Die langfristige realökonomische Entwicklung

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1 Die langfristige realökonomische Entwicklung Produktion und Wachstum Wie hat sich der Lebensstandard verändert Wie erklärt sich die Veränderung Wirtschaftswachstum und staatliche Politik Sparen, investieren und das Finanzsystem Grundlagen der Finanzierung Die natürliche Arbeitslosenquote

2 88/486 Produktion und Wachstum Wirtschaftswachstum rund um die Welt BIP in $ pro Kopf

3 89/486 Produktion und Wachstum Wirtschaftswachstum rund um die Welt Land Periode Reales BIP * Reales BIP * Durchschnittpro Kopf zu pro Kopf am liche Wachst- Beginn der Periode Ende der Periode tumsrate ($ pro Person) ($ pro Person) (% pro Jahr) Japan ,79 Brasilien ,38 Mexiko ,16 China ,06 Deutschland ,05 Kanada ,04 Vereinigte Staaten ,82 Argentinien ,69 Indien ,58 Vereinigtes Königreich ,45 Indonesien ,41 Bangladesh ,16 Pakistan ,16 * In Preisen von 2003

4 90/486 Produktion und Wachstum Gross domestic product (expenditure approach) Per head, US $1.000, constant prices, constant PPPs, reference year 2000 Country/Time Australia 16,9 19,3 22,2 28,0 32,1.. Austria 13,6 * 19,2 23,4 28,8 32,7 31,5 Belgium 13,9 * 18,9 * 22,8 * 27,6 30,6 29,4 Canada 15,7 * 20,3 23,7 28,5 31,5.. Denmark 15,7 18,9 23,2 28,8 31,1 29,4 Finland 12,0 * 16,8 21,7 25,7 31,5 29,0 France 13,3 18,1 21,7 25,3 27,3 26,4 Germany 13,3 * 17,6 * 21,8 * 26,0 28,6 27,3 Greece 10,6 * 15,2 * 15,4 * 18,4 24,3 23,8 Iceland 12,8 * 21,1 24,8 28,8 35,1 32,8 Ireland 8,2 * 11,3 * 15,7 * 28,6 34,7.. Italy 12,6 17,4 22,0 25,6 26,0 24,5 Japan 12,1 * 16,7 * 23,2 * 25,6 28,2 *.. Korea 2,2 4,5 10,0 17,2 23,5 23,4 Luxembourg 20,2 * 24,2 * 37,5 * 53,4 64,3 60,9 Mexico 6,4 * 8,9 * 8,6 * 10,0 * 11,2 *.. Netherlands 15,5 19,4 22,9 29,4 33,2 31,7 New Zealand 14,9 * 16,0 * 18,3 21,1 23,7.. Norway 14,4 21,5 26,6 36,1 40,6 39,5 Poland.... 7,3 * 10,6 14,7.. Portugal 6,8 * 9,7 * 13,2 * 17,1 17,8 17,3 Spain 10,0 * 13,0 * 16,7 * 21,3 24,0 22,9 Sweden 16,8 19,7 23,8 28,0 32,4 30,6 Switzerland 23,2 * 25,8 * 30,2 31,6 34,5.. Turkey 4,7 * 5,6 * 7,5 * 9,2 11,7 11,0 United Kingdom 13,6 * 16,2 20,9 26,1 30,0 28,4 United States 18,2 22,6 28,2 35,1 38,6.. OECD - Total 12,7 * 16,2 * 20,3 * 24,6 * 27,6 *..

5 91/486 BIP pro Kopf: Europa 2003 Produktion und Wachstum

6 92/486 Produktivität und Wachstum Produktion und Wachstum Der Lebensstandard, gemessen am realen BIP pro Kopf der Bevölkerung, ist bestimmt durch die Produktivität. Die Produktivität ist die Menge der pro Arbeitsstunde hergestellten Waren und Dienstleistungen. Unterschiede im Lebensstandard erklären sich somit durch unterschiedliche Produktivität.

7 93/486 Produktion und Wachstum Wachstumsraten und Wirtschaftsentwicklung Relativ geringe Wachstumsraten haben langfristig große Auswirkungen auf den Lebensstandard. Eine Wachstumsrate des Pro-Kopf-BIP von 2% führt zu einer Verdoppelung des Lebensstandards in ca. 35 Jahren.

8 94/486 Produktion und Wachstum Wachstumsraten und Wirtschaftsentwicklung * 2 = (1 + r) n ln[2] = n ln[1 + r] n = ln[2] ln[1 + r] ln[2] 0.7 d ln[1 + r] ln[1 + r] ln[1] + ((1 + r) 1) = 0 + r dr 1 + r r n[2%] = 70 2 = 35 n[7%] 10

9 95/486 Produktion und Wachstum Produktivität: Rolle und Bestimmungsfaktoren Wenn die Produktivität den Lebensstandard bestimmt, was bestimmt die Produktivität? Die Produktivität hängt ab von der Art und Menge der Produktionsfaktoren, welche einem Arbeitnehmer zur Verfügung stehen. Produktionsfaktoren sind Realkapital Humankapital natürliche Ressourcen technologisches Wissen

10 96/486 Produktion und Wachstum Bestimmungsfaktoren der Produktivität Realkapital pro Arbeitskraft Der Bestand an produzierten Produktionsmitteln, die für die Produktion von Waren und Dienstleistungen geschaffen werden. Es ist der Bestand an Sachinvestitionen, die für die Produktion und Verteilung von Gütern und Dienstleistungen verwendet werden, z.b. Maschinen, Fahrzeuge, Gebäude.

11 97/486 Produktion und Wachstum Bestimmungsfaktoren der Produktivität Humankapital pro Arbeitskraft Wissen und Fähigkeiten, welche Arbeitskräfte durch Ausbildung und Berufserfahrung erwerben. Wie das Sachkapital, so erhöht auch das Humankapital die Produktionsmöglichkeiten einer Volkswirtschaft und trägt dadurch zur Produktivität bei.

12 98/486 Produktion und Wachstum Bestimmungsfaktoren der Produktivität Natürliche Ressourcen pro Arbeitskraft Ressourcen, die in der Natur vorhanden sind (Land, Flüsse, Bodenschätze). Dazu gehören regenerierbare Ressourcen (wie Wälder) sowie nicht-regenerierbare (erschöpfbare) Ressourcen (wie Erdöl). Natürliche Ressourcen können für eine hohe Produktivität wichtig sein, sind aber nicht notwendig.

13 99/486 Produktion und Wachstum Bestimmungsfaktoren der Produktivität Natürliche Ressourcen pro Arbeitskraft In der Natur vorhandene Dinge werden jedoch meist durch die Entwicklung neuer Technologien zu Ressourcen, die im Produktionsprozess verwendet werden können (z.b. Aluminium aus Bauxit). Der Bestand an natürlichen Ressourcen ist somit nicht konstant. Steigende Marktpreise (inflationsbereinigt) führen dazu, dass neue Ressourcen wirtschaftlich genutzt werden können (Ölschiefer) und neue Verwendungen gefunden werden (Kunststoffe). Fallende Preise von Ressourcen deuten darauf hin, dass Ressourcen nicht knapper werden.

14 100/486 Produktion und Wachstum Bestimmungsfaktoren der Produktivität Technologisches Wissen Das Wissen der Gesellschaft um die besten Wege zur Herstellung von Waren und Dienstleistungen. Technologisches Wissen betrifft das Verständnis der Gesellschaft, wie die Welt funktioniert. Humankapital bezieht sich auf die Ressourcen, die verwendet werden, dieses Wissen den Arbeitskräften zu vermitteln.

15 101/486 Die Produktionsfunktion Produktion und Wachstum Volkswirte verwenden oftmals eine Produktionsfunktion, um den Zusammenhang zwischen den Mengen der Inputs und der Menge des Outputs darzustellen.

16 102/486 Die Produktionsfunktion Produktion und Wachstum Y = A F [L,K,H,N] Y A L K H N F [ ] Outputmenge Technischer Fortschritt Menge an Arbeit Menge an Realkapital Menge an Humankapital Menge an natürlichen Ressourcen Technologie

17 103/486 Die Produktionsfunktion Produktion und Wachstum Eine Produktionsfunktion hat konstante Skalenerträge, wenn eine Verdoppelung der Inputs zu einer Verdoppelung des Outputs führt, oder, allgemeiner formuliert, wenn für jede positive Zahl x gilt xy = A F [xl, xk, xh, xn].

18 104/486 Die Produktionsfunktion Produktion und Wachstum Eine solche Produktionsfunktion hat eine interessante Eigenschaft. Setzen wir dann gilt wobei: Y /L = y K/L = k H/L = h N/L = n x = 1/L, Y L = A F [1, K L, H L, N L ], Output pro Arbeitskraft Realkapital pro Arbeitskraft Humankapital pro Arbeitskraft natürliche Ressourcen pro Arbeitskraft y = A f [k,h,n]

19 105/486 Produktion und Wachstum Wirtschaftswachstum und staatliche Politik Regierungen haben einen wesentlichen Einfluss auf die gesamtwirtschaftliche Produktivität und auf das Wirtschaftswachstum. Regierungen können die Produktivität und das Wirtschaftswachstum fördern durch: Förderung von Ersparnisbildung und Investitionen, Förderung von Investitionen aus dem Ausland, Förderung von Bildung und Ausbildung, Schaffung sicherer Eigentumsrechte und politischer Stabilität, Förderung von Freihandel, Förderung von Forschung und Entwicklung.

20 106/486 Sparen und Investieren Produktion und Wachstum Durch vermehrte Spar- und Investitionstätigkeit kann die Produktivität in der Zukunft gesteigert werden. Wird heute mehr gespart, werden mehr Kapitalgüter hergestellt. Der zukünftige Kapitalstock wächst und kann zur Produktion einer größeren Menge von Waren und Dienstleistungen genutzt werden.

21 107/486 Produktion und Wachstum Abnehmendes Grenzprodukt und der Catch-up-Effekt Wenn der Kapitalbestand steigt, dann sinkt der Output, der mit einer zusätzlichen Einheit von Kapital gewonnen wird. Diese Eigenschaft der Produktionsfunktion bedeutet, dass das Grenzprodukt des Kapitals sinkt. Das abnehmende Grenzprodukt des Kapitals bedeutet, dass höhere Spar- und Investitionstätigkeit die Wachstumsrate nur vorübergehend steigen lässt. Langfristig steigen durch eine höhere Ersparnis Produktivität und Einkommen, jedoch nicht die Wachstumsrate.

