzustreben und sich ständig weiterzubilden. Und aus gesellschaftlicher Sicht ist es immer stärker erforderlich, möglichst viele Hochqualifizierte auszubilden.. Schließlich spielen die Alternativen auf dem Bildungs- und Arbeitsmarkt eines Landes eine Rolle. In den USA ist ein Studium (wobei ein US-Studium nicht unbedingt ein Studium nach deutschen Maßstäben bedeuten muss) für jeden halbwegs qualifizierten Beruf unabdingbar, während es in Deutschland das gut ausgebaute System der dualen Berufsausbildung gibt, das vielen Absolventen ein erfolgreiches Berufsleben auch ohne Studium ermöglicht. II. Individuelle Erträge, Kosten und Risiken Welche erwarteten zukünftigen individuellen Erträge machen ein Studium für ein Individuum so attraktiv? Da sind zunächst einmal die höheren Einkommen. Lässt man alle anderen Gesichtspunkte außer Acht, so hat ein Individuum mit Universitätsdiplom ein im Durchschnitt um etwa ein Drittel höheres Einkommen als ein Individuum ohne Universitätsdiplom. Arbeitsökonomen erforschen seit 30 Jahren, wie viel von diesem Mehreinkommen wirklich kausal auf im Studium (und nicht schon vorher) erworbene Fähigkeiten zurückzuführen ist. Die Signaltheorie geht davon aus, dass (Universitäts-)Bildung in signifikantem Ausmaß nicht direkt zu höherer Produktivität führt, sondern nur in Form der Abschlussurkunde ein Signal höherer Produktivität auf dem Arbeitsmarkt liefert. Die Arbeitgeber nutzen angesichts ihrer Schwierigkeiten, aus der großen Zahl der Bewerber für eine Stelle den geeignetsten herauszufiltern, diese Signale als Indiz für höhere Produktivität, aber auch andere erwünschte verborgene Eigenschaften wie Selbstdisziplin, Motivation, höhere Gesundheit, etc. Aber auch wenn Universitätsdiplome zu einem gewissen Anteil nur Signale sind, so ist doch unbestritten, dass ein Studium zu höherem Einkommen führt. Die Einkommenshöhe variiert aber in Abhängigkeit von zahlreichen individuellen Determinanten (z.b. Geschlecht) und Job- Charakteristika. Weiterhin geht mit höherer Bildung ein geringeres Arbeitslosigkeitsrisiko einher. Die bildungsspezifischen Arbeitslosenquoten in West-Deutschland im Jahre 2004 lagen z.b. für FH- und Uni-Absolventen bei 3.5 % und nach Abschluss einer Lehre bei 7.3 %, während sie für Individuen ohne jeden Abschluss bei 21.7 % lagen. Und diese Schere öffnet sich weiter. Weitere erfreuliche Resultate höherer Bildung sind im Mittel ein höherer Status in der Hierarchie einer Firma oder Gesellschaft, bessere Arbeitsbedingungen, höhere Gesundheit und im Alter höhere Renten.

3 Die individuellen Kosten bestehen zum einen aus den direkten Kosten für die Lebenshaltung, für Reisen zum Studienort, für Lernmaterial oder auch für Studiengebühren. Diesen stehen eventuelle Kostenentlastungen durch Kindergeld, BAföG, Stipendien, Studentenermäßigungen, Nebentätigkeiten oder elterliche Zuwendungen gegenüber. Bei letzteren wäre aus ökonomischer Sicht noch von Bedeutung, ob diese von den Eltern einfach der späteren Erbmasse entnommen werden, oder ob die Eltern die Zuwendungen aus demjenigen Teil ihres Einkommens oder Vermögens entnehmen, den sie sonst selbst konsumiert hätten. Den weit größeren Teil der Kosten machen aber die oft vernachlässigten indirekten Kosten aus, die vor allem aus den entgangenen Einkommen bestehen. Wenn ein Schüler direkt nach dem Abitur eine Arbeitstätigkeit aufnimmt, wird er schon gut fünf Jahre lang Geld verdient haben, bevor sein ehemaliger Klassenkamerad nach seinem Studium in den Arbeitsmarkt eintritt. Die Einkommen bei höherer Bildung müssen dann zwangsläufig schneller wachsen, höher sein und später gipfeln als die Einkommen bei geringerer Bildung, um diesen Vorsprung mehr als aufzuholen und die Investition ins Humankapital rentabel werden zu lassen. Die indirekten Kosten sind daher auch der entscheidende Ansatzpunkt für den möglichen Kosten senkenden Effekt von Maßnahmen zur Studienzeitverkürzung, etwa durch Studiengebühren. Die direkten und indirekten Kosten werden ganz entscheidend von den individuellen Fähigkeiten bestimmt. Wenn ein Spitzenstudent vielleicht acht Semester bis zum Diplom benötigt, ein mittelmäßiger Student hingegen zwölf Semester benötigen würde was höhere direkte und indirekte Kosten (zwei Jahre weniger Lebenseinkommen) bedeuten würde -, so kann sich für letzteren ein Studium schon als unrentabel herausstellen. Ein weiterer wichtiger Aspekt sind Kapitalrestriktionen. Wenn das Haushaltsvermögen oder -einkommen zur Deckung der direkten Kosten nicht ausreicht, werden BAföG, Stipendien, Nebentätigkeiten oder auch Bank-Kredite benötigt. Zusammen mit der Einführung von Studiengebühren entwickelt sich jetzt auch in Deutschland ein Markt für Studentenkredite. Hinsichtlich der Vergabe von Krediten an Studenten bestehen nur sehr geringe Beschränkungen, aber die durch die Kreditaufnahme bedingte Verschuldung bringt natürlich einige Risiken mit sich. Letztes wichtiges individuelles Entscheidungskriterium sind die individuellen Risiken. Die eben diskutierten Erträge und Kosten sind erwartete zukünftige Größen, unterliegen also dem Risiko fehlerhafter Erwartungen. Die Folgen fehlerhafter Erwartungen werden asymmetrisch wahrgenommen, d.h. Verluste von n schmerzen stärker, als Gewinne von n nutzen. Welche Risiken gibt es? Studienabbruch, erfolglose Jobsuche oder spätere Arbeitslosigkeit können die früheren Ertragsschätzungen komplett ruinieren. Durch höhere Kosten, geringere Einkommen oder auch die Nicht-Verfügbarkeit von ausbildungsadäquaten Jobs können sich diese Ertragsschätzungen als viel zu optimistisch herausstellen. Es ist ein bekanntes Resultat zahlreicher Studien, dass die Einkommenserwartungen von Schülern, Studenten und Berufsanfängern oft viel zu hoch liegen. Die erwähnten Risiken werden wiederum in Abhängigkeit von Nationalität, Haushaltsvermögen oder einkommen etc. gewichtet. Ein durchschnittlicher US-Bürger wird wahrscheinlich risikofreudiger als ein durchschnittlicher Deutscher sein (unterschiedliche Risikogewichtung ist ein wichtiger Grund für die Probleme bei der Übertragung der Ergebnisse eines Landes auf andere Länder). Ist das Haushaltsvermögen oder einkommen gering, werden die Verschuldungsrisiken durch eine Kreditaufnahme i. a. viel stärker

