Projekt PONTE. - Beispiel guter Praxis am Übergang Kita/Grundschule -

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1 Projekt PONTE - Beispiel guter Praxis am Übergang Kita/Grundschule - I: Rahmendaten Das Projekt PONTE geht von dem Ansatz aus, dass es beim Übergang Kindergarten-Schule primär nicht um die Herstellung der Schulfähigkeit von Kindern, sondern um die Kindfähigkeit der Institutionen geht. PONTE will darauf hinwirken, in Kindergärten und Schulen ein angemessenes und aufeinander abgestimmtes Bildungsverständnis zu erreichen. Dazu werden beide Institutionen bei der Schaffung und Gestaltung von Lernsituationen unterstützt, die den Ansprüchen des Kindes wie denen ambitionierter Pädagogik gleichermaßen entsprechen. Projekte nach PONTE werden in Brandenburg, Berlin, Sachsen und Rheinland-Pfalz durchgeführt. Mit PONTE sollen Kindergärten und Grundschulen dabei unterstützt werden, sich selbst zu hervorragenden Bildungseinrichtungen für Kinder weiterzuentwickeln. Grundlage für diese Weiterentwicklung ist ein Bildungsverständnis, wonach bereits jüngere Kinder als aktive Gestalter ihrer Lern- und Lebenssituationen begriffen werden. Die mit den eigenen Fragen an die Welt initiierten Erkenntniswege der Kinder sind dabei oftmals kontinuierlicher als unser Bildungssystem mit der Trennung von Elementar- und Primarbereich. PONTE will deshalb die aus pädagogischer Sicht unsinnige Kluft zwischen Bildung vor der Schule und Bildung in der Schule überwinden und Erzieher/inn/en und Grundschullehrer/inn/en bei einer engeren inhaltlichen Zusammenarbeit unterstützen. Ein wichtiges Ziel dabei ist, dass durch gegenseitige Hospitationen, moderierte Gesprächsrunden und Projekte mit Kindergarten- und Grundschulkindern die Erzieher/inn/en und Lehrer/inn/en ihre Kompetenzen reflektieren und erweitern: Die Erzieher/inn/en können beispielsweise didaktische Kenntnisse in verschiedenen Lernbereichen erwerben, und die Grundschullehrer/inn/en erfahren mehr über die Entwicklungs- und Lernwege jüngerer Kinder unter Berücksichtigung ihrer je spezifischen Lebenssituationen. Dieser Kenntniszuwachs stellt eine wichtige Voraussetzung für die Gestaltung von kindgerechten und zugleich lernorientierten Lebenswelten in Kindergärten und Grundschulen dar. PONTE will also den Dialog zwischen den Pädagoginnen und Pädagogen anregen und relevantes Wissen über Bildungsprozesse von Kindern vermitteln. Zugleich geht es bei PONTE um konkrete Veränderungen der Praxis, die die Kooperationsformen zwischen Kindergärten und Grundschulen betreffen und u.a. gemeinsame Fortbildungsaktivitäten für Erzieher/inn/en und Lehrer/inn/en beinhalten. 1

2 Ansprechpartnerin: Internationale Akademie für innovative Pädagogik, Psychologie und Ökonomie an der Freien Universität Berlin Prof. Dr. J. Ramseger Habelschwerdter Allee 45 D Berlin Tel.: (030) Fax: (030) Mehr Informationen und Literatur zum Projekt unter: II: Konzept des Übergangsmanagements Der Übergang Kindergarten Schule wird in den PONTE Projekten durch einen intensiven inhaltlichen Dialog zwischen den beteiligten Einrichtungen unterstützt. Die von den Projekten initiierten Kooperationen gehen über rein organisatorische Vereinbarungen hinaus und versuchen, ein gemeinsames Bildungs- und Lernverständnis zu etablieren. Dazu werden diese Kooperationen von externen Moderator/inn/en begleitet, die den Institutionen Hilfestellung bei der Ausarbeitung von Zielvereinbarungen und pädagogischen Kooperationsvorhaben geben. Auch die Schul- und Jugendämter sind in diese Kooperationsprozesse einbezogen. Eine wissenschaftliche Begleitung durch die Freie Universität Berlin sorgt für eine umfassende Auswertung der Projekterfahrungen, um die Ergebnisse auch für andere Projektzusammenhänge nutzbar zu machen. Die mit dem Projekt PONTE angestrebten Veränderungen werden in Form eines moderierten Dialogs von einem Team aus Wissenschaftler/inn/en, Praxisberater/inn/en und Vertreter/inn/en der Fachverwaltungen begleitet. Eine besondere Funktion übernehmen dabei die regionalen Moderator/inn/en, die nicht nur die Aktivitäten der Einrichtungen vor Ort dokumentieren, sondern auch zum Austausch zwischen den Pädagog/inn/en aus dem Elementar- und Primarbereich anregen, diesen begleiten und die Verbindung zu den beteiligten Wissenschaftlern herstellen. Auf diese Weise wird der notwendige fachliche Input an die vor Ort tätigen Akteure gewährleistet. So finden zum Beispiel verschiedene Workshops zu kindlichen Entwicklungs- und Bildungsprozessen statt oder es werden Berichte von Expert/inn/en über aktuelle Konzepte des Schriftspracherwerbs oder der Pädagogik von naturwissenschaftlichen Phänomenen angeboten. Die so vor Ort konkret erfahrbaren Inhalte werden jeweils mit den Moderator/inn/en in den Einrichtungen reflektiert und im Rahmen des moderierten Dialogs auf mögliche praktische Umsetzungsschritte untersucht. Die Fragestellung der 2

