Sozialreform oder Revolution? Berlin,

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1 Sozialreform oder Revolution? Berlin, Protokoll NÄCHTES TREFFEN DIENSTAG UHR KARL-MARX-STR. 175 klingeln bei FISCHER Technisches - Wir arbeiten mit den original Seitenzahlen des Textes - Input nächstes Mal: 3. Stefanie 4. Mariam 5. Ermis - Zu lesende Seiten: Seite 11 bis 22 (mittlere Seitenzahlen des Readers) - rosareloaded.blogspot.com!! ANSCHAUEN... Diskussionsverlauf ein Aufzählungspunkt behandelt eine Frage, ein Thema Fragen sind unterstrichen entscheidende Fragen in der Diskussion waren: Was bedeutet die objektive Notwendigkeit des Sozialismus, bzw. Begründung durch den Gang der materiellen gesellschaftlichen Entwicklung? Bedeutet objektiv Notwendig, dass nach dem Kapitalismus zwangsläufig der Sozialismus folgt, bzw. steckt im Objektive Notwendigkeit ein Automatismus drin, bzw. kommt der Sozialismus nach dem großen Krach von selbst? Gibt es nachwievor Krisentendenzen? Offene Fragen: Wie entsteht Klassenbewusstsein? Woher die Krisentendenz im Kapitalismus? Historische Einordnung - Verweis auf den Reader, erster Text (http://www.linke-sds.org/) Vorwort zum Text - Es geht nicht um die Frage Reform ODER Revolution vielmehr geht es um die Frage: welches Ziel wird damit verfolgt? Für Luxemburg ist die Sozialreform das Mittel, die Revolution das Endziel und somit der Zweck. Für Bernstein ist die Sozialreform der Zweck, Bernstein Das Endziel, was es immer sei, ist mir Nichts, die Bewegung Alles (Seite 12). Heute begegnet uns oft folgende Situation: die EINEN wollen jetzt sofort Revolution und die ANDEREN wollen lieber Verbesserungen/Reformen durchsetzen. Luxemburg bringt die beiden Anliegen zusammen, denn der Kampf um Reformen befähigt und aktiviert die Massen und das ist Voraussetzung für eine revolutionäre Bewegung (»Die Befreiung der Arbeiterklasse kann nur das

2 Werk der Arbeiterklasse selbst sein.«karl Marx) - (Deshalb liegt es gerade im Interesse der proletarischen Masse der Partei, sich mit der gegenwärtigen theoretischen Auseinandersetzung mit dem Opportunismus aufs lebhafteste und aufs eingehendste zu befassen. Solange die theoretische Erkenntnis bloß das Privilegium einer Handvoll»Akademiker«in der Partei bleibt, droht ihr immer die Gefahr, auf Abwege zu geraten. Erst wenn die große Arbeitermasse selbst die scharfe zuverlässige Waffe des wissenschaftlichen Sozialismus in die Hand genommen hat, dann werden alle kleinbu rgerlichen Anwandlungen, alle opportunistischen Strömungen im Sande verlaufen. Dann ist auch die Bewegung auf sicheren, festen Boden gestellt.»die Menge tut es.«) A Berlin, 18. April Rosa Luxemburg (S. 13) Fragen: was ist wissenschaftlicher Sozialismus, wollte Bernstein eine Partei von Akademikern, wie schult man eigentlich die Arbeitermasse? Bernstein hat wohl nie konkret gesagt, dass er eine Partei von Intellektuellen und Akademikern haben möchte. Jedoch ist dies eine praktische Konsequenzen aus seiner Politik, Bernstein fokussiert auf Wahlen und nicht auf eine aktive Basis, Der Stimmzettel ist das Werkzeug, mit dem Ihr den Staat nach Eurem Gefallen, zu Eurem Nutz und Frommen zurechtzimmern könnt. Ihr seid also im wahrsten Sinne des Wortes Eures Glu ckes Schmied. (Wahlaufruf der SPD- Fraktion Reader S. 6, S. Bornost) Zur Frage der Schulung, ist es sinnvoll, noch mal die historische Einordnung zu suchen (diese Frage wird uns im Verlauf der Lektüre wieder begegnen) Die SPD von damals hatte außer dem Namen mit dem Haufen von heute wenig zu tun. Sie war das Kronjuwel der Zweiten Internationalen die mächtigste und erfolgreichste Arbeiterpartei der Welt. Sie zählte eine Million Mitglieder, 110 Reichstags- und 231 Landtagsabgeordnete, Gemeindevertreter, 320 Magistrate. Schon 1899 gab die Partei u ber 73 Zeitungen mit einer Gesamtauflage von Exemplaren heraus. 49 dieser Zeitungen erschienen ta glich. Dazu fu hrte die SPD eine Reihe von Arbeitermassenorganisationen in den Konsumgenossenschaften waren 1,3 Millionen Menschen organisiert, in den sozialdemokratischen Gewerkschaftsverbänden sogar 2,6 Millionen Arbeiter. Dazu kamen sozialdemokratische Frauenverbände, Turnverbände und Sangesgruppen. (Reader S. 5, S. Bornost) - Was ist Opportunismus? Anpassung an das aktuelle/bestehende System, um so das Bestmögliche raus zuschlagen, als Beispiel, die Zustimmung der SPD zu den

