Landwirtschaft unter neuen Markt- und Preisbedingungen - Konsequenzen für hessische Betriebe. Dr. Christian Bickert

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1 Landwirtschaft unter neuen Markt- und Preisbedingungen - Konsequenzen für hessische Betriebe Dr. Christian Bickert

2 Haben wir ein neues Preisniveau? /t Weizen Raps

3 Gründe für ein neues Preisniveau Knappheit, weil.. oweltbevölkerung okaufkraft/fleischverzehr obiotreibstoffe/bioenergien Produktionskosten

4 Weltbevölkerung Bevölkerungszuwachs: 78 Mio. p.a.

5 (in Mio.) Summe Welt davon >65: Welt- bevölkerung Indien davon >65: China davon >65: Pakistan davon >65: Afrika davon >65: Nigeria davon >65: NA/Nahost davon >65: Europa davon >65:

6 Fleischverzehr und Kaufkraft Fleisch Fisch Summe BIP (US-$/Kopf) China Japan USA Deutschland Indien Pakistan Indonesien Ägypten

7 Globale Fleischerzeugung ,7 Mio. t 100 Mio. t ,8 Mio. t Schwein Geflügel Rind

8 Verbrauchszuwachs Zuwachs Fleischverbrauch: Schwein: 1,7 Mio. t/jahr Geflügel: 2,8 Mio. t/jahr Fisch: 1,8 Mio. t/jahr = 9 Mio. t Futtergetreide = 6 Mio. t Sojaschrot Zuwachs pflanzl. Verbrauch: Getreide (ohne Reis): 17 Mio. t/jahr Pflanzenöle: 4,7 Mio. t/jahr

9 Produktionszuwachs Getreide 26 Mio. t/jahr = 1,1% Ertragszuwachs bzw. 2,7% nur für Mais Ölschrote 6 Mio. t/jahr = 2% Ertragszuwachs bzw. 3% nur für Sojabohne Pflanzenöle 4,7 Mio. t/jahr = 3% Ertragszuwachs

10 Wo liegen die Reserven? Weltweiter Anbau von Weizen und Futtergetreide 575 3,75 1,8 % p.a. in 5 Jahren 3,5 Fläche (Mio. ha) ,25 3 2,75 2,5 Ertrag (t/ha) 2, / / / / / / / / / /12

11 Ertragsfortschritt Mais ,6 % p.a. in 5 Jahren 6 5 Fläche (Mio. ha) Ertrag (t/ha) Fläche Ertrag

12 Ertragsfortschritt Weizen 250 3, Fläche (Mio. ha) ,3 % p.a. in 5 Jahren 2,8 2,6 Ertrag (t/ha) 150 2, ,2 Fläche Ertrag

13 Wo liegen die Reserven? Weltweiter Anbau von Ölsaaten (ohne Ölpalmen) 250 2, ,25 Fläche (Mio. ha) ,75 Ertrag (t/ha) 150 1,3 % p.a. in 5 Jahren 1, , / / / / / / / / / /12

14 Zwischenfazit Der Anstieg der Weltbevölkerung und der zunehmende Fleischkonsum sorgt nicht für Knappheit beim Getreide Die Eiweißversorgung lässt sich aber nur über mehr Flächen sicherstellen Die Pflanzenölversorgung ist ohne den Zuwachs bei den Ölpalmen und der Sojafläche (für Eiweiß) nicht sicher

15 Biosprit

16 Verbrauch Getreide für Bioethanol Mio. t / / / / / / /13 Getreideverbrauch Anfall DDGS

17 Bioethanol USA US-Ethanolproduktion und Bedarf (Mrd. gal.) Produktion Bedarf

18 Bioethanol EU EU-Ethanolproduktion und max. Bedarf (Mrd. l) Produktion Verbrauch max. Beimischung

19 Tank oder Teller - Bioethanol Struktur des Verbrauchszuwachses bei Getreide 5 % % Mio. t % 11 % / / / / / / / / / / / / / /14 Futter Nahrung, Rest

20 Tank oder Teller - Bioethanol Struktur des Verbrauchszuwachses bei Getreide 5 % % 6 % 125 Mio. t % % 11 % / / / / / / / / / / / / / /14 Futter Nahrung, Rest Bioethanol

