EID G. I N S P E K T O R AT F Ü R A U F Z Ü G E I N S P E C T I O N F É D É R A L E D E S A S C E N S E U R S

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1 EID G. I N S P E K T O R AT F Ü R A U F Z Ü G E I N S P E C T I O N F É D É R A L E D E S A S C E N S E U R S Die Einhaltung der grundlegenden Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen beim Inverkehrbringen von Aufzügen nach der Aufzugsverordnung (SR ) Einleitung: Dieses Merkblatt richtet sich an Betreiber und Montagebetriebe im Aufzugsbereich. Es soll Informationen geben über die geltenden gesetzlichen Anforderungen betreffend dem Inverkehrbringen von neuen Aufzügen einerseits und dem Umbauen und Modernisieren von alten, bestehenden Aufzugsanlagen andererseits. Ein Aufzug gilt als Produkt im Sinne des Bundesgesetzes über die Produktesicherheit (PrSG, SR ) vom 12. Juni Aufzüge können in den Bestimmungsbereich der Aufzugsverordnung (SR ) oder der Maschinenverordnung (SR ) gehören. Dieses Merkblatt erklärt die Anforderungen an neue oder veränderte Aufzüge, die dem Geltungsbereich der Aufzugsverordnung unterstehen. Neuer Aufzug (Neuanlage, Ersatzanlage) Darunter versteht man einen Aufzug, der in ein neues oder in ein bestehendes Gebäude eingebaut wird, unabhängig davon, ob an diesem Einbauort früher bereits ein Aufzug bestehend war. Für das Inverkehrbringen von neuen Aufzügen gelten die Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen der Verordnung über die Sicherheit von Aufzügen (Aufzugsverordnung) vom 23. Juni Neue Aufzüge dürfen nur in Verkehr gebracht werden, wenn sie den grundlegenden Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen des Anhang 1 der Aufzugsverordnung und subsidiär den Bestimmungen des PrSG und der Verordnung über die Produktesicherheit (PrSV, SR ) entsprechen. Der Montagebetrieb muss ein Konformitätsbewertungsverfahren durchführen und anschliessend eine Konformitätserklärung ausstellen. Wesentlich veränderter Aufzug (Modernisierung, Teilersatz) Wird ein Aufzug nach einer wesentlichen Änderung wieder in Betrieb genommen, so unterliegt dieser Aufzug als solcher den sicherheitstechnischen Anforderungen, aber nicht den formellen Anforderungen an das Inverkehrbringen eines neuen Aufzugs und Sicherheitsbauteils im Sinne von Art. 12 der Aufzugsverordnung (SR ). EIA Merkblatt Sichere Aufzüge

2 Als wesentliche Änderungen an einem bestehenden Aufzug gelten insbesondere: a) Änderung 1) der Nenngeschwindigkeit 2) der Nennlast 3) der Masse der Kabine 4) der Förderhöhe b) Änderung oder Austausch 1) der Verriegelung für Schachttüren (der Ersatz durch baugleiche Ausführung ist keine wesentliche Änderung) 2) der Steuerung 3) der Führungsschienen oder der Führunsschienenart 4) der Türart oder zusätzlicher Einbau einer oder mehrerer Schachttüren oder Kabinentüren 5) des Antriebs oder der Treibscheibe 6) des Geschwindigkeitsbegrenzers 7) Schutzeinrichtung für aufwärts fahrenden Fahrkorb gegen Übergeschwindigkeit 8) der Puffer 9) der Fangvorrichtung 10) der mechanischen Einrichtung zur Verhinderung von Bewegungen der Kabine 11) der mechanischen Einrichtung zum Anhalten der Kabine 12) der Plattform 13) der mechanischen Einrichtung zum Stillsetzen der Kabine oder beweglichen Anschläge 14) der Einrichtung für Notfälle und Prüfungen 15) der Schutzeinrichtung gegen unbeabsichtigte Bewegung der Kabine (Quelle: EN81-1:1998+A3:2009; Anhang E.2) Sind eines oder mehrere dieser Änderungskriterien erfüllt, gilt der Aufzug als wesentlich verändert und unterliegt als solcher den sicherheitstechnischen Anforderungen an das Inverkehrbringen eines neuen Aufzugs und Sicherheitsbauteils. Der Montagebetrieb, welcher die Änderung(en) durchgeführt hat, muss dies auf Verlangen der zuständigen Behörde in geeigneter Form belegen können. Bescheinigung der grundlegenden Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen nach einer wesentlichen Veränderung an einem Aufzug Wer einen neuen Aufzug in Verkehr bringt, muss zum Zeitpunkt der Übergabe an den Betreiber eine gültige Konformitätserklärung ausstellen. Zuvor muss der Aufzug einem Konformitätsbewertungsverfahren unterzogen werden. Die möglichen Konformitätsbewertungsverfahren für Aufzüge und Sicherheitsbauteile werden in der Aufzugsverordnung in den Anhängen 2 bis 10 beschrieben. Seite 2 von 6

