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1 apofokus aporesearch Anlageinformation Vorsicht Falle! > Diese Fehler sollten Sie bei der Geldanlage vermeiden > Warum treten wir immer wieder in die gleichen Fallen? Ausgabe

2 apofokus aporesearch Anlageinformation Titelfoto: getty images Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank eg, Düsseldorf, unterliegt der Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), Bonn/Frankfurt. Die in diesem apofokus enthaltenen Informationen stellen keine Anlageberatung dar. Sie zielen nicht auf das individuelle Anlageprofil des Empfängers ab, sondern enthalten allgemeine Informationen, die eine selbstständige Anlageentscheidung erleichtern sollen. Mit dem apofokus ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf verbunden. Der apofokus beruht auf von uns nicht überprüfbaren, allgemein zugänglichen Quellen, die wir für zuverlässig halten. Die vorliegende Publikation gibt unsere unverbindliche Auffassung über den Markt und die Produkte zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses wieder. Die Inhalte sind sorgfältig recherchiert. Eine Haftung/Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit kann im Einzelfall aber nicht übernommen werden. Nachdruck nur mit Genehmigung der Deutschen Apotheker- und Ärztebank. 2

3 Vorsicht Falle! Inhalt Einleitung 4 Das Risiko! 5 6 Kein Stop Loss Zuschauen, wenn die Kurse fallen 6 Unkritisch auf sinkende Kurse setzen 10 Gewinne zu früh mitnehmen 13 Das große Ego 17 Immer den besten Fonds kaufen 20 Timing probieren 24 Einsätze erhöhen und Verbilligen 26 II. Warum wir immer wieder in die gleichen Fallen treten 28 Nicht für die Börse geschaffen? 28 Die Angst, ein Versager zu sein 30 Mehr Erfahrung, schlechtere Ergebnisse? 32 Fazit 34 3

4 apofokus aporesearch Anlageinformation Einleitung Einleitung Affen machen fatale Fehler Anleger auch! Wie fängt man in freier Wildbahn einen Affen und was hat das mit Geldanlage zu tun? Nun, fangen wir erst einmal beim Affen an. In Afrika und Asien weiß man um die sprichwörtliche Neugierde dieser Tiere, so dass hieraus eine interessante Fangmethode entwickelt wurde: Man braucht nur ein geschlossenes Gefäß oder noch besser einen hohlen Baum. In diesen bohrt man ein Loch, das gerade so groß ist, dass die Hand einer bestimmten Affenart hindurch passt. Dann werden z. B. Nüsse in den hohlen Baum gelegt, idealerweise unter den gierigen Blicken der Tiere. Dann braucht sich der Jäger nur noch zu entfernen, was den Affen vor Neugierde dann fast platzen lässt. Die Tiere lassen sich natürlich nicht lange bitten, inspizieren den Baum - und greifen hinein. Sie müssen dann allerdings feststellen, dass sich die geschlossene Faust mit den Nüssen nicht wieder aus dem Loch herausziehen lässt. Vielmehr müssten sie loslassen, um freizukommen. Daran hindert diese Tiere jedoch die Unfähigkeit, zwei Nachteile gegeneinander abzuwägen - Unfreiheit mit Beute oder Freiheit mit leeren Händen - und möglicherweise auch die Unwilligkeit, sich einen Fehler einzugestehen. So bleibt ihnen nur, mit der Hand in der Falle auf den Affenfänger zu warten und sich zu suggerieren, dass so weit noch alles in bester Ordnung ist Kommt Ihnen das bekannt vor? Sie wollen etwas erreichen, können sich aber auf der Suche nach der richtigen Methode dann doch nicht entscheiden und produzieren gerade damit erst das eigentliche Problem. Oder Sie machen das Falsche, weil Sie einem Trugschluss unterliegen. Oder Sie sind wie gelähmt und schauen sich gleichsam bei einer Fehlerhandlung zu. Oder Sie treten immer wieder in dieselbe Falle, ohne aus dem Fehler zu lernen, den Sie sich dann möglicherweise noch schönreden. Was bei der Geldanlage so alles schiefgehen kann und welche Fehler typisch sind, das soll Thema dieses Fokus sein. Vor allem: Welche Fallen sollte man grundsätzlich vermeiden? Und auch: Warum treten wir dennoch immer wieder in diese hinein? 4

