Lernsituation 1: Die Berufsausbildung

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1 Die Berufsausbildung 5 Lernsituation 1: Die Berufsausbildung Situation Sie sind der Auszubildende Tim Lohringer in der Infotec GmbH (Vertrieb und Service von Informations- und Kommunikationstechnologien) mit Sitz in Köln. In Ihrem Unternehmen sind insgesamt sechs Auszubildende beschäftigt. Da die übrigen Auszubildenden mit der Vorbereitung einer Hausmesse zu tun haben, bekommen Sie einen interessanten Auftrag: Sehr geehrter Herr Lohringer, Sie beginnen mit der Berufsausbildung und haben sicherlich viele Fragen. Aus diesem Anlass sollten Sie sich die wichtigsten Informationen Ihre Ausbildung betreffend aneignen, um dann mit mir darüber zu sprechen. Erst wenn Sie genügend Informationen gewonnen haben, können wir auch fachlich fundiert auf Ihre Fragen eingehen. Teil 1: Erstellen Sie bitte für sich geeignete Übersichten, die Ihnen schnell zeigen, was in welchem Gesetz/ welcher Verordnung usw. geregelt ist. Teil 2: Erstellen Sie bitte für sich und die anderen Auszubildenden einerseits und für den Ausbilder andererseits je einen Verhaltenskatalog, der zu den wichtigsten Pflichten der jeweiligen Seite informiert! Viel Erfolg bei der Bearbeitung! Staßen, Geschäftsleitung (Personal- und Ausbildungswesen) Arbeitsaufträge a) Stichwortsammlung Wir empfehlen Ihnen, mithilfe des Inhalts- und Stichwortverzeichnisses Ihres Lehrbuches zunächst die Kapitel auszuwählen, die nach Ihrem jetzigen Verständnis inhaltlich den Arbeitsauftrag von Herrn Staßen betreffen. Das Gleiche gilt für die Verwendung einer Gesetzessammlung. Tipp zur Erfassung: Legen Sie eine übersichtliche Tabelle an, die Sie an dem nachstehenden Material M 1 orientieren können! b) Strukturierung Stellen Sie die inhaltlichen Zusammenhänge zwischen den oben zugeordneten Stichworten übersichtlich als Diagramm dar (Beispiel: Material M 2)! Orientieren Sie sich dabei hilfsweise an der Ordnung des Inhaltsverzeichnisses in Ihrem Kompendium! c) Inhaltliche Aufbereitungen Nun sind die einzelnen Unterpunkte (Berufsbildungsgesetz, Jugendarbeitsschutzgesetz, Arbeitszeitgesetz, Tarifvertrag, Ausbildungsordnung, Ausbildungsrahmenplan, Ausbildungsplan, Ausbildungsrahmenlehrplan) genauer darzustellen. Tipp zur Darstellung: Legen Sie eine übersichtliche Tabelle an, die Sie an dem nachstehenden Material M 3 orientieren können! Regelungsbereiche festlegen Legen Sie in Anlehnung an die Rechte und Pflichten für die Auszubildenden und die Ausbilder je ein Lernplakat an, auf dem wichtige Regeln stehen sollten. Fälle zur Berufsausbildung Die nachfolgenden Fälle sollen Sie schriftlich bearbeiten! Schreiben Sie zu jedem Fall eine Stellungnahme nach dem nachstehenden Muster:

2 6 Die Berufsausbildung Juristisches Subsumtionsschema (vereinfacht) Schritt der Subsumtion Tätigkeit 1. Sachschilderung Benennung des rechtserheblichen Sachverhaltes 2. Rechtsfindung Benennung der relevanten Quelle 3. Ableitung eines Urteils begründete Entscheidung Beispiel: Müller fragt während der abendlichen Skatrunde seinen Freund Meier, ob dieser seinen Gebrauchtwagen für EUR kaufen wolle. Meier antwortet, das müsse er sich erst noch überlegen. Am nächsten Abend ruft Meier den Müller an, um auf dessen Angebot einzugehen. Zwischenzeitlich hat Müller den Wagen aber seiner Schwägerin versprochen. Hat Meier einen Anspruch auf den Wagen. Subsumtion: 1. Müller hat Meier einen rechtswirksamen Antrag zum Abschluss eines Kaufvertrages gemacht, den Meier jedoch nicht angenommen hat. 2. Zu diesem Rechtsproblem geben die 145 bis 147 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) Auskunft. 