Zufriedenheit, Einsatz und motivierende Faktoren: das Personal der sozialpädagogischen Grundbetreuung in der Autonomen Provinz Bozen

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1 WORKSHOP Innovation in der sozialen Arbeit Mittwoch, Zufriedenheit, Einsatz und motivierende Faktoren: das Personal der sozialpädagogischen Grundbetreuung in der Autonomen Provinz Bozen Sabine Krismer Amt für Kinder- und Jugendschutz und soziale Inklusion

2 Thema und Ziel der Forschungsarbeit Grundlegende politische, soziale, kulturelle, demographische und vor allem auch wirtschaftliche Umbrüche und Veränderungen politische Reformprozesse zur Einsparung öffentlicher Gelder Thema und Ziel der Forschungsarbeit Sozialmanagement (Rationalisierung und Kontrolle) Prinzipien des New Public Management Implementierung von Prinzipien der Betriebswirtschaft sowie des Managements Controlling, Wirtschaftlichkeit, Qualität, Effizienz und Effektivität in der sozialen Arbeit Untersuchung, wie sich diese Reformprozesse auf die Professionellen auswirken und inwieweit sie in diese miteinbezogen werden Personal der sozialpädagogischen Grundbetreuung in der Autonomen Provinz Bozen Formulierung von Überlegungen und praktischen Vorschlägen, ausgehend von den Ergebnissen der Untersuchung

3 Territoriale Aufteilung der Bezirksgemeinschaften und des Betriebs für Sozialdienste Bozen System und Organisation der Sozialdienste BZG Vinschagu BZG = Bezirksgemeinschaft BSB = Betrieb für Sozialdienste Bozen BZG Wipptal BZG Eisacktal BZG Burggrafenamt BZG Salten-Schlern BSB BZG Überetsch-Unterland BZG Pustertal

4 Das Sozialmanagement in der Provinz Bozen Sozialmanagement in der Provinz Bozen Start der Reformprozesse 1998 (Bernhart / Gunsch / Tragust / Promberger (Hrsg. 2005): Innovatives Sozialmanagement, Studien Verlag, Innsbruck) Instrumentelle Rationalität Ausrichtung auf einen stets effizienteren Einsatz der Ressourcen und finanziellen Mittel Ziel das professionelle Handeln objektiv, messbar und nachprüfbar gestalten Neutrale und standardisierte Instrumente Beschreibung der Sozialleistungen, Sozialberichterstattung (Output), Kosten- Leistungsrechung (Controlling), Qualitätsmanagement (Management by Objectives), Erfassung der Wirkungen (Outcome) durch laufende Überprüfung (strategisches Controlling) Grenzen und Risiken Standardisierung und Bürokratisierung der Sozialarbeit

5 Forschungsdesign und Methodik Qualitative Methode 25 Interviews mit offenen Fragen Forschungsdesign und Methodik Sammlung von Erzählungen, um die Erfahrungen und Sichtweisen der Fachkräfte der sozialpädagogischen Grundbetreuung zu erfassen und zu verstehen 15 Interviews mit Fachkräften, die aktuell in diesem Bereich tätig sind die befragten Personen repräsentieren alle territorialen Einzugsgebiete 10 Interviews mit Fachkräften, die diesen Bereich verlassen haben um die Gründe für diese Entscheidung besser zu verstehen Berufsbilder Sozialassistenten/innen, Erzieher/innen und Sozialpädagogen/innen

6 Ergebnisse der Forschung: 5 zentrale Punkte 1. Die Arbeitsunzufriedenheit ist in erster Linie an organisatorische und institutionelle Aspekte geknüpft (Arbeitsbedingungen) Forschungsergebnisse Ich kann derzeit sicher nicht gut arbeiten, weil dies aufgrund der organisatorischen Voraussetzungen gar nicht geht ( ). Ich könnte nicht sagen, dass ich jetzt mit Freude in die Arbeit gehe. Die Ansprüche an mich selber sind schon höher. Dafür müsste sich aber irgendetwas ändern. Der Trend dürfte nicht weiter in diese Richtung laufen. Derzeit ist es für das Soziale schon beängstigend.