5 Vorsicht Falle! Das Risiko! Das Risiko! Geld anzulegen ist doch ganz einfach oder doch nicht? Scheinbar gibt es immer mehr Krisen Das Risiko wettet immer mit, bei Derivaten wie auch bei Tulpenzwiebeln vor 400 Jahren Geld anzulegen ist ja wirklich kein intellektueller Zeitvertreib oder Kunst der Kunst willen, sondern jeder möchte mit einer Anlage einen Ertrag erzielen. So einfach ist das. Eigentlich. Aber haben Sie nicht auch den Eindruck, dass gerade das immer schwieriger wird? Gerade im vergangenen Jahrzehnt gab es einige Crashs und Krisen. Hier Geld zu verdienen war nicht gerade leicht, zumal sich viele Investoren nicht einzusteigen getrauten und zwischenzeitliche starke Erholungen an den Finanzmärkten verpassten. Viele fassen erst dann Mut, wenn die Kurse sichtbar gestiegen sind. Und wer auf einem höheren Niveau einsteigt, braucht immer größere Steigerungen als die Zuwachsraten in der Vergangenheit, um auf das gleiche Ergebnis zu kommen. Dann muss man länger warten, bis sich ein Ertrag und damit ein Erfolg einstellt. Plötzlich kommt noch quasi nebenbei ein Crash hereingelaufen und macht alle Anfangsfreude wieder kaputt. Ist das Kind erst in den Brunnen gefallen, ist man schon mitten drin im Problem. Will man dieses Problem dann lösen - ein Schritt, zu dem sich viele Investoren leider zu spät entscheiden - kann man viele Fehler machen. Der Duden definiert Risiko als Experiment, gefährliches Vorhaben, gewagtes Unterfangen, riskantes Unternehmen, Wagnis; (geh.): Wagestück; (bildungsspr.): Vabanquespiel; (auch abwertend). Risiko bei der Geldanlage ist keine Erfindung der Neuzeit. Es existiert also nicht erst seit der Dot-Com- Bubble, seit der Verbreitung von derivativen Anlagevehikeln oder seit dem Schwarzen Freitag Schon seit Jahrhunderten wird versucht, diese Größe in den Griff zu bekommen. Denken Sie beispielsweise nur an die Tulpenspekulation. In den Niederlanden brach um 1637 der Markt für Tulpenzwiebeln total in sich zusammen. Zum Höhepunkt des Spekulationsfiebers gab ein Spekulant für 3 Tulpenzwiebeln seine gesamte Brauerei in Utrecht her. Dies entsprach einem damaligen Gegenwert von rund Gulden oder umgerechnet etwa dem Gegenwert von drei Grachtenhäusern. Kurz nach diesem Wettfieber kehrte die Realität ein und die Zwiebeln sanken dramatisch auf ein normales Niveau. Die allermeisten Mitspieler blieben auf enormen Verlusten sitzen. Genau das ist mit Risiko gemeint, egal ob es sich um Tulpenzwiebeln, Aktien oder Immobilien dreht, heute oder 400 Jahre zuvor. Das Risiko einer Anlage ist immer die Preisschwankung eines Wertpapiers, die nicht ausgeschaltet werden kann und die den Investor immer wieder das 5

6 apofokus aporesearch Anlageinformation Fürchten lehrt. Daraus resultier auch der maximale Verlust über einen gewissen Zeitraum und der Drawdown. Dies ist der maximale Wertverlust einer Anlage, der wieder aufgeholt werden muss, wenn man unter dem Strich kein Geld verschenken will. Risiko kann man reduzieren, aber nicht eliminieren Wie viel Risiko ertragen Sie? Seit einigen Jahrzehnten wird versucht, dem Thema Risiko wissenschaftlich auf den Leib zu rücken. Sie kennen die Schlagwörter. Eines davon ist die berühmt-berüchtigte Diversifizierung. Hierunter versteht man die Aufteilung eines Vermögens auf mehrere Anlageklassen und Wertpapiere. Diese Streuung verringert sowohl das Gesamtrisiko eines bestehenden Portfolios wie auch dessen Schwankungsbreite. Und dies umso mehr, je weniger die verschiedenen Wertpapiere und Anlageklassen in einem positiven Zusammenhang stehen. Die Diversifizierung hat damit zweierlei Effekte: Die Verringerung des Gesamtrisikos bei gleichen Ertragschancen und die Erhöhung der Chancen bei gleichem Gesamtrisiko. So zumindest die Theorie. Allerdings gab es in der jüngeren Vergangenheit immer wieder Phasen, in denen scheinbar jede Anlageklasse mit einer anderen in einem Zusammengang stand, also korrelierte. Wie auch immer um dieses Risiko dreht sich praktisch die gesamte Geldanlage. Das Fatale dabei: Es geht nicht um eine akademische, theoretische oder sonst wie abstrakte Debatte, sondern um die Realität, die manchmal grausamer nicht sein kann und zuweilen auch ums nackte (finanzielle) Überleben. Denn selten halten Anleger diese Schwankungen oder die generelle Unsicherheit souverän aus. Anstelle dessen sind Fehler an der Tagesordnung, da die Anzahl der psychologischen Fallen groß ist. Schauen Sie niemals zu, wenn die Kurse wie Steine vom Himmel fallen! Kein Stop Loss Zuschauen, wenn die Kurse fallen Gerade in der Finanzbranche werden Fehler immer wieder gerne bei anderen als bei uns selbst gesucht. Wenn das Anlageergebnis deutlich hinter den Erwartungen liegt, war entweder der Berater schlecht oder der Fondsmanager des Investmentfonds, auf den man vertraut hat. Oder das regelbasierte System eines quantitativ gesteuerten Investmentfonds hat falsche Signale generiert, wofür der Fondsmanager zwar nichts kann denn er hält sich ja zurecht aus dem strikt regelbasierten Investmentprozess heraus -, aber das ist irgendwie auch unbefriedigend. Dann schimpft man auf das System, das vermeintlich nicht funktioniert. Oder der Markt ist schuld, denn wer rechnet 6