22 108/486 Produktion und Wachstum Abnehmendes Grenzprodukt des Kapitals Y /L Grenzprodukt A K/L

23 109/486 Produktion und Wachstum Abnehmendes Grenzprodukt und der Catch-up-Effekt Aus den abnehmenden Grenzerträgen ergibt sich der Catch-up-Effekt. Bei niedrigem Kapitalbestand pro Arbeitskraft ist die Produktivität des zusätzlich investierten Kapitals relativ hoch. Dies erklärt beispielsweise, warum die Wachstumsrate der USA geringer war als in Südkorea, obwohl die Investitionsquoten in beiden Ländern ungefähr gleich waren.

24 110/486 Produktion und Wachstum Regionales Wirtschaftswachstum in Europa

25 111/486 Produktion und Wachstum Regionales Wirtschaftswachstum in Europa

26 112/486 Auslandsinvestitionen Produktion und Wachstum Regierungen können durch die Förderung von Investitionen aus dem Ausland den Bestand an Realkapital erhöhen. Formen von Investitionen aus dem Ausland: Ausländische Direktinvestition Aufbau neuer Produktionsstätten oder Beteiligung und Übernahme inländischer durch ausländische Unternehmen. Ausländische Portfolioinvestition Investition in Wertpapiere (Aktien, Anleihen).

27 113/486 Ausbildung Produktion und Wachstum Ausbildung ist mindestens genauso wichtig für den langfristigen wirtschaftlichen Erfolg eines Landes wie Investitionen in Realkapital. Es handelt sich um eine Investition, weil Ausbildung für die betreffenden Wirtschaftssubjekte mit Real- und Opportunitätskosten verbunden ist, und die Investition erst anschließend einen Ertrag abwirft. Manche Ökonomen argumentieren, dass Ausbildung wichtige positive Externalitäten verursacht (z.b. durch Innovationen, welche durch Ausbildung ermöglicht werden).

28 114/486 Gesundheit und Ernährung Produktion und Wachstum Da gesündere Arbeitskräfte produktiver sind, kann eine Volkswirtschaft über die richtigen Investitionen in die Gesundheit der Bevölkerung zu einer höheren Produktivität gelangen. In armen Ländern kann ein Teufelskreis entstehen: Die Länder sind arm, weil die Bevölkerung einen schlechten Gesundheitszustand aufweist. Deswegen bleibt die Produktivität niedrig und die Länder bleiben arm.

29 115/486 Produktion und Wachstum Eigentumsrechte und politische Stabilität In manchen Ländern besteht die Gefahr von willkürlichen Enteignungen, und es ist nur schwer möglich, die Einhaltung von Verträgen gerichtlich durchzusetzen. Dies verringert die Investitionstätigkeit und führt zu Kapitalflucht. Politische Instabilität stellt eine Bedrohung für Eigentumsrechte dar.

30 116/486 Freihandel Produktion und Wachstum Inward-looking-development : Abschottung vom Welthandel durch Importsubstitution. Outward-looking-development : Integration in den Welthandel. Die meisten Ökonomen sind der Ansicht, dass eine Integration in den Welthandel bessere Entwicklungsmöglichkeiten bietet.

31 117/486 Bevölkerungswachstum Produktion und Wachstum Bevölkerungswachstum könnte dazu führen, dass natürliche Ressourcen überbeansprucht werden (Thomas Robert Malthus, ), der Kapitalbestand pro Kopf der Bevölkerung sinkt, der technische Fortschritt gefördert wird.

32 118/486 Zusammenfassung Produktion und Wachstum Der wirtschaftliche Wohlstand hängt von der Produktivität ab. Die Produktivität hängt von der Menge des Realkapitals, des Humankapitals, natürlicher Ressourcen und dem technischen Wissen ab, das den Arbeitskräften zu Verfügung steht. Staatliche Maßnahmen können die Wachstumsrate der Volkswirtschaft auf vielerlei Weise beeinflussen. Die Akkumulation von Kapital ist mit abnehmender Grenzproduktivität verbunden. Abnehmende Grenzproduktivität bedeutet, dass eine höhere Ersparnis vorübergehend die Wachstumsrate erhöht, zu mehr Wachstum führt, aber dass sich die Wachstumsrate längerfristig wieder verlangsamt. Abnehmende Grenzerträge führen auch dazu, dass die Kapitalerträge in armen Ländern besonders hoch sind.

33 119/486 Stichwörter Produktion und Wachstum Produktivität Realkapital Humankapital Natürliche Ressourcen Technologisches Wissen Abnehmende Grenzproduktivität Aufholeffekt, Catch-up-Effekt Ausländische Direktinvestition Ausländische Portfolioinvestition

34 Wiederholungsfragen Produktion und Wachstum 1 Welche zwei Dinge werden durch das BIP gemessen? Was sagt uns diese doppelte Bedeutung über die Bestimmungsfaktoren des Lebensstandards einer Gesellschaft? 2 Nennen und beschreiben Sie die vier Bestimmungsfaktoren der Produktivität. 3 Inwiefern stellt ein Universitätsabschluss eine Form von Kapital dar? 4 Erklären Sie, wie höhere Ersparnisse zu einem höheren Lebensstandard führen. Was könnte einen Politiker von dem Versuch abhalten, die Sparquote zu erhöhen? 5 Führt eine höhere Sparquote vorübergehend oder dauerhaft zu einem höheren Wachstum? 6 Warum würde der Abbau einer Handelsschranke, wie z. B. eines Zolls, zu einem schnelleren Wirtschaftswachstum führen? 7 Wie beeinflusst die Rate des Bevölkerungswachstums die Höhe des BIP pro Kopf? 120/486

35 121/486 Aufgaben und Anwendungen Produktion und Wachstum 1 Die meisten Länder importieren beträchtliche Mengen von Waren und Dienstleistungen aus anderen Ländern. In diesem Kapitel wurde jedoch gesagt, dass ein Land nur dann einen höheren Lebensstandard erreichen kann, wenn es selbst eine große Menge an Waren und Dienstleistungen herstellen kann. Können Sie diese beiden Aussagen miteinander in Einklang bringen? 2 Nennen Sie die Kapitalinputs, die für die Herstellung jedes der nachfolgenden Güter notwendig sind: a) Autos b) Universitätsausbildung c) Flugreise d) Obst und Gemüse

36 122/486 Aufgaben und Anwendungen Produktion und Wachstum 3 Das Durchschnittseinkommen in Deutschland beträgt heute etwa das Fünfzehnfache des entsprechenden Werts vor 130 Jahren. Für viele andere Länder ist ebenfalls ein beträchtliches Wachstum im Laufe dieser Periode festzustellen. In welcher Weise unterscheidet sich Ihr Lebensstandard von dem Ihrer Urgroßeltern? 4 In diesem Kapitel wurde dargelegt, dass in der Landwirtschaft die Beschäftigung relativ zum Output abgenommen hat. Können Sie sich einen anderen Bereich der Volkswirtschaft vorstellen, in dem dasselbe Phänomen kürzlich eingetreten ist? Würden Sie die Veränderung der Beschäftigung in diesem Bereich als Zeichen für einen Erfolg oder für einen Misserfolg vom Standpunkt der Gesellschaft als Ganzes betrachten?

37 123/486 Aufgaben und Anwendungen Produktion und Wachstum 5 Nehmen Sie an, dass die Gesellschaft entschieden hat, den Konsum zu verringern und die Investitionen zu erhöhen. a) Wie würde sich diese Veränderung auf das Wirtschaftswachstum auswirken? b) Welche Gruppen in der Gesellschaft würden von dieser Veränderung profitieren? Welche Gruppen würden Nachteile erleiden?

38 124/486 Aufgaben und Anwendungen Produktion und Wachstum 6 Gesellschaften entscheiden, welcher Teil ihrer Ressourcen für Konsum und welcher Teil für Investitionen aufgewendet wird. Einige dieser Entscheidungen betreffen die privaten Ausgaben; andere betreffen die Ausgaben des Staats. a) Beschreiben Sie einige Formen von privaten Ausgaben, die Konsum darstellen, und einige Formen, die Investitionen darstellen. b) Beschreiben Sie einige Formen von Ausgaben des Staats, die Konsum darstellen, und einige Formen, die Investitionen darstellen.

39 125/486 Aufgaben und Anwendungen Produktion und Wachstum 7 Worin bestehen die Opportunitätskosten einer Investition in Realkapital? Denken Sie, dass ein Land in Realkapital überinvestieren kann? Worin bestehen die Opportunitätskosten einer Investition in Humankapital? Denken Sie, dass ein Land in Humankapital überinvestieren kann? Begründen Sie Ihre Antwort. 8 Stellen Sie sich vor, ein Automobilhersteller, der vollständig im Besitz deutscher Staatsbürger ist, eröffnet eine neue Fabrikanlage in South Carolina. a) Um welche Art von Auslandsinvestitionen handelt es sich hierbei? b) Wie würde sich diese Investition auf das BIP der Vereinigten Staaten auswirken? Wäre die Auswirkung auf das BSP höher oder geringer?

40 126/486 Aufgaben und Anwendungen Produktion und Wachstum 9 In den 1980er-Jahren haben japanische Investoren beträchtliche Direkt- und Portfolioinvestitionen in den Vereinigten Staaten getätigt. Damals waren viele Amerikaner unglücklich über diese Investitionen. a) In welcher Hinsicht war es für die Vereinigten Staaten von Vorteil, dass diese japanischen Investitionen vorgenommen wurden? b) In welcher Hinsicht wäre es aber besser gewesen, die Amerikaner hätten diese Investitionen selbst getätigt?

41 127/486 Aufgaben und Anwendungen Produktion und Wachstum 10 In den Ländern Südasiens kamen 1992 in höheren Schulen auf 100 junge Männer lediglich 56 junge Frauen. Beschreiben Sie verschiedene Wege, auf denen eine Verbesserung der Ausbildungsmöglichkeiten für junge Frauen zu einem höheren Wirtschaftswachstum in diesen Ländern führen könnte. 11 Internationale Daten zeigen einen positiven Zusammenhang zwischen politischer Stabilität und Wirtschaftswachstum. a) Inwiefern könnte politische Stabilität zu einem hohen Wirtschaftswachstum führen? b) Inwiefern könnte ein hohes Wirtschaftswachstum zu politischer Stabilität führen?

