"Wir sind noch weit entfernt von echter Inklusion"

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1 "Wir sind noch weit entfernt von echter Inklusion" Die ConSozial 2014 in Nürnberg: ein Rückblick Produktiv sollen die Mitarbeiter der Sozialbranche arbeiten und dabei möglichst wenige Steuergelder ausgeben. Gleichzeitig aber sollen alle Bedürftigen aufopfernde Hilfe erhalten, egal wann und in welcher Form diese benötigt wird. Geht das? Diesem Spannungsfeld zwischen Geld und Hilfe widmete sich die ConSozial in diesem Jahr aus unterschiedlichen Perspektiven. Unter dem Motto Mission Sozialwirtschaft produktiv und menschlich fand die diesjährige ConSozial, Fachmesse und Congress des Sozialmarktes, in Nürnberg statt. Mit 227 Ausstellern, über 60 Kongressbeiträgen und trotz Bahn-Streik mehr als Besuchern etablierte sich die ConSozial einmal mehr als Leitveranstaltung der Branche. Menschliche Asylsozialpolitik Die Bayerische Staatsministerin Emilia Müller eröffnete die diesjährige ConSozial in Nürnberg. Staatsministerin Emilia Müller eröffnete die 16. ConSozial und wies in ihrer Rede auf einen Bereich der Sozialpolitik hin, der noch immer ein Schattendasein führt. In Bayern als südlichstem Bundesland kommen besonders viele unbegleitete minderjährige Asylbewerber an, sagte sie: Allein für 2014 rechnen wir mit mindestens Neuankömmlingen. Die richtige Unterstützung und Begleitung dieser jungen Menschen, ihnen die Möglichkeit zu geben, Deutsch zu lernen, zur Schule zu gehen oder einen Beruf zu ergreifen, sei ihr ein besonderes Anliegen. Bayern werde die Zuschüsse für die Kommunen deutlich aufstocken und Konzepte entwickeln, wie die Betreuung sinnvoll auf viele Schultern und Kommunen verteilt werden könne. Barrierefreiheit in den Köpfen Der Präsident des Deutschen Städtetages, Dr. Ulrich Maly, stellte in seinem Plenumsvortrag in Frage, ob Menschen mit Behinderung in der Mitte der Gesellschaft angekommen seien. Zwar sei wirklich viel passiert in den letzten Jahren, aber vor allem in der öffentlichen Wahrnehmung sehe er noch Luft nach oben. Sein Credo: Wir brauchen Barrierefreiheit im Kopf, denn wir sind noch weit entfernt von echter Inklusion. Bewusst provozierend verglich er das Projekt Inklusion mit der Wiedervereinigung Deutschlands und beschrieb in wenigen treffenden Worten, was beiden gemein ist: Es ist erreichbar, es wird sauteuer, es dauert lange. Aber es ist jeden Euro wert. Zudem hob er die Bedeutung der Sozialbranche und der ConSozial hervor: Die ConSozial ist die Veranstaltung, auf der Grundsatzfragen der Politik und der Gesellschaft diskutiert werden. Auftrag der ConSozial sei es, das Soziale aus der Kostenfaktor-Ecke in die Standortfaktor-Ecke zu bringen. Dr. Ulrich Maly, der Präsident des Deutschen Städtetages plädierte für Barrierefreiheit im Kopf. Verena Bentele, Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, eröffnete mit ihrem Vortrag Inklusion Gesellschaft gestalten den zweiten ConSozial- Tag und den KITA-Kongress der ConSozial. Die zwölffache paralympische Goldmedaillengewinnerin verdeutlichte mit viel Humor und anhand eigener Erfahrungen, wie sie sich eine inklusive Gesellschaft und den Weg dahin vorstellt. Man müsse die Menschen mit ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten sehen und sich nicht von ihren Einschränkungen leiten lassen. Trotz Bahnstreik kamen mehr als Besucher zur ConSozial.

