S Ü D W E S T R U N D F U N K F S - I N L A N D R E P O R T MAINZ S E N D U N G:

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1 Diese Kopie wird nur zur rein persönlichen Information überlassen. Jede Form der Vervielfältigung oder Verwertung bedarf der ausdrücklichen vorherigen Genehmigung des Urhebers by the author S Ü D W E S T R U N D F U N K F S - I N L A N D R E P O R T MAINZ S E N D U N G: Kranke Kinder in Not: Katastrophale Zustände bei der häuslichen Intensivpflege Autorinnen: Red. Mitarbeit: Kamera: Schnitt: Claudia Butter Sandra Fiene Stephan Ebmeyer Harald Mellwig Kolja Niber Thomas Schäfer Oliver Schwier Sylke Nattermann Moderation Fritz Frey: Wenn Kinder krank zur Welt kommen, dann ist an ein normales Leben in geregelten Bahnen nicht mehr zu denken. Da herrscht Ausnahmezustand für das Kind, die Eltern, die Ärzte. Und was passiert mit den Kindern, die nach aufwendigen Operationen gepflegt werden müssen, die auf häusliche Pflege angewiesen sind? Wer steht dann zum Beispiel den Eltern zur Seite? Fragen, denen Claudia Butter und Sandra Fiene nachgegangen sind. Ihre Recherche beginnt bei Familien in großer Not.

2 2 Bericht: Ein Jahr lang kämpfte Maxine im Krankenhaus um ihr Leben. Sie kam mit Löchern im Herzen zur Welt, ihre Lunge und Speiseröhre waren verwachsen. Zehn Operationen, dann endlich konnte sie zu Hause von einem Pflegedienst für Kinder versorgt werden. Doch dann fingen die Probleme an: Die Schwestern machten immer wieder schwere Fehler, berichten die Eltern. O-Ton, Miriam Henning: O-Ton, Ingo Schockmann:»Es geht um das Wichtigste, was wir haben, um unsere Tochter. Und das waren wirklich schlimme Situationen für uns.dieser Pflegedienst war in manchen Momenten lebensgefährlich für unser Kind.«Maxines Eltern werfen den Pflegekräften Fehler vor. So hätten sie das Alarmsignal des Beatmungsgeräts über eine halbe Stunde lang einfach ignoriert. O-Ton, Miriam Henning:»Es wurde Fachpersonal bei uns eingesetzt, die überhaupt gar nicht auf beatmete Kinder geschult sind, die nicht in der Lage waren, Kanülen zu wechseln oder sonst irgendetwas. Es gab mehrere Situationen, wo unsere Tochter hätte ersticken können einfach.«unqualifiziertes Personal in der Kinderintensivpflege? Der Pflegedienst entgegnet, er setze ausschließlich qualifizierte Kräfte ein. Doch auch gegen andere Dienste gibt es Vorwürfe. Noah kam mit einem Loch im Zwerchfell zur Welt. Er kann nicht richtig atmen, braucht intensive Pflege. Seine Eltern erzählen: Die Pflegekräfte seien mit den medizinischen Geräten überfordert und nicht richtig ausgebildet gewesen.