42 Die langfristige realökonomische Entwicklung Produktion und Wachstum Sparen, investieren und das Finanzsystem Welches sind die wichtigsten Finanzinstitutionen? Was ist deren Bezug zur Spar- und Investitionstätigkeit? Wie funktionieren Kreditmärkte? Wie beeinflussen staatliche Maßnahmen Kreditmärkte, Sparund Investitionstätigkeit? Grundlagen der Finanzierung Die natürliche Arbeitslosenquote

43 129/486 Das Finanzsystem Sparen, investieren und das Finanzsystem Das Finanzsystem besteht aus Institutionen, welche Ersparnisse von Sparern zu Schuldnern kanalisieren. Dazu gehören Finanzmärkte (Aktienmarkt, Anleihemarkt) und Finanzintermediäre. Finanzmärkte sind Institutionen, wo Sparer und Kreditnehmer direkt aufeinandertreffen. Finanzintermediäre vermitteln zwischen Sparern und Kreditnehmern.

44 130/486 Finanzmärkte Sparen, investieren und das Finanzsystem Der Anleihemarkt (Rentenmarkt) Eine Anleihe ist eine Schuldverschreibung ( IOU = I owe you ), mit der ein Schuldner (Emittent) verspricht: 1 eine bestimmte Summe Geld zu einem bestimmten Zeitpunkt (Fälligkeit) zu zahlen; 2 während der Laufzeit der Anleihe einen bestimmte Zinszahlungen zu leisten zu entrichten. Es gab/gibt allerdings Anleihen, die nur eine dieser Eigenschaften haben. Zugang zu dieser Art der Finanzierung haben i.d.r. öffentliche Haushalte und große Unternehmen. Die Anleihen werden während ihrer Laufzeit am Anleihemarkt gehandelt (zu flexiblen Preisen).

45 131/486 Finanzmärkte Sparen, investieren und das Finanzsystem Der Aktienmarkt Eine Aktie ist ein Eigentumsanteil an einem Unternehmen. Die Ausgabe von Aktien wird Eigenkapitalfinanzierung genannt (im Gegensatz dazu ist eine Anleiheemission eine Fremdkapitalfinanzierung). Der Preis der Aktien (Kurse) ergibt sich durch den Handel an Aktienbörsen und wird beispielsweise von Gewinnerwartungen beeinflusst.

46 132/486 Finanzintermediäre Sparen, investieren und das Finanzsystem Die wichtigsten Finanzintermediäre sind Banken. Sie nehmen Einlagen von Sparern an und vergeben die Einlagen als Kredite. Sie zahlen Zinsen auf Einlagen und erhalten etwas höhere Zinsen auf Kredite. Die Differenz zwischen diesen Zinssätzen deckt die Kosten der Banken und erbringt die Gewinne. Neben diesen Funktionen ermöglichen die Banken auch den bargeldlosen Zahlungsverkehr dazu mehr später.

47 133/486 Finanzintermediäre Sparen, investieren und das Finanzsystem Andere Finanzintermediäre sind Pensionsfonds Versicherungen Investmentgesellschaften Investmentfonds

48 134/486 Sparen, investieren und das Finanzsystem Sparen und Investieren: Wichtige Identitäten Wir wissen, dass das BIP sowohl das gesamtwirtschaftliche Einkommen als auch die gesamten Ausgaben der Volkswirtschaft misst: Y = C + I + G + NX. Nehmen wir den Fall einer geschlossenen Volkswirtschaft - wo also kein zwischenstaatlicher Handel stattfindet. Dann gilt: Y = C + I + G Y C G = I Ersparnis = Investitionen S = I

49 135/486 Sparen, investieren und das Finanzsystem Sparen und Investieren: Wichtige Identitäten Die Ersparnis lässt sich auch schreiben als S = I S = Y C G Mit T werden die Steuern (Taxes) bezeichnet Dann ist S = (Y T C) + (T G). die private Ersparnis Y T C und die öffentliche Ersparnis T G. T G ist der Budgetüberschuss (T G > 0) oder das Budgetdefizit (T G < 0).

50 136/486 Sparen, investieren und das Finanzsystem Die Bedeutung von Ersparnis und Investitionen S = I Investitionen (Sachinvestitionen) werden durch Ersparnisse finanziert. Für die Volkswirtschaft als Ganze müssen deshalb Ersparnisse und Investitionen übereinstimmen.

51 137/486 Der Kredit-/Kapitalmarkt Sparen, investieren und das Finanzsystem Es gibt in dieser einfachen Analyse nur einen Finanzmarkt: den Kreditmarkt (Kapitalmarkt) (market for loanable funds). Alle Sparer legen auf diesem Markt ihre Ersparnisse an (Angebot an Krediten). Alle Schuldner erhalten auf diesem Markt ihre Kredite (Nachfrage der Investoren nach Krediten). Der reale Zinssatz ist der Preis für Kredite.

52 Der Kredit-/Kapitalmarkt Gleichgewicht Zinssatz (in %) Sparen, investieren und das Finanzsystem A (S) 5 N (I ) Kreditvolumen (in Mrd. EUR) 138/486

53 139/486 Sparen, investieren und das Finanzsystem Einflüsse staatlicher Maßnahmen auf Spar- und Investitionstätigkeit Im Folgenden werden drei Maßnahmen analysiert, welche die Spar- und Investitionstätigkeit beeinflussen: a) Steuern und Ersparnis b) Steuern und Investitionen c) staatliche Budgetdefizite

54 140/486 Politik 1: Steuern und Ersparnis Sparen, investieren und das Finanzsystem Steuern auf Zinsen verringern die zukünftigen Erträge von Ersparnissen und damit den Anreiz zum Sparen. Damit können weniger Investitionen finanziert werden. Dies wiederum hat Rückwirkungen auf Produktivität und Lebensstandard. Umgekehrt: Eine Verringerung der Steuern auf Zinserträge erhöht die Spar- und Investitionstätigkeit.

55 141/486 Politik 1: Steuern und Ersparnis Sparen, investieren und das Finanzsystem Wenn die Steuergesetzgebung Ersparnisbildung fördert, werden in der Folge Zinsen tendenziell fallen und Investitionen tendenziell zunehmen.

56 Sparen, investieren und das Finanzsystem Der Kredit-/Kapitalmarkt Ein Anstieg des Angebots an Kreditmitteln um 600 Mrd. EUR Zinssatz (in %) A 5 N Kreditvolumen (in Mrd. EUR) 142/486

57 Sparen, investieren und das Finanzsystem Der Kredit-/Kapitalmarkt Ein Anstieg des Angebots an Kreditmitteln um 600 Mrd. EUR Zinssatz (in %) A A N Kreditvolumen (in Mrd. EUR) 142/486

58 Sparen, investieren und das Finanzsystem Der Kredit-/Kapitalmarkt Ein Anstieg des Angebots an Kreditmitteln um 600 Mrd. EUR Zinssatz (in %) A A N Kreditvolumen (in Mrd. EUR) 142/486

59 143/486 Politik 2: Steuern und Investitionen Sparen, investieren und das Finanzsystem Investitionssteuerfreibeträge erhöhen die Nachfrage nach Krediten, verschieben die Nachfragekurve nach rechts, erhöhen die Zinsen und die Spartätigkeit.

60 Sparen, investieren und das Finanzsystem Der Kredit-/Kapitalmarkt Ein Anstieg der Nachfrage nach Krediten um 600 Mrd. EUR Zinssatz (in %) A 5 N Kreditvolumen (in Mrd. EUR) 144/486

61 Sparen, investieren und das Finanzsystem Der Kredit-/Kapitalmarkt Ein Anstieg der Nachfrage nach Krediten um 600 Mrd. EUR Zinssatz (in %) A N N Kreditvolumen (in Mrd. EUR) 144/486

62 Sparen, investieren und das Finanzsystem Der Kredit-/Kapitalmarkt Ein Anstieg der Nachfrage nach Krediten um 600 Mrd. EUR Zinssatz (in %) A N N Kreditvolumen (in Mrd. EUR) 144/486

63 145/486 Sparen, investieren und das Finanzsystem Politik 3: Staatliche Budgetdefizite und -überschüsse Wenn die Regierung ihr Haushaltsdefizit über Kredite finanziert, stehen weniger Mittel für private Investitionen zur Verfügung. Der Rückgang der Investitionen wird als Crowding-out (Verdrängungseffekt) bezeichnet. Das staatliche Haushaltsdefizit hat private Investitionen verdrängt.

64 146/486 Sparen, investieren und das Finanzsystem Politik 3: Staatliche Budgetdefizite und -überschüsse Das Budgetdefizit erhöht die Nachfrage nach Krediten. Dadurch verschiebt sich die Angebotskurve nach links, die Marktzinsen steigen und, das Kreditvolumen steigt. Der Verdrängungseffekt wird allerdings deutlicher, wenn man das Budgetdefizit interpretiert als Verringerung des Angebots an Krediten, welche dem Privatsektor zur Verfügung stehen. Dadurch verschiebt sich die Angebotskurve für private Kredite nach links, die Marktzinsen steigen und das Volumen privater Kredite sinkt.

65 Sparen, investieren und das Finanzsystem Der Kredit-/Kapitalmarkt Die Wirkung eines staatlichen Budgetdefizits von 600 Mrd. EUR Zinssatz (in %) A 5 N Kreditvolumen (in Mrd. EUR) 147/486

66 Sparen, investieren und das Finanzsystem Der Kredit-/Kapitalmarkt Die Wirkung eines staatlichen Budgetdefizits von 600 Mrd. EUR Zinssatz (in %) A N N Kreditvolumen (in Mrd. EUR) 147/486

67 Sparen, investieren und das Finanzsystem Der Kredit-/Kapitalmarkt Die Wirkung eines staatlichen Budgetdefizits von 600 Mrd. EUR Zinssatz (in %) A A N Kreditvolumen (in Mrd. EUR) 147/486

68 Sparen, investieren und das Finanzsystem Der Kredit-/Kapitalmarkt Die Wirkung eines staatlichen Budgetdefizits von 600 Mrd. EUR Zinssatz (in %) A A 6 5 N N Kreditvolumen (in Mrd. EUR) 147/486

69 148/486 Sparen, investieren und das Finanzsystem Politik 3: Staatliche Budgetdefizite und -überschüsse Ein Budgetüberschuss erhöht das Angebot an Kreditmitteln, verringert den Zinssatz und erhöht die Investitionen. Ein Budgetdefizit senkt das Angebot an Kreditmitteln, erhöht den Zinssatz und senkt die Investitionen.

70 149/486 Sparen, investieren und das Finanzsystem Budgetdefizite und öffentliche Verschuldung Budgetdefizite erhöhen die Staatsverschuldung. Seit den 1970er-Jahren ist die Staatsverschuldung in Deutschland sowohl absolut als auch in Prozent des BIP rapide angestiegen. Die Wiedervereinigung hat dazu stark beigetragen.

