Autofahrer mit Nachholbedarf beim Umweltschutz. ACE-Studie: Nur jeder zweite Pkw fährt schadstoffarm Stuttgart staubigste Stadt im Staat

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1 PresseMitteilung ACE Auto Club Europa e.v. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Verantwortlich: Rainer Hillgärtner Schmidener Str Stuttgart Tel.: 0711 / /277 Fax: 0711 / Autofahrer mit Nachholbedarf beim Umweltschutz ACE-Studie: Nur jeder zweite Pkw fährt schadstoffarm Stuttgart staubigste Stadt im Staat Stuttgart (ACE) 12. Januar 2012 Die ökologische grüne Welle hat den Straßenverkehr erreicht, das ist die gute Nachricht: Kraftstoffverbrauch und CO 2 Ausstoß sind von 1995 bis 2009 um 7,4 Prozent gesunken, obwohl die jährliche Fahrleistung pro Pkw im selben Zeitraum von ursprünglich auf zuletzt Kilometer gestiegen ist und der Pkw-Bestand sich in Deutschland seit Jahren mit rund 41 Millionen Pkw auf unverändert hohem Niveau bewegt. Nach Angaben des ACE Auto Club Europa sank der spezifische Kraftstoffverbrauch in den letzten 15 Jahren bei den Benzinern von 9,1 auf 8 Liter und bei Diesel-Pkw von 7,5 auf 6,8 Liter. Der ACE hatte für eine am Donnerstag in Stuttgart veröffentlichte Studie über Umwelt und Verkehr die einschlägigen Daten des Statistischen Bundesamts, des Kraftfahrt-Bundesamts und des Umweltbundesamts ausgewertet. Die auf den ersten Blick positive Bilanz wird aus Sicht des ACE dadurch getrübt, dass etwa die Hälfte aller in Deutschland zugelassenen Pkw immer noch unzeitgemäß hohe Emissionen verursachen. So entsprechen nur 50,1 Prozent der am 1. Januar 2011 zugelassenen Fahrzeuge den strengeren Schadstoffklassen Euro 4, 5 oder 6. Jeder zweite Fahrzeugbesitzer aber hält an einem Wagen fest, der nur den längst veralteten Schadstoffklassen Euro 1 bis 3 entspricht. In dem auf Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes basierenden Ranking erwies sich der Stadtstaat Hamburg als Bundesland mit den meisten Fahrzeugen neuer Technologie. 55 Prozent aller Pkw entsprechen hier Euro 4 oder befinden sich in noch strengeren Schadstoffklassen. Einen messbar günstigen Einfluss etwa auf die Feinstaubbelastung in der Stadt hat aber diese relativ saubere Fahrzeugflotte nicht. Seite 1 von 13

2 Den unrühmlichen Gegenpol bei der Fahrzeugflotte bildet Brandenburg, wo nur 46 Prozent der dort angemeldeten Personenkraftwagen einer Emissionsklasse zugeordnet sind, die die strengeren Auflagen erfüllt. Staubiges Stuttgart Als zum Teil besorgniserregend hoch bezeichnet der ACE die enormen Feinstaubwerte in deutschen Städten. So verfehlt Stuttgart die gesetzlichen Vorgaben bei Jahresmittelwert um immerhin zehn Prozent. Die Zahl der Tageswerte über 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter überschritt Baden- Württembergs Landeshauptstadt im Jahr 2010 dreimal so häufig wie erlaubt. Auffällig ist, dass unter den zehn deutschen Städten mit der größten Feinstaubbelastung fünf in Baden-Württemberg liegen. Deutschland-Grafik: Wie stark der Staub die Luft belastet Bei den Städten mit besonders niedriger Schadstoffbelastung dagegen haben die Hessen die Nase vorn. Hanau und Michelstadt weisen den Zahlen des Umweltbundesamtes zufolge die vergleichsweise besten in Städten gemessenen Werte aus. Aus einer vom ACE veröffentlichten Grafik geht hervor, in welchen Städten eines Bundeslandes die jeweils höchsten und niedrigsten Feinstaubwerte festgestellt worden sind. ACE-Grafik: Wie stark der Feinstaub die Luft belastet Was Autofahrer tun können Der ACE riet Autofahrern, sie sollten schon aus wirtschaftlichem Eigeninteresse ihren Fahrstil den Geboten ökologischer Vernunft unterordnen. In der Art, wie Leute hinterm Steuer die Bremse betätigen, Gas geben und schalten, stecke ein Minderverbrauch-Potenzial von mehr als 100 Liter Kraftstoff pro Jahr. Autofahrer sollten nach der Empfehlung des ACE den benötigten Kraftstoff nur noch an den preisgünstigsten Tankstellen zapfen und Autofahrten auf Kurzstrecken vermeiden, wenn sich diese auch anders zurücklegen lassen. Beim Kauf von Neu- und Gebrauchtwagen sollten Verbraucher den Blick zudem auf effiziente Autos richten; das heißt, auf solche Wagen, die auch eine gute Energiebilanz vorweisen können. Autos, die mit geringer Kraftstoffmenge auskommen und weniger Schadstoffe ausstoßen, rechnen sich unterm Strich immer besser. Ein günstiger Beschaffungspreis hingegen verflüchtigt sich, denn hohe Betriebskosten machen den Vorteil schnell zunichte. Seite 2 von 13