3 Für wesentliche Veränderungen an bestehenden Aufzügen ist Artikel 12 der Aufzugsverordnung anwendbar. Das bedeutet, dass der Montagebetrieb, der die Veränderungen durchführt, zwar die sicherheitstechnischen Anforderungen, jedoch nicht die formellen Anforderungen der Aufzugsverordnung erfüllen muss. Wer einen bestehenden Aufzug wesentlich verändert und anschliessend wieder in Verkehr bringt, übernimmt die Verantwortung, dass dieser Aufzug sicher ist. Zur Erbringung des Sicherheitsnachweises für wesentlich veränderte Aufzüge empfiehlt das EIA die Umsetzung der nachfolgend dargestellten Vorgehensweise: 1. Erstellung einer Zustandsbeurteilung vom bestehenden Aufzug 2. Beschreibung der durchgeführten Änderungen 3. Nachweis der Systemverträglichkeit der durchgeführten Änderungen 4. Erstellung einer Dokumentation für den Betrieb und die Wartung 5. Bescheinigung über die Einhaltung der grundlegenden Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen 6. Meldung des Aufzuges an das EIA (Meldeseite: Erfüllung der Anforderungen bei wesentlich veränderten Aufzügen 1. Zustandsbeurteilung des bestehenden Aufzuges Wer an einem bestehenden Aufzug Veränderungen vornehmen will, soll sich zuvor ein ganzheitliches Bild über den Zustand des Aufzuges machen. Dies beinhaltet eine Kontrolle der Funktion sämtlicher Sicherheitsbauteile und Komponenten der bestehenden Anlage sowie eine Kontrolle über die Abweichungen von den heute geltenden Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen. Die Norm EN81-80 (SNEL) soll für eine einheitliche Zustandsbeurteilung von bestehenden Aufzügen herangezogen werden. Sie beinhaltet eine Checkliste mit 74 zu prüfenden Punkten. Die Durchführung dieser Kontrolle sollte durch ausgewiesene Aufzugsfachleute erfolgen. 2. Beschreibung der durchgeführten Änderungen Der Montagebetrieb, der mit der Ausführung von wesentlichen Veränderungen an einem bestehenden Aufzug betraut worden ist, soll sämtliche vorgenommenen Veränderungen dokumentieren. Der für die Marktüberwachung zuständigen Kontrollstelle ist auf Verlangen Einsicht in diese Dokumentation zu gewähren. 3. Nachweis der Systemverträglichkeit von Änderungen Wenn sich eine Veränderung an einem bestehenden Aufzug auf andere Komponenten oder auf das Gesamtsystem auswirken kann, so soll der Montagebetrieb, der die Änderung vornimmt, einen Systemverträglichkeitsnachweis erstellen. Dieser Nachweis soll in Form von technischen Unterlagen (Berechnungen, Konstruktionszeichnungen, Sicherheitsnachweise etc.) dokumentiert und aufbewahrt werden. Die zuständige Behörde kann entsprechende Funktionsprüfungen am Aufzug durchführen lassen. Seite 3 von 6

