Berliner ikt-wirtschaft Potenziale einer zukunftsbranche langversion

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1 Berliner ikt-wirtschaft Potenziale einer zukunftsbranche langversion

2 inhalt Vorwort 5 1. Bedeutung der ikt-wirtschaft Eckdaten der deutschen IKT-Branche Der deutsche IKT-Markt Rahmenbedingungen von IKT-Unternehmen in Deutschland Trends und Zukunftsmärkte Ausgewählte IKT-Regionen ikt-wirtschaft in Berlin Eckdaten der Berliner IKT-Wirtschaft IKT-Gründungen Exkurs: Internetunternehmen in Berlin Wirtschaftspolitik und Unterstützung Exkurs: Förderprogramme und Risikokapital-Finanzierung ikt-wissenschaft in Berlin IKT-Studiengänge in Berlin IKT-Forschungsschwerpunkte in der Berliner Wissenschaft Berliner IKT-Forschung im Vergleich situation der Berliner ikt-unternehmen ergebnisse einer unternehmensbefragung Teilbranchen und Gründungsjahre der IKT-Unternehmen Wirtschaftliche Lage der Berliner IKT-Unternehmen Geschäftsbereiche und Märkte der IKT-Unternehmen Strategische Ausrichtung der Berliner IKT-Unternehmen Beurteilung des IKT-Standortes Berlin handlungsempfehlungen Cluster IKT, Medien und Kreativwirtschaft IMK weiter profilieren und stärker am jeweils spezifischen Bedarf der Unternehmen ausrichten Berlin als professionellen Standort für die digitale Wirtschaft positionieren IKT-Anbieter und Anwender-Branchen stärker vernetzen Vernetzung innerhalb der digitalen Wirtschaft intensivieren Austausch und Kooperationen zwischen Wissenschaft und Unternehmen intensivieren Unternehmen bei der Fachkräftesicherung unterstützen Aus- und Weiterbildungsbedingungen verbessern Unternehmen in Produktentwicklung, Markterschließung und Internationalisierung unterstützen Jungen Unternehmen und Gründern den Unternehmensstart erleichtern 79 impressum 82 Aus Gründen der besseren Lesbarkeit und zur Vermeidung komplizierter Formulierungen wird in der Broschüre nur die männliche Anredeform verwendet. 3

3 Berliner ikt-wirtschaft Vorwort Tablets, PCs, Onlinebanking, E-Commerce, Social Media... Ob im Privat- oder Geschäftsleben, Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) bestimmen zunehmend unseren Alltag. Unternehmen wie Google, Facebook oder Microsoft sind globale Schwergewichte und tauchen regelmäßig in den internationalen Schlagzeilen der Wirtschaftsnachrichten auf. Sowohl die technologischen als auch die wirtschaftlichen Entwicklungen der IKT-Branche sind überaus dynamisch. Die Auswirkungen sind nicht nur international und deutschlandweit spürbar, auch für die Berliner Wirtschaft nimmt die wirtschaftliche Bedeutung von IKT zu als junge, innovative und wachsende Branche und als Schlüsseltechnologie für die gesamte Berliner Wirtschaft. Die Berliner IKT-Branche entwickelt sich seit einigen Jahren sehr dynamisch. Die Zahl der Unternehmen und ihr Anteil an Wachstum und Beschäftigung steigen mit hohen Raten. IKT-Unternehmen sind Innovationstreiber und sehr aktiv in Forschung und Entwicklung. Entsprechend sind die Fachkräfte in dieser wissensintensiven Branche hochqualifiziert. Darüber hinaus schaffen IKT als Querschnittstechnologien einen Mehrwert für andere Branchen der Berliner Wirtschaft. Sie setzen IKT ein, um ihre Produktivität und Innovationsfähigkeit zu erhöhen. Die positive Entwicklung und die wachsende Bedeutung der IKT-Branche für die Berliner Wirtschaft waren für die IHK Berlin Grund genug, den Blick zu schärfen und die Berliner IKT-Branche genauer zu analysieren. Leitfragen der Analyse waren: Welche wirtschaftlichen Kennzahlen gibt es für die IKT-Branche? In welchen wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen agieren Berliner IKT-Unternehmen? Welche Entwicklungen zeichnen sich ab? Wie können die Berliner IKT-Unternehmen in ihrem Wachstum unterstützt werden? Dazu hat die IHK Berlin umfangreiches Daten- und Studienmaterial analysiert und zusammengestellt und um eine Unternehmensbefragung ergänzt. Knapp 200 Mitgliedsunternehmen aus der IKT-Branche haben ihre Situation dargestellt und ihre Einschätzung des IKT-Standortes Berlin gegeben. Diese Ergebnisse wurden in mehreren Interviews mit Experten des Berliner IKT-Umfeldes diskutiert. Das so entstandene Daten- und Faktenmaterial bildet die Grundlage für Empfehlungen, wie die Potenziale der digitalen Wirtschaft in Berlin noch besser genutzt werden können. 4 5

4 Es existieren verschiedene Definitionen der IKT-Branche. Die IHK Berlin erfasst mit dem Begriff die Hersteller von Informations- und (Tele-)Kommunikationstechnik sowie Dienstleistungsanbieter für Telekommunikation und Informationstechnologien. So vielfältig die IKT-Wirtschaft in ihren Teilsegmenten ist, so vielfältig sind auch die statistischen Zuordnungen einzelner Wirtschaftszweige zu dieser Branche. Es gibt keine eindeutige Definition für die IKT-Wirtschaft und keine klare statistische Abgrenzung gegenüber anderen Branchen. Deswegen soll zunächst definiert werden, was in dieser Studie unter IKT-Wirtschaft verstanden wird. Sie fasst unter der Branche IKT-Wirtschaft die Hersteller von Informationsund Kommunikationstechnologien sowie Anbieter von Telekommunikations- und Informationstechnologiedienstleistungen zusammen. 1 Gemäß der Wirtschaftszweigklassifikation WZ 2008 umfasst dies folgende Bereiche: IKT-Hersteller: WZ 26.1 Herstellung von elektronischen Bauelementen, 26.2 Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, 26.3 Herstellung von Telekommunikationstechnik, 26.4 Herstellung von Unterhaltungselektronik IKT-Dienstleistungen: WZ 58.2 Verlegen von Software, 61 Telekommunikation, 62 Erbringung von Dienstleistungen der Informationstechnologie, 63.1 Datenverarbeitung, Hosting, Webportale, 95.1 Reparatur von Datenverarbeitungs- und Telekommunikationsgeräten Eine weitere Herausforderung hinsichtlich der Datenlage besteht darin, dass Zahlen der öffentlichen Statistik in ihrer Aktualität mit der Dynamik der Branche nicht mithalten können. So beziehen sich die aktuellsten verfügbaren Zahlen der Strukturerhebung im Dienstleistungsbereich auf das Jahr Doch gerade in den vergangenen zwei Jahren hat sich eine rege Internetszene in Berlin entwickelt ein Trend, der mit offiziellen Zahlen nicht realitätsnah zu erfassen ist. Ein einheitliches Bild und eine allgemeingültige Definition für die IKT zu erhalten, ist angesichts der bestehenden Konvergenzentwicklungen und ihres Querschnittscharakters besonders schwierig. Informations- und Kommunikationstechnologien durchdringen fast alle Lebens- und Geschäftsbereiche. Mitunter fällt die Zuordnung eines Unternehmens zu den IKT-Anbietern oder -Anwendern schwer. IT-basierte Geschäftsmodelle nehmen zu, auch wenn der Tätigkeitsschwerpunkt nicht die Technologieentwicklung an sich ist. Beispielsweise nutzen E-Commerce- Anbieter Informationstechnologien, um ihrem Geschäftszweck Handel nachzugehen. Die Digitalisierung durchdringt inzwischen viele Bereiche der Wirtschaft und ist Grundlage vieler Geschäftsmodelle. Weil der Begriff digitale Wirtschaft die Konvergenz und den Querschnittscharakter der Zielgruppe zum Ausdruck bringt, ist er als Begriff in der Wirtschaftspolitik besser geeignet als IKT. Die Zahlengrundlagen für die IKT- Wirtschaft sind nicht konsistent und von unterschiedlicher Aktualität und Tiefe ein Problem für die Analyse. Daneben gibt es Definitionen bzw. Untersuchungen, die der IKT-Wirtschaft ausschließlich Anbieter von Dienstleistungen der Informationstechnologie zurechnen oder die sehr weit gefasst sind und auch den Handel mit IKT-Produkten und/oder den Bereich Medien, mit dem zahlreiche Schnittstellen bestehen, in die Betrachtung der IKT-Wirtschaft einbeziehen. Die amtliche Statistik folgt in der Erhebung ihrer Daten zunächst der Grundeinteilung in die Statistik des verarbeitenden Gewerbes und in die Dienstleistungsstatistik. Dementsprechend ordnet sie die IKT-Hersteller dem verarbeitenden Gewerbe zu. Die Telekommunikations- und IT-Services gehören zusammen mit den Dienstleistern der Kommunikations- und Medienwirtschaft in die Kategorie Information und Kommunikation der Dienstleistungsstatistik. Diese getrennte Zuordnung hat zur Folge, dass die Datenlagen für die verschiedenen Teilbereiche der Branche sehr unterschiedlich sind. Daher erscheint eine Abgrenzung der IKT-Branche zwar sinnvoll, wenn es darum geht, ihr unmittelbares wirtschaftliches Potenzial zu analysieren und ihre Bedeutung für die Entwicklung und Struktur der Berliner Wirtschaft insgesamt aufzuzeigen. Doch sollte diese Abgrenzung nicht dogmatisch angewendet werden, wenn die Zielgruppe für eine unterstützende Wirtschaftspolitik definiert werden soll. Dafür wirkt der Begriff digitale Wirtschaft integrierender und bezieht angrenzende Bereiche ein, die auf den IKT und deren Entwicklungen basieren. Es existieren unterschiedliche Erhebungsintervalle und Panelabgrenzungen, weshalb mitunter nicht für alle Kennzahlen ein einheitliches Bild gezeichnet werden kann. Oft sind nur Zahlen für die Unternehmen im Dienstleistungsbereich oder für jene im verarbeitenden Gewerbe verfügbar. Zudem sind viele statistische Kennzahlen nicht in der Tiefe differenziert und nur für übergeordnete Gruppen (Abschnitte oder Zweisteller-Ebene der Wirtschaftszweigsystematik) verfügbar. Auch die wirtschaftlichen Kennzahlen für den Bereich Erbringung von Dienstleistungen der Informationstechnologie, dem die überwiegende Mehrheit der Unternehmen der IKT-Branche zugeordnet ist, liegen nicht weiter differenziert vor. Innerhalb dieses Abschnittes bewegen sich jedoch die Tätigkeitsbereiche der Unternehmen auf einer breiten Spanne sie reichen zum Beispiel vom Angebot zur Erstellung von Webinfrastrukturen für Unternehmen über Softwareentwicklung bis hin zur Beratung in IT-Prozessen. 1 Diese Definition wenden Verbände und Wissenschaftseinrichtungen an. 6 7

5 1. Bedeutung der IKT-Wirtschaft 1.1 Eckdaten der deutschen IKT-Branche Informations- und Kommunikationstechnologien haben für Deutschland eine hohe volkswirtschaftliche Bedeutung. Die Erzeugung von Produkten in diesem Bereich und die Bereitstellung von Dienstleistungen bieten derzeit deutschlandweit rund Mitarbeitern Beschäftigung. Die IKT-Wirtschaft sichert Wachstum und Beschäftigung. Darüber hinaus sichert die Anwendung der Informations- und Kommunikationstechnologien als Querschnittstechnologien Arbeitsplätze für etwa IKT-Spezialisten. 2 Getragen wird das Wachstum der deutschen IKT-Wirtschaft vor allem von der dynamischen Entwicklung der Dienstleistungen (Tabelle 1). Waren 1985 deutschlandweit nur ca Personen bei IKT-Dienstleistern beschäftigt, sind es heute mehr als Tabelle 1: Erwerbstätige in der deutschen IKT-Branche Erwerbstätige* in der IKT-Branche in Veränderung zum Vorjahr Summe IKT 835,2 835,5 848,2 876,2 886,3 0,0 % 1,5 % 3,3 % 1,2 % Hersteller von IKT 95,8 88,3 83,2 82,0 78,9-7,8 % -5,8% -1,4 % -1,2 % Herst. v. DV-Geräten 26,5 23,8 21,0 21,0 20,5-10,1 % -11,8 % 0,2 % -2,4 % Herst. v. Telekommunikationstechnik 57,2 53,6 51,1 49,8 47,5-6,3% -4,8% -2,4 % -4,7 % Herst. v. Unterhaltungselektronik 12,1 10,9 11,1 11,2 10,9-10,3 % 2,3 % 1,2 % -2,7 % IKT-Dienstleistungen 739,4 747,2 765,1 794,1 807,4 1,1 % 2,4 % 3,8 % 1,7 % Telekommunikationsdienste (WZ 61) 188,1 183,7 176,9 176,0 173,9-2,4 % -4,0% -0,5% -1,2 % IT-Dienste (WZ 62,63.1, 95.1) 551,3 563,5 588,2 618,1 633,5 2,2 % 4,4 % 5,1 % 2,5 % Quelle: BITKOM, Bundesagentur für Arbeit, Bundesnetzagentur, Statistisches Bundesamt, eigene Berechnung (Oktober 2012); * Erwerbstätige jeweils zum , inklusive Selbstständiger Die Gründungsdynamik in der deutschen IKT-Branche ist sehr hoch. Exemplarisch steht dafür das Gründungsgeschehen in der Softwarebranche, deren Entwicklung als Beleg für die Wettbewerbsfähigkeit innerhalb der Informations- und Wissensgesellschaft gilt. Die deutsche IKT-Wirtschaft ist gründungsstark. Lag der Anteil der Gründungen im Softwarebereich an der Gesamtzahl der Gründungen in den technologieorientierten Dienstleistungen 1995 noch bei etwa zehn Prozent, ist er in den darauffolgenden Jahren auf rund 27 Prozent gestiegen, was eine überdurchschnittliche Gründungsstärke belegt. Die absolute Zahl der Gründungen in der Softwarebranche hat sich in diesem Zeitraum um etwa 75 Prozent erhöht. 3 Zusammen mit den weiteren Dienstleistungszweigen der IKT-Wirtschaft (Tabelle 2) summierte sich die Zahl der IKT-Dienstleistungsunternehmen auf insgesamt Angaben von BITKOM und BMWi (2012) 3 ZEW Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH: Hightechgründungen in Deutschland, Februar