4 wahrgenommen als in einem reicheren Haushalt. Ärmere Haushalte sind also weniger risikofreudig das ist bei der Sozialverträglichkeit von Studiengebührenregelungen zu beachten. III. Ist Bildung ein öffentliches Gut? Wenn es um die Frage geht, ob das Individuum oder die Gesellschaft die Kosten eines Studiums tragen soll, müssen außer den erwähnten individuellen oder privaten Erträgen und Kosten auch diejenigen Erträge und Kosten betrachtet werden, die beim Rest der Gesellschaft anfallen. Die Erträge eines Studiums, die nicht dem Studierenden selbst im Laufe seines Lebens zufallen, sondern der Gesellschaft zu Gute kommen, nennt man externe Erträge. Die Gesellschaft sollte sich nur in dem Maße an den Kosten beteiligen, wie ihm externe Erträge zufallen. Die gegenwärtig vom Rest der Gesellschaft in Form von Steuern getragenen Kosten guter Bildung sind beträchtlich und haben angesichts der desolaten Lage der öffentlichen Haushalte zur Debatte um Studiengebühren geführt. Im Jahre 2000 betrugen in Deutschland die durchschnittlichen Ausgaben der öffentlichen Haushalte pro Schüler an weiterführenden Schulen etwa Die durchschnittlichen Kosten pro Student einer deutschen Universität betrugen im gleichen Jahr etwa Bei der Frage, wie diese Kosten in Zukunft auf das Individuum und den Rest der Gesellschaft aufgeteilt werden sollten, muss zunächst der Charakter des Gutes Bildung diskutiert werden. Eine zentrale Frage dabei ist: Ist Bildung ein öffentliches Gut? Reine öffentliche Güter zeichnen sich durch Nichtausschließbarkeit und Nichtrivalität aus. Typische Beispiele sind Frieden oder sichere Deiche. Vom >>Konsum<< des Friedens oder der Deiche kann niemand ausgeschlossen werden. Ebenso können sie zur gleichen Zeit von beliebig vielen Personen genutzt werden. Das Gegenteil eines öffentlichen Guts ist ein Individualgut wie z.b. eine Pizza. Vom Genuss der von mir bezahlten Pizza kann ich andere Personen ausschließen, und die Zahl der Personen, die von einer Pizza üblicher Größe satt werden, ist beschränkt. Als notwendig erachtete reine öffentliche Güter müssen vom Staat bereitgestellt und über Steuern oder Abgaben finanziert werden, da es zwar Interessenten für diese Güter gibt, aber niemand bereit ist, dafür einen Marktpreis zu entrichten (>>Marktversagen<<), da man wegen der Nichtausschließbarkeit auch ohne dessen Zahlung in den Genuss des Gutes kommen kann (>>Trittbrettfahrerverhalten<<). Bildung wie etwa auch öffentliche Straßen weist viele Aspekte eines öffentlichen Gutes auf, ist aber kein rein öffentliches Gut. Bildung kann prinzipiell von allen Individuen genutzt werden und breitet sich aus. Man kann aber auch durch Veröffentlichung in teuren Zeitschriften oder durch Patentschutz andere vom Konsum ausschließen. Ebenso verschlechtert sich Bildung durch ihren Konsum nicht, aber 1000 Studenten passen nicht in einen Hörsaal mit 200 Plätzen (Rivalität). Bildung ist aber ein so genanntes meritorisches Gut, das nicht nur dem Individuum, sondern auch dem Rest der Gesellschaft Nutzen stiftet und vom Staat gefördert werden sollte, da es sonst nicht in ausreichendem Maße produziert und konsumiert würde. Welches sind die externen Erträge oder >>positiven externen Effekte<< hochqualifizierter Absolventen? Wie erwähnt, kann die vermittelte Bildung prinzipiell von vielen anderen Individuen genutzt werden und sich ausbreiten. Die aus den höheren Einkommen der Hochqualifizierten resultierenden höheren Steuern und Sozialversicherungsbeiträge nutzen auch dem Rest der Gesellschaft. Die Arbeitsmarktchancen von Geringqualifizierten

5 verbessern sich, da Geringqualifizierte komplementär zu Hochqualifizierten sind. Makroökonomisch führt ein höherer Humankapitalbestand zu höherem Wachstum der Volkswirtschaft. Vom besseren Gesundheitsstand (Nettozahler in die Krankenversicherung), höherem Informationsgrad (als Wähler oder politisch Aktiver) oder möglicherweise geringerer Kriminalität der Höherqualifizierten profitiert auch der Rest der Gesellschaft. Höhere Bildung sorgt also allgemein für bessere Lebensverhältnisse in der Gesellschaft. Warum würde Bildung ohne staatliche Förderung nicht in ausreichendem Maße produziert und konsumiert? Das Individuum bezieht die externen Erträge seiner Ausbildung wahrscheinlich nicht in sein wirtschaftliches Kalkül ein und entscheidet sich so u.u. für einen (zu niedrigen) Bildungsweg, der für die Wohlfahrt der Gesellschaft nicht optimal ist. Insbesondere bildungsferne Teile der Gesellschaft könnten auch die individuellen Erträge der Bildung zu gering einschätzen oder die zukünftigen Bedürfnisse (zukünftiger Konsum durch zukünftiges Einkommen) gegenüber den gegenwärtigen Bedürfnissen (heutiger Konsum, heutige Freizeit oder auch Kinderarbeit) zu gering gewichten. Ärmere Haushalte sind weniger risikofreudig, könnten also die Kosten und die Risiken überschätzen und sich daher gegen eine angemessene Ausbildung ihrer Kinder entscheiden. Die Gesellschaft hingegen ist in der Lage, Risiken zu mischen. Da der Staat seine knappen finanziellen Ressourcen auf diverse reine öffentliche und meritorische Güter (Sicherheit, Deiche, Bildung, Straßen, etc.) verteilen muss, ergibt sich aber des Weiteren das Problem der optimalen Allokation, also Verteilung dieser knappen Ressourcen bezüglich einer geeigneten gesellschaftlichen Zielfunktion. Angesichts knapper öffentlicher Kassen sind diese öffentlichen oder meritorischen Güter i.a. rationiert - im Fall der Hochschulbildung etwa durch den Numerus clausus -, so dass die produzierte Menge meist unterhalb des wünschenswerten Niveaus liegt. Die zu klärende Frage ist dann z. B., ob ein noch zu vergebender Betrag für neue Flugzeuge für die Luftwaffe, höhere Deiche, mehr Professoren oder eine Autobahn in eine strukturschwache Region ausgegeben werden sollte. Eine Allokation wäre effizient, wenn diese die Wohlfahrt aller Gesellschaftsmitglieder bezüglich einer geeigneten Zielfunktion unter Beachtung der finanziellen Restriktionen maximieren würde. Unter reinen