Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage zur schriftlichen Beantwortung

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1 Landtag von Sachsen-Anhalt Drucksache 4/698 Vierte Wahlperiode Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage zur schriftlichen Beantwortung Abgeordneter Matthias Höhn (PDS) Lehrerinnen und Lehrer an berufsbildenden Schulen, Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger Kleine Anfrage - KA 4/6279 Wortlaut der Kleinen Anfrage zur schriftlichen Beantwortung Ich frage die Landesregierung: 1. Welche Voraussetzungen hinsichtlich ihrer Qualifikation stellt die Landesregierung an Lehrkräfte, die in berufsbildenden Schulen tätig sind? In welchen konkreten Anforderungen an Abschlüsse, Zertifikate oder Befähigungsnachweise, über die die genannten Lehrkräfte verfügen müssen, kommt das zum Ausdruck? 2. Sind derzeit an berufsbildenden Schulen Fachleute als Lehrkräfte tätig, die die unter 1. erfragten Voraussetzungen nicht oder nicht in vollem Umfang erfüllen? Wenn ja, um wie viele Lehrkräfte handelt es sich, unter welchen Voraussetzungen wurden sie in den Schuldienst aufgenommen und an welchen Schulen sind sie vorrangig eingesetzt, sind dabei regionale Schwerpunkte zu erkennen? 3. Ist von Seiten der Landesregierung vorgesehen, den unter 2. erfragten Lehrkräften Angebote zu unterbreiten, damit sie die entsprechenden Abschlüsse, Zertifikate oder Befähigungsnachweise nachträglich erwerben können? Wie verfährt die Landesregierung bei Bewerberinnen und Bewerbern, die zwar über einen akademischen Abschluss verfügen, nicht aber in einem Fachgebiet, das mit einer beruflichen Fachrichtung vergleichbar ist? 4. Sieht sich die Landesregierung veranlasst, ab einem bestimmten Zeitpunkt Arbeitsverhältnisse mit Lehrkräften an berufsbildenden Schulen, die nicht über die festgelegten Voraussetzungen verfügen, zu beenden? Wenn ja, wie beabsichtigt sie das zu handhaben? Wie soll insbesondere mit Akademikerinnen und Akademikern verfahren werden, die nicht über einen Abschluss in einem Fachgebiet (Ausgegeben am )

2 2 verfügen, das mit einer beruflichen Fachrichtung vergleichbar ist, und denen dadurch eine Weiterbildung auf dem Gebiet der Berufspädagogik verwehrt wird? 5. Sieht sich die Landesregierung veranlasst, erteilte Genehmigungen für berufsbildende Ausbildungsgänge an Schulen in freier Trägerschaft zu entziehen, wenn in diesen Ausbildungsgängen Lehrkräfte unterrichten, die die unter 1. erfragten Voraussetzungen nicht oder nicht vollständig erfüllen? Wie soll insbesondere verfahren werden, wenn es sich bei den in Rede stehenden Lehrkräften um Akademikerinnen und Akademiker handelt, die nicht über einen Abschluss in einem Fachgebiet verfügen, das mit einer beruflichen Fachrichtung vergleichbar ist, und deren Zugangsmöglichkeiten, wie unter 4. erwähnt, zu berufspädagogischer Weiterbildung eingeschränkt ist? 6. Welche Fachgebiete akademischer Abschlüsse sind nach den Beurteilungskriterien der Landesregierung insbesondere nicht mit einer beruflichen Fachrichtung vergleichbar? Antwort der Landesregierung erstellt vom Kultusministerium Zu 1: Die Erfüllung der Voraussetzungen für ein Lehramt ergeben sich aus den laufbahnrechtlichen Bestimmungen. In der Regel ist dazu das Erste und Zweite Staatsexamen für das jeweilige Lehramt erforderlich. Die Tätigkeit einer Lehrkraft an berufsbildenden Schulen entspricht einer Verwendung im höheren Dienst. Insofern bedarf es eines dazu qualifizierenden universitären Abschlusses und eines in der Regel 24-monatigen Vorbereitungsdienstes. Lehrkräfte, die nicht die Voraussetzungen für die Übernahme in das Beamtenverhältnis verfügen, werden - je nach Qualifikation - nach den Lehrereingruppierungsrichtlinien des Landes Sachsen-Anhalt eingruppiert. Danach ist grundsätzlich auch eine Eingruppierung von Lehrkräften ohne Ausbildung möglich. Welche Ausbildungsrichtung für den konkret zu erteilenden Unterricht im Einzelnen als zutreffend erscheint, ist nach schulfachlichen Gesichtspunkten zu beurteilen. Für die Erteilung von berufstheoretischem Unterricht ist eine abgeschlossene Hochschulausbildung erforderlich. Bei der Tätigkeit einer Lehrkraft für Fachpraxis handelt es sich um eine Tätigkeit, die der Verwendung im gehobenen Dienst entspricht. Voraussetzung hierfür ist ein Meister- oder Technikerabschluss, ein vergleichbarer Abschluss oder ein Fachhochschulabschluss. Hiervon abweichend werden in einigen Berufsbereichen, so zum Beispiel in den nichtärztlichen Heilberufen, folgende Anforderungen gestellt: - der Realschulabschluss, - eine abgeschlossene (entsprechende) Berufsausbildung und - eine zweijährige Berufstätigkeit im erlernten Beruf.

