Sicherheit im Einkaufszentrum Shoppyland dank integralem Brandschutzkonzept

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1 Sicherheit im Einkaufszentrum Shoppyland dank integralem Brandschutzkonzept Publikation: Datum: 2010 Autoren: Bau Journal Frank Ritter, Dr. Bernhard Oester Nach über 30 Jahren Betrieb wurde das Einkaufszentrum Shoppyland Schönbühl, eines der grössten Einkaufszentren der Schweiz, einer Totalrenovation unterzogen. Ein wichtiges Ziel war die Sicherheit für Kunden und Angestellte auch während des Umbaus. Diese Sicherheit musste für jede Bauphase gewährleistet sein, d.h. für jede Phase neu angepasst werden. Dies stellt sehr hohe Ansprüche sowohl an die Planer als auch an die Ausführenden und nicht zuletzt an die Betreiber. Das bekannte Shoppyland Schönbühl wurde in den letzten 3 ½ Jahren einer Totalrenovation unterzogen mit einem Kostenaufwand von rund 200 Mio. Franken. AFC Air Flow Consulting wurde mit der integralen Sicherheit des Einkaufszentrums beauftragt. Dabei galt es die verschiedensten Vorschriften des Brandschutzes und der integralen Sicherheit zu beachten, möglichst objektorientiert anzuwenden und dabei den Verkaufsbetrieb möglichst wenig zu stören. Dies setzt eine sehr sorgfältige Planung für jede Bauphase voraus und vor allem eine enge Koordination zwischen Gebäudeversicherung (Kontrollorgan), der Bauherrschaft, den Unternehmern sowie den Betreibern des Einkaufszentrums. Im Folgenden wird gezeigt, wie mit Simulationen und statistischen Nachweisen die Normen eingehalten, aber auch wesentliche Einsparungen gegenüber dem Standardvorgehen erzielt werden können. Abbildung 1: Shoppyland Schönbühl Evakuierung von Personen Ein wichtiges Element der Sicherheit ist die Evakuation in einem Katastrophenfall. Um die Fluchtwege und Notausgänge richtig zu dimensionieren, ist es wichtig, die Personenbelegung und die Besucherströme in einem Einkaufszentrum zu kennen. Um dies zu eruieren, wurden an einem Rekordtag Personenzählungen gemacht. Das Ergebnis zeigte, dass die effektive Belegung nur 50% der Normannahmen gemäss VKF betragen. Aufgrund dieser Kenntnisse konnten bei gleichbleibender Sicherheit die Fluchtwege und Notausgänge um rund 50% reduziert werden. Dies bedeutete gleichzeitig einen Gewinn von Nutzfläche. Ein weiterer Nebeneffekt dieser Personenzählung war die Optimierung der Personenströme im Kassenbereich. Ein weiteres Hilfsmittel zur Optimierung der Fluchtwege sind Simulationsprogramme. Basierend auf den gesetzlichen Anforderungen werden mit Hilfe von Simulationen alle Massnahmen, z.b. Lage, Länge, Breite, Ausbil- AFC Air Flow Consulting AG T Weinbergstrasse 72 F CH 8006 Zürich

2 dung, Führung und Kapazität von Fluchtwegen optimiert; dies mit dem Ziel, die betrieblichen Ansprüche und alltäglichen Abläufe unter Wahrung der gesetzlichen Vorschriften zu optimieren. Dynamische Evakuierungssimulationen ermöglichen uns, sowohl die realen Raumverhältnisse inkl. Möblierung, als auch das Verhalten von Einzelpersonen oder Personengruppen zu berücksichtigen. Jede Person wird über ihren ganzen Fluchtweg in Wechselwirkung mit anderen Personen verfolgt. Daraus ergibt sich ein realistisches Gesamtbild der Personenevakuation. Entrauchungsnachweis Als Grundlage für den Entrauchungsnachweis galten die mit der Gebäudeversicherung