Denkfehler beim Anleger überwinden

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1 Denkfehler beim Anleger überwinden Prof. Dr. Andreas Hackethal Goethe-Universität Frankfurt am Main Mannheim,

2 Finnovate Newswire Fintech Firmen sammeln im letzten Quartal 2014 über $4 Mrd. an Eigenkapital ein.

3 Mobile als dominanter Online-Zugang Verbrachte Online-Zeit (USA, in Mrd. Minuten) Mobile Web Mobile App Desktop Web Juni 2013 Juni

4 Warum die Nachricht Chancen und Risiken birgt 1. Forschung: Großes Potenzial für Beratung 2. Das Problem: Die letzte Meile 3. Lösung: Vier Hürden überwinden 3

5 Anleger weit unter Möglichkeiten Rendite-Risiko Profile deutscher Anleger (3.400 Anleger, Online Broker, ) 15% Portfolio-Renditen in % p.a. 10% 5% 0% -5% DAX 80% der Anleger mit Renditelücke -10% 0% 5% 10% 15% 20% 25% 30% Wertschwankungen (Standardabweichung p.a.) 4 Quelle: Teamanalyse

6 Rendite-Lücke durch Fehler verursacht Kosten der Anlagefehler (5.000 Online Broker Kunden, ) -15% -10% -5% 0% Mangelnde Streuung Kleinster Fehlerscore 1 Übermäßiges Traden 2 Deutschland Fokus 3 Jagd auf Trends 4 Verlierer aussitzen Höchster Fehlerscore 5 Spekulative Wertpapiere 5 Weber/Meyer/Loos/Hackethal (2014)

7 Anleger im Blindflug bei Anlagerisiken Vergleich Ist-Risiko mit Wunschrisiko ( Broker Kunden, ) 25% 20% Ist-Risiko (Std-Abw.) 15% 10% 5% 0% Wunschrisiko 6 Quelle: Teamanalyse

8 Anlegerversuchung und Anlagedilemma Kundenbefragung und Depotrisiko (1.280 Privatkunden, ) Gesamtrisiko Kundenzufriedenheit Vergütetes Risiko Spekulatives Risiko Risiko 7 Quelle: Teamanalyse

9 Das Problem der letzten Meile Das Problem der letzten Meile Quelle: Bas van Oorschot (wikicommons) 8

10 Hirnforschung: Sparer meist im impulsiven System 1 Impulsives System 1 INTUITION Mühelos, schnell, simultan Ziel: Sofortige Bedürfnisbefriedigung und Plausibilität Kontrolliertes System 2 LOGIK Anstrengend, langsam, sequentiell Ziel: Abwägung heute-morgen und Überprüfung System 1 9

11 Beratung kann letzte Meile prinzipiell überbrücken Brokerage Kunden Reale Beratungsempfehlungen 25% 20% Standardabwecihung 15% 10% Spekulatives Risiko 5% 0% Risiko-Kategorien A B C D E Risiko-Kategorien 10

12 Gute Beratung kommt aber oft beim Sparer nicht an Rendite-Risiko Profile von Filialbank-Kunden 0,6 0,5 nicht beraten beraten 0,4 0,3 Rendite p.a. 0,2 0,1 0-0,1-0,2 Risiko (Standardabweichung) 11

13 Analogie: Mehr als die Hälfte der Patienten setzt wichtige Therapien nicht um 2003 Report: Adherence to Long-term Therapies Evidence for Action Umsetzungstreue bei chronisch Kranken: 50% Ursachen Mangelndes Vertrauen Mangelnde Convenience Mangelnde Selbstkontrolle 12

14 Kleine Helfer für mehr Willensstärke (Gesundheit: Ziele setzen und überprüfen) Ziel: Wunschgewicht Training nachhalten Luftqualität prüfen Schlaf prüfen 13

15 Berater müssen Kunden über vier Hürden helfen Datenbasis Entscheidungsregeln Selbstkontrolle Einfachheit Anleger im Blindflug bei Rendite, Risiko und Gesamtsituation Anleger erzielen mit ETFs keine besseren Renditen Zufriedenheit von Bankkunden sinkt mit Gesamtrisiko aber steigt mit spekulativem Risiko Opportunitätskosten (gutes Wetter, Zeit) unterbindet Umsetzung Bedarf an Portfolioreports hoch, Komplexitätsschwelle niedrig Mindestens jeder zehnte Anleger ist Chartist (ohne Erfolg) Anleger reagieren wiederholt auf windige Spam- Aktientipps Gute Empfehlungen verpuffen, wenn Umsetzung aufwendig Datenbasis DÜNN Entscheidungsregeln SCHLECHT Selbstkontrolle GERING Convenience GERING 14

