AKTUELLES ZUR ENTWICKLUNG DER ÖSTERREICHISCHEN DIENSTLEISTUNGSEXPORTE

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1 AKTUELLES ZUR ENTWICKLUNG DER ÖSTERREICHISCHEN DIENSTLEISTUNGSEXPORTE 1. ÖSTERREICHISCHE DIENSTLEISTUNGSEXPORTE IM INTERNATIONALEN VERGLEICH Exportindex marktfähiger Dienstleistungen Österreich im Vergleich mit Deutschland, Niederlande und USA ,0 7,0 6,0 5,0 4,0 3,0 2,0 1,0 0,0 Quelle: WKÖ-Berechnungen auf Basis von WTO-Daten Österreich Deutschland Niederlande Bezogen auf das Basisjahr 1980 sind die österreichischen Exporte marktfähiger Dienstleistungen bis zum Jahr 2003 um knapp 399% gewachsen. Das entspricht einer durchschnittlichen jährlichen nominellen Wachstumsrate von 7,2%. Die USA als der führende Dienstleistungsexporteur konnte ihre Exporte um 655% (9,2% jährlich) steigern. Die beiden weiteren Vergleichsländer Deutschland und Niederlande bleiben hinter Österreich zurück. Die Niederlande konnten ihre Exporte in der Vergleichsperiode um 278% steigern (jährlich 5,9%). Deutschland, der Exportweltmeister bei den Warenexporten, verzeichnete einen Anstieg von 349% (jährlich 6,7%). USA

2 Führende Nationen im Weltdienstleistungshandel Jährl. Rang Exporteur Wert Veränd. (Mrd. USD) Anteil (%) 1 USA 287,7 16,0 5 2 GB 143,4 8, Deutschland 115,6 6, Frankreich 98,9 5, Spanien 76,3 4, Italien 72,7 4, Japan 70,6 3,9 9 8 Niederlande 63,0 3, China 46,4 2, Hong Kong, China 44,6 2, Österreich 43,0 2,4 24 Quelle: WTO Trade Statistics (2003) Beim internationalen Vergleich von Absolutwerten kann sich Österreich trotz seiner geringen Größe als eine führende Exportnation behaupten, in dem es den 11. Platz auf der Weltrangliste der WTO belegt. Die Reihung der zuvor genannten Vergleichsländer ist Platz 1 für die USA, Platz 3 für Deutschland und Platz 8 für die Niederlande. Beim Warenhandel belegt Österreich den 21. Rang der Weltrangliste. 2. DYNAMIK UND WETTBEWERBSFÄHIGKEIT EINZELNER DIENSTLEISTUNGSSEKTOREN Wachstum einzelner Dienstleistungssektoren (%) Versicherungsdienstleistungen 220,3 Telekomdienstleistungen 710,8 EDV-Dienstleistungen 279,5 Unternehmensbezogene Dienstleistungen 102,0 Reiseverkehr* -12,7 Marktfähige Dienstleistungen insgesamt* 31,6 Quelle: WKÖ, WIIW, WTO, Die mit *gekennzeichneten Positionen wurden auf Basis von USD berechnet, alle anderen Positionen auf Basis von EUR-Werten. Eine besondere Dynamik konnte bei den komplexen und unternehmensnahen Dienstleistungen festgestellt werden. Die Versicherungsdienstleistungen verzeichneten im Beobachtungszeitraum 1993 bis 2002 ein Wachstum von 220,3%, die Telekomdienstleistungen gar eines von 710,8%, die EDV-Dienstleistung von 29,5% und die unternehmensnahen Dienstleistungen eines von 102% nominell. Stellt man diesen dynamischen Sektoren den Tourismussektor gegenüber, wird alleine aus der Betrachtung der Wachstumszahlen klar, dass dieser stetig an Bedeutung verliert. Im Vergleichszeitraum ist der Tourismussektor nominell um 12,7% geschrumpft. Der Anteil der Tourismusexporte an den gesamten Dienstleistungsexporten nahm von 47,7% im Jahr 1993 auf 31,9% im Jahr 2002 ab. Die Dynamik der unternehmensnahen und komplexen Dienstleistungen erklärt sich durch die zunehmende Handelbarkeit von Dienstleistungen, die durch Liberalisierungsfortschritte und den verstärkten Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologie bedingt ist.