Bern (GVB) definierten Schutzziele. Für Standardbauten sind die erforderlichen Brandschutz- Massnahmen in der VKF-Norm definiert. Für Bauten und Konstruktionen, die vom Standard abweichen, (Einkaufszentren, Kinos, Stadien, komplexe Bauten, Gebäude mit grosser Personenbelegung) sind diese Normalmassnahmen unter Umständen nicht anwendbar. Hier müssen die Brandschutzkonzepte objektspezifisch entwickelt und die technischen und organisatorischen Massnahmen so angepasst werden, dass sie die erforderliche Sicherheit gewährleisten. Die Gleichwertigkeit dieser Massnahmen muss mit Computersimulationen nachgewiesen und von der Behörde gutgeheissen werden. Im vorliegenden Fall wurden folgenden Fragestellungen mit Hilfe von Simulationen untersucht: 1. Rauchausbreitung in verschiedenen Bereichen des Einkaufszentrums wie Mall, grossflächige Verkaufsbereichen, mittlere bis kleine Verkaufsläden und in Gastronomielokalen. 2. Effektivität des maschinellen Rauchabzuges im Brandfall. 3. Bestimmung des notwendigen Luftvolumenstroms und der notwendigen Nachströmöffnungen für die Gewährleistung der Schutzziele im Brandfall. Das Entrauchungskonzept basiert auf einer maschinellen Rauch- und Wärmeabzugsanlage (RWA). Die Auslösung der RWA erfolgt durch eine Brandmeldeanlage (BMA). Die Nachströmung erfolgt natürlich durch die Türen zu den Räumen. Aus der Vielzahl der Simulationen sind in den folgenden Abbildungen die Rauchausbreitung in der Mall nach 15 Minuten Brand dargestellt. Die Ergebnisse zeigen, dass an der Decke des 4. Geschosses sich nach 15 Minuten Brand eine dicke Rauchschicht gebildet hat. Die Sichtweite ist kleiner als 3.3 m (rot). Im unteren Geschossbereich nimmt die Sicht zu und beträgt zwischen 5 bis 10m (grün). Die beiden untersten Geschosse bleiben praktisch rauchfrei (dunkelblau). Abbildung 2: Simulation der Rauchverteilung in der Mall nach 15 Minuten. Der simulierte Brandherd befindet sich im untersten Geschoss rechts (roter Fleck). Die Sichtweite ist in unterschiedlichen Farben dargestellt. Leichter verständlich ist die Darstellung der Rauchverteilung in Form von Isosurfaces (Abb. 3). Sie zeigt die Grenzschicht, bei welcher die Sicht noch 10 m beträgt. Gut sichtbar sind der Brandherd im untersten Geschoss, Abbildung 3: Isosurface bei 10 m Sichtbarkeit: Rauchverteilung in der Mall nach 15 Minuten. BS_BauJournal_Shoppyland_ doc Seite 2

3 die aufsteigende Rauchsäule und die Rauchschichten an den Decken der beiden obersten Stockwerke. Mit Simulationen ist es auch möglich, Synergien zu prüfen und Systeme zu optimieren. So wurde aufgrund von Simulationen vorgeschlagen, die Lüftungsanlage sowohl für Entrauchung wie auch für die Komfortlüftung zu verwendet, bzw. im Parking die CO- Entlüftungsanlage mit der Entrauchung zu kombinieren. Dadurch konnte beinahe die Hälfte der Abluftkanäle eingespart werden und die Absaugkanäle bis Bodenhöhe entfielen. Durch diese Massnahme konnte nicht nur Platz, sondern auch erheblich Kosten beim Bau, aber auch in der Wartung und im Unterhalt eingespart werden. Brandschutzkonzepte pro Bauetappe Bei Umbauten mit laufendem Betrieb ist das Brandschutzkonzept pro Bauetappe anzupassen. Es umfasst folgende wichtige Massnahmen: bauliche Massnahmen : Fluchtwege, Brandabschnitte, Tragwerke usw. technische Massnahmen: