Merkblatt LRS. Auswirkungen der Lese- und Rechtschreibstörung (LRS) auf die Notengebung in den Sprachfächern. für die Primarstufe und Sekundarstufe I

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1 Merkblatt LRS Auswirkungen der Lese- und Rechtschreibstörung (LRS) auf die Notengebung in den Sprachfächern für die Primarstufe und Sekundarstufe I Direktion für Bildung und Kultur Amt für gemeindliche Schulen

2 Merkblatt LRS Inhalt Merkblatt LRS Auswirkungen der Lese- und Rechtschreibstörung auf die Notengebung in den Sprachfächern Herausgeber Direktion für Bildung und Kultur Amt für gemeindliche Schulen Baarerstrasse 37, 6300 Zug Abteilung Schulaufsicht Markus Kunz, Leiter Schulaufsicht Abteilung Schulpsychologischer Dienst SPD Dr. Peter Müller, Leiter SPD Gestaltung Zeno Cerletti 1. Begriffe 1.1 Teilleistungsschwächen 1.2 Lese- und Rechtschreibstörung 2. Diagnose und Behandlung 3. Notengebung in den Sprachfächern 3.1 Verbindliche Grundlagen Notengebung in Deutsch Notengebung in den Fremdsprachen 3.2 Allgemeine Empfehlungen 4. Einbezug des Schulpsychologischen Dienstes 5. Wichtige Grundlagen Bezugsquelle Lehrmittelzentrale Zug Hofstrasse Zug Download (Suchbegriff: LRS) Das vorliegende Merkblatt wurde im Oktober 2010 vom Amt für gemeindliche Schulen herausgegeben.

3 Kapitel 1 Begriffe Kapitel 2 Diagnose und Behandlung 1.1 Teilleistungsschwächen Unter Teilleistungsschwächen versteht man Leistungsdefizite in begrenzten Teilbereichen wie z.b. Rechnen, Lesen und Rechtschreiben, Sprechen oder im Bereich der Motorik bei ansonsten altersgemässen kognitiven Fähigkeiten. 1.2 Lese- und Rechtschreibstörung Die Lese- und Rechtschreibstörung ist eine Teilleistungsschwäche. Sie wird auch Legasthenie oder Dyslexie genannt. Heute gebräuchlicher ist die Kurzform LRS. Zuständig für die Einschätzung (Diagnose) einer LRS sind die Logopädinnen und Logopäden der gemeindlichen Schulen. Bei der Behandlung einer LRS können sowohl die Logopädinnen und Logopäden als auch die Schulischen Heilpädagoginnen und Heilpädagogen involviert sein. Im Einzelfall wird abgesprochen, wer welche Aufgabe in der Förderung übernimmt. Wichtig ist die Zusammenarbeit mit der Klassenlehrperson. Die Rechtschreibprobleme sind gekennzeichnet durch eines oder mehrere der folgenden Merkmale: hohe Fehlerzahl beim Schreiben von Texten Rechtschreibinkonstanz trotz eingehendem Üben Schwierigkeiten beim Abschreiben und selbstständigen Verfassen von Texten Die Leseprobleme sind gekennzeichnet durch eines oder mehrere der folgenden Merkmale: geringe Lesegeschwindigkeit Leseflussstörung Auslassen, Ersetzen, Vertauschen oder Hinzufügen von Wörtern oder Wortteilen eingeschränktes Leseverständnis

