Die Destabilisierung von Gerechtigkeitsmaßstäben als nachhaltigkeitspolitischer Fortschritt Reframing Local Justice

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1 Die Destabilisierung von Gerechtigkeitsmaßstäben als nachhaltigkeitspolitischer Fortschritt Reframing Local Justice DGS-Sektion Soziologie und Ökologie 32. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie Oktober 2004 in München Hellmuth Lange - Universität Bremen - artec Forschungszentrum Nachhaltigkeit

2 3 Thesen These 1: Der Zusammenhang von Umweltgerechtigkeit und Sozialer Gerechtigkeit ist in der sozialwissenschaftlichen Umweltforschung in Deutschland extrem vernachlässigt These 2: Local Justice ist ein geeigneter Konzeptrahmen zur Beschreibung des Zusammenhangs These 3: Nachhaltigkeit verlangt die Destabilisierung konkreter local justice -Konstruktionen und etablierter Gerechtigkeitsmaßstäbe

3 1 Local Justice 2 Drei Dimensionen der Verschränkung von Umweltgerechtigkeit und Sozialer Gerechtigkeit 2.1 Environmental Justice 2.2 Umweltgerechtigkeit durch umweltbewußtes Handeln 2.3 Global Change-Probleme 3. Die Destabilisierung von Gerechtigkeitsmaßstäben als nachhaltigkeitspolitischer Fortschritt

4 1 Local Justice justicia distributiva = Verteilungsgerechtigkeit - Gleiche Probleme/Gegebenheiten gleich behandeln - Ungleiche Probleme/Gegebenheiten ungleich behandeln 1 Was ist wirklich gleich? Was ist ungleich? 2 Was sind unbezweifelbare Tatsachen? Was sind nur Ansprüche?

5 1 Local Justice 1 Was ist wirklich gleich? Was ist ungleich? Gerechte Lösungen ziehen die Spezifika einer konkreten Problemkonstellation in Betracht - sozial, ökonomisch, kulturell - biologisch, chemisch, physikalisch - infrastrukturell, technisch - zeitlich - verfahrensmäßig, ergebnisbezogen "bounded justice" (Jon Elster) "local justice" (Volker Schmidt)

6 1 Local Justice 2 Was sind unbezweifelbare Tatsachen? Was sind nur Ansprüche? Immer nur teilweise verifizierbar Der Rest regelt sich über: - Einbeziehung von Betroffenen/Akteuren - Verhandlung - participatory governance = Herausforderung von polit.-administrativem System und Zivilgesellschaft

7 2 Drei Dimensionen der Verschränkung von Umweltgerechtigkeit und Sozialer Gerechtigkeit

8 2.1 Environmental Justice Environmental Protection Agency (EPA) "The goal of environmental justice is to ensure that people, regardless of race, national origin or income, are protected from disproportionate impacts of environmental hazards" (http://es.epa.gov/oeca/main/ej/faq.html)

9 2.1 Environmental Justice Emissionen, Lärm und Gefahren durch Verkehrssysteme Industrieanlagen Mülldeponien

10 2.1 Environmental Justice Environmental Protection Agency (EPA) Environmental Justice is the fair treatment for people of all races, cultures, and incomes regarding the development of environmental laws, regulations, and policies " (zit. N. BolteMielck 2004:9)

11 2.1 Environmental Justice La EPA Environmental Justice Strategy umfaßt 5 Hauptthemen: 1. Public participation and Communication with Stakeholders 2. Health and Environmental Research 3. Data Collection, Analysis, and Stakeholder Access to Public Information 4. American Indian and Indigenous Environmental protection and 5. Enforcement, Compliance Assurance and Regulatory Reviews

12 2.2 Umweltgerechtigkeit durch Umweltbewußtsein Die strategische Idee: Die Natur als Opfer von Handlungsmustern, die nicht vom nötigen Umweltbewußtsein geleitet werden Um den Eigenerfordernissen der Umwelt gerecht zu werden, muß das Umweltbewußtsein systematisch entwickelt werden (etwa SRU 1978) Die Instrumente: Die Adressaten: Die Protagonisten: - Information, Leitbilder, Werte - individuelle Entscheidungen Die Bürgerinnen und Bürger - Umweltaktivisten - Verbände (Kirchen, NGOs) - Staatl. Instanzen (z.b. UBA)

13 2.2 Umweltgerechtigkeit durch Umweltbewußtsein Das Ziel: Umweltgerechtere Alltagspraxis als Überwindung des westlichen way of life (etwa Catton/Dunlaps HEP->NEP)

14 2.2 Umweltgerechtigkeit durch Umweltbewußtsein Das Ziel: Umweltgerechtere Alltagspraxis als Überwindung des westlichen way of life (etwa Catton/Dunlaps HEP->NEP) Der Erfolg: in Einzelpunkten gut, insgesamt sehr mäßig

15 2.2 Umweltgerechtigkeit durch Umweltbewußtsein Das Ziel: Umweltgerechtere Alltagspraxis als Überwindung des westlichen way of life (etwa Catton/Dunlaps HEP->NEP) Der Erfolg: in Einzelpunkten gut, insgesamt sehr mäßig "Rational Choice": low cost (+) / high cost (-) Hochgradige Unterschätzung der Relevanz von Sozialer Gerechtigkeit!!!!

