Neugeborene drogenabhängiger Mütter

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1 Neugeborene drogenabhängiger Mütter Fachverband Drogen und Rauschmittel 29. Januar 2007 Dieter Hüseman Klinik für Neonatologie Charité CVK/ CBF Überblick: Folgen intrauteriner Drogenexposition Neonatales Abstinenzsyndrom Opiatabhängigkeit und Stillernährung Interdisziplinäre Aufgabe: Weichenstellung zur ambulanten Versorgung Schlußfolgerungen 1

2 Risiken intrauteriner Drogenexposition Embryotoxizität/ Teratogenität z.b. Kokain, Amphetamine, Alkohol, Nikotin Mikrocephalie z.b. Alkohol, Kokain Neurotoxizität/ Psychomotorische Störungen z.b. Benzodiazepine?, Opiate?, Cannabinoide? intrauterine Mangelentwicklung/ Frühgeburtlichkeit z.b. Alkohol, Nikotin, Opiate Intrauteriner Entzug, Neonataler Entzug z.b. Benzodiazepine, Opiate Komorbidität z.b. mütterl. Infektionen, Mangelernährung, Vorsorge Kognitive Entwicklung nach fetaler Opiatexposition Amsterdamer Longitudinalstudie Baar A van et al. Dev Med Child Neurol 1994 n = 35 vs 35 Kontrollen; Beobachtung über fünf Jahre signifikant schlechtere kognitive Entwicklung ab 2 Jahren Effekt von Fremdunterbringung unklar Developmental outcome, raised at home or adopted Ornoy A et al. Child Abuse Negl opiatexponierte Kinder, davon 44 früh adoptiert; 74 Kinder mit heroinabhängigem Vater; 180 Kontrollen Untersuchung mit 5-6 Jahren ADS bei allen Opiatexponierten Intellektuelle Entwicklung abhängig vom Sozialstatus 2

3 Neonatales Abstinenzsyndrom betrifft 70-80% der opiatexponierten Neugeborenen Beginn Lebenstag Symptomatik: ZNS Vegetativ Gastrointestinal Respiratorisch Tremor Irritabilität, Motorische Unruhe Schrilles, unmotiviertes Schreien verkürzte Schlafphasen Krampfanfälle Fieber, Schwitzen Niesen, Gähnen Erbrechen, dünne Stühle Tachypnoe, Dyspnoe Apnoe Therapie u.a. medikamentös, Dauer ca Tage Konsequenzen für die Schwangerschaft? Neonatale Morbidität ist Folge des Opiatkonsums Therapieziel Abstinenz? Therapieziel: Stabilisierung!!! Optimierung und Evaluation der Substitution z.b. Buprenorphin 3

4 Interaktionen zwischen Personal + Mutter unsichere Rollenidentität Konkurrenz um bessere Elternschaft Gegenseitiges Misstrauen Die Mütter glauben, wir wollten ihnen ihr Kind wegnehmen! gegenseitige Milieufremdheit Unzuverlässigkeit vs. Starre Regeln Mitleid mit dem Kind; Wut auf die Mutter Personal braucht Schulung und Supervision Sozialarbeiterische Aspekte Schriftliche Sozial- und Drogenanamnese aus Frauenklinik Besuchsprotokoll; Einschätzung der elterlichen Fürsorge und Kompetenz immer: Sozialkonsil; immer: Info und Rücksprache mit Jugendamt, Hausbesuch Helferkonferenz, Festlegung von Unterstützung Entlassung nach schriftlicher Maßgabe des Jugendamtes ca 75% werden nach Hause entlassen selten: diskrepante Einschätzung 4

5 Substitution und Muttermilch Kashiwagi M et al. Opiatabhängigkeit und Stillen. Geburtsh Frauenheilk 2005; 65: AAP, Committee on drugs.pediatrics 2001; 108: Methadon geht nur minimal in MM über Ein Einfluss auf Entzugssymptome ist trotz anderslautender Kasuistiken schwer nachvollziehbar Substitution ist kein Stillhindernis Beikonsumwird nicht akzeptiert Infektionsrisiko muss berücksichtigt werden Folgerungen Therapie des NAS in Deutschland muß optimiert, konzentriert und evaluiert werden Therapie des NAS muss ausreichend honoriert werden Nachsorgesprechstunden müssen eingerichtet werden Retrospektive und prospektive Nachsorgestudie ist dringend erforderlich 5

6 Folgerungen Therapie des NAS in Deutschland muß optimiert, konzentriert und evaluiert werden Therapie des NAS muss ausreichend honoriert werden Nachsorgesprechstunden müssen eingerichtet werden Retrospektive und prospektive Nachsorgestudie ist dringend erforderlich Vielen Dank! Vielen Dank! 6

7 Vielen Dank! Verhaltensstörungen nach intrauteriner Opiatexposition Mutter heroinabhängig Im mütterl. Haushalt Frühzeitig adoptiert Vater heroinabhängig Kontr: Niedriger sozialer Status Kontr: Normaler sozialer Status Normalkollektiv n Hyperaktivität Aufmerksamkeitsstörung Verhaltensstörungen 27 (53%) 23 (74%) 4 (20%) 24 (42%) 14 (37%) 7 (16%) 2 (5%) Ornoy et al, Acta Paed

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