4 Kapitel 3 Notengebung in den Sprachfächern 3.1 Verbindliche Grundlagen Der Umgang mit der LRS und insbesondere ihre Auswirkung auf die Notengebung im Zeugnis werden in den gesetzlichen Grundlagen nicht explizit und gesondert geregelt. Eine stark ausgeprägte, schwere LRS wird einer «schweren Sprachstörung» gleichgesetzt, welche im Reglement über die Promotion an den öffentlichen Schulen (Promotionsreglement; BGS ) behandelt wird. Dort wird in 5 Abs. 1 festgehalten, dass die Rektorin bzw. der Rektor darüber entscheidet, ob auf die Notengebung im entsprechenden Fach während der Dauer der Therapie (...) zu verzichten ist, wenn eine schulische Leistung aufgrund einer schweren Sprachstörung (...) nicht sinnvoll bewertet werden kann. Bei einem Verzicht auf die Notengebung im Zeugnis sind die Eltern durch die Klassenlehrperson über den Lernerfolg im Rahmen eines Lernberichtes zu informieren. Der Antrag auf Notendispensation bei der Rektorin, beim Rektor erfolgt durch die Klassenlehrperson (in enger Zusammenarbeit mit der Logopädin bzw. dem Logopäden und der Schulischen Heilpädagogin bzw. dem Heilpädagogen). Bei einer Notendispensation in einem oder mehreren Sprachfächern aufgrund einer schweren Sprachstörung (u.a. schwere LRS) ist im Zeugnis unter Bemerkungen der Vermerk «Logopädie» einzutragen. Im Umgang mit Notendispensationen im Zeugnis ist die Erkenntnis zentral, dass es keine standardisierte und allgemeingültige Vorgehensweise gibt. Im Einzelfall muss individuell sowie sorgfältig über die Notengebung abgewogen und entschieden werden, da die LRS in den konkreten Fällen nicht stereotyp, nicht in derselben Ausprägung und nicht mit derselben Auswirkung auf die Sprachfächer verläuft. Aus diesem Grunde sind Konsequenzen auf die Notengebung unterschiedlich. Ein Verzicht auf die Notengebung in den Sprachfächern hat weit reichende Konsequenzen für die schulische Laufbahn und spätere Eingliederung in das Erwerbsleben und muss deshalb sehr gut begründet sein. Unter Notendispensation in diesem Zusammenhang wird einzig der Verzicht auf die Erteilung einer Note im Zeugnis verstanden. Sofern nur in einzelnen Teilbereichen (z.b. Rechtschreibung) auf die Notengebung verzichtet wird und trotzdem eine Note im Zeugnis gesetzt werden kann, muss dieser Vorgang nicht von der Rektorin bzw. vom Rektor bewilligt werden. In diesem Zusammenhang wird nicht von einer Notendispensation gesprochen. Der Entscheid, ob in Teilbereichen die Leistungen nicht benotet werden (bei gleichbleibender Notengebung im Zeugnis), wird in enger Zusammenarbeit zwischen der Klassenlehrperson, der Logopädin bzw. dem Logopäden, der Schulischen Heilpädagogin bzw. dem Schulischen Heilpädagogen gefällt. Auch während Therapiepausen kann die Notendispensation aufrecht erhalten bleiben, sofern der Therapieunterbruch infolge stagnierender Fortschritte und zwecks Beobachtung der Auswirkungen der Therapie angezeigt sowie eine spätere Weiterführung der Therapie möglich ist.

