3. Platz. Benjamin Smith

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1 3. Platz Benjamin Smith

2 Was ist der Bildungsauftrag der Universität? unter Berücksichtigung der Ökonomisierung der Universität E s s a y v o n B e n j a m i n R e m i g i u s S m i t h Bologna-Prozess, Exzellenzinitiativen, Elite-Unis, Studiengebühren über die Institution Universität wird in dieser Zeit viel geredet und kontrovers diskutiert. Die einen beweinen den Abschied von Humboldt'schen Bildungsidealen, die anderen lobpreisen eine neue Transparenz und Internationalisierung der Universitäten. Es scheint mindestens so viele Meinungen wie Betroffene zu geben und nur eins ist wohl sicher: kaum etwas wird so bleiben wie es ist, die Hochschulen stehen am Scheideweg. Doch zwischen allen Machtspielen, allen ignoranten und naiven Positionen, zwischen politischen Ideologien und ökonomischen Rationalisierungsmaßnahmen sollte man wohl eine ganz nüchterne und fast schon plump wirkende Frage stellen: Was ist eigentlich der Bildungsauftrag der Universität? Denn diese Frage verbirgt Erklärungsansätze, warum das Bachelor/Master-System in Deutschland so unglücklich ausgeartet ist. Warum unser Bildungs-Exportschlager, das Humboldt'sche Bildungsideal, fallen gelassen wird. Warum Studierende sich hoch verschulden müssen, um studieren zu können. Warum der Zeitdruck einer wahren Bildung im Wege steht. Dass eine Ökonomisierung der Gesellschaft stattgefunden hat, ist kein Geheimnis. Geld ist zur Supermacht des Planeten geworden, mit Geld werden US-Präsidenten bestimmt, politischer Einfluss erkauft, Milliarden von Menschen unterdrückt und ganz nebenbei wird es noch zum Erwerb des täglich Brot genutzt. Es soll Menschen und Institutionen, grob gesagt Lebensbereiche geben, die noch nicht ausschließlich von Geld beherrscht werden, bei denen es nicht direkt um eine wirtschaftliche Verwertbarkeit geht. Universitäten hatten lange Zeit tatsächlich eine Maxime, dass nicht alles direkt von monetärem Nutzen sein muss. Auch heute spricht man noch von Bildung, vom Unterschied zwischen Wissen und Bildung. Die Abgrenzung dieser Begriffe zum Glauben und Vermuten fällt noch recht leicht. Wissen beruht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen. Es ist eine Grundvoraussetzung für die Bildung. Daher wird zuerst vorrangig Wissen vermittelt, dann entsteht Bildung. Doch wenn man sich nach dem Bildungsauftrag der Universität fragt, muss man sich fragen, wer denn diese Bildung braucht und auch wer denn auf diesen Bildungsauftrag Einfluss hat.

3 Der Verdacht, dass die Ökonomisierung der Universitäten und die Beeinflusser auf den Bildungsauftrag der Universität etwas miteinander zu tun haben, liegt auf der Hand. Deutschland, ein bettelarmes Land im Herzen Europas hat kein Geld. Kein Geld mehr. Besser vielleicht: wir meinen, kein Geld mehr zu haben. Die Länder auch nicht und die Kommunen sowieso nicht. Universitäten kosten Geld, viel Geld. Der monetäre Nutzen von einigen Studiengänge wird bezweifelt bzw. es gibt ihn schlicht so gut wie gar nicht (z.b. Philosophie). In einer ökonomisierten Gesellschaft wie der unsrigen liegen Wörter wie Outsourcing, Offshoring, Privatisierung, Flexibilität und anderes neoliberales Kampfvokabular im Trend. Die Privatisierung von öffentlichen Gütern, Kritiker sprechen auch von der Enteignung öffentlichen Guts, spült schnelles Geld in die erwähnten leeren Kassen. Bahn, Wasser- und Energieversorgung, Post, Telekommunikation wir können nicht wirklich behaupten, dass uns die Privatisierung hier gerade glücklich gemacht hat. Wie steht es aber um die Universität? Es wird noch nicht gewagt, plump eine Privatisierung aller Universitäten anzugehen. Doch über die Hintertür der so genannten Drittmittel schaffen es Politik und eben die Wirtschaft, Einfluss auf die Universität und letztlich den Bildungsauftrag der Universität zu erlangen. Bildung? Auftrag? Wer gibt denn diesen Auftrag? Und wer wünscht sich junge gebildete Menschen? Menschen, die nicht nur eine Perfektion in Wissensboulemie erlangt haben, sondern es wagen, den status quo anzuzweifeln, zu kritisieren? Menschen, die nicht nur zu Maschinen ihres fachspezifischen Subsystems geworden sind? Die Wirtschaft, besser gesagt, die Entscheidungsträger der Wirtschaft und gekaufte Politiker, die maßgeblich Einfluss auf den Bologna-Prozess hatten, haben wohl nicht wirklich Interesse an einem inter- und transdisziplinär gebildeten Studienabgänger bzw. Studienabgängerin. Er oder sie soll zwar Wissen auf möglichst vielen Fachgebieten haben, doch zu viel Hirnschmalz soll wohl nicht in Fragen des prinzipiellen Warum? s verwendet werden. Nicht wenige bezichtigen den Hintermenschen der Hochschul- Reformen gar kein Interesse an wahrer Bildung, gar an demokratischen Strukturen. Das Ganze ist schon kritisch genug, doch die Rhetorik und das Vokabular der Entscheidungsträger, beginnend bei Vertretern der Hochschulen über die Entscheidungsträger in der Wirtschaft bis hin zu unserer Bundeskanzlerin Angela Merkel sind heuchlerisch und grenzen an Volksverdummung. Das Humanistische Bildungsideal wird dieser Tage an Universitäten förmlich vergewaltigt. Es hat einen guten Ruf und nun nutzt man diesen Ruf weiter, um ein sehr zweifelhaftes und unausgegorenes System zu etablieren. Zwangsläufig denke ich hierbei an eine populäre Traditionsbiermarke aus Stuttgart,