4 4. Erstellung einer Dokumentation für den Betrieb und die Wartung Wer einen Aufzug verändert, muss davon eine Dokumentation erstellen und diese an den Aufzugsbetreiber abgeben. Aus dieser Dokumentation müssen alle benötigten Informationen zum sicheren Betrieb und zur Wartung des veränderten Aufzuges hervorgehen. Alle ausgetauschten bzw. veränderten Komponenten oder Teile müssen in dieser Dokumentation aufgeführt sein. Die Dokumentation muss gut zugänglich an einem sicheren Ort beim Aufzug aufbewahrt werden. 5. Bescheinigung über die Einhaltung der grundlegenden Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen Nach der Durchführung von wesentlichen Änderungen, soll der Montagebetrieb eine Bescheinigung ausstellen. Darin umschreibt er die von ihm durchgeführten Arbeiten und bestätigt, dass die durch ihn vorgenommenen Änderungen die geltenden Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen erfüllen. Für die Einhaltung der grundlegenden Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen sind die im Anhang 1 der Aufzugsverordnung aufgezählten Anforderungen massgebend. Diese Anforderungen gelten als erfüllt, wenn der Montagebetrieb diesbezüglich eine Risikoanalyse entsprechend Anhang 1, Ziffer 3 der Aufzugsverordnung durchgeführt hat oder wenn er entsprechende Massnahmen laut der Norm EN81-80:2003 umgesetzt hat. Anmerkung: In der Praxis kann es aus verschiedenen Gründen vorkommen, dass bei einer wesentlichen Veränderung eines bestehenden Aufzuges die in der Aufzugsverordnung formulierten Lösungen zur Erfüllung der Sicherheitsanforderungen nicht immer vollumfänglich umgesetzt werden können. In solchen Fällen sind alternative Lösungen die zur Erhöhung der Sicherheit beitragen, anzuwenden. Ebenfalls kann mit der Umsetzung von geltenden kantonalen Gesetzen und Reglementen, wo vorhanden, die Einhaltung der grundlegenden Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen bei der Modernisierung von bestehenden Aufzügen bestätigt werden. Nachfolgend werden Anforderungen aus der Aufzugsverordnung, (bzw. Maschinenverordnung) aufgeführt, deren vollumfängliche Umsetzung im Zuge einer wesentlichen Veränderung eines bestehenden Aufzuges zu Fragen führen könnten: 1.1 bzw der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG Eine vorhandene Sturzgefahr infolge einer ungenügenden Anhaltegenauigkeit oder Nachregulierung muss verhindert werden Überlast Die Gefahr einer Ingangsetzung der Aufzugskabine mit Überlast gilt als ausgeschaltet, wenn die Grundfläche der Kabine es verunmöglicht, dass zu grosse Lasten transportiert werden können oder wenn eine Überlastmessung installiert ist. Seite 4 von 6

