Medien für Kinder. Medienkatalog und Arbeitshilfe. für die Gruppenarbeit mit Kindern in Jugendverbänden und Freizeitstätten

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1 Medien für Kinder Medienkatalog und Arbeitshilfe für die Gruppenarbeit mit Kindern in Jugendverbänden und Freizeitstätten für Kindergarten, Hort, Grundschule LANDES MEDIEN DIENSTE BAYERN

2 Kostenloser Filmverleih und Versand für Schule, Jugendarbeit, Erwachsenenbildung und Weiterbildung in Wirtschaft, Vereinen und Verbänden Serviceleistungen und Informationen unter sowie unter Telefon 089/ und auf dem CD-ROM-Medienkatalog

3 Inhalt Vorworte 2 Sieben Leitlinien für die elementare informationstechnische Bildung u. Erziehung 4 Fachstelle Kinder- und Jugendschutz im Stadtjugendamt München 8 Das Münchner Kinderportal 10 Ein Filmprojekt zum Thema Gewalt Ene, mene, muh und raus bist du? 12 ELTERNTALK bringt Eltern miteinander ins Gespräch 16 Ein Beratungs- und Kontaktangebot bayerischer Jugendämter 20 FLIMMO Fernsehen mit Kinderaugen 22 Bayerisches Kinderfilmfest KiFinale 24 SIN-Studio im Netz e. V. Medienbildung, Medienkompetenz, Medienpädagogik 27 Kinderkinos Orte der Kinderkultur 30 Filmauswahl zu den Themen ab Seite 33 Anders sein 33 Spaß & Unterhaltung 36 Freundschaft 42 Natur 45 Agression & Konflikte 47 Abschied nehmen 49 Älter werden 51 Alltag 53 Wissenswertes 55 Alphabetisches Filmverzeichnis 59 Das neue Urheberrecht 60 Wichtige Adressen 44 / 46 Medienverleih und Medienpädagogik 50 / 52 Impressum 54 Medien für Kinder LANDES MEDIEN DIENSTE BAYERN

4 Vorwort Sehr geehrte Damen und Herren, in einer von vielen fachlich ausgewiesenen Beobachtern so titulierten Mediengesellschaft haben Kinder ein selbstverständliches Recht auf Medienangebote, die ihre alters- und geschlechtsspezifischen Bedürfnisse berücksichtigen und ihnen differenzierte Welt- und Menschenbilder für ihre Orientierung und ihre Entwicklung anbieten. Dies gilt grundsätzlich für alle Medien, insbesondere aber für die Inhalte des Fernsehens, da dieses Medium nach wie vor Leitmedium von Kindern ist, d. h. es wird von Kindern häufig genutzt und übt eine starke Faszination auf sie aus. Außerdem sollen Medien Kindern natürlich auch Spaß machen, ohne sie zu überfordern oder gar Gefährdungen auszusetzen. Leider bringen es die Marktgesetze, die auch für die Produktion von Medienangeboten jeglicher Art gelten, mit sich, dass wir gerade Kinder nicht mit dieser kaum mehr überschaubaren Vielfalt an geeigneten, aber eben auch weniger zuträglichen und altersgerechten Medienprodukten allein lassen dürfen. Neben wirksamen Instanzen, vor allem der der Selbstkontrolle, brauchen Kinder (und ihre Eltern) deshalb pädagogische Unterstützung, um kompetent und kritisch mit Medien umgehen zu können. Das heißt: Es braucht eine Medienpädagogik, die sich mit allen auditiven und audiovisuellen Medien und mit Netztechniken (v. a. Internet) und deren Inhalten sowie mit der Medienrezeption durch Heranwachsende befasst. Diese muss fester Bestandteil der pädagogischen Aus- und Fortbildung aller professionell Erziehenden werden. Als wertvolle Hilfe für den hier angesprochenen Personenkreis ist der vorliegende Medienkatalog bzw. diese Arbeitshilfe konzipiert. Es ist dieser Broschüre deshalb zu wünschen, dass sie eine weite Verbreitung und aufmerksame Leser und Leserinnen finden wird. Dabei ist die thematische Bandbreite der Beiträge ein realistisches Spiegelbild für die allgegenwärtige Präsenz der Medien und das breite Spektrum der Angebote in der aktuellen Medienlandschaft und ist zugleich Garant dafür, dass alle Interessierten in diesem Band eine Fülle wertvoller Informationen und Anregungen in kompakter Form erhalten. 2 Martina Kobriger Präsidentin des Bayerischen Jugendrings

