Cybermobbing Werner Ebner. Cybermobbing Kinder und Jugendliche im Internet. Das Phänomen und Handlungsmöglichkeiten

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1 Cybermobbing Kinder und Jugendliche im Internet Das Phänomen und Handlungsmöglichkeiten Ein Ratgeber, nicht nur für Betroffene! Copyright 2015 Mobbingberatung 1

2 Inhalt Inhalt Kinderschutzsoftware Einleitung... S3 Internetnutzung von Kindern und Jugendlichenn... S4 Negative Erfahrungen Jugendlicher im Internet... S5 Mobbing und Gewalt, eine Definition!... S6 Faktoren, die Mobbing und Gewalt begünstigen... S7 Was ist Cyberbullying, Cybermobbing, E-Mobbing?... S8 Gründe und Auslöser von Cybermobbing... S9 Was kann der/die SchülerIn im Vorfeld gegen Cybermobbing tun? S11 Handlungsmöglichkeiten an der Schule... S12 Was können Lehrer tun?... S13 Was können Eltern tun? ( Cybermobbing)... S14 Happy Slapping... S16 Konsequenzen von Happy Slapping... S16 Sexting... S17 Was können Eltern bei Mobbing mit dem Handy tun?... S18 Einzelfragen zur Handy-Kontrolle in der Schule... S16 Rechtliches... S20 Kinderschutzsoftware... S22 Literaturverzeichnis... S24 Copyright und Impressum... S25 2

3 Einleitung Online-Kommunikation kann extrem bösartig sein. Es gibt keinen Ausweg für die, die online gemobbt werden. Sie werden 7 Tage in der Woche rund um die Uhr zum Opfer. Die Cyberbullying-Materialien können weltweit verbreitet und dann oft nicht mehr gelöscht werden. (Google und andere Suchmaschinen vergessen nicht!) Cyberangreifer sind anonym und können als unbekannte Freunde auftreten, so dass die Opfer nicht wissen, wem sie vertrauen können. Die Opfer wollen Erwachsenen nicht sagen, was online oder über ihre Handys passiert, da sie emotional traumatisiert sind und denken es sei ihr Fehler, eine Strafe befürchten oder befürchten, dass ihnen das Internet oder das Handy verboten werden. Sie empfinden ein Höchstmaß von Scham und ihre meist einzige Scham-Abwehrreaktion ist die emotionale Erstarrung. (sich tot stellen) Auch viele Jahre nachdem ein Jugendlicher die Schule verlassen hat, können ihn diese Umtriebe noch einmal einholen. Es ist durchaus üblich, dass ein Personalchef vor einem Bewerbungs- Einstellungsgespräch sich erst mal über den Bewerber im Internet informiert. Das geschieht meist über das sog. Screening auf Facebook oder auf XING und natürlich über die Suchmaschinen. Sie können von sich selbst oder von ihrem Kind ein Profil im Internet erstellen, indem sie Vor- und Nachname in Google eingeben. Beziehen Sie auch die Bildersuche von Google mit ein. Um noch bessere Ergebnisse zu erzielen, verwenden Sie zusätzlich und Das Auftreten neuer Formen von Mobbing und Gewalt, wie z.b. Cybermobbing, Cyberbullying, Happy Slapping an Schulen und in der Freizeit hängt unmittelbar mit der Entwicklung neuer Medien zusammen. Web 2.0, Social Networks, Semantic Web sind die Schlagwörter dafür und haben zu einem spektakulären Anstieg der Möglichkeiten der Vernetzung mit anderen Menschen geführt. Es kann sich hierbei um nahe stehende Personen handeln wie Nachbarn, Klassenkameraden, Verwandte, aber auch um völlig Fremde, weltweit. Eine aktuelle Studie (BITKOM Jugend 2.0) (2011) zeigt auf, wie Kinder und Jugendliche das Internet heutzutage nutzen und welchen Einflüssen sie dabei ausgesetzt sind. 3

