Fachhochschule Südwestfalen

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1 Meschede Fachhochschule Südwestfalen Geldanlage bei Inflationsrisiken und politischen Risiken Ratingagenturen. Fluch oder Segen? Betreuender Hochschullehrer: Prof. Dr. Martin Ehret Studentische Teammitglieder: Florian Mette Maxim Penner Sören Röper

2 Inhaltsverzeichnis Inhaltsverzeichnis Einleitung... Fehler! Textmarke nicht definiert. 2 Ratingagenturen heute Was macht eine Ratingagentur? Warum braucht man eine Ratingagentur? Welche Ratingnoten gibt es und was sagen sie aus? Welche Ratingagenturen gibt es? Das Rating Ablauf eines Erstratings Ratingmethodik Gesetzliche Anforderungen an externe Ratingagenturen Grundlegende Probleme der Ratingagenturen Fehleinschätzungen Asienkrise Enron Subprime - Krise Probleme Gewinnorientiertes Unternehmen Ratingshopping Öffentliches Gut Selbstbestätigende Prognose Interessenkonflikt Aufbau einer europäischen Ratingagentur Aufbau der Ratingagentur Finanzierung der Ratingagenturen Finanzierung als Stiftung Finanzierung ähnlich Stiftung Warentest Finanzierung über Transaktionssteuer Finanzierung über private Investoren Fazit über die Finanzierungsmöglichkeiten Unabhängigkeit analog einer Zentralbank Was soll genau geratet werden?

3 4.6 Qualität der Ratings Finanzmarktkontrolle Wie würde sich der Markt für die bestehenden Ratingagenturen ändern? Probleme einer europäischen Ratingagentur Fazit und Ausblick Literaturverzeichnis

4 Postbank Finance Award 1 Einleitung Ratingagenturen sind in letzter Zeit zunehmend weltweit unter Druck geraten, da sie als Mitverursacher der Finanzkrise 2008 gelten. Die jüngsten Abstufungen von europäischen Staaten provozieren Verschwörungstheorien vom Krieg gegen den Euro. In Italien durchsuchen Ermittler Büros von Ratingagenturen. 1 Wer sind die Schuldigen, die in der Presse verteufelt werden? Wie Arbeiten sie und warum gibt es sie überhaupt? Schon im Jahre 2001 sind die Ratingagenturen mit einer Fehleinschätzung im Falle von Enron in die Kritik gekommen. Diese Entwicklung der Fehleinschätzungen setzte sich bis 2007/2008 bei den Mortgage Backed Securities fort, von denen 60% die Bestnote AAA erhielten. Der dann folgende Zusammenbruch des Immobiliensektors war Auslöser für die globale Finanzmarktkrise ab Wie kam es dazu, dass diese Securities gleich beurteilt wurden wie amerikanische Staatsanleihen? Eine Suche nach den Schuldigen der Finanzkrise. Ratingagenturen haben in Ihrem Ratingprozess scheinbar mit vielen Problemen zu kämpfen und zeigen immer wieder Qualitätsmängel. Gibt es ein Heilmittel, das alle Seiten glücklich macht? Das Ziel dieser Arbeit ist demnach die Herausstellung und Analyse der Probleme von Ratings und Ratingagenturen. Daraus resultierend soll eine unabhängige europäische Ratingagentur entwickelt werden, die öffentlich zugängliche Ratings hoher Qualität liefern kann. 1 vgl. Allein gegen die großen drei. Die Zeit, Nr 11(2012), Entnommen am

5 2 Ratingagenturen heute 2.1 Was macht eine Ratingagentur? Die Aufgabe einer Ratingagentur ist es, die Fähigkeit eines Schuldners zu bewerten, dass von ihm aufgenommene Gelt nebst Zinsen vollständig und pünktlich zurückzahlen zu können. Das heißt sie geben Auskunft über die Wahrscheinlichkeit, dass der Schuldner in Verzug gerät oder über die Wahrscheinlichkeit eines anderen gemeinschaftlichen Misserfolgs. Je besser die Bewertung der Ratingagentur, desto höher ist der Glauben der Analysten daran, dass ein Schuldner seinen Verpflichtungen nachkommen kann. In dieser Arbeit wird ausschließlich auf externe Ratingagenturen eingegangen und nicht auf interne Ratings (IRB) wie sie bei Banken oft angewendet werden. Bei internen Ratings wird das Rating von den Banken selber durchgeführt. Dabei wird ähnlich vorgegangen wie bei externen Ratings, da auch die Vorgaben aus dem Baseler Ausschuss Basel II berücksichtigt werden müssen. Um diese internen Ratings jedoch durchführen zu können, benötigen die Banken eine Genehmigung durch die zuständige nationale Aufsichtsbehörde. 2 Die Kriterien zur Bonitätsermittlung sind bei internen und externen Ratings weitgehend gleich, allerdings haben die Banken bei internen Ratings einen Vorteil bei der Beurteilung der weichen Ratingfaktoren. Das interne Rating ist jedoch nicht öffentlich. Es ist nur dem Kunden und der Bank bekannt. Die Verwendung von internen Ratings wurde durch die Eigenkapitalvereinbarung, die seit 2008 in Deutschland gilt, verstärkt. 3 Bei den externen Ratings wird noch zwischen verschiedenen Formen des Ratings unterschieden: Unterschieden wird in kurzfristige und langfristige Ratings. Ein kurzfristiges (short term -) Rating bezieht sich auf einen Prognosezeitraum von einem Jahr. Bei langfristigen (long term -) Ratings hingegen beträgt der Prognosezeitraum ein bis maximal vier Jahren. Normalerweise wird aber von einem Prognosezeitraum von einem Jahr ausgegangen. 4 2 vgl. Online in Internet: URL: Entnommen am vgl. Buschmeier, Andreas: Ratingagenturen Wettbewerb und Transparenz auf dem Ratingmarkt. 1. Aufl. Gabler Verlag, 2011, S.186 & 149f. 4 vgl. Reichling, Peter; Bietke, Daniele; Henne, Antje: Praxishandbuch Risikomanagement und Rating Ein Leitfaden, 2007, 2. Aufl., S. 45 5