3 Das Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche und die WKÖ stellten Berechnungen 1 an, die die Exportspezialisierung und die Wettbewerbsvorteile einzelner Dienstleistungssektoren ausweisen. Österreich ist auf den Export von unternehmensbezogenen Dienstleistungen, Versicherungsdienstleistungen, Tourismus- und Kommunikationsdienstleistungen spezialisiert. Es exportiert in diesen Sektoren überdurchschnittlich zu den Vergleichsländern. Deutliche Schwächen weist Österreich beim Export von Patenten und EDV-Dienstleistungen auf. Nicht ganz so deutlich sind diese Schwächen bei den Exporten von Finanzdienstleistungen. 3. BEDEUTUNG DER DIENSTLEISTUNGSEXPORTE FÜR DIE ÖSTERREICHISCHE WIRTSCHAFT Berechnungen des Industriewissenschaftlichen Instituts 2 zeigen, dass jede zusätzliche Million EUR an exportierten Dienstleistungen eine Wertschöpfung von 0,8 Mio. EUR im Inland bringt und 17 Arbeitsplätze schafft. Insgesamt beschäftigt die Dienstleistungsexportwirtschaft knapp unter Arbeitnehmer. Der Hebel fällt damit im Vergleich zu den Warenexporten deutlich höher aus. Eine zusätzliche Million EUR an Warenexporten bringt 0,59 Mio. EUR an Wertschöpfung in Österreich und schafft 11 Arbeitsplätze. 4. AKTUELLE ENTWICKLUNG DER ÖSTERREICHISCHEN DIENSTLEISTUNGSEXPORTE Jüngst veröffentlichte Quartalsdaten zur österreichischen Dienstleistungsbilanz zeigen ein gegenüber den Warenexporten schwaches Wachstum. Die Warenexporte wuchsen in den ersten 3 Quartalen des Jahres 2004 gegenüber den ersten 3 Quartalen des Jahres 2003 um 13,7%. Die Dienstleistungsexporte wiesen im Vergleichszeitraum lediglich ein Wachstum von 1,9% auf. Bei den in früheren Jahren sehr dynamischen Sektoren Kommunikation und Versicherungen mussten leichte Rückgänge hingenommen werden. Im bereits ohnehin schwachen Sektor Patente und Lizenzen brachen die Exporte um knapp 20% ein. Der Reiseverkehr nahm dem langen Trend entsprechend um weitere 2% ab. Zuwächse wurden in den Sektoren Transport (+20%), Bauleistungen (6,1%), EDV- Dienstleistungen (+41,7%) und den wichtigen unternehmensbezogen Dienstleistungen (+5,7%) erwirtschaftet. 1 Kronberger/Wörz (2004), Dienstleistungen: Export ist mehr als Warenverkehr, in: BMWA, Jahrbuch der Außenwirtschaft 2003/ Schneider/Mahlberg (2005), Ausländische Nachfrage nach inländischen Dienstleistungen, Industriewissenschaftliches Institut, Wien.

4 Österreichische Dienstleistungsbilanz (Struktur) Quartal 2004 GLOBAL in Mio EUR Credit Debet Netto Exporte zu Q1-Q LEISTUNGSBILANZ ,9% Güter, Dienstleistungen und Einkommen ,8% Güter und Dienstleistungen ,9% Güter ,7% Dienstleistungen ,9% Transport ,0% Reiseverkehr ,0% Kommunikationsdienstleistungen ,5% Bauleistungen ,1% Versicherungsdienstleistungen ,0% Finanzdienstleistungen ,9% EDV- und Informationsleistungen ,7% Patente und Lizenzen ,4% Sonstige unternehmensbezogene D ,7% Dienstleistungen für persönliche Zwecke, Kultur und Freizeit ,7% Regierungsleistungen, a.n.g ,5% Nicht aufteilbare Leistungen ,8% Quelle: OeNB, provisorische Daten 5. FORDERUNGEN UND BEREITS GESETZTE MASSNAHMEN Die Dienstleistungswirtschaft trägt insgesamt 2/3 zur österreichischen Wertschöpfung bei. Die Exporte von Dienstleistungen machen aber nur knapp die Hälfte der Warenexporte aus. Es besteht noch ein großes Potenzial für die Dienstleistungsexportwirtschaft, das aber auch von den österreichischen Exportunternehmen genutzt werden muss. Auch der Wirtschaftsstandort Österreich ist gefordert, die geeigneten Rahmenbedingungen für die Exportunternehmen zu schaffen. Standortsicherung und verbesserung für Dienstleistungsexporteure Die Erbringung von Dienstleistungen und deren Handel sind eng mit der Standortfrage verknüpft. Das gesamte Spektrum der Standortpolitik hat also mittelbare und unmittelbare Auswirkungen auf die Dienstleistungserbringung in Österreich. Einen wesentlichen Input für Dienstleistungserbringung und -handel stellt die Verfügbarkeit hochqualifizierter Arbeit dar, insbesondere im Bereich komplexer Dienstleistungen. Die Erhaltung und der Ausbau dieses Standortvorteils z.b. durch eine stärker nachfrageorientierte Erstausbildung sowie laufende Weiterbildung müssen weiter im Fokus der Wirtschaftspolitik bleiben. Sicherung und Ausbau der Wettbewerbsvorteile gegenüber den neuen EU- Mitgliedstaaten Durch die neuen EU-Mitgliedstaaten wird der Wettbewerb vor allem im Bereich der arbeitskostenintensiven Leistungen härter. Die österreichischen Dienstleistungsexporteure sind gefordert, bei Vertriebsdienstleistungen