6 Die deutsche IKT-Wirtschaft ist jung und mittelständisch strukturiert. Tabelle 2: Unternehmen und Umsatz in den IKT-Dienstleistungen in Deutschland (2010) Unternehmen* Umsatz in Euro Telekommunikation (WZ 61) IT-Dienstleistungen (u. a. Programmierung, Beratung, Software) (WZ 62, 58.2) Datenverarbeitung, Hosting, Webportale (WZ 63.1) IKT-Dienste gesamt Quelle: Strukturerhebung Dienstleistungsbereich 2010 des Statistischen Bundesamtes * Unternehmen mit mindestens Euro Gesamtumsatz im Jahr Aufgrund der vergleichsweise kurzen Branchengeschichte sind die meisten Unternehmen noch relativ jung und überwiegt in der Größenstruktur die Gruppe der Kleinst- und Kleinunternehmen mit einer nur geringen Mitarbeiterzahl und vergleichsweise geringen Umsätzen. Diesen stehen nur wenige mittlere und große Unternehmen (mit 50 bis 250 Beschäftigten bzw. mit mehr als 250 Beschäftigten) gegenüber, die jedoch den größten Teil des Umsatzes und der Beschäftigung dieser Branche auf sich vereinen (Abbildung 1). 4 Auch im internationalen Vergleich gehören nur wenige deutsche Anbieter zu den weltweit führenden bzw. größten Unternehmen der IKT-Branche so die SAP AG und die Software AG. Andere deutsche IKT-Unternehmen konnten sich nur in Marktnischen oder speziellen Branchen international einen Namen machen. Abbildung 1: Struktur der deutschen IKT-Unternehmen Unternehmen 2001 Unternehmen 2009 Umsatz 2001 Umsatz 2009 Bruttowertschöpfung 2001 Bruttowertschöpfung 2009 Beschäftigte 2001 Beschäftigte % 10% 20% 30% 40% 50% 60% 70% 80% 90% 100% 0 bis 9 Beschäftigte 50 bis 249 Beschäftigte 10 bis 19 Beschäftigte >250 Beschäftigte 20 bis 49 Beschäftgte * Differenzierung der Unternehmen nach Beschäftigtengrößenklassen 2001 (Abschnitt 72 nach WZ 1993) und 2009 (Abschnitt 62 und 63.1 nach WZ 2009); Quelle: Eurostat, nach PAC & Fraunhofer ISI Der deutsche IKT-Markt Deutschland erreicht bezogen auf den Umsatz mit IKT einen Weltmarktanteil von 5,1 Prozent und ist damit nach den USA, Japan und China der viertgrößte Markt weltweit. Die Ausgaben für IKT machen einen Anteil von fünf Prozent am Bruttoinlandprodukt aus. 5 Den höchsten Anteil am IKT-Marktvolumen in Deutschland haben Telekommunikationsdienste und IT-Services. IT-Hardware rangiert auf Platz drei (Tabelle 3). Tabelle 3: Entwicklung und Struktur des IKT-Marktes in Deutschland Marktvolumen in Milliarden Euro Wachstumsraten / / / / 2013 Summe IKT 139,4 145,8 147,9 152,0 154,3 4,6 % 1,4 % 2,8 % 1,6 % Hersteller von IKT 40,6 45,4 46,3 49,0 49,9 11,8 % 2,0 % 5,8 % 1,8 % H. v. DV-Geräten 16,9 20,4 20,7 20,9 21,2 20,5 % 1,4 % 1,1 % 1,2 % H. v. Telekommunikationstechnik 10,6 11,9 13,0 15,2 16,0 12,2 % 9,2 % 16,9 % 5,3 % H. v. Unterhaltungselektronik 13,1 13,1 12,6 12,9 12,7-0,2% -4,1 % 2,3 % -1,2 % IKT-Dienstleistungen 98,7 100,4 101,6 103,0 104,4 1,7 % 1, 2 % 1,4 % 1,4 % Telekommunikationsdienste 51,9 51,8 51,2 51,2 50,7-0,2% -1,0 % -0,1 % -0,9% IT-Dienste 46,8 48,6 50,4 51,8 53,7 3,8 % 3,7 % 2,8 % 3,7 % Quelle: BITKOM, EITO 2012 Tätigkeitsschwerpunkt der deutschen IKT-Dienstleister ist das B2B-Segment. Eine Befragung im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) hat ergeben, dass 96 Prozent der Unternehmen Angebote für gewerbliche Kunden bereitstellen, 34 Prozent im öffentlichen Sektor aktiv sind und nur 14 Prozent Endkunden ansprechen. Ähnliche Ergebnisse zeigt auch die Umfrage der IHK Berlin (siehe Kapitel 5 Situation der Berliner IKT-Unternehmen ). Den größeren Anteil ihrer Umsätze haben die IKT-Unternehmen in der Vergangenheit mit Großunternehmen generiert. Denn die KMU agieren als Anwender vorsichtiger, insbesondere bei neuen technischen Entwicklungen. Viele warten ab, ob sich neue Techniken bewähren und der Preis für sie sinkt. Doch zunehmend wird der breite Mittelstand von den IKT-Unternehmen als wichtiges Kundensegment erschlossen, das Standardlösungen einzelner Anbieter und unkomplizierten Service präferiert. Kleineren IKT-Unternehmen fällt es häufig schwer, Marktanteile zu sichern und im Wettbewerb zu bestehen. Deshalb agieren sie oft auch als Partner von IKT-Großunternehmen. Zwar verlieren sie damit an unternehmerischer Unabhängigkeit, doch profitieren sie andererseits von der wesentlich höheren Marktpräsenz und Bekanntheit der großen Anbieter. Deutschland ist viertgrößter IKT-Markt weltweit. Die IKT-Dienstleister finden ihre Kunden überwiegend im B2B-Bereich. Kleinere IKT-Unternehmen kooperieren mit großen und sichern sich so ihren Markt. 4 PAC & Fraunhofer ISI: Wachstumshemmnisse kleiner und mittlerer Unternehmen am Beispiel der IT-Branche, Februar BMWi 2012: Schlaglichter der Wirtschaftspolitik 1/

7 Verarbeitendes Gewerbe ist größter Abnehmer der IKT- Wirtschaft. Finanzierung mit Fremdkapital kann für IKT-Unternehmen zur Hürde werden. Rasch wechselnde Trends, sich schnell ändernde Geschäftsmodelle und Vertriebsmöglichkeiten, bei denen die Nutzung von IKT für die Prozessabwicklung im Vordergrund steht, ermöglichen es gerade kleineren Anbietern, sich neue und andere Kundenkreise zu erschließen seien es größere Unternehmen oder auch Endkunden. Cloud Computing, Software as a Service (SaaS) und App Download Stores sind hier nur einige Schlagworte. Das verarbeitende Gewerbe ist der mit Abstand größte Endabnehmer für IKT-Unternehmen in Deutschland. Im Branchenvergleich sind zudem der öffentliche Sektor sowie der Banken- und Finanzsektor wichtige Marktsegmente für die deutschen IKT-Unternehmen. Ein Teil der IKT-Unternehmen konzentriert seine Angebote auf nur eine oder wenige Branchen und spezialisiert sich auf sie, während andere Anbieter branchenübergreifende Lösungen anbieten. Kleinere Anbieter konzentrieren sich eher auf den deutschen Markt und agieren oftmals regional. Zwar haben viele von ihnen durchaus auch ausländische Kunden, allerdings verfolgen die wenigsten eine konsequente und konkrete Auslandsstrategie. Sprachbarrieren, ein anderer rechtlicher Rahmen und unzureichende Kenntnisse über das Markt- und Kundenpotenzial stehen dem entgegen. 1.3 Rahmenbedingungen von IKT-Unternehmen in Deutschland In einer Studie im Auftrag des BMWi wurden Wachstumshemmnisse kleiner und mittlerer Unternehmen am Beispiel der IT-Branche untersucht. Diese bestimmen auch die Rahmenbedingungen der Berliner IKT-Unternehmen, und ihre Analyse bietet damit Ansatzpunkte für mögliche Fördermaßnahmen, die auf Landesebene ergriffen und gestaltet werden können. 6 Kleine und mittlere deutsche Unternehmen finanzieren ihre Vorhaben weit überwiegend mit Eigenkapital und Kreditmitteln. Öffentliche Fördergelder und Beteiligungskapital haben für sie nur eine geringe Bedeutung. Diese Finanzierungsstruktur gilt grundsätzlich auch in der IKT-Wirtschaft. Allerdings erweist sich die Finanzierung mit Fremdmitteln hier oftmals als Hürde, weil insbesondere IKT-Dienstleister den Banken keine ausreichenden Sicherheiten bieten können. Ihr immaterielles Knowhow geht nicht in ihre Bilanz ein. Zudem ist das Angebot an Risikokapital in Deutschland im internationalen Vergleich sehr gering und wird nicht nur in die IKT-Branche investiert. Auch wenn die konkreten Zahlen beim Bedarf variieren, gehen doch mehrere Studien und Schätzungen von einem Mangel an IKT-Fachkräften aus. Mit der angespannten Personalsituation haben insbesondere kleine und mittlere Unternehmen zu kämpfen, da sie sich gegenüber größeren Unternehmen und deren höherer Bekanntheit nicht so leicht durchsetzen können. Die Mehrzahl der Arbeitsplätze wird von hochqualifizierten Mitarbeitern besetzt. Deswegen ist der Bedarf an akademischen Fachkräften, insbesondere an Absolventen relevanter Studiengänge, vor allem Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (die sogenannten MINT- Fächer) groß. Die weitere Entwicklung der IKT-Wirtschaft wird daher in hohem Maße von der Verfügbarkeit dieser Fachkräfte abhängen. Auch die Rekrutierung internationaler Fachkräfte wird immer wichtiger, wobei von Unternehmen und Verbänden oft das deutsche Ausländerrecht und die behördliche Genehmigungspraxis für Arbeitserlaubnisse kritisiert werden. Auch Fragen der Standardisierung und Interoperabilität beeinflussen die Rahmenbedingungen der IKT-Unternehmen. Insbesondere für kleinere Unternehmen bedeuten fehlende Standards einen erheblichen Mehraufwand, da u. a. jeweils Einzellösungen für verschiedene Plattformen entwickelt und produziert werden müssen. Oft setzen größere Unternehmen Standards, indem sie proprietäre Schnittstellen vorgeben, von denen dann kleinere Firmen abhängig sind. Das führt dazu, dass neue Produkte unabhängig von diesen Systemen mitunter mit einer geringeren Marktakzeptanz zu kämpfen haben. Ein großer potenzieller Kundenkreis der IKT-Unternehmen ist die öffentliche Hand. Doch benachteiligt das öffentliche Beschaffungswesen insbesondere kleinere Unternehmen. Öffentliche Ausschreibungen haben oft ein zu großes Volumen, das nicht in kleinere Losgrößen aufgesplittet wird, und sie sind nicht technologieneutral. Zudem werden innovative Lösungen von der öffentlichen Hand zu wenig genutzt und ausprobiert oder sie passen nicht zu den bereits vorhandenen IKT-Strukturen. In Deutschland gibt es zwar zahlreiche junge, dynamische IKT-Unternehmen, allerdings wachsen diese viel zu selten zu größeren oder sogar internationalen Playern heran. Damit fehlt es in Deutschland gemessen an anderen wichtigen IKT-Standorten an einer wirtschaftlicher Verflechtung zwischen großen und kleinen IKT-Unternehmen, die häufig als Impulsgeber für zusätzliches Wachstum fungiert. Fehlende Standards stellen Hürde für die IKT-Wirtschaft dar. Öffentliche Ausschreibungen sind oft nicht mittelstandsfreundlich gestaltet. Starke internationale Player fehlen als Zugpferd für den Mittelstand. Fachkräfte sind wichtiger Wachstumsfaktor für die IKT-Wirtschaft. Neben den Finanzierungsmöglichkeiten entwickelt sich die Fachkräftesicherung für die Branche zunehmend zu einer Herausforderung. Der Branchenverband BITKOM berichtet, dass in 2012 jedes zweite Unternehmen (54 Prozent) die Einstellung von zusätzlichem Personal plante. Doch schon heute klagen fast zwei Drittel der IKT-Unternehmen (63 Prozent) darüber, nicht das geeignete Personal für offene Stellen zu finden. 7 BITKOM geht von insgesamt rund offenen Stellen für IKT-Fachkräfte in Deutschland aus, wovon Spezialisten in der IKT- Branche selbst gesucht werden und weitere Stellen auf Anwender von IKT-Lösungen entfallen. 8 6 PAC & Fraunhofer ISI: Wachstumshemmnisse kleiner und mittlerer Unternehmen am Beispiel der IT-Branche, Februar BITKOM-Pressemitteilung vom :