Sicherheitsmassnahmen, Brandmeldeanlage BMA, Entrauchung, Sicherheitsbeleuchtung usw. betriebliche Massnahmen: Evakuationsorganisation, Wartung, Intervention, usw. Brandfallsteuerungsmatrix Für den Brandfall wurde eine komplexe Brandfallsteuerungsmatrix erstellt. Diese stellt sicher, dass im Notfall alles planmässig funktioniert. Und zwar mit den geeigneten Anlagen am richtigen Ort, welche zur gewünschten Zeit die richtigen Funktionen ausführen. Für die 80 Zonen mit je 350 angesteuerten Elementen ergibt dies total 28'000 Ansteuerungen. Diese müssen einzeln überprüft und am Schluss im Rahmen des Integralen Tests als Ganzes kontrolliert werden. Abbildung 4: Vereinfachtes Lüftungskonzept über RWE- Kanäle. Die gemeinsame Nutzung der Lüftungsanlage sowohl für die Entrauchung wie für die CO-Entlüftung spart markant Kosten. Brandschutz Der Brandschutz umfasst eine ganze Reihe abgestimmter Massnahmen zur Vorbeugung von Bränden und Rauchschäden. Zum Brandschutz gehören einerseits bauliche Massnahmen wie Verwendungen von brandreduzierenden Materialien, Einsatz von Bauteilen mit definiertem Feuerwiderstand (Brandabschnittbildung), Gewährleistung kurzer Fluchtwege, andererseits technische Massnahmen wie Brandmelder, Sprinkler und RWA (Rauch- und Wärmeabzugs-Anlagen) und nicht zuletzt organisatorische Massnahmen. Alle diese Massnahmen werden im Brandschutzkonzept aufeinander abgestimmt. Abbildung 5: Ausschnitt aus der Brandfallsteuerungsmatrix Integraler Test Die Gebäudeversicherung verlangte im Rahmen der Abnahme einen Integraltest. Dieser umfasst eine Vielzahl von Tests und Kontrollen, nämlich BS_BauJournal_Shoppyland_ doc Seite 3

4 Verrauchung von mehreren Räumen Alarmierungen Brandfallsteuerungen BFS mit Normalnetz und mit Notstrom; Die Verrauchung erfolgt mit Warmrauch. Bei diesen Versuchen wird getestet, ob die verschiedenen Komponenten der Branddetektion und der mechanischen Entrauchungsanlage ordnungsgemäss funktionieren: Branddetektion (BMA) und Auslösen der Entrauchungsanlagen (RWA) Korrekte Öffnung der Nachströmungsöffnungen, Schliessen von Brandschutztoren, Herunterfahren von Rauchschürzen, Stoppen von Personen- und Warenliften sowie Rolltreppen; Durchsagen Strömungsverhältnisse im Raum, Nachströmung, Entrauchung, Rauchschichtung. von der Bauphase provisorische Flucht- und Rettungswege vorhanden sind, die Sicherheitsbeleuchtungen und markierungen angepasst sind, die Brandabschnitte definiert sind, Löschmassnahmen, Alarmierungseinrichtungen, Brandfallplanung vorhanden und mit den Verantwortlichen einstudiert sind. Er überwacht die brandschutztechnisch korrekte Ausführung am Bau, kontrolliert die Materialien und Bauteile auf ihre brandtechnische Eignung, überprüft die Konstruktion und Anschlüsse und begleitet die Planer für RWA / Brandfallsteuerung. Er schult und berät die Sicherheitsbeauftragten des Einkaufszentrums für alle brandschutzrelevanten Bereiche, organisiert Notfallübungen und hilft mit beim Aufbau und Betrieb des organisatorischen Brandschutzes (u.a. Brand, Evakuation, Intrusion, Stromausfall). Abbildung 6: Warmrauchversuch im Verkaufsladen Hennes Mauritz, Shoppyland: Entlang der Decke breitet sich der Rauch aus und wird durch die maschinelle Entrauchung abgesogen; der untere Teil bleibt rauchfrei Zudem werden alle weiteren Funktionen geprüft, die durch