3 3 O-Ton, Andreas Zawisla:»Tatsächlich war eigentlich alles dabei von der Hebamme, Hilfskräfte, Altenpfleger, auch ganz ganz wenige Kinderkrankenschwestern. Aber doch eben auch nicht Fachpersonal.«O-Ton, Olga Hartlieb:»Man hat natürlich Angst, das Kind beim Pflegepersonal zu lassen. Ganz alleine.«ihr Pflegedienst weist alle Vorwürfe zurück. Entgegen Verabredungen, setze man kein unspezialisiertes Personal ein. Stimmt das? Die Krankenschwester Julia Keller hat vor wenigen Monaten bei genau diesem Pflegedienst gekündigt, weil sie die schlechte Qualität nicht mittragen wollte. O-Ton, Julia Keller, Krankenschwester:»Es ist halt einfach so gewesen in der Vergangenheit, dass ich erlebt habe, dass Kollegen gar nicht richtig eingearbeitet waren. Und sich zum Teil mit intensivpflichtigen Kindern nicht ausgekannt haben. Das heißt, überhaupt nicht wussten, wie Beatmungsgeräte funktionieren oder überhaupt, was eine Beatmung ist. Und zum Teil auch keinerlei Ahnung hatten von der Medikamentengabe.«Kranke Kinder in den Händen von ahnungslosen Pflegekräften. Wie kann es dazu kommen? Auf Pflege zu Hause sind schätzungsweise Kinder angewiesen. Die Krankenkassen verhandeln für jedes einzeln, wie viel Geld der Pflegedienst für seine Arbeit bekommt. Judith Engler leitet einen Kinder-Pflegedienst. Sie erlebt, dass dieses Verhandeln ein Preiskampf sein kann. O-Ton, Judith Engler, Pflegedienstleiterin:»Das passiert halt schon, dass Kassen dann einfach sagen: Wir haben hier Anbieter, die machen das für weniger. Dann sollen die halt pflegen. Und für uns, die wir wahrscheinlich ein bisschen mehr Wert auf Qualität legen, ist es natürlich schwierig, dagegen anzukommen.«

4 4 Preisdruck, der sich vor allem auf die Qualität des Personals auswirkt. Denn spezialisierte Kinderkrankenpfleger sind teuer. Einheitliche Standards, wer was mit welcher Qualifikation machen darf, gibt es nicht. Dabei kann schon ein falscher Kanülenwechsel für Kinder lebensgefährlich sein. Dass solche Vorgaben fehlen, nutzen Billiganbieter rege aus, beobachtet Professor Michael Isfort. Er beschäftigt sich seit Jahren mit der Intensivpflege. O-Ton, Prof. Michael Isfort, Deutsches Institut für angewandte Pflegeforschung e. V.:»Bei einem Billiganbieter ist das Problem, er kann die fachlichen Standards überhaupt nicht leisten und überhaupt nicht bieten, weil das Personal, das er dafür einstellen müsste, viel zu teuer ist. Das geht soweit, dass Personal eingesetzt wird, das keine Fachqualifikation hat und das sich auch nicht mit Kindern auskennt.«eine gefährliche Spirale nach unten. Das belastet immer mehr Familien. Ein Treffen von Kindern, die Intensivpflege brauchen. Viele Eltern berichten auch hier, dass ihre Kinder durch unqualifiziertes Personal leiden müssen. O-Ton, Meinolf Becker, Verein Intensivkinder zuhause:»die Tochter hat Angst, regelrecht Angst zu schlafen, weil sie nicht weiß, was passiert. Beherrscht der Krankenpfleger, die Schwester oder der Pfleger die Technik. Sie hat dann wirklich Angst einzuschlafen, reagiert dann auch mit Fieber.«Doch der Spitzenverband der Krankenkassen hat keine Erkenntnisse, dass Qualitätsaspekte vernachlässigt werden. Für einheitliche Vertrags- und Vergütungsverhandlungen fehle ihm die gesetzliche Grundlage. Und das Gesundheitsministerium fühlt sich nicht zuständig. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fordert jetzt, dass endlich etwas passiert.

5 5 O-Ton, Karl Lauterbach, SPD, Gesundheitspolitischer Sprecher Bundestagsfraktion:»Als Gesundheitsminister muss man sofort, und Herr Bahr hätte das lange tun müssen, per Gesetz vorgeben, dass der Standard definiert wird und auch kontrolliert wird. Hier wird ein Gewinn gemacht mit den Ärmsten und Kränksten in unserer Gesellschaft.«Preiskampf statt Patientenwohl. Die Qualität leidet und pflegebedürftige Kinder wie Maxine und Noah baden es aus. Abmoderation Fritz Frey: Die Qualität einer Gesellschaft zeigt sich eben auch im Umgang mit den Schwächsten. Kosten-Nutzen-Abwägungen, wenn es um pflegebedürftige Kinder geht, das kann es doch nicht sein.

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