Höhere Berufsqualifikation Kombinationsmodell

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1 Höhere Berufsqualifikation Kombinationsmodell

2 Inhaltsverzeichnis Höhere Berufsqualifikation Text von Bernhard Jöhr, Präsident VBV 3 Darstellung Kombinationsmodell Fachausweis FA und Höhere Fachschule Versicherung HFV 6 Gesamtübersicht Höhere Berufsbildung Versicherung ab Projektorganisation SVV/VBV Kombinationsmodell 8 Personelle Zusammensetzung Steuerungsausschuss und Projektteam 9 Projektauftrag 10 Empfehlungen für Mitarbeitende in Weiterbildung 11 Seite 2

3 Neue höhere Berufsqualifikationen in der schweizerischen Versicherungswirtschaft Nach dem Entscheid der Schweizerischen Bankiervereinigung, die höheren Berufsbildung neu zu ordnen und aus dem gemeinsamen Berufsqualifikationssystem der BVF (Schweizerische Trägerschaft für Berufs- und höhere Fachprüfungen in Bank, Versicherung und Finanzplanung) auszusteigen, hat sich die Versicherungswirtschaft entlang der Bildungsstrategie des Schweizerischen Versicherungsverbandes SVV grundlegend neu orientiert. Der Vorstand des SVV hat am 18. Januar 2006 entschieden, inskünftig für die höhere Berufsbildung ein Kombinationsmodell einzuführen. Mit der Schaffung einer Höheren Fachschule Versicherung unter Beibehaltung des eidg. Fachausweises wurde eine Lösung gewählt, die eine hohe Flexibilität bietet. Zur Geschichte Das eidgenössische Versicherungsdiplom gibt es schon seit Nach verschiedenen Revisionen wurde 1991 das zweistufige System mit eidgenössischem Fachausweis und Diplom eingeführt. Die Mitarbeitenden der schweizerischen Versicherungswirtschaft wählten in der Folge als höhere Berufsqualifikation in erster Linie den Fachausweis. Nur wenige Kandidatinnen und Kandidaten entschieden sich, ein Versicherungsdiplom zu erwerben. Für diese Qualifikation wurden nie namhafte Absolventenzahlen erreicht. Eine Studie des Institutes für Versicherungswirtschaft (I.VW Uni St. Gallen) und des Schweizerischen Versicherungsverbands hat im Jahre 2004 in der Konsequenz empfohlen, wieder auf ein einstufiges System zurück zu wechseln. Mit dem Entscheid der Schweizerischen Bankiervereinigung, das BVF-System zu verlassen und im Bereich der höheren Berufsbildung eigene Wege zu beschreiten, ist aber eine ganz neue Ausgangslage entstanden. Die Versicherungswirtschaft musste deshalb die überbetriebliche Berufsbildung grundlegend überdenken. In verschiedenen Hearings in der ganzen Schweiz wurden Lösungsansätze für die künftigen Berufsqualifikationen diskutiert. Aufgrund der Resultate entschied sich der Schweizerische Versicherungsverband, zwei Schienen weiter zu verfolgen. Eine Arbeitsgruppe befasste sich mit der Weiterentwicklung des modularen berufsfeldorientierten Prüfungsmodells und parallel dazu prüfte eine Task Force die Machbarkeit und Wünschbarkeit einer Höheren Fachschule. Berufsbildung im Wandel In den letzten Jahren hat sich die schweizerische Berufsbildungslandschaft gründlich verändert. Immer mehr Absolventinnen und Absolventen der Grundbildung verfügen über einen qualifizierten Abschluss, der ihnen den Zutritt zum Hochschulbereich ermöglicht. Die Fachhochschulen boomen und entwickeln sich zur bestechenden Alternative zum Universitätsstudium und zur höheren Berufsbildung. Mit dem neuen Berufsbildungsgesetz wurde das Gefäss der Höheren Fachschulen neu geordnet. Diese bieten eine attraktive berufsbegleitende schulische Weiterbildung. Durch das erfolgreiche Anwachsen von schulischen Bildungsgefässen kommen die Berufs- und höheren Fachprüfungen im neuen Umfeld zunehmend unter Druck. Verschiedene Branchenorganisa- Seite 3

