Branchencheck Biogas-BHKW-Markt

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1 Die deutschen Anbieter von Biogas-BHKWs erlebten im Jahr 2011 einen Auftragsboom. Diese Entwicklung hat sich in 2012 nicht fortgesetzt. Zahlreiche Hersteller mussten Gewinnrückgänge oder sogar Verluste hinnehmen. Die Lage hat sich auch im ersten Halbjahr 2013 nicht gebessert. Die PUTZ & PARTNER Unternehmensberatung AG beschreibt in der aktuellen Ausgabe 2013/01 des Newsletter Restrukturierung die besonderen Herausforderungen vor denen die Hersteller von Biogas-BHKW zurzeit stehen. Im Branchencheck Biogas BHKW-Markt finden Sie Informationen zu den Ursachen der aktuellen Krise, den Ausblick auf die weitere Entwicklung des Marktes und die primären Handlungsbedarfe. Die Aussagen basieren vor allem auf den Erfahrungen aus dem PUTZ & PARTNER Beratungsumfeld. 29. Juli 2013 Marco Luerssen Seite 1

2 Ursachen der Krise In ihrem neuen Energiekonzept hat die Bundesregierung das Ziel formuliert, bis zum Jahr 2020 den Anteil der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien bis auf 35% zu erhöhen. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) schaffte mit den Vergütungen für Strom und Wärme aus erneuerbaren Energien attraktive Rahmenbedingungen für den Betrieb von BHKWs, in denen Bio-, Klär-, Deponie- und Grubengas genutzt wurde. Mit der Neufassung des EEG im Jahr 2009 erfuhr der Biogasanlagenbestand in den vergangenen Jahren einen bedeutenden Wachstumsschub. Das Marktwachstum der vergangenen Jahre führte zu einer stetigen Erweiterung der Produktionskapazitäten. Aufgrund der Marktattraktivität und der relativ geringen Markteintrittsbarrieren sind neue Wettbewerber in den Markt eingetreten. Abbildung: Bestandsentwicklung Biogasanlagen, Quelle: FNR 2012 Die Neufassung des EEG im Jahr 2012 wird sich negativ auf den Absatz für Biogasanlagen auswirken und zu einem verlangsamten Wachstum führen. Wesentliche Ursachen sind die Änderungen der Vergütungsstrukturen. Hierdurch sinken die Renditechancen für Investoren / Betreiber, wohingegen das Investitionsrisiko steigt. Der Deutschland ist aus Expertensicht in die Marktsättigungsphase eingetreten. Die Absatzchancen für Standardanlagen verschlechtern sich, während die 29. Juli 2013 Marco Luerssen Seite 2

3 Nachfrage nach Individuallösungen steigt. Diese sind immer dann notwendig, wenn z.b. aufgrund der räumlichen Verhältnisse oder der Lage der Zuleitungen eine Standard- Containerbauweise nicht möglich ist. Diese Entwicklung bietet Vermarktungschancen für Anbieter, die in der Lage sind, Anlagen mit Individualisierungsgrad zu liefern. Der internationale ist differenziert zu betrachten. In Ländern mit guten Rahmenbedingungen (Förderung, gesamtwirtschaftliche Entwicklung, Finanzierungs- und Substratkosten) expandieren die Märkte. Dies kommt u.a. auch in dem prognostizierten starken Anstieg des Exportgeschäftes zum Ausdruck. Italien stellt neben Frankreich, Großbritannien / Irland, Polen und Nordamerika aus Expertensicht einen der wichtigsten Wachstumsmärkte dar. Abbildung: Absatz von Motoren, BHKW, Quelle: Öko-Institut 2012 Die Überkapazitäten und der intensive Verdrängungswettbewerb im Biogasbereich haben dazu geführt, dass einige Anbieter versuchen, den Absatzrückgang bei Biogas-BHKWs durch Absatzsteigerung bei Erdgas-BHKWs zu kompensieren. Durch diese Marktbewegung entwickelt sich auch in diesem Marktsegment zunehmend ein Verdrängungswettbewerb. 29. Juli 2013 Marco Luerssen Seite 3