Effizienzgesichtspunkten wäre eine Hochschulfinanzierung optimal, bei der die Steuermittel gerade die externen Erträge des Studiums decken. Es ist noch relativ gut möglich, die individuellen Kosten und Erträge von Bildung zu quantifizieren. Aber die oben erwähnten externen Erträge der Bildung adäquat zu messen ist ein weit schwierigeres Problem. Dennoch ist es sehr unwahrscheinlich, dass die externen Erträge des Universitätsstudiums so groß sind wie die externen Kosten. Es wäre also danach zu rechtfertigen, Studierende an den direkten Kosten des Studiums zu beteiligen. Auch wenn diese Überlegungen keine quantitative Entscheidungsregel ergeben haben, kann man sich doch z.b. innerhalb des Bildungsetats auf die Suche nach Allokationsverbesserungen und dem Öffentlichkeitsgrad eines Gutes machen. So hat der Sachverständigenrat vorgeschlagen, Studiengebühren einzuführen und dafür die Kindergartenbeiträge abzuschaffen. Ein Grund dafür ist, dass Kindergartenbildung (Sprachförderung, Bewegungstraining, Sozialkompetenz) deutlicher den Charakter eines öffentlichen Guts hat als Hochschulbildung, die stärker die Karrierechancen des Individuums fördert. Auf der anderen Seite ist es z.b. effizienter, gezielt das Studium von Kindern aus ärmeren Haushalten zu fördern als das von allen Kindern, denn bei ersteren ist u.a. wegen deren geringerem Informationsstand und ihrer höheren Risikoaversion (s.o.) der zu erwartende Effekt der Förderung weit größer. Kinder reicherer Eltern studieren eher auch ohne Förderung.

6 IV. Studiengebühren in Deutschland In seiner Regierungserklärung am 25. Mai 2005 im Schleswig-Holsteinischen Landtag sagte Ministerpräsident Peter Harry Carstensen: >>Bei der Einführung von Studiengebühren wird Schleswig-Holstein keine Vorreiterrolle übernehmen, aber auch keine Insellösung zulassen.<< Daher soll im Folgenden der Frage nachgegangen werden, welche Beschlüsse andere Bundesländer zu Studiengebühren gefasst haben. Zunächst einmal sollte klar sein, dass ein völlig gebührenfreies Studium schon jetzt an einer deutschen Universität nicht zu haben ist. Neben den bekannten Verwaltungs-, Einschreibeoder Rückmeldegebühren gibt es Studienkonten oder Gebühren für Langzeitstudierende oder Ortsferne in Baden-Württemberg, Bayern, Bremen, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Zweitstudiengebühren erheben Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen. Genauere Einzelheiten kann man der Homepage des Deutschen Studentenwerks entnehmen. Die Einführung von Studiengebühren oder beiträgen von zumeist 500 (teilweise landeseinheitlich, in Bayern und Nordrhein-Westfalen als Obergrenze) wurde bis jetzt beschlossen von Hamburg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen für Studienanfänger ab WS 2006/07, für alle Studierenden ab SS 2007, von Baden-Württemberg und Bayern ab SS 2007 und vom Saarland ab WS 2007/08. Studienkonten, Langzeitstudien- und Zweitstudiengebühren werden i.a. nach der Einführung von Studiengebühren wegfallen, Rückmeldegebühren nicht. Am Beispiel von Baden-Württemberg soll im Folgenden das Regelwerk detaillierter dargestellt werden: Keiner Gebührenpflicht unterliegen u.a. die Promotion, Urlaubssemester, Praxissemester und Praktische Jahre. Studierende können bei >>unbilliger Härte<<, bei eigener Behinderung oder chronischer Erkrankung sowie bei Pflege und Erziehung eines Kindes unter sieben Jahren von der Gebührenpflicht befreit werden, ebenso, wenn sie mindestens zwei ältere Geschwister haben, die kostenpflichtig an einer Hochschule studieren oder je mindestens sechs Semester kostenpflichtig an einer Hochschule studiert haben. Weiterhin können Hochbegabte und Studierende mit herausragenden Studienleistungen befreit werden. Schließlich können ausländische Studierende aus Entwicklungsländern oder bei vertraglichen Regelungen zwischen Hochschulen oder Staaten auf Antrag befreit werden. Zur Finanzierung der Gebühren können die Studierenden ein Darlehen bei der landeseigenen L-Bank aufnehmen. Dieses wird ohne Bonitätsprüfung allen Studierenden aus der EU (und manchen anderen Ländern) gewährt, wenn sie das 35. Lebensjahr noch nicht vollendet und die Regelstudiendauer zzgl. vier Semester noch nicht überschritten haben. Das Darlehen wird direkt an die Hochschule ausbezahlt. Neben den Verwaltungskosten und den Ausfällen durch die oben erwähnten Befreiungen tragen die Hochschulen das Ausfallrisiko, wodurch das Darlehen relativ zinsgünstig ist. Die Rückzahlung des Darlehens beginnt zwei Jahre nach Studienabschluss in monatlichen Raten von 50 bis 150 und nur bei Überschreitung eines in Anlehnung an die Regelungen beim BAföG festgelegten Mindesteinkommens. Tilgungen sind jederzeit möglich. Bei dauerhaften Zahlungsschwierigkeiten (durch Erkrankung, Arbeitslosigkeit etc.) kann die Schuld auf Antrag gestundet oder erlassen werden. Die Gesamtschuld aus Studiengebühren und BAföG wird bei gekappt. V. Studiengebühren im Ausland

7 Gerade bei Studiengebühren gibt es einige, zum Teil schon erwähnte Gründe, bei der Übertragung der Ergebnisse anderer Länder auf Deutschland vorsichtig zu sein. Dennoch kann man - mit der gebotenen Vorsicht - einige hilfreiche Erkenntnisse bei der Analyse der Auswirkung von Studiengebühren in z.b. den folgenden drei ausgewählten Ländern gewinnen. Am Beginn soll dazu natürlich die Situation in den USA betrachtet werden. Zunächst einmal muss man wissen, dass viele US-Hochschulen vielfach keine Hochschulen nach deutschen Maßstäben sind, sondern oft nur Berufsakademien oder Colleges mit dem Niveau einer gymnasialen Oberstufe. Während es nämlich in Deutschland das gut ausgebaute System der dualen Berufsausbildung gibt, das vielen Absolventen auch ohne Studium ein erfolgreiches Berufsleben ermöglicht, ist in den USA ein Abschluss an diesen >>Hochschulen<< für jeden halbwegs qualifizierten Beruf unerlässlich. So wird die von Studiengebühren-Befürwortern gerne erwähnte Tatsache, dass die US-amerikanische Studierquote (bei weit höheren Studiengebühren) viel größer als die deutsche ist, sehr relativiert. Das Niveau und die Studiengebühren an den US-amerikanischen