5 Sehr geehrte Damen und Herren, im Hinblick auf den rasanten Wandel und die zunehmende Bedeutung der Medien im Alltag unserer Kinder und Jugendlichen wird deutlich, wie sehr das Familienmitglied Fernsehen fasziniert und polarisiert. Angesichts der Fülle von Fernsehprogrammen stehen Eltern diesem Überangebot jedoch oftmals ratlos gegenüber. Die medienpädagogische Arbeit hilft den Heranwachsenden, selbstbestimmt, kritisch und sozial verantwortlich mit problematischen Medieninhalten umzugehen und bietet zugleich eine Orientierungshilfe. Aus diesem Grund initiiert, finanziert und begleitet die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM) seit vielen Jahren Projekte und Angebote aktiver Medienarbeit, die sich inhaltlich die Förderung der Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen zum Ziel gesetzt haben. Die verantwortungsvolle Medienrezeption gehört schließlich zu den vielfach geforderten Schlüsselqualifikationen und sollte deshalb auch als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe begriffen werden. Insofern freue ich mich ganz besonders, dass die Landesmediendienste Medien für Kinder empfehlen und damit einen wertvollen Beitrag zur Entwicklung attraktiver Kinderangebote leisten. Mit ihrem Spektrum an vielfältigen Angeboten altersgerechter unterhaltungsund bildungsrelevanter Filme sowie anschaulich aufbereiteter Informationen zur aktiven Mediennutzung bietet die Broschüre Orientierungsmöglichkeiten für den Umgang mit dem Fernsehen innerhalb der Familie. Ich wünsche Ihnen, dass Sie in der Broschüre wertvolle Anregungen erhalten und ausgewählte Medien für Ihre Kinder finden. Vorwort Prof. Dr. Wolf-Dieter Ring Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien 3

6 Sieben Leitlinien für die elementare informationstechnische Bildung und Erziehung Weil Kinder mit Informations- und Kommunikationstechnik (IuK), insbesondere auch elektronischen Medien, von Geburt an aufwachsen und Sieben Leitlinien 4 ihnen deshalb frühzeitig ein kompetenter Umgang mit diesen Geräten zu vermitteln ist, wurde in dem Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder in Tageseinrichtungen bis zur Einschulung ein eigenes Kapitel zu diesem Thema aufgenommen. Der folgende Beitrag benennt in Anlehnung an Iram und John Siraj- Blatchford (2003) sieben Leitlinien für die elementare informationstechnische Bildung und Erziehung in Kindertageseinrichtungen. Unter Informations- und Kommunikationstechnik" wird im Folgenden alles verstanden, was uns ermöglicht, Informationen zu bekommen und zu verarbeiten, miteinander zu kommunizieren oder auf die Umwelt durch elektronische oder digitale Geräte einzuwirken. Die elektronischen Medien und insbesondere der Computer, auf dem nachfolgend der Schwerpunkt liegt, sind davon ein Teil. Leitlinie 1: Lernziele aufstellen Der Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnik (IuK) sollte Spaß und Freude machen und gleichzeitig immer im pädagogischen Kontext gesehen werden, z. B. die Verwendung eines Spiel-Handys im Kontext des Rollenspiels oder der Gebrauch von Computerprogrammen im Rahmen eines umfassenderen Projekts, etwa der Hinführung zu Buchstaben und Zahlen oder der Vermittlung von Wissen über die heimische Tier- und Pflanzenwelt. Der Umgang mit IuK in elementaren Bildungseinrichtungen sollte grundsätzlich einem erzieherischen Anspruch genügen, sollte einem bewussten pädagogischen Zweck dienen das schließt alle Anwendungen aus, für die keine klaren Lernziele angegeben werden können. Wie unterhaltsam manche Spiele auch immer sein mögen: Der Typus Moorhuhnschießen beispielsweise regt kaum zur Kreativität oder einem anderen Lernziel an, für das sich Zeit und Mühe lohnen. Manchmal werden so genannte drill and practice -Programme fürs Sprach- und Zahlenlernen eingesetzt. Es hat sich aber gezeigt, dass solche Programme sehr enge pädagogische Ziele verfolgen, z. B. das Üben des Addierens oder das Lernen von Farbwörtern. Programme dieser Art sollten mit Vorsicht eingesetzt werden, da sie eine sehr direktive Art des Unterrichtens propagieren, die häufig mit einer externen Belohnung verbunden ist (ein Lächeln auf einem Gesicht, ein Häkchen für die richtige Antwort oder ein lustiges Geräusch). Werden solche Programme in zu hohem Maß eingesetzt, könnte das der intrinsi-

