SchrägeTypen 3/03. Umfrage. Mach mit! Reise. Auffallen ist wichtig DAS JUGENDMAGAZIN. Was willst du? Der Name unserer Schule

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1 UMA DAS JUGENDMAGAZIN Umfrage Was willst du? Mach mit! Der Name unserer Schule Reise Unterwegs zu Sport und Spaß SchrägeTypen 3/03 e 0,75 Auffallen ist wichtig

2 Weißt du, was deutsch ist? Eine interessante Frage, finde ich! Warum? Weil ich es selbst nicht genau weiß. Es gibt ein paar Vorurteile, die man immer wieder hört im In- und Ausland. Ich will sie hier nicht wiederholen, denn das engt nur den Blick ein. Es gibt aber auch die vielen Reportagen, Berichte und Texte in JUMA, die meine Kollegen und ich in den letzten Jahren geschrieben, fotografiert und gestaltet haben. Das Bild, das hier von Deutschland entstanden ist und weiter entsteht, ist bunter und vielseitiger als die Vorurteile, hoffen wir. Aber auch dieses Bild ist nur ein Teil der Antwort. Junge Deutsche im alten Europa könnte es zum Beispiel heißen. Oder doch nicht? Lassen wir das offen! Auf jeden Fall stelle ich fest, dass sich Deutschland ständig verändert. Vor zehn Jahren waren PCs etwas ganz besonderes, heute haben fast alle deutschen Schulen Computerräume und sind im Internet. Telefone standen früher im Flur, heute trägt man sie mit sich herum und kann sogar Fotos damit machen. Diese Entwicklung hat es auch in anderen Ländern gegeben. Doch gehen Deutsche anders damit um, weil sie etwas typisch deutsches in sich tragen? Ihr merkt, das Thema ist wirklich kompliziert! Vor kurzem habe ich ein Plakat entdeckt, das uns vielleicht weiterhilft. Es wurde vor 10 Jahren in Berlin entwickelt. Das Plakat stellt die Frage: Was ist deutsch? Als Antwort gibt es über 200 weitere Fragen. Meistens sind es nur Begriffe oder kurze Sätze mit einem Fragezeichen. Jede Diskussion über eine der Fragen öffnet ein kleines Fenster: Das könnte deutsch sein. Und noch eine Frage: Wie sähe ein solches Plakat für dein Land aus ganz anders, ähnlich oder gleich? R. Mornunaliewa präsentiert das Zimmer, das ihre Schülerin gebastelt hat. Nah dran... Deine Meinung erwünscht! Redaktionsassistentin Kerstin Harnisch öffnet jeden Tag die Post, die in der Redaktion ankommt. Jetzt hat sie Alarm geschlagen: Die Briefstapel werden jeden Tag dünner. Die vielen s sind ein Grund dafür. Doch es gibt noch einen weiteren Grund: In letzter Zeit kommen keine Leserbriefe mehr. Zwar bekommen wir jede Menge Anzeigen für Klassenbrieffreundschaften, doch kaum jemand schreibt uns seine Meinung zu Wartet auf eure Leserbriefe: Redaktionsassistentin Kerstin Harnisch Jugendzimmer im Gepäck den einzelnen Nach Texten einem Besuch bei in JUMA. Schade, unsererfreun- denn für jeden Freundin fuhren veröffentlichten mit fuhren Brief dem gibt wir Bus mit es wir nach dem Hause. Bus nach ein Dankeschön, Als Hause. wir ange- Als zumwir Beispiel das angekommen Original- JUMA-T-Shirt! waren, sahen wir ein paar Diese Nachricht Stühle und einen Tisch kam an, obwohl sie gibt es darin, ein unseren Briefkasten Fenster mit Vorhängen nicht erreichte: Ein und Blumen auf der Mini-Zimmer aus Fensterbank, einen Asien. Wie dekorieren Jugendliche ihre (gemalten) Fernseher, Teppich und einen Zimmer? Das hatten außerdem bunte wir in JUMA 4/2002 Poster an den Wänden. Weil der Postweg gefragt. Mergul, 13 Jahre, aus Talas, zwischen Asien und Kirgisistan, bastelte Europa ziemlich lang daraufhin ihr eigenes ist, nahm Merguls Traumzimmer: Zwei Lehrerin das Miniaturzimmer mit auf ein Lehrerseminar in die Hauptstadt Bischkek. Dort stellte sie es ihren Kolleginnen und Kollegen Jean- vor und JUMA-Chefredakteur Baptiste aus Christian Frankreich dort war. Vogeler, der ebenfalls Mitnehmen legte auf konnte er der das Heimreise einen fotografierte er es. Zimmer nicht. Da rum Zwischenstopp 2 JUMA 3/2003