6 Kurzfristige Ratings sind nicht so fein abgestuft wie Langfristige. Außerdem dürfen sie nicht "für die Ableitung eines Risikogewichts einer nicht gerateten langfristigen Forderung" 5 herangezogen werden. Die Kurzfristratings dürfen im Gegensatz zu Langfristratings nur auf kurzfristige Forderungen an Unternehmen und Banken angewandt werden. Außerdem wird zwischen einem Emittenten- und einem Emissionsrating unterschieden. Ein Emissionsrating (Debt Rating) bezieht sich lediglich auf einen einzelnen Finanztitel. Es spiegelt die aktuelle meiner der Ratingagentur über die Kreditwürdigkeit eines Schuldners in Bezug auf eine bestimmte Schuldverschreibung (Obligation, Anleihe), eine bestimmte Art von finanziellen Verbindlichkeiten oder ein spezielles Finanzierungsprogramm wider. 6 Ein Emittentenrating (Issuer Rating) ist ein Rating für eine Wirtschaftseinheit. Dieses Rating bezieht sich nicht auf ein bestimmtes finanzielles Mittel wie das Emissionsrating, sondern auf die allgemeine Finanzkraft des Schuldners. 7 Es bezeichnet also die generelle Fähigkeit des Unternehmens ihren finanziellen Verpflichtungen zum Fälligkeitsdatum nachzukommen. Ratingagenturen bewerten hauptsächlich Unternehmensschuldverschreibungen, Staatspapiere, Forderungen aus Versicherungspolicen, Geldmarkt- und Rentenfonds, Commercial Paper, Certificates of Deposit und Unternehmen (Bspw. Versicherungsunternehmen). 8 Die aktuelle Debatte dreht sich einzig um die Staatsanleihen, wobei Deutschland weltweit zu den Ländern zählt, die am Meisten Staatsanleihen verkaufen. 2.2 Warum braucht man Ratings? Ratingagenturen sammeln mit großer Sorgfalt alle Informationen über die Emittenten eines Wertpapiers, einer Staatsanleihe oder eines Unternehmens und bewerten anhand dieser Informationen deren Kreditwürdigkeit. Somit hat jeder Investor weltweit die gleichen Informationen. Wie genau diese Kreditwürdigkeit ermittelt wird und welche Daten sie zur Ermittlung herangezogen haben veröffentlichen die Ratingagenturen nicht, was manchmal zu Unverständnis über ein Ratingergebnis führt. Eine Offenlegung des Ratingprozesses ist 5 Everling, Oliver; Schneck, Ottmar: Das Rating ABC, 2004, 1. Aufl., S Schwab, Barbara; Kreidel, Thomas: Emissionsrating. Online in Internet: URL: Entnommen am Schwab, Barbara; Dr. Kreidel, Thomas: Emittentenrating. Online in Internet: URL: Entnommen am Was leisten Ratings wirklich? Focus, Nr.27 (2004) Online in Internet: URL: Stand: , Entnommen am

7 jedoch nicht möglich, da sie so interne Unternehmensereignisse der zu ratenden Unternehmen offenlegen müssten. So wird den Banken beispielsweise der Aufwand erspart, eine riesige Menge an Informationen selber auszuwerten. Auch Privatanlegern wird durch die Ratings verdeutlicht, wie hoch das Risiko ist, dass sie ihr angelegtes Geld nicht wiedersehen. So bewerten Ratingagenturen beispielsweise die Finanzstärke von Versicherern zur Einhaltung der garantierten Leistungszusagen 9 bei Lebensversicherungen. Besonders wichtig sind die Ratings jedoch für Versicherungen, Rentenfonds und Banken, da sie Ratings über Anlageprodukte, wie beispielsweise Staatsanleihen oder Unternehmensanleihen nutzen aber auch ihre eigenen Produkte raten lassen. Sie nutzen Kreditratings als Investment screens 10 und als Hilfsmittel, ihr Mindesteigenkapital zu allozieren. 11 Dieser Punkt fällt mit der immer schärfer werdenden Regulierung des Finanzund Versicherungsmarktes immer stärker ins Gewicht, da die Banken, Versicherungen und Rentenfonds bei risikoreicheren Finanzgeschäften genügend Eigenkapital haben müssen um im Falle einer Fehlspekulation nicht in die Insolvenz zu geraten. Das heißt, je risikoreicher eine Anlage ist, desto mehr Eigenkapital benötigt die Versicherung oder die Bank. So sollen Anreize für ein geeignetes Risikomanagement geschaffen werden. 12 Die Zinsen sind jedoch bei risikoreichen Anlagen um einiges Höher wie bei Anlagen, die mit AAA geratet sind. 13 Somit ist bei risikoreichen Anlagen der mögliche Gewinn größer. Die Anleger sind jedoch in Zeiten der Euro - Krise sehr risikoavers, was sie davon abhält in Anlagen zu investieren, die mit einem hohen Risiko behaftet sind. Wie risikoreich eine Anlage ist, lässt sich unter anderem anhand des Ratings feststellen. Neben dem Ausfallrisiko, dass durch ein Rating bewertet wird, gibt es jedoch noch andere Risiken bei Vermögensanlagen, wie beispielsweise das Währungsriskio, Konjunkturrisiko oder dem Marktrisiko vgl. Häfele, Bernhard; Ruß, Jochen; Seyboth, Andreas: Ratings in der Lebensversicherung. Online in Internet: URL: Entnommen am vgl. Hilscher, Jens; Wilson, Mungo: Credit ratings and credit risk. Januar 2012, S. 1 Online in Internet: URL: Entnommen am vgl. Ebd. S vgl. Reichling, Peter; Bietke, Daniele; Henne, Antje: Praxishandbuch Risikomanagement und Rating Ein Leitfaden, 2007, 2. Aufl., S Erläuterung im Kapitel "Welche Ratingnoten gibt es und was sagen sie aus?" 14 Quelle in Internet: URL: Entnommen am