7 schen Motivation der Kinder, d. h. der Freude am Lernen selbst, schaden, ohne dass man es wollte. Leitlinie 2: Die Kinder zur Zusammenarbeit und Kommunikation anregen Durch guten Einsatz von IuK werden die Kinder zur Zusammenarbeit und Kommunikation angeregt. Man weiß, dass in der frühen Kindheit gerade Aktivitäten, die Zusammenarbeit ermöglichen oder sogar erfordern, besonders wichtig sind. Grundsätzlich ist es wichtig, mit Technik allein und in Zusammenarbeit mit anderen umgehen zu können. Diese Zusammenarbeit kann verschiedene Grade der Intensität aufweisen. Gerade bei kleinen Kindern jedoch hat sich gezeigt (Light & Butterworth, 1992), dass gemeinsame Aufmerksamkeit, das Lernen, mit anderen zu teilen oder gemeinsame Ziele eine besonders produktive kognitive Herausforderung darstellen. Das Rollenspiel ist für die Kinder ein Kontext, in dem sie gemeinsame Vorstellungen entwickeln und miteinander teilen, in dem sie ihre Gedanken in Worte fassen, in dem sie sich auch solcher Ideen bewusst werden, die sie erst langsam, Schritt für Schritt und intuitiv verstehen (Hoyles, 1985). Leitlinie 3: Integration der Informationstechnik in die Spielund Lernumwelt des Kindes So gut es geht, sollten informationstechnische Anwendungen in die anderen pädagogischen Angebote (Spiele, Projektarbeit) integriert werden. Häufig findet man eigene Computerräume, was die Integration von IuK in das übrige Curriculum erschweren oder gar verhindern kann. Computer und informationstechnisch erzeugte Produkte sollten ein selbstverständlicher Teil der Lernumgebung sein. Kinder können Informationstechnik nur verstehen, wenn sie sehen, wie sie in einem bedeutungsvollen Kontext und für reale Zwecke gebraucht wird. Ein Beispiel dafür ist, wenn Kinder ein Zeichenprogramm benutzen, um Teile für eine Geburtstagskarte zu machen, und wenn sie diese Karte dann fertigstellen, indem sie zusätzliches, aber kein digital produziertes Material verwenden. Oder Kindern bauen real etwas nach, was sie virtuell auf dem Bildschirm gesehen haben. Ein anderes Beispiel ist, wenn Erwachsene Kinder in einen Waschsalon mitnehmen, ihnen die Programme für die verschiedenen Waschdurchgänge erklären und mit ihnen darüber diskutieren. Auf diese Art erwerben Kinder ein Verständnis für die Zwecke und Verwendungsweisen von Informationstechnik, sie wird erfahrbar als Werkzeug für die Lösung realer Probleme und die Kinder lernen etwas über die Verwendung von Symbolen. Wie wichtig das Verständnis von Symbolen ist, wird unmittelbar einsichtig, wenn es darum geht, Kindern zu einem angemessenen Verständnis von Buchstaben und Zahlen zu verhelfen. Der Umgang oder das Spiel mit technischem Spielzeug wie Computern kann zur Entwicklung des Symbolverständnisses einen großen Beitrag leisten. Die Informations- und Kommunikationstechnik sollte auch deshalb in die Sieben Leitlinien 5