8 Abbildung 2: Wachstumstreiber und -hemmnisse für kleine und mittlere IKT-Unternehmen 9 Wachstumstreiber für IKT-KMU Wachstumshemmnisse für IKT-KMU Home und Ambient Assisted Living, Telemedizin, Servicerobotik, E-Mobility und intelligente Mobilitätskonzepte. Ein stärkeres Wachstum können kleine und mittlere IKT-Unternehmen erreichen, wenn das Management eine konkrete Wachstumsstrategie verfolgt, sie auf einem wachsenden Markt tätig sind, sie eine erfolgreiche Strategie zur Einführung neuer Produkte und Dienstleistungen haben, die Konjunkturentwicklung sich günstig auswirkt, sie neue Marketingmethoden erfolgreich anwenden, es ihnen gelingt, den Absatz erfolgreich auf Auslandsmärkte auszudehnen. Ein stärkeres Wachstum können kleine und mittlere IKT-Unternehmen erreichen, wenn eine Strategie für das unternehmerische Wachstum fehlt, sie nicht genügend innovativ sind bzw. ihre Innovationen nicht erfolgreich vermarkten können, sie unter schwierigen Marktbedingungen agieren müssen (schwächelnde Konjunktur, starker Wettbewerb, unzureichende Marktkenntnisse), der Zugang zu Fremdfinanzierungen schwierig ist, ihnen nicht die benötigten Fachkräfte zur Verfügung stehen (Anzahl und Qualifikationsprofil), politisch gesetzte Rahmenbedingungen unternehmerisches Handeln behindern (Steuergesetzgebung, administrative Belastungen und staatliche Regulierungen), es nicht gelingt, sich auf ausländischen Märkten zu etablieren, Kooperationsmöglichkeiten zwischen Unternehmen und Wissenschaftseinrichtungen nicht erschlossen werden. Zu den bedeutenden technologischen Entwicklungen gehören: 12 Die allgegenwärtige und vernetzte Sensorik in Kombination mit Visualisierungstechniken löst die Übergänge zwischen realen und virtuellen Lebens- und Arbeitswelten (Augmented Reality) auf und bietet neue Interaktionsformen. Virtuelle Realität, 3D-Bildgebung, Simulation und semantische Technologien (zur Strukturierung der gewaltigen Informationsmengen) sind teilweise in Medizin, Bildung und Unterhaltungsmedien, aber auch in der Produktentwicklung und Maschinensteuerung bereits etabliert und werden dort an Bedeutung gewinnen. Technischen Assistenzsystemen, die die Arbeit und den Alltag der Menschen erleichtern sollen, wird ein großer Markt vorausgesagt. Dies reicht von unterstützenden Funktionen in Fahrzeugen über Servicefunktionen im häuslichen Umfeld bis hin zu robotischen Co-Workern in der Produktion. Neue Infrastrukturarchitekturen und allgegenwärtige Rechnerleistungen sind Grundvoraussetzungen für diese Entwicklungen und das Internet der Zukunft. Im sogenannten Internet der Dinge haben Gegenstände eine IP-Adresse und kommunizieren intelligent miteinander. Unternehmen organisieren ihre Logistikprozesse und die Warenwirtschaft elektronisch. Ihre IT-Prozesse verlagern sie wie auch Privatpersonen zunehmend in die Cloud. IKT durchdringen als Querschnittstechnologien alle Wirtschaftsbereiche. Wichtige Zukunftsmärkte sind Gesundheit, Energie, Mobilität sowie Maschinen- und Anlagenbau. 1.4 Trends und Zukunftsmärkte Die Entwicklungen in den IKT sind nicht nur sehr dynamisch und schnelllebig, sondern beeinflussen inzwischen fast alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche. Immer neue Themen werden als wichtige Trends und Treiber für die Zukunft benannt. Einige von ihnen werden hier kurz skizziert, da sie die Märkte für IKT-Unternehmen ausmachen werden. 10 Die Konvergenz von verschiedenen Wirtschaftsbereichen wird durch die Informations- und Kommunikationstechnologien weiter zunehmen. Durch Innovationen und sich verändernde Wertschöpfungsnetze werden neue Wirtschaftssektoren und Geschäftsmöglichkeiten entstehen, andere vom Markt verschwinden. 11 Experten erwarten, dass der Anteil von IKT am Umsatz mit Produkten und Dienstleistungen steigen wird. Umsatzstarke Wirtschaftszweige wie der Maschinen- und Anlagenbau, die Gesundheitswirtschaft, Mobilität oder der Energiesektor werden von den IKT profitieren dies sind Sektoren, die in Berlin als Cluster besondere Aufmerksamkeit erfahren. Beispielhafte Schlagworte für diese Entwicklungen mit hohen Wachstumsimpulsen sind Smart Grid, Smart Auf der IKT-Anbieterseite bestimmen Themen wie Cloud Computing, mobile Applikationen, IT-Sicherheit, Social Media, Virtualisierung und Business Intelligence das Geschäft. Diese wurden als Top-Themen in der Branchenumfrage des BITKOM 2011 genannt. 13 Hier wie auch in anderen Umfragen ist das Internet der Dienste bzw. Cloud Computing als bestimmender Trend identifiziert worden. Berlecon Research (2010) prognostiziert, dass sich allein aus diesem Trend bis 2015 ein Marktpotenzial von 20 bis 25 Milliarden Euro in Deutschland ergeben wird. Das entspricht etwa 20 Prozent der gesamten IKT-Ausgaben. Dieser Trend wird sich auf die Anbieterstruktur auswirken. Das Internet entwickelt sich in den kommenden Jahren zum Service-Baukasten für IKT-Anwendungen, -Infrastrukturen und -Dienste. 14 Diensteplattformen werden ein bedarfs- und prozessorientiertes Komplettangebot anbieten. Es wird erwartet, dass Strukturen entstehen, in denen mehrere Anbieter gemeinsam die gesamte Wertschöpfungskette abdecken. Dies wird zum einen die traditionellen, sich eher voneinander abgrenzenden Rollen der IKT- Unternehmen in der Wertschöpfungskette (Hardware, Software und IT-Dienste) ändern und einige Anbieter zwingen, sich neu aufzustellen. Das zu erwartende starke Umsatzwachstum durch das Internet der Dienste zieht Geschäft aus anderen Marktsegmenten ab, z. B. dem klassischen Lizenz- oder Projektgeschäft. Neue Vertriebs- und Partnermodelle, eine noch stärkere Service- und Kooperationsorientierung sind gefragt, aber auch eine Umstellung der Geschäftsmodelle, des Angebots und der Umsatzströme. 15 Trends wie Cloud Computing, Big Data, mobile Anwendungen und IT-Sicherheit bergen viele Potenziale, die IKT-Anbieter nutzen können und müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Das Internet wird zum Service- Baukasten bisherige Strukturen wandeln sich. 9 Nach PAC & Fraunhofer ISI: Wachstumshemmnisse kleiner und mittlerer Unternehmen am Beispiel der IT-Branche, Februar Zukunftsthemen, die übereinstimmend in verschiedenen Veröffentlichungen und von Branchenexperten genannt werden, u. a. VDI/ VDE IT GmbH 2011, Monitoring Report Deutschland Digital 2011 und 2012, BITKOM Branchenumfrage VDI/VDE Innovation + Technik GmbH im Auftrag des BMWi: Technologische und wirtschaftliche Perspektiven Deutschlands durch die Konvergenz der elektronischen Medien, VDI/VDE Innovation + Technik GmbH im Auftrag des BMWi: Technologische und wirtschaftliche Perspektiven Deutschlands durch die Konvergenz der elektronischen Medien, BITKOM-Branchenumfrage Berlecon Research 2010: Internet der Dienste in Deutschland 15 Berlecon Research 2010: Internet der Dienste in Deutschland 14 15

9 Starke IKT-Cluster profitieren von einer vielfältigen Kundenstruktur vor Ort. Im Mittelpunkt des IKT- Clustermanagements stehen die Unternehmen und die Maßnahmen zu ihrer Unterstützung. Besondere Kompetenz: Unternehmenssoftware. Darauf müssen sich die Unternehmen einstellen. Grundsätzlich bietet das Internet der Dienste, insbesondere für KMU, neue Marktchancen. Software- und Dienstleistungsanbieter können über Entwicklungs- und Vertriebsplattformen kosteneffizient und schnell webbasierte Anwendungen entwickeln und weltweit vertreiben 16 und damit ihre Sichtbarkeit und ihren Kundenkreis vergrößern. 1.5 Ausgewählte IKT-Regionen Die IKT-Wirtschaft ballt sich in Deutschland an verschiedenen Standorten. Ein genaues Bild zeichnet der Software-Atlas. 17 Eine höhere Beschäftigungskonzentration im Vergleich zum bundesdeutschen Durchschnitt weisen die Region Oberbayern mit dem Schwerpunkt München, das Rhein-Main-Neckar-Gebiet rund um Darmstadt, Walldorf und Karlsruhe (Software- Cluster) sowie weitere IKT-Zentren, u. a. um Aachen und im Raum Nürnberg, auf. Eine höhere Konzentration von IKT-Unternehmen, vor allem im Bereich der Informationsdienstleistungen zeigen die großen Ballungszentren Berlin und Hamburg. 18 Einige dieser deutschen IKT-Regionen werden hier kurz vorgestellt. Um den Blick über den nationalen Tellerrand zu weiten, werden auch die Regionen London und das Silicon Valley näher betrachtet. Ein besonderer Fokus liegt darauf, welche Strukturen die Clusterentwicklung unterstützen. Die jeweiligen Clustermanagements oder Netzwerke sind dabei die zentralen Ansprechpartner. Auch wenn die Qualität ihrer Arbeit und der Grad ihrer Bekanntheit hier nicht beurteilt werden können, sticht eine klare Ausrichtung der Aktivitäten auf Unternehmen und deren Unterstützung hervor. Die Vernetzung untereinander, mit anderen Branchen und mit der Wissenschaft, Beratung, Vermittlung sowie Mentoring stehen im Mittelpunkt der die Cluster managenden Strukturen Software-Cluster Rhein-Main-Neckar Dieses Software-Cluster ist wohl das größte deutsche IKT-Cluster und erstreckt sich in der Region um Darmstadt, Kaiserslautern, Karlsruhe, Saarbrücken und Walldorf. Die Clusterregion umfasst damit vier Bundesländer (Hessen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und das Saarland). In jeder der vier Teilregionen existieren eigene Cluster im Bereich Informationstechnik und Software mit zum Teil wechselnden Schwerpunkten. Verbindendes Element der übergreifenden Clusterregion ist aber die Kompetenz im Bereich Software, speziell Unternehmenssoftware. Innerhalb des Spitzencluster-Wettbewerbs des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) wurde es 2010 unter dem Titel Emergente Software für das digitale Unternehmen als einziges reines IT-Cluster Deutschlands ausgezeichnet. Mit dieser Auszeichnung sind bis zu 40 Millionen Euro an öffentlichen Fördermitteln vom BMBF und Mittel der beteiligten Unternehmen in gleicher Höhe für eine Dauer von fünf Jahren verbunden. Inhaltliche Zielrichtung des Clusters ist die Erforschung und Entwicklung von Softwarelösungen für die weitgehende Digitalisierung von Unternehmen. Das Software-Cluster vertritt Softwareunternehmen, die 25 Milliarden Euro umsetzen das sind 25 Prozent des gesamten Softwareumsatzes deutscher Unternehmen, Mitarbeiter beschäftigen (20 Prozent aller Beschäftigten in deutschen Softwareunternehmen) und einen Anteil von 30 Prozent am Weltmarkt für Unternehmenssoftware haben. Zu den Clusterpartnern zählen namhafte Unternehmen wie SAP AG und Software AG, die beiden größten deutschen Softwareunternehmen, zahlreiche kleine und mittelständische Unternehmen, mehrere Universitäten, Hochschulen und Forschungseinrichtungen wie das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) und mehrere Fraunhofer- und Max-Planck-Institute. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von wichtigen Anwenderbranchen in der Region (Chemie, Banken, Versicherungen, Automobilbau). Die regionalen Koordinierungsstellen CyberForum Karlsruhe, IT.Saarland, STI Kaiserslautern, IT For Work Darmstadt tragen Inhalte, Angebote und Anfragen in die Teilregionen und kommunizieren die Interessen der lokalen Softwareunternehmen und Anwender. Ziel der Software-Cluster-Koordinierungsstellen ist es, die Zusammenarbeit im Cluster durch geeignete Maßnahmen weiter zu unterstützen und zu verstärken mit einer expliziten Orientierung auf die Unternehmen und deren Erfolg. 19 Software-Cluster Das zentrale Clustermanagement des Software-Clusters nutzt und koordiniert die vorhandenen Angebote, Kompetenzen und Ressourcen der Partner im Cluster. Die Koordinierungsstelle des Software-Clusters befindet sich seit 2007 in Darmstadt. Sie koordiniert die überregionalen Clusteraktivitäten und schlägt die Brücke zu den lokalen Standorten in den Regionen. IT FOR WORK e. V. Koordinierungsbüro für das Software-Cluster Mitglieder aus IKT-Branche Zentraler Ansprechpartner für Unternehmen, aber auch Angebote für verschiedene Zielgruppen (Anbieter, Anwender, Wissenschaft) CyberForum Karlsruhe e. V Mitglieder aus den Branchen Software-Entwicklung, Internetportale, ecommerce, IT-Consulting, Social Media, Games, IT-Security, Software-Architektur, Medienagenturen, Provider und aus der Kreativwirtschaft Mehr als 20 Mitarbeiter, 120 Veranstaltungen pro Jahr Zentraler Ansprechpartner für Unternehmen, aber auch Angebote für verschiedene Zielgruppen STI Software Initiative Kaiserslautern e. V. Mehr als 30 Mitglieder Fokus auf Software Engineering (Aktuelles, Trends und Hintergründe) 16 Berlecon Research 2010: Internet der Dienste in Deutschland 17 Fraunhofer ISI: Software-Atlas Fraunhofer ISI: Software-Atlas