3 Kriegskrediten ( ) 1. Die opportunistische Methode - Der Kapitalismus wird anpassungsfähiger Nach Bernstein wird ein allgemeiner Zusammenbruch des Kapitalismus mit dessen Entwicklung immer unwahrscheinlicher, weil das kapitalistische System einerseits immer mehr Anpassungsfähigkeit zeigt, andererseits die Produktion sich immer mehr differenziert. A) die Krisentendenz nimmt ab Verschwinden der allgemeinen Krisen, dank der Entwicklung des Kreditsystems, der Unternehmerorganisationen und des Verkehrs sowie des Nachrichtendienstes B) Größere Teile der Arbeiter werden zur Mittelschicht C) Die Produktion differenziert sich aus, Zähigkeit des Mittelstandes infolge der beständigen Differenzierung der Produktionszweige D) ökonomischen und politischen Hebung der Lage des Proletariats infolge des Gewerkschaftskampfes. (alle vorangegangen Zitate, S. 14) Luxemburg interpretiert Bernstein Es ist der erste der genannten Grundpfeiler des wissenschaftlichen Sozialismus, den Bernstein beseitigt (Redaktion, gemeint ist die Krisentendenz). [...] Er verwirft aber damit nicht bloß die bestimmte Form des kapitalistischen Untergangs, sondern diesen Untergang selbst. Er sagt ausdrücklich: [...]»Ein annähernd gleichzeitiger völliger Zusammenbruch des gegenwärtigen Produktionssysems wird mit der fortschreitenden Entwicklung der Geselllschaft nicht wahrscheinlicher, sondern unwahrscheinlicher, weil dieselbe auf der einen Seite die Anpassungsfähigkeit, auf der anderen - bzw. zugleich damit - die Differenzierung der Industrie steigert.«dann entsteht aber die gro e Frage Warum und wie gelangen wir u berhaupt noch zum Endziel unserer Bestrebungen? (S. 15) - Es folgt die kritische Beschreibung der praktischen Konsequenzen aus den Bernstein-Annahmen, der inhaltliche Widerspruch zur Abnahme der Krisentendenz folgt im zweiten Kapitel, - Bernstein verabschiedet sich von der materialistischen Geschichtsauffassung, der Kapitalismus transformiert sich langsam hin zum Sozialismus, Sozialismus wird zur moralischen Notwendigkeit. Mit einem Wort, was wir auf diesem Wege erhalten, ist eine Begru ndung des sozialistischen Programms durch»reine Erkenntnis«, das heißt, einfach gesagt, eine idealistische Begru ndung, während die objektive Notwendigkeit, das heißt die