3. Meier hat den Antrag des Müller nicht rechtzeitig angenommen, er hat daher keinen Anspruch auf den Wagen. a) Der Auszubildende Lothar Matthäussen soll an beiden Berufsschultagen vorher eine Stunde und nachher drei Stunden zur Arbeit kommen. Montag 07:00 bis 08:00 Arbeit 08:15 bis 13:45 Schule 14:30 bis 17:30 Arbeit Mittwoch 07:00 bis 08:00 Arbeit 09:00 bis 12:45 Schule 14:30 bis 17:30 Arbeit b) Die Auszubildende Maria Caltagironemann verliert schon zum dritten Mal das betriebliche Handy. Jetzt fordert ihr Ausbilder Schadenersatz. c) Der Ausbilder Karaca kündigt der Auszubildenden Deniz innerhalb der Probezeit schriftlich und ohne Angabe von Gründen. d) Lutz Kieser, Auszubildender, besucht drei Wochen lang unentschuldigt nicht die Berufsschule. Der Ausbilder erteilt ihm eine Abmahnung. e) Daniela Hauser möchte den Ausbildungsberuf wechseln. Sie möchte doch lieber als Krankenschwester arbeiten. f) Daniel Priester soll seine Arbeitswochenstunden zuzüglich des Berufsschulunterrichtes ableisten. g) Stefanie Mengel soll der Berufsschulunterricht zur Hälfte auf die Wochenarbeitszeit angerechnet werden. h) Markus Müller verrät der Konkurrenz streng geheime Firmeninterna. Der Ausbildungsleiter schreibt eine Abmahnung. i) Anne Buschmann wird während der Ausbildungszeit schwanger. Sie entbindet wahrscheinlich am 1. Oktober. Sie soll bei der Messe, die vom 20. bis 25. September stattfindet, mitwirken. j) Erika Czech, 16 Jahre alt, sagt zu ihrer Freundin: Ich freue mich auf meine 27 Tage Urlaub, das ist echt anders als in der Schule.

3 Die Berufsausbildung 7 Kernwissen Folgende Begriffe sollten Sie kennen und erläutern können: Abschlussprüfung, Arbeitszeit, Arbeitszeitgesetz, Ausbildungsordnung, Ausbildungsvergütung, Ausbildungsvertrag, Berufsbildungsgesetz, Berufsschulbesuch, Duales System, Jugendarbeitsschutzgesetz, Mutterschutzgesetz, Rahmenlehrplan, Urlaub. Materialien Stichwort Gesetzestext Quelle Lehrbuch M 1 Kap., S. Beispiel zur Strukturierung, das Sie weiterführen können: M 2 Gesetz Verordnung Quelle inhaltliche Regelung Kommentar M 3 Regel Beschreibung Kommentar M 4

4 8 Grundlagen des Wirtschaftens Lernsituation 2: Grundlagen des Wirtschaftens Situation Hier sind wirtschafts- und sozialwissenschaftliche gedankliche Ordnungen zu erproben. Daher werden Sie nicht in eine betriebliche Ausgangssituation geführt. Nicht das Lösen eines Entscheidungsproblems sondern das gedankliche Ordnen als vorwissenschaftliche Tätigkeit wird jetzt von Ihnen verlangt. Um erklären zu können, dass Menschen wirtschaften (müssen) und nicht von der Hand in den Mund leben, hilft die Systematisierung Ihrer Gedanken mit Hilfe der Kenntnis einiger Fachbegriffe. Arbeitsaufträge 1 Bestimmen Sie die folgenden Begriffe: Bedürfnisse Bedarf Nachfrage Erklärung: Erklärung: Erklärung: Beispiele: Beispiele: Beispiele: 2 Beschreiben Sie kurz, woher Sie in der Praxis des Wirtschaftens Daten zu Bedürfnissen, Bedarf und Nachfrage ermitteln würden! Bedürfnisse Bedarf Nachfrage Ermittlung durch Ermittlung durch Ermittlung durch 3 4 Stellen Sie die inhaltlichen Zusammenhänge zwischen den oben zugeordneten Stichworten übersichtlich als Diagramm dar (Beispiel: Material M 1)! Ordnen Sie die ökonomischen Prinzipien den nachfolgenden Beispielen zu! Benennen Sie außerdem genau, ob Mittel oder Ziel gegeben sind! a) Murat reicht es, wenn er die Abschlussprüfung besteht; er lernt genau so, dass er mit dem Bestehen rechnen kann. b) Louis wendet all sein Können und seinen Fleiß auf, um möglichst gut in Ausbildung und Beruf zu sein. c) Sie sollen für 50,00 EUR möglichst viel Knabbereien für einen Empfang besorgen.