8 Sieben Leitlinien 6 anderen pädagogischen Aktivitäten integriert sein, weil dies mit dem Konzept von IuK als Werkzeug besser vereinbar ist. Werkzeuge konstruiert man für bestimmte Zwecke, sie sind für gewöhnlich kein Selbstzweck, jedenfalls nicht auf längere Sicht. Häufig benutzt man eine Warteliste, um den Zugang zum Computer auf eine gerechte Weise zu regeln. Dies erscheint unter dem Werkzeugaspekt fragwürdig, der Lernziel- oder Zweckbezug des Einsatzes sollte Vorrang haben. Unangemessen ist es in dieser Hinsicht auch, den Zugang zum Computer als Belohnung zu inszenieren (bzw. den Computerentzug als Strafe). Leitlinie 4: Die Kontrolle sollte beim Kind liegen Ganz allgemein sollten die Anwendungen vom Kind kontrolliert werden. IuK sollte umgekehrt nicht die Interaktionen des Kindes kontrollieren, wie dies etwa beim programmierten Lernen oder drill and practice -Programmen der Fall ist. Zwar scheint diese Art des Lernens bei einer Reihe eng umschriebener Fertigkeiten recht erfolgreich zu sein, wie etwa bei der Zuordnung von Buchstabe und Laut, beim Zählen und bei der Entwicklung von Zahlkonzepten, aber das programmierte Lernen läuft den gängigen Vorstellungen guter Erziehung intuitiv zuwider. Unter Fachleuten gibt es einen weitgehenden Konsens darüber, dass es ganz besonders wichtig ist, bei den Kindern interessierte Aufmerksamkeit und eine positive Einstellung gegenüber Buchstaben und Zahlen zu wecken. Und es könnte sehr wohl sein, dass das programmierte Lernen diesen Zielen zuwiderläuft. Leitlinie 5: Anwendungen sollten übersichtlich und intuitiv verständlich sein Wo immer möglich sollten Anwendungen ausgewählt werden, die übersichtlich oder durchschaubar sind; es sollte klar definiert und intuitiv verständlich sein, wie sie funktionieren. Im Normalfall bedeutet dies praktisch, dass die Anwendung eine klar definierte Aufgabe mit einer einzigen Operation erledigt. Ein gutes Beispiel für diese intuitiv einsichtige Technik zum Anfassen ist das Prinzip des drag and drop für den Umgang mit Dateien. Ein weiteres Beispiel für funktionale Transparenz ist eine Digitalkamera, bei der Aufnahmen auf einer Diskette gespeichert werden. Wenn das Kind (oder der Erwachsene) ein Foto gemacht hat, kann es die Diskette mit dem Foto darauf herausnehmen und in den Computer stecken: Ein Doppelklick bringt das Foto direkt auf den Bildschirm. Leitlinie 6: Anwendungen sollten gewaltfrei sein und Vorurteile nicht bekräftigen Generell ist darauf zu achten, dass jede Software, mit der es kleine Kinder zu tun haben, gewaltfrei ist und Vorurteile nicht bekräftigt. Computerspiele brauchen seit dem eine Alterskennzeichnung, sofern sie nicht als Informations- oder Lehrprogramm gekennzeichnet sind. Für den Zugang zum Internet kann aus Gründen des Jugendschutzes lizenzierte Filtersoftware verwendet werden, vorzuziehen freilich ist insbesondere beim Internetgebrauch die Begleitung des Kindes durch einen Erwachsenen.