3 Moment mal! 4 Auffallen ist wichtig Schräge Klamotten tragen sie am liebsten: Junge Individualisten 8 Kampf gegen das Cool -Fieber Ein kleines Wort und viele Bedeutungen 14 Punk ist nicht tot Die Geschichte des Punk 16 Was willst du? Umfrage 19 Unterwegs zu Sport und Spaß Interessante Reiseziele in Deutschland 20 Schulnamen Mach-mit-Aktion 22 Simone 23 Was ist Deutsch? Ein Plakat zum Nachdenken 24 Die Riesen aus dem Emsland In Norddeutschland entstehen riesige Kreuzfahrtschiffe 26 Wir machen was los! Wahl des Jugendstadtrats in Solingen 30 Surftipps 33 Die Gegenwart der Vergangenheit Schwarze deutsche Jugendliche auf den Spuren kolonialer Vergangenheit 34 Das Lernen geht weiter Studium in Deutschland 38 Miniminzbonbons Literarischer Text 42 Szene 44 Brieffreundschaften 46 Stadt der Riesenstühle 48 REISE Die Gegenwart der Vergangenheit In Berlin machen schwarze deutsche Jugendliche eine eigene Zeitung. Damit wollen sie auf sich aufmerksam machen. JUMA begleitete sie auf der Suche nach Spuren kolonialer Vergangenheit. 34 MODE Foto: Stadt Rinteln Unterwegs zu Sport und Spaß Auf Rollen durch Brandenburg, mit Muskelkraft durchs Lipperland oder in eine Stadt aus Eisen? Attraktive Freizeitangebote gibt es viele in Deutschland. JUMA hat drei originelle Ziele besucht. Auffallen ist wichtig 20 GESELLSCHAFT Nicht so aussehen wie alle: das wollen nur wenige Jugendliche. Doch die, die sich für einen individuellen Stil entschieden haben, zeigen ihn ganz selbstbewusst. 8 Foto: Martin Kroll Foto: Michael Kämpf JUMA 3/2003 3

4 Moment mal! Invasion der süßen Nager Sie kommen meistens nachts, verwüsten Dachböden, räubern Obstbäume und plündern Mülltonnen. Und wer sie einmal beherbergt, wird sie nicht wieder so schnell los, denn sie sind ausgezeichnete Kletterer und extrem anpassungsfähig. Die Rede ist von Waschbären. Normalerweise sind sie Waldbewohner. Doch inzwischen fühlen sie sich auch in vielen deutschen Großstädten wohl. Besonders betroffen davon ist Kassel, das inzwischen in Europa als Hauptstadt der Waschbären gilt. Hier leben inzwischen zehn bis hundert Mal mehr Tiere als normalerweise im Wald. Für die Bewohner sind die süßen Nager zur riesigen Plage geworden. Text: Petra Kroll; Foto: Ingo Bartussek 4 JUMA 3/2003

5 Text und Foto: Renate Dobratz Der Klinikclown Wer krank im Krankenhaus liegen muss, hat nicht viel zu lachen. Als es Jakob, 18, so ging, bekam er überraschenden, komischen Besuch: Klinikclown Hannes. Mit roter Nase und gelben Hosenträgern kam er in Jakobs Krankenzimmer. Er fragte Jakob, was ihm fehlt. Dann machten sich beide zusammen im Krankenhaus auf die Suche nach Schokolade. Er hat die Krankenschwestern gefragt, ob sie mit ihm ausgehen wollen, und hat mich als seinen Komplizen vorgestellt, erzählt Jakob. Er ist nicht leicht zum Lachen zu bringen, aber dieser Clown schaffte es. Hans Duine (Hannes) ist einer von den immer zahlreicher werdenden Klinikclowns in Deutschland. Sie besuchen regelmäßig kranke Kinder und Jugendliche, um sie zum Lachen zu bringen. Damit helfen sie auch bei der Genesung, wie Wissenschaftler bewiesen haben. Die Bundesregierung im Bild Drei Monate hatte die 7. Klasse des Wiedtal-Gymnasiums in Neustadt/Wied Zeit. Im Rahmen eines Kunstprojektes sollten die Schüler und Schülerinnen einen Politiker ihrer Wahl nachmalen. Als Vorlage diente ihnen ein Foto. Dann war es soweit! Im Kanzleramt in Berlin präsentierte Lehrer Jochen Riemann zusammen mit den jungen Künstlern die Ergebnisse aus dem Kunstunterricht. Zu den meist porträtierten Politikern zählte Bundeskanzler Gerhard Schröder. Auch Eva malte den Kanzler. Was er zu ihrem Porträt sagte, ist allerdings nicht bekannt... Text: Petra Kroll; Foto: Jochen Riemann Skilauf im Sommer Anlauf. Knirschender Sand und dann Absprung in die Tiefe. Wer am Monte Kaolino in der Oberpfalz Ski oder Snowboard fahren will, muss nicht auf den Winter und den Schnee warten, denn der weiße Berg in Hirschau besteht aus reinem Quarzsand. Der Quarz ist ein Abfallprodukt und stammt aus einem Kaolinenwerk, in dem Porzellan hergestellt wird. So kommen die Pistenfreunde auch im Sommer zu ihrem Vergnügen. Den Sand in den Schuhen gibt es gratis dazu! Text: Petra Kroll; Foto: Holger Bauroth JUMA 3/2003 5

6 Moment mal! Text: Petra Kroll; Foto: Christian Rödel Foto: Volker Redock Jugend forscht Sie geht noch zur Schule, ist blond und hübsch und ganz schön schnell. Denn wenn Yvonne, 16 Jahre, ins Motorboot steigt, fährt sie meistens den anderen davon. Und weil es nur wenige Frauen in diesem Sport gibt, sind das überwiegend Männer. Bereits der Opa und der Vater von Yvonne fuhren Motorbootrennen. Früher habe ich den Lärm und den Gestank gehasst. Doch irgendwann kam ich auf den Geschmack, erzählt Deutschlands jüngste Rennboot- Pilotin. Heute verfällt Yvonne regelmäßig dem Geschwindigkeitsrausch. Dann braust sie in einem der 350 PS starken Flitzer mit Vollgas über das Wasser. 6 JUMA 3/2003

