Erben und Vererben mit Sinn und Verstand

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1 Erben und Vererben mit Sinn und Verstand

2 Historisches Sachsenspiegel ( ) Stirbt ein Mann, ohne Nachkommen zu hinterlassen, nimmt sein Vater das Erbe. Wenn er keinen Vater mehr hat, so nimmt es seine Mutter mit größerem Recht als sein Bruder. Wahlrecht der Frau in Deutschland seit 1919

3 Wer erbt ohne testamentarische Regelung oder Erbvertrag? gesetzliche Erbfolge Umfang der Erbfolge bei verheiratetem Erblasser abhängig vom Güterstand - Zugewinngemeinschaft - Gütertrennung - Gütergemeinschaft

4 Gesetzliche Erbfolge Das Gut rinnt wie das Blut

5 Gesetzliche Erbfolge Das Gut rinnt wie das Blut Erben 1. Ordnung Erblasser Ehegatte Zu gleichen Teilen Nichteheliche Kinder Eheliche Kinder Adoptierte Kinder Enkel Enkel Enkel

6 Gesetzliche Erbfolge Das Gut rinnt wie das Blut Erben 2. Ordnung Erben 1. Ordnung Nicht vorhanden Vater Mutter Geschwister Erblasser Geschwister Nichten / Neffen Ehegatte Nichten / Neffen

7 Das Ehegattenerbrecht Im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft

8 Das Ehegattenerbrecht Neben Erben 2. Ordnung im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft Ehegatte erbt neben Eltern und Geschwistern ¼ + ½ also 3/4

9 Das Ehegattenerbrecht Gütertrennung ehevertragliche Regelung Erbrecht zu gleichen Teilen neben den Kindern, jedoch nicht weniger als 25% + Voraus.

10 Vergleich der Ehegatten gegenüber Abkömmlingen bei den einzelnen Güterständen Güterstand Ehegatte Erbteil 1 Kind Erbteil 2 Kinder Erbteile zusammen mehr als 2 Kinder Erbteile zusammen Zugewinngemeinschaft 1/2 1/2 1/2 1/2 1/2 1/ Gütertrennung 1/ / / /4 Gütergemeinschaft 1/4 (dazu die Hälfte des Gesamtgutes) 3/4 3/4 3/4

11 Vergleich der Ehegatten gegenüber anderen Verwandten bei den einzelnen Güterständen Güterstand Ehegatte Erbteil Eltern und deren Abkömmlinge Erbteile zusammen Großeltern Erbteile zusammen Zugewinngemeinschaft 3/4 1/4 höchstens 1/4 Gütertrennung 1/2 1/2 höchstens 1/2 Gütergemeinschaft 1/2 (dazu die Hälfte des Gesamtgutes) 1/2 höchstens 1/2

12 Folgen der gesetzlichen Erbfolge unzureichende Absicherung Ehefrau keine Fürsorge für schwächere Familienmitglieder Risiko Erbschaftsteuer Erbengemeinschaft mit Zwang zur Einigung

13 Und?

14 Lösung: Testament oder Erbvertrag (notarielle Beurkundung nötig)

15 Testamentsform handschriftlich (komplett mit Datum und Unterschrift) notariell Übergabe einer offenen oder verschlossenen Schrift an Notar ( 2232 BGB) fachkundigen Rat einholen

16 Der Pflichtteilsanspruch Pflichtteilsanspruch bei Ausschluss von gesetzlicher Erbfolge nur für Ehegatten Abkömmlinge Eltern (wenn keine Abkömmlinge da) reiner Zahlungsanspruch Höhe: ½ des gesetzlichen Erbteils

17 Beispiel Pflichtteil Fall: Eheleute, 2 Kinder, Eheleute gegenseitig eingesetzt Nachlass Vater (Alleineigentümer Haus) Haus Verkehrswert Festgeld Summe /. Beerdigungskosten Bereinigter Nachlass Gesetzlich: EF Kinder je Pflichtteil je Kind : 2 =

18 Schutz vor Pflichtteilsansprüchen am sichersten Pflichtteilsverzicht (notariell) eventuell gegen Abfindung alternativ Grundbesitz auf Kinder und Nießbrauch oder Wohnrecht Pflichtteilsstrafklauseln Vorsicht bei Behinderten oder Sozialhilfeempfängern (Überleitung droht)

19 Gemeinschaftliches Testament nur bei Ehegatten und eingetragenen gleichgeschlechtlichen Lebenspartnern nicht bei nichtehel. Lebensgemeinschaft wechselbezügliche Verfügungen nach Tod des Erstversterbenden bindend (nur bei Erbeinsetzung, Auflage, Vermächtnis Wechselbezüglichkeit 2270 BGB)

20 Das Berliner Testament

21 Das Berliner Testament Gegenseitige Vollerbeneinsetzung der Eheleute und der Kinder als Schlusserben Alternativ Vorerbeneinsetzung des Ehegatten und Nacherbfolge für Kinder bei Zweifeln wird Vor/Nacherbschaft angenommen

22 Berliner Testament - Vorteile bei erbschaftsteuerfreien Vermögen sinnvolle Lösung (Einschränkung Pflichtteile Pflichtteilsverzicht!) für Kinder nachvollziehbar und u.u. gerecht

23 Berliner Testament - Nachteile Pflichtteilsansprüche doppelte Besteuerung des Vermögens des Erstversterbenden ohne Öffnungsklausel unflexibel

24 Gemeinschaftliches Testament einseitiger Widerruf nur zu Lebzeiten beider Eheleute möglich notarielle Erklärung nötig einvernehmliche Aufhebung immer möglich Voraussetzung: Testierfähigkeit bei beiden!

25 Gemeinschaftliches Testament mit Scheidungsantrag in der Regel weg Ausschlagung mit allen Folgen möglich innerhalb von 6 Wochen eventuell Eigenanfechtung nach 2078, 2079 BGB sinnvoller: Öffnungsklausel

26 Achtung: Verlust des Voraus! Voraus nur bei gesetzlicher Erbfolge - bei Erben 1. Ordnung (Abkömmlinge) Hausrat zur angemessenen Haushaltsführung - bei Erben 2. Ordnung (Eltern pp.) gesamter Hausrat + Hochzeitsgeschenke Wichtig: bei Testament an Hausrat denken!!!

27 Nichteheliche Lebenspartner/in kein gesetzliches Erbrecht kein Unterhaltsanspruch (außer erste 3 Jahre nach Geburt Kind) kein Anspruch auf Hausrat (Voraus) hohe Steuerlast bei testamentarischer Erbfolge (Freibetrag nur Euro)

28 Der Kamelfall A B C Vater 17 Kamele 1/2 1/3 1/9 17 Kamele + 1 = 18 Kamele = 17 Kamele

29 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Auf Wiedersehen und guten Heimweg! Hans-Oskar Jülicher

30 Eine bundesweite Kooperation von 16 Fachanwälten für Erbrecht Aktuelles, Erbrechtstipps, Veranstaltungshinweise und Vieles mehr im Internet unter (barrierefrei)

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