4 Internetnutzung von Kindern und Jugendlichen Quelle: (BITKOM Jugend 2.0) vom Januar

5 Negative Erfahrungen Jugendlicher im Internet Quelle: (BITKOM Jugend 2.0)vom Januar

6 Mobbing und Gewalt, eine Definition! Mobbing ist ein Kunstwort, das zurückgeht auf den Verhaltensforscher Konrad Lorenz. Konrad Lorenz (Lorenz, 2007)bezeichnete als Mobbing das aggressive Verhalten von mehreren Gruppenmitgliedern gegen ein einzelnes Tier, um dieses zu vertreiben. Mobbing bedeutet Anpöbeln, Fertigmachen (mob = Pöbel, mobbish = pöbelhaft). Mobbing sind Handlungen negativer Art, die durch eine oder mehrere Personen gegen eine Mitschülerin oder einen Mitschüler gerichtet sind und über einen längeren Zeitraum vorkommen (Olweus, 2006). Mobbing bzw. Bullying erfordert, dass zwischen dem Opfer und dem Täter (oder der Gruppe von Tätern) ein Ungleichgewicht der Kräfte herrscht, das sich auf körperliche oder psychische Stärke beziehen kann. Es handelt sich nicht um Mobbing, wenn zwei gleich starke Schüler miteinander streiten. (Leymann, 1993) Geschehen diese negativen Handlungen im Internet, so spricht man von Cyberbullying oder Cybermobbing. Cybermobbing ist eine Form der Gewalt. Hurrelmann definiert den Begriff Gewalt allgemein wie folgt: Das gesamte Spektrum von Tätigkeiten und Handlungen, die physische und psychische Schmerzen oder Verletzungen bei den im Bereich der Schule handelnden Personen zur Folge haben oder die auf die Beschädigung von Gegenständen im schulischen Raum gerichtet sind. Gewalt in der Schule umfasst alle Angriffe, Übergriffe und Bedrohungen, die im unterrichtlichen Geschehen stattfinden, und auch alle diejenigen, die im außerunterrichtlichen Bereich auftreten. (Hurrelmann und Bründel 2007) 6

7 Faktoren, die Mobbing und Gewalt begünstigen (Klett 2005) et. al. Lehrer Engagement resignative Grundhaltung der Lehrkraft ( kein Interesse an der Schülerperson) Soziale Bedingungen unter den Schülern schlechte Umgangsformen Mangel an kommunikativen Fähigkeiten fehlende oder unzureichende Kommunikation zwischen den Parteien mangelnde Fähigkeit im konstruktiven Umgang mit Konflikten Erziehungsverhalten der Schule Strafen als einziges oder willkürliches Mittel der Schule lehrt Schüler, dass Ausübung von Macht ein geeignetes Mittel zum Erreichen von Zielen ist Strafen können verstärkt zur Auflehnung führen. Schul- und Klassenregeln sind zu wenig verbindlich oder beliebig Inkonsistentes Verhalten der Lehrer -> wirkungslos Schule wird als rechtsfreier Raum erlebt, in dem jeder seine Regeln selbst machen darf (ganz so wie im Internet)! Schulgebäude reizlos, eintönig Klassenräume unpersönlich, zu eng keine ansprechende Lernatmosphäre Verbundenheit fehlendes Wir-Gefühl Mangelnde Identifikation mit der Schule Langeweile gilt als Auslöser für Aggressionen. Schüler nennen in der Onlinestudie (Klett 2005) folgende Faktoren für die Entstehung von Gewalt: 1. Das Lernen ist zu wenig schülerorientiert 2. Intellektuellen Lernen wird überbetont 3. Es gibt wenig oder keine Förderung der sozialen Kompetenz 4. Der Leistungsdruck ist hoch, die häufigste von Schülern genannte Ursache für Gewalt! 5. Schlechtes Klassenklima 6. ausschließen einzelner Schüler 7. Konkurrenz im Unterricht 8. un(ter)entwickelte Streitkultur 7

8 Was ist Cyberbullying, Cybermobbing, E-Mobbing? Cybermobbing ist das absichtliche Beleidigen, Bedrohen, Bloßstellen oder Belästigen anderer mithilfe moderner Kommunikationsmittel meist über einen längeren Zeitraum. Dazu werden unterschiedliche Technologien und Verfahren angewendet: Instant Messenger: gemeine Nachrichten, Bilder oder Videos verschicken einen anderen Account benutzen, um fiese Nachrichten an die Kontaktliste zu verschicken Chatrooms: gemeine oder drohende anonyme Nachrichten verschicken Gruppen, die bestimmte Personen absichtlich ignorieren Freundschaften unter falschem Vorwand schließen (um an persönliche Informationen zu gelangen: mögliche Folgen: Erpressung, Verleumdung gemeine oder bedrohliche Nachrichten verschicken unpassende Inhalte (inklusive Videos, Bilder oder auch Computer- Viren) verschicken auf einen anderen Account zugreifen, z.b. um persönliche s weiterzuleiten oder s zu löschen Webcams: unangebrachte Inhalte aufnehmen und verschicken junge Leute zu unangemessenem Handeln überreden oder zwingen private Aufnahmen nach Trennungen online stellen, um meist den Expartner/die Expartnerin in der Öffentlichkeit zu blamieren (auf Portalen wie beispielsweise youporn, youtube, usw.) Soziale Netzwerke: gemeine Kommentare zu Bildern oder auf die Pinnwand schreiben fiese Bilder oder Videos veröffentlichen auf einen anderen Account zugreifen und z.b. Nachrichten schreiben, Informationen löschen oder hinzufügen absichtlich gegründete Hassgruppen, die sich gegen eine Person richten 8