4 dessen Name nun nach Jahren der Abstinenz von einer anderen Brauerei gekauft und mit anderem Inhalt befüllt wird. Schade nur, dass es bei Universitäten wohl um etwas wichtigeres als das Marketing von Bier geht. Doch wie sollte denn nun der Bildungsauftrag der Universität sein? In der Schule sagte man, Universität sei eine Vertiefung von Themen, es sei schwieriger, professioneller und überhaupt sei alles anderes. Dass die Universität mehr detaillierteres Wissen vermittelt, steht wohl fest. Studierende sollen nun lernen, wie sie ihr erworbenes Wissen auch wissenschaftlich belegen können. Sei es, genaue Quellenangaben in Form von Zitaten und Literaturverzeichnissen anzugeben. Sei es, nicht nur ein Buch, sondern mehrere zu lesen und deren Inhalte verknüpfen zu können. Oder auch, Versuche anzustellen und Hypothesen zu falsifizieren oder zu verifizieren. Dies ist wohl einer der Grundpfeiler des Bildungsauftrags der Universität. Des weiteren ist ein Auftrag dieser Institution auch, Menschen zu vorausschauenden und weitblickenden Individuen zu machen bzw. ihnen den Anreiz dazu zu geben. Sie sollen aber auch gesellschaftsfähig agieren können, sprich neue Erkenntnisse und ausgearbeitete Theorien massentauglich, für den/die Nicht-AkademikerIn verständlich und nachvollziehbar aufzubereiten. Er oder sie sollte der Schrecken eines typischen Stammtischgesprächs sein, die AkteurInnen solch eines Gesprächs dennoch erreichen können. Es geht nicht um das Widersprechen des Widersprechen willens. Vielmehr darum, fundierte Argumente für oder gegen etwas zu erarbeiten und präsentieren zu können. Dies muss auf wissenschaftlicher Basis geschehen und darf nicht auf Glauben (auch im religiösen Sinne) oder gar Vermutung beruhen. Doch reicht es in diesem Sinne nicht, ein Wissens-Contest im Günter Jauch'schen Sinne zu veranstalten. Die Anhäufung von Wissen ist ein wichtiger Bestandteil für eine gute Bildung. Doch es gehört auch dazu, dass Studierende sich der Persönlichkeitsentwicklung widmen können, Freiräume auch im wörtlichen Sinne bereitgestellt werden, Zeit eingeräumt wird, dass Mensch sich vertiefen kann in seine/ihre Fächer oder gar in fachfremde Gebiete. Der Bildungsauftrag der Universität kann nicht sein, eine höhere Ausbildung zu bieten, für die auch noch gezahlt werden muss. Der Auftrag sollte sein, ein Raum zu sein, an dem Wissen geschaffen und in Frage gestellt wird, aber auch an dem neue unkonventionelle Denkansätze erarbeitet werden. Dies kann nur gewährleistet werden, wenn Studierende nicht (ständig) einem solch enormen Zensuren-, Kosten- und Zeitdruck ausgesetzt werden wie es in diesen Zeiten an der Universität der Fall ist. Was ist zu tun? Kann eine ökonomisierte Universität ihren Bildungsauftrag erfüllen?

5 Es wird schwierig, denn, machen wir uns nichts vor, früher (zu Diplom/Magister-Zeiten) war nicht alles besser. Es ist fraglich, ob Studierende 20 Semester oder mehr studieren sollten. Auch eine Wissensabfrage ist unerlässlich und viele Studierende brauchen sicherlich mehr Struktur im Studium als das zu Zeiten des Diplom/Magister der Fall war. Ein Vor sich hin studieren ohne Ziel kann auch sozial ungerecht sein, denn warum sollten Studierende das machen dürfen und Menschen mit anderen Bildungs-/Ausbildungswegen nicht? Doch genau hier scheint der Knackpunkt, der Kern des Problems zu liegen. Es gibt noch etwas zwischen ausgebildeten Turbo-Wissens-Maschinen ohne Weitblick und ziel und orientierungslosen Studiums-FaulenzerInnen. Studierende, die sich Zeit lassen wollen, diese Zeit aber sinnvoll nutzen, sich politisch und gesellschaftlich engagieren, über den Tellerrand hinaus schauen möchten und trotzdem nicht den Bezug zu ihrem Fachgebiet verlieren. Es ist Zeit, Bildung neu zu definieren und damit auch den Bildungsauftrag der Universität! ---- Benjamin Remigius Smith

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