4 Begru ndung durch den Gang der materiellen gesellschaftlichen Entwicklung, da hinfällt. Die revisionistische Theorie steht vor einem Entweder-Oder. Entweder folgt die sozialistische Umgestaltung nach wie vor aus den inneren Widersprüchen der kapitalistischen Ordnung, dann entwickeln sich mit dieser Ordnung auch ihre Widersprüche und ein Zusammenbruch in dieser oder jener Form ist in irgendeinem Zeitpunkt das unvermeidliche Ergebnis, dann sind aber auch die»anpassungsmittel«unwirksam, und die Zusammenbruchstheorie richtig. Oder die»anpassungsmittel«sind wirklich imstande, einem Zusammenbruch des kapitalistischen Systems vorzubeugen, also den Kapitalismus existenzfähig zu machen, also seine Widersprüche aufzuheben, dann hört aber der Sozialismus auf, eine historische Notwendigkeit zu sein, und er ist dann alles, was man will, nur nicht ein Ergebnis der materiellen Entwicklung der Gesellschaft. (S. 16) Im folgenden, Fragen aus der Diskussion zu diesem Thema: Was bedeutet die objektive Notwendigkeit des Sozialismus, bzw. Begründung durch den Gang der materiellen gesellschaftlichen Entwicklung? Marx, historischer Materialismus, die herrschende Gesellschaftsform ist nicht von den Menschen ausgedacht und geplant, eine Gesellschaftsform entsteht aus der Entwicklung der Produktivkräfte (z.b. Feudalismus -> Kapitalismus) Nun hat der Kapitalismus zum ersten Mal in der Geschichte die materiellen Bedingungen für eine klassenlosen Gesellschaft hervorgebracht. Was heißt notwendig? Notwendige Bedingung also eine Bedingung die vorausgesetzt werden muss, dem gegenüber steht die hinreichende Bedingung. Bedeutet objektiv Notwendig, dass nach dem Kapitalismus zwangsläufig der Sozialismus folgt, bzw. steckt im Objektive Notwendigkeit ein Automatismus drin, bzw. kommt der Sozialismus nach dem großen Krach von selbst? Dem wird Sozialismus oder Barbarei (Luxemburg) entgegengesetzt, daher, es könnte auch der Faschismus kommen oder beide Klassen gehen gemeinsam unter (Römisches Reich). Der Kapitalismus ist Krisenhaft laut Marx immer, deswegen objektive Notwendigkeit einer anderen Gesellschaft (Bernstein glaubt man kann das im Kapitalismus lösen bzw. der Kapitalismus hat das selbst gelöst) Zur Frage, ob der Kapitalismus sich selbst überwindend, notwendig bedeutet nicht gleich automatisch. Z.B. heute, BP muss objektiv das Bohrloch schließen schafft es aber nicht..., oder die Klimakrise fordert eine radikale Umstellung auf erneuerbare Energie passiert aber nicht... Leider kein Automatismus vorhanden;) Aus diesem Grund ist der subjektive Faktor sehr wichtig (1933, davor Weltwirtschaftskrise) Was bedeutet die Zusammenbruchstheorie? Hintergrund: damals diskutierte Frage, gibt es überhaupt noch Krisen? (lange Zeit des Aufschwungs). Zusammenbruch bedeutet bei Luxemburg vor allem Krise, Krisenhaftigkeit des