8 Versicherungen dürfen beispielsweise eine unbegrenzte Anzahl an Staatsanleihen mit Investment Grade, also BB- oder besser, in ihrem Portfolio halten und lediglich nur 5% ihres Vermögens in Speculative Grade Anleihen investieren. Sollte eine Anleihe ihren Investment Grade Status verlieren, müssen die Versicherer diese Anleihen verkaufen und ihr Geld in neue, sicherere Papiere investieren. 15 Für die Altersvorsorge sind die Vorschriften noch strenger. Die Versicherungen dürfen für die Altersvorsorge nur Anleihen kaufen, die mit "AAA" geratet sind. 16 Das macht deutlich, was den Ratingagenturen für eine Machtposition zugesprochen wird und wie groß ihr Einfluss ist. Auch die Zentralbanken nutzen Kreditratings. Sie nehmen sie stellvertretend für die Schuldensicherheit. 2.3 Welche Ratingnoten gibt es und was sagen sie aus? Die Ratingnoten, die von der Ratingagentur nach ihrer Beurteilung vergeben werden, variieren je nach Ratinghaus leicht. Die Bestnote ist jedoch bei allen AAA, oder im Falle von Moody s Aaa. Die folgende Abbildung 1 17 zeigt die Ratingabstufungen der beiden größten Ratingagenturen Standard and Poor s und Moodys. Hinter diesen Herabstufungen stehen Ausfallwahrscheinlichkeiten, die ausrücken, wie wahrscheinlich ein Zahlungsausfall ist. Höchste Bonität, Geringstes Ausfallrisiko Sehr hohe Bonität, kaum Ausfallrisiko Gute Bonität, etwas höheres Ausfallrisiko S & P AAA (AA+), AA, (AA-) (A+), A, (A-) Moodys Aaa Aa1, Aa2, Aa3 A1, A2, A3 15 Was Ratingagenturen so mächtig macht? Focus Online in Internet: URL: Stand: , Entnommen am CDU will Macht der Ratingagenturen begrenzen. Financial Times Deutschland. Online in Internet: URL: Stand: , Entnommen am Abbildung selbst erstellt. Quelle: Jaramillo, Laura; Tejada, Catalina Michelle: IMF Working Paper sovereign Credit Ratings and Spreads in Emerging Markets: Does Investment Grade Matter?, März 2011, S. 4 8

9 Mittlere Bonität, (BBB +) Probleme bei Baa1, Baa2, BBB, Verschlechterung der Baa3 (BBB-) Gesamtwirtschaft (BB+), Spekulativ und sehr vom Ba1, Ba2, BB, (BB Marktgeschehen abhängig Ba3 -) Geringe Bonität, (B+), B, Hochspekulativ (B-) B1, B2, B3 Nur bei sehr günstiger Entwicklung keine Ausfälle, CCC, hohe Wahrscheinlichkeit CC, C Caa, Ca, C eines Zahlungsausfalls Zahlungsunfähig D - Abbildung 1 Bei dieser Unterteilung wird noch in den sogenannten "Investment Grade" und in den "Speculative Grade" unterschieden. Der Investment Grade umfasst Anleihen, die Investmentqulitäten haben. Sie haben auf der Ratingskala die Ratingnoten AAA bis BBB- (bzw. Aaa bis Baa3). Der Speculative Grade bezeichnet die Anleihen, die mit einer hohen Ausfallwahrscheinlichkeit verbunden sind. Sie umfassen auf der Ratingskala die Noten BB+ bis D (bzw. Ba1 bis C). 18 Die Ausfallwahrscheinlichkeit bei einem Trippel A Rating liegt in den ersten beiden Jahren bei 0 % (siehe Abbildung 2 19 ). Die Ausfallwahrscheinlichkeit steigt mit den Jahren, da sich die Situation bei einem heutigen Rating in 10 Jahren nicht genau einschätzen lässt und sich im Laufe der Zeit viele Faktoren verändern können. Bei anderen Ratingagenturen können diese Ausfallwahrscheinlichkeiten variieren. 18 vgl. Quelle in Internet: URL: Entnommen am Quelle: S&P 9