3 Was aus Sicht des ACE von Umweltzonen zu halten ist Umweltzonen sind gut gemeint. Ob sie sich in der Praxis aber tatsächlich bewähren und die erhoffte Wirkung entfalten, das ist weiter umstritten. Die Politik muss daher mit offenen Karten spielen und sagen, was mit der Einführung von Umweltzonen und dem gebührenpflichtigen Vertrieb von Umweltplaketten erreicht werden konnte und noch erreicht werden kann. Entscheidend ist ja, dass es gelingt, die Feinstaubbelastung im Interesse der Gesundheit deutlich abzusenken. Klar ist auch, dass alle Feinstaubverursacher ihren Beitrag dazu leisten müssen. Insofern steht der Straßenverkehr mit in der Verantwortung. Doch es wäre falsch, nahezu alle Maßnahmen zur Feinstaubminderung auf den Pkw-Verkehr zu konzentrieren. Das weckt Erwartungen, die nach Lage der Dinge überhaupt nicht erfüllt werden können. Feinstaubbelastungen vor Ort werden schließlich nur zu einem Viertel durch den Verkehr hervorgerufen. Pkw für sich genommen verursachen dort schätzungsweise lediglich rund zehn Prozent der Feinstaubemissionen. Daran ist zu ermessen, dass sich die Probleme auf dem Gebiet der Luftreinhaltung keinesfalls alleine durch Eingriffe in den Straßenverkehr lösen lassen. Die Politik ist daher gut beraten, keinen falschen Eindruck aufkommen zu lassen. Pläne zur Luftreinhaltung sollten besser unter Berücksichtigung des jeweiligen Verursacheranteils am Feinstaub konzipiert werden. In diesem Sinne sollten Städte und Gemeinden, denen Luftreinhaltung wirklich wichtig ist, ihr Augenmerk unter anderem auf die 2,8 Millionen in Deutschland zugelassenen Lkw richten. Sie sind im Verkehrssektor mit einer Jahresfahrleistung von rund 74 Milliarden Kilometer die wahren Luftverpester. Hier sehen wir auch die Hersteller in der Pflicht, die für eine neue Generation umweltverträglicher Fahrzeugtechnik sorgen müssen. Wer vor allem darauf setzt, den privaten Verkehr auszusperren, der leistet in Wirklichkeit nur Scheinlösungen Vorschub. Denn dieser Verkehr wird lediglich in die Gebiete außerhalb der Zonen verdrängt. Für sehr viel wirksamer halten wir eine auf Nachhaltigkeit angelegte städtische Verkehrspolitik. Sie setzt auf einen optimalen Mix bei der Wahl der Verkehrsmittel, praktiziert elektronisch gesteuerte Verkehrslenkung, fördert modernes Mobilitätsmanagement besonders auch im Berufsverkehr und kann somit weitgehend auf konservative Reglementierung und Restriktionen verzichten. Weitere Informationen zum Thema enthält die ACE-Studie auf ace-online.de Seite 3 von 13