10 Dienstleistungsangebote BICCnet Bavarian Information and Communication Technology Cluster Die Geschäftsstelle des Clusterbüros hat neben dem Geschäftsführer sechs Mitarbeiter und ist direkt in der Fakultät für Informatik der TU München im Forschungszentrum Garching angesiedelt. Das BICCnet startet verschiedene Aktivitäten zu den technologischen Themen Embedded Systems, IT Services, mobile Anwendungen, Multiformat Konvergenz und Energie sowie zu übergreifenden Handlungsfeldern wie Kooperationsanbahnung, Internationalisierung, Entrepreneurship, Safety and Security. Rund um diese Themen wurden Arbeitskreise mit Unternehmen und Experten ins Leben gerufen und verschiedene Veranstaltungs- und Austauschformate entwickelt. Im Mittelpunkt der Aktivitäten stehen der Erfahrungsaustausch, die Kooperationsanbahnung und Vernetzung. Das BICCnet soll die Zusammenarbeit der IKT-Unternehmen untereinander entlang der Wertschöpfungskette intensivieren, Forschungs- und Entwicklungskooperationen mit der Wissenschaft verstärken und aktiv IKT-Anbieter mit Anwenderbranchen und anderen Clustern verknüpfen. Hohe regionale Nachfrage nach IKT-Produkten und -Leistungen. Netzwerk: Netzwerkarbeit und -veranstaltungen Qualifizierung und Fachkräfte: Koordinierung von Nachwuchsförderung und Qualifizierung, Gewin-nung von Fach- und Führungskräften, Rekrutierungskampagnen Gründerberatung: Hilfe bei Aus- und Neugründungen, Beratung, Vermittlung von Business Angels, Mentoring und Coaching, Präsentation von Unternehmen in Schulen Technologietransfer: Kontaktpflege zwischen Forschungseinrichtungen und Unternehmen zur Umsetzung neuer Technologien, Verbundprojekte IT-Recht-Anlaufstelle: Vermittlung geeigneter Rechtsberatung bei Rechts- und Patentangelegen-heiten Informations- und Vernetzungsangebote: Veranstaltungen zu verschiedenen Themen, Newsletter, Werbemaßnahmen etc. Kooperationsanbahnungen: Vermittlung zwischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen Patente/Schutzrechte: Unterstützung bei Beantragung Standortmarketing: Nutzung von nationalen und internationalen Veranstaltungs- und Messeauftritten des Standortmarketings für Unternehmenspräsentationen Cluster Informations- und Kommunikationstechnik Bayern In Bayern sind nach eigenen Angaben im Bereich der IKT-Wirtschaft über Beschäftigte in mehr als Unternehmen tätig. Regionale Schwerpunkte der IKT sind die Regionen um München, Nürnberg und Regensburg. Neben der guten Forschungsinfrastruktur (mehrere Universitäten mit IKT-Schwerpunkt, z. B. die TU München und die Uni Erlangen/Nürnberg sowie die Fraunhofer- und Max-Planck- Institute) liegt ein wichtiger Standortvorteil für die regionale IKT-Wirtschaft vor allem in der Vielzahl und Größe der Anwenderbranchen und Kunden vor Ort. Branchen wie Banken, Versicherungen und Automobilbau sowie Komplementärbranchen wie Telekommunikation, Halbleiterindustrie oder Medizintechnik sind ein wichtiges Standbein des Standortes. Die IKT- Unternehmen konnten sich in diesem Umfeld hervorragend entwickeln. Beispiele sind DATEV, EADS, IABG und Infineon. Hinzu kommen zahlreiche große internationale Unternehmen aus dem Hard- und Softwarebereich, die ihren europäischen Sitz in Bayern angesiedelt haben, z. B. Adobe, Microsoft und Oracle. Die IKT sind eines von insgesamt 19 Kompetenzfeldern, die der Freistaat Bayern innerhalb seiner Cluster-Offensive gezielt fördert. Der Fokus liegt dabei auf der Netzwerkbildung zwischen Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen, aber auch auf Dienstleistern und Kapitalgebern. Für das Cluster IKT wurden drei Clustersprecher aus Wissenschaft und Wirtschaft benannt und das Clusterbüro BICCnet als Clustermanagement aufgebaut Der IKT-Standort Hamburg Spezifisches Kennzeichen des IKT-Standortes Hamburg ist wie auch in Berlin vor allem die Verbindung von IKT mit den Branchen Kreativwirtschaft und wissensintensiven Dienstleistungen. Medien und IT bildet eines von acht Clustern, deren Entwicklung und Rahmenbedingungen die Hansestadt sowohl durch Initiativen der Vernetzung als auch durch ressortübergreifende Politik unterstützt. Insgesamt stellt die Hamburger IKT-Branche ca Unternehmen mit rund Beschäftigten. Schwerpunkte der Branche liegen im Multimedia-Bereich, in der Datenverarbeitung und Softwareentwicklung sowie im Games- und E-Business-Bereich. Den Medienbereich hinzugenommen arbeiten fast Beschäftigte aus Unternehmen im Hamburger Cluster Medien und IT. Die Aktivitäten zur Förderung dieses Clusters werden durch die Initiative koordiniert. 21 ist die Hamburger Clusterinitiative für Medien, IT und Telekommunikation als Public-private-Partnership gegründet, wird sie getragen von der Hansestadt Hamburg sowie von Hamburger Unternehmen, die sich im e. V. zusammengeschlossen haben. Ziel der Initiative ist es, Hamburgs Position als IKT-Standort auszubauen und Unternehmen der Branche zu unterstützen. Die Vernetzung innerhalb der Branche steht ganz oben auf der Agenda. hat mehr als Mitglieder aus über 650 Unternehmen der digitalen Wirtschaft. Leistungen: Kontaktvermittlung innerhalb der IT-Branche und zu anderen Branchen Nationale und internationale Kooperationen, Standortvermarktung Initiierung von Pilotprojekten zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung Themenbezogene Fachgruppen Beratung zu Fördermöglichkeiten und Existenzgründung, Behördenkontakte, Immobilienvermittlung Qualifizierungsangebote Veranstaltungen, Publikationen und Informationen Spezifisches Kennzeichen: Verbindung von IKT- mit Kreativwirtschaft und wissensintensiven Dienstleistungen

11 Entwicklung von IKT- und Medienwirtschaft in London zur nationalen Strategie gemacht Digitale Wirtschaft in London In der sogenannten East London Tech City hat sich ebenfalls eine hohe Konzentration von IT-, Internet- und Medienunternehmen herausgebildet. Zunächst hatte sich eine überschaubare Anzahl solcher Unternehmen rund um den Old Street Roundabout angesiedelt. Das Gebiet wird oft Silicon Roundabout genannt. Im Jahr 2010 hat sich die nationale Regierung um Premierminister Cameron zum Ziel gesetzt, dieses Gebiet zu unterstützen und seine Entwicklung auf den Olympic Park auszudehnen. Dazu wurde die TCIO Tech City Investment Organisation gegründet. Zahlreiche international tätige Unternehmen haben ihr Engagement zugesagt und in dem Gebiet investiert, z. B. Cisco, Google, Facebook, Intel und Vodafone. Hochschulen und Universitäten haben ihre Kooperation im akademischen Bereich zugesichert. Inzwischen werden mehr als Unternehmen der digitalen Wirtschaft in East London gezählt. 22 Erfolgsfaktoren. Mit Risikokapital ausgestattete Internetunternehmen bildeten die nächste Welle an Unternehmensgründungen. Die enge Zusammenarbeit und Verzahnung zwischen Forschung, Entwicklung und Produktion, das ist die Erfolgsformel des Silicon Valleys. Im gesamten Silicon Valley haben sich zahlreiche sogenannte Inkubatoren angesiedelt, die weitere Unternehmensgründungen unterstützen und das Netzwerk stärken. Plug and Play Tech Center Das Plug and Play Tech Center ist ein Netzwerk aus mehr als 300 Start-ups, 180 Kapitalgebern und zahlreichen Universitäten und etablierten Unternehmen. Neben Büroflächen und anderer infrastruktureller Unterstützung bietet das Plug and Play Tech Center ein internationales Netzwerk, Beratung, Mentoring und weitere Services. TCIO Tech City Investment Organisation Die Tech Strategy für East London zielt vor allem darauf, das Wachstum der vorhandenen KMU zu unterstützen, internationale Investitionen und die Ausbreitung auf den angrenzenden Olympic Park zu fördern. Entsprechend gestalten sich die Aufgaben für die ca. zehn Mitarbeiter von TCIO. Leistungen: Ansiedlungsförderung und -beratung für East London Tech City Investorenbetreuung und -vermittlung Unterstützung der Unternehmen am Standort hinsichtlich ihrer Internationalisierung und ihres Wachstum Beratung und Vernetzung mit der Wissenschaft Die Entwicklung des Silicon Valley ist richtungsweisend für die IKT-Wirtschaft Silicon Valley Das Silicon Valley ist Vorbild und Referenz für die inzwischen zahlreichen regionalen Clusterinitiativen weltweit. Auf einer Länge von ca. 80 km am südlichen Ende der San Francisco Bay entwickelte sich hier Anfang der 1970er Jahre ein Schwerpunkt der Halbleiter- und Computerindustrie. Inzwischen sind hier mehr als Software- und Technologieunternehmen angesiedelt, darunter zahlreiche von internationaler Bedeutung wie Apple, Cisco Systems, Electronic Arts, Facebook, Google, Hewlett-Packard, Intel, Oracle Corporation, Sun Microsystems und Yahoo! Die Wissenschaft war Impulsgeber für die Entwicklung der IKT-Wirtschaft in Silicon Valley. Ausgangspunkt für die unternehmerische Entwicklung waren Forschungseinrichtungen. Insbesondere die Stanford University unterstützte erfolgreich Ausgründungen mit Kapital und Flächen im Stanford Industrial Park. Forciert wurde das Wachstum durch die Erfindung des Transistors und durch Militäraufträge für die daraufhin neu entstehende Halbleiterindustrie. Weitere Ausgründungen aus der Wissenschaft und den bestehenden Unternehmen, das enge Netzwerk, gegenseitige Unterstützung und Finanzierung waren und sind die wesentlichen 22 Centre for London: A Tale of Tech City. The Future of Inner East London s Digital Economy 20 21