2 Umfangreiches Programm Das Ziel der ConSozial ist es, die Belange aller Akteure der Sozialbranche zu thematisieren. So fand in diesem Jahr erstmalig das Management Symposium statt. Im Rahmen der Themenschwerpunkte Konversion, Sozialraum, Immobilienmanagement, Personal und Einkauf diskutierten Vorstände und Geschäftsführer großer Sozialträger intensiv darüber, was es bedeutet, Inklusion unternehmerisch umzusetzen. Ebenfalls parallel zum Kongress der ConSozial fanden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Feld der Kindertagesbetreuung zahlreiche aktuelle Informationen. Unter dem Motto Zwischen Anspruch und Wirklichkeit Kita im Aufbruch griff der Kita- Kongress die zentralen Fragen auf und gab mit praxisbezogenen Vorträgen wichtige Entwicklungsimpulse. Im Messe-Forum KITA präsentierten über 30 Aussteller ihre Angebote für diesen Bereich. Das Forum Bildung und die Job-Infobörse rundeten das Angebot ab. Die Zusammenarbeit sozialwirtschaftlicher Organisationen mit gewerblichen Unternehmen erhielt auf der diesjährigen ConSozial eine besondere Plattform. In Tandem-Vorträgen und auf gemeinsamen Messeständen präsentierten die Akteure erfolgreiche Projekte und stießen damit auf großes Interesse. Verena Bentele, die Beauftrage der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, eröffnete mit ihrem Plenunmsvortrag den 2. ConSozial-Tag und den KITA-Kongress. Der ConSozial Wissenschafts-Preis Der mit je Euro dotierte Wissenschafts-Preis würdigt herausragende Arbeiten und Konzepte zur nachhaltigen Entwicklung Sozialer Arbeit in der Wissenschaft. Er wird in drei Kategorien vergeben. Der Psychiatriereformer Prof. Dr. Dr. Klaus Dörner erhielt den Preis für sein Lebenswerk. Mit seinem unermüdlichen Einsatz für eine menschenwürdige Psychiatrie ist er ein Vorreiter und Vorbild zugleich. In der Kategorie Wissenschaft wurde Dr. Daniel Franz ausgezeichnet. In seiner Promotion widmete er sich den Anforderungen an Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in wohnbezogenen Diensten der Behindertenhilfe und ging dabei insbesondere auf den Wandel von der institutionellen zur personalen Orientierung ein. Yvonne Kuhnke erhielt den Preis in der Kategorie Nachwuchs für ihre Masterarbeit zum Thema Gelebte Subsidarität Nachbarschaftliche Hilfen im Mehrgenerationen-Wohnprojekt. Die Bayerische Staatsministerin Emilia Müller überreichte den ConSozial Wissenschafts-Preis. Erfolgreiche Tandems aus sozialen Organisationen und gewerblichen Unternehmen In der Praxis setzen soziale Organisationen und gewerbliche Unternehmen häufig zusammen innovative Projekte erfolgreich um: Sie organisieren Einrichtungen und Dienste, setzen IT und neue Medien kooperativ ein oder befassen sich gemeinsam mit der beruflichen Integration von Menschen mit Behinderung. Erstmals präsentierten auf der diesjährigen ConSozial sechs dieser Tandems ihre gemeinsamen Projekte. In den Tandem-Vorträgen stellten jeweils beide Partner die Idee und das Konzept vor und berichteten über die gemeinsame Umsetzung. An den Tandem-Messeständen konnten die Besucher der ConSozial sich mit den Projekt-Partnern im persönlichen Dialog austauschen. Die Tandem-Messestände waren gut besucht und boten Gelegenheit zu ausführlichen Gesprächen.

3 So präsentierten beispielsweise die St. Elisabeth-Stiftung in Bad Waldsee und die Deutsche Beratungsgesellschaft für Zeitwertkonten und Lebensarbeitszeitmodelle mbh in Schwäbisch Gmünd ihr Projekt Lebensarbeitszeitmodelle: Mitarbeiter motivieren Image steigern Fachkräfte gewinnen. Wir haben uns als Arbeitgeber mit dem Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie auseinandergesetzt, berichtet Nicole Rapp, Personalleiterin der St. Elisabeth-Stiftung. Unser Ziel war, ein Modell einzuführen, das uns hier in der Region als Arbeitgeber attraktiv macht. Denn Fachkräftemangel ist auch für uns ein Thema. Wir suchen junge Menschen, die gerne bei uns arbeiten, und wir möchten die guten Mitarbeiter bei uns behalten. Das Besondere an unserem Wertkontenmodell ist