4 tionen suchen deshalb nach neuen Lösungen, so auch die Banken mit der Neugründung der Höheren Fachschule Banking & Finance (HFBF). Welche Lösung für die Assekuranz Die Mitarbeiterstruktur der Versicherungswirtschaft ist sehr heterogen. Die abgeschlossenen Grundbildungen unterscheiden sich je nach Tätigkeitsgebiet innerhalb der Versicherungsgesellschaften erheblich. Die Anforderungen an Aussendienst und Innendienst sind sehr unterschiedlich. Aus diesem Grunde braucht es für die Versicherungswirtschaft ein ganzheitliches Angebot, das jedem Zielsegment eine geeignete Wahlmöglichkeit für die berufliche Weiterbildung zur Verfügung stellt und die Durchlässigkeit in weiterführende Qualifikationen garantiert. Neben einem höheren Berufsabschluss Versicherung braucht es auch flexible Ausbildungsangebote, die punktuelle Qualifizierungen im Sinne der éducation permanente ermöglichen. Aus diesem Grunde hat sich die Versicherungswirtschaft entschieden, zwei Bildungsschienen zu schaffen. Einerseits soll mit einer Höheren Fachschule Versicherung eine moderne geschlossene schulische Lösung für die höhere Berufsqualifikation realisiert und andererseits das bestehende modulare Qualifikationssystem auf Fachausweisebene als offenes Weiterbildungsgefäss weiter entwickelt werden. Dabei ist eine Durchlässigkeit vom Fachausweis in die Höhere Fachschule zu gewährleisten. Die Höhere Fachschule Versicherung Höhere Fachschulen sind eidgenössisch anerkannte Bildungsinstitutionen, die im Berufsbildungsgesetz geregelt sind. Die Ausbildungsdauer beträgt berufsbegleitend drei Jahre. In dieser Zeit sind 2880 Lernstunden zu erbringen. Dies entspricht zirka 1200 Präsenzlektionen im Klassenzimmer. Die Absolventen erhalten einen eidgenössisch geschützten Titel mit dem Zusatz HF. Die Schule richtet sich an jüngere Personen (2-3 Jahre nach Abschluss der Grundbildung), die über keinen oder einen erschwerten Zugang zur Hochschulebene verfügen und eine berufsbegleitende praxisnahe Schulung mit überschaubarer Studienzeit wünschen. In der künftigen Höheren Fachschule Versicherung werden neben Versicherungskenntnissen auch Volks- und Betriebswirtschaftslehre wesentliche Inhalte bilden. Die schulische Lösung ermöglicht, dass neben dem reinen Fachwissen auch die immer wichtiger werdenden handlungsorientierten Kompetenzen wie Methoden- und Sozialkompetenz gezielt gefördert werden können. Durch den direkten Einfluss der Versicherungswirtschaft auf die Höhere Fachschule Versicherung kann mit neuen modernen methodisch / didaktischen Methoden ein Nachwuchs qualifiziert werden, der den künftigen Anforderungen unserer Branche besser gewachsen sein wird. Neuer Fachausweis Neben der höheren schulischen Qualifikation braucht es auch Weiterbildungsmöglichkeiten für Mitarbeitende, die nicht eine umfassende höhere Berufsqualifikation benötigen oder aber nicht ein geschlossenes schulisches Studium durchlaufen wollen oder Seite 4

