electronic-financial Trading (e-fit)

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1 electronic-financial Trading (e-fit) - ein generischer Ansatz - Projekt-Überblick gefördert durch: 1 / 7

2 1 Vision Im gegenwärtigen Umfeld der Finanzmärkte bietet eine Vielzahl von Handelssystemen unterschiedliche Marktmodelle, die Banken, Brokern sowie institutionellen und privaten Investoren für die Ausführung ihrer Aufträge zur Verfügung stehen. Dieses Angebot reflektiert aber nur teilweise den differenzierten Bedarf an Marktmodellen bei den genannten Marktteilnehmern. Stetige Weiterentwicklung existierender sowie die Diskussion und Einführung neuer Modelle bestätigen diesen Bedarf. Auf Seite der Börsen werden bspw. Marktmodelle zur best execution/best price entwickelt, um Investoren zu gewinnen. Banken dagegen propagieren die Internalisierung der Order, um Transaktionskosten zu senken und diese an die Kunden weiterzugeben; den Börsen wird hiermit Orderflow und damit letztlich Liquidität entzogen. Diese Beispiele verdeutlichen die Notwendigkeit für Lösungen, die sowohl den spezifischen oder dynamischen Anforderungen einzelner Marktteilnehmer in Form von bestimmten Marktmodellen gerecht werden und gleichzeitig die Preisqualität und Liquidität auf den Märkten sichern. Eine vielversprechender Lösungsansatz ist die Möglichkeit zur individuellen Konfiguration von Märkten sowie deren Integration. Im Projekt electronic-financial Trading (e-fit) werden diese Lösungsansätze verfolgt und evaluiert. Als Basis dient eine variable generische Plattform, die es Marktdesignern erlaubt in Abhängigkeit der situativen Präferenzen und Kompetenzen nahezu beliebige, frei wählbare Zugangs- und Handelsmöglichkeiten zu konfigurieren und auf einer Plattform zu betreiben. Die Kombination von Marktmodellen erlaubt die Integration von Märkten indem bspw. eine Order in mehreren Märkten gleichzeitig existieren kann. Diese Konzepte werden sowohl theoretisch als auch durch Experimente untersucht. Die Auswertung der aus den Experimenten stammenden Daten ermöglicht es, die ökonomischen Folgen der Marktintegration umfassend zu analysieren. Grundlage dafür ist die Konzeption und Implementierung der elektronischen Handelsplattform e-fits, die als Basis der ökonomischen Evaluation durch Planspiele, Simulationen und Experimente eingesetzt wird. Konzepte, Plattformen und Geschäftsmodelle elektronischer Märkte für die Informationsgesellschaft zu entwickeln, zu analysieren und zu realisieren, sowie ökonomische, informationstechnische und juristische Sichtweisen zu berücksichtigen und zu verknüpfen sind Herausforderungen aktueller Forschungsaktivitäten und Inhalt der gemeinschaftlichen Forschungsvision des Market Engineering. Ziel des Market Engineering ist das strukturierte, systematische und theoretisch fundierte Vorgehen der Analyse, Gestaltung aber auch der Qualitätssicherung und Weiterentwicklung elektronischer Märkte. Das Projekt e-fit ordnet sich in den Ansatz des Market Engineering ein. Das in Abbildung 1 dargestellte Beispiel beschreibt anhand eines Szenarios die individuellen Bedürfnisse eines Marktteilnehmers und die Notwendigkeit konfigurierbarer Marktmodelle. In dem Szenario wird der VTR (Virtual Trading Room), eine OTC Handelsplattform, beschrieben, der drei geschachtelte Marktmodelle enthält. 2 / 7