5 Grundlagen des Wirtschaftens 9 d) Sie sollen sechs Flaschen Weißwein für einen Empfang besorgen. e) Der Rest von 950 Litern Heizöl soll bis zum Dezember reichen. f) Den ganzen Winter über soll die Raumtemperatur nicht unter 20 Grad fallen. Kernwissen Folgende Begriffe sollten Sie kennen und erläutern können: Bedarf, Bedürnis, Existenzbedürfnisse, Existenzgüter, freie Güter, Komplementärgüter, Konsumgüter, Kulturbedürfnisse, Kulturgüter, Luxusgüter, Luxusbedürfnisse, Maximalprinzip, Minimalprinzip, Nachfrage, Ökonomisches Prinzip, Produktionsgüter, Substitutionsgüter, wirtschaftliche Güter. Materialien M 1

6 10 Wirtschaftspolitik Lernsituation 3: Wirtschaftspolitik Situation Grundfragestellung der Wirtschaftspolitik Nach welchen Rezepten und Grundsätzen soll unsere Wirtschaft behütet oder gesteuert werden? Soll sie überhaupt gesteuert werden? Sind sich die Herren einig? Schließlich ist Wirtschaftspolitik für Fachleute kein Problem oder!? Quelle: von Leckachman, R. und van Loon, B., Kapitalismus für Anfänger, ohne Ort Wirtschaftspolitik in Theorie und Praxis Was soll der Politiker tun, um der Wirtschaft zu einem optimalen Funktionieren zu verhelfen? Über diese Kernfrage wird bis heute ein teilweise heftiger Meinungs- und Erkenntnisstreit geführt. Wissenschaftler, Politiker und betroffene Interessengruppen streiten über das richtige Vorgehen in wirtschaftlichen Problemfeldern. Dabei ist festzustellen, dass sowohl die theoretischen Überlegungen der Wissenschaftler von der Praxis beeinflusst sind, als auch die Praxis von den theoretischen Rezepten geprägt wurde.

7 Wirtschaftspolitik 11 Arbeitsaufträge Träger der Wirtschaftspolitik a) Ermitteln Sie unter Verwendung einer Gesetzessammlung und des Kompendiums, welche Regelungen im so genannten Stabilitätsgesetz getroffen werden! Benennen Sie konkrete wirtschaftspolitische Zielsetzungen, die das Stabilitätsgesetz (StabG) festschreibt! b) Untersuchen Sie die Formulierungen des StabG kritisch! Sind die wirtschaftspolitischen Ziele eindeutig konkretisiert? Begründen Sie Ihren Standpunkt! c) Ermitteln Sie unter Verwendung des Kompendiums, welche Aufgaben die EZB (Europäische Zentralbank) hat! d) Thematisieren Sie in einer Diskussion die Tatsache, dass sowohl die Zentralbank als auch die Regierung einen gesetzlichen Auftrag zur Durchführung der Wirtschaftspolitik haben! Gehen Sie auf mögliche Konflikte ein! Leitideen der Wirtschaftspolitik a) Ermitteln Sie unter Einsatz Ihres Wirtschaftslehrbuches, welche Ziele und Mittel die Fiskalpolitik und die Geldpolitik kennzeichnen! b) Schlagen Sie in Ihrem Wirtschaftslehrebuch folgende Begriffe nach: angebotsorientierte und nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik bzw. Strategien der Wirtschaftspolitik. Stellen Sie die jeweiligen Strategien einander gegenüber! c) Erörtern Sie die grundsätzlichen Vor- und Nachteile der beiden Strategien! Stellen Sie heraus, worauf die jeweilige Strategie vertraut oder nicht vertraut! Meinungsstreit Lesen Sie folgenden Dialog! Herr Kas: Aufgabe des Staates ist es, Arbeit zu beschaffen, ohne massive Eingriffe wird die