7 Vorsicht Falle! schon damit, dass die Kurse derart auf- und absteigen? Wer den Markt wer oder was immer das auch sein mag versucht zu verstehen, der wird dann womöglich in der aktuellen europäischen Schuldenkrise die Politik als wahren Schuldigen ausmachen. Denn diese verunsichert die Investoren mittlerweile mit den ermüdenden und scheinbar nicht enden wollenden Verhandlungen über Rettungsschirme und Schuldenabbau derart, dass diese phasenweise nicht mehr Herr ihrer Sinne zu sein scheinen. Gibt es bei Ihnen Depot- Leichen? Verluste nicht aussitzen! Aber seinen Sie jetzt mal ganz ehrlich zu sich selber: Gehen Sie professionell mit Verlusten um? Findet sich z. B. in Ihrem Portfolio eine Depot-Leiche, die einen Verlust von vielleicht 60 %, 80 % oder nur 40 % ausweist? Wenn so was bei Ihnen prinzipiell nie, aber auch wirklich nie vorkommt, dann möchten wir Ihnen erstens ausdrücklich gratulieren und zweitens brauchen Sie spätestens ab hier nicht mehr weiterlesen. Wenn Sie ab und zu versuchen, Verluste auszusitzen, dann sind Sie jedoch in bester schlechter Gesellschaft. Denn prinzipiell macht diesen Fehler jeder Anleger. Richtig die Börse ist keine Einbahnstraße, und Verluste müssen eben auch mal vorkommen dürfen, werden Sie jetzt vielleicht entgegnen. Da haben Sie völlig Recht! Aber wissen Sie, wie tief der Preis einer Aktie oder eines Fonds noch fallen kann? Isaac Newton sagte einmal, dass er die Bahn der Himmelskörper auf Zentimeter und Sekunden genau berechnen kann, aber nicht, wohin die verrückte Menge einen Börsenkurs treiben kann. Selbst wenn ein Unternehmen grundsolide ist, kann eine politische Stimmung wie wir sie derzeit mit der europäischen Schuldenkrise erleben ein Investment zu einer unerträglichen Achterbahnfahrt machen. Und dann sollten Sie nicht zuschauen, wenn die Kurse fallen. Denn niemand weiß, wie tief es noch gehen kann. Das schwierigste ist nicht, eine Stop-Schwelle zu errechnen Daher ist es sinnvoll, entweder gleich beim Kauf von Aktien, Investmentfonds oder Derivaten eine Schwelle zu definieren, die nicht unterschritten werden soll, oder dies kurz danach zu tun. Der Stop-Loss ist eines der wichtigsten Instrumente, die Sie an der Börse kennen sollten. Die Funktionsweise ist so einfach wie einleuchtend: Wenn eine Aktie zum Beispiel bei 62 Euro notiert, könnte Sie beispielsweise entweder einen intuitiven Stop-Kurs bei 56 Euro setzen oder aber eine gewisse Spanne von 10 % 15 % unter dem Einstand definieren. Wenn dann die Aktie auf diesen Wert fällt, wird sie automatisch verkauft. Damit wurde der Verlust auf 6 Euro pro Aktie begrenzt. Wenn die Aktie nach dem Kauf steigt, ist es sinnvoll, den Stop-Loss nachzuziehen, damit zum einen weiter eine Sicherung besteht, zum anderen ist damit 7