5 3.1.1 Notengebung in Deutsch Im Fach Deutsch müssen acht Beurteilungsbereiche durch die Lehrperson beurteilt werden. In «Deutsch mündlich» sind dies: Sprechen, Hörverständnis, Lese- und Sprechtechnik sowie Grammatik. Die LRS wirkt sich hier hauptsächlich auf die Lesetechnik aus. Es ist darum grundsätzlich zu erwägen, ob die Notengebung unter entsprechender Fokussierung auf die anderen drei Beurteilungsbereiche, also unter Ausklammerung der Bewertung der Lese- und Sprechtechnik, möglich ist. Bei entsprechender Begründung, insbesondere wenn mehrere Beurteilungsbereiche betroffen sind, ist es jedoch gemäss Entscheid der Rektorin bzw. des Rektors ebenfalls möglich, auf die Notengebung zu verzichten (vgl. unter 3.1). In «Deutsch schriftlich» werden die Beurteilungsbereiche Textschaffen, Rechtschreibung, Textverständnis und Grammatik bewertet. Eine LRS kann sich hier auf mehrere Bereiche auswirken, dies jedoch in unterschiedlicher Ausprägung. Bei einer schweren LRS kann, gemäss Entscheid der Rektorin bzw. des Rektors, auf die Notengebung verzichtet werden (vgl. unter 3.1) Notengebung in den Fremdsprachen Der Einfluss einer LRS auf die Notengebung in den Fremdsprachen wird oftmals überschätzt. Eine LRS muss sich nicht unbedingt auf die Leistungen in den Fremdsprachen auswirken. Dazu existieren verschiedene Studien 1, die belegen, dass das Erlernen einer Fremdsprache für Schülerinnen und Schüler mit einer LRS auch eine Chance sein kann. Lediglich in wenigen Fällen und in Anbetracht einer schweren LRS kann es sinnvoll sein, auf die Notengebung in den Fremdsprachen zu verzichten. Der Entscheid, ob in einem oder beiden Fremdsprachenfächern auf die Notengebung verzichtet werden kann, wird in Anlehnung an 5 Abs. 1 des Promotionsreglements wiederum von der Rektorin bzw. vom Rektor getroffen (vgl. 3.1). 1 z.b. Hartmann, E. (2007): Erfolgreiches Fremdsprachenlernen trotz Lese- Rechtschreibschwäche (LRS) Der Verzicht auf die Notengebung ist allerdings nicht zu verwechseln mit der Dispensation von einzelnen Fächern. Fachdispensationen sind auf der Primarstufe grundsätzlich nicht möglich. Auf der Sekundarstufe I sind zwar Ersatzangebote für Jugendliche mit grossen Sprachschwierigkeiten möglich; diese sind jedoch nur in angezeigten Situationen zu nutzen. Eine LRS alleine ist noch kein zwingender Umstand, eine Schülerin bzw. einen Schüler vom Fremdsprachenunterricht auf der Sekundarstufe I zu befreien. Bevor eine Notendispensation erfolgt, müssen folgende Umstände berücksichtigt sein: Gewichtung der Beurteilungsbereiche: Grundsätzlich ist die Situation in den Fremdsprachen nicht dieselbe wie in Deutsch. Der Stellenwert der Schriftlichkeit ist in den Fremdsprachen Französisch und Englisch generell weniger gewichtet. Es gilt: Mündlichkeit vor Schriftlichkeit. Voraussetzung dafür bildet besonders die Schulung des Hörverstehens und des Sprechens. Dies ist bei der Bewertung der Leistungen zu berücksichtigen. Im Hinblick auf die Notengebung in den Fremdsprachen ist auf der Grundlage des Lehrplans eine adäquate Berücksichtigung der Beurteilungsbereiche in jeweils angemessener Gewichtung notwendig. Auf der Primarstufe werden die Schülerinnen und Schüler sowohl in Englisch wie auch in Französisch in den Beurteilungsbereichen Hören, Sprechen, Lesen und Schreiben beurteilt. Auf der Sekundarstufe I wird in den Fremdsprachen ein mündlicher und schriftlicher Bereich bewertet. In Englisch und Französisch mündlich werden das Sprechen, das Hörverständnis, die Lese- und Sprechtechnik sowie die Grammatik beurteilt; in Englisch und Französisch schriftlich hingegen die Bereiche Textschaffen, Rechtschreibung, Textverständnis und Grammatik. Da von einer schweren LRS hauptsächlich das Schreiben und/oder Lesen betroffen sind, können dennoch in den anderen Beurteilungsbereichen reguläre Leistungsbeurteilungen erfolgen, insbesondere unter Berücksichtigung der «Allgemeinen Empfehlungen» (vgl. unter 3.2). Dadurch kann eine Notengebung in den Fremdsprachen begünstigt und ermöglicht werden.