71 150/486 Staatsverschuldung in Deutschland Sparen, investieren und das Finanzsystem

72 151/486 Zusammenfassung Sparen, investieren und das Finanzsystem Das Finanzsystem einer Volkswirtschaft besteht aus vielen unterschiedlichen Finanzinstitutionen wie dem Anleihemarkt, dem Aktienmarkt, Banken und Investmentgesellschaften. Alle diese Institutionen sind dazu da, Ressourcen von Haushalten, die einen Teil ihres Einkommens sparen wollen, in die Hände von Haushalten und Unternehmungen zu lenken, die investieren möchten. Die Identitäten in der nationalen Einkommensrechnung zeigen einige wichtige Beziehungen zwischen makroökonomischen Variablen auf. Insbesondere gilt für eine geschlossene Volkswirtschaft, dass die Ersparnis den Investitionen entsprechen muss. Finanzinstitutionen sind diejenigen Mechanismen, durch die ein Ausgleich zwischen der Ersparnis einer Person und den Investitionen einer anderen Person hergestellt wird.

73 152/486 Zusammenfassung Sparen, investieren und das Finanzsystem Der Zinssatz wird durch das Angebot an und die Nachfrage nach Finanzmitteln bestimmt. Das Angebot an finanziellen Mitteln stammt von Haushalten, die einen Teil ihres Einkommens sparen und verleihen wollen. Die Nachfrage nach finanziellen Mitteln stammt von Haushalten und Unternehmungen, die Geld für Investitionszwecke benötigen. Um zu untersuchen, wie eine wirtschaftspolitische Maßnahme oder ein sonstiges Ereignis auf den Zinssatz wirkt, muss man sich überlegen, wie dadurch das Angebot an und die Nachfrage nach Finanzmitteln beeinflusst werden.

74 153/486 Zusammenfassung Sparen, investieren und das Finanzsystem Die gesamtwirtschaftliche Ersparnis setzt sich aus privater Ersparnis und staatlicher Ersparnis zusammen. Ein staatliches Budgetdefizit bedeutet eine negative staatliche Ersparnis und vermindert damit die gesamtwirtschaftliche Ersparnis und das Angebot an finanziellen Mitteln, welches zur Investitionsfinanzierung zur Verfügung steht. Verdrängt ein staatliches Budgetdefizit private Investitionen, so wird damit das Wachstum der Produktivität und des BIP verringert.

75 154/486 Stichwörter Sparen, investieren und das Finanzsystem Finanzsystem Finanzmärkte Anleihe/Rentenpapier Aktie Finanzintermediäre Investmentgesellschaft gesamtwirtschaftliche Ersparnis private Ersparnis staatliche Ersparnis Budgetüberschuss Budgetdefizit Markt für ausleihbare Mittel/ Kreditmarkt Crowding-out

76 Wiederholungsfragen Sparen, investieren und das Finanzsystem 1 Welches ist die Aufgabe des Finanzsystems? Bezeichnen und beschreiben Sie zwei Märkte, die Teile des Finanzsystems einer Volkswirtschaft darstellen. Benennen und beschreiben Sie zwei Finanzintermediäre. 2 Was ist die gesamtwirtschaftliche Ersparnis? Was ist die private Ersparnis? Was ist die staatliche Ersparnis? Wie sind diese drei Variablen verbunden? 3 Was sind Investitionen? In welchem Zusammenhang stehen diese zur gesamtwirtschaftlichen Ersparnis? 4 Beschreiben Sie eine Änderung in der Steuergesetzgebung, die dazu führt, dass die private Ersparnis ansteigt. Wenn diese Maßnahme durchgeführt würde, wie würde dies den Kreditmarkt beeinflussen? 5 Was ist ein staatliches Budgetdefizit? Welche Wirkung übt ein solches auf Zinssätze, Investitionen und Wirtschaftswachstum aus? 155/486

77 Aufgaben und Anwendungen Sparen, investieren und das Finanzsystem 1 Von welcher der beiden jeweils angebotenen Anleihen würden Sie eine höhere Verzinsung erwarten? Erläutern Sie ihre Antwort. a) eine deutsche Staatsanleihe oder eine Anleihe eines osteuropäischen Landes, b) eine Anleihe, die im Jahr 2009 fällig wird, oder eine Anleihe, die im Jahr 2029 fällig wird, c) eine Coca-Cola-Anleihe oder eine Anleihe einer Software-Unternehmung, die Sie in ihrer Garage betreiben. 2 Nehmen Sie an, das BIP beträgt 5 Bio. EUR, die Steuereinnahmen belaufen sich auf 1,5 Bio. EUR, die private Ersparnis ist 0,5 Bio. EUR und die öffentliche Ersparnis ist 0,2 Bio. EUR. Berechnen Sie unter der Annahme einer geschlossenen Volkswirtschaft die Höhe der Konsumausgaben, die Höhe der Staatsausgaben, die Höhe der gesamtwirtschaftlichen Ersparnis sowie die Höhe der Investitionen. 156/486

78 157/486 Aufgaben und Anwendungen Sparen, investieren und das Finanzsystem 3 Theodore Roosevelt äußerte einmal: Es gibt keinen moralischen Unterschied zwischen Kartenspielen, Lotterien, Pferdewetten und Börsenspekulationen. Welcher soziale Zweck ist Ihrer Meinung nach mit dem Aktienmarkt verbunden? 4 Ein Rückgang der Börsenkurse wird manchmal als Vorbote eines zukünftigen Rückgangs des realen BIP gesehen. Warum könnte dies stimmen? 5 In diesem Kapitel wurde erklärt, dass Investmentgesellschaften es Anlegern mit wenig Geld ermöglichen, ein breit gestreutes Portfolio an Aktien und Anleihen zu erwerben. Worin liegt der Vorteil des Erwerbs eines Portfolios im Gegensatz zum Kauf von Aktien oder Anleihen einer einzigen Unternehmung?

79 Aufgaben und Anwendungen Sparen, investieren und das Finanzsystem 6 Zumindest in den Vereinigten Staaten besitzen viele Arbeiter und Angestellte Aktien der Unternehmung, bei der sie beschäftigt sind. Haben Sie eine Vermutung, warum Unternehmungen ein solches Verhalten fördern mögen? Unter welchen Umständen ist es denkbar, dass eine Person gerade keine Aktien der Unternehmung, bei der sie beschäftigt ist, halten möchte? 7 Erklären Sie den Unterschied zwischen Sparen und Investieren, wie er von Makroökonomen definiert wird. Welche der folgenden Situationen stellen Investitionen dar? Welche Ersparnis? Erläutern Sie. a) Ihre Familie nimmt eine Hypothek auf und kauft ein neues Haus. b) Sie verwenden 200 EUR Ihres Gehalts für den Kauf von Telekom-Aktien. c) Ihre Mitbewohnerin verdient 100 EUR und zahlt diese auf ihr Sparkonto bei der Bank ein. d) Sie leihen sich EUR von der Bank, um ein Auto für den von Ihnen betriebenen Pizzaservice zu kaufen. 158/486

80 159/486 Aufgaben und Anwendungen Sparen, investieren und das Finanzsystem 8 Nehmen Sie an, die BASF wolle eine neue Raffinerieanlage errichten. a) Wenn wir annehmen, dass die BASF auf eine Mittelaufnahme am Anleihemarkt angewiesen ist, warum würde dann ein Anstieg der Zinsen die Entscheidung der BASF, ob sie die Raffinerie bauen soll oder nicht, beeinflussen? b) Hätte die BASF genug interne Mittel, um die neue Anlage ohne externe Finanzierung zu bauen, würde dann ein Zinsanstieg immer noch die Entscheidung über den Bau der Anlage beeinflussen? Erklären Sie. 9 Nehmen Sie an, der Staat benötige am Kapitalmarkt nächstes Jahr 20 Mrd. EUR mehr als dieses Jahr. a) Verwenden Sie ein Angebots-Nachfrage-Schema, um diese Maßnahme zu untersuchen. Fällt oder steigt der Zinssatz?

81 160/486 Aufgaben und Anwendungen Sparen, investieren und das Finanzsystem 9 b) Was passiert mit den Investitionen? Was mit der privaten Ersparnis? Was mit der staatlichen Ersparnis? Was mit der gesamtwirtschaftlichen Ersparnis? Vergleichen Sie die Höhe der Änderungen mit den 20 Mrd. EUR an zusätzlicher staatlicher Kreditaufnahme. c) Wie wird die (Zins-)Elastizität des Kreditangebots die Größenordnungen dieser Änderungen beeinflussen? (Hinweis: Schlagen Sie in Kapitel 5 für eine Wiederholung der Definition von Elastizitäten nach.) d) Wie wird die Elastizität der Kreditnachfrage die Größenordnungen dieser Änderungen beeinflussen? e) Nehmen Sie an, die Haushalte glauben, dass die höhere staatliche Kreditaufnahme heute höhere Steuern in Zukunft beinhaltet, um die Staatsschuld abzutragen. Was würde dies für die private Ersparnis und das Kreditangebot heute bedeuten? Werden dadurch die Effekte, die Sie in den Abschnitten a) und b) untersucht haben, verstärkt oder gemindert?

82 161/486 Aufgaben und Anwendungen Sparen, investieren und das Finanzsystem 10 Im Laufe der letzten Jahre hat es die neue Informationstechnologie vielen Unternehmungen ermöglicht, die Lagerbestände, die diese pro Euro an Verkäufen halten, erheblich zu reduzieren. Verdeutlichen Sie die Auswirkungen dieser Veränderung auf den Kreditmarkt. (Hinweis: Ausgaben für Lagerhaltung sind eine Art von Investitionen.) Welches werden Ihrer Meinung nach die Auswirkungen auf Bau- und Ausrüstungsinvestitionen gewesen sein? 11 Einige Ökonomen sorgen sich darum, dass die alternden Bevölkerungen der Industrieländer gerade dann damit beginnen, ihre Ersparnisse abzuschmelzen, wenn der Investitionshunger der Entwicklungsländer anwächst. (Economist, ) Verdeutlichen Sie die Auswirkungen des geschilderten Phänomens anhand des Weltkreditmarkts.

83 162/486 Aufgaben und Anwendungen Sparen, investieren und das Finanzsystem 12 In diesem Kapitel wurde gesagt, dass Investitionen sowohl durch eine Verringerung der privaten Steuerlast als auch durch eine Zurückführung des staatlichen Budgetdefizits erhöht werden können. a) Warum wird es schwierig sein, beide Maßnahmen zu gleicher Zeit durchzuführen? b) Was müssten Sie über die private Ersparnis wissen, um beurteilen zu können, welche der beiden Maßnahmen die effektivere wäre, um die Investitionstätigkeit zu erhöhen?