Hochschulen unterscheiden sich denn auch gewaltig. Spitzenreiter in Niveau und Gebühren sind die sehr renommierten privaten Universitäten mit durchschnittlichen jährlichen Gebühren von rund US-$. Danach kommen die staatlichen Einrichtungen mit durchschnittlichen jährlichen Gebühren von etwa 5100 US-$. Am unteren Ende der Skala liegen die Community Colleges mit ca US-$. An den staatlichen Hochschulen der USA machen die öffentlichen Mittel nur rund 50 % der Gesamtetats aus. Jeweils weitere rund 20 % bilden Einnahmen aus Dienstleistungen und Produkten und Studiengebühren! Wie finanzieren die Studierenden in den USA diese hohen Gebühren? Dafür gibt es (aggressiv eingeworbene) private Spenden, staatliche Stipendien und Darlehensprogramme, steuerliche Abzugsmöglichkeiten und staatlich gefördertes Bildungssparen. Aber das USamerikanische System ist sozial sehr selektiv, und diese soziale Schieflage hat sich von 1980 bis 2000 noch dramatisch verschlimmert. Auf der einen Seite haben sich die Studiengebühren in dem Zeitraum verdoppelt bis verdreifacht, während auf der anderen Seite die Einkommen der unteren 60 % der Familieneinkommensrangliste real überhaupt nicht gestiegen sind. Diese Entwicklung hat natürlich zu einem höheren Unterstützungsbedarf geführt. Gleichzeitig hat sich der Staat zunehmend aus der Finanzierung der Hochschulen zurückgezogen. Während Stipendien und Darlehen 1983 noch zu gleichen Anteilen vergeben wurden, machen die Darlehen inzwischen rund 60 % aus. Die staatlichen Stipendien decken nur noch einen rapide sinkenden Anteil der Kosten. Die günstigen (staatlich geförderten) Darlehen wurden eingefroren, während der Anteil der teureren (nicht geförderten) Darlehen gewaltig zugenommen hat. All dies hat dazu geführt, dass die Studiertenverschuldung dramatisch gewachsen ist und gegenwärtig bei etwa US-$ (Durchschnitt über alle Studierenden, also auch die aus den staatlichen Einrichtungen) liegen soll. Studierwillige aus ärmeren Familien können sich oft nur ein Studium im Community College leisten. An den renommierten privaten Universitäten stammen 20 % der Studierenden aus den oberen 2 % der Einkommensrangliste oder 80 % aus den oberen 20 %. Nur 10 % stammen aus der unteren Hälfte dieser Rangliste. Universitäten kämpfen erbittert um die Reichen (wegen des Geldes) und die Besten (wegen des Renommees). Verlierer sind die guten Armen, die also weder sehr gut noch reich sind.

8 Ein weiteres wichtiges Beispiel zur Ausgestaltung von Studiengebühren und deren möglichen Auswirkungen findet sich in Australien mit seinen nachgelagerten Gebühren. Das australische Hochschulsystem ist im Wesentlichen staatlich wurde das Higher Education Contribution Scheme (HECS) eingeführt, um trotz knapper staatlicher Kassen die beschränkte und durch eine der ZVS ähnelnden Zentralstelle verwaltete Zahl der Studienplätze auszuweiten. Damals mussten alle Studierenden jährlich 1800 Australische Dollar (ca ) zahlen. Seitdem wurden diese Gebühren angehoben und nach Fächern differenziert. Im Jahr 2000 zahlten Studierende der Fächer Jura und Medizin umgerechnet etwa 3300 jährlich, während Studierende der Fächer Kunst, Pädagogik, Philologie und Sozialwissenschaften umgerechnet etwa 2000 jährlich zahlten. Der Rest zahlte etwa Der relative Beitrag des Staates an der Hochschulfinanzierung hat abgenommen, was aber auch an der gestiegenen Zahl der Studierenden liegt deckte das HECS 20 % der durchschnittlichen Kosten eines Studienplatzes waren es schon 34 %. Interessant ist eine Analyse der fächerspezifischen Kostendeckung durch das HECS. Diese liegt in der Juristenausbildung bei 88 %, bei den Agrarwissenschaftlern aber nur bei 28 %. Daran ist deutlich zu sehen, dass die Gebühren-Differenzierung im Wesentlichen nach der erwarteten Rendite der Studiengänge erfolgt. Dies kann durchaus als Ansatz zu gerechteren Studiengebühren gewertet werden; eine solche Quote kann aber auch zu Fehlsteuerungen der Studenten führen, wenn diese vermehrt die günstigen Studienfächer ohne gute Berufschancen wählen. Die Besonderheit des HECS liegt in der Möglichkeit einer nachträglichen Finanzierung. Die Gebühren werden durch einen staatlichen Treuhandfonds vorfinanziert. Die zu tilgende Summe wächst nur mit der Inflationsrate. Die Tilgung beginnt bei Überschreitung eines gewissen Mindesteinkommens, das aber seit 1989 gesunken ist. Auf freiwillige Tilgungen gibt es 15 % Nachlass. Wer sofort zahlt, erhält 25 % Rabatt. Dieses wirkt wie eine Steuer auf Einkommensschwache und verschafft Kindern aus reicheren Familien einen weiteren deutlichen Vorteil. Bedenklich ist auch, dass Reiche teilweise schlechtere Schulnoten durch die Zahlung kostendeckender Studiengebühren ausgleichen können. Der Ausfall bei männlichen Studierenden beträgt 7 %, der weiblicher Studierender 33 %. Die Ausfälle trägt der Staat. Männliche Absolventen haben ihre Darlehen im Durchschnitt mit 37 Jahren getilgt, weibliche Studierende wegen ihres geringeren Einkommens und eventueller Erwerbsunterbrechungen mit durchschnittlich 43 Jahren. Wer also von Männern und Frauen gleiche Tilgungen verlangt (und diese nicht auf anderem Wege wieder ausgleicht), benachteiligt die Frauen und insbesondere die Mütter. Zu den Auswirkungen des HECS ist zunächst festzustellen, dass der Anteil von Studierenden niedriger sozialer Herkunft nicht noch weiter gesunken ist. Die Tatsache, dass die Studierendenzahlen 2002 mehr als 250 % der Studierendenzahlen von 1983 betrugen, wird von Studiengebühren-Befürwortern gerne als wichtiges Beispiel für eine erfolgreiche Studiengebührenregelung angeführt. Diese Einschätzung relativiert sich, wenn man berücksichtigt, dass vor 1989 die Zahl der Studienplätze durch einen Numerus Clausus stark beschränkt war. Weiterhin muss man wissen, dass die Anzahl einheimischer australischer Studierender zwar ebenfalls gestiegen, deren Anteil an der Gesamtzahl der Studierenden aber kontinuierlich gesunken ist, während der Anteil der Studierenden aus anderen Erdteilen stark zugenommen hat. Dadurch ist Bildung in den letzten Jahren zu einem der bedeutendsten australischen Exportgüter geworden.