7 Pizza gegen Pisa Pizzabäcker Osman Ülkü regte das schlechte Abschneiden deutscher Schüler bei der Pisa-Studie zu einer besonderen Aktion an. Schülern aus dem umliegenden Schulen macht er ein verlockendes Angebot. Wer eine Eins in einer Klassenarbeit schreibt, erhält die Pizza zum halben Preis. Natürlich nur bei Vorlage der Zensur. Seit drei Monaten läuft die Aktion. Bislang konnten immerhin schon 15 Schüler die Pizza günstiger kaufen! Ob Pizza ein wirksames Mittel ist, um die Leistungen deutscher Schüler dauerhaft zu verbessern, wird sich zeigen! Text: Petra Kroll; Foto: Stefano Laura Kriminalworkshop Nicht nur Polizisten können Kriminalfälle lösen. In Köln dürfen Schüler Fingerabdrücke vergleichen, um einem Täter auf die Spur zu kommen. Natürlich ist alles nur ein Spiel aber ein spannendes und lehrreiches. Der Biologiestudent Jürgen Kreuz zeigt den Jugendlichen die neueste Methode der Polizei, nämlich die Entschlüsselung eines genetischen Fingerabdruckes. Das ist gar nicht so einfach, weil dieser Abdruck erst aus dem Erbmaterial eines Menschen hergestellt werden muss. Dafür braucht man unter anderem eine Pipette und eine ruhige Hand. Für sein Experiment nimmt Jürgen Kreuz natürlich kein menschliches Erbmaterial, sondern das von Bakterien und Viren. Den Schülern hat der praktische Unterricht trotzdem gut gefallen. Sie experimentieren nämlich lieber, als nur Theorie zu pauken. Text: Annette Zellner; Fotos: Yvonne Dierkes Sandige Kunst Sandburgen bauen ist ein Kinderspiel, meint man! Doch wer einmal beim Sand Art Festival in Tossens an der Nordsee zuschaut, wird seine Meinung schnell ändern. Dort schichten und formen die Künstler den feinen Sand bis zu 4 Meter 50 hoch. Jedes Jahr im Juni kann man die Entstehung einer solchen phantastischen Sandburg miterleben. Nur schade, dass diese Pracht schnell wieder vergeht. Text: Petra Kroll; Foto: Butjadingen Kur und Touristik GmbH JUMA 3/2003 7

8 Judith, 17 Jahre, im freiwilligen sozialen Trainingsjahr Wie? Chucks 1 sind meine Lieblingsschuhe. Ich habe rote und blaue. Kniestrümpfe finde ich warm und cool. Meine Jeans krempele ich hoch. Das sieht nicht so langweilig aus. Im Moment trage ich am liebsten ein Oberteil im Leopardenmuster. Auf meiner Jeansjacke sind verschiedene Pins und Aufnäher von Bands. Meine Haare trage ich im Rockabilly-Stil. Ich färbe sie jeden Monat rot und schwarz. Das sind meine Lieblingsfarben. Ich mische immer verschiedene Stile. So stelle ich meinen eigenen Stil zusammen. Ich will mir noch ein buntes Tattoo mit Blumen auf den Arm machen lassen. Wenn ich zu einem wichtigen Termin muss, ziehe ich schwarze Sachen an. Viele Sachen kaufe ich in Secondhand-Läden oder Boutiquen für Grufties. Einige Stücke mache ich selbst. Warum? Es ist mir wichtig, dass man mich in der Masse erkennt. Ich war schon immer eine Außenseiterin. Ich habe keinen Bock auf oberflächliche, unreife Typen. Gleichaltrige Mädchen und alte Omas gucken mich oft böse an. Doch das ist mir egal. Meine Eltern finden meinen Stil gut. 1 Chucks halbhohe Sportschuhe Auffallen ist Nicht so aussehen wie alle: das wollen nur wenige Jugendliche. Doch die, die sich für einen individuellen Stil entschieden haben, zeigen ihn ganz selbstbewusst. 8 JUMA 3/2003

9 Interviews: Christian Vogeler; Fotos: Michael Kämpf Paul, 16 Jahre, Azubi wichtig Wie? Ich trage Jeans und Springerstiefel. Die Jeans habe ich mit Chlor behandelt. Darum ist die Hose jetzt fleckig. Meine Army-Jacke habe ich vor drei Jahren in einem Secondhand-Laden gekauft. Heute ist sie ein kleines Kunstwerk. Ich habe Teile darauf befestigt, die ich gefunden habe. Die Jacke ist voll mit Nieten und Aufnähern gegen Nazis. Vorne an der Tasche ist der Griff von einer Schublade. Ich habe auch eine Trillerpfeife für Notfälle an der Jacke. Zuhause habe ich viele bunte T-Shirts, eine rot karierte Hose und eine in Neon-Orange. Bei der Arbeit trage ich nicht so auffällige Kleidung. Warum? Vor drei Jahren habe ich einen Überfall von Neonazis erlebt. Damals habe ich gedacht: Die Leute sollen sehen, dass es auch andere Jugendliche gibt. Seitdem laufe ich so rum. Meine Eltern akzeptieren das. Meine Mutter hat mir sogar bei meiner Frisur geholfen. Auf der Straße erlebe ich täglich Beleidigungen. Doch das ist mir die Sache wert. Passiert ist mir noch nichts. Ich kann schnell laufen! JUMA 3/2003 9

