Landestagung Zukunftsschulen NRW Potenziale entdecken- Diagnostik

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1 1 Pädagogische und psychologische Diagnostik von besonderen Begabungen Landestagung Zukunftsschulen NRW Potenziale entdecken- Diagnostik in Wuppertal Andrea Momma M.A. aus Hamburg

2 Pädagogischer Erkennungsprozess 2 Beobachten der Klasse Förderung Auffälligkeiten Sichtung der Informationen Vermutung??? Psych. Diagnostik gezielte Beobachtung Sammlung weiterer Daten Austausch mit den Kollegen Gespräch mit Kind / Eltern

3 3 Begriffsklärung

4 4 Definition 1: Besondere Begabung Eine besondere Begabung umschreibt das Potenzial eines Menschen, in einem bestimmten Bereich eine überdurchschnittliche Leistung zu erbringen. z.b. Sport, Kunst, Musik, Handwerk, Empathie, Konfliktbearbeitung, Kommunikation, Intelligenz

5 5 Definition 2: Besondere Begabung Von besonderen Begabungen spricht man, wenn der in einem standardisierten Intelligenztest gemessene Wert (IQ) eines Menschen zwischen 115 und 129 liegt.

6 Definition: Hochbegabung 6 William Stern, 1916: Hochbegabung ist die höchste Ausprägung der Intelligenz ab einem IQ- Wert von 130 spricht man von Hochbegabung.

7 Intelligenz - Normalverteilung 7 IQ 70 IQ 85 IQ 100 IQ 115 IQ 130 2% niedrige Intelligenz 14% unterdurchschnittliche Intelligenz Intelligenzausprägung 68 % durchschnittliche Intelligenz 14% überdurchschnittliche Intelligenz 2% hohe Intelligenz

8 8 Hochbegabung als Kategorie

9 Hochbegabung 9 beschreibt lediglich die Fähigkeit des Denkens! ABER: Erwachsene stellen sich unter dem Begriff der Begabung / Hochbegabung bestimmte Verhaltensweisen vor. Kinder haben keine Vorstellung davon, was es bedeutet hochbegabt zu sein. Sie füllen diese Rolle durch die Bilder und Vorstellungen, die ihnen von außen entgegen gebracht werden, z.b. von Eltern und Lehrern. Die Hochbegabung wird unter Umständen zu einer Rolle, die die Kinder übernehmen und sich mit dieser identifizieren.

10 10 Begabung wird sichtbar

11 11 In der Interaktion von:

12 Intelligenz 12 Sie ist individuell ausgeprägt. Sie verändert sich im Laufe der Entwicklung eines Kindes / Jugendlichen. Die Entwicklung unterliegt Schwankungen und verläuft nicht geradlinig. Ab dem 14. Lebensjahr wird die Geschwindigkeit der Intelligenzentwicklung geringer, die Intelligenzausprägung stabilisiert sich, die Prognosekraft ist sehr hoch.

13 Nicht-kognitive Merkmale 13 Anstrengungsbereitschaft Ehrgeiz Offenheit, Neugier Engagement Lerntechniken/Lernstrategien Training auf angemessenem Niveau

14 14 Begabungen erkennen

15 15 Warum ist es wichtig, eine Begabung zu erkennen? Jedes Kind soll ein positives realistisches Selbstkonzept entwickeln: Dazu ist es notwendig, dass es seine Begabungen, Stärken und Schwächen kennt. Dies geschieht durch Spiegelung, Rückmeldung seiner Umwelt. Werden die intellektuellen Fähigkeiten nicht wahrgenommen, ignoriert oder kritisiert, versucht das Kind sich auf Kosten seiner Bedürfnisse und positiven Entwicklung an die Umwelt anzupassen.

16 Grundsätze zum Erkennen 16 Ich sehe nur das, was ich sehen möchte! Besonders begabte / hochbegabte Kinder sind nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen, weil sie nicht immer durch gute Leistungen auffallen. Es gibt keine vollständigen Listen zum Ankreuzen, die zuverlässig besonders begabte Kinder herausfiltern. Voraussetzung dafür, ist die Offenheit gegenüber individuellen Besonderheiten. Besonders begabte Kinder sind genauso besonders wie jedes einzelne Kind in Ihrer Klasse!

17 Beobachtung im Unterricht 17 Chancen viele verschiedene Situationen lange Zeiträume Lernprozess und Ergebnis sichtbar Erfahrung in der Beurteilung von Leistung Vergleichsmöglichkeiten Schwierigkeiten fehlerorientierter Blick Leistungs- und Erwartungsdruck Verhaltensweisen sind an Unterrichtsinhalte und -form gebunden Tendenz zu generalisierten Eindrücken Beobachtungsverzerrungen

18 Beobachtungsverzerrungen 18 Jungen werden hinsichtlich ihrer Begabung im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich höher eingeschätzt als Mädchen. Vornamen beeinflussen die erwarteten Leistungen. Das Erkennen einer Begabung ist eng an das Sozialverhalten geknüpft. Kinder aus bildungsnahen Familien werden intelligenter eingeschätzt. Die Sprachfähigkeiten sind kein Indiz für eine besondere Begabung! Die Begabungen der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund werden leicht übersehen und / oder unterschätzt.

19 19 Besonders begabte und hochbegabte Kinder. bilden keine homogene Gruppe!