9 Letztes ausgewähltes Land soll Österreich sein, da es Deutschland in einigen Bereichen relativ ähnlich ist und insbesondere gleichfalls über ein duales System der Berufsausbildung verfügt, in das potentielle Studierende abwandern können, um auch ohne Studium gute Berufschancen und relativ hohe Einkommen zu erzielen. In Österreich wurden im WS 2001/02 auch eher wegen knapper Kassen - relativ kurzfristig Studiengebühren von bis zu 726 für Ausländer und bis zu 363 für Inländer pro Jahr eingeführt. Es gibt zudem einige hochschulspezifische Regelungen, eine gewisse soziale Abfederung für rund 20 % der Studierenden und teilweise keine oder geringere Gebühren für Ausländer z.b. aus Entwicklungsländern. Mit der Einführung der Studiengebühren gingen die Studierendenzahlen um rund 20 % (weil zahlreiche despektierlich >>Karteileichen<< genannte - Studierende die Universitäten verließen) und die Zahl der Studienanfänger um rund 15 % zurück. Letztere war in den drei Jahren zuvor um jeweils 8 % gestiegen. Die Studierendenzahlen und Studienanfängerzahlen steigen seitdem langsam wieder an. Es gibt im Übrigen auffallend wenig fundierte Statistiken etwa über Veränderungen der sozialen Zusammensetzung der Studienanfänger. Daher können Gebührenbefürworter und -gegner die gegenwärtige Situation ziemlich gegensätzlich darstellen. Gebührenbefürworter heben z.b. die kurzfristigen Effizienzgewinne durch die Gebühren wie die kurzfristig zu beobachtende sinkende Studiendauer der gegenwärtigen Studierenden (aufgrund des größeren finanziellen Drucks) hervor, die aber noch keinen Rückschluss auf langfristige Effekte zulassen. Das Budget der österreichischen Hochschulen lag im Jahre 2004 nur wenig über dem von Die Gebühreneinnahmen flossen bis 2004 nicht an die Hochschulen, sondern direkt in den Staatshaushalt. Schließlich muss Schweden erwähnt werden, das völlig ohne Studiengebühren auskommt. VI. Gerechtigkeit? Kaum ein Argument wird (nicht nur) in der Debatte um Studiengebühren so oft benützt wie das der Gerechtigkeit. Mit der >>Gerechtigkeitskeule<< kann man wunderbar auf den jeweiligen Gegner einschlagen, denn man beabsichtigt ja nur etwas >>Gutes<<. Die Probleme mit dem Begriff fangen aber schon damit an, dass unterschiedliche Gerechtigkeitsbegriffe wie z.b. >>soziale Gerechtigkeit<< kursieren und diese wiederum verschieden definiert werden, letztere etwa als Verteilungsgerechtigkeit, Leistungsgerechtigkeit oder Bedarfsgerechtigkeit. Studiengebührenbefürworter halten es für ungerecht, dass die vielen Nicht-Akademiker aus ärmeren Haushalten mit ihren Steuern das Studium der Reicheren mitfinanzieren, denn der Studierendenanteil ärmerer Haushalte ist geringer als ihr Steueranteil. Studiengebühren, welche die zukünftigen Besserverdiener direkt belasten, sind dann (verteilungs-)gerechter. Es ist aber die Frage, ob dann auch Studenten aus ärmeren Haushalten Studiengebühren bezahlen sollten, oder ob so die soziale Schieflage des deutschen Bildungssystems nicht noch verschlimmert wird. Dieser Punkt wird im Folgenden noch genauer zu behandeln sein. Auf jeden Fall sollte man, wenn man Studiengebühren aus Gerechtigkeit will, über Gebühren- Differenzierung nach der (erwarteten) Rendite der Studiengänge, nach Geschlecht (keine Diskriminierung von Frauen), nach Kinderzahl (keine Familienfeindlichkeit) etc. nachdenken. Im dritten Abschnitt wurde diskutiert, dass Bildung und insbesondere Hochschulbildung nicht nur den Charakter eines öffentlichen Gutes hat. Bildung ist zwar schon ein meritorisches Gut, das auch dem Rest der Gesellschaft Nutzen stiftet und vom Staat gefördert werden muss. Aber bei einem Vergleich der individuellen und der externen Erträge und Kosten des

10 Universitätsstudiums kommt man zu dem Schluss, dass es durchaus (verteilungs-)gerecht ist, Studierende an den direkten Kosten des Studiums zu beteiligen. Das Hauptargument gegen Studiengebühren ist deren soziale Ungerechtigkeit. Da lohnt es sich zunächst einmal, einen Blick auf die Situation in Deutschland vor der Einführung von Studiengebühren zu werfen. Von 100 Kindern aus hoher sozialer Herkunft erreichten 2001 rund 84 % die gymnasiale Oberstufe und 72 % die Universität. Dagegen erreichten von 100 Kindern niedriger sozialer Herkunft nur 33 % die gymnasiale Oberstufe und 8 % die Universität. Für mehr als 90 % der Kinder aus ärmeren Haushalten stellt sich die Frage, ob mit Studiengebühren ein Studium möglich ist, eigentlich gar nicht, denn diese sind schon vorher für die Universitäten verloren gegangen. Wer wirklich die u.a. von den PISA-Studien ausführlich dokumentierte Leistungsungerechtigkeit des deutschen Bildungssystems lindern will, muss früher ansetzen und für folgende Ziele eintreten und auch bereit sein, dafür Geld auszugeben. Zunächst einmal ist es ein schon oft, aber noch nicht oft genug kritisierter Unsinn des deutschen Bildungssystems, dass ein Studium (noch) gebührenfrei ist, Kindergartenplätze aber gebührenpflichtig sind. Wir brauchen also generell kostenlose Kindergartenplätze und eine bessere Bezahlung und andere Ausbildung von Kindergärtnerinnen. Dazu müssten Pflicht- Kindergartenjahre eingeführt werden und die Frühförderung von Kindern aus Problemfamilien (Immigranten, Aussiedler, u.v.a.m.) müsste deutlich verbessert werden. Es ist eine erstaunliche Tatsache, dass es viele