3 3 Zu 2: Die Mehrzahl der an den berufsbildenden Schulen Sachsen-Anhalts beschäftigten Lehrkräfte hat eine Ausbildung nach dem Recht der DDR absolviert. Diese Lehrkräfte wurden nahezu vollständig in den Schuldienst des Landes Sachsen-Anhalt übernommen, obwohl die Qualifikation nicht in jedem Fall dem neuen Recht entsprach. Aufgrund des Personalbedarfs an berufsbildenden Schulen wurden in der zweiten Hälfte der 90er-Jahre Möglichkeiten für Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger geschaffen, als Lehrkraft an berufsbildenden Schulen beschäftigt zu werden. Voraussetzung hierfür ist eine ausreichende fachliche Qualifikation auf universitärem Niveau für eine berufliche Fachrichtung sowie - für eine Beschäftigung auf Dauer - eine erfolgreiche pädagogische Nachqualifizierung. Zu 3: Die an berufsbildenden Schulen des Landes tätigen Lehrkräfte, die zwar über einen universitären oder gleichgestellten Hochschulabschluss in einer beruflichen Fachrichtung, jedoch über keine berufspädagogische Ausbildung verfügen, können diese im Rahmen eines berufsbegleitenden Studienganges an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg im Fach Berufspädagogik nachholen. Darüber hinaus ist ein Quereinstieg zum Berufsschullehrer in Sachsen-Anhalt auf zwei Wegen möglich: a) In den zweijährigen Vorbereitungsdienst können auch Bewerberinnen und Bewerber zugelassen werden, die auf Grund eines wissenschaftlichen Studiums an einer Universität oder an einer gleichgestellten Hochschule den Abschluss als Diplom-Oecotrophologin oder Diplom-Oecotrophologe, Diplom-Kauffrau oder Diplom-Kaufmann, Diplom-Handelslehrerin oder Diplom-Handelslehrer, Diplom-Volkswirtin oder Diplom-Volkswirt, Ärztin oder Arzt, Diplom-Pflegewissenschaftlerin oder Diplom-Pflegewissenschaftler, Diplom-Medizinpädagogin oder Diplommedizinpädagoge oder einen vom Kultusministerium als gleichwertig anerkannten Abschluss sowie eine einjährige für die jeweilige berufliche Fachrichtung einschlägige berufspraktische Tätigkeit nachweisen können. Der Vorbereitungsdienst wird durch ein begleitendes Studium in der Berufspädagogik ergänzt. Er schließt mit der Zweiten Staatsprüfung und damit mit der Lehrbefähigung für das Lehramt an berufsbildenden Schulen ab. b) Für Absolventinnen und Absolventen von Fachhochschulen werden im Rahmen einer tätigkeitsbegleitenden Ausbildung für das Lehramt an berufsbildenden Schulen seit dem Jahr 2000 und auch in den kommenden Jahren Teilzeitstellen ausgeschrieben. Die Teilzeitbeschäftigung ist auf einen unterrichtlichen Einsatz von 60 vom Hundert des Pflichtstundenumfangs der Lehrkräfte im berufstheoretischen Unterricht begrenzt, die an drei Wochentagen erteilt werden. Das berufsbegleitende Studium, das an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg statt-

