Technische Dokumentation: wenn Englisch zur Herausforderung wird

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2 Praxis Technische Dokumentation: wenn Englisch zur Herausforderung wird Anforderungsspezifikation, Requirements-Engineering, Requirements-Management, Terminologieverwaltung Über Englischkenntnisse redet man nicht mehr. Man hat sie. So könnte man die inzwischen vorherrschende Grundannahme in international tätigen Unternehmen formulieren, denn Englisch als Unternehmenssprache oder als offizielle Dokumentationssprache sind heute keine Seltenheit mehr. Jedoch fällt es vielen Fachleuten schwer, eine verständliche und inhaltlich korrekte Dokumentation in der Fremdsprache zu erstellen. So entstehen unwissentlich falsch dokumentierte Inhalte, welche, je nach Brisanz des Dokuments, zu erheblichem finanziellen Schaden führen können. Anforderungsspezifikationen wichtige Dokumente in der Softwareentwicklung Wenn Software entwickelt wird, entstehen neben dem eigentlichen Quellcode viele weitere Dokumente. Eines davon ist die Anforderungsspezifikation. Egal, ob es sich um den Bremsassistenten im Auto, eine Berechnungssoftware für Versicherungstarife oder die Temperaturregelung eines Heizungssystems handelt, die Anforderungen an das zu entwickelnde System müssen festgelegt und dokumentiert werden. Dies geschieht in Form einer Anforderungsspezifikation. Immer häufiger werden diese Systeme international ausgeschrieben, was eine Anforderungsdokumentation in englischer Sprache nötig macht. Nun fällt es jedoch nicht jedem Fachexperten leicht, seine Anforderungen auf Englisch korrekt wiederzugeben. Eine Möglichkeit, dieser Problematik Herr zu werden, ist, die Englischkenntnisse der betreffenden Personen kontinuierlich aufzubauen. Dies löst das Problem allerdings nur langfristig. Meist sind jedoch kurz- und mittelfristige Resultate nötig. In der Anforderungsspezifikation haben sich dabei die folgenden Leitlinien und Werkzeuge als hilfreich erwiesen. Logische und systematische Dokumentstruktur Unabhängig davon, in welcher Sprache ein Dokument verfasst wird, trägt eine durchdachte, logische Struktur erheblich zur allgemeinen Verständlichkeit des Textes bei. Daher ist es gerade 64 65

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4 Praxis Satzschablone für Anforderungen mit Bedingung (nach Rupp 2009) Bilinguales Glossar Wenn die alltägliche Arbeitssprache Deutsch und nur die Dokumentationssprache Englisch ist, steigt die Gefahr der Ausbildung uneinheitlicher Terminologie. Es entstehen mehr oder weniger synonyme Übersetzungen für ein und denselben deutschen Begriff, die in der fremdsprachigen Dokumentation dann parallel existieren und zu Unklarheiten führen. Ein einfaches gut gepflegtes bilinguales Glossar kann hier Abhilfe schaffen. Je mehr Personen jedoch auf dieses Glossar zugreifen müssen, desto eher empfiehlt sich die Verwendung eines Terminologieverwaltungssystems. Quellen richtig nutzen Ob mit Terminologieverwaltung oder ohne, beim Schreiben in der Fremdsprache bleibt es nicht aus, dass Wörter auch nachgeschlagen werden müssen. Viele Fachexperten greifen dabei auf etablierte Community-basierte Online-Wörterbücher zurück, welche zwar eine Vielzahl möglicher Übersetzungen anbieten, jedoch in den meisten Fällen keinerlei Kontextinformation zur Verwendung der gefundenen Begriffe liefert. Für das deutsche Wort Lager werden dann beispielsweise ohne weitere Differenzierung die englischen Begriffe warehouse, camp und bearing als mögliche Übersetzungen angeboten. Ein gutes redaktionell geführtes Wörterbuch hingegen gibt deutsche Synonyme für den jeweiligen englischen Begriff mit an, wodurch die Entscheidung für den korrekten Begriff unterstützt wird. Alternativ kann die gefundene Übersetzung in einem monolingualen Wörterbuch (auch hier gibt es eine Vielzahl an kostenfreien Angeboten im Internet) nachgeschlagen und so die genaue Verwendung des Begriffs geklärt werden. Ebenfalls sehr hilfreich bei der Suche nach dem richtigen englischen Begriff sind klassische Suchmaschinen und Online- Enzyklopädien. Letztere können inzwischen gut als multi-linguale Wörterbücher verwendet werden. Man gibt den deutschen Begriff ein, wählt den passenden Artikel aus, navigiert dann auf den damit verknüpften Artikel in der Fremdsprache, und gelangt so zu einer passenden Übersetzung inklusive ausführlicher Kontextbeschreibung. Bei Suchmaschinen kann durch die Einschränkung der Suchergebnisse auf.uk-seiten und eine bestimmte Wortkombination überprüft werden, ob und in welchem Kontext eine bestimmte Formulierung verwendet wird. Die Anzahl der daraus resultierenden Suchergebnisse erleichtern die Abschätzung darüber, wie gebräuchlich die entsprechende Formulierung ist. Sprachliches Review Gerade bei Texten in der Fremdsprache sollte ein Review selbstverständlich sein idealerweise durch einen Muttersprachler. Meist wird ein solcher allerdings nicht greifbar sein. Es ist jedoch schon viel gewonnen, wenn wenigstens ein anderer Kollege oder eine sonstige Zielperson den Text auf seine Verständlichkeit hin überprüft. So zeigt sich schnell, ob verwendete Satzkonstruktionen, Begriffe und Formulierungen für andere Leser verständlich sind. Die sprachliche Perfektion ist hier zweitrangig. Der Inhalt muss korrekt und verständlich dokumentiert sein

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