Demonstrationen gegen ungerechte Studiengebühren gibt, aber keine noch viel größeren Demonstrationen gegen kostenpflichtige Kindergartenplätze oder die schlechte Frühförderung. Wenn es wirklich nur um Gerechtigkeit ginge, müsste das anders sein. Manche argumentieren, dass Bildung, also auch das Studium, nach humanistischem Bildungsideal generell kostenfrei sein sollte. Leider können die gesamten staatlichen Ausgaben für Bildung gegenwärtig nicht mehr gesteigert werden. Und so spricht auch die Suche nach einer optimalen Allokation der knappen finanziellen Ressourcen dafür, Studiengebühren einzuführen und dafür die Frühförderung z.b. durch Abschaffung der Kindergartenbeiträge zu verbessern, denn Kindergartenbildung hat stärker den Charakter eines öffentlichen Guts als Hochschulbildung. Hochschulbildung (breitet sich aus, kann prinzipiell von vielen genutzt werden) wiederum hat eher den Charakter eines öffentlichen Guts als etwa eine Meisterausbildung, die jetzt schon Tausende von Euros kostet, deren Erträge aber doch eher den Konsumenten der Handwerksleistungen (reparierte Autos, neue Hausdächer etc.) nutzen als dem Rest der Gesellschaft. Zahlreiche Ergebnisse der Bildungsökonomie, u.a. aus den PISA-Daten, zeigen ferner, dass die Inputsteuerung von deutschen Schulen in eine stärkere Outputsteuerung umgewandelt werden müsste. Lehrer sollten also z.b. in der Wahl ihrer Lehrmethoden freier sein dürfen. Schulen sollten mehr Autonomie, etwa bei der Auswahl von Lehrern, erhalten. Am Ende müssen dann aber zentrale Examina, also Rechenschaftspflicht, Erfolgskontrolle und Wettbewerb stehen. Weiterhin sollte es mehr Ganztagsschulen und eine längere Grundschulzeit (und eine entsprechend zeitlich spätere Dreigliedrigkeit) geben. Schließlich sollte die unproduktive Strafmaßnahme des Sitzenbleibens durch geeignete Fördermaßnahmen wie etwa in Skandinavien ersetzt werden. Und nicht zuletzt muss sich die Gesellschaft überlegen, wie sie mit Eltern umgeht, die ihre Verantwortung für die Erziehung und Bildung ihrer Kinder (und damit deren Zukunft) grob vernachlässigen und damit für Leistungsungerechtigkeit bei ihren eigenen Kindern sorgen.

11 Wenn für mehr als 90 % der Kinder aus ärmeren Haushalten schon ohne Studiengebühren ein Studium unerreichbar ist, kann das denn noch schlimmer werden? Ja. Der in Abschnitt II vorgestellte individuelle Ertrag-Kosten-Vergleich wird wegen der ebenfalls dort beschriebenen Risiken bei reicheren und ärmeren Haushalten oft zu anderen Ergebnissen führen. Wenn das Haushaltsvermögen oder -einkommen gering ist, werden die Verschuldungsrisiken durch eine Kreditaufnahme i. a. viel stärker wahrgenommen als in einem reicheren Haushalt. Ärmere Haushalte sind weniger risikofreudig. Wenn die heutigen Kosten für eine sozial schwache Familie nicht tragbar sind, ein Stipendium nicht in Sicht ist und das Risiko durch die Verschuldung zu groß scheint, mögen die zukünftigen Erträge noch so hoch sein - ein Studium erscheint dann unmöglich. Um dieses Problem zu beseitigen, benötigt man also Freiplätze für Ärmere, geeignete Stipendien (ein in Deutschland noch sehr unterentwickelter Bereich) und Zuschüsse, Härtefallregelungen und Verjährungsregelungen oder nachgelagerte Gebühren wie in Australien. Man sollte auch anders etwa als in Australien - Mittelstandslöcher vermeiden, darf also nicht jenseits einer geeignet definierten Armutsgrenze die Gebührenlast gleich auf 100 % heben. Andererseits sollte das Geld reicher Eltern auch nicht, wie z.b. in den USA gelegentlich zu beobachten, als Ersatz für gute Schulnoten den Eintritt in ein qualifiziertes Studium (oder als Ersatz für ausreichende Hochschulleistungen dessen Abschluss) ermöglichen (Leistungsungerechtigkeit). Und schließlich, was gerne vergessen wird, sollten Unterstützungsprogramme für Ärmere auch dem Gebot der Einfachheit genügen, die Unterlagen also so formuliert sein, dass ein Elternteil mit geringem Bildungsstand diese auch verstehen kann. Denn es ist, wie in Abschnitt III. erläutert, abseits von allen Gerechtigkeitsfragen, auch effizienter, das Studium von Kindern aus ärmeren Haushalten gezielt zu fördern als das von allen Kindern. VII. Weitere Argumente für Studiengebühren Eine Hauptargumentationslinie beginnt mit der Feststellung, die auch von der OECD regelmäßig gemacht wird, dass in Deutschland der Studierendenanteil zu gering ist. Auch wenn man berücksichtigt, dass es bei uns im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern das duale System der Berufsausbildung als Alternative gibt, ist diese Feststellung schwer zu widerlegen. Wer aber mehr Studenten qualifiziert ausbilden will, benötigt u.a. mehr Personal, also mehr Geld. Dieses Problem wird sich mit der Einführung der Bachelor- und Master- Abschlüsse eher noch verschlimmern. Eine weitere Hürde ist der durch die Verkürzung der Gymnasialzeit entstehende doppelte Abiturjahrgang, der in einigen Jahren in die Hochschulen drängen wird. Wenn aber die Hochschulen mehr Geld brauchen, stellt sich die Frage, wer dieses Geld bereitstellen soll. Vom Staat ist es wahrscheinlich angesichts der desolaten Lage der öffentlichen Haushalte nicht zu erwarten. Dessen Bemühungen um Einsparungen und Subventionsabbau scheitern regelmäßig an anderen starken Lobbygruppen, die mit den Hochschulen um die staatlichen Mittel streiten. Es bleiben also nur Studiengebühren, die es z.b. Australien ermöglicht haben, die Studierendenzahlen deutlich anzuheben. Dieses Argument hat wenig Charme, aber viel Schlagkraft. Wenn die Universitäten von ihren Studenten Studiengebühren erheben, haben sie auch einen Anreiz, etwa durch bessere Lehrleistung mit anderen Universitäten um mehr Studenten, d.h. um mehr Geld zu kämpfen. Dieses Ziel könnte Universitäten also dazu bringen, mehr Energie in gute Lehre zu investieren, wovon manche Studenten profitieren könnten. Wie die Diskussion um die Bedeutung von Hochschulranglisten zeigt, ist aber die Heimatnähe das alles überragende Kriterium für die Studienortwahl und nicht etwa ein in einer hoffentlich gut gemachten Hochschulrangliste präsentierter Indikator der Lehrleistung. Man sollte auch