3 Gestaltung des Übergangs vom Kindergarten in die Grundschule ist dabei stets bei der Suche nach praktischen Umsetzungsmöglichkeiten enthalten und mündet in der Initiierung gemeinsamer Aktivitäten mit Kindergarten- und Grundschulkindern. Beispiele hierfür sind etwa die Einrichtung eines Experimentierzimmers in einer Grundschule, in denen Kinder verschiedener Altersstufen sowohl aus der Grundschule selbst als auch aus benachbarten Kindergärten Naturwissenschaften erfahrbar erleben können. Ein anderes Bespiel sind regelmäßige Bewegungsstunden, die ein Kindergarten für Grundschul- und Kindergartenkinder in seinem Gebäude anbietet. Des Weiteren sind gemeinsame Diskussionsabende für Erzieher/inn/en, Lehrer/inn/en und Eltern, bei denen unterschiedliche pädagogische Themen diskutiert werden, anzuführen. Die jeweilige Projektbegleitung achtet in PONTE darauf, dass Erfahrungen und Ergebnisse der jeweiligen Projektschritte vor Ort auch für andere interessierte Einrichtungen dokumentiert und aufbereitet werden, um die gesammelten Erfahrungen, Probleme und Erfolge bei der angestrebten Ausweitung von PONTE auch an weitere interessierte Regionen weiterzugeben. Für PONTE werden fünf Handlungsfelder definiert, nach denen bestehende Brüche zwischen dem Elementar- und Primarbereich so weit wie möglich verringert werden sollen. Hierzu zählen 1) eine Reform und Weiterentwicklung von Bildungsinhalten, 2) besondere Förderkonzepte, 3) eine Professionalisierung von Fachkräften, 4) eine Fortentwicklung der Organisationen und 5) eine Beteiligung von Eltern. Im ersten Handlungsfeld werden Bildungsinhalte dahingehend weiterentwickelt, dass die Lernaktivitäten der Kinder in Kindergarten und Grundschule anhand von Schlüsselsituationen bestimmt werden, die sich auf bestimmte Inhalte eines oder mehrerer Lernbereiche beziehen. Diese werden zum Maßstab für die zu behandelnden Bildungsinhalte genommen. Das zweite Handlungsfeld bezieht sich auf den Umgang mit Kindern, die besondere Förderbedarfe aufweisen und bei denen die Gefahr von Benachteiligungen besteht. PONTE will deshalb die Pädagog/inn/en in Kindergärten und Grundschulen dabei unterstützen, den Defizitblick auf Kinder aus benachteiligten Lebensumständen zu überwinden und Lernumwelten anzubieten, in denen diese Kinder vielfältige Lernerfahrungen machen können. Schlüsselprobleme im Bereich der Sprachentwicklung werden dabei besonders in den Blick genommen. Damit Erzieher/inn/en und Grundschullehrer/inn/en mehr über die Lernbedingungen von Kindern in verschiedenen Altersstufen und mit unterschiedlichen Erfahrungshintergründen erfahren können, wird mit dem dritten Handlungsfeld von PONTE eine Professionalisierung der pädagogischen Fachkräfte angestrebt. So geht es beispielsweise für Grundschullehrer/inn/en um eine Erweiterung ihres Wissens um die frühkindliche Entwicklung und Förderung; die Erzieher/inn/en sollen Erfahrungen in verschiedenen Lernbereichen machen und neue Lernformen mit den Kindern im Schulalter erproben. Hierbei soll vor allem die sprachliche Entwicklung und Förderung von Kindern im 3