4 Daten und Fakten: Umwelt und Verkehr 1 Pkw-Bestand konstant, Diesel legen zu 2 Fahrleistung steigt, Verbrauch sinkt 3 Nur jeder 2. Pkw erfüllt mindestens Euro 4 4 Regionaldaten: Bundesländer im Feinstaubvergleich 5 Die 10 Städte mit der größten Feinstaub-Belastung 6 Die 10 Städte mit der niedrigsten Feinstaub-Belastung 7 Empfehlungen des ACE Seite 4 von 13

5 1 Pkw-Bestand konstant, Diesel legen zu Von leichten Schwankungen abgesehen hat sich der Pkw-Bestand in Deutschland innerhalb der vergangenen 15 Jahre auf einem relativ hohen Niveau eingependelt. Im Jahr 2009 waren bundesweit 41,3 Millionen Pkw zugelassen, 93,9 Prozent davon waren in der Hand privater Haushalte. Geändert haben sich in den letzten 15 Jahren allerdings die Kaufgewohnheiten: Machten Dieselfahrzeuge im Jahr 1995 nur einen Anteil von 13,7 Prozent am Pkw-Bestand aus, verfügte 2009 schon jedes vierte Fahrzeug über Diesel-Technologie. Dem Bestand entsprechend hat sich der Ausstoß der CO 2 -Emissionen im Dieselbereich entwickelt auch hier kann eine annähernde Verdoppelung der Schadstoffemissionen beobachtet werden. Obwohl sich die Zahl der Benziner seit 1995 nur um 12,6 Prozent verringert hat, sank der Ausstoß an CO 2 im gleichen Zeitraum um 28,6 Prozent. Insgesamt verringerte sich der CO 2 -Ausstoß in den letzten eineinhalb Jahrzehnten um 7,4 Prozent. Pkw-Bestand und Emissionen Bestand Diesel-Pkw (in 1.000) Bestand Otto-Pkw (in 1.000) CO2-Emissionen Diesel-Pkw (1.000 t) CO2-Emissionen Otto-Pkw (1.000 t) Datenbasis: Statistisches Bundesamt Seite 5 von 13

6 2 Fahrleistung steigt, Verbrauch sinkt Die durchschnittliche Fahrleistung von Pkw ist seit 1995 von auf Kilometer angestiegen. Diesel-Pkw bringen es auf eine etwa ein Drittel höhere Fahrleistung als Fahrzeuge mit Otto-Motor ( : km). Der Verbrauch ist dagegen in beiden Fahrzeuggruppen zurückgegangen. Verbrauchte ein Diesel-Pkw im Jahr 1995 noch durchschnittlich 7,5 Liter, waren es 2009 nur noch 6,8 Liter. Bei den Benzinern reduzierte sich der Verbrauch im gleichen Zeitraum von 9,1 auf 8 Liter. Der Gesamtverbrauch an Kraftstoff ist seit Mitte der 90er-Jahre von 47,3 Millionen Liter auf 43,8 Liter gesunken, was einer Senkung von 7,4 Prozent entspricht. Allerdings hat sich der Verbrauch von Dieselkraftstoff für Pkw gegenüber 1995 mehr als verdoppelt (15,3 Mio. Liter in 2009). Der Absatz von Pkw-Benzin sank von 39,8 Mio. Liter auf 28,5 Mio. Liter Fahrleistung und Verbrauch Datenbasis: Statistisches Bundesamt Fahrleistung Diesel-Pkw (in Km) Fahrleistung Otto-Pkw (in Km) Spez. Verbrauch Diesel-Pkw (l/ 100 Km) Spez. Verbrauch Otto-Pkw (l/ 100 Km) Als positive Auswirkung der verbesserten Umwelttechnologien kann die Tatsache gewertet werden, dass der CO 2 -Ausstoß aller Pkw trotz der insgesamt gestiegenen Fahrleistung seit 1995 um 7,4 % zurückgegangen ist. Seite 6 von 13