12 noch erwähnen, dass mehr Wettbewerb autonomerer Universitäten ein Baustein im Bestreben u.a. des CHE ist, die deutsche Hochschullandschaft stärker marktwirtschaftlich zu gestalten. Wenn die zusätzlichen Einnahmen durch Studiengebühren wirklich der universitären Lehre zugute kommen, indem z.b. mehr Laborplätze zur Verfügung gestellt werden, um Studienengpässe zu beseitigen, kann dieses die Studiendauer signifikant verkürzen, sofern etwa Effizienzgewinne an dieser Stelle möglich sind. Studiengebühren üben auch einen größeren Druck auf die Studierenden aus, ihr Studium zügiger zu beenden, wie jüngst gerade in Österreich zu beobachten ist. Eine Verkürzung der Studiendauer hätte positive Auswirkungen auf die Studierenden und ihre Familien und die Volkswirtschaft. Letztere hätte geringere Bildungskosten pro Student zu tragen und würde von früher verfügbaren hochqualifizierten Arbeitskräften und ihren Steuern und Versicherungsbeiträgen profitieren. Aber auch die Studierenden und ihre Familien würden von den geringeren indirekten Kosten durch weniger entgangene Einkommen profitieren Studiengebühren in 10 Semestern können eine Verkürzung der Studienzeit bzw. eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit um ein Jahr bringen, die wiederum das Lebenszeiteinkommen um vielleicht erhöht. Das Problem ist aber, dass dieser Effekt nur dann eintritt, sofern die eingesparte Zeit nicht für Nebenjobs zur Finanzierung der zusätzlichen Kosten wieder verloren geht. Und langfristig studiendauersenkende Effekte von Studiengebühren sind m.w. noch in keinem Land beobachtet worden. Wenn aber die Studiendauer nicht sinkt und auch sonst kein greifbarer Nutzen für die Studierenden eintritt, würden Studiengebühren nur ihre Ertrags-Kosten- Differenz (vgl. II.) verschlechtern, wodurch die Zahl der Studierenden sinken müsste. >>Wenn etwas keinen Preis für einen Nutzer hat, hat es für diesen auch keinen Wert.<< Nach dieser Logik sollten die Nutznießer der in Abschnitt II. beschriebenen individuellen Erträge eines Studiums auch an dessen direkten Kosten beteiligt werden. Zahlung von Gebühren könnte auch das Bild von Studenten als >>Sozialschmarotzern<< und >>Faulenzern<< in manchen Nicht-Akademikerkreisen verändern. Auf jeden Fall kann es sein, wie die in Österreich beschriebenen Effekte gezeigt haben, dass sich die Struktur der Studierenden durch die Einführung von Studiengebühren deutlich ändert, indem >>Karteileichen<<, die nur wegen der Studentenermäßigungen (noch) eingeschrieben sind, die Universität verlassen. Studierunfähige und Unentschlossene haben wegen der höheren Kosten einen deutlichen Anreiz, sich gegen ein Studium zu entscheiden. Gleiches gilt für >>Arbeitsmarktflüchtlinge<< in Zeiten angespannter Arbeitsmärkte. Ein letztes gern angeführtes Argument für Studiengebühren hebt hervor, dass Studenten, die für die Dienstleistung Hochschullehre an die Universität Gebühren zahlen, als Kunden eine verbesserte Stellung einnehmen und von der Universität mehr Leistung verlangen können und werden. Dieser Punkt wird von Befürwortern und Gegnern heftig diskutiert. Mir scheint es jedenfalls naheliegend, dass Studenten, die wegen eines Engpasses durch z.b. einen fehlenden Praktikums- oder Seminarplatz ein Semester verlieren, gegen die Zahlung der Studiengebühren klagen können und werden. Allein eine solche Möglichkeit könnte die Situation der Studierenden in manchen Fächern verbessern. VIII. Weitere Argumente gegen Studiengebühren Firmengründer sind in hohem Maße von Fremdkapital abhängig. Ist nun ein potentieller Firmengründer nach seinem Studium wegen BAföG und Studiengebühren bereits verschuldet, kann die Aufnahme weiteren Fremdkapitals und damit eine geplante Selbständigkeit zumindest erschwert werden. Um dieses Problem zu lindern, müssen geeignete