Arbeitslosigkeit weiter wachsen. Herr Schwa: Warum so pessimistisch? Geben Sie den Unternehmern doch endlich genügend Raum, um ihre Schaffenskraft umzusetzen. Wenn der Unternehmer eine gute Zukunft sieht, wird er investieren. Dann haben Sie Ihre Arbeitsplätze. Herr Kas: Eine gute Zukunft wird es nur geben, wenn auch die Abnehmer von Waren in eine bessere Situation versetzt werden. Das geschieht nicht von alleine. Der Unternehmer trägt dafür keine Sorge. Also muss hier von anderer Seite geholfen werden. Herr Schwa Die beste Situation für die Abnehmer ist es, wenn sie in Lohn und Brot stehen. Der Konsum mittels selbst verdienten Geldes ist erstrebenswert. Dies geschieht nur durch neue und wettbewerbsfähige Arbeitsplätze. Der Staat kann diese nicht einrichten. 4 5 a) Kennzeichnen Sie die Grundauffassung, die die Gesprächsteilnehmer haben! Welche gesellschaftlichen Interessengruppen werden hier vertreten? b) Führen Sie die Diskussion der beiden Herren in der Klasse weiter. Grundpositionen der Parteien Lesen und bearbeiten Sie die Texte! a) Werten Sie die Texte zu den Parteien dahingehend aus, dass Sie die inhaltlichen Positionen der einzelnen Parteien stichwortartig zusammenstellen! Ordnen Sie diese nach Themengebieten! Stellen Sie gegebenenfalls eine Themenhierarchie her! b) Ordnen Sie die Positionen der Parteien den Kategorien zu, die Sie mittels des theoretischen Überblicks erarbeitet haben! Begründen Sie Ihre Zuordnung und stellen Sie die Ergebnisse als Tabelle dar! c) Nehmen Sie eine Bewertung vor! Welches Parteiprogramm sehen Sie als besonders fundiert an! Begründen Sie Ihre Auffassung! Wirtschaftspolitik im Zeitalter des Euro Informieren Sie sich über die Konvergenzkriterien, die im Maastricht-Vertrag festgelegt wurden, und die Anforderungen an die Mitgliedstaaten in einem vereinten Europa! a) Nennen Sie die Grundsätze und Leitziele, nach denen Mitgliedsländer im vereinten Europa Politik betreiben sollen oder müssen! b) Nehmen Sie kritisch zu der Frage Stellung, ob im vereinten Europa eine Regierung oder Regierungparteien großen Spielraum für die Verwirklichung ihrer eigenen Wirtschaftspolitik haben!

8 12 Wirtschaftspolitik Kernwissen Folgende Begriffe und Themenfelder sollen Sie verstehen, erklären und anwenden können: Angebotspolitik, ESZB, EZB, Fiskalpolitik, Geldpolitik, Geldpolitische Instrumente, Magisches Vier-/Sechseck, Monetarismus, Nachfragepolitik, Stabilitätsgesetz, Wirtschaftspolitik, Träger der Wirtschaftspolitik. Materialien Die wesentlichen Inhalte der Wirtschaftsprogramme der großen Volksparteien zeigen grundsätzliche wirtschaftspolitische Ansätze: M 1 Wirtschaftspolitische Ansätze der Parteien in Deutschland Die CDU/CSU setzt mit ihrem Programm bei der Kritik an einer dauerhaft staatlich finanzierten Beschäftigung an. Erstrebenswert seien wettbewerbsfähige Arbeitsplätze auf der Basis unternehmerischer Investitionstätigkeit. Das Investitionsklima soll daher weiter verbessert werden. In diesem Zusammenhang sollen die Programme zur Förderung von Existenzgründungen und privaten Investitionen weitergeführt werden. Der strukturelle