5 (Vertriebsfunktionen für KMU aus den MOEL) und bei den komplexen und unternehmensbezogenen Dienstleistungen ihren Wettbewerbsvorteil zu wahren. Auch sollten österreichische Exporteure stärker die Rolle des Technologiegebers übernehmen. Es gilt die österreichischen Wettbewerbsvorteile zu halten, da die neuen Mitgliedstaaten auch in der Dienstleistungswirtschaft über kurz oder lang an die alten Mitgliedstaaten aufschließen werden. Die WTO-Drittländer müssen ihre Dienstleistungsmärkte über das GATS-Abkommen weiter öffnen In der letzten WTO-Verhandlungsrunde, der Uruguayrunde, hat Österreich in rund 120 Subsektoren den Dienstleistungsmarkt geöffnet. Ein Großteil der WTO-Partner hat die Dienstleistungsmärkte weit weniger geöffnet. Es ist daher ein offensives Vorgehen der EU- Verhandler in der jetzt laufenden Doha-Runde notwendig, um den österreichischen Dienstleistungsexporteuren zusätzliche Absatzmärkte zu öffnen. Attraktivität für Offshoring/Outsourcing-Projekte nach Österreich steigern Der jüngste World Investment Report der UNCTAD zeigt auf, dass die Wettbewerbsfähigkeit insbesondere kleinerer Unternehmen verbessert werden muss, um im Wettbewerb um Offshoring-Projekte zu bestehen. Ein Weg dazu ist die Kooperation mehrerer kleiner Unternehmen, um gegen die Konkurrenz großer Unternehmen bestehen zu können. Verbesserung der Dienstleistungsstatistik Das aktuell verfügbare statistische Instrumentarium für die Erfassung von grenzüberschreitendem Dienstleistungshandel ist stark verbesserungswürdig. Es existieren Schätzungen, dass bis zur Hälfte des Dienstleistungshandels nicht von der auf der Zahlungsbilanz basierenden Dienstleistungsbilanz erfasst werden. In Unkenntnis der Volumina der Dienstleistungsströme sind beispielsweise Stärke-Schwäche-Analysen der österreichischen Import- und Exportwirtschaft nur in unzureichendem Maße möglich. Besseres statistisches Material ist notwendig, um die Politikgestaltung zu optimieren. Bereits gesetzte Maßnahmen durch Regierung und Wirtschaft Die durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit und der Wirtschaftskammer Österreich gestartete Internationalisierungsoffensive stellt die jüngste Maßnahme zur Förderung der Exportwirtschaft mit Berücksichtigung von Dienstleistungen dar. Sie enthält wesentliche Elemente zur Förderung des Dienstleistungshandels: Die Exportquote besonders von KMU soll durch eine Erstberatung gehoben werden Spezialisierungsvorteile im Infrastruktur- und Umwelttechnologiebereich sollen durch Maßnahmenpakete weiter verstärkt werden Grenznahe Dienstleistungserbringer werden dazu angeregt, sich mit den Regulierungen der angrenzenden Nachbarländer vertraut zu machen, um so das Know-how für die grenzüberschreitende Dienstleistungserbringung zu erwerben. Eine stärkere Vernetzung und Koordination im Bildungs-, Forschungs- und Finanzierungsbereich wird forciert. Dr. Ralf Kronberger Finanz- und Handelspolitische Abteilung Wirtschaftskammer Österreich

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