13 Kappungsgrenzen für die Gesamtschuldenlast aus BAföG und Studiengebühren eingeführt werden, wie Baden-Württemberg dies z.b. vorgesehen hat. Die Erfahrungen fast aller Länder mit Studiengebühren zeigen, dass die sehr große Gefahr besteht, dass die Einnahmen aus Studiengebühren doch nicht bei den Hochschulen bleiben, sondern dass der Staat sich in Zeiten knapper Kassen schrittweise aus der Hochschulfinanzierung zurückzieht. Hier werden also harte regelmäßige Verhandlungen erforderlich sein, um den inflationsbereinigten Beitrag des Staates zur Hochschulfinanzierung mindestens konstant zu halten. Nur dann kann nach Abzug der von den Hochschulen zu tragenden Verwaltungskosten, der Ausfallsicherung und der sozialen Ausgleichsmaßnahmen noch ein Rest bleiben, der z.b. die Einstellung von Wissenschaftlichen Mitarbeitern und Tutoren zur Verbesserung der Lehre ermöglicht. Es würde das Vertrauen der Studierenden in Gebührenregelungen sicher auch sehr erhöhen, wenn die Gebühreneinnahmen und deren Verwendung sowie die staatlichen Ausgaben jährlich gegenüber der Öffentlichkeit dokumentiert würden. Wenn die Studenten an den direkten Kosten des Studiums beteiligt werden, sinkt deren Anreiz (noch mehr), sich ehrenamtlich z.b. im AStA, zu betätigen. Dieses Problem ließe sich durch geeignete Freisemesterregelungen für derartige förderungswürdige Aktivitäten lösen. Freisemester bieten sich auch als Anreiz für hervorragende Studienleistungen an. Manche holen beim Thema Studiengebühren gleich zum Rundumschlag >>wider alles Ökonomische<< aus und betonen, dass Bildung keine Ware sei. Im Programm des 56. Hochschulverbandstags 2006 in Weimar wird beklagt, dass wir >>von allen Dingen den Preis und von nichts den Wert<< kennen: >>Die Stimme der Kritik an einer ökonomisierenden Betrachtungsweise von Universität, Wissenschaft und Bildung ist in letzter Zeit lauter geworden. Die Kritik begegnet dieser Perspektive, die lediglich die Bildungsrendite einer akademischen Ausbildung im Blick hat und die sich mehr für das Humankapital als für die Bildung von Menschen interessiert, mit dem Hinweis darauf, dass Universitäten mehr seien als Bereitstellungsanstalten von Humanressourcen: Stätten der Erkenntnis und wesentliche Bestandteile der Kultur.<< Natürlich ist Bildung mehr als nur eine Ware. Natürlich ist menschliche Arbeit mehr als die einer Maschine. Deshalb ist in Abschnitt I. die Bedeutung des Humankapitals für das Individuum ausführlich dargestellt worden. Denn in den - sehr oft anzutreffenden - Zeiten knapper Kassen müssen sich Universitäten die Frage gefallen lassen, warum das Geld für sie und nicht für Kindergärten, Straßen oder neue Panzer ausgegeben werden soll. Und dazu muss man die individuellen und externen Erträge und Kosten universitärer Bildung, berechnet mit den beschriebenen Modellen der Arbeits- und Bildungsökonomie, kennen und nennen können, da die Verkehrs- und Verteidigungsminister und nicht nur diese - auch schöne Argumente haben. Fazit Was bleibt als Fazit des relevanten Rests dieser zahlreichen Argumente? Der deutsche Staat muss sein Ausgabenproblem lösen und gleichzeitig mehr für Bildung tun. Um die schon bestehende soziale Ungerechtigkeit des deutschen Bildungssystems zu lindern, aber auch aus dem ökonomischen Blickwinkel der optimalen Allokation der knappen finanziellen Ressourcen sollte dieses aber vor allem in Kindergärten und in der Frühförderung geschehen. Ferner sollten im deutschen Schulsystem vorhandene bildungsökonomische Erkenntnisse in Reformen umgesetzt werden.

14 Deutschland braucht mehr Studenten. Dafür benötigen die Universitäten u. a. mehr Personal, also mehr Geld. Da der Staat dieses Geld nicht bereitstellen kann, bleiben dafür nur Studiengebühren. Damit die schon bestehende soziale Ungerechtigkeit des deutschen Bildungssystems sich nicht noch vergrößert, müssen diese von weitreichenden sozialen Ausgleichsmaßnahmen begleitet und auch unter Gerechtigkeitsaspekten gestaltet sein. Schließlich muss unter allen Umständen sichergestellt sein, dass der inflationsbereinigte Beitrag des Staates zur Hochschulfinanzierung mindestens konstant bleibt. Dann kann es gelingen, dass die Einführung von Studiengebühren nicht dem Staat zur Stopfung von Haushaltslöchern dient, sondern dazu, mehr Studenten besser auszubilden. Und wenn die erwähnten Reformen in Kindergärten, in der Frühförderung und im deutschen Schulsystem angepackt werden, könnte sogar die soziale Schieflage des deutschen Bildungssystems gelindert werden. Literatur 1 Aktionsbündnis gegen Studiengebühren (ABS): Argumente gegen Studiengebühren - eine Widerlegung von Behauptungen. Schriftenreihe des ABS, Heft 2: Stand Brümmerhoff, Dieter: Finanzwissenschaft. München: Oldenbourg Cahuc, Pierre und Zylberberg, André: Labor Economics. MIT Press: London Deutsches Studentenwerk: Übersicht: Studiengebühren in den 16 Bundesländern Hartmann, Michael: Mehr soziale Gerechtigkeit durch Studiengebühren? Forschung & Lehre, H. 1, 2006, S Kersting, Wolfgang: Theorien der sozialen Gerechtigkeit. Metzler: Stuttgart Lang, Thorsten: Eine ökonomische Analyse der Auswirkungen von Studiengebühren auf die Zugangsgerechtigkeit in der Hochschulbildung der Studienvertrag als neuer Handlungsvorschlag. Hochschul-Informations-System: Hannover Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg: Informationen zum Thema Studiengebühren. Stand Müller-Böling, Detlef: Vorsicht, Mythenbildung! Die Zeit, Nagel, Bernhard: Studiengebühren und ihre sozialen Auswirkungen. Nomos: Baden-Baden Wößmann, Ludger: Schooling and the quality of human capital. Springer, Berlin 2002.

15 Uwe Jensen geb in Hamburg, Studium der Mathematik in Kiel, 1992 Promotion zum Dr. sc.pol. in Kiel, seit 1991 Lehrbeauftragter für Mathematik für Wirtschaftswissenschaftler am Institut für Statistik und Ökonometrie der Christian-Albrechts-Universität, 2000 Habilitation für Statistik und Ökonometrie. PD Dr. Uwe Jensen Institut für Statistik und Ökonometrie Christian-Albrechts-Universität Wilhelm-Seelig-Platz Kiel

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