10 2 Abbildung Je höher die Ausfallwahrscheinlichkeit einer Anlage ist, desto höher sind die Zinsen, die Anleger für eine Investition in diese Anlage bekommen. 2.4 Welche Ratingagenturen gibt es? Nach der EU Verordnung 1060/2009 ist eine Registrierungspflicht auf europäischer Ebene vorgeben. Somit muss jeder, der ein Kreditrating abgeben will registriert sein. 20 Momentan haben jedoch drei große Ratingagenturen in den USA eine Oligopolstellung mit 95 % Marktanteil. S&P, Moodys und Fitch. Diese Marktmacht verdanken die drei US Unternehmen der Regulierung des Finanzmarktes in den USA in den 1930er Jahren, wodurch Banken nur Wertpapiere besitzen durften, die von den Ratingagenturen mit Bestnoten bewertet wurden. Moodys ist die älteste Ratingagentur. Sie wurde im Jahre 1900 durch John Moody gegründet, da in dieser Zeit in den USA, größtenteils durch Eisenbahnanleihen, ein großer anonymer Kapitalmarkt geschaffen wurde. So sollte Moodys den Investoren als Ratingdienstleister Informationen über die wirtschaftliche Situation der kreditsuchenden Gesellschaften geben. 21 Heute gibt es noch viele kleinere Agenturen, die sich jedoch meist auf die Bewertung von kleineren und mittleren Unternehmen spezialisiert haben, wie beispielsweise dir Ratingagentur Creditreform Trauthig, Julian: Die Unbekannten. Online in Internet: URL: Stand , S.2 21 vgl. Dr. Kley, Christoph: Erklärungen für den Erfolg kleiner und großer Ratingagenturen Online in Internet: URL: pdf, Entnommen am Online in Internet: URL: Entnommen am

11 2.5 Das Rating Die Grundprinzipien einer Ratingagentur liegen in der Wahrung strengster Vertraulichkeit, weltweiter Konsistenz und der langfristigen Sichtweise. Der Ratingprozess wird, außer bei Länderratings, von den Unternehmen ausgelöst, die geratet werden wolle. Das heißt, dass das Unternehmen sich eine Ratingagentur aussuchen kann, diese aufsucht und die sie durch einen Ratingantrag beauftragt, ein Rating für die Firma durchzuführen. Die Unternehmen müssen dann für dieses Rating einen bestimmten Betrag bezahlen. 23 Die Kosten belaufen sich hierbei auf zwischen und Euro je nach Ratingagentur und Unternehmensgröße. 24 Nachdem ein Unternehmen geratet wurde, kann es frei entscheiden, ob es das Rating veröffentlichen lasse möchte. Wenn es zustimmt, ist das Rating für jedermann frei zugänglich. Da das Rating sehr wichtig für die Unternehmen ist, da es entscheidet, wie leicht sie an Geld kommen (gutes Rating bedeutet gut Bonität und das wiederrum heißt für die Anleger, wie sicher sie ihr angelegtes Geld zurückbekommen). Das das Rating nach der Veröffentlichung frei zugänglich ist, werden sich die Unternehmen eine Ratingagentur aussuchen, bei der ihrer Meinung nach für sie das beste Rating entsteht. Für die Ratingagenturen bedeutet das im Umkehrschluss: Raten sie zu hart, verlieren sie ihre Kunden und damit auch ihre Geldgeber. Raten sie jedoch zu lasch, haben sie zwar viele Kunden, laufen jedoch Gefahr, ihre Glaubwürdigkeit zu verlieren Ablauf eines Erstratings Das Erstrating wird in fünf Phasen unterteilt. In der ersten Phase werden ein oder mehrere in mehrere informelle Vorgespräche mit dem Unternehmen geführt, die ein Erstrating über sich erstallen lassen möchte. In diesem ersten informellen Vorgespräch wird das Unternehmen zuerst über die Ratingphasen aufgeklärt. Außerdem wird es über die benötigten Unterlagen, die Schwerpunkte des Ratinghauptgesprächs und die Dauer und Kosten des Ratings aufgeklärt. 23 vgl. Storbeck, Olaf; Buhse, M.: Studie rückt Rating Riesen ins Zwielicht, , Online in Internet: URL: Entnommen am vgl. Reichling, Peter; Bietke, Daniele; Henne, Antje: Praxishandbuch Risikomanagement und Rating Ein Leitfaden, 2007, 2. Aufl., S

12 In der zweiten Phase werden analytische Vorbereitungen auf Seiten der Ratingagentur getroffen. In dieser Phase beschäftigen sich Analysten der Agentur auf Basis von öffentlich zugänglichen Informationen und bereits vorab vom Unternehmen bereitgestellten Informationen mit dem Unternehmen. Des Weiteren bereiten sich die Unternehmen in dieser Phase auf das Ratinggespräch vor und erstellen ein Ratinghandbuch. In der dritten Phase findet das Ratinggespräch statt. Bei diesem Ratinggespräch stellt die Unternehmensleitung den Analysten das Unternehmen vor, damit sie ein Verständnis von der Unternehmensstrategie und der Unternehmensplanung bekommen. Dieses Gespräch ist ein zentrales Element eines extern beauftragten Ratings, da hier besonders auf die qualitativen Faktoren eingegangen wird, die wichtig für die Beurteilung der Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens sind. 25 In der vierten und vorletzten Phase finden die Analyse des Unternehmens und die Ratingentscheidung statt. In dieser Phase führen die Analysten eine Bonitätsanalyse auf Grundlage der Informationen aus dem Ratinghandbuch des Unternehmens und deren Präsentation durch. Die Entscheidung über das Ratingergebnis und die Ratingnote wird dann von deinem Ratingkomitee getroffen. Das Ratingkomitee setzt sich aus den verantwortlichen Analysten, Branchenspezialisten und dem verantwortlichen Managing Director zusammen. In der letzten Phase wird den Firmen schließlich das Ratingergebnis mitgeteilt und begründet. Die Veröffentlichung findet dann nach Absprache mit dem Unternehmen statt Ratingmethodik Der Ratingprozess basiert hauptsächlich auf drei Säulen: Der Beurteilung des Managements, der Beurteilung des Geschäftsrisikos und der Beurteilung des Finanzrisikos. Die Analyse der externen Agentur besteht somit also aus vielen qualitativen und quantitativen Einflussfaktoren, die nach der individuellen Situation des Unternehmens gewichtet werden. Quantitative Faktoren bestehen aus Kennzahlen, die sich elementar bestimmen lassen. Man nennt sie auch harte Ratingkriterien. Dies beinhaltet zum Einen unternehmensspezifische Finanzkennzahlen und zum Anderen makroökonomische Kennzahlen. Dies sind objektiv zu betrachtende Kennzahlen und unterliegen keinen subjektiven Einschätzungen der Mitarbeiter. Somit ermöglichen sie beispielsweise einen Vergleich zwischen zwei Unternehmen oder zwei 25 vgl. Ratingsystematik der Creditreform Rating AG für ein Externes Unternehmensrating, 2007, S Online in Internet: URL: 12