5 können. Der berufsfeldorientierte und modular aufgebaute Fachausweis bietet hier die entsprechende Alternative. Verschiedene Module aus den Bereichen Volks- und Betriebswirtschaftslehre, Sach- und Vermögensversicherung, Personenversicherung, Krankenversicherung und Sozialversicherung ermöglichen, in geeigneter Kombination einen eidgenössischen Fachausweis zu erreichen. Jedes einzelne Modul stellt für sich selber eine zertifizierte Teilqualifikation dar. Das System soll weiter flexibilisiert werden, um in kürzerer Zeit individuelle Studiengänge realisieren zu können. Die Absolventinnen und Absolventen des Fachausweises erhalten zudem die Möglichkeit eines vereinfachten Einstieges in ein verkürztes Studium an der Höheren Fachschule Versicherung. Das bisherige eidgenössische Diplom fällt zugunsten des Diploms der Höheren Fachschule inskünftig weg. Umsetzung des Kombinationsmodells Mit dem Kombinationsmodell in der höheren Bildung erhält die Versicherungswirtschaft zwei Bildungsgefässe, die idealerweise die Weiterbildungsbedürfnisse der Versicherungswirtschaft abdecken können. Der Vorstand des Versicherungsverbandes hat eine Projektorganisation eingesetzt, die sich an die Umsetzung der beiden Bildungsgefässe macht. Sowohl Fachausweis wie die Höhere Fachschule Versicherung sollen in einem ganzheitlichen Prozess gemeinsam entwickelt werden, gilt es doch, mögliche inhaltliche Redundanzen bei der Entwicklung so weit wie möglich zu reduzieren. Das Projektteam hat die Arbeiten bereits aufgenommen. Ziel ist, dass die neuen Bildungsangebote ab Herbst 2007 operativ werden. Die bisherigen Qualifikationen werden per 2009 auslaufen und ihren Marktwert in vollem Umfang behalten. Definierte Äquivalenzen werden den Kandidatinnen und Kandidaten die Möglichkeit geben, aus dem alten System in die neu entstehenden Bildungsgefässe zu wechseln. Eine Branche profiliert sich für Bildung Nach einer Phase der Unsicherheit hat sich die Assekuranz mutig entschieden, eine zukunftsbezogene Lösung zu treffen, die unserer Branche neue Perspektiven eröffnen wird. Den Mitarbeitenden unserer Branche stehen in Zukunft für ihre Weiterbildung moderne und attraktive Alternativen zur Verfügung. Bern, 17. Januar 2006 Seite 5

6 Kombinationsmodell (FA und HFV) Nachdiplomstudien (NDS), Master of Advanced Nachdiplomstudien (NDS), Master of Advanced Studies (MAS), Nachdiplomkurse (NDK), Studies (MAS), Nachdiplomkurse (NDK), Zertifikatkurse, Executive MBA, Führung, Zertifikatkurse, Executive MBA, Führung, Weiterbildungskurse (WBK) Weiterbildungskurse (WBK) Berufsprüfung Berufsprüfung Fachausweis Fachausweis Höhere Höhere Fachschule Fachschule Versicherung HFV Versicherung HFV Fachhochschule Fachhochschule Tertiärstufe Andere (u.a. Vermittler VBV) Berufliche Grundbildung Eidgenössisches Fähigkeitszeugnis (3 oder 4 Jahre) Sekundarstufe II Obligatorische Schulzeit Obligatorische Schulzeit Direkter Zugang Zusatzqualifikation erforderlich Seite 6

7 Vorschau: Gesamtübersicht Höhere Berufsbildung Versicherung 2007 Höhere Berufsausbildung Hochschulausbildung FA NDS für FA-Absolventen HF DP Einstieg in 2. J.* NDS MAS, NDK für FH- und DP-Absolventen (z.b. FH Aargau, ZHW oder HWZ) FH Bachelor (of Insurance?) Einstieg in 5. Sem.* NDS MAS etc. Uni Einstieg in MBA-Programme 1½ - 2 J. 3 Jahre berufsbegleitend 4 Jahre berufsbegleitend Zu schaffen: Vertiefungsrichtung Insurance Vermittler VBV Fähigkeitszeugn. BMS Diplom, Gymnasiale Maturität Gymnasiale Maturität / Gymnasium BBG Berufslehre FHG Mittelschule Seite 7 *) angedacht, hängt ab von den jeweiligen Gegebenheiten HF bzw. FH einerseits und Absolventen andererseits