4 4 findet, erstreckt sich über drei Jahre. Es betrifft im Wesentlichen die Berufspädagogik, die Fachdidaktik der beruflichen Fachrichtung und ein allgemein bildendes Fach (Informatik, Sozialkunde oder Englisch) und endet mit der Ersten Staatsprüfung. Nach erfolgreichem Abschluss erfolgt die Überleitung in ein Vollzeitarbeitsverhältnis. Eine anschließende Absolvierung des Vorbereitungsdienstes ist möglich. Die für die einzelnen Berufsfelder in den letzten Jahren ausgeschriebenen Fachhochschulabschlüsse werden in der folgenden Tabelle aufgeführt: Berufsfeld Wirtschaft und Verwaltung Ernährung und Hauswirtschaft Gesundheit; Pflege Metalltechnik Bautechnik (umfasst Holztechnik, Farbtechnik, Raumgestaltung) Agrarwirtschaft Elektrotechnik relevante berufliche Fachrichtungen Diplom-Betriebswirt/Diplombetriebswirtin (FH) Diplom-Verwaltungswirt/Diplom-Verwaltungswirtin (FH) Diplom-Oecotrophologe/Diplom-Oecotrophologin (FH) Diplom-Gesundheitswirt/Diplom-Gesundheitswirtin (FH) Diplom-Pflegepädagoge/Diplom-Pflegepädagogin (FH) Diplom-Musiktherapeut/Diplom-Musiktherapeutin (FH) Diplom-Ingenieur/Diplom-Ingenieurin (FH) - Maschinenbau mit unterschiedlichen Vertiefungen Diplom-Ingenieur/Diplom-Ingenieurin (FH) - Bautechnik mit unterschiedlichen Vertiefungen Diplom-Forstwirt/Diplom-Forstwirtin (FH) Diplom-Landwirt/Diplom-Landwirtin (FH) Diplom-Gartenbauer/Landschaftspfleger / Diplom-Gartenbauerin/Landschaftspflegerin (FH) Diplom-Ingenieur/Diplom-Ingenieurin (FH) - Elektrotechnik mit unterschiedlichen Vertiefungen Zu 4: Lehrkräfte, die sich in einem unbefristeten Beschäftigungsverhältnis zum Land Sachsen-Anhalt befinden, können nur unter Beachtung der Vorschriften des Kündigungsschutzgesetzes gekündigt werden. Eine nicht vollständige Ausbildung reicht dabei als Kündigungsgrund nicht aus. Auch bedarfsbedingte Kündigungen sind im Bereich der berufsbildenden Schulen derzeit nicht beabsichtigt. Zu 5: Die Anforderungen an die wissenschaftliche Ausbildung der Lehrkräfte an den Ersatzschulen sind erfüllt, wenn eine fachliche und pädagogische Ausbildung sowie Prüfungen nachgewiesen werden, die der Ausbildung und den Prüfungen der Lehrerinnen und Lehrer an öffentlichen berufsbildenden Schulen im Werte gleichkommen ( 16 des Schulgesetzes des Landes Sachsen-Anhalt, Punkt 3 a).

5 5 Entsprechend besteht auch an den berufsbildenden Ersatzschulen die Möglichkeit, dass Lehrkräfte als Seiteneinsteigerinnen oder Seiteneinsteiger beschäftigt werden. Eine pädagogische Qualifizierung ist dabei unumgänglich. In bestimmten Fällen kann unter der Voraussetzung einer erfolgreichen Nachqualifizierung eine Genehmigung befristet erteilt werden. Zu 6: Nicht mit einer beruflichen Fachrichtung vergleichbare Studiengänge sind insbesondere solche, die einem allgemein bildenden Fach des Lehramtes an berufsbildenden Schulen zuzuordnen sind, wie zum Beispiel Deutsch (Germanistik), Englisch (Anglistik), Ethik, Mathematik, Physik, Russisch, Sozialkunde (Sozialwissenschaft) und Sport. Weitere Beispiele für Studiengänge, die keiner beruflichen Fachrichtung zugeordnet werden können, sind Astronomie, Bibliothekswesen, Geografie, Geschichtswissenschaft, Kulturwissenschaft, darstellende Kunst, Kunstwissenschaft, Musikwissenschaft, Musik, Pädagogik, klassische oder neue Philologien, Philosophie, Politikwissenschaft, Publizistik/Journalistik, Psychologie, Sozialpädagogik, Soziologie, Sport, Theaterwissenschaft und Theologie.

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