Built to last: Modernisierung von Java-Anwendungen

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1 Built to last: Modernisierung von Java-Anwendungen Name: Frank Pientka Funktion/Bereich: Software-Architekt Organisation: Materna GmbH Liebe Leserinnen und liebe Leser, Java und die damit entwickelten Anwendungen sind in die Jahre gekommen. Damit wird es Zeit für eine Bestandsaufnahme, wie es mit der Java-Entwicklung weitergeht. Frank Pientka, Software-Architekt beim IT-Dienstleister Materna GmbH erläutert Wege aus der Wartungsfalle und gibt Tipps für die Applikations-Modernisierung. Java wurde 1995 erstmals vorgestellt. Ist die Technologie überhaupt noch zeitgemäß? Ursprünglich als einfache und objektorientierte Programmiersprache entwickelt, hat sich Java zu einer umfassenden Technologie entwickelt, die mit der Entwicklung des Internets einen erstaunlichen Siegeszug hingelegt hat. Gleichzeitig hat Java eine hohe Komplexität erreicht, die Entwickler und IT-Spezialisten nur mit Mühe bewältigen. Alle sieben Jahre hat sich die Größe des Software-Codes verdoppelt, was die Weiterentwicklung und Wartung zusätzlich erschwert. Das gern zitierte IT-Mantra never change a running system kommt daher, dass Änderungen am Code für viele Firmen hoch riskant geworden sind. Daher existieren in vielen Unternehmen gewachsene Java-Lösungen, die im Kern oder in Teilbereichen veraltet sind. Sowohl die Programmiersprache selbst als auch auf Java basierende Software haben einen hohen Entwicklungsstand erreicht. Im Zeitalter von Cloud und Virtualisierung ist das Konzept der Plattformunabhängigkeit von Java wichtiger als früher. Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen Ihr NetSkill-Team Seite 1

2 Sehr geehrter Herr Pientka, Frageblock 1: Plattformunabhängigkeit und Abwärtskompatibilität Plattformunabhängigkeit und Abwärtskompatibilität machen Java attraktiv. Birgt das Alter vieler damit entwickelten Anwendungen auch Risiken? Java ist heute aus der Unternehmens-IT nicht mehr wegzudenken. Da Java immer noch die am meisten gelehrte und angewandte Programmiersprache ist, gibt es genügend Personal und Wissen für die unterschiedlichsten Bereiche. Viele Organisationen haben in der Vergangenheit enorme Investitionen getätigt und möchten ihre Anwendungen auch weiterhin einsetzen. Aus dieser Situation heraus entsteht eine Wartungsfalle, die sich in kontinuierlich steigenden Kosten bei gleichzeitig sinkender Entwicklungsgeschwindigkeit äußert. Zusätzlich besteht bei nicht mehr gewarteten Anwendungskomponenten ein hohes Betriebsrisiko, das Unternehmen bei wichtigen Systemen gern vermeiden möchten. Ab dem nächsten Jahr werden beispielsweise nicht nur Java 6, sondern viele noch weit verbreitete Java-Produkte nicht mehr gewartet. Ein guter Zeitpunkt also, um über eine Aktualisierung oder Ablösung nachzudenken. Seite 2

3 Frageblock 2: Java-Versionen, Bibliotheken und System-Software Wie treffen Unternehmen die richtige Entscheidung? Zunächst sollten Unternehmen eine Bestandsaufnahme der verwendeten Java-Versionen, Bibliotheken und System-Software machen. Nach einer ersten Bewertung der Java-Gesamtsituation empfiehlt sich eine Analyse der einzelnen Anwendungen. Anschließend werden als kleinster gemeinsamer Nenner die gewünschte Ziel-Java-Version und die dafür benötigte Infrastruktur festgelegt. Allein die so erreichbare Harmonisierung und spätere Konsolidierung optimieren die Entwicklung und den Betrieb, ohne die bestehenden Applikationen wesentlich zu verändern. Anschließend ist zu entscheiden, ob die Anwendungen nur auf die neue Zielumgebung migriert oder dabei noch modernisiert und angepasst werden sollen. Seite 3

4 Frageblock 3: Vorgehensweisen: Schmetterling, kleines Hühnchen oder Urknall Welche Vorgehensweise empfehlen Sie? Als Vorgehen zur Migration haben sich ein zeitlich begrenzter paralleler Testbetrieb, aber auch eine so genannte Urknall-Ablösung bewährt. Für eine größere Modernisierung sollten sich die Verantwortlichen zwischen den Vorgehensweisen Schmetterling, kleines Hühnchen und Urknall entscheiden. Bei ersterem werden schrittweise Funktionen ausgetauscht und in Betrieb genommen, so dass sich eine neue Version langsam entpuppt. Bei letzterem läuft alles auf eine Komplettablösung zu einem bestimmten Termin hinaus. Die Variante Schmetterling ist daher auch deutlich risikoärmer und weniger aufwendig. Da es bei einer Modernisierung nicht nur mit einer Aktualisierung der Laufzeitumgebung getan ist, bietet sich das Zwiebelprinzip an. Bevor die Entwicklungs- und Betriebsumgebung modernisiert werden, empfiehlt es sich, die nicht mehr benötigten Teile oder Bibliotheken in der alten Umgebung zu entfernen. Statische Code-Analyse-Werkzeuge sowie Refaktorings helfen, den Code zu bereinigen und wartungsfreundlicher zu machen. Beim Austausch von Bibliotheken sollten Sie die Module aus dem Java-Standard bevorzugen, da sie stabiler sind als proprietäre Lösungen. Zusätzlich hilft es beim Aktualisieren von Bibliotheken, deren Abhängigkeiten zu anderen Bibliotheken zu beschreiben. So vermeiden Sie, Versionskonflikte, wenn Sie dieselben Bibliotheken in unterschiedlichen Versionen einsetzen. Seite 4

5 Frageblock 4: Zukunftsausblick Wie lauten Ihr Resümee und der Ausblick in die Zukunft? Falls möglich, empfiehlt es sich, auch künftig Java als Hauptprogrammiersprache zu nutzen. Mehrere Programmiersprachen und komplementäre Technologien sind Gift für die Wartung, da es schwierig ist, für zu viele Gebiete das benötigte Wissen vorzuhalten. Selbst wenn Java für die meisten die Muttersprache bleibt, ist es wichtig sich zumindest mit den Konzepten anderer Sprachen, wie JS, Node.js, Clojure, Scala oder Groovy, zu beschäftigen, um in der Problemlösung beweglich zu bleiben. Unternehmen sollten die Modernisierung auch dazu nutzen, die neuen Möglichkeiten von Java EE kennenzulernen und obsolet gewordene Muster und Vorgehensweisen über Bord zu werfen. Schaffen Sie Platz für neue Ansätze. Aktuell bieten sich eine Bestandsaufnahme und ein Frühjahrsputz an. Dazu führt Materna eine Kurzumfrage unter durch, mit der Sie den Bedarf für Ihre Java-Infrastruktur beurteilen können. Materna berät als Java-Pionier der ersten Stunde auf dem Weg zur nächsten Etappe. Unsere Experten checken den Gesundheitszustand von Java-Anwendungen mit bewährten Methoden und geben konkrete Empfehlungen zur Optimierung oder Weiterentwicklung. Wir stimmen individuell die nötigen Migrations- oder Modernisierungsschritte ab. In unsere Projekte fließen die jahrzehntelangen Erfahrungen mit der Entwicklung stabiler und flexibler Anwendungen ein. Vielen Dank für das Interview! Seite 5

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