Was mache ich mit meiner Katze, wenn ich alt bin?

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1 Was mache ich mit meiner Katze, wenn ich alt bin? Tiere im Altersheim Ältere Menschen, die mit Tieren leben und Tiere halten, stehen oft vor einem grossen Problem, wenn sie den Alltag nicht mehr selber bewältigen können und ins Alters- oder Pflegeheim ziehen müssen. Was soll mit dem Büsi oder dem Hund geschehen? Kann man die Wellensittiche ins Altersheim mitnehmen? Wer übernimmt die Meerschweinchen, wenn ich einmal nicht mehr da bin? Oft ist das Tier der einzige ständige Begleiter, es nimmt eine wichtige Stelle im Leben des alten Menschen ein, und neben der Umstellung in eine völlig neue Lebenssituation mit all ihren Unsicherheiten und Ängsten und dem Verlassen der bisherigen gewohnten Umgebung kommt die Angst hinzu, sich vom geliebten Begleiter trennen zu müssen ganz abgesehen von der Frage, was dann mit dem Tier geschieht. Im Idealfall kann ein Haustier ins Alters- oder Pflegeheim mitgenommen werden. Die Erfahrung zeigt, dass das auch für die psychische und physische Gesundheit des Tierbesitzers oder der Tierbesitzerin der Idealfall ist. Es setzt aber voraus, dass das Tier am neuen Platz artgerecht und seinen (bisherigen) Bedürfnissen entsprechend gehalten werden kann und auch für die Betreuung gesorgt ist, wenn der Besitzer / die Besitzerin nicht (mehr) in der Lage ist, selber für das Tier zu sorgen. Wenn ein Mitnehmen ins Altersheim nicht möglich ist, - beispielsweise weil eine Freigängerkatze nicht plötzlich mitten in der Stadt in einem Altersheim an vielbefahrener Strasse gehalten werden kann oder der Besitzer gesundheitlich nicht mehr in der Lage ist, sich um das Tier zu kümmern - kann auch ein Ersatz mit heimeigenen Tieren hilfreich sein. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, alten Menschen einen regelmässigen Kontakt mit Tieren zu ermöglichen: mit eigenen Haustieren, die mit ihren BesitzerInnen ins Altersheim gehen und mit Tieren, die dem Altersheim angegliedert sind und / oder dem Heim gehören. 1

2 Das eigene Tier ins Heim mitnehmen Hier muss unterschieden werden zwischen kleineren, in Gehege oder Wohnung gehaltenen Tieren und Tieren, die Auslauf im Freien brauchen. Erstere sind beispielsweise Meerschweinchen, Ratten, Hamster, aber auch Fische oder Vögel, allerdings mit der Einschränkung, dass in den handelsüblichen Käfigen eingesperrte Vögel nicht artgerecht gehalten sind und für Volièren oft nicht genug Platz zur Verfügung steht, eine artgerechte Haltung daher oft nicht möglich ist, und dass auch Meerschweinchen oder Ratten grosse, strukturierte und abwechslungsreiche Gehege mit Aussenaufenthalt brauchen und nicht einzeln gehalten werden dürfen. Tiere wie Hunde oder Katzen brauchen Auslauf. Freigängerkatzen müssen sorgfältig an die neue Umgebung gewöhnt werden und ins Freie können, ohne Gefahr zu laufen, überfahren zu werden, und Hunde brauchen regelmässige Spaziergänge, entweder mit dem Besitzer / der Besitzerin, sofern er oder sie gesundheitlich dazu in der Lage ist, oder mit einer fixen Bezugsperson, welche das Spazierengehen übernehmen kann. Bei allen diesen Tieren gehen Fütterung und Pflege, aber auch die entsprechenden Kosten samt Tierarztkosten zu Lasten des Besitzers, für allfällige durch das Tier verursachte Schäden sollte auch eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen sein (bei Hunden obligatorisch, bei Katzen empfehlenswert). Besonders bei Katzen ist zudem darauf zu achten, dass die Zuständigkeit klar ist und sie nicht aus falsch verstandener Tierliebe von allen Leuten gefüttert werden und verfetten. Das bedingt, dass alle im Heim lebenden Personen inkl. des Pflegepersonals mit der Katzenhaltung einverstanden sind und sich an die Abmachung betreffend Fütterung halten. Auch die Tiere müssen gewisse Regeln einhalten, sie gehören weder in die Küche noch in den Essraum, und man muss sich auch bewusst sein, dass nicht alle Menschen Tiere gleich gut mögen und respektieren, dass einzelne Bewohner sich von Hundegebell oder Katzenhaaren belästigt fühlen können. Das Heim seinerseits muss bereit sein, einen gewissen Mehraufwand an Reinigung zu leisten (Tiere lassen Haare und sie hinterlassen mit schmutzigen Pfoten Spuren auf den Böden), es hat dafür aber einen deutlichen Minderaufwand an Betreuung und Beschäftigung der Pensionäre. Über mitgebrachte Haustiere entstehen erfahrungsgemäss schneller Sozialkontakte, die regelmässigen Spaziergänge mit Hunden beugen Bewegungsmangel vor, und der Aufenthalt an der frischen Luft, beispielsweise bei den Kleintiergehegen, ist der Gesundheit aller im Altersheim förderlich. Die Rückmeldungen der Studie von Barbara Schaerer 1 berichten von zahlreichen positiven Erfahrungen, auch bei Patientinnen und Patienten, die auf Kontakte mit Menschen kaum noch ansprechen. Für mitgebrachte Kleintiere muss ein Aussengehege zur Verfügung stehen, das vom Heim erstellt und unterhalten werden sollte. Auch hier ergibt sich allerdings eine sinnvolle Beschäftigungsmöglichkeit, gibt es doch meistens auch Rentnerinnen und Rentner, die 1 Barbara SCHAERER; Tiere in Alters- und Pflegeheimen in der deutschsprachigen Schweiz, Institut für interdisziplinäre Forschung der Mensch-Tier-Beziehung IEMT 2

