Volkswirtschaftliches Hauptseminar: Die Wirtschafts- und Finanzkrise und ihre Folgen für die Wirtschaft und ihre Ordnung WS 2009/2010

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1 Volkswirtschaftliches Hauptseminar: Die Wirtschafts- und Finanzkrise und ihre Folgen für die Wirtschaft und ihre Ordnung WS 2009/2010 Prof. Dr. Ulrich van Lith Was ist heute anders? Wirtschafts- und Finanzkrisen im Vergleich Thema Nr. 3 Eingereicht von: Aytek Dogan

2 1. Die Weltwirtschaftskrise von Als erste Weltwirtschaftskrise nach heutigem Verständnis gilt die Weltwirtschaftskrise von Die zunehmende Verflechtung der Weltwirtschaft entstand durch Handel zwischen Europa und den USA. Insbesondere war Hamburg von weltwirtschaftlichen Entwicklungen abhängig. In Hamburg wurde Handel mit Russland und Skandinavien betrieben. Ein weiterer Bestandteil der Wirtschaft in Hamburg war auch der Handel mit Wertpapieren. Die meisten Wertpapiere stammten aus den Eisenbahngesellschaften, wodurch diese an mehr Kapital für Investitionen kamen. Da es nicht möglich war in Hamburg den steigenden Bedarf an Geld als Zahlungsmittel zu decken wurden Schuldwechsel zwischen den einzelnen Geschäftsleuten gehandelt. 1 Besonders der Handel mit Aktien bei den Eisenbahngesellschaften sorgt für steigende Spekulationen an der Börse in New York. Im Juli 1857 platzt die Spekulationsblase. Durch die Vernetzung des Handels zwischen Europa und den USA werden die auch europäischen Länder, besonders Hamburg schwer getroffen. Da die gehandelten Schuldwechsel nicht mehr akzeptiert wurden, sollte ein Anleihe Österreich mit Silbermünzen im Wert von zehn Millionen Bancomark aushelfen. Diese schaffte wieder vertrauen der Geschäftsleute wodurch es zu einer Entspannung der Lage kam. 2. Die Weltwirtschaftskrise ab 1929 Ab Herbst 1929 befand sich die Weltwirtschaft in einer Depression. Zuvor wurde noch im Juni desselben Jahres ein Höhepunkt des Indexes der industriellen und gewerblichen Produktion beobachtet. In mehreren Branchen wurden starke Rückgänge verzeichnet u.a. im Wohnungsbau und in der Stahlproduktion. Dennoch wurde weiterhin spekuliert und somit eine Spekulationsblase geschaffen. Als schließlich die Aktienkurse zu sinken begannen, reagierten darauf immer mehr Anleger und verkauften ihre Wertpapiere. Dies löste schließlich Panikverkäufe aus, welches dann mit dem Schwarzen Freitag endete. Da Deutschland und andere europäische Staaten im Zuge des 1. Weltkrieges hohe Kredite aus den USA erhalten hatten, wurden sie durch den wachsenden Bedarf an Kapital besonders aus Deutschland 1 Vgl. Fischer 2008, S.86f.

3 abgezogen. Dieser Mangel an Kapital führte zu einer Wirtschaftskrise. Durch die steigende Arbeitslosigkeit aufgrund der Weltwirtschaftskrise, kam es zu einer protektionistischen Wirtschaftspolitik, welche die Krise verschärfte. Lange wurde angenommen, dass günstige Kredite die Ursache für die aufgeblähte Spekulationsblase waren. Vielmehr vertrauten Anleger auf ihre getätigten Investitionen und in Zeiten eines soliden Wohlstands wird solch eine Spekulationslust gefördert. 2 Die Reaktion der großen Industriestaaten fiel fast einheitlich restriktiv aus. So wurde unter Reichskanzler Brüning die ernsthafte Lage durch eine kontraktive Fiskalpolitik verschlimmert. Dabei wurde das Ziel eines ausgeglichenen Staatshaushalts verfolgt (auch in den USA, Großbritannien und Frankreich). 3 In Folge dessen wurden Staatsausgaben reduziert und Abgabesätze erhöht. Außerdem kam das Festhalten an den Goldstandard hinzu, der eine nötige Geldmengenausweitung unmöglich machte. 3. Weltwirtschafts- und Finanzkrise ab 2007 Als Ausgangspunkt für die Finanzkrise und der daraus resultierenden Weltwirtschaftskrise gilt die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers am Im Gegensatz zu bisherigen Pleiten ließen die Behörden Lehman Brothers in Insolvenz gehen, wodurch ein Zusammenbrechen des Finanzsystems drohte. 4 Im Jahr 2007 kam es bereits zur Subprime-Krise, d.h. es wurden Kredite an Immobilienkäufer vergeben, welche jedoch keine erstklassige Bonität besaßen. Den Banken reichten die erworbenen Immobilien als Sicherheit. Möglich wurden die Spekulationen durch die Politik der Geldausweitung durch die amerikanische Zentralbank (Fed). Die stetig sinkenden Zinsen verursachten eine Spekulationsblase, wodurch sogar konservative Anleger auf riskante, höherverzinsliche Finanzprodukte setzten. 5 Hinzu wurden kaum noch gegenseitige Kredite unter den Banken vergeben. Die staatlichen Unterstützungen für die Banken führten zu einer Stabilisierung des Finanzsystems. U.a. wurde im Oktober 2008 eine Sicherung der Spareinlagen seitens der deutschen Bundesregierung garantiert, umso ein Bank Run zu verhindern und 2 Vgl. Galbraith, 2009, S.208f. 3 Vgl. Buchheim, 2009, S.8 4 Vgl. Soros 2009, S.30ff. 5 Vgl. Beck, Wienert 2009, S.7