die hohe Flexibilität: Jeder Mitarbeiter kann ganz individuell bestimmen, wann und wofür er das angesparte Guthaben verwenden will. Sie freue sich sehr, dass sie die Möglichkeit hatte, dieses spannende Projekt gemeinsam mit Harald Röder, Geschäftsführer der Deutschen Beratungsgesellschaft für Zeitwertkonten und Lebensarbeitszeitmodelle mbh auf der ConSozial vorzustellen, ergänzt die Personalleiterin. Lebensarbeitszeitmodelle ermöglichen mehr Flexibilität bei der Organisation, Gestaltung und Ausübung der Arbeit. Sie bieten eine verbesserte Vereinbarkeit von Familie und Beruf und kommen dem Wunsch nach einer freien und individuellen Lebensgestaltung sowie nach mehr finanzieller Sicherheit im Alter entgegen, ergänzt Harald Röder. Seiner Auffassung nach werden Arbeitgeber, die innovative Ideen zur Lebensarbeitszeit umsetzen, zunehmend von Arbeitnehmern als interessant wahrgenommen. Die Tandem-Vorträge und -Stände werden auch auf der ConSozial 2015 angeboten. Weitere Informationen für soziale Organisationen oder gewerbliche Anbieter finden Sie hier. Intensiver Austausch über die unternehmerischen Veränderungsbedarfe durch Inklusion Management Symposium der ConSozial 2014 Die Herausforderungen, die auf Vorstände und Geschäftsführer der Sozialwirtschaft zukommen, werden immer komplexer. Diese Komplexität ist nur mithilfe von permanentem, auch interdisziplinärem Austausch und Kooperationen zu meistern: Unternehmen Inklusion Verantwortliche im Dialog war der Titel, unter dem auf der diesjährigen ConSozial zum ersten Mal ein Management Symposium stattfand. Die Veranstaltung bot Chancen zum Dialog von Führungskräften aus Sozialwirtschaft, Politik und Verwaltung untereinander und eröffnete die Möglichkeit, unternehmensstrategische Fragestellungen zu diskutieren. Für die obere Führungsebene wurde so eine ideale Plattform geschaffen: Führungskräfte konnten sich nicht nur Input holen, sondern insbesondere auch in den Austausch untereinander und mit Fachexperten treten. Der Mix aus Impulsvorträgen und anschließenden Diskussionen in kleinen Gruppen ermöglichte es, in einem vertraulichen Rahmen sehr offen zu diskutierten und Erfahrungen zu teilen. Der Blick in die benachbarten Niederlande und in andere Branchen vermittelte zudem interessante Blicke über den Tellerrand. Auf dem Management Symposium diskutierten Vorstände und Geschäftsführerder Sozialwirtschaft aktuelle Herausforderungen. Das dialogorientierte Format wurde gut angenommen und führte zu inspirierenden Kontakten. Denn statt nur im großen Plenum Fragen zu beantworten, standen die Referenten im Anschluss an ihre Impulsvorträge für persönliche Gespräche mit den Teilnehmern zur Verfügung.

4 Thomas Eisenreich, Bereichsleiter Ökonomie des Verbandes diakonischer Dienstgeber in Deutschland (VdDD), Referent zum Thema Sozialraum: Leistungssysteme und Geschäftsmodelle gestalten und Mit-Organisator des Management Symposiums zieht eine positive Bilanz: Es war wichtig und gut zu erleben, dass die grundlegenden Veränderungen, die sich durch die Inklusion für die Sozialunternehmen ergeben, intensiv anhand von Beispielen diskutiert wurden. Den Teilnehmern hat das Symposium Anregungen gegeben für ihr eigenes Tun. Wir boten der oberen Leitungsebene auf der ConSozial eine Plattform, um Veränderungsbedarfe in der Branche zu diskutieren, gelungene Praxisbeispiele zur Gestaltung des Wandels zu analysieren und sich fachlich auszutauschen. Ein Mix, den es in dieser Form extrem selten gibt. Die Welt von Limbi Abwechslungsreiches Programm auf der ConSozial-Extra-Bühne Auch in diesem Jahr bot die ConSozial-Extra-Bühne ein interessantes Programm zwischen Humor, persönlicher Reflexion und gesellschaftlichen Bezügen. Ein besonderes Highlight: Der evangelische Pfarrer und Bestseller-Autor Werner Tiki Küstemacher stellte Limbi vor. Hinter diesem netten Pseudonym verbirgt sich unser limbisches System, das oft bockig ist und wenig rational reagiert. Küstenmachers Tipp: Freunden Sie sich mit Limbi an. Und nehmen ihn