3 solche Unterhaltsarbeiten sehr gerne übernehmen und sich auch an der Pflege der Tiere Füttern, Ausmisten gerne beteiligen. Allerdings ist darauf zu achten, dass die Tiere genügend Rückzugsmöglichkeiten haben und dass fremde Meerschweinchen oder Kaninchen nicht einfach ins gleiche Gehege gesetzt werden können, weil sie oft sehr unverträglich reagieren. Die Gehege müssen daher so gross sein, dass sie unterteilt werden können und trotzdem noch für alle Tiere genügend Platz bieten. Meist gelingt eine Zusammenführung nach einer gewissen Eingewöhnungszeit; es gibt aber auch Tiere, die unverträglich bleiben und die in einer anderen Gruppe gehalten werden müssen. Für den Fall, dass ein Besitzer / eine Besitzerin vor dem Tier stirbt, sollte unbedingt eine Regelung getroffen werden, was dann mit dem Tier geschieht: Gibt es Verwandte, die es übernehmen können? Möchte jemand aus dem Altersheim das Tier gern behalten und ist in der Lage, selber für das Tier zu sorgen? Hat das Heim die Möglichkeit, solche Tiere in seinen eigenen Besitz zu übernehmen? Es ist unbedingt zu empfehlen, eine solche Regelung bereits beim Heimeintritt schriftlich zu treffen; das Institut für interdisziplinäre Forschung der Mensch-Tier-Beziehung IEMT wie auch der Schweizer Tierschutz STS können bei der Ausarbeitung solcher Verträge behilflich sein. Heimeigene Tiere Verschiedene Alters- und Pflegeheime halten heimeigene Tiere. Das sind ganz unterschiedliche Anlagen von einem Kleintiergehege mit Meerschweinchen oder einer Volière bis hin zu grossen Tierhaltungen mit Ziegen, Ponys, Enten, Hühnern und Schafen etc. Allen gemeinsam ist die Erfahrung, dass diese Tiere den alten Menschen wie auch dem Personal und den Besucherinnen und Besuchern gut tun. Sie erfreuen die Menschen und bereichern deren Alltag, sie lassen die alten Menschen oft ihre Sorgen und Nöte vergessen, sie ermöglichen Sozialkontakte zwischen den Pensionären, aber auch zwischen den Besuchern, sie strukturieren den Tag und sie geben manchen Pensionären eine sinnstiftende Beschäftigung, wenn sie sich an der Pflege und Betreuung der Tiere beteiligen können, was auch der psychischen und physischen Gesundheit förderlich ist. Solche Anlagen bedeuten aber auch einen gewissen Mehraufwand und Mehrkosten für das Heim: Die Tiere müssen artgerecht gehalten werden. Da solche Altersheimtiere oft auch eine grosse öffentliche Aufmerksamkeit erfahren, sollten sie auf jeden Fall über die bloss gesetzeskonforme Haltung hinausgehen und eine vorbildliche und beispielhafte Tierhaltung vorweisen, also sich nicht nur mit den sehr bescheidenen Mindestvorschriften des Tierschutzgesetzes zufrieden geben, sondern auch zeigen, was artgerechte Tierhaltung bedeutet. Das gilt ganz besonders für Heime, die in öffentlichem Besitz sind. Für die Tierhaltung muss unter Umständen (je nach Anzahl und Art der Tiere) ausgebildetes Personal zur Verfügung stehen. Dadurch entstehen zusätzliche 3