Umbruch der Industrien in Deutschland soll weiterlaufen: Neue und konkurrenzfähige Industrien mit modernster Technologie sollen geschaffen werden. Das Instrument der Investitionszulagen soll daher weitergeführt werden. Unter dem Motto Wir sichern den Aufschwung und schaffen neue Arbeit steht der Hauptteil des Programms von CDU/CSU. Deutschland soll moderner und zugleich international wettbewerbsfähiger werden. Dauerhaftes Wachstum soll durch Förderung der Privatinitiative, von Unternehmergeist und Wettbewerb entstehen. Arbeit von Kosten entlasten lautet ein weiteres Motto des Programms. Einhergehen soll dies mit einer Kostensenkung für Arbeitskosten, um die Innovationskräfte der Wirtschaft zu stärken. Erst in der Folge neu geschaffener Arbeitsplätze durch Investitionen würden dann auch die Nettoeinkommen der Arbeitnehmer steigen. Im Zuge weiterer Flexibilisierungen des Arbeitsmarktes soll eine zurückhaltende Lohnpolitik der Tarifpartner diese Entwicklung unterstützen, außerdem sei geplant, die Steuer- und Abgabenlast zurückzuführen. Eine Nettoentlastung wird angestrebt. Die Lohnpolitik habe sich in einem solchen Konzept an der Produktivität zu orientieren. Im Kern heißt dies: Mehr Flexibilität heißt weniger Staat! Die Staatsquote soll reduziert werden. Steuersätze sollen sinken (Eingangssteuersatz 15 Prozent statt 25,9 Prozent; Spitzensteuersatz 35 Prozent statt 53 Prozent). Zusammen mit deutschen Unternehmen wird eine verstärkte Exportstrategie angestrebt, um auf den Weltmärkten zu bestehen. Die Politik steht unter den Leitlinien einer Deregulierung, Entbürokratisierung und Privatisierung. Profitieren sollen davon verstärkt Existenzgründer und mittelständische Unternehmer. Umbau im Sinne von Effizienzsteigerung soll auch im Bildungswesen stattfinden: Eine differenzierte berufliche Bildung, kürzere Studienzeiten und Eigenverantwortung im Hochschulbereich sind einige Stichworte. Die FDP fordert grundsätzlich einen Verzicht auf Besitzstände sowie finanzierbare politische Versprechen. Gefordert wird eine marktwirtschaftliche Erneuerung für Arbeitsplätze. Der Staat stehe in der Verantwortung für die Steuerlast und die hohen gesetzlichen Lohnzusatzkosten, die Tarifpartner seien ebenfalls für Arbeitsplätze verantwortlich, da sie über Lohnkosten und tarifliche Lohnzusatzkosten entscheiden. Deutschland brauche Leistung, Flexibilität und Innovation. Diese Forderung wird in einem Katalog von Maßnahmen ausgeführt. Die wesentlichen sind im Folgenden dargestellt. Eine Steuerreform soll die Steuersätze für Bürger und Wirtschaft über alle Einkommensbereiche hinweg senken. Dazu sollen steuerliche Ausnahmereglungen abgebaut werden. Dies ergibt eine Entlastung für alle. Trotz dieser Nettoentlastung ergeben sich für den Staat wieder Steuereinnahmen. Nach der Rasenmähermethode sollen Subventionen gekürzt werden. Die unternehmerische Tätigkeit wird nicht als die Aufgabe des Staates angesehen. Bundesbeteiligungen sollen daher in den nächsten Jahren verkauft werden. Bürokratische Hemmnisse sollen abgebaut werden, vor allem für den Mittelstand, auf den die FDP setzt.