10 Eileen, 17 Jahre, Azubi Wie? Im Moment ist Blau meine Lieblingsfarbe. Ich trage Skater-Schuhe, eine Hose und darüber einen Jeans-Rock. Dazu trage ich drei Jacken übereinander. Ich mag diesen bunten Zwiebel-Look. Viele Farben passen nicht zueinander. Das gefällt mir. Wenn ich ausgehe, ziehe ich auch diese Sachen an. Ich nehme dann nur ein bisschen mehr Schminke und Glitzer. Bei der Arbeit trage ich zu bunten Oberteilen meistens Jeans, weil die bequem sind. Probleme mit meiner Chefin habe ich deswegen nicht: Sie mag bunte Farben. Warum? Ich laufe seit meinem 14. Lebensjahr so rum. Damals hatte ich einen sehr guten Freund, der Gruftie war. Alle haben mir gesagt: Du bist verrückt, dass du mit dem rumläufst. Weil ich nicht schwarz tragen wollte, habe ich mich damals für bunt entschieden. Danach habe ich viele neue Leute kennen gelernt, die auch so individuell aussehen. Das individuelle Aussehen finde ich gut. Auffallen ist mir wichtig! Auffallen ist wichtig 10 JUMA 3/2003

11 Auffallen ist wichtig Nora, 19 Jahre, Praktikantin Wie? Ich trage meistens rot-weiße Chucks. Zur Tarnhose trage ich eine alte College-Jacke. Darunter ist eine Jacke aus rotem Teddystoff. Ich finde es wichtig, dass alle Teile farblich zueinander passen. Meine Haare habe ich schwarz gefärbt. Meine Sachen sind praktisch und ausgefallen. Die meisten kommen aus Secondhand- Läden. Modische Vorbilder habe ich nicht. Warum? Mit 12 bin ich in die Punkerszene gekommen. Ich fand es damals toll, die Leute in unserem Dorf zu schocken. Meine Klamotten waren bunt, zerfranst und sehr extrem. Später nervte es, wenn Omas einem hinterherguckten. Hier in Berlin kann ich rumlaufen, wie ich will. Mir ist es wichtig, dass ich mich von der Masse abhebe. Ich gehöre jetzt zu der Independent- und Hardcore-Szene 2. Da trägt man diesen Stil. Ich finde es blöd, wenn die breite Masse modische Teile aus solchen Szenen kopiert. 2 Independent-/Hardcore-Szene musikalische Stilrichtung JUMA 3/

12 Auffallen ist wichtig Mano,19 Jahre, Azubi Wie? Meine Lieblingshosen sind blaue Jeans. Dazu trage ich oft eine Lederjacke vom Secondhand- Markt und Bandklamotten. Meine Lieblingsmusik ist Punkrock. Zu meinem Outfit gehört auch die dicke Kette für Geldbörse und Schlüsselbund. Zuhause habe ich jede Menge T-Shirts. Ich habe auch einen Anzug im Schrank. Den habe ich seit drei Jahren nicht mehr getragen. Bei der Arbeit trage ich die Kette nicht. Ansonsten ist mein Chef tolerant. Hauptsache, ich komme nicht dreckig. Warum? An der Kleidung soll man meinem musikalischen Geschmack erkennen. Mit 15 habe ich mich für Bands wie Greenday und Offspring interessiert. Damals fing ich an mit den Bandklamotten. Andere haben mich deswegen beschimpft. Ich finde, man soll sich kleiden, wie man will. Ich merke, dass ich deswegen auf der Straße angeguckt werde. Doch das stört mich nicht. Mein Vater mag meinen Stil nicht. Er sagt: Kauf dir mal was Anständiges! Er möchte, dass ich wie er aussehe. 12 JUMA 3/2003

13 Melanie, 18 Jahre, Azubi Wie? Ich trage ein dunkelblaues Jeanskleid, schwarze Stiefel und eine helle Felljacke. Als Schmuck trage ich Strass-Ohrringe und ein Strass-Halsband, dazu eine Kette mit einem Anhänger. Wenn ich keine Mütze trage, nehme ich zum Beispiel ein Kopftuch. Ich ziehe mich so an, wie ich mich gerade fühle. Am liebsten habe ich klassische Sachen. Bei der Arbeit müssen wir schwarze Hosen und schwarze Schuhe tragen. Das Oberteil darf grün, weiß oder in Naturfarben sein, aber am liebsten schwarz. Ich mag diese Farben, grelle Töne gefallen mir nicht. Es gibt ein paar Boutiquen in Berlin, wo man Sachen in diesen Farben bekommt. Provozieren möchte ich nicht mit meinem Aussehen, aber auffallen schon. Warum? Ich bin in einem kleinen Dorf aufgewachsen. Mit 13 trugen wir alle das gleiche: Streetlook mit weiten Hosen und Pullovern. Mädchen und Jungs liefen gleich angezogen rum. Schicke Sachen trugen wir nicht. Dann habe ich angefangen zu arbeiten und bin nach Berlin gekommen. Dort gab es neue Läden und neue Einflüsse. Ich wollte mich modisch abheben von den anderen. Viele Freundinnen von früher tragen heute noch ihren alten Stil. Eine habe ich mal schick eingekleidet sie sah danach viel besser aus! Meine Mama und mein Freund mögen meinen Stil. Manchmal bekomme ich modische Tipps von meiner Mama, und wir tauschen auch die Schuhe. Auffallen ist wichtig JUMA 3/