12 2. IKT-Wirtschaft in Berlin 2.1 Eckdaten der Berliner IKT-Wirtschaft Wie bereits in der Einführung erwähnt, müssen die wirtschaftlichen Kennzahlen der IKT- Branche aus verschiedenen Bereichen der öffentlichen Statistik herangezogen werden. Hardware-Hersteller werden dem verarbeitenden Gewerbe zugeordnet, Telekommunikation und IT-Services werden zu den Dienstleistungen gezählt und ihre Daten entsprechend in der Dienstleistungsstatistik geführt. Für beide existieren unterschiedliche Erhebungsintervalle und Panelabgrenzungen. Zudem wurde 2008 eine neue Wirtschaftszweig-Klassifikation (WZ 2008) eingeführt. Die Gliederung hat sich im Vergleich mit der bis dahin gültigen Klassifikation WZ 2003 verändert. Daher können keine Zeitreihen über diese Umstellung hinweg erstellt werden. Die Gesamtdaten für Beschäftigung, Unternehmen und Umsatz der Berliner IKT-Wirtschaft lassen sich daher statistisch nicht hundertprozentig absichern. Sie differieren zudem in verschiedenen Quellen je nach Erhebungsmethode. Die Statistik des verarbeitenden Gewerbes zählt nur Unternehmen, die mindestens 20 Beschäftigte haben. Davon sind in Berlin 46 Unternehmen als Hersteller von Informations- und Kommunikationstechnik tätig (WZ-Bereiche 26.1, 26.2, 26.3, 26.4). Diese Unternehmen generierten 2011 einen Umsatz von über 900 Millionen Euro. 23 Allerdings wird eine Vielzahl kleinerer Berliner IKT-Hersteller geben, die weniger als 20 Beschäftigte haben und daher statistisch nicht erfasst sind. Dienstleistungen dominieren die Berliner IKT-Wirtschaft. In Berlin sind fast 7 Prozent aller deutschen IKT-Dienstleister aktiv, die 2 Prozent des gesamtdeutschen Umsatzes generieren. Die aktuellsten Zahlen der öffentlichen Statistik für den Telekommunikations- und IT-Dienstleistungsbereich beziehen sich auf das Jahr 2010 (Tabelle 4). Vor zwei Jahren wurden Unternehmen in den IKT-Dienstleistungen gezählt. Sie generierten einen Umsatz von mehr als 3,4 Milliarden Euro. Zum Vergleich wurden deutschlandweit für 2010 ca Unternehmen gezählt, die einen Umsatz von mehr als 161 Milliarden Euro erwirtschafteten. Damit machen die Berliner IKT-Dienstleister einen Anteil von 6,5 Prozent der deutschen IKT-Dienstleister hinsichtlich der Unternehmensanzahl, jedoch nur 2,1 Prozent hinsichtlich des Umsatzes aus. Lediglich der Bereich Datenverarbeitung, Hosting und Webportale erreicht sowohl hinsichtlich der Unternehmensanzahl als auch hinsichtlich des Anteils am deutschen Gesamtumsatz höhere Werte. 23 Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Verarbeitendes Gewerbe in Berlin

13 Berliner IT-Dienstleister dominieren bei der Anzahl der Unternehmen, sind aber gemessen am durchschnittlichen Umsatz je Unternehmen am kleinsten. Berliner IKT-Dienstleister sind im Bundesvergleich besonders klein. Sie erwirtschaften lediglich ein Drittel des durchschnittlichen Umsatzes aller deutschen IKT-Dienstleistungsunternehmen. Tabelle 4: Unternehmen und Umsatz der Berliner IKT-Dienstleistungen Wirtschaftszweig Anzahl Unternehmen Anteil Berlins an Unternehmensanzahl in Deutschland Umsatz in Euro Anteil Berlins am Umsatz in Deutschland Verlegen von Software (WZ 58.2) 12 2,4 % ,0 % Telekommunikation (WZ 61) ,4 % ,0 % IT-Dienstleistungen (WZ 62) ,0 % ,7 % DV, Hosting, Webportale (WZ 63.1) ,1 % ,6 % Reparatur (WZ 95.1) 97 6,3 % ,1 % IKT-Dienstleistungen ,5 % ,1 % Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg, Strukturerhebung im Dienstleistungsbereich 2010 Zwar dominieren die IT-Dienstleistungen (WZ 62) bei der Anzahl der Unternehmen, gleichzeitig sind diese Unternehmen im Vergleich aber am kleinsten. Sie beschäftigen durchschnittlich ca. sechs Mitarbeiter und generieren mit ca Euro den geringsten Umsatz je Unternehmen. Überraschend ist, dass das durchschnittliche Bruttoentgelt 25 bei den IT-Dienstleistungen am höchsten ist. Dies weist auf einen hohen Anteil an hochqualifiziertem Personal hin. Besonders im Vergleich mit den IKT-Dienstleistungen deutschlandweit wird deutlich, dass die Berliner Branche sehr kleinteilig ist. Während im Durchschnitt jedes deutsche Unternehmen der IKT-Dienstleistungen zehn Personen beschäftigt, sind in Berliner Unternehmen nur sechs Personen tätig. Auch beim Umsatz je Unternehmen und den Bruttoentgelten erreichen Berliner IKT-Dienstleister geringere Werte als der deutsche Durchschnitt. Beim Umsatz erreichen Berliner IKT-Dienstleister nur ein Drittel des bundesdeutschen Durchschnittswertes (Tabelle 5). Tabelle 5: IKT-Dienstleistungen in Deutschland und Berlin im Vergleich 2010 Wirtschaftszweig Tätige Personen je Unternehmen Berlin Bruttoentgelt je Beschäft Berlin Deutschland Umsatz je Unter nehmen in Euro Deutschland Berlin Deutschland Verlegen von Software (WZ 58.2) Telekommunikation (WZ 61) IT-Dienstleistungen (WZ 62) DV, Hosting, Webportale (WZ 63.1) Reparatur (WZ 95.1) IKT-Dienstleistungen k. A. k. A. Quelle: Amt für Statistik Berlin-Brandenburg und Statistisches Bundesamt, Strukturerhebung im Dienstleistungsbereich Grundlage ist die Umsatzsteuerstatistik der Statistischen Landesämter, in der Unternehmen mit Sitz in Deutschland gezählt werden, die umsatzsteuerpflichtig sind und einen Jahresumsatz von mind Euro haben. 25 Bruttoentgelte enthalten auch die Sozialaufwendungen des Arbeitgebers. Der Vergleich dieser Strukturdaten mit dem Bundesdurchschnitt zeigt, dass die Berliner IKT- Branche noch Nachholbedarf hat. Sofern Daten dazu verfügbar sind, zeigen die Wachstumsraten im zeitlichen Verlauf nach oben. Gegenüber 2009 ist die Anzahl der IKT-Dienstleistungsunternehmen von um immerhin 8,29 Prozent angestiegen. Mit diesen Wachstumsraten konnte die Umsatzentwicklung nicht mithalten. Diese stieg zwar auch allerdings nur um 3,4 Prozent (von Euro) was gemessen an anderen Berliner Wirtschaftszweigen aber immer noch überdurchschnittlich ist. Aktueller als die Veröffentlichungen des Amtes für Statistik ist die Beschäftigtenstatistik der Agentur für Arbeit (Tabelle 6). Sie weist für 2011 rund sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in der IKT-Wirtschaft aus, darunter knapp im herstellenden Bereich und bei den IKT-Dienstleistern. Somit arbeiten fast 3,8 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Berlin in IKT-Unternehmen. Tabelle 6: Entwicklung der IKT-Beschäftigten in Berlin WZ SV-Beschäftigte insgesamt H. v. elektron. Bauelementen H. v. Datenverarbeitungsgeräten H. v. Telekommunikationstechnik H. v. Unterhaltungselektronik 0 k. A. k. A. k. A. 582 Verlegen von Software Telekommunikation Erbringung von IT-Dienstleistungen DV, Hosting, Webportale Reparatur von DV- und Telekommunikationsgeräten Summe IKT Anteil an gesamter SV-Beschäftigung 3,78 % 3,59 % 3,50 % 3,38 % Quelle: Agentur für Arbeit, Daten jeweils zum Interessanter als die absolute Zahl der IKT-Beschäftigten ist die Dynamik des Beschäftigungswachstums in diesem Bereich. So stieg nicht nur die absolute Beschäftigung in der IKT-Wirtschaft seit 2008 um über 19 Prozent, sondern auch ihr Anteil an der Gesamtbeschäftigung in Berlin von 3,4 Prozent auf 3,8 Prozent. In der Verteilung der Beschäftigung innerhalb der IKT hat sich seit 2008 wenig verändert. Auffällig ist nur ein im Vergleich stärkeres Wachstum in dem Bereich Datenverarbeitung, Hosting und Webportale und der Rückgang im Bereich Telekommunikation. Als Vergleich soll hier die Hamburger IKT-Branche dienen, die hinsichtlich ihrer Beschäftigung eine ähnliche Entwicklung zeigt. Seit 2008 stieg diese um 17 Prozent und erreicht mit fast sozialversicherungspflichtig Beschäftigten einen Anteil an der Gesamtbeschäftigung in Höhe von fast 4 Prozent. Berliner IKT-Dienstleistungsunternehmen wachsen hinsichtlich der Anzahl der Unternehmen und des Umsatzes. Jeder 25. Beschäftigte in Berlin hat seinen Arbeitsplatz schon heute in der IKT-Wirtschaft. Beschäftigung in der IKT-Wirtschaft wächst dynamisch besonders im Bereich Datenverarbeitung, Hosting und Webportale

14 Berliner ikt-wirtschaft PoTenziale einer zukunftsbranche Tabelle 7: sv-beschäftigte im Vergleich Deutschland Berlin Hamburg 2008 SV-Beschäftigte IKT Anteil an Gesamtbeschäftigung 2,94 % 3,38 % 3,52 % 2011 summe ikt anteil an Gesamtbeschäftigung 2,53 % 3,78 % 3,95 % Quelle: Agentur für Arbeit, Daten vom im Jahr im sogenannten Hightechbereich (Branchen mit überdurchschnittlicher Forschungsintensität) erfolgten. 27 Die große Mehrzahl davon (57 Prozent) waren IKT- Unternehmen. abbildung 3: regionale Gründungsintensitäten im ikt-sektor 2008 bis 2011 Das Deutsche institut für Wirtschaftforschung (DiW) fasst die ikt-wirtschaft in Berlin weiter: Im Auftrag der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung bereitet das DIW die verfügbaren Statistiken für den IKT-Bereich auf. Im Unterschied zu anderen Einteilungen des IKT-Bereiches werden hierbei auch Unternehmen aus den Bereichen Hardwareherstellung, Handel sowie Forschung und Entwicklung gezählt. In dieser Abgrenzung werden für das Jahr 2009 insgesamt IKT-Unternehmen gezählt, die einen Umsatz von 7,9 Mrd. Euro erwirtschafteten und Erwerbstätige beschäftigten. In dieser Zählweise stieg die Zahl der IKT-Unternehmen in Berlin von 2000 bis 2008 um 70,2 Prozent an. Ihr Umsatz wuchs im gleichen Zeitraum um 41,7 Prozent, die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um 21,4 Prozent. Ein Vergleich dieser Zahlen, die nach einer anderen Gliederung der Wirtschaftszweige (WZ 2003) erhoben wurden, mit den aktuellen ist schwierig. Trotzdem lassen die aktuell verfügbaren Zahlen vermuten, dass sich eine vergleichbare Dynamik der Entwicklung bis heute fortgesetzt hat. Die Berliner IKT Branche beschäftigt fast ein Viertel der Mitarbeiter des gesamten Hightech Sektors Berlins. Aufgrund der beschriebenen schwierigen Datenlage ist ein Vergleich der IKT-Branche mit anderen Branchen sehr schwierig. Die IKT-Branche gehört angesichts der hohen Forschungs- und Wissensintensität dem Hightechsektor 26 an. Der Hightechbereich umfasst forschungsintensive Industrie und technologieorientierte Dienstleistungen. Auf regionaler Ebene sind vergleichbare Daten nur für die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung erhältlich. Im gesamten Hightechbereich sind in Berlin Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Knapp 24 Prozent davon sind in der IKT-Branche tätig. 2.2 IKT-Gründungen Durch die schnelle technologische Entwicklung entstehen laufend neue Geschäftsmöglichkeiten, vor allem im IKT-Bereich. Eine von BITKOM beauftragte Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zeigt, dass von den ca Gründungen in Deutschland 26 Die Abgrenzung des Hightechsektors folgte der Definition des Mannheimer Unternehmenspanels, durchgeführt vom ZEW. Danach besteht dieser aus den Bereichen forschungsintensive Industrie und technologieorientierte Dienstleistungen. In der forschungsintensiven Industrie (Spitzentechnologie und hochwertige Technik) sind Wirtschaftszweige zusammengefasst, in denen durchschnittlich mindestens 3,5 Prozent der Umsätze für Forschung und Entwicklung (FuE) ausgegeben werden Dazu zählen beispielsweise Bereiche des Maschinenbaus, der Elektrotechnik und der Medizintechnik. Unter technologieorientiertem Dienstleistungsbereich sind Unternehmen zu verstehen, deren Dienstleistungsangebot technologisch anspruchsvolle Tätigkeiten beinhaltet wie Fernmeldedienste, Datenverarbeitungsdienste, Unternehmen, die FuE-Leistungen anbieten, Architektur- oder Ingenieurbüros oder technische Labore. hoch mittel niedrig Quelle: ZEW/BITKOM: Gründungsdynamik im ITK-Sektor Die Studie weist zudem eine lokale Konzentration der Gründungsaktivitäten aus (Abbildung 3 und Abbildung 4). Bezogen auf die Einwohnerzahl sind München, Berlin, Hamburg und das Rhein-Main-Gebiet die gründungsstärksten Regionen der IKT- und Internetbranche. 27 ZEW im Auftrag des BITKOM: Gründungsdynamik im ITK Sektor, Gründungsintensitäten sind definiert als die Anzahl der Gründungen pro Personen im Alter von 18 bis einschließlich 64 Jahren. Berlin belegt bei der Gründungsintensität im IKT Bereich Platz zwei im Bundesländervergleich