9 Wirtschaftspolitik 13 Ein Mehr an Wettbewerb wird gefordert, sichergestellt durch ein Europäisches Kartellamt. Tarifverträge müssen reformiert werden, der Flächentarifvertrag mit Detailregelungen habe ausgedient. Arbeitseinkommen sollen flexibel gestaltet werden, es soll erfolgsabhängige Engeltkomponenten geben, was letztlich die Partnerschaft im Betrieb steigert. Vermögensbildung soll durch Investivlohnmodelle vorangetrieben werden. Arbeitszeit soll im Bereich der Wochen-, Jahres- und Lebensarbeitszeit flexibilisiert werden. Niedrig bezahlte Tätigkeiten sollen wieder in das Inland verlagert werden, indem Mischformen zwischen Arbeitsentgelt und staatlichen Transferleistungen gefunden werden. Lohnzusatzkosten sollen verringert werden. Arbeitsplatzchancen werden vor allem im Dienstleistungssektor gesehen. Für Existenzgründungen soll das notwendige Risikokapital bei Verlusten steuerlich anderen Erträgen verrechnet werden können. Staatliche Stellen sollen Wagnisfinanzierungen nur noch dann anbieten, wenn im gleichen Maße auch die privaten Anleger investieren. An den Anfang setzt die SPD das Kapitel Starke Wirtschaft Neue Arbeit und formuliert dort zentrale Thesen für ein Wirtschaftsprogramm. Arbeitsplätze, Wohlstand und soziale Sicherheit sollen über eine wettbewerbsfähige Wirtschaft erreicht werden. Ein Kostensenkungswettlauf mit den Billiglohnländern wird als Strategie zur Zielerreichung abgelehnt. Vielmehr will man die Chancen der Globalisierung und der europäischen Einigung nutzen. Angestrebt wird eine neue Weltwirtschaftsordnung mit einem freien und fairen Leistungswettbewerb der Unternehmen, Protektionismus wird abgelehnt. Gefordert werden: Stärkung von Bildung, beruflicher Aus- und Weiterbildung, Forschung und Wissenschaft; offensive Nutzung und Forcierung neuer Technologien; Senkung der gesetzlichen Lohnnebenkosten, Hilfen für Mittelstand und Existenzgründer; Stärkung der Investitionskraft der Unternehmen durch Senkung der Unternehmenssteuern; Modernisierung des Staates und Abbau überflüssiger Bürokratie. Ferner will die SPD: steuerliche Entlastung vor allem für Arbeitnehmer und Familien; konjunkturgerechte Finanzpolitik mit einer Verstetigung der öffentlichen Zukunftsinvestitionen auf möglichst hohem Niveau. Deutschland brauche mehr Investitionen in neue Arbeitsplätze. Voraussetzung dafür sei aber, dass sich für die Produkte auch Käufer finden. Dies sei ein Engpass, der durch Export nicht aufgefangen werden könne. Die geringe Inlandsnachfrage bilde eine Schwachstelle in der Konjunktur. Maßnahmen zur Verbesserung dieser Situation sollen gezielte Entlastungen bei Steuern und Abgaben sein sowie eine beschäftigungsorientierte Tarifpolitik, die die Kaufkraft steigert und gleichzeitig für Produktivitätszuwachs sorgt. Die Tarifautonomie soll bewahrt bleiben und Einzelheiten, insbesondere im Bereich einer flexiblen Lohn- und Arbeitszeitpolitik, sollen in Flächentarifverträgen verankert werden. Durch intelligente Organisation der Arbeit auf der einen Seite sollen teure Anlagen länger laufen, auf der anderen Seite sollen Teilzeitarbeitsplätze eingerichtet, Überstunden abgebaut sowie die Lebensarbeitszeit beweglicher eingerichtet werden. Konkret zu schaffende Rahmenbedingungen sind: Entlastung von zu hohen gesetzlichen Lohnnebenkosten durch Senkung der Sozialabgaben; Abbau von Bürokratie, insbesondere Beschleunigung von Genehmigungsverfahren; Bündelung der Förderungsprogramme für Mittelstand und Existenzgründer in einer Hand; Personalkostenzuschüsse für kleine und mittlere Unternehmen bei Forschungspersonal sowie Zusammenarbeit mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen; industrielle Gemeinschaftsforschung für kleinere Unternehmen. Angestrebt werden massive Existenzgründungen im Hochtechnologie- und Dienstleistungsbereich. Dazu muss in geeigneter Weise Chancenkapital bereitgestelit werden, und zwar soll in erster Linie die Aktie als Finanzierungsinstrument gestärkt werden. Beratungs-, Qualifizierungs- und Finanzdienstleistungen sind industriebezogene Dienstleistungen mit großen Möglichkeiten, ebenso wie die haushaltsbezogenen Dienstleistungen wie z.b. Pflegehilfe und Kinderbetreuung. Insgesamt soll das Dienstleistungskonzept dem Grundsatz Arbeit finanzieren statt Arbeitslosigkeit bezahlen entsprechen.