8 apofokus aporesearch Anlageinformation dann garantiert, dass bei einem späteren Kursknick automatisch ein Gewinn erzielt wird. Doch der Umgang mit Gewinnen ist vergleichsweise ein Luxusproblem, das hier weniger im Fokus steht. Hier soll es darum gehen, die groben Fehler zu vermeiden. sondern sich zu einer solchen Methode überhaupt durchzuringen Gefühle blockieren einen sinnvollen Umgang mit Verlusten Und ein sehr großer Fehler ist, in eine der tückischen psychologischen Fallen zu geraten. Warum halten so viele Anleger starrsinnig an schlechten Aktien fest? Dies ist gar nicht so leicht zu beantworten. Es hängt zumindest damit zusammen, dass man sich nicht richtig entscheiden kann. Denken Sie an das Bild des neugierigen Affen Ziemlich ähnlich handeln viele Anleger. Denn sie werden von Gefühlen blockiert, so zu handeln, wie es sinnvoll wäre. Denn wenn man an einer Aktie festhält, obwohl diese immer weiter fällt, kommt man nicht weiter, nur weiter in den Keller. Dann wird gehofft, gewünscht und gebetet, dass der Kurs drehen und wieder ansteigen möge. Aber leider beeindruckt dieses Leid den Kurs überhaupt nicht. Entweder diese Titel werden dann zu Depot-Leichen, oder sie werden treffsicher auf dem Tiefpunkt verkauft. Dies ist so ziemlich das Falscheste, das Sie tun können. Kursverluste kann man theoretisch aufholen, aber realisierte Verluste kann man nur wieder aufholen, wenn man in einen Titel mit Potenzial wieder einsteigt. Und wer traut sich das nach einer derartigen Niederlage schon? Wie schwierig es jedoch ist, hohe Kursverluste wieder wettzumachen, zeigt die Tabelle auf der Seite 10. Die ersten Kursverluste lassen sich leicht aufholen Sie zeigt vor allem, dass es einen Bereich gibt, bei dem der eingetretene Verlust und die nötige Steigerungsrate hin zur schwarzen Null gleich oder ähnlich hoch sind: Verliert man 5 % mit einer Aktie, muss diese wieder 5,3 % steigen, um diesen Kursverlust wettzumachen. Ein Verlust von 10 % ist mit einer Steigerung von 11 % ausgeglichen, ein Sinken von 15 % mit einer Steigerung von 18 %. Diese Vorhaben klingen nicht gerade unrealistisch. Doch ab einem Verlust von 20 % beginnt sich dieses Muster zu wandeln. Dann wird es immer schwieriger, den Kursverlust mit einer anschließenden Kurssteigerung auszugleichen. aber ab einem Minus von 25 % wird s verdammt eng! Genau bedeutet das: Wenn die Aktie 25 % im Minus steht und Sie an dieser festhalten, dann muss sie ab diesem Moment und zwar in jedem Marktumfeld! - drehen und eine Steigerung von 33 % hinlegen, damit Sie kein Geld verloren haben. Wenn das Marktumfeld freundlich ist, sind 33 % möglicherweise realistisch. Aber wenn es das nicht ist? Es hat ja schließlich einen Grund, dass die Aktie um 25 % gesunken ist. Dass sie sofort dreht, ist zumindest nicht 8