21 Tank oder Teller - Biodiesel 175 Bilanz für Weltpflanzenöle % für Biodiesel 1,9 Mio. t p.a. für Biodiesel Mio. t 125 4,7 Mio. t p.a. für Ernährung 18 % für Biodiesel Produktion/Verbrauch ohne Biodiesel

22 Zwischenfazit Der Anstieg des Getreideverbrauchs für Biosprit ist vorbei. Damit wird Bioethanol zur Konstante, aber nicht zum entscheidenden Preisfaktor Der Biodieselverbrauch nimmt noch leicht zu, vor allem in Südamerika. Die Preiswirkung lässt stark nach

23 Produktionskosten

24 Knappheitsfaktor Land 1500 Globale Ackerflächen 1300 Mio. ha Ackerfläche Erntefläche

25 Globale Flächenreserven (Mio. ha) Lateinamerika Afrika südl. Sahara Ostasien Südasien Nordafrika/Nahost Osteuropa

26 Mobilisierung von Flächenreserven

27 Mobilisierung von Flächenreserven

28 Flächenreserven Neuland heißt: Straßen Strom Wasser Ersatzteillogistik Langfristige Kapitalbindung

29 PSM- und Saatgutaufwand je ha US-$/ha Pflanzenschutz Saatgut

30 Produktionskosten Land gibt es genug, aber es gibt kein billiges Land mehr Saatgut-, PSM-, Diesel- und Maschinenkosten steigen weltweit Den billigen Jakob gibt es nicht mehr

31 Das Ende der Analyse Ja, wir haben ein neues Preisniveau Aber nicht bei über 200 /t Weizen und >400 /t Raps. sondern eher zwischen 150 und 200 /t Weizen und 330 bis 400 /t Raps Und der Preisanstieg beruht zu einem guten Teil auf höheren Kosten

32 . ist der Beginn der Konsequenz

33 Was bleibt übrig? Raps Zuckerrüben Weizen Markterlös (5t/85t/9t) Prämie Summe Dünger Saatgut Pflanzenschutz Mähdrusch/Ernte Diesel Deckungsbeitrag

34 Wie hoch sind Ihre Fixkosten? 100 ha 200 ha Pacht Maschinenkosten/Reparaturen Gebäude Buchhaltung Büro Versicherungen, Betriebssteuern Verbände, Zeitschriften etc Löhne Summe

35 Was bleibt übrig? Raps Zuckerrüben Weizen Deckungsbeitrag Fixkosten Echter Gewinn ha 200 ha nachhaltiger Betriebsgewinn (Rübe) nachhaltiger Betriebsgewinn (Raps) Stundenlohn (2050 h/a) 27 (Rübe) 21 (Raps) 55 (Rübe) 43 (Raps)

36 Mit wem vergleichen Sie sich? Tariflohn Friseur 8 Bauhilfsarbeiter 12,70 Gärtner 13,50 Maschinenführer 15,40 Maurer 18 Industriemeister 31 x 2050 h/jahr = % Rente/Krankenvers. Elektroingenieur 38 x 2050 h/jahr = % Rente/Krankenvers.

37 Am Ende steht der Einkommensanspruch 100 ha: Unter 230 /t für Weizen bei heutigen Produktionskosten bietet ein reiner Ackerbaubetrieb keine Zukunft! 200 ha: Bei heutigen Kosten bietet ein reiner Ackerbaubetrieb gute Perspektiven stabile Pachten und Prämien vorausgesetzt.

38 Was heißt das für die Zukunft? Für Kleinbetriebe dauerhafte auskömmliche Preise sind unwahrscheinlich Die Weichen stellen, also langfristige Betriebsgrundlagen sichern In der Regel heißt das Wachstum oder Intensivierung, entspricht also nicht den Zielen der Politiker!

39 Betriebsstrategien Ausstieg o Ziel: Vermögen retten Nebenerwerb o Ziel: Landwirt bleiben Umstellung auf Bio o Ziel: meistens Prämien mitnehmen (Politikabhängigkeit) Wachstum/Intensivierung (Feld oder Stall) o Ziel: Betrieb zukunftsfähig halten

40 Meine Thesen sind bitter. Sie müssen mir nicht zustimmen. Aber bitte rechnen Sie ehrlich! Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit

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