4 Mittelpunkt stehen. Das Fortbildungskonzept von PONTE beinhaltet neben Seminaren für die einzelnen Berufsgruppen vor allem auch gemeinsame Veranstaltungen, in denen Lehrer/inn/en, Erzieher/inn/en und zum Teil auch Eltern zusammen an Fragestellungen arbeiten, wie frühe Bildungsprozesse von Kindern besser eingeschätzt und zielgerichtet gefördert werden können. Der Weiterentwicklung von Organisationen wird im Projekt PONTE im vierten Handlungsfeld dadurch Rechnung getragen, dass Rahmenbedingungen angestrebt werden, mit denen Prozesse des entdeckenden, realitätsbezogenen, unternehmerischen und selbstwirksamen Lernens aktiv gefördert werden können. Unterstützende Maßnahmen hierzu sind etwa eine verstärkte Autonomie in Personal- und Finanzentscheidungen, die Herausbildung eines eigenständigen Profils mit Alleinstellungsmerkmalen oder die Einführung von Evaluationsbestandteilen in den Organisationsabläufen. Mit der Bildung von Tandems zwischen Kindergärten und Grundschulen versuchen die PONTE-Projekte konzeptionelle, personelle und institutionelle Annäherungen zwischen den Institutionen zu schaffen. Mit dieser Idee soll die Entwicklung eines einheitlichen Bildungsbegriffs nicht nur programmatisch definiert, sondern auch durch personelle und institutionelle Verzahnungen befördert werden. So können Erzieher/inn/en und Grundschullehrer/inn/en ehemals getrennte Einrichtungen Krippe, Kindergarten, Grundschule und Hort in Häuser des Lernens zusammenführen. III: Geschäftmodell: Organisations- und Umsetzungsebene PONTE ist ein Kooperationsprojekt der Internationalen Akademie (INA) für innovative Pädagogik, Psychologie und Ökonomie an der Freien Universität Berlin gemeinsam mit der Deutschen Kinderund Jugendstiftung und der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung. Eine zusätzliche Finanzierung erfolgt über Stiftungsgelder der Deutschen Bank Stiftung und der Vattenfall-Stiftung. Das Projekt wird durch lokale Partner in Projektregionen jeweils initiiert und mit diesen gemeinsam umgesetzt. Auf diese Weise ist inzwischen ein bundesweites Netzwerk verschiedener Partnerregionen entstanden, die gemeinsam in regionalen Projektverbünden zusammenarbeiten und von einer Projektgruppe der Freien Universität Berlin unterstützt werden. PONTE ist offen für Erweiterungen, bei denen weitere Modelleinrichtungen einbezogen werden. Über die angestrebten Entwicklungsvorhaben schließt die Koordinierungsgruppe mit den Einrichtungen und Trägern Zielvereinbarungen ab, mit denen diese zu Partnern von PONTE werden. Gesucht werden dazu Einrichtungen und Partner mit einem herausragenden Entwicklungsinteresse, die ihre Potenziale möglichst aus bereits dokumentierten Projekterfahrungen oder Evaluationen nachweisen können. Die Erweiterung der PONTE-Projekte erfolgt somit über Wettbewerbe, die Innovation und Qualität der neuhinzukommenden Einrichtungen sicherstellen sollen. 4

5 IV: Strategien zur Sicherung der Nachhaltigkeit Die Idee der PONTE Projekte ist es, ein Netzwerk von lokalen Initiativen aufzubauen, das gemeinsam an Fragestellungen des Übergangs Kindergarten Schule arbeitet. Die Erfahrungen aus einzelnen Projekten werden über die regionalen Moderatoren gesammelt und weiteren Interessierten nutzbar gemacht. Über den so initiierten Erfahrungsaustausch, der sowohl einen Ergebnistransfer hin zu neu beginnenden Projektteilen organisiert als auch Querbezüge zu an gleichen Fragestellungen arbeitenden Teams bereitstellt, kann eine nachhaltige Weiterentwicklung der Projektidee erreicht werden. 5

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