9 Vorsicht Falle! 100%ig wahrscheinlich. Wenn sie weiter sinkt, wird die Sache noch schlimmer: Denn wenn die Investition z. B. 40 % in den roten Zahlen steht, dann wird sich der Zustand der Verlustfreiheit erst nach zähen 67 % Steigerung vom gegenwärtigen Zeitpunkt einstellen. Eine Aktie, die z. B. 50 Euro notiert, müsste sich dann auf 83,50 Euro verteuern. Am anderen Ende der Skala haben Sie alles falsch gemacht! Sie sehen, der notwendige Ausgleich steigt überproportional an. Brauchen Sie bei -50 % nur 100 % zur Kompensation, so sind bei -60 % schon 150 % - also 50 %-Punkte mehr! nötig. Am krassesten ist die Lage am Ende der Skala: Bei einem Verlust von 95 % brauchen sie mit einer Steigerung von % sage und schreibe 1000 %-Punkte mehr Aufwärtsbewegung als bei einem Verlust von 90 %, der also nur 5 %-Punkte geringer ist. Und wenn Sie sich von -95 % lediglich 4 %-Punkte verschlechtern, ist der Verlust statt mit % erst nach % - das sind %-Punkte zusätzlich! vergessen. Jeder erkennt hier, dass es praktisch unmöglich ist, diese Verluste jemals wieder aufzuholen. Auch wenn diese Wahrscheinlichkeit verschwindend klein ist, so findet man immer wieder Anleger, die glauben, dass die Grundsätze der Statistik nicht für sie gelten, und die derart tief im Minus stehende Engagements einfach nicht verkauft haben und dies weiter nicht wollen - und auf ein gutes Ende hoffen. Nicht nur Zockeraktien absichern! Fallen lauern auch bei DAX-Werten Dennoch: eine Stop-Schwelle ist individuell Daher sollte die Konsequenz feststehen: Nie einer Aktie beim freien Fall zusehen! Viele mögen jetzt vielleicht einwerfen, dass bekannte und solide Namen nicht vor diesen Problemen stehen werden und dies eher kleinere Zockeraktien z. B. ADRs (American Depository Receipts = Verwahrungsscheine von amerikanischen Kreditinstituten) kleiner Rohstoffaktien - betrifft. Das ist vielleicht in der Mehrheit gar nicht so falsch. Aber was ist mit so bekannten Namen wie Commerzbank (Höchstkurs 37 Euro, heute rd. 1,5 Euro), Deutsche Telekom (Höchstkurs 103 Euro, heute rd. 9 Euro) oder Nokia (Höchstkurs 56 Euro, heute rd. 2 Euro)? Möglicherweise werden auch diese Werte ihre Höchstkurse wenn dies die aus heutiger Sicht unglücklichen Einstandskurse sind nie wieder erreichen, selbst wenn diese weiter existieren und damit als sowas wie solide gelten können. Ab welchem Verlust man die Notbremse zieht, ist individuell. Es kommt einerseits darauf an, welche Belastungen, die mit Verlusten im Zusammenhang stehen, man ertragen kann. Andererseits sollte ein Aufholen des Verlustes realistisch wirken. Aus unserer Sicht ist damit ein Verlust von rd. 20 % vertretbar, da zur Kompensation ein Kursgewinn auf dem aktuellen Niveau von 25 % nötig ist. Als Faustregel kann man sich merken, dass Investoren in ei- 9

10 apofokus aporesearch Anlageinformation nem Bereich agieren sollten, in dem Verluste und Kursgewinne zum Aufholen ähnlich hoch sind. Dies ist zumindest bei einem Kursverlust von 35 % nicht mehr der Fall, da man hier bereits 54 % Kurssteigerung benötigt. Das schwierigste in dieser Disziplin jedoch ist nicht, eine Schwelle zu ermitteln. Die allergrößte Hürde ist der Mensch selbst. Denn den Zusammenhang zu erkennen und danach zu handeln sind zweierlei Dinge. Es ist nicht vermessen, zu behaupten, dass es den meisten Akteuren sehr schwer fällt, eine Stop-Schwelle zu setzen und ein Wertpapier wirklich dann zu verkaufen bzw. sich aus dem Markt schmeißen zu lassen, wenn die Marke verletzt ist. Warum dies so ist, dazu kommen wir später noch. Welchen Kursgewinn benötigt man, um einen Verlust genau auszugleichen? Exponentieller Zusammenhang: Welche Kurssteigerung gleicht welchen Verlust aus? Kursverlust Was muss man aufholen? -5% 5,3% -10% 11% -15% 18% -20% 25% -25% 33% -30% 43% -35% 54% -40% 67% -45% 82% -50% 100% -55% 122% -60% 150% -65% 186% -70% 233% -75% 300% -80% 400% -85% 567% -90% 900% -95% 1900% -99% 9900% Quelle: Eigene Darstellung Auf sinkende Kurse zu setzen kann sinnvoll sein Unkritisch auf sinkende Kurse setzen Auf sinkende Kurse zu setzen, muss grundsätzlich kein Fehler sein. Im Gegenteil wer in einer Phase, in der Kurse von Wertpapieren über einen längeren Zeitraum sinken, short geht, kann damit sehr erfolgreich sein. Jedoch gibt es in dieser Variante einige Fallstricke, die unter anderem mit der oben aufgeführten Tabelle zu tun haben. 10