9 Leitlinie 7: Beachtung von Gesundheitsrisiken und Sicherheitsaspekten Es wurden ernst zu nehmende Bedenken vorgebracht im Hinblick auf die gesundheitlichen Folgen, die ein ausgedehnter Computergebrauch für kleine Kinder haben könnte. Im typischen Fall sollte deshalb die Computernutzung durch kleine Kinder vergleichsweise kurz ausfallen. Als Richtwert kann gelten, dass grundsätzlich Minuten am Stück nicht überschritten werden sollten. Wenn freilich ein Kind oder eine Gruppe von Kindern intensiv mit einer Computeranwendung beschäftigt ist und wenn der vernünftige Abschluss dieser Tätigkeit mehr Zeit erfordert, als eben gesagt wurde, dann sollte dies auch erlaubt werden. Aber dies sollte die Ausnahme sein und nicht die Regel. Die gesundheitlichen Bedenken, von denen die Rede war, beziehen sich auf Risiken für die Handwurzelknochen und motorische Überbeanspruchungen durch wiederholtes Ausführen derselben Tätigkeit, auf schädliche Wirkungen für das Sehvermögen, auf die Ausbildung von Übergewicht wegen Bewegungsmangel und auf mögliche Risiken durch Strahlung, die vom Bildschirm ausgeht. Alle diese Risiken sind für Erwachsene gut beschrieben, bisher gibt es aber kaum Forschung dazu, welche Folgen sich daraus für kleine Kinder ergeben, wenn sie vor Bildschirmen tätig sind. Die Befundlage für die Risikoeinschätzung bei kleinen Kindern ist also unklar. Nach dem Motto Safety first oder Sicherheit hat Vorrang erscheint es jedoch vernünftig, die zeitlichen Vorgaben für die Gerätenutzung eher zu knapp als zu großzügig zu bemessen. Wenn der Computer in andere Aktivitäten integriert ist, z. B. in ein Rollenspiel, ins Basteln oder Malen mit Stift und Pinsel, wenn er also auf diese Weise als effektives Werkzeug genutzt wird, dann sind die Kinder ohnehin mehr in Bewegung und profitieren von Lernaktivitäten, die nicht direkt mit dem Computer zu tun haben. Keinesfalls sollte der Computergebrauch zu Lasten von Tätigkeiten im Freien erfolgen. Im Übrigen gibt es auch IuK, die bevorzugt im Freien angewendet werden kann, z. B. Metalldetektoren. Literatur: Hoyles, C. (1985). What is the Point of group discussion in mathematics? Studies in Mathematics, 16, Light, P. & Butterworth, G. (eds.). (1992). Context and cognition: ways of learning and knowing. Hemel Hempstead: Harvester Wheatsheaf. Siraj-Blatchford, I. & Siraj-Blatchford, J. (2003). More Than Computers. Information and communication technology in the early years. London: The British Association for Early Childhood Education. Dr. Hans Eirich Staatsinstitut für Frühpädagogik Sieben Leitlinien 7