84 Die langfristige realökonomische Entwicklung Produktion und Wachstum Sparen, investieren und das Finanzsystem Grundlagen der Finanzierung Wie wird der Wert von Geldbeträgen verglichen, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten anfallen? Wie kann man Risiken verringern? Was bestimmt den Wert von Vermögensanlagen (z.b. Aktien)? Die natürliche Arbeitslosenquote

85 164/486 Finanzierung (Finance) Grundlagen der Finanzierung Das Fachgebiet Finanzierung (Finance) untersucht, wie Personen ihre finanziellen Ressourcen im Zeitablauf einsetzen und Risiken abwägen.

86 165/486 Der Barwert (Gegenwartswert) Ein Maß für den Zeitwert des Geldes Grundlagen der Finanzierung Der Barwert ist der heutige Geldbetrag, der einen bestimmten zukünftigen Geldbetrag generiert bei gegebenem Zinssatz. Das Konzept des Barwerts demonstriert: Ein Geldbetrag, den wir heute erhalten, ist mehr wert als ein gleich großer Geldbetrag, den wir in der Zukunft erhalten. Wenn wir Geldwerte vergleichen, die zu verschiedenen Zeitpunkten fällig werden, vergleichen wir den Barwert. Unternehmen investieren dann, wenn der Barwert eines Projekts über dessen Kosten liegt.

87 Grundlagen der Finanzierung 166/486 Berechnung des Barwerts Beispiel Sie legen 100 EUR auf einem Sparbuch an. Die Zinssatz ist r = 5%. Aus den 100 EUR werden: nach 1 Jahr: ZW 1 = nach 2 Jahren: ZW 2 = = nach 3 Jahren: ZW 3 = nach n Jahren: ZW n = Endwert (ZW ) = Barwert = Endwert nach 10 Jahren = Barwert dieses Endwerts =

88 Grundlagen der Finanzierung 166/486 Berechnung des Barwerts Beispiel Sie legen 100 EUR auf einem Sparbuch an. Die Zinssatz ist r = 5%. Aus den 100 EUR werden: nach 1 Jahr: ZW 1 = r 100 = 100(1 + r) nach 2 Jahren: ZW 2 = = nach 3 Jahren: ZW 3 = nach n Jahren: ZW n = Endwert (ZW ) = Barwert = Endwert nach 10 Jahren = Barwert dieses Endwerts =

89 Grundlagen der Finanzierung 166/486 Berechnung des Barwerts Beispiel Sie legen 100 EUR auf einem Sparbuch an. Die Zinssatz ist r = 5%. Aus den 100 EUR werden: nach 1 Jahr: ZW 1 = r 100 = 100(1 + r) nach 2 Jahren: ZW 2 = ZW 1 (1 + r) = nach 3 Jahren: ZW 3 = nach n Jahren: ZW n = Endwert (ZW ) = Barwert = Endwert nach 10 Jahren = Barwert dieses Endwerts =

90 Grundlagen der Finanzierung 166/486 Berechnung des Barwerts Beispiel Sie legen 100 EUR auf einem Sparbuch an. Die Zinssatz ist r = 5%. Aus den 100 EUR werden: nach 1 Jahr: ZW 1 = r 100 = 100(1 + r) nach 2 Jahren: ZW 2 = ZW 1 (1 + r) nach 3 Jahren: ZW 3 = nach n Jahren: ZW n = Endwert (ZW ) = Barwert = Endwert nach 10 Jahren = Barwert dieses Endwerts = = 100(1 + r)(1 + r) = 100(1 + r) 2

91 Grundlagen der Finanzierung 166/486 Berechnung des Barwerts Beispiel Sie legen 100 EUR auf einem Sparbuch an. Die Zinssatz ist r = 5%. Aus den 100 EUR werden: nach 1 Jahr: ZW 1 = r 100 = 100(1 + r) nach 2 Jahren: ZW 2 = ZW 1 (1 + r) nach 3 Jahren: ZW 3 = 100(1 + r) 3 nach n Jahren: ZW n = 100(1 + r) n Endwert (ZW ) = Barwert = Endwert nach 10 Jahren = Barwert dieses Endwerts = = 100(1 + r)(1 + r) = 100(1 + r) 2

92 Grundlagen der Finanzierung 166/486 Berechnung des Barwerts Beispiel Sie legen 100 EUR auf einem Sparbuch an. Die Zinssatz ist r = 5%. Aus den 100 EUR werden: nach 1 Jahr: ZW 1 = r 100 = 100(1 + r) nach 2 Jahren: ZW 2 = ZW 1 (1 + r) nach 3 Jahren: ZW 3 = 100(1 + r) 3 nach n Jahren: ZW n = 100(1 + r) n = 100(1 + r)(1 + r) = 100(1 + r) 2 Endwert (ZW ) = Barwert (1 + r) n Barwert = Endwert nach 10 Jahren = Barwert dieses Endwerts =

93 Grundlagen der Finanzierung 166/486 Berechnung des Barwerts Beispiel Sie legen 100 EUR auf einem Sparbuch an. Die Zinssatz ist r = 5%. Aus den 100 EUR werden: nach 1 Jahr: ZW 1 = r 100 = 100(1 + r) nach 2 Jahren: ZW 2 = ZW 1 (1 + r) nach 3 Jahren: ZW 3 = 100(1 + r) 3 nach n Jahren: ZW n = 100(1 + r) n = 100(1 + r)(1 + r) = 100(1 + r) 2 Endwert (ZW ) = Barwert (1 + r) n Endwert nach 10 Jahren = Barwert dieses Endwerts = Barwert = Endwert/(1 + r) n

94 Grundlagen der Finanzierung 166/486 Berechnung des Barwerts Beispiel Sie legen 100 EUR auf einem Sparbuch an. Die Zinssatz ist r = 5%. Aus den 100 EUR werden: nach 1 Jahr: ZW 1 = r 100 = 100(1 + r) nach 2 Jahren: ZW 2 = ZW 1 (1 + r) nach 3 Jahren: ZW 3 = 100(1 + r) 3 nach n Jahren: ZW n = 100(1 + r) n = 100(1 + r)(1 + r) = 100(1 + r) 2 Endwert (ZW ) = Barwert (1 + r) n Barwert = Endwert/(1 + r) n Endwert nach 10 Jahren = (1,05) = 163 Barwert dieses Endwerts =

95 Grundlagen der Finanzierung 166/486 Berechnung des Barwerts Beispiel Sie legen 100 EUR auf einem Sparbuch an. Die Zinssatz ist r = 5%. Aus den 100 EUR werden: nach 1 Jahr: ZW 1 = r 100 = 100(1 + r) nach 2 Jahren: ZW 2 = ZW 1 (1 + r) nach 3 Jahren: ZW 3 = 100(1 + r) 3 nach n Jahren: ZW n = 100(1 + r) n = 100(1 + r)(1 + r) = 100(1 + r) 2 Endwert (ZW ) = Barwert (1 + r) n Barwert = Endwert/(1 + r) n Endwert nach 10 Jahren = (1,05) = 163 Barwert dieses Endwerts = 163/(1,05) 10 = 100

96 167/486 Fallstudie: Die Siebziger-Regel Grundlagen der Finanzierung Wenn eine Variable pro Jahr um x% wächst, dann wird sich diese Variable nach 70/x Jahren verdoppeln. Wenn die Wachstumsrate in jedem Moment r% ist, dann verdoppelt sich die Variable in ln[2]/r 0,69/r Jahren. Wenn r die jährliche Wachstumsrate ist, gilt die Siebziger-Regel als Approximation für kleine Zinssätze: (1 + 0,02) 0,7/0.02 1,9999, (1 + 0,1) 0,7/0.1 1,95. Bei 2% Wachstum ist also die Verdoppelungszeit etwa 35 Jahre, bei 7% Wachstum 10 Jahre.

97 168/486 Der Umgang mit Risiko Grundlagen der Finanzierung Eine Person ist risikoscheu ( risk averse ), wenn sie Unsicherheit zu vermeiden sucht. Eine solche Person wird die Sicherheit nichts zu gewinnen und nichts zu verlieren einem Lotterielos gegenüber vorziehen, das mit Wahrscheinlichkeit 1/2 x EUR Gewinn oder x EUR Verlust bringt. Mit Risikoaversion lassen sich viele Dinge in der Volkswirtschaft erklären. (Lottospielen gehört nicht dazu.) Individuen können Risiken verringern, indem sie Versicherungen abschließen, Anlagen diversifizieren, auf ihre Investitionen geringere Renditen akzeptieren.

98 169/486 Grundlagen der Finanzierung Abnehmender Grenznutzen des Geldes Nutzen (u) u 0 v 0 Vermögen (v)

99 169/486 Grundlagen der Finanzierung Abnehmender Grenznutzen des Geldes Nutzen (u) u 0 Nutzenzuwachs v 0 v0 + 1 Vermögen (v)

100 169/486 Grundlagen der Finanzierung Abnehmender Grenznutzen des Geldes Nutzen (u) u 0 Nutzenzuwachs Nutzenentgang v 0 1 v 0 v0 + 1 Vermögen (v)

101 170/486 Versicherungsmärkte Grundlagen der Finanzierung Risiken können durch den Kauf von Versicherungen verringert werden. Ein Versicherungsunternehmen übernimmt gegen eine Prämie teilweise oder vollständig das Risiko. Typische Probleme, die in diesem Zusammhang entstehen, sind z.b. adverse Selektion ( adverse selection ): Die Versicherungsnehmer haben bessere Informationen über die Schadenswahrscheinlichkeit oder moralisches Risikos ( moral hazard ): Die Versicherungsnehmer können die Schadenswahrscheinlichkeit beeinflussen. Wesentliches Element in diesen Fällen ist die asymmetrische Information.

102 171/486 Grundlagen der Finanzierung Diversifizikation des unternehmensspezifischen Risikos Diversifikation führt zu einer Risikominderung, indem ein Risiko durch viele (nicht miteinander in Beziehung stehende) Risiken ersetzt wird. Diversifikation verringert das unternehmensspezifische Risiko (ein Risiko, welches nur eine Unternehmung trifft). Nicht verringert werden kann dagegen das Marktrisiko (ein Risiko, welches alle Unternehmungen gleichzeitig trifft).

103 172/486 Diversifikation mindert das Risiko Grundlagen der Finanzierung Risiko (StdAbw in %) unternehmensspezifisches Risiko Marktrisiko verschiedene Aktien

104 173/486 Grundlagen der Finanzierung Diversifikation von unternehmensspezifischem Risiko Durch Diversifikation wird das Risiko eines Aktienportfolios verringert.