14 WAS IST COOL? Wir kämpfen gegen das Cool -Fieber! Es hat sich wie ein Virus in die deutsche Sprache geschlichen: das kleine Wörtchen cool. Befallen sind vor allem Jugendliche und solche, die sich dafür halten. Erwachsene verstehen selten, was das Wort bedeutet. Mit der Übersetzung aus dem Englischen kalt kommt man nicht viel weiter. Marieke, 17: Der Winter ist cool, weil man da Skifahren und Snowboarden kann. Thorsten, 16: Cool ist für mich jemand, der nicht mit der Mode geht und seine eigenen Ideen hat. Anna, 17: Für mich ist Musik von N Sync cool, weil ich die Jungs wirklich toll finde und sie einfach super Musik machen. Patrick, 18: Cool ist meine kleine Schwester, weil sie genau weiß, was sie will und wie sie es auch bekommt! Johannes, 15: Für mich sind Hosen von Freeman T. Porter cool, weil sie einfach total angenehm zu tragen sind. Paula, 17: Ich finde Jungs cool, weil sie nicht immer so zickig sind wie Mädchen. Maria, 13: Ich finde Mädchen mit Make-up cool, weil sie dann schon so erwachsen wirken. Simon, 17: Für mich ist cool, wenn man nicht dauernd sagt, dass etwas cool ist, denn was ist schon cool? Ariane, 15: Schule ist eigentlich ganz cool, weil man dort jeden Tag seine Freunde trifft. Petra, 18: Für mich ist Autofahren wirklich cool. Es macht einfach Spaß! Sabrina, 16: Mir gefallen Kaninchen so gut, weil sie so süß sind: Ich finde sie wirklich cool! Lena, 14: Tanzen ist das coolste auf der ganzen Welt, weil man dabei einfach alles vergessen kann. Christoph, 19: Ich finde meinen Job cool. Ich arbeite bei einer Computerfirma. Florian, 16: Für mich ist alles cool, was Spaß macht! Nora, 13: Cool sind alle meine Freunde, weil sie mich immer zum Lachen bringen! Theresa, 17: Gedichte, Geschichten und alles, was man lesen kann, ist cool. Stefan, 16: Ich finde Sonnenbrillen mit bunten Gläsern wirklich cool. Damit sieht man wirklich richtig schräg aus. Stefanie, 15: Meine Eltern sind cool, weil sie mir fast alles erlauben! Sabine, 16: Ich finde es cool, wenn man spontan ist. Julia, 19: Cool ist jeder, der sich nicht wichtiger nimmt, als er ist. Patrizia, 17: Ich finde es cool, dass ich bald 18 werde. Dann bin ich endlich volljährig! Thomas, 13: Ich finde es cool, wenn man abends lange weggehen darf. Tanja, 18: Ich finde das Wochenende cool, weil man da keine Schule hat und ausschlafen kann. Markus, 19: Für mich sind richtig gute Freundschaften cool, denn gute Freunde sind selten. Sabrina, 18: Cool ist, wenn man nicht immer danach beurteilt wird, wie man aussieht oder was man hat. Thomas, 14: Für mich sind Actionfilme cool, weil da immer so viel passiert. Lisa, 13: Ich finde es cool, wenn die Sonne scheint und man draußen Rollerbladen kann. 14 JUMA 3/2003