7 Angaben in Prozent 3 Nur jeder 2. Pkw erfüllt mindestens Euro 4 Ein grünes Gewissen kann nur jedem zweiten Autobesitzer in Deutschland zugebilligt werden. Nur 50,1 Prozent der zugelassenen Pkw ist den Schadstoffklassen Euro 4, Euro 5 oder Euro 6 zugeordnet. Für fast die Hälfte aller am 1. Januar 2011 zugelassenen Pkw wird die Schadstoffklasse Euro 1, Euro 2 oder Euro 3 ausgewiesen. 6,3 Prozent aller Pkw, das heißt knapp jeder 16. Wagen erfüllen nur die Vorgaben der Schadstoffklasse Euro 1. In 9 der 16 Bundesländer weist der Fahrzeugbestand nach Emissionsklassen schlechtere Werte als den bundesdeutschen Mittelwert aus, Schlusslicht ist das Land Brandenburg, wo nur 46 Prozent aller Pkw mindestens die Vorgaben der Euro-4-Norm erfüllen. Zudem macht hier der Anteil von Euro-1- und Euro-2-Fahrzeugen mit 33,3 Prozent den höchsten Bestand veralteter Umwelttechnik in Deutschland aus. Spitzenreiter im bundesdeutschen Ranking ist der Stadtstaat Hamburg. Immerhin 55 Prozent aller Pkw erfüllen hier mindestens Euro 4, mit 26,4 Prozent ist der Anteil von Euro-1- und -2-Fahrzeugen am geringsten. Zur Erinnerung: Der CO 2 -Ausstoß war in der seit verpflichtenden Euro-1-Klasse auf mg/km festgelegt. Seit Euro 4 (ab EZ ) dürfen Benziner noch mg/km, Diesel sogar nur 500 mg/km ausstoßen. Der zulässige Ausstoß von Partikelmasse bei Diesel-Pkw wurde von 180 (Euro 1) auf 25 (Euro 4) bzw. 5 (Euro 5a, seit ) reduziert. Pkw-Bestand nach Emissionsklassen und Bundesländern 13 6,3 8 8,7 6,8 5,6 6,1 7,6 7,5 7,2 5,9 4,9 6,7 5, , ,5 18,9 18,7 17,7 18,2 18,9 18,8 17,4 18,9 17,8 20,5 19,8 17,3 18,7 19,3 18,6 18,5 20,4 22,3 22, ,8 23,2 23,3 23,9 23,7 24,7 22,2 24,2 24,6 24, ,6 23,2 6 5,6 5,7 6 6,5 6,5 6,1 6,7 6,3 6,3 6,3 6 7,9 6,5 6,6 7,7 6,3 HH TH BY HS NRW ST SN HB BW Ni SL MV B SH RP Bbg D Euro 5/6 Euro 4 Euro 3 Euro 2 Euro 1 Datenbasis: KBA, Stichtag Seite 7 von 13

8 4 Regionaldaten: Bundesländer im Feinstaubvergleich Feinstaub in der Luft wird in den vergangenen Jahren zunehmend als Problem erkannt, auf nationaler wie internationaler Ebene gibt es Bemühungen, die Feinstaubwerte zu reduzieren. Im Fahrzeugsektor entsteht Feinstaub maßgeblich durch Verbrennungsprozesse, wobei Diesel-getriebene Fahrzeuge einen höheren Ausstoß als Benziner entwickeln. Als weitere Quelle wird Feinstaub durch Bremsen- und Reifenabrieb genannt. Als gesundheitlich bedenklich wird angesehen, dass kleinste Partikel in das Atemsystem des Menschen eindringen können und dort zu entzündlichen Veränderungen führen können. Laut WHO ist jede noch so geringe Konzentration schädlich für den Organismus. Die 22. Verordnung zum Bundes-Immissionschutzgesetz benennt die europaweit gültigen Grenzwerte für Feinstaub (PM 10 ) wie folgt: - Der PM 10 -Jahresmittelwert darf 40 µg/m³ (Mikrogramm pro Kubikmeter Luft) nicht überschreiten. - Der PM 10 -Tagesmittelwert darf 50 µg/m³ nicht öfter als an 35 Tagen im Kalenderjahr überschreiten. Zur Ermittlung, in welcher deutschen Stadt die höchste bzw niedrigste Belastung mit Feinstaub herrscht, wurden die aktuellen Zahlen des Bundesumweltamtes ausgewertet. Dabei flossen nur die Ergebnisse der 243 Messstationen in städtischen Bereichen (Verkehr und Hintergrundbereiche) ein. Stationen in ländlichen oder vorstädtischen Regionen wurden nicht berücksichtigt, ebenso wenig wie Messwerte, die klar ausgewiesen an Industriestandorten liegen. Die meisten Messstationen befanden sich in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen (je 32), die geringste Anzahl wurde für das Bundesland Bremen (4), das Saarland (5) und Schleswig-Holstein (6) ausgewiesen. Bei mehreren Messstationen pro Stadt wurden für die Auswertung die höchsten Werte zugrunde gelegt. Seite 8 von 13