105 174/486 Grundlagen der Finanzierung Der tradeoff zwischen Risiko und Rendite Die erste Anlage besteht aus einem diversifizierten Portfolio risikobehafteter Aktien mit einer durchschnittlichen Rendite von 8% und einer Standardabweichung von 20%. (Der Wert einer normalverteilten Zufallsvariable liegt zu 95% im Intervall der doppelten Standardabweichung. Das bedeutet, dass die tatsächlichen Erträge der Anlage zwischen einem Gewinn von 48% und einem Verlust von 32% schwanken.) Die zweite Anlage stellt eine sichere Alternative dar mit einer Rendite von 3% und einer Standardabweichung von 0%. Die sichere Anlagealternative kann entweder ein Sparbuch oder eine Staatsanleihe sein.

106 175/486 Grundlagen der Finanzierung Der tradeoff zwischen Risiko und Rendite Rendite (% p.a.) 8 100% Aktien 3 20 Risiko (Std.abw in %)

107 176/486 Was bestimmt den Aktienkurs? Grundlagen der Finanzierung Der Wert einer Anlage entspricht dem Barwert aller zukünftigen Zahlungen an den Inhaber (z.b. Dividenden und Verkaufpreis). Die Fundamentalanalyse versucht, den langfristigen Aktienkurs aufgrund von Bilanzdaten eines Unternehmens und der Prognose zukünftiger Entwicklungen vorherzusagen. Das Ziel ist es, unterbewertete Aktien zu kaufen. Werden Sie (ohne Insiderinformationen) dabei erfolgreich sein?

108 177/486 Hypothese der Markteffizienz Grundlagen der Finanzierung Nach der Effizienzmarkthypothese ( efficient markets hypothesis ) sind alle öffentlich verfügbaren Informationen im Aktienpreis bereits enthalten. Dann ist die beste Voraussage des zukünftigen Aktienkurses der gegenwärtige Aktienkurs. Wenn Märkte effizient sind, dann ist die beste Anlegerstrategie die, ein diversifiziertes Portfolio zu halten.

109 178/486 Grundlagen der Finanzierung Fallstudie: Random Walks und Indexfonds Ein Random Walk (Zufallspfad) liegt vor, wenn zukünftige Änderungen einer Variablen nicht voraussehbar sind. Wenn Aktienmärkte effizient sind und alle öffentlich verfügbaren Informationen in den Preisen enthalten sind, dann folgen die Aktienkurse einem Random Walk: Die Wahrscheinlichkeit, dass sie steigen, ist gleich der Wahrscheinlichkeit, dass sie fallen. Entsprechend ist ein Indexfonds die optimale Anlagestrategie.

110 179/486 Zusammenfassung Grundlagen der Finanzierung Da Spareinlagen Zinsen erwirtschaften können, ist ein Geldbetrag heute mehr wert als der gleiche Geldbetrag in der Zukunft. Zahlungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten lassen sich mit Hilfe des Barwertkonzepts miteinander vergleichen. Der Barwert einer zukünftigen Zahlung ist der Betrag, der heute benötigt wird, um beim gegebenen Zinsniveau die zukünftige Zahlung zu generieren. Aufgrund des abnehmenden Grenznutzens sind die meisten Menschen risikoscheu. Risikoaverse Menschen können ihr Risiko durch den Rückgriff auf Versicherungen, durch Diversifikation und die Wahl eines Anlageportfolios mit einem geringeren Ertrag und einem geringeren Risiko reduzieren.

111 180/486 Zusammenfassung Grundlagen der Finanzierung Der Wert einer Vermögensposition, wie beispielsweise einer Aktie, entspricht dem Barwert der Zahlungen, die der Anteilseigner zukünftig erhält. Der Barwert der Zahlungen umfasst sowohl die Dividendenzahlungen als auch den Verkaufspreis der Aktie. Nach der Effizienzmarkthypothese verarbeiten Finanzmärkte Informationen in einer rationalen Weise, sodass der Aktienkurs immer die beste Prognose über den Wert der zu Grunde liegenden Unternehmung darstellt. Einige Ökonomen stellen die Gültigkeit der Effizienzmarkthypothese jedoch infrage und glauben, dass irrationale, psychologische Faktoren den Preis einer Vermögensposition ebenfalls beeinflussen.

112 181/486 Stichwörter Grundlagen der Finanzierung Finanzierung Barwert Endwert Auf-/Abzinsung risikoavers Diversifikation Unternehmensspezifisches Risiko Marktrisiko Fundamentalanalyse Effizienzmarkthypothese informationseffizient Zufallspfad (Random Walk)

113 182/486 Wiederholungsfragen Grundlagen der Finanzierung 1 Der Zinssatz beträgt 7% Möchten Sie lieber nach zehn Jahren 200 EUR erhalten oder nach zwanzig Jahren 300 EUR? 2 Was verstehen Sie unter Diversifikation? Nimmt die Diversifikation eines Aktienportfolios stärker zu, wenn die Anzahl der verschiedenen Wertpapiere im Portfolio von 1 auf 10 oder von 100 auf 200 steigt? 3 Welche Finanzanlage ist mit einem höheren Risiko verbunden: der Kauf von Aktien oder der Kauf von Staatsanleihen? Welches Wertpapier generiert eine höhere durchschnittliche Rendite? 4 Welche Faktoren sollte ein Aktienanalyst berücksichtigen, wenn er den Wert einer Aktie bestimmt? 5 Beschreiben Sie die Effizienzmarkthypothese. Warum stehen einige Ökonomen dieser Annahme skeptisch gegenüber?

114 183/486 Aufgaben und Anwendungen Grundlagen der Finanzierung 1 Vor 400 Jahren verkauften die Indianer die Insel von Manhattan für $ 24. Angenommen, sie hätten diesen Betrag zu einem Zinssatz von 7% p.a. angelegt, über welche Summe könnten sie heute verfügen? 2 Eine Unternehmung muss über ein Investitionsprojekt entscheiden, das heute $ 10 Mio. kostet und in vier Jahren einen Ertrag von $ 14 Mio. verspricht. a) Sollte die Unternehmung das Investitionsprojekt realisieren, wenn sich der Zinssatz auf 11% beläuft? Ändert sich die Entscheidung, wenn der Zinssatz lediglich 8% beträgt? b) Können Sie den Zinssatz bestimmen, der über die Rentabilität des Investitionsprojekts entscheidet?

115 184/486 Aufgaben und Anwendungen Grundlagen der Finanzierung 3 Stellen Sie sich vor, der Bundestag kommt zu der Auffassung, dass die Kleiderordnung der Bürger von großer Bedeutung für die Gesellschaft sei und beschließt Steuervergünstigungen für eine Kleider-Versicherung. Diese neue Versicherung übernimmt gegen die Zahlung einer jährlichen Versicherungsprämie 80% der Ausgaben für Kleidung des Versicherten. Der Versicherte kann zudem seine Versicherungsprämie steuerlich geltend machen. a) Wie würde diese neue Versicherung die Ausgaben für Kleidung beeinflussen? Wie schätzen Sie diese Veränderung unter dem Gesichtspunkt der ökonomischen Effizienz ein? b) Wer würde eine solche Kleider-Versicherung abschließen? c) Nehmen wir an, eine Person gibt durchschnittlich EUR für Kleidung im Jahr aus. Würde die Kleider-Versicherung mehr oder weniger als EUR kosten? d) Sind Sie der Meinung, dass diese Initiative des Bundestages eine gute Idee wäre?

116 Aufgaben und Anwendungen Grundlagen der Finanzierung 4 Sie beabsichtigen, Ihre Ersparnisse in Aktien anzulegen. Sollten Sie Aktien von Unternehmungen aus einer Branche bevorzugen? 5 Von welcher Aktie erwarten Sie eine höhere durchschnittliche Rendite? a) Aktie einer stark konjunkturabhängigen Branche (z.b. Automobilindustrie) oder b) Aktie einer konjunkturunabhängigen Branche (Wasserwerk). Begründen Sie Ihre Entscheidung. 6 Eine Unternehmung sieht sich zwei Arten von Risiko gegenüber. Das unternehmensspezifische Risiko bezeichnet die Möglichkeit, dass ein Wettbewerber in den Markt eintritt und Kunden der Unternehmung abwirbt. Das Marktrisiko beschreibt die Gefahr, dass die Volkswirtschaft in eine Rezession abgleitet und die Unternehmung unter sinkenden Absätzen zu leiden hat. Welches der beiden Risiken wird die Anteilseigner dazu veranlassen, eine höhere Rendite zu fordern? 185/486

117 186/486 Aufgaben und Anwendungen Grundlagen der Finanzierung 7 Sie haben zwei Bekannte, Bea und Henry, die Aktien kaufen. a) Bea kauft nur Aktien von Unternehmungen, von denen jeder erwartet, dass sie in Zukunft einen kräftigen Gewinnanstieg realisieren. Welches Kurs-Gewinn-Verhältnis erwarten Sie für diese Unternehmungen im Vergleich zu allen anderen Unternehmungen? Welchen Nachteil beinhaltet Beas Aktienstrategie? b) Henry kauft dagegen nur Aktien von Unternehmungen, die ein geringes Kurs-Gewinn-Verhältnis aufweisen. Welche Ertragsperspektiven erwarten Sie für derartige Unternehmungen im Vergleich zu allen anderen Unternehmungen? Welchen Nachteil beinhaltet Henrys Aktienstrategie?

118 187/486 Aufgaben und Anwendungen Grundlagen der Finanzierung 8 Wenn Unternehmensangehörige privat Aktien auf der Grundlage von Informationen kaufen bzw. verkaufen, die sie aufgrund ihrer Tätigkeit im Unternehmen haben, dann betreiben sie Insiderhandel. a) Geben Sie ein Beispiel für Informationen, die ihnen beim Kauf bzw. Verkauf von Aktien nützlich sein können. b) Personen, die in einen Insiderhandel involviert sind, realisieren in der Regel einen sehr hohen Gewinn. Verletzt dieser Tatbestand die Hypothese von effizienten Märkten? c) Insiderhandel ist gesetzlich verboten. Warum?

119 Die langfristige realökonomische Entwicklung Produktion und Wachstum Sparen, investieren und das Finanzsystem Grundlagen der Finanzierung Die natürliche Arbeitslosenquote Wie wird Arbeitslosigkeit gemessen? Wie ist diese Messung zu interpretieren? Wie lange sind die Arbeitslosen typischerweise ohne Arbeit? Die Struktur der Arbeitslosigkeit in Deutschland Wie entsteht Arbeitslosigkeit?