13 Banken und können auch nicht von den Personen manipuliert werden, die am Ratingprozess beteiligt sind. 27 Dies bedeutet nur, dass die Mitarbeiter in der Ratingagentur, die das Rating erstellen, die Quantitativen Faktoren nicht manipulieren können, aber nicht, dass die Kunden den Ratingagenturen nicht falsche Zahlen bereitstellen. Ein weiterer Vorteil von Quantitativen Kennzahlen ist, dass sie nicht erst in irgendeiner Form transformiert werden müssen. Sie können so direkt in den Ratingprozess eingehen und in das Gesamtrating integriert werden. 28 Grundlage für die Ermittlung der Quantitativen Kennzahlen bilden die Finanzpläne, Jahresabschlüsse und Geschäftsberichte des Unternehmens oder der Bank. 29 Dabei wird jedoch darauf geachtet, dass die Finanzkraft eines Unternehmens in einem angemessenen Verhältnis zum Geschäfts- und Risikoprofil der Gesellschaft und der Branche stehen. 30 Die wichtigste Quantitative Kennzahl ist die Eigenkapitalquote. Die Eigenkapitalquote ist der Quotient aus Eigenkapital und Bilanzsumme. Die nächst wichtigeren Kennzahlen sind die Caschflow Kennzahlen. 31 Weitere wichtige Kennzahlen sind die Kapitalstruktur, die Liquidität, die Eigenkapitalrendite, die Umsatzrendite, die Abschreibungsquote und das Wachstum des Bruttosozialprodukts. 32 Qualitative Faktoren sind alle Unternehmenscharakteristika die sich nicht elementar bestimmen lassen. Dies sind die so genannten weichen Ratingkriterien. Diese Faktoren sind subjektiver Natur und deshalb ist beispielsweise ein Vergleich zwischen zwei Ratingagenturen nicht möglich. Die Qualitativen Faktoren werden von den Mitarbeitern der Ratingagentur zum Beispiel im Ratinggespräch ermittelt. Diese starke subjektive Einflussnahme auf diese Faktoren macht eine objektive Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen Banken und unterschiedlichen Unternehmen nahezu unmöglich. 33 Die fehlende Vergleichbarkeit ist jedoch nicht das Einzige Problem der Qualitativen Faktoren. Das viel größere Problem ist, dass die Festlegung der Qualitativen Kennzahlen sehr Manipulationsanfällig ist und somit durch keine Kontrollinstanz nachvollziehbar ist. Dies wird deutlich durch eine offizielle Aussage von Standart and Poor s: Bear in mind that 27 vgl. Buschmeier, Andreas: Ratingagenturen Wettbewerb und Transparenz auf dem Ratingmarkt. 1. Aufl. Gabler Verlag, 2011, S. 150 f. 28 Vgl. Behr, Patrick; Güttler, André: Interne und externe Ratings. Bedeutung, Entwicklung, Textverfahren. 2004, S vgl. Ott, Christine: Der Informationsgehalt von Credit Ratings am deutschen Aktienmarkt - Eine empirische Untersuchung. 1. Aufl., 2011, S vgl. Ebd. S, vgl.buschmeier, Andreas: Ratingagenturen Wettbewerb und Transparenz auf dem Ratingmarkt. 1. Aufl. Gabler Verlag, 2011, S. 151 f. 32 Vgl. Behr, Patrick; Güttler, André: Interne und externe Ratings. Bedeutung, Entwicklung, Textverfahren. 2004, S Buschmeier, Andreas: Ratingagenturen Wettbewerb und Transparenz auf dem Ratingmarkt. 1. Aufl. Gabler Verlag, 2011, S