15 Abbildung 4: IKT-Gründungen je Einwohner pro Jahr (2011 bis 2008) nach Bundesländern 3,5 3,0 2,5 2,0 2,67 3,18 Allerdings stellte die Studie auch fest, dass junge IKT Unternehmen im Vergleich zu jungen Unternehmen des übrigen Hightechsektors eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, innerhalb der ersten fünf Jahre wieder geschlossen zu werden. 40 Prozent der IKT-Unternehmen treten während der ersten fünf Jahre aus dem Markt wieder aus, im übrigen Hightech Sektor sind es lediglich 30 Prozent. In den alten Branchen ist der Wert ähnlich hoch. Das betrifft vor allem die Dienstleistungsunternehmen. Die Studie charakterisiert darüber hinaus eine Reihe von Merkmalen, die für IKT-Unternehmensgründungen typisch sind: IKT-Gründungen haben ein höheres Risiko hinsichtlich ihres Bestehens am Markt. IKT-Gründungen weisen spezifische Merkmale auf. 1,5 1,0 0,5 0 0,69 Sachsen-Anhalt 0,74 Mecklenburg- Vorpommern 0,97 Thüringen 1,03 Sachsen 1,04 Brandenburg 1,08 Saarland Nordrhein- Westfalen Quelle: ZEW/BITKOM: Gründungsdynamik im IKT-Sektor 2012 Im Vergleich der Hochtechnologiesektoren untereinander und gemessen an anderen Branchen hat die IKT-Wirtschaft bundesweit die höchste Gründungsdynamik. Während in allen anderen Technologiebereichen 2011 die Zahl der Gründungen gegenüber dem untersuchten Basisjahr 1995 zurückging, gab es bei den IKT-Unternehmen einen Zuwachs. Insbesondere die Gründung von Softwarefirmen entwickelte sich dynamisch (Abbildung 5). Abbildung 5: Gründungsdynamik in verschiedenen Wirtschaftsbereichen 150% 140% 130% 120% 110% 100% 90% 80% 70% 60% 50% 1,15 Niedersachsen 1,39 Rheinland-Pfalz 1,48 1,49 Baden- Württemberg 1,52 Schleswig- Holstein IKT-Sektor übriger Hightech-Sektor alle Branchen 1,75 Hessen 1,81 Bayern 1,86 Bremen Berlin Hamburg Quelle: ZEW/BITKOM: Gründungsdynamik im IKT-Sektor 2012 Finanzbedarf bei Gründung niedrig Geringerer Anteil von Kreditfinanzierung bei Gründung IKT-Gründungen starten mit innovativen Ideen und Produkten IKT-Gründungen wachsen oft überdurchschnittlich und haben dann hohen Finanzbedarf IKT-Gründer sind in der Regel berufserfahren IKT-Gründungen kommen im Gründungsjahr durchschnittlich mit vergleichsweise geringen finanziellen Mit teln aus, da sie mehrheitlich keine teure Ausstattung, keine umfangreichen Vorleistungen und kein kostenträchtiges Vertriebssystem zur Aufnahme ihrer Geschäftstätigkeit benötigen. IKT-Gründungen greifen seltener als der Durchschnitt der Gründer auf eine Kreditfinanzierung zurück. Wenn sie allerdings extern finanziert sind, weisen sie hohe Finanzvolumina auf. finanzieren sich wie andere Gründungen vor allem aus den Geschäftserlösen und Einlagen der Eigentümer. IKT-Gründungen bringen deutlich häufiger Marktneuheiten oder Produktinnovationen auf den Markt als junge Unternehmen anderer Branchen. Fast jedes fünfte IKT Unternehmen wird mit einer Marktneuheit gegründet, darunter viele Weltmarktneuheiten. sind überdurchschnittlich aktiv in Forschung und Entwicklung im Vergleich zu den Gründungen anderer Branchen. IKT-Gründungen wachsen deutlich überdurchschnittlich. Mit der steigenden Mitarbeiterzahl ist ihr Finanzbedarf nach ca. zwei Jahren höher als im Durchschnitt aller Branchen abgesehen von einigen Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial und früherem hohen Finanzbedarf. 52 Prozent der Gründer haben einen Hochschulabschluss, vor allem in den Fächern Ingenieurwissenschaften, Mathematik und Informatik. IKT-Gründungen werden von Hochschulabsolventen selten gleich nach dem Abschluss des Studiums realisiert. Der durchschnittliche IKT-Gründer ist 38 Jahre alt, männlich und hat bereits 17 Jahre Berufserfahrung, vor allem in der Branche, gesammelt. 30 Prozent der Gründungen werden aus bestehenden Unternehmen ausgegründet

16 IKT-Gründungen bieten qualifizierte Arbeitsplätze IKT-Gründungen sind vor allem abhängig von der Kompetenz der Gründer und Mitarbeiter. 36 Prozent der Mitarbeiter in IKT-Gründungen sind Akademiker. 50 Prozent haben eine abgeschlossene Berufsausbildung. Tabelle 8: IKT-Gewerbeanmeldungen 2008 bis 2011 Wirtschaftszweig Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen (WZ 26) Telekommunikation (WZ 61) IT-Dienstleistungen (WZ 62) Informationsdienstleistungen (WZ 63*) Gesamt IKT-Gründerszene ist heterogen. Die Studie zeigt außerdem, dass die IKT-Gründerszene sehr heterogen ist das gilt natürlich auch für Berlin: Unterschiede zeigen sich beispielsweise danach, in welcher Teilbranche die jeweilige Gründung erfolgt. So müssen Hardwarehersteller höhere Anfangsinvestitionen tätigen als Appentwickler. Tabelle 9: Saldo der Gewerbean- und -abmeldungen 2008 bis 2011 Die Vorgeschichte der Gründer unterscheidet sich: So machen zwar im Durchschnitt junge Hochschulabsolventen nicht die Mehrheit aller IKT-Gründer aus und doch wird beispielsweise ein erheblicher Anteil der wachsenden Zahl an Spin-offs aus Berliner Hochschulen in IKT-basierten Bereichen gegründet. Die Gründungsumfragen der TU Berlin kamen wiederholt zu dem Ergebnis, dass IKT und Internet zu den gründungsintensivsten Bereichen gehören. In der Gründungsumfrage 2010/2011 belief sich ihr Anteil an den Gründungen insgesamt auf 14 Prozent. 29 Wirtschaftszweig Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen (WZ 26) Telekommunikation (WZ 61) IT-Dienstleistungen (WZ 62) Informationsdienstleistungen (WZ 63*) Gesamt Finanzierung ist oft auch für Berliner IKT-Gründer eine Hürde. IKT-Gründungen in Berlin sind kontinuierlich hoch. Auch hinsichtlich des verfolgten Geschäftsmodells und des Finanzbedarfes gibt es Unterschiede. Zwar finanzieren sich die IKT-Gründungen insgesamt vor allem aus Umsatzerlösen und Eigenkapital. Doch die ZEW/BITKOM-Studie weist aus, dass es eine Vielzahl von ambitionierten, technologisch anspruchsvollen und risikoreichen IKT-Unternehmen gibt, die einen höheren Finanzbedarf als der Durchschnitt haben und stark auf Beteiligungskapital und Kredite angewiesen sind. Auch dafür gibt es zahlreiche Berliner Unternehmensbeispiele, die einen starken Wachstumskurs verfolgen. Sie werden zu Beginn oft von öffentlichen Beteiligungen finanziert, die mitunter Voraussetzung für weiteres privates Engagement sind. Hinzu kommt, dass neue, innovative Geschäftsmodelle und -ideen aufgrund fehlender Erfahrungen hinsichtlich ihres Erfolg nur schwer zu beurteilen sind. Daher sind Finanzierungsschwierigkeiten ein wichtiges Hemmnis für die Entwicklung junger Unternehmen. Das gilt auch für IKT-Gründungen und bezieht sich in der Mehrheit insbesondere auf Schwierigkeiten bei der Finanzierung durch Banken. Ähnliche Probleme wurden auch von unseren Berliner Interviewpartnern beschrieben, die bei den Kreditinstituten mangelndes spezifisches Wissen über IKT-Unternehmen und -Geschäftsmodelle beobachteten. Um einen Eindruck über absolute Zahlen der IKT-Gründungen in Berlin zu erhalten, kann nur die Statistik der Gewerbean- und -abmeldungen herangezogen werden. Diese zeigt in einer mehrjährigen Betrachtung ein dauerhaft hohes Übergewicht der Gewerbeanmeldungen gegenüber den Abmeldungen. Besonders deutlich ausgeprägt ist dies bei den IT-Dienstleistungen (Tabelle 8 und Tabelle 9). Quelle (Tabelle 8 und Tabelle 9): Amt für Statistik Berlin-Brandenburg 2012 Gewerbeanmeldungen = Neuerrichtungen und Zuzüge ohne Übernahmen, Gewerbeabmeldungen = Aufgabe und Fortzug ohne Übergabe, *In WZ 63 sind auch Wirtschaftsbereiche der Kommunikation enthalten. 2.3 Exkurs: Internetunternehmen in Berlin Die Berliner Internetszene erlangt derzeit eine starke öffentliche Aufmerksamkeit. Hintergrund sind zahlreiche Meldungen von erfolgreichen Unternehmensgründungen, die meist internetbasierte bzw. digitale Geschäftsmodelle verfolgen. Sie konnten mit ihren kreativen Ideen auf sich aufmerksam machen, sich auf den Märkten durchsetzen, ein schnelles Wachstum entfalten oder hohe Finanzierungsrunden, auch von internationalen Kapitalgebern, abschließen. Berlin wird als zukünftige Internethauptstadt und das neue Silicon Valley bezeichnet. Branchenexperten gehen davon aus, dass schon heute einige Hundert Internet-Start-ups und -Unternehmen in Berlin tätig sind. Die dynamische Entwicklung lässt sich kaum mit den Daten der öffentlichen Statistik abbilden oder quantifizieren. Das liegt an der zu geringen Aktualität der Daten, aber auch an einem Abgrenzungsproblem. Internetunternehmen organisieren ihre Geschäftsprozesse, z. B. ihren Vertrieb, über das Internet. Sie nutzen Informationstechnologien und durch das Internet entstandene Möglichkeiten, um neue Geschäftsmodelle und Geschäftsmöglichkeiten auszuprobieren. Dadurch wird allerdings nicht bestimmt, in welchem Wirtschaftszweig sie tätig sind und welchen Geschäftszweck sie verfolgen. Sie vermitteln beispielsweise als Immobiliendienstleister Wohnungen über das Internet, verkaufen als E-Commerce- und damit Handelsunternehmen online ganz unterschiedliche Produkte, organisieren Social Networks oder bieten Software as a Service an. Nur ein Teil dieser Unternehmen ist als Betreiber eines Webportals oder durch die Programmierung von Internetseiten tatsächlich IKT-Dienstleister und zählt damit zur IKT- Wirtschaft im Sinne der in dieser Studie zugrunde gelegten Definition. Berlin hat das Potenzial, Internethauptstadt zu werden. Das Internet ist die Basis neuer Geschäftsmodelle die Unternehmen sind in unterschiedlichen Branchen tätig. Diese Entwicklung lässt sich in Zahlen nicht abbilden. 29 Gründungsumfrage 2010/2011 der TU Berlin 30 31