15 Tobias, 15: Schule finde ich total uncool, weil man dort nicht machen kann, was man will. Maria, 16: Ich finde unfreundliche Menschen uncool, weil sie einem die ganze Stimmung vermiesen können. Stefanie, 17: Langweiler sind uncool, weil man mit ihnen nichts anfangen kann. Christina, 16: Wenn man früh aufstehen muss, ist das uncool, ich bin nämlich ein Langschläfer. André, 19: Ich finde Menschen uncool, die betrunken Auto fahren, weil sie nicht nur sich selbst gefährden. Patrick, 16: Streber sind uncool, weil sie immer nur für die Schule lernen. Mandy, 15: Schlechtes Wetter ist uncool, weil man da die ganze Zeit drinnen ist und nichts draußen machen kann. Nabila, 14: Leute, die andere diskriminieren, sind uncool. Martin, 19: Uncool sind die Klamotten aus dem letzten Jahr. Silke, 13: Ich finde Jungs, die dauernd nur Fußball gucken, uncool, weil man gar nichts mit denen anfangen kann. Jenny, 19: Techno- Musik ist uncool, weil die Musik total eintönig ist. Klaus, 17: Ich finde es uncool, wenn man die ganze Zeit krampfhaft versucht cool zu sein. Jana, 14: Uncool ist es, wenn man Drogen nimmt und raucht, weil einem das überhaupt nicht hilft im Leben. Martina, 14: Ich finde es uncool, wenn man arrogant ist und denkt, dass man etwas besseres wäre. Karina, 14: Ich finde wandern uncool, weil meine Eltern das immer machen und ich immer mitmuss. Markus, 16: Lehrer sind uncool, weil die meistens so streng sind. Andreas, 15: Eltern, die zu streng sind, sind uncool. Marco, 16: Zickige Mädchen sind uncool, weil sie einem immer nur auf die Nerven gehen. Tobias, 13: Nervige Geschwister finde ich uncool, weil sie einen nie in Ruhe lassen. Antonio, 16: Ich finde ältere Menschen, die sich gegen den technischen Fortschritt wehren, uncool. Nina, 17: Uncool ist alles, was viel kostet, und alles, was keinen Spaß macht. Silvia, 17: Ich finde es uncool, wenn man keinen eigenen Geschmack hat und total mit der Mode geht. Sandro, 15: Ich finde es uncool, wenn man den ganzen Tag nur zu Hause sitzt, ohne etwas zu tun zu haben. Lisa, 18: Mädchen, die sich zu viel schminken, um aufzufallen, finde ich uncool. Achim, 16: Uncool ist, dass man erst ab 18 Jahren den Führerschein machen darf. Umfrage: Kristina Dörnenburg; Illustrationen: Ulf Marckwort Mach mit! Cool hat bereits eine ganze Reihe von Wörtern verdrängt. Eine Negativform gibt es auch: uncool. Kannst du uns bei der Bekämpfung des Cool -Fiebers helfen? Dann schreib uns, wie man die Wörter in den einzelnen Aussagen ersetzen kann! Als Preise verlosen wir unter allen richtigen Einsendungen 10 Duden Wie schreibt man gutes Deutsch? Einsendeschluss ist der Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Redaktion JUMA Stichwort: Cool-Fieber Frankfurter Straße Köln Deutschland WAS IST UNCOOL? JUMA 3/

16 Es ist ebenso lächerlich wie traurig, dass fünfjährige Mädchen mit Punkhosen rumlaufen. Es muss ja grauenvoll sein, wenn du heute 15 bist und es kaum noch Grenzen gibt. Du kannst dir doch heute die Haare blau färben und Papa sagt: Das ist ja lustig. Kein Mode-Punker, sondern ein Punker aus Überzeugung: das ist Paddi. 16 JUMA 3/2003

17 Für mich sind Straßenpunks Penner mit Iros. Die denken, dass das, was sie tun, der wahre Punk sei. Aber was haben Saufen, Drogen nehmen und Abhängen mit Punk zu tun? PUNK ist NICHT tot Schmuck aus Müll und Sicherheitsnadeln durch Nase, Ohren und Wangen gestochen, grell gefärbte Haare und abgerissene Kleidung so erschreckten Jugendliche ältere Damen beim Einkaufen. Keine Fußgängerzone, in der sie nicht mit ihren Hunden saßen und bettelten. Ihre Musik klang wie der Anfang vom Ende. Das war vor gut 25 Jahren in Deutschland. JUMA 3/