5 2.2 Quetschgefahren in den Endstellungen der Kabine Das Ziel, Quetschgefahren in den Endstellungen der Kabine auszuschalten, muss erreicht werden. Es ist erreicht, wenn das Schutzziel zu diesem Punkt aus einer der folgenden Normen umgesetzt wird: EN81-1/2+A3:2009 EN81-21:2009 EN81-80: Schachttüren Diese Anforderung ist zwingend zu erfüllen. Besonderes Augenmerk ist dabei auf die Konformität von bestehenden Glaseinsätzen und auf den Einbau von Verriegelungen mit Fehlschliessicherungen zu richten. 3.1 Nachrüstung von Kabinentüren an bestehenden Aufzügen Das Nachrüsten von Kabinenabschlusstüren bei bestehenden Aufzügen hat oberste Priorität. Durch die Umsetzung der entsprechenden Massnahme der Norm EN81-80:2003 wird diese Sicherheitsanforderung erfüllt. Nur in Ausnahmefällen, wenn durch das Nachrüsten von Kabinenabschlusstüren die bestimmungsgemässe Verwendung des betroffenen Aufzuges nicht mehr gewährleistet ist, beispielsweise weil die Kabine für die zu transportierenden Sachen zu klein wird und wenn am Standort des Aufzuges keine entsprechenden baurechtlichen Vorschriften gelten, darf diese Anforderung durch eine andere technische Lösung erfüllt werden. Beispielsweise durch den Anbau eines Sicherheitslichtgitters beim Kabinenzugang. Diese Lösung darf allerdings nur in Kombination mit einer Fahrgeschwindigkeit angewendet werden, die im Falle einer Unterbrechung des Lichtgitters zu einem sehr kurzen Bremsweg der Kabine führt, sodass Quetschgefahren nachweislich ausgeschlossen werden können. Zur Beurteilung einer von der Norm abweichenden Lösung muss durch den Montagebetrieb eine Gefahrenanalyse durchgeführt und hinterlegt werden. 3.2 Unkontrollierte Aufwärtsbewegung der Kabine Mit Bezug auf die Ziffer 2 der Vorbemerkungen zum Anhang 1 der Aufzugsverordnung ist der nachträgliche Einbau eines Systems zur Verhinderung einer unkontrollierten Bewegung der Kabine zu prüfen. 5 Kennzeichnungen Die entsprechenden Kennzeichnungen müssen vorhanden sein oder nachgerüstet werden. 6 Betriebsanleitung Sämtliche durchgeführten Änderungen müssen dokumentiert werden. Die diesbezüglichen Anforderungen aus den Punkten 6.1 und 6.2 sind umzusetzen. 6. Meldepflicht Artikel 13 der Verordnung über die Sicherheit von Aufzügen schreibt vor, dass ein Montagebetrieb alle neu in Verkehr gebrachten Aufzüge innerhalb von 30 Tagen melden muss. Unter diese gesetzliche Meldepflicht fallen Neuanlagen und Seite 5 von 6

6 Ersatzanlagen, für die eine Konformitätserklärung nach Artikel 6 der Aufzugsverordnung (SR819.13) ausgestellt werden muss. Die Meldung von Modernisierungen oder von bestehenden Aufzugsanlagen wird empfohlen, ist jedoch nicht Pflicht. Schlussbemerkung Für den Montagebetrieb bedeutet die in diesem Merkblatt beschriebene Vorgehensweise und deren Umsetzung in der Praxis eine konsequente Fortsetzung des bisherigen neuen Konzeptes. Für alle neu in Verkehr gebrachten Aufzüge ändert sich gegenüber der bisherigen Verfahrensweise nichts. Der Inverkehrbringer führt ein Konformitätsbewertungsverfahren durch und stellt eine Konformitätserklärung aus. Indem er harmonisierte Produktenormen anwendet, entsteht wie bis anhin die Vermutung, dass ein Aufzug die gesetzlichen Anforderungen erfüllt. Wer hingegen einen bestehenden Aufzug wesentlich verändert, der kann, entsprechend seinen eigenen betrieblich festgelegten Prozessen, entscheiden, welches Verfahren er anwenden will, damit seine durchgeführten Arbeiten als konform bezeichnet werden können. Selbstverständlich muss beim totalen Ersatz eines bestehenden Aufzuges ein Konformitätsbewertungsverfahren durchgeführt werden. Hingegen stellt der oben beschriebene Prozess für die Modernisierung oder den Teilersatz von bestehenden Aufzügen einen einheitlichen und gangbaren Weg dar, um dem heutigen Stand der Technik Rechnung zu tragen und gleichzeitig die geltenden Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen (Aufzugsverordnung, Artikel 12) zu erfüllen. Seite 6 von 6

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