10 Fachstelle Kinder- und Jugendschutz im Stadtjugendamt München S CHWERPUNKT M EDIEN Unsere Aufgabe ist es, entwicklungsfördernde Lebensbedingungen für junge Menschen und ihre Familien durch Beratung und Unterstützung Fachstelle Kinder- und Jugendschutz 8 sowie jugendschutzrechtliche Auflagen zu schaffen. Im Vordergrund steht dabei die Sicherung der Rechte und Chancen von Mädchen und Jungen auf eine positive gesundheitliche wie auch psychosoziale Entwicklung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit. Unser Anliegen ist es, Kinder und Jugendliche zu Kritikfähigkeit, Differenzierungsvermögen, Entscheidungsfähigkeit und Eigenverantwortlichkeit zu erziehen, um sie fit zu machen für den kompetenten Umgang mit nicht immer ungefährlichen Realitäten von Konsum-, Freizeit- und Medienkultur. Landeshauptstadt München Sozialreferat Stadtjugendamt Unsere Fachstelle versteht sich als Anwalt und Lobby für Kinder und Jugendliche, sie will die nachwachsende Generation weder bevormunden noch vor sämtlichen Gefahren und Risiken bewahren. Es geht vielmehr darum, Kinder und Jugendliche zu befähigen, mit bestehenden Risiken umzugehen, vorhandene Missstände zu erkennen und gemeinsam und verantwortlich zu ihrer Veränderung beizutragen. Die Arbeit des Jugendschutzes im Bereich Medien stützt sich in erster Linie auf die 11 bis 18 Jugendschutzgesetz (JuSchG), die 4 und 5 Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) sowie auf einschlägige Paragraphen des Strafgesetzbuches (StGB), z. B. Gewaltdarstellung und Pornografie. Innerhalb des gesetzlichen Rahmens obliegt die Einschätzung, wie Gefährdungen oder Beeinträchtigungen zu bewerten sind, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Fachstelle. Dabei werden die sich ständig verändernden gesellschaftlichen Werte und Normen miteinbezogen. Aus der Konzipierung und gesetzlichen Grundlage des Jugendschutzes stellt sich für das Stadtjugendamt/ Fachstelle Kinder- und Jugendschutz die Aufgabe, Medien aller Art im Hinblick auf Interventionen (z. B. Indizierungsanträge bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien, BPjM) zu sichten, zu überprüfen und zu beurteilen, aber auch nach Positivbeispielen zu suchen. Dafür ist eine ständige Medienmarktbeobachtung (Entwicklungen und Trends im Medienbereich, z. B. Jugendsendungen, Spiele, Zeitschriften) unerlässlich. Hinzu kommen Kontakt, Beratung und Kontrollen von Medienanbietern und Medienangeboten, wie z. B. Kinos,

11 Internetcafés, Videotheken und Geschäften. Zu jugendschutzrelevanten Themen und Fragestellungen werden außerdem Jugendliche, Eltern, pädagogische Fachkräfte, Behörden und alle sonstigen Interessierten beraten (z. B. zum Thema Multi-Media: Gebrauch, Gefährdung und Konsumverhalten). Weitere Informationen liefern eigene Broschüren und Faltblätter in mehreren Sprachen, Informationsmaterial anderer Institutionen sowie Vorträge und Fachveranstaltungen für bestimmte Zielgruppen. In diesem Zusammenhang werden alle Anfragen und Beschwerden beantwortet und auf Hinweise reagiert, die die Fachstelle Kinder- und Jugendschutz dankend annimmt. Schließlich sind die Mitarbeiter als Sachverständige bei der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) und der Unterhaltungssoftware- Selbstkontrolle (USK) tätig und arbeiten in Fachgremien mit (z. B. Bayerischer Filmgutachterausschuss, Arbeitskreis Jugendschutz). Die Altersfreigaben von Filmen und Spielen Die Altersfreigaben erfolgen auf der Grundlage pädagogischer und entwicklungspsychologischer Erkenntnisse nach der gesetzlichen Vorgabe im Jugendschutzgesetz. Das heißt, dass Medien, die die Entwicklung von Kinder und Jugendlichen oder ihre Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit beeinträchtigen können, nicht für ihre Altersstufe freigegeben werden dürfen. Es wird also eine potentielle Wirkung vermutet. Dabei ist zu beachten, dass es sich bei den Altersfreigaben um keine bedenkenlose pädagogische Empfehlung handelt! Sie spiegeln lediglich wider, dass bei der jeweiligen Altersstufe dem Aspekt des Jugendschutzes ausreichend Rechnung getragen wird. Je nach individuellem Entwicklungsstand kann das Empfinden und Verarbeiten im Gesamtkontext sehr unterschiedlich sein. Im Kino sind zudem die zahlreichen audiovisuellen Eindrücke zu bedenken (Lautstärke, Lichteffekte, Größe der Leinwand etc.). Die Kategorien der Alterseinstufungen sind bei der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) und der Unterhaltungssoftware-Selbstkontrolle (USK) identisch und reichen von ohne Altersbeschränkung über eine Freigabe ab 6, 12 und 16 Jahren bis hin zu keine Jugendfreigabe. Tipp: Für Eltern und Pädagogen ist es empfehlenswert, sich vorab über Filme und Spiele zu informieren (Fachzeitschriften wie z. B. den Film-Dienst, Kritiken in Zeitungen, Internet usw.). So kann bereits im Vorfeld entschieden werden, ob der Film bzw. das Spiel geeignet ist. Kontakt Landeshauptstadt München Sozialreferat Stadtjugendamt Kinder- u. Jugendschutz Schwanthalerstr München Tel. (089) ( ) Fax (089) Fachstelle Kinder- und Jugendschutz 9