11 Vorsicht Falle! ist dennoch die Königsdisziplin der Geldanlage Nicht umsonst gilt das Auf-Sinkende-Kurse-Setzen als Königsdisziplin der Geldanlage. Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass Fonds, die diese Möglichkeit haben, in einem größeren Umfang auf steigende Kurse setzen als auf fallende und dass sie mit den Long -Engagements in der Regel erfolgreicher sind? Dies hat im Wesentlichen zwei Gründe. Der erste ist das andere Kursmuster der fallenden Aktien. Sinkende Aktien haben ein anderes Kursmuster als steigende Treffen sich schlechte Nachrichten und Sorglosigkeit, kracht s! Die Fallstricke bei einem Short-ETF In der Mehrzahl der Fälle sinken Aktien, von denen man später behaupten wird, dass sie stark gefallen sind, nicht kontinuierlich und langsam. Ein häufiges Kursmuster ist vielmehr ein langsames Kippen, das dann in einen tiefen und heftigen Abrutsch mündet, quasi ein Explodieren nach unten. Und dies ist dann die Zeit, in der der Pessimismus besonders groß ist. Diese Schwarzmalerei kann aus so ziemlich jeder Ecke herrühren woher, ist völlig egal. Es kann die allgemein schlechte Stimmung der politischen Börsen sein, aber auch schlechte Unternehmensmeldungen. Immer dann, wenn eine schlechte Nachricht auf Sorglosigkeit trifft, sind die Abschläge besonders stark. Dabei ist es völlig unerheblich, ob die entsprechenden Nachrichten überhaupt einer Aktie wirklich schaden können. Entscheidend ist, dass es in diesem Moment die meisten Akteure glauben. Dann kann eine Aktie oder ein ganzer Index wie ein Stein fallen. Genau dies ist die Schwierigkeit, wenn man mit entsprechenden Instrumenten, z. B. einem Short-ETF, Potenziale ausschöpfen und Geld verdienen möchte. Denn wenn die Kurse panikartig nach unten wegbrechen, liegt man mit einem Short-Instrument nur dann richtig, wenn man vor dem meist extrem schnellen Kursrutsch eingestiegen ist. Oft ist da aber die Stimmung noch gut, möglicherweise steigen sogar die Kurse. Hier auf einen abrupten Kurswechsel zu wetten und nichts anderes ist Short-gehen in der spekulativen Welt ist höchst riskant. Wenn die Kurse dann in kürzester Zeit fallen und die Stimmung sehr schlecht ist, dann fühlen sich viele Anleger auf der anderen Seite des Investierens sehr wohl, auch wenn sie mit einem Short-Instrument erst nach dem Fall eingestiegen sind. Statistisch betrachtet ist der Tag nach einem volatilen Handelstag dann ebenso volatil. Das Problem ist nur: man weiß nicht, in welche Richtung. Es kann also sein, dass nach einem starken Kursrutsch die Aktienpreise am nächsten Tag weiter fallen. Was aber auch durchaus sein kann, ist, dass es zu einer starken Gegenbewegung kommt. Vor allem, wenn ein regelrechter Ausverkauf am Vortag stattgefunden hat. Dann reichen am nächsten Tag möglicherweise 11

12 apofokus aporesearch Anlageinformation geringe Umsätze aus, um Aktien oder den gesamten Index nach oben zu treiben. Wer hier auf fallende Kurse gesetzt hat, wird erst einmal kalt erwischt. Vor allem, wenn der Kurssturz des Vortages nicht mitgenommen wurde und erst am Ende der Kursexzesse eben dort investiert wurde, wo man sich in einer schwierigen Phase oder einer Panik emotional besser aufgehoben fühlt, eben in der Entscheidung, ab jetzt von sinkenden Kursen zu profitieren. Sie mögen jetzt entgegnen, dass bei jedem Einstieg in den Aktienmarkt das Risiko besteht, dass man am nächsten Tag falsch liegt. Das ist natürlich nicht falsch. Jedoch liegt in dieser speziellen Art des Investierens oder Wettens die Schwierigkeit darin, Aktien genau dann zu erwischen, wenn sie seitwärts laufen oder leicht steigen. Sie werden in den wenigsten Fällen die Möglichkeit haben, durch einen moderat sinkenden Kurs auf einen Titel aufmerksam gemacht zu werden, der dann, nachdem Sie Ihre Entscheidung getroffen haben, ruhig weiter sinkt. Short-Gehen heißt, dabei zu sein, wenn die Kurse bei Korrekturen wie Steine fallen. Kurse explodieren selten nach oben! außer vielleicht bei der VW- Stammaktie Auf der anderen Seite ist es etwas einfacher: Kurse explodieren nur in Ausnahmefällen nach oben. Wer auf steigende Kurse setzt was die Mehrheit der Investmententscheidungen darstellt hat eher die Chance, eine Aktie, die steigt, zu einem vernünftigen Preis, der dann nicht abrupt nach oben wegläuft, zu kaufen und sich im Anschluss dann mit einem Stop-Loss abzusichern. Allerdings gibt es das seltene Phänomen der Explosion nach oben zuweilen doch: Ende Oktober 2008 kostete die Stammaktie des Autobauers Volkswagen kurzzeitig über Euro, nachdem Porsche als Hauptaktionär von VW sein Engagement deutlich verstärkte. Der kometenhafte Kursanstieg bei VW wurde dann von Leerverkäufern sog. short sellern - ausgelöst. Diese Spekulanten hatten nach dem bereits erfolgten massiven Kursanstieg auf fallende Kurse gesetzt. Als der Kurs der VW-Stammaktie dann weiter stieg, mussten sie die verkauften und geliehenen Aktien wieder (teuer) zurückkaufen - gegen ihre Überzeugung. Dies trieb den Kurs immer weiter. Da bei VW damals ein Shortsqueeze lief, also eine Verknappung der handelbaren Stücke und damit der Liquidität, führte die zwangsweise Eindeckung von Shortpositionen einzelner Marktteilnehmer zu bis dahin kaum bekannten realitätsfernen Bewegungen. Einige Hedge-Fonds, die auf einen sinkenden Kurs der VW-Aktie gesetzt hatten, kamen in Schieflage. Allein der Londoner Hedge-Fonds Marshall Wace verlor damals auf einen Schlag mehr als 5 Mrd. Euro. Aber auch die Asymmetrie von Kursverlusten und den nötigen Gewinnen zum Ausgleich spielt eine Rolle: Nehmen wir an, Sie investieren in einen Short-ETF mit Hebel 1 auf den DAX beim Stand von Punkten, um von einem Kurs- 12