4 Kosten. Das Heim sollte bereit sein, die Bewohnerinnen und Bewohner in die Pflege und Betreuung der Tiere mit einzubeziehen, es muss dazu die Leute entsprechend instruieren und anleiten. Trotz solcher Mehrkosten ist eine Tierhaltung im Altersheim empfehlenswert. Es ist zwar wissenschaftlich bisher nicht belegt, aber auf Grund der Erfahrung ist anzunehmen, dass die (materiellen) Mehrkosten einem ungleich grösseren (immateriellen) Mehrwert gegenüberstehen, der sich in der Zufriedenheit und Ausgeglichenheit und oft im verbesserten Gesundheitszustand der Bewohnerinnen und Bewohner manifestiert. Wenn also irgend möglich, sollten sich Alters- und Pflegeheime eine vorbildliche heimeigene Tierhaltung ins Auge fassen. Verschiedene Publikationen und Untersuchungen belegen die positive Wirkung von Tieren auf ältere Menschen. Trotzdem sollte ein Alters- und Pflgegeheim, das neu Tiere anschaffen will, sich erst beraten lassen und das Gespräch mit den Bewohnerinnen und Bewohnern suchen, vielleicht auch schon in einer heiminternen Umfrage eruieren, wer sich an der Betreuung der Tiere beteiligen möchte. Dabei ist natürlich darauf zu achten, dass die Lebenserwartung der Tiere unter Umständen grösser ist als die der HeimbewohnerInnen, aber trotzdem eine langfristige Betreuung sichergestellt werden muss. Je nach Anzahl und Art der gehaltenen Tiere braucht es dazu gar speziell ausgebildetes Personal, was zusätzliche Kosten nach sich zieht. Oft sind die Geldgeber öffentlicher Institutionen nicht auf Anhieb bereit, solche Mehrkosten zu finanzieren. Hier braucht es Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit. Auch dabei bietet der Schweizer Tierschutz STS mit dem Seniorenprojekt Grizzly seine Hilfe an, daneben gibt es weitere Institutionen, die sich speziell solchen Fragen widmen, wie zum Beispiel die Fachstelle Tiere im Heim. Wildtiere bei Heimen ohne Tierhaltung Neben der Möglichkeit, die eigenen Tiere zu behalten oder mit heimeigenen Tieren Kontakt zu pflegen, bietet sich für Heime, die beide Möglichkeiten nicht anbieten können oder wollen, dennoch ein Weg, Tierbeobachtungen zu ermöglichen: Auf einer öden Rasenfläche hat es kaum freilebende Tiere, hingegen ermöglicht eine naturnahe Umgebungsgestaltung mit Trockenstandorten und einer Bepflanzung mit einheimischen Hecken, Blumen, Sträuchern und Bäumen, evtl noch in Verbindung mit einem kleinen Gewässer Teich oder Bach, allerdings ohne eingesetzte Fische! die Ansiedlung verschiedener einheimischer Tierarten. Wenn dann noch geeignete Nisthilfen und Unterkünfte für Vögel, Fledermäuse und Wildbienen bereit gestellt und Beobachtungsplätze mit Sitzgelegenheiten geschaffen werden, können bald schon Vögel, Käfer, Spinnen, Eidechsen, Blindschleichen und vielleicht sogar Igel und Fledermäuse beobachtet werden. Mit einem Teich kommen noch Molche, Frösche, Kröten, Libellen 4

5 und dergleichen dazu, ganz abgesehen von der Vielfalt einheimischer Blüten und Früchte. Beratung durch Fachleute Frau Barbara Schaerer hat im Zürcher Oberland die Fachstelle Tiere im Heim aufgebaut, die sich speziell mit all diesen Fragen beschäftigt und umfassende Beratung anbietet. Auch der Schweizer Tierschutz STS hat mit «Grizzly ein Projekt des Schweizer Tierschutz STS für Seniorinnen und Senioren» eine Fachstelle aufgebaut und bietet interessierten Altersund Pflegeheimen sowie interessierten Organisationen Fachvorträge und Hilfen an. Die Seniorenfachstelle ist zu erreichen unter Tel oder über den Schweizer Tierschutz STS Barbara Marty 5

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