14 ratings represent an art as much as a science. A rating is, in the end, an opinion. Subjectivity is at the heart of every rating. 34 Die Qualitativen Faktoren werden nach ihrer Auswertung von den Ratingagenturen durch spezielle Formeln in numerische Werte transformiert und so operationalisierbar gemacht. Bei den vielen verschiedenen Qualitativen Faktoren gibt es einige Bereiche, die in fast allen Ratingprozessen eine Rolle spielen: 35 - Management und Strategie o Strategische Ausrichtung o Managementinstrumente - Branchen-, Produkt- und Marktstellung o Marktpräsenz o Marktwachstum - Interne Wertschöpfung o Unternehmensorganisation - Planung und Steuerung o Unternehmensplanung - Kontodaten/Finanzpolitik o Überziehung von Kreditlinien Diese Unterscheidung zwischen qualitativen und quantitativen Faktoren unterscheidet ein Rating von einem Scoring, in dem ausschließlich quantitative Daten verwendet werden. 36 Die Gewichtung der einzelnen Faktoren wird jedoch von den Ratingagenturen nicht offengelegt. 2.7 Gesetzliche Anforderungen an externe Ratingagenturen Im Jahr 2006 trat Basel II in Kraft. Basel II ist die Gesamtheit von Eigenkapitalvorschriften die die Banken beachten müssen. Diese Regulierungsvorschrift baut auf drei Säulen, der Mindesteigenkapitalanforderung, der Bankenaufsichtliche Überprüfung und der 34 S&P: Rating Methodology: Evaluating the Issuer. Online in Internet: URL: 2001, Entnommen am vgl. Schneck; Morgenthaler; Yesilhark: Rating Wie Sie sich effizient auf Basel II vorbereiten., 2003, S Frère, Eric; Reuse, Svend: Rating - Was ist das. Online in Internet: URL: Eric Reuse Svend Rating_was_ist_das.pdf, Entnommen am

15 Marktdisziplin auf. 37 Das Hauptaugenmerk bei Basel II lag auf einer differenzierten Unterteilung der Unternehmen hinsichtlich des Risikos eines Zahlungsausfalles. 38 Dieses Risiko wird von einer externen Ratingagentur bewertet, einer ECAI (External Credit Assessment Institution). Diese muss von einer nationalen Aufsichtsbehörde anerkannt werden. 39 Für die Anerkennung einer solchen Agentur, wurden vom Basler Komitee sechs Eignungskriterien formuliert, die von den Agenturen erfüllt werden müssen: 40 Objektivität Die Agentur muss eine strenge Methode zur Vergabe von Bonitätsbeurteilungen haben und einem Prüfungsverfahren unterliegen, das auf Erfahrungswerten beruht. Außerdem muss eine Überwachung der Beurteilungen garantiert sein, so dass auf eine Veränderung der finanziellen Situation reagiert werden kann. Vor einer Anerkennung muss das Beurteilungsverfahren mindestens ein Jahr für jedes Marktsegment angewandt worden sein. Unabhängigkeit Eine externe Ratingagentur muss in jedem Fall unabhängig sein, so dass sie nicht von der Wirtschaft oder der Politik beeinflusst werden kann und das somit das Urteil der Agentur beeinflusst werden könnte. Der Beurteilungsprozess sollte soweit als möglich frei von Beschränkungen sein, die in Situationen auftreten können, in denen die Zusammensetzung der Geschäftsleitung oder die Aktionärsstruktur der Ratingagentur einen Interessenkonflikt hervorrufen könnte. 41 Internationaler Zugang/Transparenz Die von der externen Ratingagentur erstellten Ratings muss für inländische sowie für ausländische Institutionen gleichermaßen zugänglich sein. Außerdem sollten die generellen Vorgehensweisen der Agenturen zum Erstellen eines Ratings öffentlich zugänglich sein. 37 Online in Internet: URL: Entnommen am Online in Internet: URL: Entnommen am Online in Internet: URL: Entnommen am vgl. Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht, 2004, S. 26 f. 41 vgl. Basler Ausschuss für Bankenaufsicht, 2004, S

16 Veröffentlichung Folgende Informationen müssen von einer Ratingagentur veröffentlich werden: Beurteilungsmethoden, ihre Definition für einen Ausfall, Bedeutung und Zeithorizont eines Ratings und die tatsächlich beobachteten Ausfallraten in jeder Ratingkategorie Ressourcen In einer externen Ratingagentur müssen genügend Ressourcen zur Verfügung stehen um Bonitätsbeurteilungen in einer hohen Qualität durchführen zu können. Um diese hohe Qualität gewährleisten zu können, müssen die Mitarbeiter einer Agentur ständigen Kontakt mit den leitenden Ebenen des Unternehmens pflegen, um die Bonitätsbeurteilung auf eine breitere Basis zu stellen. 42 Durch diesen Kontakt, kann die Agentur einen Überblick über die Entwicklung der qualitativen Faktoren eines Unternehmens bekommen. Glaubwürdigkeit Durch die oben genannten fünf Kriterien sollte schon ein gewisses Maß an Glaubwürdigkeit gegeben sein. Die Glaubwürdigkeit eines Ratings wird zusätzlich durch interne Sicherungsverfahren der Ratingagenturen gestärkt, die dazu dienen, die missbräuchliche Verwendung vertraulicher Informationen 43 zu verhindern. Diese Kriterien für die Anerkennung einer externen Ratingagentur wurden in der Solvabilitätsverordnung (SovV) in den Paragraphen 52, 53 SovV im deutschen Gesetzt verankert. 44 Die Überprüfung dieser Kriterien bei den einzelnen externen Ratingagenturen zur Anerkennung dieser Agentur nehmen in Deutschland die BaFin und die Deutsche Bundesbank gemeinsam vor vgl. Basler Ausschuss für Bankenaufsicht, 2004, S vgl. Basler Ausschuss für Bankenaufsicht, 2004, S Verordnung über die angemessene Eigenmittelausstattung von Instituten, Institutsgruppen und Finanzholding- Gruppen (Solvabilitätsverordnung - SolvV)*, , S. 59 f. 45 Buschmeier, Andreas: Ratingagenturen Wettbewerb und Transparenz auf dem Ratingmarkt. 1. Aufl. Gabler Verlag, 2011, S. 160 f. 16