7 2. Diese organisatorischen und institutionellen Aspekte beeinflussen die professionelle Identität Forschungsergebnisse Wir sind einfach nicht imstande eine einheitliche Berufsgruppe zu sein ( ). Bei uns gibt es ja schon keine Einigkeit unter uns. Und diesbezüglich spielt die Methodik eine wichtige Rolle. Wo sind wir stark? Wo sind wir eine homogene Gruppe? Wir haben keine starke Identität ( ) und es gibt keine gemeinsame Auseinadersetzung. Irgendwann sind wir wirklich wie Dinosaurier und es wird keinen mehr von uns geben.

8 3. Die zentrale Rolle der Vorgesetzten in der Vermittlung und Implementierung der Reformprozesse Forschungsergebnisse Die Führungskräfte haben einfach keine Ahnung. Denen fehlt der Einblick in die Arbeit. Sie sind Wirtschaftler und Juristen und diesbezüglich frage ich mich schon, was wissen die eigentlich? Für die Arbeit im Sozialen braucht es ein soziales Verständnis und eine soziale Ethik ( ).

9 4. Die Bedeutung der Ausbildung (Universität, Praktika, Fortund Weiterbildung, Supervision) Ich besuche eine Weiterbildung, damit ich etwas für die Arbeit, also auch für die Organisation lerne, um folglich eine qualitätsvolle Arbeit bieten zu können. Ich mache es ja nicht nur aus Eigeninteresse. Forschungsergebnisse Das Studium ist eine Gesamtausbildung, wo du Einblick in viele Bereiche erhältst. Den Beruf direkt siehst du aber nur im Praktikum. Dort zeigt sich dann auch, wie du selbst emotional zum Beruf stehst. Das Praktikum dient deshalb meiner Meinung nicht nur dazu, das Theoretische, was man an Methoden gelernt hat umzusetzen, sondern man muss sich mit sich selber auseinandersetzen und die eigenen Grenzen kennenlernen ( ).

10 5. Je motivierter, umso größer die Gefahr von diesen Reformprozessen überrollt zu werden (System, welches die Gleichgültigen belohnt) Forschungsergebnisse In Bezug auf den Beruf sind meine Erwartungen nicht ganz erfüllt worden. Ich glaube ich war sehr motiviert und habe gedacht, dass ich in diesem Beruf sehr viel bewegen, verändern und einbringen kann und habe dann aber relativ schnell gemerkt, dass viel bürokratische und vorgeschriebene Arbeit damit verknüpft ist und es überhaupt nicht so erwünscht ist, dass man sich einbringt und etwas verändern möchte.

11 Schlussfolgerungen und Vorschläge Das New Public Management überrollt die stärksten Identitäten Risiko: Effizienzverlust im System Kooperation zwischen verschiedenen Ebenen Sozialpolitik, Verwaltung/Organisation, Profession, Ausbildung (Universität) Schlussfolgerungen 1. Stärkung der professionellen Aspekte und Kompetenzen der Fachkräfte, um die Veränderungen und Transfomationsprozesse in Angriff nehmen zu können (Management, Politik, Budgeting, Contracting, Forschung ) traditionelle Sozialarbeit ist nicht mehr ausreichend 2. Vorgesetzte die fähig sind, die Reformprozesse zu vermitteln Verstehen der Sozialarbeit 3. Überdenken der Prinzipien des New Public Management ausgehend von den Motivationen der Fachkräfte Mittelweg zwischen quantitativ und qualitativ

12 Die Transformationsprozesse und Anpassungen finden nicht in einer organisatorischen Leere statt, sondern in Umfeldern, in denen sich verschiedene strategische Akteure befinden und interagieren, die Inhaber von Emotionen, Motivationen, Interessen, beruflichen Identitäten, kognitiven Denkweisen sowie situationsbedingter und zusammenhängender, manchmal auch gegensätzlicher sowie nicht messbarer Ansprüche sind. Die Reformen richten sich folglich an ein organisiertes Ganzes, zusammengesetzt aus lebenden und verbindlichen Elementen. (Guidi 2011, S. 5) Sabine Krismer Amt für Kinder- und Jugendschutz und soziale Inklusion tel. 0471/418238

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