16 Jüngste Regulierungsmaßnahmen wenig hilfreich, um die letzte Meile zu überbrücken Datenbasis Entscheidungsregeln Selbstkontrolle Convenience PIBs + - Protokoll - Register Honorar - Frankfurter Allgemeine Zeitung vom Frankfurter Allgemeine Zeitung vom Seite: 29 Gattung: Tageszeitung Ressort: Wirtschaft Nummer: 268 Seitentitel: Finanzen Auflage: (gedruckt) (verkauft) (verbreitet) Serientitel: Standpunkte Reichweite: 0,76 (in Mio.) STANDPUNKT Provisionsverbot mit mehr Nebenwirkungen als Nutzen Die Pläne der Aufsicht würden die Beratungsqualität nicht verbessern / Von Andreas Hackethal und Roman Inderst Im Frühsommer hat die europäische durch größere Depots kommen dürfte. derart radikalen Eingriff in gängige Wertpapieraufsicht ESMA weitrei- Honorarberatung zu einem Stundensatz Marktpraktiken gegeben sind. Regulie- Seite: 39 Gattung: Tageszeitung Ressort: Wirtschaft Nummer: 157 Seitentitel: Finanzen Auflage: (gedruckt) (verkauft) (verbreitet) Serientitel: Standpunkte Reichweite: 0,88 (in Mio.) STANDPUNKT Anlegerschutz braucht mehr Eigenverantwortung Von Thomas Schäfer und Andreas Hackethal Bei der Anlageberatung müssen Kunde und Berater zusammenarbeiten, damit den mit ihren Anlageergebnissen weit hinter den Möglichkeiten zurück. Fornämlich auf die Eigenverantwortung der Anleger und die Transparenz beim Lei- 15

17 Smart disclosure: handlungsrelevante Depotreports Wertentwicklung 2014 vor Kosten nach Kosten ,3% ,3% Mögliche Erweiterungen Alle Anlagen Vergleichsgruppe Risikostreuung Aktuelles Risiko Wertschwankung 2014 Ist-Risiko 2014 Wunschrisiko

18 17 Smart disclosure: Gesamtsicht Rentenansprüche

19 Direkte Wege zur Zielerreichung aufzeigen Beispiel vaamo.de Hinweise zu Risiken der Anlage und prognostizierten Wertentwicklung November Risiko Einmalanlage Monatliche Sparrate höheres Risiko mittleres Risiko optimieren geringeres Risiko

20 Grad der Zielerreichung aufzeigen Beispiel vaamo.de Gesamtwert deiner Anlagen: Gesamte monatliche Sparrate: 114 Segeltörn Karibik Juni 2017 Monatliche Sparrate: 69 Du hast von gespart - + Du wirst dein Sparziel voraussichtlich erreichen. 80 % Studiengebühren Dezember 2019 Monatliche Sparrate: % Du hast von gespart - + Du wirst dein Sparziel voraussichtlich erreichen. + Lege ein Sparziel an 19

21 Höherer Umsetzungstreue bei Honorarberatungskunden Veränderung Umsetzungstreue nach Einführung Honorarberatung Kundengruppe Honorarberatung 65% % 300 Prozent 40 30% 200 Anzahl 20 Kundengruppe Provisionsberatung 20% / / / / / /2012 Date 20

22 Wie überbrücken Sie die letzte Meile? Daten Regeln Selbstkontrolle Einfachheit Quelle: Bas van Oorschot (wikicommons) 21

23 Anhang 1: Ausgewählte Beispiele günstiger 1. Kosten einfacher 2. Convenience bessere Entscheidungen 3. Daten 4. Regeln 5. Kontrolle USA/UK robinhood apple pay, google wallet, Paypal, moven Wealthfront nutmeg D-Fintech (Jan 26 = 140) weltsparen, savedo number26 Finanzblick, figo, numbrs ayondo vaamo Banken Banking-Apps Dortmunder Volksbank Personal Financial Manager ConsorsBank, ERSTE - George 22 empfehlenswerter Blog: paymentandbanking.com

24 Anhang 2: Der Autor/Referent Die Beratung bleibt Ihr persönlicher Mehrwert Prof. Dr. Andreas Hackethal Dekan Wirtschaftswissenschaften, Goethe-Universität Frankfurt a. M. Professor des Jahres 2010 (Magazin unicom) Leiter des Retail Banking Competence Center (RBCC) am House of Finance Vorstand des E-Finance Labs, der Goethe-Universität Frankfurt a.m. und der TU Darmstadt Seit 2009 Mitglied des Fachbeirats der BaFin Seit 2011 Mitglied der Börsensachverständigenkommission beim Bundesministerium für Finanzen 23

25 Anhang 3: Literaturhinweise Überblick Anlagefehler: Barber, Brad M., and Terrance Odean. "The behavior of individual investors."handbook of the Economics of Finance 2 (2011): Was kosten Anlagefehler?: Weber, J., Meyer, S., Loos, B., & Hackethal, A. (2014). Which Investment Behaviors Really Matter for Individual Investors?. Verfügbar unter SSRN.com Gute Beratung ist nicht genug: Bhattacharya, U., Hackethal, A., Kaesler, S., Loos, B., & Meyer, S. (2012). Is unbiased financial advice to retail investors sufficient? Answers from a large field study. Review of Financial Studies, 25(4), Gute Produkte sind nicht genug: Bhattacharya, U., Hackethal, A., Kaesler, S., Loos, B., & Meyer, S. (2012). Passive Aggressive: Index-Linked Securities and Individual Investors. Verfügbar unter SSRN.com Finanzbildung bringt wenig: Fernandes, D., Lynch Jr, J. G., & Netemeyer, R. G. (2014). Financial Literacy, Financial Education, and Downstream Financial Behaviors. Management Science. Verfügbar unter SSRN.com Wie lässt sich der Kundennutzen der Anlageberatung messen? A. Hackethal, Inderst, R., Meyer, S., Rochow, T Messung des Kundennutzens der Anlageberatung Wissenschaftliche Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV).

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