9 BL höchste Belastung Jahresmittelwert in μg/m³ Zahl der Tageswerte über 50 μg/m³ geringste Belastung Jahresmittelwert in μg/m³ Zahl der Tageswerte über 50 μg/m³ BW Stuttgart Friedrichshafen BY München Kempten 18 9 B Berlin Bbg Frankfurt/ Oder Brandenburg HB Bremen Bremerhaven 18 4 HH Hamburg HS Darmstadt Hanau 17 2 MV Rostock Güstrow Ni Hannover Oldenburg NRW Düsseldorf Bielefeld RP Worms Pirmasens 19 8 SL Saarbrücken Völklingen 18 5 SN Leipzig Klingenthal ST Halle Wernigerode SH Ratzeburg Itzehoe Th Mühlhausen Suhl 19 7 Bezogen auf Verkehrs-Messpunkte im städtischen Bereich, ohne Industrie. Bei mehreren Messpunkten pro Stadt wurde der mit den höchsten Jahresdurchschnittswerten zugrunde gelegt. Datenbasis: Umweltbundesamt, Zeitraum: 2010 Seite 9 von 13

10 5 Die 10 Städte mit der größten Feinstaub-Belastung Die Hälfte der am meisten mit Feinstaub belasteten Städte liegt im vermeintlichen Musterländle Baden-Württemberg. Mit einem Jahresmittelwert von 44 Mikrogramm pro Kubikmeter weist Baden-Württembergs Landeshauptstadt den schlechtesten Wert im bundesdeutschen Vergleich auf. Die jährlich zulässige Feinstaubbelastung wird im Jahresmittel um zehn Prozent überschritten, auch die Zahl der zulässigen Tageswerte über 50 μg/m³ liegt weit über den Vorgaben. An fast jedem dritten Tag lag die Feinstaubkonzentration über dem gesetzlich festgelegten Höchstwert. Über dem erlaubten Limit liegen auch die Werte von Reutlingen, wo der Jahresmittelwert bei 41 μg/m³ lag. Zweieinhalb mal so oft wie zulässig wurde der Tageswert von 50 μg/m³ überschritten. Nur knapp unter dem Grenzwert liegen die Ergebnisse von München und Berlin. In allen aufgeführten Städten wurde die Zahl der maximalen Tageswerte über 50 μg/m³ um mindestens 50 Prozent überschritten. Bis auf Frankfurt (Oder) wurden in allen genannten Städten bereits Umweltzonen eingerichtet, mittels derer die Feinstaubbelastung gesenkt werde soll. Die Messstelle Berlin- Mariendorf liegt zwar nicht in einer Umweltzone, aber doch in direkter Nähe. Die vorliegenden Ergebnisse lassen Zweifel daran aufkommen, ob diese Maßnahme den erhofften durchschlagenden Erfolg erbracht hat. Dicke Luft in Metropolen Rang Stadt/ Bundesland Jahresmittelwert in μg/m³ Feinstaubbelastung Zahl der Tageswerte über 50 μg/m³ 1 Stuttgart/ BW Reutlingen/ BW München/ BY Berlin-Mariendorf Halle/ SN Heilbronn/ BW Leonberg/ BW Frankfurt (Oder)/ Bbg Düsseldorf/ NRW Ludwigsburg/ BW Bezogen auf Verkehrs-Messpunkte im städtischen Bereich, ohne Industrie. Bei mehreren Messpunkten pro Stadt wurde der mit den höchsten Jahresdurchschnittswerten zugrunde gelegt. Datenbasis: Umweltbundesamt, Zeitraum: 2010 Seite 10 von 13