13 Vorsicht Falle! rutsch zu profitieren. Nach Ihrem Einstieg steigt der DAX nun auf Punkte, um kurze Zeit später wieder punktgenau auf Euro zu landen. Nicht schlimm, oder? Sie werden jetzt entgegnen, dass der DAX ab jetzt weiter fallen kann und bislang ja noch kein Schaden entstanden ist. Allein die Rückkehr zum Ausgangsniveau kostet Substanz Sinkende Kurse sind statistisch weniger wahrscheinlich Wirklich nicht? Rechnen wir doch einfach mal nach: Steigt der DAX von auf Punkte, so entspricht dies einer Steigerung von exakt 15,45 %. Der Short-ETF mit Hebel 1 fällt entsprechend um 15,45 %. Fällt der DAX dann wieder auf das Ausgangsniveau von Zählern, dann sinkt er um genau 13,38 %. Der Short-ETF steigt entsprechend um 13,38 %. Der Index hat also unter dem Strich und abgesehen von seinem kurzen Ausflug sein Niveau überhaupt nicht verändert. Trotzdem sieht die Sache für den Investor anders aus. Anleger mussten für diese Bewegung Geld hinlegen, obwohl die Börsenwelt sich als Nullsummenspiel erwiesen hat. Sie haben exakt 4,13 % ihrer investierten Substanz verloren. Einfach so. Jede weitere Bewegung, die anfänglich nach dem eben genannten Muster gegen den Short-ETF läuft, schmälert Ihre Substanz. Zusätzlich hat das Wetten auf sinkende Kurse einen weiteren Nachteil: Langfristige Verluste sind historisch gesehen weniger wahrscheinlich. Weil der Aktienmarkt langfristig immer gestiegen ist, stellt eine Wette auf sinkende Kurse nur einen kleinen Baustein für einen begrenzten Zeitraum dar. Investoren müssen dann wissen, was sie erwartet und die eben beschriebenen Nachteile kennen. Gewinne zu früh mitnehmen Viele Anleger leiden an der oben bereits angerissenen Trennungsangst. Dies bedeutet, dass sie nicht in der Lage sind, die Notbremse zu ziehen, wenn dies wirklich angebracht wäre. Eine Aktie oder ein Fonds wird dann weiter gehalten, die Kursverluste nehmen immer mehr zu. Irgendwann mag man dann nicht mehr ins Depot blicken, und wenn doch, dann wird es schnell wieder geschlossen, um das Elend nicht weiter betrachten zu müssen. Aber gehandelt wird nicht. Kommt Ihnen das bekannt vor? Kleinstgewinne kompensieren keine Verluste! Da sich vergrößernde Kursverluste immer schwieriger aufholen lassen, ist es ratsam, einen Stop-Kurs zu setzen. Aber meist schließt sich hier zu allem Übel noch ein weiterer Fehler an, der das Gesamtergebnis mindestens genauso entscheidend negativ beeinflusst: Nämlich der Umstand, dass Gewinne viel zu früh mitgenommen werden. 13