17 IKT-Wirtschaft geht in Teilen in die Internetwirtschaft ein. Die Geschäftsbereiche und Wertschöpfungsstufen in der Internetwirtschaft hat eco Verband der deutschen Internetwirtschaft e. V. gemeinsam mit dem Beratungsunternehmen Arthur D. Little übersichtlich strukturiert und dargestellt. 30 Nach deren Definition umfasst die Internetwirtschaft sowohl die Betreiber der einzelnen Netze als auch die Unternehmen, die Dienstleistungen direkt über das Internet anbieten, nicht allerdings die Produzenten von Inhalten oder Anbieter von Dienstleistungen, die nicht primär online bezogen werden können. Es sind eher qualitative Indikatoren, die auf eine positive Entwicklung der Berliner Internetwirtschaft schließen lassen. Die Zunahme der Meldungen über erfolgreiche Finanzierungsrunden ist einer davon. Nationale und internationale Risikokapitalgeber (z. B. T-Venture, Rocket Internet, Team Europe, Axel Springer, Earlybird, Berlin Venture Partners) haben ihren Fokus auf Berlin gerichtet und investieren mitunter Millionenbeträge in Berliner Unternehmen. Immer mehr von ihnen verlagern sogar ihre Büros nach Berlin oder eröffnen Niederlassungen. Regionale Internetwirtschaft wird für internationale Investoren zunehmend interessant. Internetunternehmen sind auf Dauer nur erfolgreich, wenn sie eine hohe Kundenzahl und einen positiven Cashflow miteinander vereinen. Abbildung 6: ADL eco Schichtenmodell der Internetwirtschaft Internetinhalte Aggregation & Transaktion Dienste & Anwendungen Netz-, Infrastruktur & -betrieb Produzenten weboriginärer Inhalte Traditionelle Medienunternehmen Nutzer: User generated Content Online-Advertising Online-Plattformen Transaktionsdienste E-Commerce Housing- und Hosting-Dienste Online-Applikationen Domains Internet Exchanges Internet Backbone/Transit Provider Internet Access Provider Anschlussnetzbetreiber (fest & mobil) Quelle: eco, Internetwirtschaft in Deutschland 2009 bis 2012 Überblick, Trends und Treiber, 2012 Die Geschäftsmodelle, die über das Internet abgebildet werden, sind von einer hohen Reichweite und einer starken Nutzungsintensität abhängig. Bisher standen ein schneller Anstieg der Kundenzahlen und die Erzielung von Netzwerkeffekten im Mittelpunkt. Allerdings wird nach Einschätzung des eco das schnelle Erreichen eines positiven Cashflows immer wichtiger. Langfristig werden sich wohl nur Modelle durchsetzen, die beides vereinen. Einige Unternehmen sind darauf ausgerichtet, nach einer erfolgreichen Fortentwicklung ihrer Idee das Unternehmen zu verkaufen. Meist nutzen größere Unternehmen solche Akquisitionen, um in neuen Märkten präsent zu sein. Ein weiteres Modell ist die Kopie von internationalen Unternehmen für den deutschen Markt. Die Kopie wird dann oft von der ausländischen Mutter innerhalb ihrer Internationalisierungsstrategie übernommen. Die anderen Unternehmen streben ein organisches Wachstum an. Das Medienbarometer Berlin/Brandenburg 2011/2012 kommt zu dem Ergebnis, dass 77 Prozent der Start-ups (hier Unternehmen, die jünger als ein Jahr sind), mit ihrer Geschäftsentwicklung zufrieden bzw. sehr zufrieden sind und von einem weiteren Wachstum ausgehen. 81 Prozent der Berlin-Brandenburger Internet- und Web 2.0-Unternehmen haben Neueinstellungengeplant eco: Internetwirtschaft in Deutschland 2009 bis 2012 Überblick, Trends und Treiber, Medienboard Berlin-Brandenburg & media.net berlinbrandenburg: Medienbarometer Berlin-Brandenburg 2011/12 Auch die Zahl an Coworking-Spaces und Inkubatoren nimmt zu. Sie bieten jungen Gründern Räumlichkeiten, Beratung und/oder finanzielle Unterstützung. Darüber hinaus integrieren sie die Gründer in ein Netzwerk aus erfahrenen Unternehmern und bieten Unterstützung beim Marktzugang. Beispiele sind Startupbootcamp Berlin, hub:raum Accelerator der Deutschen Telekom, Rocket Internet, YOU IS NOW von Immobilienscout24, Berlin Startup Academy. Mit der Factory kommt ein weiterer hinzu, der von Google unterstützt wird. Inzwischen haben sich eine rege Internetszene und ein starkes Netzwerk entwickelt, in dem es zahlreiche Gelegenheiten gibt, sich untereinander auszutauschen. Erfahrene Unternehmer begleiten als Mentoren und Ratgeber, aber auch als Investoren und Business Angels junge Gründer. Spezifische Portale berichten über Neuigkeiten, bieten Informationen und Veranstaltungshinweise, erstellen Jobbörsen und Datenbanken mit Profilen der Internetunternehmen (z. B. Der intensive Austausch und die wachsende Internetszene binden Unternehmen an Berlin und ziehen weitere an. Standortfaktoren, die für Berlin sprechen, sind die hohe Attraktivität und Internationalität. Unternehmen haben im Vergleich zu anderen Standorten weniger Probleme, in Berlin Fachkräfte zu finden und internationale Experten in die Stadt zu holen. Berlin hat international eine hohe Attraktivität erlangt, die auch zahlreiche internationale Gründer veranlasste, ihr Unternehmen hier zu starten. Ein weiterer Vorteil Berlins sind die geringeren Kosten bei den Gewerberäumen, für die Lebenshaltung und bei den Löhnen. Aus IKT-Wirtschaft und Internetwirtschaft wird digitale Wirtschaft. Internetunternehmen tragen inzwischen einiges zum internationalen Ruf Berlins bei. Zwar sind sie nicht generell gleichzusetzen mit den IKT-Unternehmen. Trotzdem gibt es zwischen den Unternehmen und anderen Akteuren große Überschneidungen und Synergien. Die bloße Benennung dieser Wirtschaftsbereiche sollte keine Unternehmen ausschließen. Der Begriff digitale Wirtschaft bietet die Möglichkeit, alle zu integrieren. 2.4 Wirtschaftspolitik und Unterstützung Gemeinsames Cluster IKT, Medien und Kreativwirtschaft in Berlin und Brandenburg Viele Landesregierungen haben sich in ihrer regionalen Wirtschaftspolitik das Ziel gesetzt, die Entwicklung der eigenen wirtschaftlichen Stärken in Clustern zu fördern. In diesen regional konzentrierten Ansiedlungen von Unternehmen verwandter Branchen, Bildungs- und Forschungseinrichtungen sowie öffentlichen Institutionen wird durch die engen Verbindungen und Interaktionen eine positive Wirtschaftsdynamik erzeugt, die zu Vorteilen im Wettbewerb führt. Zahl der unterstützenden Coworking-Spaces und Inkubatoren für Internetunternehmen wächst. Berlins Ruf als kreative Stadt zieht internationale Internetunternehmen an. Regionale Cluster setzen auf Stärken in Wissenschaft und Wirtschaft

18 Die Politik in Berlin und Brandenburg führt IKT, Medien und Kreativwirtschaft in einem Cluster zusammen. Auch Berlin setzt in der Wirtschaftspolitik auf eine Clusterstrategie. Mit Brandenburg wurden in der Gemeinsamen Innovationsstrategie Berlin-Brandenburg (innobb) fünf Cluster identifiziert, die beide Länder seit Mitte 2011 entwickeln wollen. Eines davon ist das Cluster IKT, Medien und Kreativwirtschaft (IMK). IKT-Cluster entstehen durch die Interaktion von starken Unternehmen und spezialisierter Wissenschaft. Grundlage für die Entstehung von Clustern sind unternehmerische Entscheidungen. Innovationsstarke IKT-Unternehmen werden gegründet oder siedeln sich an. Darüber hinaus kommt Hochschulen und Forschungseinrichtungen, insbesondere mit einem technischen Schwerpunkt, eine Schlüsselrolle für die Clusterentwicklung zu. Innovations-, Ausgründungs- und andere Wissenstransferprozesse werden ebenso befördert wie die Herausbildung von Leitunternehmen. Nicht zuletzt gewährleisten Wissenschaftseinrichtungen die Aus- und Weiterbildung hochqualifizierter Arbeitskräfte, ohne die Innovationen, Gründungen und Wachstum von Unternehmen wiederum nicht möglich wären. Für das Wachstum eines Clusters sind enge Verbindungen und Kooperationen zwischen den Akteuren notwendig. So entfalten sich selbstverstärkende Effekte. Erfolgreiche Unternehmen reinvestieren in das Cluster, unterstützen Forschung und Ausbildung und treiben Unternehmensgründungen voran. Die Verfügbarkeit von Venture Capital, der Zuzug von hochqualifizierten Arbeitskräften, die Entwicklung einer Unternehmenskultur und das Wachstum von benachbarten Dienstleistungsbranchen (Personalentwicklung, Rechtsberatung) bewirken eine zusätzliche Dynamik. 32 Das Spektrum seiner Teilbranchen reicht von Informationstechnologien, Software, Games, Telekommunikation, Film- und Rundfunkwirtschaft, Musik-, Design- und Werbewirtschaft bis zum Buch- und Pressemarkt. Insgesamt zählt das Cluster Unternehmen und Beschäftigte Strategische Handlungsfelder für die regionale IKT-Wirtschaft Schon weit vor der gemeinsamen Innovationsstrategie mit Brandenburg setzte Berlin auf die Entwicklung zur Informationsgesellschaft. Bereits 1997 wurde dafür die Landesinitiative Projekt Zukunft gegründet, um die IKT- und Kreativwirtschaft zu unterstützen. Die bei der Wirtschaftsverwaltung angesiedelte Landesinitiative optimiert die Wachstumsbedingungen für die Branchen, entwickelt Strategien, koordiniert Cluster und initiiert und fördert Projekte. 34 Für die IKT-Wirtschaft hat Projekt Zukunft seit 2005 die Berliner IT-Standortstrategie mit verschiedenen Handlungsfeldern, Maßnahmen und Projekten entwickelt, umgesetzt und fortgeschrieben. Für die Umsetzung der Clusterstrategie mit Brandenburg wurden gemeinsame und jeweils spezifische strategische Handlungsfelder definiert, die durch Einzelmaßnahmen untersetzt sind. Gemeinsame Handlungsfelder sind: Sicherheit mit IT, IT-Sicherheit Creative ICT und Web 2.0 Mobile Anwendungen und Geoinformation Internet der Dienste und Cloud Computing Vernetztes Leben Neben den gemeinsamen Handlungsfeldern bearbeitet Berlin weitere Schwerpunktthemen, die besondere Stärken bzw. Entwicklungspotenziale der Hauptstadt adressieren: E-Government Open Source Wireless Kommunikationsnetze und -dienste Ein immer wieder von der IKT-Wirtschaft geäußerter Kritikpunkt lautet, dass die im Clusterprozess definierten und umgesetzten Projekte nicht die Masse der IKT-Unternehmen erreichen. Die Clusterstrategie IKT umfasst strategische Handlungsfelder und konkrete Maßnahmen zu ihrer Umsetzung. Die Clusterstrategie nimmt noch zu wenige Unternehmen mit. Die Zahlen der Senatsverwaltung für Wirtschaft zeigen, dass der IKT-Bereich einen großen Anteil am gesamten Cluster ausmacht. So stammten Prozent der Unternehmen, 35 Prozent der Umsätze und 34 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im gesamten Cluster aus der IKT-Branche (Tabelle 10) Organisatorische Strukturen des Clusters IMK Die Aktivitäten werden von einem länderübergreifenden Gremium koordiniert. An der Umsetzung sind insbesondere die Wirtschaftsressorts beider Länder ( Projekt Zukunft in Berlin) und die Wirtschafts- und Technologieförderungsgesellschaften ZAB GmbH, TSB Innovationsagentur GmbH und Berlin Partner GmbH beteiligt. Gemeinsam werden u. a. Potenzialstudien erstellt, Handlungsfeldkonferenzen und Förderwettbewerbe organisiert. Ein länderübergreifendes Gremium koordiniert Aktivitäten. Tabelle 10: Übersicht Cluster Kreativwirtschaft Berlin 2009 Unternehmen Umsätze in Euro Erwerbstätige Kreativwirtschaft (Teilmärkte wie Presse, Film, Werbung) Informations- und Kommunikationstechnik Sonstige Branchen Cluster gesamt Quelle: SenWTF, In die Umsetzung der Einzelmaßnahmen zu den strategischen Handlungsschwerpunkten sind Unternehmen und andere Akteure aus Wissenschaft und Politik eingebunden. Hauptaufgabe des Clustermanagements ist die strategisch-inhaltliche Arbeit zur Definition der Handlungsfelder, innerhalb derer konkrete Einzelprojekte umgesetzt werden. In dieser Ausrichtung werden Unterschiede zu den Strukturen und der Aufstellung von Clustermanagements in anderen Regionen (Kapitel 2.5 Ausgewählte IKT-Regionen ) deutlich. Ein zentraler Ansprechpartner, der explizit darauf ausgerichtet ist, IKT-Unternehmen des Clusters zu unterstützen, zu beraten und untereinander und mit anderen Akteuren zu vernetzen, ist im Berlin-Brandenburgischen IMK-Cluster nicht definiert. Clustermanagement ist (noch) nicht zentraler Ansprechpartner und Netzwerker für die IKT-Unternehmen der Region. 32 TU Darmstadt: IKT-Cluster