6 Im Französisch müssen zusätzlich noch folgende Aspekte mitberücksichtigt werden: Im Lehrplan der Primarstufe wird für Schülerinnen und Schüler mit einer Teilleistungsschwäche oder mit Lernbehinderungen ein tieferes Anforderungsniveaus definiert. Für entsprechende Schülerinnen und Schüler sollen Kernthemen aus dem Niveau A1 ausgewählt werden. Die «Weisungen zur Schriftlichkeit» legen fest, dass Lernende mit geringem Leistungsvermögen nach Vorlage korrekt abschreiben können müssen. Nicht alle Schülerinnen und Schüler müssen demnach dieselben Ziele erreichen. Im Fach Englisch ist im Lehrplan der Primarstufe für Schülerinnen und Schüler mit Teilleistungsschwäche oder mit Lernbehinderungen ein tieferes Anforderungsniveaus definiert. Für sie werden auf der Primarstufe Kernthemen aus Level A1 ausgewählt. Ab der 6. Primarklasse wird zwischen Grundansprüchen und erweiterten Ansprüchen differenziert. Mit diesen differenzierten Anforderungen kann man Leistungsunterschieden begegnen, ohne auf die Notengebung zu verzichten. 3.2 Allgemeine Empfehlungen Im Sinne eines Nachteilsausgleichs können bei einer schweren LRS folgende Massnahmen im Hinblick auf eine faire Beurteilung unterstützend wirken: Falls der Prüfungsgegenstand es erlaubt, liegt es im Ermessen der Lehrperson und allenfalls der Schulischen Heilpädagogin bzw. des Schulischen Heilpädagogen, in den betroffenen Beurteilungsbereichen partiell oder vollumfänglich mündlich statt schriftlich zu prüfen. Bei der Gesamtbeurteilung kann eine Schwerpunktverlagerung in der Notengebung vorgenommen werden, d.h. der mündliche Bereich kann stärker als der schriftliche gewichtet werden. Da gewisse Kinder mit entsprechend ausgeprägter LRS mehr Zeit für das genaue Erlesen und Verstehen von schriftlich formulierten Aufgabenstellungen (wie auch anschliessend für die Kontrolle des eigenen Textes) benötigen, kann ihnen vor allem bei Lernkontrollen mehr Zeit zugestanden werden. Arbeiten solche Kinder unter Zeitdruck, kann sich dies leistungsmindernd auswirken. Eine spezielle Beurteilungspraxis sollte zwischen den Eltern, den Lehrpersonen, der Schulischen Heilpädagogin bzw. dem Schulischen Heilpädagogen sowie der Logopädin, dem Logopäden abgesprochen werden. Die wichtigsten Aspekte werden dabei in einer Vereinbarung festgehalten, welche von den Beteiligten unterschrieben wird. Die aus der Beurteilung resultierte Note hat dann den gültigen Notenwert im Zeugnis, d.h. die LRS kann im Nachhinein nicht mehr als Faktor für eine Korrektur der vorliegenden Note geltend gemacht werden. Diese Massnahmen begünstigen und ermöglichen in den meisten Fällen trotz schwerer LRS eine Notengebung in den Sprachfächern.

7 Kapitel 4 Einbezug des Schulpsychologischen Dienstes Kapitel 5 Wichtige Grundlagen Grundsätzlich wird der Schulpsychologische Dienst bei laufbahnbestimmenden Massnahmen beigezogen. Im Kontext mit der LRS erfolgt der Einbezug des Schulpsychologischen Dienstes, wenn die Promotion trotz der getroffenen Massnahmen nicht gewährleistet werden kann und die Frage nach einer allgemeinen Lernbehinderung im Vordergrund steht. Grundsätze Beurteilen und Fördern B&F (Bildungsratsbeschluss vom 14. Januar 2009) Notengebung Fremdsprachen Primarstufe (Bildungsratsbeschluss vom 14. Januar 2009) Grundsätze Beurteilung in den Fremdsprachen auf der Primarstufe und Sekundarstufe I (Bildungsratsbeschluss vom 20. Mai 2009) Reglement über die Promotion an den öffentlichen Schulen (BGS ; 9, 22) Französisch Primarstufe Weisungen zur Schriftlichkeit (Amt für gemeindliche Schulen, 2005) Lehrplan Französisch (S. 4, 5, 6, 7, 9) Lehrplan Englisch (S. 4, 5, 9, 10)

8 2010 Kanton Zug Bezugsadresse: Lehrmittelzentrale des Kantons Zug Hofstrasse 15, 6300 Zug T , F Download: (Suchbegriff: LRS)

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