5 Kapitalismus. Nimmt man jedoch mit Bernstein an, die kapitalistische Entwicklung gehe nicht in der Richtung zum eigenen Untergang, dann hört der Sozialismus auf, objektiv notwendig zu sein. (S. 15) Daher, wenn wir das Krisenhafte überwinden möchten, zu etwas progressiven, dann ist es objektiv notwendig... Haben wir eine komplett kapitalistische Welt? Nein, es gibt viele Länder, in dem verschiedenen Produktionsweisen parallel existieren Was bedeutet Anarchie hier? Planbarkeit im Unternehmen alles total rational geplant, Produkt auf dem Markt nicht mehr planbar, die Konkurrenz tritt ein! Gibt es einen Absatz für die Waren? Anarchie des Marktes... (siehe Auto- Überproduktion, Opel) - Was bedeutet in diesem Kontext Vergesellschaftung? Steigung der Effizienz, mehr Menschen im Produktionsprozess 2. Anpassung des Kapitalismus - Kredite Bernstein Um beim Kredit anzufangen, so hat er in der kapitalistischen Wirtschaft mannigfaltige Funktionen, seine wichtigste besteht aber bekanntlich in der Vergrößerung der Ausdehnungsfähigkeit der Produktion und in der Vermittlung und Erleichterung des Austausches. (S. 16) Luxemburg So ist der Kredit, weit entfernt, ein Mittel zur Beseitigung oder auch nur zur Linderung der Krisen zu sein, ganz im Gegenteil ein besonderer mächtiger Faktor der Krisenbildung. Und das ist auch gar nicht anders möglich. Die spezifische Funktion des Kredits ist - ganz allgemein ausgedrückt - doch nichts anderes, als den Rest von Standfestigkeit aus allen kapitalistischen Verhältnissen zu verbannen und überall die größtmögliche Elastizität hineinzubringen, alle kapitalistischen Kräfte in höchstem Maße dehnbar, relativ und empfindlich zu machen (S. 17) Kann der Kredit auch Produktivkraft bringen, also erst mal der Krisentendenz entgegenwirken (ermöglicht Unternehmensgründungen)? Langfristig stärkte es Krisentendenzen, denn in Krisen kommt es so zu Kreditklemmen, kann anfeuern, ist aber auch notwendig! Kein Kiosk mehr ohne Schuldenberg. In der Wirtschaftskrise wird der Kredit zum Problem, denn der Kredit wird von den Banken zurückgezogen oder Zinsen angehoben Luxemburg sagt nicht: Kredite sind verantwortlich für die Krisentendenz des Kapitalismus, Luxemburg sagt: Kredite verstärken die Krisen - Unternehmensverbände Bernstein: die Produktion organisiert sich zunehmend in Verbänden, Kartelle bis hin zum Monopol-Kartell, so dass die Konkurrenz ausgehebelt wird, also die Anarchie die Marktes aufgehoben. Luxemburg von einer Eindämmung der kapitalistischen Anarchie durch die

6 Unternehmerkartelle könnte nur in dem Maße die Rede sein, als die Kartelle, Trusts usw. annähernd zu einer allgemeinen, herrschenden Produktionsform werden sollten. Allein gerade dies ist durch die Natur der Kartelle selbst ausgeschlossen. Der schließliche ökonomische Zweck und die Wirkung der Unternehmerverbände bestehen darin, durch den Ausschluß der Konkurrenz innerhalb einer Branche auf die Verteilung der auf dem Warenmarkt erzielten Profitmasse so einzuwirken, daß sie den Anteil dieses Industriezweiges an ihr steigern. (S. 18) - Daher: die Idee des Kartells dient dazu, anderen Unternehmen in der gleichen Branche entgegenzutreten, anzugreifen. Unternehmensverbände (auch auf dem Weltmarkt) funktioniert nur solange, bis der Absatz nicht mehr steigt (die Konkurrenten außerhalb des Kartells abgehängt worden sind), dann treten die Kartell-Unternehmen wieder untereinander in Konkurrenz um den Profit weiter steigen lassen zu können. - Verkehrswesen - Gilt das heute noch? Die Transportzeit nimmt weiterhin ab (Luftfahrt, Internet, Frachtschiffe, Supertanker)

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