3 Der Vorstand beschließt eine Erweiterung der Wertschöpfung (Tiefe und Breite). Der Vorstand eines Discount Brokers denkt über eine Erweiterung des eigenen Angebotes nach. Sinnvolle Alternative zu dem reinen Orderrouting an Börsenplattformen: Internalisierung durch Betreiben einer OTC Plattform Angebot komplexer Finanzprodukte. VTR Durch die direkte Mitgestaltung des Regelwerkes des Marktes können kundenorientiert innovative Handelsfazilitäten bereitgestellt werden. Retail-Kunden profitieren von diesem spezifischen Marktmodell: Kosteneinsparungen können an die Kunden weitergegeben werden jede Transaktion kann entsprechend der situativen Präferenzen (Sofortigkeit, Transparenz,...) ausgeführt werden. VTR (Virtual Trading Room) bietet eine OTC Internalisierungsplattform mit drei geschachtelten Marktmodellen: Market Maker Hit-and-Take Hit-and-Chat Abbildung 1: Anwendungsszenario e-fit-system 2 Ausgangssituation in der Praxis Discount Brokerage In den letzten Jahren haben die Anforderungen sowohl der institutionellen als auch der privaten Investoren bezüglich Zugriff auf und Ausgestaltung von Marktmodellen einen starken Wandel durchlaufen. Als Reaktion auf diese Entwicklung etablierten sich zunächst Discount Broker, welche den Investoren einen möglichst günstigen Zugang zu einem Marktplatz boten. Diese Dienstleistung fokussierte damit zunächst einzig auf die Differenzierung im Wettbewerb durch die Kosten. Value Added Brokerage Durch den Markteintritt vieler Wettbewerber und die oben erwähnten wachsenden Anforderungen der Investoren wandelten sich die reinen Discount-Broker zu Anbietern von weiteren Services (Value Added Brokerage). Bei vielen privaten Investoren konnte ein gesteigertes Informationsbedürfnis festgestellt werden, andere legten besonderen Wert auf neue Zugangsmöglichkeiten, um Orders an allen für sie bedeutenden Märkten platzieren zu können. Durch die Kooperation mit Informationsanbietern und Börsen, sowie durch die Erweiterung der möglichen Zugangs- und Kommunikationskanäle konnten die Banken und Broker den Wünschen ihrer Kunden nachkommen. Interne Ausführung Ein aktueller Trend zur weiteren Senkung der Transaktionskosten ist die Ausführung der Orders innerhalb des Systems des Brokers oder der Bank (Internalisierung) z.b. auf Basis von Referenzpreisen. Für diese Vorgehensweise wird die Zustimmung des Investors benötigt. 3 / 7

4 Erst wenn kein passender Kontrahent gefunden werden kann, wird die Order an eine Börse weitergeleitet und dort gehandelt. Somit können, falls es zur Ausführung innerhalb des Systems einer Bank oder eines Brokers kommt, die Clearing- und Settlement-Gebühren bei Drittanbietern (Clearinghäusern) vermieden werden. Investoren getriebenes Marktdesign Die gegenwärtigen Lösungen für Marktmodelle und Informationsbereitstellung antizipieren Anforderungen von Investoren. Die Banken und Broker versuchen, diese Anforderungen durch den Einsatz von Handelsplattformen für bestimmte Gruppen innerhalb der Investoren zu erfüllen. Eine solche Vorgehensweise kann naturgemäß nicht zur vollständigen Erfüllung der individuellen Anforderungen aller Investoren oder Marktteilnehmer führen. Deshalb liegt der Gedanke nahe, den allgemeinen Trend hin zur starken Kundenfokussierung so umzusetzen, dass es den Marktteilnehmern ermöglicht wird, z.b. das Marktmodell selbst zu gestalten. Das Ergebnis ist ein dynamisches Marktmodell, d.h. den Kunden wird es ermöglicht, durch individuelles Design den Markt jeweils optimal an ihre transaktionsspezifischen Bedürfnisse anzupassen. 3 Projektbeschreibung Dieses Kooperationsprojekt des Lehrstuhls für Informationsbetriebswirtschaftslehre wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (bmb+f) gefördert. Das Projekt setzt an der Schnittstelle von Wirtschaftswissenschaften und Informatik an und untersucht zentrale Themenstellungen aus diesen Bereichen. Zur Bearbeitung der fokussierten Aufgaben hat sich ein Kooperationsnetzwerk von vier Partnern zusammengefunden, deren Mitglieder, die Börse Stuttgart AG, die Reuters AG, die trading fair AG und der der Universität Karlsruhe (TH), über verschiedene komplementäre Kompetenzen verfügen. Das Grundkonzept zur Umsetzung dieses Ansatzes basiert auf der Zusammenführung der verschiedenen Wissensbereiche dieser Projektpartner und der Nutzung von Synergiepotentialen. Die oben beschriebenen Anforderungen verschiedener Marktteilnehmer sowie die in der Praxis identifizierten Probleme fordern innovative Lösungen im Bereich electronic trading. Im Fokus des Forschungsinteresses von e-fit stehen ökonomisch fundierte Konzepte, die einerseits den individuellen Bedürfnissen der Marktteilnehmer gerecht werden, und andererseits der damit einhergehenden Fragmentierung der Märkte (Split von Liquidität) entgegenwirken. Diese Konzepte basieren auf einer individuelle Konfiguration und Kombination von Märkten. Die Kombination von Märkten erlaubt es, Marktmodelle sequentiell oder parallel zu verknüpfen. Dadurch können Marktteilnehmer nicht nur individuell und transaktionsspezifisch (dynamisch) einen Markt wählen, sondern ihre Order gleichzeitig in mehrere Märkte einstellen (Marktintegration). Die gleichzeitige Existenz verschiedener Marktmodelle auf einer Plattform erfordert eine Koordination zwischen den Märkten und erzeugt einen Wettbewerb unter den Märkten (Markt der Märkte). Im Rahmen dieser Forschung untersucht e-fit die ökonomischen Eigenschaften der Marktintegration und -konfiguration anhand von Experimenten und Simulationen. Als Grundlage dient eine prototypisch implementierte Handelsplattform (e-fits), die einerseits die Personalisierung für Marktteilnehmer und die individuelle Konfiguration von Marktmodellen erlaubt, andererseits eine Verschachtelung sowie die parallele Existenz von Marktmodellen zulässt. Um die individuelle Konfiguration der Marktmodelle umzusetzen, wird eine Market Modelling Lan- 4 / 7