4 Ausblick auf die weitere Entwicklung des Marktes Insgesamt prognostizieren die Experten für das Jahr 2013 ein Wachstum des Gesamtmarktes (Biogas- & Erdgas-BHKW) von ca. 7%. Sie erwarten, dass der Export um ca. 15% gegenüber dem Jahr 2012 steigen wird und dass der Inlandsumsatz in 2013 wieder das Vorjahresniveau erreicht. 1 In den Folgejahren wird der Biogas-BHKW-Absatz im Inland auf dem aktuellen Niveau stagnieren. Wachstum wird nur in spezifischen Exportregionen möglich sein. Im Inland wird der Rückgang bei der Nachfrage nach Neuanlagen zum Teil durch Anlagenerweiterungen bzw. Repowering ausgeglichen. Unter Repowering versteht man den Austausch der Bestands-BHKW gegen neue BHKW mit höherem Wirkungsgrad, die einen geringen Substrateinsatz für den gleichen KWel-Output benötigen. Dieses hat aufgrund der stark gestiegenen Preise bei Substraten (gilt insbesondere für Mais) eine hohe Relevanz. Aus Expertensicht sind die Potenziale für Anlagenerweiterungen bzw. Repowering durch die gesunkene Attraktivität der Flexprämie, der Genehmigungsgrenzen, der hohen Investitionen und der Entwicklung der Substratkosten jedoch begrenzt. Ein mögliches Zukunftsfeld bietet sich aus Expertensicht Biogas-BHKW-Anbietern, die Anlagen mit der höheren Leistungsklasse (> 2 MWel) im Lieferprogramm haben, da diese Module für die Bereitstellung von Regelenergie genutzt werden können. Hierzu müssen jedoch geeignete Partner gefunden werden, welche die Direktvermarktung und Steuerung der Regelenergie übernehmen. Dieser Markt befindet sich noch in einer frühen Experimentierphase. Die Absatzrate im europäischen Markt ist heterogen. Während u.a. in Länder wie Italien, Großbritannien und Frankreich ein stabiles Wachstum zu erwarten ist, ist u.a. in Tschechien, Griechenland und Ungarn mit Stagnation bzw. Rückgang der Nachfrage zu rechnen. Primäre Handlungsbedarfe Die Erfahrungen aus dem PUTZ & PARTNER Beratungsumfeld zeigen, dass sich die Hersteller in vielen Fällen nicht oder nur teilweise auf die veränderten Rahmenbedingungen strategisch neu ausgerichtet haben. Unternehmen, die darüber hinaus wesentliche interne Schwächen haben, wie z.b. eine ungünstige Kostenstruktur, einen ineffizienten Vertrieb oder ein nicht hinreichend professionelles Projektmanagement sind in 2012 / 2013 in eine Krise geraten. 1 vgl. Energie & Management Graue Wolken nach einem guten Jahr, 15. Dezember 2012, S Juli 2013 Marco Luerssen Seite 4

5 Aus Sicht von PUTZ & PARTNER gestalten sich in diesen Fällen die primären Handlungsfelder wie folgt: o Ausrichtung auf die Wachstumsmärkte in Europa und Nordamerika Viele Unternehmen sind strategisch noch auf den deutschen Markt fokussiert. Zur Nutzung internationaler Wachstumschancen in den primären Auslandsmärkten bedarf es einer konsistenten Globalisierungs- und Marktangangsstrategie. o Intensivere Entwicklung der sonstigen Auslandsmärkte Sekundäre Auslandsmärkte sind in Abhängigkeit der mittelfristigen Entwicklung der Rahmenbedingungen in ein Marktmonitoring einzubinden. Eine frühzeitige Entwicklung von lokalen Vermarktungspartnern bietet gute Chancen für eine Marktdurchdringung falls sich die Rahmenbedingungen ändern. o Verstärkte Ausrichtung auf den Erdgasmarkt Der Markt für fossile BHKWs (insb. Erdgas) zeigt höhere Wachstumsraten als der biogene BHKW-Markt. Die Portfoliostrategie bedarf einer grundlegenden Überprüfung und ggf. einer stärkeren Ausrichtung auf das Erdgassegment o Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit im Biogasmarkt Der Wirkungsgrad eines BHKWs hat einen hohen Einfluss auf die zu erwartende Rendite. Viele Hersteller nutzen die technischen Möglichkeiten noch nicht im vollen Maße aus. o Optimierung der Kostenstrukturen Durch die Erweiterung der Produktionskapazitäten sind in vielen Unternehmen Kostenstrukturen entstanden, die in einem Benchmark- und Konsolidierungsansatz auf die zukünftige Marktsituation angepasst werden müssen. o Professionalisierung der Auftragsabwicklung Schwächen in der Projektsteuerung führen insbesondere zu höheren Materialkosten. Dies wirkt sich negativ auf das Ergebnis aus. Erforderlich ist die Optimierung der übergreifenden Prozessebenen sowie ein stringenteres Projektcontrolling. o Steigerung der Vertriebseffizienz und -steuerung Der Vertrieb ist oftmals reaktiv ausgerichtet. Durch eine Anpassung der Vertriebsstrategie und -führung können zusätzliche Marktchancen genutzt werden. Wenn diese Ansätze konsequent verfolgt werden, haben die BHKW-Anbieter gute Chancen, gestärkt aus der derzeitigen Krise hervorzugehen. 29. Juli 2013 Marco Luerssen Seite 5

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