20 20 Lern-und Denkprozesse Sie sind die einzigen möglichen ähnlichen Fähigkeiten! höheres Lerntempo: schnelle Verarbeitung von Informationen Verknüpfen neuer Informationen mit altem Wissen höheres kognitives Niveau: vernetztes Denken bei komplexen Problemen Fähigkeit, wechselnde Perspektiven einzunehmen Intelligente Wissensorganisation: Wissen in verschiedenen Situationen flexibel einsetzen mehrere Aspekte gleichzeitig beachten höhere metakognitive Kompetenz Strategiewissen, Planungsgeschick höhere kreative Fähigkeiten Originalität bei der Entwicklung von Ideen und Lösungswegen

21 Lernaktivität Stufen der Denkfähigkeit Stufen der Denkfähigkeit Bloom (1974) Wissen Verständnis Umsetzung Analyse Lernprozesse bei durchschnittlich begabten Menschen Lernaktivität Lernprozesse bei Hochbegabten Synthese Evaluation

22 Beobachtung im Unterricht 22 Auswahl der Schülerinnen und Schüler: Auf welchen Schülern soll an diesem Tag der Fokus liegen? Sie ziehen die Namen per Zufall, z.b. mit Hilfe von Namenskärtchen. Sie überlegen sich gezielt drei Schülerinnen und Schüler, die Sie an diesem Tag verstärkt beobachten. Sie nehmen sich vor, genau auf diejenigen zu achten, die sonst eher nicht auffallen. Beobachtungsecke im Unterricht einrichten

23 Beobachtung im Unterricht 23 freie Arbeitsphasen (z.b. Stationsarbeit, Wochenplan etc.) Arbeiten an einem Projekt, einem gewählten Thema Arbeitsweise bei komplexen Aufgabenstellungen Gruppenarbeiten Leistungsrückmeldung Beteiligung am Unterrichtsgespräch: Perspektivwechsel, Argumentation Zeitpunkt und Qualität des Beitrages

24 Informationsquellen 24 Beobachtungsbogen Fragebogen für die Schülerin /den Schüler Fragebogen für die Eltern Klassenarbeiten Präsentationen mündliche Beiträge/ Diskussionen Produkte/ Portfolios Vergleichsarbeiten

25 Erkennen durch Fördern im Unterricht 25 Aufgabenformate unter Berücksichtigung der besonderen Lernprozesse, z.b. durch: offene Aufgabenstellungen mit mehreren möglichen Ergebnissen offene Aufgabenstellungen ohne Vorgabe des Lösungsweges Du-kannst Aufgaben Blumen -Aufgaben forschendes selbstgesteuertes Lernen in Form von Projektarbeit anhand realistischer Problemstellungen Knobelaufgaben Wettbewerbe 25

26 Pädagogischer Erkennungsprozess 26 Beobachten der Klasse Förderung Auffälligkeiten Sichtung der Informationen Vermutung??? Psych. Diagnostik gezielte Beobachtung Sammlung weiterer Daten Austausch mit den Kollegen Gespräch mit Kind / Eltern

27 27 Psychologische standardisierte Diagnostik Intelligenzdiagnostik ist kein Selbstzweck! Es sollte eine konkrete pädagogische Fragestellung vorliegen, z.b. - zu pädagogischen Maßnahmen, - zu Verhaltensauffälligkeiten im Zusammenhang mit möglicher Unterforderung, - zu sozialen Problemen. Kein Intelligenztest erfasst alle Facetten von Intelligenz!

28 Korrelation 28 Wann ist eine Intelligenzmessung sinnvoll? 0,9 0,8 0,7 0,6 0,5 0,4 0,3 0,2 0, Alter

29 Hierarchischer Aufbau des WISC Gesamt IQ Sprachverständnis SV Wahrnehmungsgebundenes Logisches Denken WLD Arbeitsgedächtnis AGD Verarbeitungsgeschwindigkeit VG Gemeinsamkeiten finden Wortschatz-Test Allgemeines Verständnis Allgemeines Wissen Begriffe erkennen Mosaiktest Bildkonzepte Matrizen-Test Bilder ergänzen Zahlen nachsprechen Buchstaben- Zahlen-Folgen Rechnerisches Denken Zahlen-Symbol-Test Symbol-Suche Durchstreich-Test

30 Wirkung der Diagnostik 30 verändert Wahrnehmung kann eine Entlastung sein kann Ballast sein: Einige Kinder sind bemüht, die Differenz zwischen ihnen und den anderen auszugleichen. Um nicht arrogant zu wirken, verzichten sie auf Stolz. Manche suchen sich in der Hochbegabung Erklärungsmodelle für das Verhalten von Lehrern und Mitschülern. Daher brauchen sie Ihre Unterstützung, um die Diagnose hochbegabt störungsfrei in ihr Selbstbild zu integrieren.

31 Fazit 31 Richten Sie Ihren Blick auf die Persönlichkeit der Schülerin / des Schülers mit ihren / seinen Stärken, Schwächen, Interessen, Fähigkeiten, Eigenschaften. Vermeiden Sie es eine besondere Eigenschaft, z.b. das kognitive Potenzial oder negatives Verhalten in den Fokus zu rücken und das Kind / den Jugendlichen darauf zu reduzieren. Besonders begabte / hochbegabte Schülerinnen und Schüler sind Kinder / Jugendliche wie alle anderen auch, mit einem in individuellen Bereichen überdurchschnittlich / weit überdurchschnittlich ausgeprägtem Denkvermögen.

32 32 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit! Ich wünsche Ihnen ein erfolgreiches, schönes und effektives Schuljahr!

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