10 14 Wirtschaftspolitik Für mehr Gerechtigkeit in der Verteilung erarbeiteten Wohlstandes soll eine Beteiligung von Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen an Kapital, Gewinn und Entscheidungen der Unternehmen sorgen. Angestrebte Maßnahmen sind hier: Investivlohnvereinbarungen; Beteiligung der Beschäftigten an überbetrieblichen Fonds; Verbesserung des Insolvenzschutzes für diese Beteiligten; Ausbau der Mitbestimmung am Arbeitsplatz; Sicherung und Weiterentwicklung der qualifizierten Mitbestimmung; Ausbau der Mitbestimmungsrechte in Europa. Eine Steuerreform soll umgesetzt werden. Dabei sollen auf der Grundlage solider Staatsfinanzen die Arbeitnehmer und Familien von Steuern entlastet und die Investivkraft der Unternehmen gestärkt werden. Dazu gehören eine Senkung der Steuersätze bei der Lohn- und Einkommenssteuer, eine Erhöhung des Kindergeldes und eine Senkung der Unternehmenssteuersätze. Bündnis 90/Die Grünen setzen sich für folgende Zielsetzung ein: Zuerst ökologischer und dann sozialer Umbau der Wirtschaft. Eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung durch qualitatives Wachstum, eine Stärkung der Kaufkraft, eine gerechte Verteilung der Arbeit, fairer Wettbewerb und gerechte Gewinnverteilung sind ausgewählte wirtschaftspolitische Forderungen der Partei. Im Zuge einer ökologisch-sozialen Steuerreform und Finanzpolitik sollen auch die Lohnnebenkosten über zehn Jahre gesenkt werden. Dabei sollen die Sozialversicherungen von den versicherungsfremden Leistungen befreit werden. Wettbewerbsfähigkeit soll vor allem durch die Förderung intelligenter und Energie sparender Investitionen erfolgen. Elemente einer Beschäftigungspolitik sind: Arbeitszeitverkürzung (in allen möglichen Varianten), präventive und aktive Arbeitsmarktpolitik sowie spezielle Förderung für Langzeitarbeitslose. Außerdem im Blickfeld: Anteil der Arbeitnehmer am Produktivvermögen erhöhen, Wettbewerbsbeschränkungen aufheben und mehr Demokratie in den Betrieben. M 2 Problembereiche der Wirtschaftspolitik Wirtschaftspolitische Konzepte lassen sich nach verschiedenen Kriterien ordnen: nach dem betroffenen Politikfeld (z. B. Finanz-, Fiskal-, Geld-, Währungs-, Wettbewerbs- oder Strukturpolitik) und nach der Hauptzielrichtung ihres Wirkens (z. B. angebotsorientierte Wirtschaftspolitik, nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik oder ökologieorientierte Wirtschaftspolitik). Ausgangspunkt für wirtschaftspolitische Entscheidungen ist in der Regel eine Leitidee bezüglich wirtschaftlicher Fragestellungen. Dieser Leitidee folgend, werden die Politikfelder dann gestaltet. Demnach orientieren sich Wirtschaftspolitiker an wissenschaftlich begründeten Konzepten, den Forderungen wichtiger gesellschaftlicher Interessengruppen und schließlich an den Wahlzyklen (Bundestagswahl) im Sinne des Machterhalts. Für Deutschland kann man einen wechselhaften Verlauf der Wirtschaftspolitik feststellen. Die Phase unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg war durch eine Beschäftigung mit der Frage nach der Zusammensetzung des Marktes und der staatlichen Aktivität gekennzeichnet (Ordnungspolitik). Im Zentrum standen wettbewerbspolitische Aspekte und Überlegungen zur Ausgestaltung der sozialen Marktwirtschaft. Da die wirtschaftliche Entwicklung sich in einem mehr oder weniger ausgeprägten Auf und Ab (Konjunktur), begleitet von Geldentwertungs- und Beschäftigungsproblemen, vollzog, wurde in den 70er-Jahren eine antizyklische Wirtschaftspolitik praktiziert. Auf der Basis des so genannten Stabilitäts- und Wachstumsgesetzes sowie einem wirtschaftlichen Beratungskonzept, dem