14 apofokus aporesearch Anlageinformation Zugegeben: Die Schwankungen an den Finanzmärkten sind seit dem Jahr 2011 nicht gerade kleiner geworden. Gerade im Jahr 2011 gab es Tagesschwankungen von rd. 7 % im DAX in beide Richtungen. Dies hat sich - wenn auch etwas abgemildert im laufenden Jahr fortgesetzt. Das zerrt gewaltig an den Nerven. Irgendwann müsste dieses Trauerspiel rund um die Verschuldung der Länder der europäischen Peripherie doch von den Börsen hinreichend verarbeitet worden sein, denken wohl die meisten von uns. Aber es scheint erst einmal weiter zu gehen mit der Unsicherheit und den Kurssprüngen, zu denen einem im besten Fall nur ein Kopfschütteln einfällt. Kleinstgewinne mitzunehmen ist erklärbar und die Freude ist groß aber man macht wieder einen Fehler! Daher ist der zweite Fehler zumindest erklärbar: Hat man es endlich geschafft, nach so vielen Aufs und Abs, nach dem Bangen um den richtigen Einstiegszeitpunkt, dem ewigen Hinhalten der Euro-Politiker mit neuen hilflosen Rettungsversuchen, dem ergebnislosen Hangeln von Krisengipfel zu Krisengipfel, den immer wieder erneuten Zweifeln des Marktes nach angeblichen Lösungen, hat man es also endlich geschafft, einen Gewinn zu erzielen richtige Kursgewinne, von denen man vermutete, sie höchstens noch aus Überlieferungen von früher zu kennen dann muss man dieses Glück doch nutzen und das Wertpapier verkaufen. An Gewinnmitnahmen ist ja noch keiner gestorben, spricht man sich dann Mut zu. In einem stark und launisch schwankenden Umfeld also, in dem Kursgewinne aufgrund fehlender Trends zunehmend schwieriger zu erzielen sind, werden kleinste Gewinne, so scheint es, stärker gefeiert als ein Kursverdoppler früher am Neuen Markt. Da dieser damals jedem Anfänger scheinbar so einfach gelang, galt er als normal. Aber 5 % oder 8 % mit einer Aktie verdienen heute! das ist für viele schon etwas ganz besonderes. Und ehe man sich versieht, ist ein weiterer schwerwiegender Anlagefehler gemacht worden. Denn zu dem Fehler, dass man sich vor lauter Konzentration auf erzielbare Gewinne und die sich anschließende Freude hierüber sich mit den immer größer werdenden Verlusten eben nicht beschäftigt, kommt der dazu, dass das Potenzial einer Aktie nicht ausgenutzt wird. Oder anders ausgedrückt: Verluste werden laufen gelassen und Gewinne begrenzt, weil diese glücklicherweise gerade auftauchen und man diese Chance vermeintlich nutzen muss. Um größere Anlagefehler zu vermeiden sollte es allerdings gerade anders herum sein: Verluste begrenzen und Gewinne laufen lassen. Sie kennen diese Börsenweisheit. Um es gleich zu sagen: Sie gilt immer noch! Dass der Umgang mit Gewinnen und Verlusten einen enormen Effekt auf ein Portfolio haben kann, zeigt die folgende Tabelle, in der wir zwei Szenarien ei- 14

15 Vorsicht Falle! nes Portfolios betrachten. Die Aktien wurden Ende Januar gekauft mit Stückzahlen von 100, 100 und 80 Anteilen. Aktie 1 sinkt kontinuierlich, Aktie 2 schwankt eher volatil seitwärts und Aktie 3 steigt tendenziell. Zu schnelle Gewinne. Zwei Szenarien eines Portfolios: Sehen Sie selbst: So unterschiedlich wirken sich zwei Handlungsweisen auf ein Portfolio aus Szenario 1 Aktie 1 Aktie 2 Aktie 3 Anlage ( ) Bar** Summe Performance*** Kurs* Januar ,0% Stücke Kurs Februar ,0% Stücke Kurs März ,8% Stücke Kurs April ,0% Stücke Kurs Mai ,4% Stücke Kurs Juni ,6% Stücke Szenario 2 Aktie 1 Aktie 2 Aktie 3 Anlage ( ) Bar** Summe Performance*** Kurs* Januar ,0% Stücke Kurs Februar ,0% Stücke Kurs März ,0% Stücke Kurs April ,2% Stücke Kurs Mai ,1% Stücke Kurs Juni ,7% Stücke *Kurse zum Monatsende in ** Aus dem Verkauf der Stücke, nicht wiederangelegt *** Im Vergleich zum Einstand im Januar ( ) Quelle: Eigene Darstellung Der Startwert des fiktiven und für den Demonstrationszweck einfach strukturierten Depots beträgt Euro, die Bewertung erfolgt monatlich. Falsch: Gewinne mitnehmen, Verluste laufen lassen Wir begleiten hier also das Depot eines Anlegers, nennen wir ihn fiktiv Bernd. Bernd kauft drei Aktien, die ersten zwei mit Stückzahlen von jeweils 100, von der dritten lediglich 80 Stück, da sie etwas teurer ist. Aktie 1 taucht ab Januar 15

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