16 2.2 Umweltgerechtigkeit durch Umweltbewußtsein "Rational Choice": low cost (+) / high cost (-) Diekmann/Preisendörfer 1993: persönliche Bequemlichkeit

17 2.2 Umweltgerechtigkeit durch Umweltbewußtsein "Rational Choice": low cost (+) / high cost (-) Diekmann/Preisendörfer 1993: persönliche Bequemlichkeit Preisendörfer 1996 ff.: auch Spezifik von Gelegenheitsstrukturen und sozial ungleiche Ressourcenverteilung

18 2.2 Umweltgerechtigkeit durch Umweltbewußtsein "Rational Choice": low cost (+) / high cost (-) Diekmann/Preisendörfer 1993: persönliche Bequemlichkeit Preisendörfer 1996 ff.: auch Spezifik von Gelegenheitsstrukturen und sozial ungleiche Ressourcenverteilung Coping Fuhrer et al Homburg et al. 1999

19 2.2 Umweltgerechtigkeit durch Umweltbewußtsein "Rational Choice": low cost (+) / high cost (-) Diekmann/Preisendörfer 1993: persönliche Bequemlichkeit Preisendörfer 1996 ff.: auch Spezifik von Gelegenheitsstrukturen und sozial ungleiche Ressourcenverteilung Coping Fuhrer et al Homburg et al The Economics (and Power) of Reciprocity Fehr, Gächter et al ff. Diekmann 2004

20 2.3 Global Change-Probleme

21 2.3 Global Change-Probleme Biophysische Dynamik atmosphärisch Klimawandel terrestrisch Degradation von Böden Wasserknappheit marin Meeresspiegel biologisch Biodiversität

22 2.3 Global Change-Probleme Biophysische Dynamik Soziale Treiber Kapitalismus Lebensweise atmosphärisch Klimawandel terrestrisch Degradation von Böden Wasserknappheit marin Meeresspiegel biologisch Biodiversität

23 2.3 Global Change-Probleme Biophysische Dynamik Soziale Treiber Kapitalismus Lebensweise atmosphärisch Klimawandel marin Meeresspiegel terrestrisch Bodendegradation Wasserknappheit biologisch Biodiversität

24 2.3 Global Change-Probleme Biophysische Dynamik Soziale Treiber Kapitalismus Lebensweise atmosphärisch Klimawandel marin Meeresspiegel terrestrisch Bodendegradation Wasserknappheit biologisch Biodiversität Soziale Folgen Gesundheit Migration Armut Bevölkerungswachstum Ressourcenverbrauch Konflikte

25 2.3 Global Change-Probleme Biophysische Dynamik Soziale Treiber Kapitalismus Lebensweise atmosphärisch Klimawandel marin Meeresspiegel terrestrisch Bodendegradation Wasserknappheit biologisch Biodiversität Soziale Folgen Gesundheit Migration Armut Bevölkerungswachstum Ressourcenverbrauch Konflikte

26 3 Die Destabilisierung von Gerechtigkeitsmaßstäben Fortschritt als nachhaltigkeitspolitischer

27 3 Destabilisierung von Gerechtigkeitsmaßstäben Agenda 21 der UNCED von 1992 fordert: "Umorientierung der augenblicklichen Produktions- und Verbrauchsgewohnheiten..., die sich in den Industriegesellschaften entwickelt haben und in einem großen Teil der übrigen Welt nachgeahmt werden" "als Teil eines Prozesses, der auf tiefgreifende Veränderungen der Verbrauchsgewohnheiten von Industrie, Staat, Haushalten und Einzelpersonen ausgerichtet ist" (Kapitel 4: 23)

28 3 Destabilisierung von Gerechtigkeitsmaßstäben Local justice Verhandlungen (Partizipation, Inklusion) immer in einem gegebenen Rahmen von Gerechtigkeitsmaßstäben und Macht = inkrementell: durch sukzessive Readjustierung Destabilisierung des Rahmens und Reframing

29 3 Destabilisierung von Gerechtigkeitsmaßstäben Coping

30 3 Destabilisierung von Gerechtigkeitsmaßstäben Coping Diskurse Ereignisse

31 3 Destabilisierung von Gerechtigkeitsmaßstäben Coping Diskurse Ereignisse Garbage Can (Kingdon )

32 Eine Politische Soziologie der Nachhaltigkeit als Politische Soziologie der Sozial- und Umweltgerechtigkeit!

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