Keynesianismus, griff der Staat hierdurch direkt ins wirtschaftliche Geschehen ein. Dabei folgte man der Leitidee, dass ein kurzfristiger Eingriff des Staates die gesamtwirtschaftliche Nachfrage steuern könne und infolge der Nachfrageveränderung eine wirtschaftliche Stabilisierung erreichbar werde. Heftig umstritten ist bis heute die Frage, ob der Staat sich nicht teilweise oder vollständig zurückhalten solle. Im Zusammenhang mit diesem Meinungs- und Erkenntnisstreit vollzog sich in den 80er-Jahren ein Wechsel zu einer Wirtschaftspolitik, die eher mittel- bis langfristig und angebotsorientiert ausgerichtet war. Als konkurrierende Wirtschaftspolitikkonzepte stehen sich bis heute einerseits die so genannte nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik und andererseits die so genannte angebotsorientierte Wirtschaftspolitik gegenüber. Weitere Zielaspekte, wie etwa Ökologie, soziale Gerechtigkeit und Frieden, haben im Rahmen dieser Konzepte Themen- oder Ergänzungscharakter. Dass mit diesen Konzepten bestimmte Ökonomen verbunden werden, hat ideengeschichtliche Gründe. Keynes-lnterpreten haben ihn mit der Nachfrageorientierung in Verbindung gebracht, Friedman-Anhänger bezeichnen diesen als Angebotstheoretiker. Die Originalwerke von Ökonomen legen allerdings derart vereinfachende Zuordnungen nicht nahe.

11 Geldpolitik 15 Lernsituation 4: Geldpolitik Situation Grundfragestellung der Geldpolitik Wie viel Geld soll in Umlauf gehalten werden? Soll die Konjunktur unterstützt werden? Soll die Währung gestützt werden? Arbeitsaufträge Das Europäische Zentralbankensystem (ESZB) a) Fertigen Sie ein Lernplakat mit einer übersichtlichen Darstellung der Struktur und Mitglieder sowie der gegenseitigen Verbindung der beteiligten Institutionen an! b) Stellen Sie anschaulich dar, worin die Autonomie der EZB begründet sein soll. c) Ermitteln Sie die im magischen Viereck und Sechseck formulierten Ziele, ordnen Sie die Aufgabe der EZB hier ein und beleuchten Sie darüber das Verhältnis zum Staat! Geldpolitik des ESZB a) Unterscheiden Sie die einzelnen Geldmengen. Veranschaulichen Sie, was unter einer Geldmengensteuerung zu verstehen ist! b) Fassen Sie die Orientierungspunkte für die Festlegung eines Zinssatzes zusammen. c) Erstellen Sie eine Matrix, in der Sie die geldpolitischen Instrumente der EZB darstellen und kurz erläutern! Machen Sie sich also auch kundig, was die einzelnen Fachbegriffe bedeuten (z. B. was ist ein Offenmarktgeschäft, eine Fazilität?)! d) Ermitteln Sie die aktuellen Zinssätze! e) Stellen Sie zusätzlich grafisch (auf einem Lernplakat) die Verbindung zwischen der EZB und den Banken/Instituten dar! Wirtschaftspolitik in Europa Benennen Sie die Grenzen und Möglichkeiten für die einzelnen Staaten, nach der Euro-Einführung eine eigene Wirtschaftspolitik zu betreiben! Nennen und erläutern Sie Zielkonflikte und mögliche Vor- und Nachteile, die daraus entstehen (siehe M 1)! Die EZB-Strategie im Spiegel der Kritik a) Stellen Sie mit Hilfe des Materials unter M 2 fest, welche geldpolitische Strategie die EZB praktiziert! b) Im Zeitungsartikel M 3 äußern sich verschiedene Kritiker zum Erfolg der geldpolitischen Strategie der EZB. Ordnen Sie die Standpunkte systematisch und vergleichen Sie diese! Kernwissen Folgende Begriffe sollten Sie kennen und erläutern können: Direktor, ESZB, EZB, Fazilität, Geldmengensteuerung, Geldpolitik, Geldpolitische Instrumente, Inflationsziel, Magisches Vier-/Sechseck, Mindestreserve, Offenmarkt, Präsidium, Träger der Wirtschaftspolitik, Wertpapierpensionen, Wirtschaftspolitik, Zentralbankrat, Zinsen.

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