120 189/486 Verlust des Arbeitsplatzes Die natürliche Arbeitslosenquote Im Leben eines Menschen kann der Verlust des Arbeitsplatzes zu den einschneidendsten Erlebnissen gehören. Die meisten Menschen bestreiten aus Arbeitseinkommen ihren Lebensunterhalt, und viele beziehen aus ihrer beruflichen Arbeit neben dem Einkommen auch persönliche Erfüllung. Ein verlorener Arbeitsplatz bedeutet unter anderem: einen niedrigeren Lebensstandard, Verunsicherung über die Zukunft und ein verringertes Selbstwertgefühl.

121 190/486 Links zu Arbeitslosig-/Erwerbslosigkeit Die natürliche Arbeitslosenquote Umfangreiche Informationen zu Arbeitslosig-/Erwerbslosigkeit gibt es bei Bundeszentrale für politische Bildung Statistisches Bundesamt Arbeitsagentur Wikipedia: Arbeitslosigkeit, Erwerbslosigkeit

122 191/486 Wie wird Arbeitslosigkeit gemessen? Die natürliche Arbeitslosenquote Zwei Methoden SGB: Die Zahl der Arbeitslosen ergibt sich aus der Zahl der bei der Bundesagentur für Arbeit als arbeitslos gemeldeten Menschen. ILO: Das Statistische Bundesamt konzentriert sich auf die ökonomische Arbeitslosigkeit. Grundlage ist ein international standardisiertes System zur Erfassung des Erwerbsstatus. In dieser Vorlesung werden Arbeitslosigkeit und Erwerbslosigkeit als Synonyme betrachtet. In manchen Publikationen (Kursen) ist mit Arbeitslosigkeit nur das SGB-Konzept gemeint und mit Erwerbslosigkeit nur das ILO-Konzept.

123 192/486 Zwei Methoden: SGB Die natürliche Arbeitslosenquote Das Sozialgesetzbuch Drittes Buch ( 117 SGB III) definierte als Arbeitslose alle Arbeitsuchenden im Alter von 15 bis 64 Jahren, die keine Beschäftigung haben oder weniger als 15 Wochenstunden arbeiten, eine versicherungspflichtige, mindestens 15 Stunden wöchentlich umfassende Beschäftigung suchen und dabei den Vermittlungsbemühungen der Arbeitsagenturen zur Verfügung stehen und nicht arbeitsunfähig erkrankt sind. Außerdem ist die Registrierung bei einer Agentur für Arbeit erforderlich. Inzwischen wurde das Rentenalter auf 67 angehoben und die entsprechenden Paragraphen lauten jetzt:

124 SGB II Zweiter Unterabschnitt Arbeitslosengeld Erster Titel Regelvoraussetzungen 117 Anspruch auf Arbeitslosengeld (1) Arbeitnehmer haben Anspruch auf Arbeitslosengeld 1. bei Arbeitslosigkeit oder 2. bei beruflicher Weiterbildung. (2) Arbeitnehmer, die das für die Regelaltersrente im Sinne des Sechsten Buches erforderliche Lebensjahr vollendet haben, haben vom Beginn des folgenden Monats an keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld.

125 118 Anspruchsvoraussetzungen bei Arbeitslosigkeit (1) Anspruch auf Arbeitslosengeld bei Arbeitslosigkeit haben Arbeitnehmer, die 1. arbeitslos sind, 2. sich bei der Agentur für Arbeit arbeitslos gemeldet und 3. die Anwartschaftszeit erfüllt haben. (2) Der Arbeitnehmer kann bis zur Entscheidung über den Anspruch bestimmen, dass dieser nicht oder zu einem späteren Zeitpunkt entstehen soll.

126 119 Arbeitslosigkeit (1) Arbeitslos ist ein Arbeitnehmer, der 1. nicht in einem Beschäftigungsverhältnis steht (Beschäftigungslosigkeit), 2. sich bemüht, seine Beschäftigungslosigkeit zu beenden (Eigenbemühungen) und 3. den Vermittlungsbemühungen der Agentur für Arbeit zur Verfügung steht (Verfügbarkeit). (2) Eine ehrenamtliche Betätigung schließt Arbeitslosigkeit nicht aus, wenn dadurch die berufliche Eingliederung des Arbeitslosen nicht beeinträchtigt wird. (3) Die Ausübung einer Beschäftigung, selbständigen Tätigkeit oder Tätigkeit als mithelfender Familienangehöriger (Erwerbstätigkeit) schließt die Beschäftigungslosigkeit nicht aus, wenn die Arbeits- oder Tätigkeitszeit (Arbeitszeit) weniger als 15 Stunden wöchentlich umfasst; gelegentliche Abweichungen von geringer Dauer bleiben unberücksichtigt. Die Arbeitszeiten mehrerer Erwerbstätigkeiten werden zusammengerechnet.

127 119 Arbeitslosigkeit (4) Im Rahmen der Eigenbemühungen hat der Arbeitslose alle Möglichkeiten zur beruflichen Eingliederung zu nutzen. Hierzu gehören insbesondere 1. die Wahrnehmung der Verpflichtungen aus der Eingliederungsvereinbarung, 2. die Mitwirkung bei der Vermittlung durch Dritte und 3. die Inanspruchnahme der Selbstinformationseinrichtungen der Agentur für Arbeit. (5) Den Vermittlungsbemühungen der Agentur für Arbeit steht zur Verfügung, wer 1. eine versicherungspflichtige, mindestens 15 Stunden wöchentlich umfassende zumutbare Beschäftigung unter den üblichen Bedingungen des für ihn in Betracht kommenden Arbeitsmarktes ausüben kann und darf, 2. Vorschlägen der Agentur für Arbeit zur beruflichen Eingliederung zeit- und ortsnah Folge leisten kann, 3. bereit ist, jede Beschäftigung im Sinne der Nummer 1 anzunehmen und auszuüben und 4. bereit ist, an Maßnahmen zur beruflichen Eingliederung in das Erwerbsleben teilzunehmen.

128 Sozialgesetzbuch (SGB) Sechstes Buch (VI) - Gesetzliche Rentenversicherung Vierter Unterabschnitt Anspruchsvoraussetzungen für einzelne Renten 235 Regelaltersrente (1) Versicherte, die vor dem 1. Januar 1964 geboren sind, haben Anspruch auf Regelaltersrente, wenn sie 1. die Regelaltersgrenze erreicht und 2. die allgemeine Wartezeit erfüllt haben. Die Regelaltersgrenze wird frühestens mit Vollendung des 65. Lebensjahres erreicht. (2) Versicherte, die vor dem 1. Januar 1947 geboren sind, erreichen die Regelaltersgrenze mit Vollendung des 65. Lebensjahres. Für Versicherte, die nach dem 31. Dezember 1946 geboren sind, wird die Regelaltersgrenze wie folgt angehoben:

129 Versicherte-Geburtsjahr Anhebung um Monate Jahr Monat

130 199/486 Zwei Methoden: ILO Die natürliche Arbeitslosenquote Als erwerbslos gilt im Sinne der durch die EU konkretisierten ILO-Abgrenzung jede Person im Alter von 15 bis 74 Jahren, die in diesem Zeitraum nicht erwerbstätig war, aber in den letzten vier Wochen vor der Befragung aktiv nach einer Tätigkeit gesucht hat. Auf den zeitlichen Umfang der gesuchten Tätigkeit kommt es nicht an. Eine neue Arbeit muss innerhalb von zwei Wochen aufgenommen werden können. Die Einschaltung einer Agentur für Arbeit oder eines kommunalen Trägers in die Suchbemühungen ist nicht erforderlich. Personen im erwerbsfähigen Alter, die weder erwerbstätig noch erwerbslos sind, gelten als Nichterwerbspersonen.

131 200/486 Zwei Methoden Die natürliche Arbeitslosenquote Es sind somit in der ILO-Arbeitsmarktstatistik Erwerbslose enthalten, die die Bundesagentur für Arbeit nicht als arbeitslos zählt. Zum anderen gelten in der Statistik der Bundesagentur für Arbeit auch Personen als arbeitslos, die nach Definition der ILO-Arbeitsmarktstatistik nicht erwerbslos sind.

132 201/486 Die natürliche Arbeitslosenquote Die Statistik der Bundesagentur für Arbeit 2005: Die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe führt zu einer Verschiebung aus der so genannten Stillen Reserve in die registrierte Arbeitslosigkeit bzw. zu einem zusätzlichen Arbeitskräfteangebot. Dieser Hartz IV-Effekts belief sich nach Berechnungen der Bundesagentur für Arbeit (BA) auf etwa : Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland fiel in diesem Jahr dank einer statistischen Änderung um mindestens im Vergleich zur bisherigen Berechnung, weil diese durch private Arbeitsvermittler betreut werden und seit Beginn des Jahres nicht mehr in der Statistik der Bundesagentur für Arbeit auftauchen.

133 202/486 Wie wird Arbeitslosigkeit gemessen? Die natürliche Arbeitslosenquote Um zur Arbeitslosenquote zu gelangen, brauchen wir die Unterteilung der Einwohner in Erwerbspersonen, die unterteilt werden in Erwerbstätige (Beschäftigte) Erwerbslose (Arbeitslose) Nicht-Erwerbspersonen

134 Deutschland Die natürliche Arbeitslosenquote Zeitraum Einwohner Erwerbs- Erwerbs- Erwerbslose Erwerbs- (Jahre) (Mio. personen tätige (Mio. losenquote Personen) (Mio. (Mio. Personen) (Erwerbslose Personen) Personen) in % der Erwerbspersonen) ,012 40,567 37,434 3,133 7,7 0,045 0,326-0,044 0, ,057 40,893 37,390 3,503 8,6-0,020 0,287 0,444-0, ,037 41,180 37,834 3,346 8,1 0,126 0,271 0,505-0, ,163 41,451 38,339 3,112 7,5 0,097 0,467 0,699-0, ,260 41,918 39,038 2,880 6,9 0,180 0,191 0,171 0, ,440 42,109 39,209 2,900 6,9 0,097 0,114-0,215 0, ,537 42,223 38,994 3,229 7,6-0,005 0,111-0,363 0, ,532 42,334 38,631 3,703 8,7-0,031 0,389 0,161 0, ,501 42,723 38,792 3,931 9,2-0,063-0,104-0,066-0, ,438 42,619 38,726 3,893 9,1-0,123-0,187 0,274-0, ,315 42,432 39,000 3,432 8, ,303 1,865 1,566 0,299 Die Daten in der jeweils zweiten Reihe sind Veränderungen zum nächsten Jahr (soweit nicht anders angegeben). 203/486