11 6 Die 10 Städte mit der niedrigsten Feinstaub-Belastung Vor allem mittelgroße Städte zeichnen sich nach Auswertung der Zahlen des Bundesumweltamts durch besonders geringe Feinstaubbelastung aus. Die beiden ersten Plätze belegen Hanau und Michelstadt, beide in Hessen gelegen. Mit einem Jahresmittelwert von je 17 Mikrogramm pro Kubikmeter lässt sich dort relativ gefahrlos tief durchatmen, der kritische Grenzwert von 50 μg/m³ wird nur an 2 bzw. 4 Tagen überschritten. Fast ebenso positiv kann von Bremerhaven, dem saarländischen Völklingen und Kempten im Allgäu gesprochen werden. Mit Limburg und Bebra schaffen es zwei weitere hessische Orte unter die ersten zehn. Fakt ist jedoch, dass in Stadtrandlagen und vor allem in ländlichen Regionen die Feinstaubbelastung noch deutlich geringer ausfallen kann. Spitzenreiter ist hier mit einem Mittelwert von 8 μg/m³ die Gemeinde Wurmberg im Harz. 10 Städte, wo die Luft rein ist Rang Stadt Jahresmittelwert in μg/m³ Feinstaubbelastung Zahl der Tageswerte über 50 μg/m³ 1 Hanau/ HS Michelstadt/ HS Bremerhaven/ HB Völklingen/ SL Kempten/ BY Limburg/ HS Bebra/ HS Suhl/ TH Pirmasens/ RP Jena/ TH Bezogen auf Verkehrs-Messpunkte im städtischen Bereich, ohne Industrie. Bei mehreren Messpunkten pro Stadt wurde der mit den höchsten Jahresdurchschnittswerten zugrunde gelegt. Datenbasis: Umweltbundesamt, Zeitraum: 2010 Seite 11 von 13

12 7 Empfehlungen des ACE Der durch Fahrzeuge verursachte Ausstoß von CO 2 steht in engem Zusammenhang mit dem beim Betrieb verbrauchten Kraftstoff. Jeder Liter Benzin oder Diesel, der nicht verbrannt wird, schont also die Umwelt. Bereits beim Kauf eines Autos sollten die Verbrauchswerte ins Kalkül einbezogen werden. Überdies entlasten sparsame Motoren auf lange Sicht den eigenen Geldbeutel. Diese Überlegungen gelten nicht nur für den Kauf von Neufahrzeugen, sondern auch bei der Anschaffung eines Gebrauchten. Leichtlauföle und energieeffiziente Reifen senken den Verbrauch. Im Gegenzug fordert jedes unnötig im Kofferraum transportierte Kilo seinen Tribut. Vorausschauendes Fahren und frühes Hochschalten wirken sich unmittelbar auf den Verbrauch aus. An roten Ampeln und Bahnübergängen sollte der Motor abgestellt werden. So sind Einsparungen von gut 30 Prozent realisierbar. Staus, Parkplatzsuche und durch im Stop-and-go-Verkehr erhöhter Schadstoffausstoß können vermindert werden, wenn Angebote des öffentlichen Nahverkehrs sinnvoll genutzt werden können. Größere Firmen haben oft Zugriff auf Job-Tickets zum reduzierten Preis. Fahrer von Diesel-betriebenen Fahrzeugen haben 2012 wieder die Möglichkeit, für den nachträglichen Einbau eines Partikelfilters eine staatliche Förderung in Anspruch zu nehmen. Die Feinstaubbelastung durch Rußpartikel kann so deutlich gesenkt werden. Vor allem auf Kurzstrecken ist die Nutzung des Wagens fragwürdig. Für den schnellen Weg zum kleinen Einkauf sollte an das Fahrrad als Alternative gedacht werden. Seite 12 von 13

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