4 Vertrauen bei privaten Anlegern zu schaffen. Solch ein Ereignis hätten die Banken nicht verkraften können, da diese Einlagen an langfristige Kredite gebunden sind. 6 Es wurden diverse Rettungspakte und Garantien der Regierungen in Europa und USA beschlossen, wie z.b. durch die US-Regierung mit einem Umfang von 700 Milliarden Dollar für amerikanische Banken, in Deutschland ein 500-Milliarden-Euro-Paket. 7 Im November 2008 einigten sich die 20 Staats-und Regierungschefs in Washington auf eine Reform des Weltfinanzsystems und gemeinsame Stabilisierungsmaßnahmen. Jedoch wurden keine gemeinsamen Konjunkturpakete beschlossen. 4. Unterschiede und Gemeinsamkeiten Wenn man die Finanz - und Wirtschaftskrisen in der Vergangenheit miteinander vergleicht ist es augenscheinlich, dass bei allen Krisen massive Spekulationen durch die Erwartungen hoher Gewinne vorausgehen. Die Ursachen sind ähnlich, die zunehmende Vernetzung der Weltwirtschaft lässt die Krise eines Landes auf andere Länder schneller übergreifen. Die Reaktion auf Krisen fiel in der Vergangenheit unterschiedlich aus. Während besonders bei der Weltwirtschaftskrise ab 1929 eine zunehmend protektionistische Politik die Krise lösen sollte, wurde bei der aktuellen Krise seit 2007 am gemeinsamen Markt festgehalten. Es folgte eine Zusammenarbeit der EU-Staaten und eine gleichzeitige aber unterschiedliche Konjunkturpolitik mit massiven Belastungen der Staatshaushalte d.h. eine expansive Fiskalpolitik, welches im Kontrast zu 1929 steht. Die Fiskalpolitik fiel in den Jahren ab 1929 kontraktiv aus. Eine gemeinsame abgestimmte Währungspolitik der europäischen Staaten war nicht möglich. Insbesondere die gemeinsame Währungspolitik des Euroraums wirkte krisenentspannend. Die Europäische Zentralbank weitete die Geldmenge aus, sodass der Leitzins bei 1,0 % liegt. 8 Zu den Reaktionen der Staaten kommen auch die Akteure. Im Gegensatz zu der Finanzkrise von 1929 standen 2007 nicht private Anleger sondern vielmehr Banken im Vordergrund der Spekulationsblase. 6 Vgl. Jahresgutachten 2008/09, Kap.1, S.1 7 Vgl. Schäfer, 2009, S.5 8 Vgl. Jahresgutachten 2009/10, Kap.1, S.7

5 Literaturverzeichnis Beck, Hanno und Wienert, Helmut (2009): Anatomie der Weltwirtschaftskrise: Ursachen und Schuldige. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, Jg. 2009, H.B. 20/2009, S Buchheim, Christoph (2009): Es war einmal: die Weltwirtschaftskrise. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28. Oktober 2009, Nr.250, S.8. Fischer, Henrik (2008): 1857: Weltwirtschaftskrise - Beben in der Hansestadt. In: Geo Epoche Nr /08 - Die Industrielle Revolution, 2008, S Galbraith, John Kenneth (2009): Der grosse Crash Finanzbuch Verlag, München, 4.Auflage. Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung/Statistisches Bundesamt (2009): Die Zukunft nicht aufs Spiel setzen Jahresgutachten 2009/10. Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung/Statistisches Bundesamt (2008): Finanzkrise meistern - Wachstumskräfte stärken Jahresgutachten 2008/09. Soros, George (2009): Die Analyse der Finanzkrise und was sie bedeutet weltweit, Finanzbuch Verlag, München, 1.Auflage. DIW Berlin (2009): Vierteljahrshefte zur Wirtschaftsforschung: Finanzmärkte im Umbruch: Krise und Neugestaltung, 1/2009.

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