135 204/486 Gliederung der Bevölkerung (2006) Die natürliche Arbeitslosenquote

136 205/486 Die natürliche Arbeitslosenquote Arbeitslosigkeit Oktober 2011 (Kreisebene) Quelle:

137 206/486 Wie wird Arbeitslosigkeit gemessen? Die natürliche Arbeitslosenquote Arbeitslosenquote Die Arbeitslosenquote ist die Zahl der Arbeitslosen in Prozent der Erwerbspersonen Arbeitslose Arbeitslosenquote = Erwerbspersonen 100 = Arbeitslose Erwerbstätige+Arbeitslose 100

138 207/486 Die natürliche Arbeitslosenquote Entwicklung der Arbeitslosenquote in Deutschland Bis 1990 Früheres Bundesgebiet und Berlin-West; 1950 bis 1958 ohne Saarland. * Arbeitslosenquote der abhängigen zivilen Erwerbspersonen

139 208/486 Die natürliche Arbeitslosenquote Welche Probleme ergeben sich bei der Interpretation der Daten? Es ist nicht einfach, zwischen Arbeitslosen und nicht-erwerbstätigen Personen zu unterscheiden. Unterschätzung von Arbeitslosigkeit ( verdeckte Arbeitslosigkeit ) Personen, die zwar arbeiten möchten, aber nicht arbeitslos gemeldet sind ( stille Reserve ) Teilnehmer an ABM-Maßnahmen Kurzarbeiter unfreiwillige Teilzeitarbeiter Überschätzung des Problems Personen, die arbeitslos gemeldet sind, aber nicht arbeiten wollen Schwarzarbeit

140 209/486 Wie lange dauert Arbeitslosigkeit? Die natürliche Arbeitslosenquote Die meisten Arbeitslosen sind kurzfristig arbeitslos. Ein steigender Anteil an Arbeitslosen ist langzeitarbeitslos. Langzeitarbeitslosigkeit ist definiert als Arbeitslosigkeit von über einem Jahr.

141 210/486 Länge der Arbeitslosigkeit (Beispiel) Die natürliche Arbeitslosenquote In diesem Beispiel gibt es insgesamt 55 Arbeitslose. Davon sind

142 210/486 Länge der Arbeitslosigkeit (Beispiel) Die natürliche Arbeitslosenquote In diesem Beispiel gibt es insgesamt 55 Arbeitslose. Davon sind 52 eine Woche lang arbeitslos und

143 210/486 Länge der Arbeitslosigkeit (Beispiel) Die natürliche Arbeitslosenquote In diesem Beispiel gibt es insgesamt 55 Arbeitslose. Davon sind 52 eine Woche lang arbeitslos und 3 das ganze Jahr über.

144 210/486 Länge der Arbeitslosigkeit (Beispiel) Die natürliche Arbeitslosenquote In diesem Beispiel gibt es insgesamt 55 Arbeitslose. Davon sind 52 eine Woche lang arbeitslos und 3 das ganze Jahr über. Somit dauern 52/55 oder 95% der Einzelfälle von Arbeitslosigkeit 1 Woche, also nur kurze Zeit.

145 210/486 Länge der Arbeitslosigkeit (Beispiel) Die natürliche Arbeitslosenquote In diesem Beispiel gibt es insgesamt 55 Arbeitslose. Davon sind 52 eine Woche lang arbeitslos und 3 das ganze Jahr über. Somit dauern 52/55 oder 95% der Einzelfälle von Arbeitslosigkeit 1 Woche, also nur kurze Zeit. Für die gesamte Arbeitslosigkeit gilt allerdings:

146 210/486 Länge der Arbeitslosigkeit (Beispiel) Die natürliche Arbeitslosenquote In diesem Beispiel gibt es insgesamt 55 Arbeitslose. Davon sind 52 eine Woche lang arbeitslos und 3 das ganze Jahr über. Somit dauern 52/55 oder 95% der Einzelfälle von Arbeitslosigkeit 1 Woche, also nur kurze Zeit. Für die gesamte Arbeitslosigkeit gilt allerdings: Die 3 Personen mit je 1 Jahr (52 Wochen) erbringen insgesamt 156 Wochen an Arbeitslosigkeit. Zusammen mit den jeweils 1 Woche lang arbeitslosen 52 Leuten macht das 208 Wochen Arbeitslosigkeit aus.

147 210/486 Länge der Arbeitslosigkeit (Beispiel) Die natürliche Arbeitslosenquote In diesem Beispiel gibt es insgesamt 55 Arbeitslose. Davon sind 52 eine Woche lang arbeitslos und 3 das ganze Jahr über. Somit dauern 52/55 oder 95% der Einzelfälle von Arbeitslosigkeit 1 Woche, also nur kurze Zeit. Für die gesamte Arbeitslosigkeit gilt allerdings: Die 3 Personen mit je 1 Jahr (52 Wochen) erbringen insgesamt 156 Wochen an Arbeitslosigkeit. Zusammen mit den jeweils 1 Woche lang arbeitslosen 52 Leuten macht das 208 Wochen Arbeitslosigkeit aus. In diesem Beispiel entfallen also 156/208 oder 75% der Arbeitslosigkeit auf jene Personen, die ein ganzes Jahr über arbeitslos sind.

148 Länge der Arbeitslosigkeit (Beispiel) Die natürliche Arbeitslosenquote In diesem Beispiel gibt es insgesamt 55 Arbeitslose. Davon sind 52 eine Woche lang arbeitslos und 3 das ganze Jahr über. Somit dauern 52/55 oder 95% der Einzelfälle von Arbeitslosigkeit 1 Woche, also nur kurze Zeit. Für die gesamte Arbeitslosigkeit gilt allerdings: Die 3 Personen mit je 1 Jahr (52 Wochen) erbringen insgesamt 156 Wochen an Arbeitslosigkeit. Zusammen mit den jeweils 1 Woche lang arbeitslosen 52 Leuten macht das 208 Wochen Arbeitslosigkeit aus. In diesem Beispiel entfallen also 156/208 oder 75% der Arbeitslosigkeit auf jene Personen, die ein ganzes Jahr über arbeitslos sind. Die beobachtete Arbeitslosigkeit ist also überwiegend langfristig. 210/486

149 211/486 Länge der Arbeitslosigkeit (D) Die natürliche Arbeitslosenquote Die abgeschlossene Dauer der Arbeitslosigkeit hat sich 2007 weiter erhöht. Personen, die ihre Arbeitslosigkeit im Jahresverlauf beendeten, waren durchschnittlich 42,1 Wochen arbeitslos, im Vergleich zu 40,4 Wochen im Jahr zuvor. Quelle: Bundesagentur für Arbeit, 2008, Der Arbeitsmarkt 2007 Die abgeschlossene Dauer der Arbeitslosigkeit hat sich 2009 deutlich verringert. Personen, die ihre Arbeitslosigkeit im Jahresverlauf beendeten, waren durchschnittlich 33,4 Wochen arbeitslos, im Vergleich zu 38,1 Wochen im Jahr zuvor. Quelle: Bundesagentur für Arbeit, 2010, Der Arbeitsmarkt 2009

150 Länge der Arbeitslosigkeit (USA) Die natürliche Arbeitslosenquote HOUSEHOLD DATA: Unemployed persons by duration of unemployment [in thousands] Duration NUMBER OF UNEMPLOYED Not seasonally adjusted Seasonally adjusted Dec. Nov. Dec. Dec. Nov. Dec Less than 5 weeks to 14 weeks weeks and over to 26 weeks weeks and over Average (mean) duration in weeks 29,0 34,5 34,0 29,3 33,9 34,2 Median duration in weeks 20,2 21,7 22,3 20,4 21,7 22,4 PERCENT DISTRIBUTION Less than 5 weeks 19,5 18,5 19,2 19,0 18,8 18,7 5 to 14 weeks 22,6 22,1 21,7 22,8 22,2 21,9 15 weeks and over 57,9 59,5 59,1 58,2 58,9 59,4 15 to 26 weeks 17,9 15,6 14,8 18,2 16,8 15,2 27 weeks and over 40,0 43,8 44,3 40,1 42,2 44,3 NOTE: Updated population controls are introduced annually with the release of January data, 212/486

151 213/486 Die natürliche Arbeitslosenquote Quote der langfristig Arbeitslosen in OECD-Ländern (2005) * Anteil der Arbeitslosen, die länger als 12 Monate arbeitslos sind, an allen Arbeitslosen

152 214/486 Die natürliche Arbeitslosenquote Qualifikationsspezifische Arbeitslosenquoten in Deutschland

153 215/486 Arbeitslosigkeit: Struktur Die natürliche Arbeitslosenquote Zwei Kategorien von Arbeitslosigkeit werden üblicherweise unterschieden: die natürliche Arbeitslosigkeit, auch strukturelle Arbeitslosigkeit oder Sockelarbeitslosigkeit genannt (langfristiges Problem) und die zyklische Arbeitslosigkeit (kurzfristiges Problem). Diese kann man wiederum unterteilen in friktionelle oder Sucharbeitslosigkeit saisonale Arbeitslosigkeit konjunkturelle Arbeitslosigkeit

154 216/486 Die natürliche Arbeitslosenquote Die natürliche Arbeitslosenquote Die natürliche Arbeitslosenquote ist jener Teil der Arbeitslosigkeit, der auch langfristig nicht abgebaut wird. Es ist die Arbeitslosigkeit, die in der Wirtschaft normalerweise vorhanden ist. Vollbeschäftigung bedeutet also nicht, dass keine Arbeitslosigkeit vorhanden ist, sondern dass die Arbeitslosenquote der natürlichen Arbeitslosenquote entspricht.

155 217/486 Zyklische Arbeitslosigkeit Die natürliche Arbeitslosenquote Zyklische Arbeitslosigkeit bezieht sich auf die kurzfristigen (zyklischen) Schwankungen der Arbeitslosigkeit um die natürliche Rate. Sie wird hervorgerufen durch die kurzfristigen Bewegungen des Wirtschaftszyklus. Natürliche und zyklische Arbeitslosigkeit sind empirisch schwer trennbar. Dennoch lässt sich sagen, dass die strukturelle Arbeitslosigkeit in Deutschland seit den 1970er-Jahren wesentlich zugenommen hat (z.b. im Vergleich mit den USA).

156 218/486 Arbeitslosenquoten USA/Deutschland Die natürliche Arbeitslosenquote

157 219/486 Die natürliche Arbeitslosenquote Strukturelle versus zyklische Arbeitslosigkeit

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