17 3 Probleme von Ratingagenturen Ratingagenturen stehen seit geraumer Zeit unter massiver Kritik, vor allem durch ihre besondere Rolle in der Subprime-Krise, die den Auslöser der internationalen Finanzkrise und Wirtschaftskrise darstellte. Dazu die zögerlichen Haltung bei der Abwertung der USA und die Abwertung Europas, die wie ein Kahlschlag die ganze Europäische Union bedroht und mehr einem politischen Akt als einem geregelten Vorgang gleicht. Ratingagenturen besitzen eine große Marktmacht, deren Rating nicht nur die finanzielle Situation eines Landes verbessern kann, sondern im Falle einer Abwertung einen negativen Einfluss nimmt, die die Situation eines Schuldners verschlechtert und eine negative Folgeentwicklung auslöst. Doch auch positive Ratings können massiven Schaden anrichten, wenn diese eine falsche Information liefern z.b. bei zu hohen Ratings bzw. wenn ein falsches Risikopotenzial vermittelt wird und dadurch Investoren, die sich auf diese verlassen, in die Irre führt und diese Verluste erleiden. Das Vertrauen in die Ratingagenturen sinkt, das Misstrauen wächst. Ein Beleg dafür liefert das Land Island, das im Juli 2011 Anleihen ausgab und diese innerhalb kürzester Zeit verkaufen konnte. Obwohl Fitch Islands Rating einen Schrottstatus bescheinigt hatte, war der gehandelte Zinssatz mit 4,993% geringer ausgefallen als das Rating hätte vermuten lassen. So muss z.b. Portugal aktuell mit dem gleichem Rating 46 BB+ für fünfjährige Staatsanleihen bis zu 15% Zinsen zahlen 47. In Island finden sich Belege dafür, dass das Land sich wieder erholt, weil einerseits das Wirtschaftswachstum 2011 um 2,5 % 48 zulegen konnte und andererseits nimmt der Verlauf der Renditen für fünfjährige Anleihen eine positive Entwicklung, die sich allein zum Vormonats des Julis 2011 um 5% der Basispunkte verringerten. 49 Trotzdem gab es kein Einsehen bei den Ratingagenturen, während am Markt eine Korrektur der Fehleinschätzung stattfand, das Rating in dieser Situation keine Bedeutung hatte. Erst am hat Fitch Island von BB+ (Rating seit Mai 2011) 50 auf BBB- aufgewertet vgl. Fitch - Complete Sovereign Rating History, vgl. Online in Internet: URL: Entnommen am vgl. Online in Internet: URL: &scsm=1&ssd=1&sort=country&ds=.&br=1&c=176&s=ngdp_rpch%2cggxwdn_ngdp&grp=0&a=, Entnommen am vgl. Online in Internet: URL: Entnommen am vgl. Fitch - Complete Sovereign Rating History, vgl. Online in Internet: URL: Entnommen am

18 Doch was hat diese Institutionen so ins Wanken gebracht, die den Finanzmarkt regulieren sollten und dabei versagt haben? Es ist neben einigen gravierenden Fehleinschätzungen auch zu mehreren Problemen in Bezug auf das Rating gekommen, die vor allem durch die Verflechtung zwischen Emittent und Ratingagentur entstanden ist. Ein geschichtlicher Rückblick soll einen kleinen Überblick über die Fehleinschätzungen geben, die die Finanzwirtschaft geprägt und verändert haben. 3.1 Fehleinschätzungen Asienkrise Die Asienkrise begann im Juli 1997, die vor allem Thailand, Malaysia, Südkorea, Indonesien und die Philippinen getroffen hatte. Als sich die Märkte der asiatischen Staaten Ende der neunziger Jahren liberalisierten und sich ausländischen Märkten öffneten, wurde ein Kreditboom ausgelöst und die Kreditvergabe an private nicht finanziell ausgerichtete Unternehmen wuchs zwischen 15% und 30% jedes Jahr. Wegen der schwachen Überwachung durch die Bankenaufsicht, unterstützt und begünstigt durch einflussreicher Geschäftsinteressen, einem Mangel an Kompetenz in der Überprüfung und Beobachtung der Schuldner stiegen Kreditausfälle an und bewirkte eine Schwund der Bankenvermögens. Dadurch verringerte sich die Kreditvergabe und diese Knappheit führte zu einer sinkenden Wirtschaftsaktivität. Zusätzlich sorgte das auf und ab an der thailändischen und südkoreanischen Börsen zu einer wachsenden Unsicherheit, die zu einer ausgewachsenen Finanzkrise führte. Während in Indonesien, Malaysia und den Philippinen, simultan zur wirtschaftlichen Entwicklung, eine Talfahrt an der Börse stattfand. Außerdem erlebten Südkorea und Thailand kurz vor der Krise zahlreiche Ausfälle finanzorientierter und nicht finanzorientierter Unternehmen, die die allgemeine Verunsicherung noch weiter anwachsen ließ. Der Anstieg der Ungewissheit und die Abnahme der Vermögens, als Resultat der der Talfahrt an den Börsen, intensivierten das asymmetrische Informationsproblem. Die Wirtschaft befand sich in einem Teufelskreis. An den Devisenmärkten nahmen spekulative Angriffe zu, dadurch fielen die ostasiatischen Länder immer tiefer in die Krise. In Thailand gab es Bedenken bezüglich des großen 18