beiseite. Limbis Hauptjob ist es, uns vor Gefahren zu schützen, erläuterte Küstenmacher. Deshalb spüren wir negative Erfahrungen meist intensiver als positive. Limbi wird störrisch, wenn der Weg allzu streng vorgegeben ist. Hingegen liebt er die Auswahl, auch wenn alle vorgeschlagenen Wege zum selben Ziel führen. Mit Belohnungen läßt sich Limbi immer locken, Verbote hingegen fordern ihn heraus. Aus diesem Wissen leitet Küstenmacher vergnügliche Alltags-Tipps ab. So hilft es, beim Verkauf des Gebrauchtwagens zunächst einen viel höheren Preis anzugeben und den Limbi des Käufers zu schocken. Der wahre, niedrigere Preis versöhnt diesen Limbi dann und lässt den Käufer zum glücklichen Zahler werden. Doch Küstenmacher warnte auch: Die - und Kurznachrichten- Kommunikation sperre unsere Limbis (sprich: Emotionen) aus. Fehlinterpretationen und Missverständnisse seien die logische Folge. Werner Tiki Küstenmacher, evangelischer Pfarrer und Bestseller-Autor, referierte über unser limbisches System und seine Macken. Innehalten und nachdenken Barbara Frank-Landkammer vom Deutschen Caritasverband forderte die Besucher zu einem persönlichen Solidaritäts-Check heraus. In zehn Fragen ging es an die Substanz des eigenen Lebensstils: Richten wir ihn wirklich immer am Gemeinwohl aller aus oder siegt doch des Öfteren die Faulheit und verhindert korrekte Mülltrennung und Fahrten mit dem Fahrrad? Unterhaltsam und informativ regte der Test zum Nachdenken an. Mit dem Fotoprojekt Gegensätzlich? Menschen mit und ohne Handicap zeigen Leidenschaft wagte sich der Außergewöhnlich! e.v. an ein Tabuthema. Macher und Models präsentierten das Projekt und erzählten, wie das Shooting jeden einzelnen ein kleines bisschen veränderte. Dr. Henning Scherf, Bildungs- und Justizminister a. D. und ehemaliger Bremer Bürgermeister, las aus seinem Buch Altersreise Wie wir alt sein wollen. Er beschreibt darin sehr persönlich eine Reise durch Wohngemeinschafts-Projekte und Heime, auf der Suche nach einer Möglichkeit, auch im Alter würdig zu leben. Er plädiert dafür, die hilfebedürftigen Alten in die Mitte der Gesellschaft zu holen, denn die Lösung läge im Miteinander. Macher und Models des Fotoprojektes Gegensätzlich? Menschen mit und ohne Behinderung zeigen Leidenschaft gaben interessante Einblicke.

5 Termine: ConSozial im Überblick Ab sofort steht die ConSozial-Dokumentation unter zur Verfügung. Als Abonnent des Newsletters DIALOG erhalten Sie exklusiv Zugriff mit dem Passwort 2014-menschlich-produktiv. Zahlreiche Fotos zur ConSozial 2014 finden Sie unter Messe und Kongress Oktober 2015, Messezentrum Nürnberg Achtung: Vorgezogener Meldetermin für Themenvorschläge zum Kongress der ConSozial 2015 Kennen Sie Themen und Referenten, die für Führungs- und Fachkräfte in Sozialwirtschaft und Sozialverwaltung interessant sind? Senden Sie uns Ihre Vorschläge bis zum 15. Dezember 2014 zu. Den Themenvorschlagsbogen finden Sie hier. Kontakt Besucherbüro ConSozial Tel.: / Fax: / Postfach Schwarzenbruck IMPRESSUM Herausgeber/V.i.S.d.P: Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration, Winzererstraße 9, D-80797, München Leitende Redaktion: Prof. Helmut Kreidenweis, KI Consult Augsburg; Kath. Universität Eichstätt-Ingolstadt Christian Oerthel, Rummelsberger Dienste für Menschen ggmbh; Norbert Walke, Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration; Maria Hell, Deutscher Caritasverband, Landesverband Bayern e. V. Redaktion und Gestaltung: index Agentur für strategische Öffentlichkeitsarbeit und Werbung GmbH, Zinnowitzer Str. 1, D Berlin Ansprechpartner Media/Anzeigen: index Agentur für strategische Öffentlichkeitsarbeit und Werbung GmbH, Kerstin Janke, Tel.: 030/ , Im Sinne der Gleichberechtigung wurde darauf geachtet, bei Berufsbezeichnungen etc. jeweils geschlechtsneutrale Begriffe oder sowohl die weibliche als auch die männliche Form zu verwenden. Sollte dies in einzelnen Fällen übersehen worden sein, bitten wir das zu entschuldigen.

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