5 guage (MML) entwickelt. Durch sie werden die Regeln und Parameter der Marktmikrostruktur systemisch abgebildet und logisch verknüpft. Abbildung 2 stellt die Forschungsschwerpunkte und Methoden zusammenfassend dar. Zunächst werden auf der Handelsplattform Finanzprodukte gehandelt, die generische Orderstruktur gewährleistet jedoch eine einfache Erweiterbarkeit für andere Produkte wie z.b. Strom, CO 2 -Zertifikate, etc.. Neben der Untersuchung von Verhandlungsmechanismen und Marktkoordination sind zusätzliche Dienste für die Handelsplattform, z.b. zur Entscheidungsunterstützung, Gegenstand der Projektforschung. Die Forschungsarbeit ist Teil des Market Engineering zur strukturierten Modellierung von elektronischen Märkten und hat die Messung und Verbesserung der Marktqualität zum Ziel. Generik Marktmikrostruktur Personalisierung Technische Problemstellungen 4Dynamische Marktmodelle 4Konfigurierbare Produkte und Attribute 4Erweiterbare Marktverbindungen 4Personalisierte Informationszusammenstellung 4Neue Analyse- Werkzeuge 4Adaptive Strategien 4Multidimensionale Verhandlungen 4Innovative Marktmodelle 4Experimentelle Verifikation 4Market Modelling Language (MML) 4Ontologien 4Multikanaler Zugang Methoden Experimente Befragungen Empirische und auf Fachkenntnis basierende Forschung Abbildung 2: Forschungsschwerpunkte und Methoden 5 / 7

6 4 Projektorganisation Das Grundkonzept zur Umsetzung des Projekts e-fit basiert auf der Zusammenführung der verschiedenen Wissensbereiche der Projektpartner und der Nutzung von Synergiepotenzialen. Die individuellen Kompetenzen aller Partner im Informations- und Finanzdienstleistungssektor dienen dabei einem effektiven interdisziplinären Erkenntnistransfer, der in gemeinsamen Workshops und Tagungen stattfindet. Das Projektteam unter der Leitung von Prof. Dr. Christof Weinhardt besteht aus 7 wissenschaftlichen Mitarbeitern aus den Fachbereichen Betriebswirtschaft, Informatik, Mathematik und Wirtschaftsingenieurwesen. Zur Förderung des Wissensaustausches aus Praxis und Forschung arbeiten zwei Projektmitglieder je 2 Tage pro Woche bei den Praxispartnern vor Ort. Das Projekt, das Ende 2001 startete, wird bis zum Jahre 2005 gefördert. 5 Projektpartner Durch die Zusammenarbeit mit den Projektpartnern Börse Stuttgart AG, Reuters AG und trading fair AG sind für alle Forschungsschwerpunkte Praxispartner in das Projekt integriert, die in den entsprechenden Bereichen ihr Know-how einbringen. Börse Stuttgart AG Die Börse Stuttgart verfügt über umfangreiches Wissen im Bereich Handel, Clearing und Settlement sowie des Betriebs von Handelsplattformen. Sie ist mit über notierten Derivativen die größte Optionsscheinbörse in der Bundesrepublik Deutschland. Reuters AG Die Reuters AG ist eine weltweit führende Nachrichten-, Informations- und Technologiegruppe. Als Informationsversorger verfügt sie über umfassendes Know-how in den Bereichen Informationsdistribution, außerbörslicher Wertpapierhandel und Handelsinfrastruktur. trading fair AG Die trading fair AG erbringt Beratungs- & IT Systemdienstleistung im Bereich e-finance und e-brokerage. Sie verfügt über umfangreiche Kenntnisse und Erfahrungen mit Anwendungssystemen auf Basis innovativer Software Engineering Methoden. 6 / 7

7 6 Ansprechpartner Prof. Dr. Christof Weinhardt Tel.: +49 (0) Dipl.-Wi.-Ing. Clemens Czernohous Tel.: +49 (0) Dipl.-Kfm. Michael Grunenberg Tel.: +49 (0) Dipl.-Wi.-Ing. Klaus Kolitz Tel.: +49 (0) Dipl.-Wi.-Ing. Matthias Kunzelmann Tel.: +49 (0) Dipl.-Inf. Juho Mäkiö Tel.: +49 (0) Dipl.-Math. Ilka Weber Tel.: +49 (0) Dipl.-Kfm. Henning Weltzien Tel.: +49 (0) Internet: Postanschrift: Universität Karlsruhe (TH) Englerstr Karlsruhe 7 / 7

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