8 Detaillierte Projektorganisation SVV/VBV-Kombinationsmodell Seite 8

9 Steuerungsausschuss, Projektteam Steuerungsausschuss P. Frick (Winterthur), Vorsitz U. Arbter (Swiss Life) J. Baudois (IRFA) C. Dunkel (Zürich) M. Dürr (Helsana) B. Jöhr (VBV) M. Jordi (Basler) E. Kaser (Mobiliar) A. Mentele (Swiss Life) M. Stettler (VBV) B. Zeltner (SVV) Projektteam A. Mentele (Swiss Life), Vorsitz M. Anderegg (Swiss Life) E. Ankli (Helsana) P. Beglinger (Winterthur) D. Brunner (Helvetia Patria) K. Ehrenbaum (Zürich) T. Itten (Mobiliar) T. Lienhardt (Zürich) M. Lagger (Vaudoise) M. Senn (Zürich) M. Stettler (VBV) N. Zürcher (VBV) Vertreter santésuisse Beratung / wissenschaftl. Begleitung R. Hänni, externer Berater Prof. Dr. Ch. Metzger (I.WP HSG) Weitere beigezogene Fachkräfte aus den Mitgliedgesellschaften M. Allenspach (I.VW HSG) O. Hedinger (Zürich) W. Lüchinger (Winterthur) Und weitere bei Bedarf Seite 9

10 Projektauftrag Spätestens ab Herbst 2007 müssen beide Bildungsschienen (FA sowie HFV) operativ sein. Es sind moderne und zukunftsgerichtete Ausbildungen zu definieren, die sich sinnvoll ergänzen. Die Durchlässigkeit einerseits zwischen den beiden Gefässen (FA und HFV) und andererseits zu FH sowie Zugang zu NDS muss gewährleistet werden. Die vermittelten Kompetenzen müssen die Mitarbeitenden für die künftigen beruflichen Anforderungen qualifizieren (Zeitraum 5 bis 10 Jahre). Die höhere Berufsbildung muss selbsttragend sein. Es ist ein Kommunikationsplan für die ganze Projektdauer zu erarbeiten. Projektarbeit hat in Zusammenarbeit mit BBT sowie unter Einbezug wissenschaftlicher Aspekte (Pädagogik, Methodik; I.WP HSG) sowie I.VW HSG zu erfolgen. Seite 10

11 Empfehlungen für Mitarbeitende in Weiterbildung Wer sich zurzeit in Weiterbildung mit dem Qualifikationsziel eidg. dipl. Versicherungsfach-Experte/in befindet, soll unbedingt diese Qualifikation abschliessen. Das Angebot für Modulprüfungen bleibt bis und mit 2009 bestehen. Der Stellenwert des eidg. Versicherungsdiploms wird auch nach 2009 voll gegeben sein. Wer sich zurzeit in Weiterbildung mit dem Qualifikationsziel Versicherungsfachmann/frau mit eidg. Fachausweis befindet, soll diese Qualifikation abschliessen. Die Fachausweisrevision im Rahmen des Kombinationsmodells wird mit Übergangsregelungen eingeführt und berücksichtigt die bereits abgelegten Module. Dies bedeutet, dass der Einstieg in die Weiterbildung zum Fachausweis jeder Zeit möglich und zu empfehlen ist. Wer den Fachausweis im Jahre 2006 abschliesst, kann den/die eidg. dipl. Versicherungsfach-Experte/in noch erlangen. Im Prüfungsjahr 2009 sind nur noch Kandidatinnen und Kandidaten zugelassen, die bereits Diplommodule abgelegt haben. Nach 2009 gibt es keine Repetitionsprüfungen mehr. Inhaberinnen und Inhaber des Fachausweises werden ab Herbst 2007 die Möglichkeit haben, sich in der Höheren Fachschule Versicherung zu immatrikulieren. Sie werden ein erleichtertes Studium absolvieren können. Seite 11

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