18 Damals kam die Punk-Bewegung von den britischen Inseln nach Deutschland. Viele junge Leute waren begeistert. Die Null-Bock -Haltung, das Aussehen, die aggressive Musik: all das war ein Angriff auf das triste, langweilige Leben der Eltern. Der Begriff Punk kommt aus dem Englischen und kann mit Mist, verdorben, wertlos übersetzt werden. Punker verstanden sich im übertragenen Sinn als Abfall der Gesellschaft. Sie wollten schockieren, anders sein. No Future keine Zukunft gehörte damals zu ihren Lieblingssätzen. Ihre Musik war brutal und hart, auf ihren Konzerten kam ein merkwürdiger Rempeltanz namens Pogo in Mode. Der Irokesenhaarschnitt war das Erkennungszeichen vieler Punks. Die englische Punk-Band Sex Pistols war die bekannteste Band der Punkmusik. In Deutschland wurden Bands wie Einstürzende Neubauten und Fehlfarben berühmt. In Düsseldorf begann ein Sänger mit Namen Campino seine Karriere. Bis heute tritt er mit der Punkband Die Toten Hosen auf. Die meisten Punkbands verschwanden in den 80-er Jahren aus den Hitlisten. Die Punkmusik wurde von der Neuen Was das Thema Punk so kompliziert macht, ist die Tatsache, dass kein Punk sauber in eine Schublade passt, da Punk ja auch das Ziel hat, sämtliche Schubladen zu sprengen. Deutschen Welle abgelöst. Wütende Lieder wurden durch spaßige Texte ersetzt. Der Sänger Markus verlangte Ich will Spaß. Nur noch wenige Jugendliche blieben der Punkbewegung treu. 25 Jahre nach ihrer Geburt lassen sich Fußballspieler wie David Beckham und Christian Ziege die Haare zum Irokesenschnitt schneiden. Viele Jugendliche machen es ihnen begeistert nach. In jedem Modegeschäft bekommt man heute T-Shirts mit der Aufschrift Anarchy und Nietengürtel: Der Punk ist wieder da als Mode für jedermann. Einer, der kein Mode-Punker ist, sondern auch heute noch ein Punker aus Überzeugung, ist Paddi. Mit 15 Jahren lief Paddi, seinen bürgerlichen Namen sagt er nicht so gerne, von zu Hause weg. Mir war es einfach zu eng und zu kalt in Kiel, erinnert sich der 21-Jährige. Er wollte da raus. Mit seinen Eltern hatte er sich eigentlich ganz gut verstanden. Doch sein Elternhaus war ihm zu klein geworden. Über Hamburg und Berlin kam er irgendwann nach Köln. Gemeinsam mit seinem Hund Shadow lebt er jetzt mit anderen Punks und vielen Hunden in einem baufälligem Haus am Rhein. Schule und Ausbildung waren für ihn viele Jahre nicht wichtig. Mit Freunden rumhängen, unabhängig und frei sein so wollte er leben. Er war gern auf der Straße. Mitleid wollte ich nicht, sagt Paddi. Er mag die Solidarität unter den Punks. Wir teilen, was wir haben. Das Aussehen spielt keine Rolle. Wir haben uns und wir sind gesund, das reicht, fand er lange Zeit. Ein bisschen geändert hat sich seine Einstellung im Laufe der Zeit aber schon. Mittlerweile hat er den Hauptschulabschluss nachgeholt und macht jetzt eine Lehre als Tischler. Eigentlich würde ein Punk nie arbeiten gehen, erklärt Paddi, aber er denkt jetzt an seine Zukunft. Am liebsten möchte er nach der Lehre mit seinem Hund dahin reisen, wo es wärmer ist. Ein Haus auf dem Land mit Freunden und vielen Hunden gehört auch zu seinem Lebenstraum. Doch so normal wie seine Schulkameraden von früher möchte er nie mehr leben. Nur manchmal fehlt ihm das gute Essen seiner Mutter. Susanne Besser Zitate (sprachlich vereinfacht) aus: X-Mag, Oktober 2002; Schwarz-Weiß-Fotos: ar/gee gleim; Farbbilder: Hacky Hagemeyer 18 JUMA 3/2003

19 Umfrage Was willst du? Die Jugendlichen von heute streben nach Karriere und nach Familie. Das sagen Forscher, die im Auftrag eines Energie-Unternehmens Meinungen und Einstellungen der jungen Generation untersucht haben. JUMA ist auf die Straße gegangen und hat selbst Jugendliche befragt. Mario, 19 Jahre: Wichtig ist mir meine Rente! Ich möchte wenig leisten, viel verdienen und Karriere machen. Am liebsten würde ich noch heute von zu Hause ausziehen. Eine Frau will ich später auch haben, und mindestens drei Kinder. Politik finde ich nicht so interessant. Das ist im Unterricht so langweilig. Philipp, 16 Jahre: Ich will unbedingt eine Familie gründen, weil ich selbst nie eine hatte. Heiraten muss ich meine Freundin nicht. Erfolg im Beruf ist mir wichtig. Mein Traum ist es, die ganze Welt zu sehen. Politik interessiert mich das hat doch was mit meiner Zukunft zu tun. Svenja, 13 Jahre: Am wichtigsten in meinem Leben sind meine Freunde. Ohne sie wäre ich einsam. Zu meinen Eltern habe ich einen guten Kontakt. Ich will später eine eigene Familie haben. Natürlich auch Kinder, aber höchstens zwei. Mein Mann sollte mir im Haushalt helfen, denn ich möchte berufstätig sein. Am liebsten als Polizistin. Esra, 12 Jahre: Karriere will ich nicht machen, aber schon einen guten Beruf haben. Etwas mit Computern finde ich gut. Wichtig ist mir die Freundschaft mit meiner Familie. Heiraten möchte ich später auch. Jetzt will ich Spaß haben. Sina, 14 Jahre: Ehrgeiz ist wichtig im Leben, aber eine Karriere muss ich später nicht machen. Ich will viel Zeit für Familie und Freunde haben. Und für mich selbst. Mich interessieren die Menschenrechte und alles, was mit Kindern und Afrika zu tun hat. Außerdem bin ich gegen die Atomkraft. Bahar, 13 Jahre Zwei Kinder will ich später haben: einen Junge und ein Mädchen. Meine Freunde und meine Familie sind mir wichtiger als der Beruf. Meine Mutter ist wie meine Freundin, ich mag sie mehr als meinen Vater. Aber ein bisschen Karriere will ich schon machen. Tierärztin ist mein Traumberuf. Julian, 15 Jahre: Die Frau seines Lebens sollte man heiraten, nicht nur einfach so mit ihr zusammenleben. Karriere will ich auch machen, weil es mir und meiner Familie gut gehen soll. Was politisch in Deutschland passiert, interessiert mich eigentlich schon. Doch es gibt zu viele Meinungen, man kann sich da so schlecht hineindenken. Sarah, 17 Jahre: Geld ist mir am wichtigsten im Leben, meine Freunde aber auch. Im Beruf will ich später gut sein. Ich möchte nämlich nicht als Hausfrau ohne eigenes Geld enden. Kinder will ich auch haben. Aber es ist wichtig, an sich selbst zu denken. Politik? Die interessiert mich nicht ich muss ja noch nicht wählen. Interviews: Annette Zellner; Foto: dpa JUMA 3/