9 Video Portale: beschämende, demütigende Videos über eine Person veröffentlichen private Aufnahmen (häufig erotischen Inhalts) nach Trennungen online stellen, um meist den Expartner/ die Expartnerin in der Öffentlichkeit zu blamieren (siehe auch Webcam). Gaming Seiten: erfahrene Spieler suchen sich schwache, noch unerfahrene Spieler aus, deren Charaktere sie wiederholt töten. gezieltes Ausschließen einzelner Spieler aus Gruppenaktivitäten und Ereignissen Handys: wiederholt anonyme Anrufe tätigen und drohen, einschüchtern, beleidigen demütigende Bilder oder Videos aufnehmen, herumschicken per Bluetooth, Telefon oder im Internet veröffentlichen (z.b. Happy Slapping) Quelle: et. al. Das ist nur eine Auswahl, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt und die Anonymität scheint gesichert. Gründe und Auslöser von Cybermobbing Die Hemmschwelle erscheint deswegen so gering, weil dahinter das "Du kannst mich nicht sehen, ich kann dich nicht sehen" -Phänomen steckt. Man glaubt online unsichtbar zu sein, nicht erwischt zu werden das Recht zu haben, frei zu sagen was man denkt und somit nicht die Konsequenzen für seine Handlung tragen zu müssen. Das ist - zum Glück für die Opfer - ein weit verbreiteter Irrtum, der die Täter recht teuer kommen kann. Im Gegensatz zum Mobbing in der Schule, gibt es eine Reihe rechtlicher Möglichkeiten gegen die Täter vorzugehen. Vor allem die Beweisbarkeit ist gegeben, denn Google, Facebook und CO vergessen nicht! Quelle:(Rosario Ortega 2007) 9

10 Die Auslöser sind von ganz unterschiedlicher Natur. Cybermobbing dient: der Entlastung: Mobbing als Ventil für aufgestaute Aggressionen. der Anerkennung: Mobbing wird dazu verwendet, sich einen bestimmten Ruf zu verschaffen, z. B. besonders cool zu sein. der Stärkung des Gemeinschaftsgefühls: Mobbing geschieht meist in der Gruppe nach dem Motto: Gemeinsam sind wir stark. der Demonstration von Macht: Mobbing wird eingesetzt, um Stärke zu zeigen, um klar zu stellen, wer das Sagen hat. der Angst: Oft spielen auch Versagensängste oder die Angst, selbst zu einem Mobbing-Opfer zu werden, eine Rolle. Vor allem MitläuferInnen wollen ihre Zugehörigkeit zur Gruppe nicht riskieren. Quelle: (ZEPF 2007) Gerald Hüther (Juni 2009), Neurobiologe und Hirnforscher kommt in seinen Untersuchungen zum Ergebnis, dass der Mensch mit zwei Grundbedürfnissen auf die Welt kommt: Dem Bedürfnis nach Beziehung und dem Bedürfnis nach Wachstum, die im Gleichgewicht sein müssen. Ist das nicht der Fall, kommt es zu Ersatzbefriedigungen oder uunkontrolliertem Wachstum. Mit dem Beziehung sind ganz reale Kontakte zwischen Menschen gemeint. Bleiben die in der gewünschten Form aus, dienen als Ersatz die Beziehungen auf Onlineplattformen. Auch das Bedürfnis nach Wachstum wird gestillt, in dem die Freundesliste täglich anwächst. Konflikte des Alltags werden ins Internet verlagert und Cybermobbing kann entstehen. Cybermobbing ist Teil der Normalität geworden, entstanden aus Langeweile, aus dem Bedürfnis nach Bindung (Verbindung) und Beziehung. Dabei gelten interkulturelle Konflikte, Konflikte in der Klassengemeinschaft, Veränderungen in Freundschaften und Klassengemeinschaften als Ursache, ebenso wie das unerwünschte Veröffentlichen von persönlichen Informationen. 10

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