den Brandalarm ausgelöst werden (Durchsage Evakuation, Abläufe im Brandfall) gemäss Brandfallsteuerungsmatrix. Baubegleitung Der Brandschutzspezialist begleitet fachlich die Ausführung und macht Verbesserungsvorschläge. Er ist besorgt, dass in Abhängigkeit Abbildung 7: Baubegleitung, vor allem in kritischen Phasen ist von entscheidender Bedeutung. Wartung und Unterhalt Alle technischen Sicherheitseinrichtungen müssen zyklisch gewartet und periodisch überprüft werden. Hiefür hat AFC eine Anleitung Sicherheitstest Wartung /Unterhalt verfasst und schlägt vor, dass periodisch interne integrale Tests durchgeführt werden. Die Anleitung enthält auch Musterdokumente zur Nachvollziehbarkeit sowie Notfall-Listen. Diese fachliche Unterstützung wird von den Sicherheitsverantwortlichen sehr geschätzt. BS_BauJournal_Shoppyland_ doc Seite 4

5 Brandschutzkonzept aus einer Hand Da der Brandschutz eine ganze Palette abgestimmter baulicher, technischer und betrieblicher Massnahmen zur Vorbeugung von Bränden und Rauchschäden umfasst, ist es zweckmässig und effizient, alle Schritte von der Planung bis zur Ausführung durch eine einzige Firma koordinieren oder durchführen zu lassen. Nur umfassende Kompetenzen kombiniert mit langjährigen Erfahrungen ermöglichen einen effizienten Planungsablauf und optimal funktionierende Brandschutz- Lösungen. Schlussfolgerungen Die Komplexität des Umbaus von Shoppyland stellte sehr hohe Anforderungen an Sicherheit, aber auch an alle Beteiligten und Betroffenen. Der Erfolg hing in hohem Mass von der intensiven Zusammenarbeit des Bauherrn, des Architekten, der Gebäudeversicherung, der Feuerpolizei und den Brandschutzingenieuren und insbesondere dem allseitigen Bestreben, gute Lösungen zu finden, die sowohl den zukünftigen Betreibern, als auch den Brandschutzvorschriften entsprechen. Da bei solchen Gebäuden die Brandschutzvorschriften nicht nach den VKF-Richtlinien durchgeführt werden können, sondern in der Regel angepasste Speziallösungen erfordern, lohnt es sich, moderne Simulationsprogramme zu benutzen und mit Variantenstudien kostengünstige, angepasste Lösungen zu suchen. Moderne Simulationsprogramme sind wichtige Hilfsmittel, um verschiedensten Gefahrenszenarien zu simulieren und die entsprechenden Massnahmen zu optimieren. Sie setzen hohe Fachkompetenz im Brandschutz und in der Brand- und Rauchsimulation voraus. Brandschutzmassnahmen sind meist zusätzliche Massnamen und daher teuer, weshalb sie möglichst objektverträglich zu planen und mögliche Synergien zu nutzen sind. Durch frühzeitigen Einbezug des Brandschutzes in den Planungsprozess können effiziente, kostengünstige Lösungen gefunden und optimiert werden. AFC Geschäftsbereiche Brandschutz Sicherheit für Ihr Gebäude Brandschutzkonzepte Fluchtweg und Entrauchung Integrale Sicherheit Ausführung und Betrieb Bauklimatik Mehr Komfort, weniger Energie Raumklima und Komfort Fassaden und Atrien Lüftungskonzepte Gebäudeumströmung Contaminant Control Bessere Luft für Reinraum, Industrie und Umwelt Reinraum Industrielüftung Abgasausbreitung Luftqualität Engineering Schnellere Produktentwicklung dank Simulationen Strömungsanalyse CFD Wärmeleitung / Kühlung Deformation FEM Verbrennung / Mischung BS_BauJournal_Shoppyland_ doc Seite 5

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