20 Reise Unterwegs zu Sport und Spaß Auf Rollen durch Brandenburg Keine Autos, keine Abgase, kein Lärm: Davon träumen Inline-Skater und Radfahrer oft nur. Doch im Landkreis Teltow-Fläming südlich von Berlin finden sie jetzt ihr Paradies: Hier liegt Deutschlands größter Inline- und Radfahr-Rundkurs. Die Strecke ist 100 Kilometer lang und drei Meter breit. Es geht durch Wälder und Wiesen, vorbei an kleinen Dörfern und Städten. Ein extrafeiner Belag sorgt für Komfort. Normalerweise ist die Strecke eben. Nur an einer Stelle geht es 60 Meter hoch und wieder hinunter. Damit sich niemand verletzt, schützen Strohballen an schwierigen Stellen vor Verletzungen bei Stürzen. An Wochenende sind auch Sanitäter auf der Strecke unterwegs. Die Benutzung des Kurses ist kostenlos. Skates und Fahrräder für die Tour kann man selbst mitbringen oder mieten. Anfänger können auf Anmeldung die Kunst des Skatens lernen. Wer nach 100 Kilometern noch nicht genug hat, findet weitere 70 Kilometer Radwege, die an verschiedenen Stellen abzweigen. Gasthäuser und Pensionen entlang der Strecke bieten Unterkunft und Verpflegung. Fotos: Tourismusverband Teltow-Fläming e.v. Auf feinem Belag geht es schnell voran; Rastplätze säumen die Strecke; ein Wegweiser hilft bei der Orientierung. 20 JUMA 3/2003

21 Stadt aus Eisen Mit Muskelkraft durchs Lipperland Mit der Kraft der Muskeln geht es langsam voran; beim Picknick muss die Draisine von der Schiene. Vor fast 200 Jahren hat ein gewisser Herr Drais ein Fahrzeug erfunden, das man mit Muskelkraft bewegen kann die Draisine. Auch heute noch gibt es solche Fahrzeuge allerdings auf dem neuesten technischen Stand. In Rinteln im östlichen Nordrhein-Westfalen kann man solche Draisinen mieten und damit eine alte Bahnstrecke befahren. Zwei müssen strampeln, zwei dürfen sich ausruhen so geht es mit ca. 10 Stundenkilometern langsam bergauf. Immerhin wiegen die Fahrzeuge 90 Kilogramm. Doch die 7-Gang-Schaltung erleichtert das Treten. Entlang der Gleise gibt es 11 Rastplätze, auf denen man picknicken und grillen kann. Allerdings muss man bei einer Pause die Fahrzeuge von den Schienen heben, denn die Strecke ist eingleisig. Damit es keine Zusammenstöße gibt, geht es vormittags nur bergauf und nachmittags nur bergab. An Bahnübergängen zwingt eine Ampel Autos zum Warten die Draisinen bekommen durch einen elektrischen Kontakt immer Vorfahrt. Fotos: Stadt Rinteln Früher haben sie mächtige Löcher in den Boden gefressen und Braunkohle gefördert: Medusa, Mad Max, Big Wheel, Mosquito und Gemini sind eiserne Monster, die von 1964 bis 1991 fast 70 Millionen Tonnen Braunkohle gefördert haben. Aus dem ehemaligen Tagebau Golpa-Nord ist heute ein Park geworden. Nördlich von Leipzig bilden die Bagger Ferropolis die Stadt aus Eisen. Rostender Industrie-Schrott und Seen, Biotope und Kulturbühnen das ist Ferropolis. Die technischen Geräte kann man besichtigen. Wenn man Glück hat, rasseln sie auch noch mit ihren Ketten. Außerdem gibt es ein Museum für Schienenfahrzeuge. Auf den Bühnen von Ferropolis treten Künstler aus aller Welt auf. Techno-Parties und Opernaufführungen, Konzerte und Theater all das bietet Ferropolis. Stets Kulisse in Ferropolis: die eisernen Monster Fotos: Ferropolis GmbH JUMA 3/

22 Mach mit! Text und Fotos: Jörg-Manfred Unger Vielseitig wie die Namen der Schulen: die Namenszüge Viele deutsche Schulen wurden nach Personen des öffentlichen Lebens benannt oder sie tragen den Namen bekannter Persönlichkeiten, zum Beispiel von Schriftstellern (KTO = Kurt-Tucholsky-Oberschule). Schulnamen Manche Schulen in Deutschland heißen so wie eine Stadt oder ein Stadtteil zum Beispiel das Städtische Gymnasium Köln- Nippes. Andere tragen den Namen von Pop-Stars, Wissenschaftlern, Schriftstellern oder Politikern. Besonders vielseitig ist die Namensgebung von Schulen in den neuen Bundesländern, wo viele von ihnen nach der politischen Wende 1990 umbenannt wurden. Unsere Frage: Wie heißt deine Schule und wer oder was steht dahinter? Schicke deine Antwort bis zum an die Redaktion JUMA Stichwort: Schulnamen Frankfurter Straße 40 D Köln Unter allen Einsenderinnen und Einsendern verlosen wir 20 deutsche Jugendbücher und CDs. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. 22 JUMA 3/2003

23 JUMA 3/

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