19 Leistungsbudgetdefizits und der schwachen thailändischen Finanzwirtschaft, die ihren Höhepunkt mit dem Scheitern der Kapitalgesellschaft Finance One erlebte und zu weiteren erfolgreichen spekulativen Angriffen führte. Dadurch war Thailand im Juli 1997 gezwungen den Baht abzuwerten und zog ähnliche Aktionen gegen andere Länder dieser Region nach sich. Als Anfang 1998 die Währungen von Thailand, Malaysia, Südkorea, Indonesien und den Philippinen zwischen einem Drittel und der Hälfte ihres ursprünglichen Wertes verloren hatten, waren die Bilanzen der Unternehmen von einem harten Einschnitt betroffen und dies bewirkte einen dramatischen Anstieg der Adverse Selektion und Moral Hazard Problems. Aufgrund der Tatsache, dass kurzfristige Kredite hauptsächlich in ausländischer Währung aufgenommen wurden, verschärfte die Probleme zusehends. Erst 1999 begann in dieser Region die Erholung. 52 Während die Wirtschaft in Asien zusammenbrach, war die Reaktion der Ratingagenturen verhalten. Sieht man sich das Rating für Indonesien in diesem Zeitraum an, liegt sie anfänglich bei BBB- und erst Ende 1997 gab es eine Abwertung auf BB+. Anfang 1998 verliert die Währung Indonesiens massiv an Wert und wurde erst Anfang Januar 1997 einer größeren Korrektur unterzogen und zwar auf B+. Aber erst im März 1997 wurde mit B- 53 das niedrigste Rating erteilt, zu einem Zeitpunkt als die Asienkrise Ihren Tiefpunkt schon lange überwunden hatte Enron Ende 2001 Enron meldet Insolvenz an. Enron war ein Unternehmen, das sich auf Energiehandel spezialisiert hatte und damit sehr erfolgreich war. Im August 2000 kontrollierte das Unternehmen alsbald ein Viertel des gesamten Energiemarktes mit einem geschätzten Handelsvolumen von 77 Milliarden $ und war zu der Zeit das siebtgrößte Unternehmen der USA. Auf Grund von Fehler in der Bilanz musste das Unternehmen im Oktober 2001 einen Verlust von über 618 Millionen $ einräumen. Diese Unregelmäßigkeit wurde durch eine Ermittlungskommission untersucht, die die US-Aufsichtsbehörde eingeschaltet hatte und stellte dabei fest, dass Enron durch ein Gewirr aus Transaktionen zwischen Enron und deren 52 vgl. Mishkin, Frederic S. The economics of Money, Banking and Financial Markets, 9. Ausgabe, S vgl. Fitch - Complete Sovereign Rating History,

20 Subunternehmen, beträchtliche Mengen an Schulden und Finanzverträgen nicht in der Bilanz auftauchen lassen hat. Durch diese Transaktionen konnte Enron seine finanziellen Probleme verschleiern und trotz Sicherheiten in Höhe von 1,5 Milliarden $, bereitgestellt von J.P. Morgan Chase und der Citigroup, war das Unternehmen im Dezember 2001 bankrott. Enrons Absturz demonstrierte die Notwendigkeit einer Regulierung seitens der Regierung um das asymmetrische Informationsproblem zu verringern, obwohl dieses Problem nicht absolut auszuschließen ist. Denn Manager sind im Allgemeinen gewillt Probleme des eigenen Unternehmens zu verbergen, was dazu führt, dass der tatsächliche Wert eines Unternehmens schwer einzuschätzen ist. Enrons bankrott erhöht außerdem das Bedenken über die Qualität der Informationen aus einer Bilanz. 54 An dieser Stelle müsste es zu einer Intervention seitens der Ratingagenturen kommen und Maßnahmen ergriffen werden, damit es zu einer Korrektur des Ratings kommt, die im konkreten Fall in Form einer Abwertung gewesen wäre. Der Verlauf des Ratings von Enron zeigt aber auf, dass die Ratingagenturen keinesfalls rechtzeitig reagierten und eingeschritten sind. Obwohl bekannt wurde das Enron im Oktober 2001 Abschreibungen vornahm und hohe Verluste zu tragen hatte, weil sie ihre Gewinne in den Neunzigern um 1,2 Milliarden $ zu hoch angesetzt hatten, bestätigte Standard & Poor s die Wertung von BBB+, während der Kurs immer weiter fiel. Die Kursentwicklung der Enron Aktie hatte sich seit dem April 2001, der bei über 60 Basispunkten 55 lag, dramatisch verschlechtert und erreichte im November 2001 mit unter 10 Basispunkten einen neuen Tiefpunkt. Die Korrektur des Ratings fand aber erst im November 2001 statt und sank bis Ende November kontinuierlich auf CC. Dies geschah aber nur zögerlich, weil Standard & Poor s trotz der negativen Fakten eine positive Entwicklung erwartete. Teilweise reagierte Standard & Poor s erst als Druck von außen zunahm. Am 2. Dezember 2001 war Enron bankrott, das Rating aber wurde erst am 3. Dezember durch Standard & Poor s auf D gesetzt, gleichbedeutend mit Zahlungsausfall vgl. Mishkin, Frederic S., The economics of Money, Banking and Financial Markets, 9. Auflage, S vgl. Online in Internet: URL: Entnommen am vgl. Online in Internet: URL: https://caraellison.wordpress.com/2011/03/18/enron-ratings-chronology-fromoctober /, Entnommen am

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