19 Förderung für IKT-Unternehmen ist nicht immer transparent und zu wenig zielgruppenspezifisch. 2.5 Exkurs: Förderprogramme und Risikokapital-Finanzierung Generell partizipieren auch die Berliner IKT-Unternehmen und Start-ups der digitalen Wirtschaft an dem breiten Angebot an Förderprogrammen in Deutschland (Abbildung 7). Mitunter mangelt es jedoch an der Transparenz dieser Programme und einem spezifischen Informationsangebot für diese Zielgruppe. Darüber hinaus kritisieren IKT-Unternehmen immer wieder auch die Bürokratie der Antragsverfahren und -modalitäten einzelner Förderprogramme. Abbildung 7: Ausgewählte IKT-Förderprogramme des Bundes Förderberatung Forschung und Innovation des Bundes Förderberatung Forschung und Innovation des Bundes (www.foerderinfo.bund.de) Mit seinem Lotsendienst für Unternehmen dient die Förderberatung als Erstanlaufstelle für alle Fragen der Forschungs- und Innovationsförderung des Bundes und gibt Informationen über weitere För-dermöglichkeiten der Länder und der EU. IKT 2020 Forschung für Innovation IKT 2020 ist das Fachprogramm des BMBF für die Forschungsförderung im IKT-Bereich. Die Forschungsförderung wird auf in Deutschland starke Anwendungsfelder/Branchen ausgerichtet, in denen Innovationen in hohem Maße IKT-getrieben sind. Das sind die IKT- Wirtschaft selbst, die Automobilindustrie, der Maschinenbau, Medizin, Logistik und Energie. Neben der Ausrichtung auf die Verbundforschung (Wissenschaft und Wirtschaft) werden auch Fördermittel für neue Themen mit noch geringer Anwendungsnähe an öffentliche Wissenschaftseinrichtungen verwendet. KMU sollen über das Programm KMU-innovativ stärker an der Forschungsförderung beteiligt werden. KMU-innovativ-Offensive IKT Mit KMU-innovativ will das BMBF das Innovationspotenzial von KMU in der Spitzenforschung stärken. KMU sollen sich am Markt für IKT etablieren und wettbewerbsfähiger werden. Unterstützt werden Unternehmen, die auf dem Gebiet der IKT tätig sind bzw. ihr Geschäftsfeld durch den Einsatz von IKT erweitern und stärken wollen. Es werden FuE- Vorhaben in den Bereichen Elektromobilität, Elektronik- und Mikrosysteme, Softwaresysteme und Wissenstechnologien, Kommunikationssysteme und IT-Sicherheit sowie Mensch- Technik-Interaktion zur Bewältigung des demografischen Wandels gefördert. Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) Die Technologieförderung des BMWi zielt darauf ab, die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit von KMU zu unterstützen. KMU sollen zu marktorientierter Forschung, Entwicklung und Innovation angeregt werden und ihr Engagement für Kooperationen mit Wissenschaftseinrichtungen und in Netzwerken erhöhen. ZIM umfasst die drei Fördermodule Kooperationsprojekte (ZIMKOOP), Einzel-projekte (ZIM-SOLO) und Netzwerkprojekte (ZIM-NEMO). Gegenstand der Förderung sind FuE-Aktivitäten für Innovationsprojekte bzw. Management und Organisationsdienstleistungen zur Entwicklung innovativer Netzwerke. High-Tech-Gründerfonds Der High-Tech-Gründerfonds investiert Risikokapital in junge Technologieunternehmen, die vielversprechende Forschungsergebnisse unternehmerisch umsetzen. Der High-Tech- Gründerfonds beteiligt sich an der Seed-Finanzierung mit rund Euro und kann insgesamt bis zu zwei Millionen Euro pro Unternehmen investieren. Das Management der Unternehmen wird durch Coaches und Netzwerke unterstützt. Investoren der Public-private-Partnership sind das BMWi, die KfW Bankengruppe und mehrere große Unternehmen. Gründerwettbewerb IKT innovativ Das BMWi unterstützt mit dem Wettbewerb IKT-Unternehmensgründungen. Ziel ist es, das vorhandene Potenzial stärker auszuschöpfen und die Zahl an IKT-basierten Gründungen zu steigern. Der Wettbewerb ist offen für alle innovativen Geschäftsideen, die auf IKT-basierten Produkten und Dienstleistungen beruhen. Neben Geldpreisen steht den Preisträgern ein auf ihre individuellen Bedürfnisse abgestimmtes umfangreiches Coaching- und Qualifizierungsangebot offen. Alle Teilnehmer des Gründerwettbewerbs erhalten eine schriftliche Einschätzung ihrer Gründungsidee hinsichtlich Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken. ERP-Startfonds Der ERP-Startfonds ist ein Beteiligungskapitalprogramm für kleine Technologieunternehmen, die höchstens zehn Jahre alt sind. Die KfW geht hierbei Beteiligungen zwischen einer und drei Millionen Euro ein. Voraussetzung ist, dass ein weiterer Beteiligungsgeber sich ebenfalls in mindestens gleicher Höhe engagiert. Die KfW beteiligt sich zu den gleichen Konditionen wie der Leadinvestor. Der Leadinvestor berät das Unternehmen und leistet Management- und Marketingunterstützung. ERP-Innovationsprogramm Das ERP-Innovationsprogramm ist ein Programm für etablierte Unternehmen, die älter als zwei Jahre sind, und das auf Kredit- und Nachrangkapital basiert. Mit ihm werden die Entwicklung und Markteinführung neuer Produkte und Prozesse mit bis zu fünf Millionen Euro gefördert. Die Besonderheit ist, dass auch weiche Investitionen finanziert werden wie Personalkosten für FuE-Vorhaben. Der Antrag erfolgt über die Hausbank bei der KfW. Insbesondere junge IKT- und Internetunternehmer mit einem hohen Wachstumspotenzial sind darauf angewiesen, dass sie Risikokapital für ihr Unternehmen akquirieren. Einzelne Personen (Business Angels) oder Venture Capital-Fonds investieren in diese Unternehmen in Form von Kapitalbeteiligungen. Das FHP Panel 35 erhebt vierteljährlich die Eckdaten von 37 Risikokapitalgebern in Deutschland, die ein Fondsvolumen von zehn bis über 250 Millionen Euro verwalten. Die meisten der insgesamt 590 Investments deutschlandweit gingen 2011 in die Bereiche Software und Internet, über 40 Prozent zielten auf IKT-Bereiche (Abbildung 8). Risikokapital ist wichtige Finanzierungsquelle für IKT-Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. 35 FHP VC-Panel wird als regelmäßige Analyse der Venture Capital Aktivitäten in Deutschland von den VDI-Nachrichten und FHP Private Equity Consultants durchgeführt

20 Jüngster Trend: Venture Capital fließt verstärkt nach Berlin. Berliner Wirtschaftsförderprogramme zielen auf Clusterstärkung. Abbildung 8: Verteilung des Risikokapitals auf Branchen % 5% 7% 4% 2% 3% 10% 7% Quelle: VC-Panel, FHP Private Equity Consultants für 2011 Waren es in den vergangenen Jahren bayerische Unternehmen, die in der regionalen Verteilung des Beteiligungskapitals an der Spitze standen (2011 erhielten sie 24 Prozent des gesamten Beteiligungskapitals), haben im zweiten Quartal 2012 erstmals Berliner Unternehmen diese Position übernommen. Mit 26 Prozent aller Beteiligungen sind die meisten in Berlin abgeschlossen worden. Nach Bayern flossen nur noch 15 Prozent. Dies spricht für die wachsende Attraktivität der Berliner Hightechunternehmen für Risikokapitalgeber. Die Wirtschaftsförderungsprogramme der Investitionsbank Berlin (IBB) sind insbesondere darauf gerichtet, die vom Land definierten Kompetenzfelder bzw. Cluster zu unterstützen. Insbesondere die Programme zur Innovations- und Technologieförderung sind auf die Unterstützung von Unternehmen und Projekten in der IKT ausgerichtet (Abbildung 9). Seit einigen Jahren entfallen etwa zwei Drittel der gesamten Finanzierungszusagen der IBB auf die Berliner Cluster. Im Jahr 2011 waren es sogar fast 80 Prozent der insgesamt 362,8 Millionen Euro. Auf das Cluster IMK entfielen 68,2 Millionen Euro die meisten Mittel nach dem Cluster Verkehr, wobei der Anteil der geförderten Gründungen im Vergleich am höchsten war. 36 Von den 63 Portfoliounternehmen der IBB Beteiligungsgesellschaft GmbH (IBB Bet) sind 20 in der Kreativwirtschaft und weitere 17 in der Informations- und Kommunikationstechnik tätig. Insgesamt hat die IBB Bet seit Millionen Euro investiert, davon 12 Millionen Euro in Die Unterstützung setzt voraus, dass sich private Beteiligungsgeber mindestens in gleicher Höhe am Unternehmen beteiligen, so dass seit 1997 Investitionen in Höhe 657 Millionen Euro von anderen Finanzierungspartnern angeregt wurden ( Millionen Euro). Auch die Mehrzahl der Bewilligungen des ProFIT-Programms geht an Hersteller von Datenverarbeitungsgeräten und IKT-Dienstleister. 36 IBB Jahresbericht % 19% 13% 13% Software Internet Medizintechnik Biotechnologie Cleantech Industrieautomation Telekommunikation Medien, Unterhaltung Elektrotechnik IT-Dienstleistungen IT-Hardware, Halbleiter Sonstige Abbildung 9: Ausgewählte IKT-Förderprogramme des Landes Berlin Programm zur Förderung von Forschung, Innovationen und Technologien ProFIT Mit der ProFIT Projektförderung können technologieorientierte Projekte von Berliner Unternehmen in allen Phasen des Innovationsprozesses von der Forschung bis zur Markteinführung finanziert werden. Förderfähig sind Einzel- und Verbundprojekte. Die Förderung wird in Abhängigkeit von der Innovationsphase in Form von nicht rückzahlbaren Zuschüssen bzw. zinsverbilligten Darlehen gewährt. Mit der ProFIT Frühphasenförderung werden technologieorientierte Gründer, die ein Innovationsprojekt planen oder durchführen, beim Aufbau der Unternehmensinfrastruktur und Personalkapazitäten unterstützt. Innovationsassistent Mit dem Programm Innovationsassistent werden Berliner Unternehmen beim Zugang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen und dem Aufbau langfristiger Beschäftigungsverhältnisse unterstützt. KMU, die innovative Projekte durchführen, erhalten bei der Beschäftigung eines Hochschulabsolventen einen projektbezogenen Zuschuss. Dieser beträgt bis zu 50 Prozent des förderfähigen Gehalts des Innovationsassistenten und wird für zwölf Monate gewährt. Der Innovationsassistent bringt so neue wissenschaftliche Erkenntnisse und Methoden in das Unternehmen ein. VC Fonds Berlin Die IBB Beteiligungsgesellschaft mbh stellt mit dem VC Fonds Technologie Berlin und dem VC Fonds Kreativwirtschaft Eigenkapital für Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial zur Verfügung. Die VC Fonds Berlin gehen offene Minderheitsbeteiligungen am Stammund Grundkapital der Unternehmen ein, die in den Technologiefeldern (u. a. IKT) und der Kreativwirtschaft Berlins tätig sind. In der ersten Finanzierungsrunde werden bis zu 1,5 Millionen Euro investiert, die auf bis zu drei Millionen Euro ausgeweitet werden können. Die Beteiligung der VC Fonds setzt voraus, dass sich andere Investoren in mindestens gleicher Höhe am Unternehmen beteiligen. Technologie Coaching Center Mit einem Coaching fördert das TCC innovative, technologieorientierte Existenzgründungen und Unternehmen in Berlin. Durch die Übernahme großer Anteile der Beratungshonorare erhalten KMU Unterstützung von qualifizierten und erfahrenen Experten in betriebswirtschaftlichen Fragestellungen. Unabhängig davon, ob sich die Gründung oder das Unternehmen in der Aufbau- oder Wachstumsphase befindet, werden Coaches zur Seite gestellt, die ihre Fach- und Branchenkompetenz einbringen, um gemeinsam zielgenaue individuelle Lösungen zu erarbeiten. Berlin Kredit Innovativ Berlin Kredit Innovativ ist ein Finanzierungsangebot für innovative Vorhaben in den Berliner Zukunftsfeldern (u. a. IKT) oder für den Einsatz bei Internationalisierungsaktivitäten. Als Ergänzung zu Berlin Start und Berlin Kredit können Darlehen für Investitionen und Betriebsmittel bis Euro im Hausbankenverfahren mit einer Haftungsfreistellung der Bank in Höhe von 60 Prozent durch die IBB vergeben werden. Der Antrag wird bei der eigenen Hausbank gestellt. weitere Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten für Unternehmen in verschiedenen Phasen und für verschiedene Vorhaben. Beispiele sind Berlin Kapital, Berlin Kredit, GRW, Neue Märkte erschließen. Insbesondere Existenzgründungen steht eine große Auswahl von verschiedenen Unterstützungsmöglichkeiten zur Verfügung. Auf dem Portal stellen alle Partner des Gründungsnetzwerks regionale Gründungsinformationen zur Verfügung

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