12 DAS MÜNCHNER KINDERPORTAL Paetsch, Jojo, Calla, Nomo und Broesel Alter: zwischen acht und zehn; Herkunft: aus München und vom Planeten Quapala. Ihre Mission: Münchner Kinder durch ihr neues Kinderportal führen. Nur gemeinsam ist diese Bande stark, aber alle fünf haben natürlich auch ihre ganz eigenen Seiten... der Kinderportal-Beauftragten der Landeshauptstadt mit zwei Mitarbeiterinnen, entschied sich von Anfang an dafür, die Kinder in den Mittelpunkt zu stellen. Zwar werden Erwachsene, die mit Kindern leben, in dem Angebot mitbedacht, aber der Schwerpunkt liegt darauf, dass Kinder in den vier großen Bereichen Spielen, Informationen, Interessen und Mitmachen ihre Online-Bedürfnisse erfüllen und sich dabei gleichzeitig ihre Stadt München aneignen können. Darüber hinaus ist das Kinderportal partizipativ, werbefrei und vernetzend. Hinter diesen Schlagwörtern steht der Gedanke, dass ein Münchner Kinderportal nur dann erfolgreich sein kann, wenn diejenigen die Inhalte mitbestimmen oder gar selbst erstellen, die es hinterher auch nutzen: Kinder als Expertinnen und Experten ihrer Lebenswelt. Als es um die Auswahl der Figuren für das Kinderportal ging, wurden mehrere hundert Kinder befragt. Ihnen wurde die Story vorgelegt und so einem Test unterzogen. Weitere Testrunden gab es dann im Zusammenhang mit der Navigation auf der Webseite und schließlich mit der Namensfindung. Schon mit dem Start im Rathaus wurden (und werden seitdem immer wiewww.pomki.de 10 Mit diesen fünf Figuren auf der Startseite wurde am ein bislang einmaliges Internet-Projekt vom Münchner Oberbürgermeister Christian Ude freigeschaltet. Unterstützt von 21 Kindern einer Grundschule aktivierte er das offizielle Münchner Kinderportal Eine Internetseite für Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren, partizipativ und werbefrei, gemeinschaftlich getragen von der privatwirtschaftlich organisierten Firma Portal München Betriebsgesellschaft mbh und der Kinderportalbeauftragten der Landeshauptstadt München, entwickelt zusammen mit Freien Trägern und unter ständiger aktiver Beteiligung von Kindern so etwas gibt es bisher in keiner Großstadt im deutschen Sprachraum. Vorangegangen war dieser Eröffnung eine über eineinhalbjährige Entwicklungsarbeit, nachdem der Münchner Stadtrat beschlossen hatte, nicht nur seine Website komplett überarbeiten zu lassen, sondern auch ein Kinderportal einzurichten. Für Kinder von Kindern Das Kinderportal-Team, bestehend aus zwei Mitarbeitern der Portal München Betriebsgesellschaft mbh und

13 der) Kinder aktiv in die Gestaltung von Inhalten für pomki einbezogen: Sei es durch die eigenen Aktivitäten der pomki-redaktion oder eines der zahlreichen anderen Angebote der Freien Träger bei vielen Gelegenheiten womit das Kinderportal dann durchaus nicht nur digital, sondern auch real eine Plattform für Münchner Kinder wird. Möglich wird das durch die Vernetzung mit Partnerinnen und Partnern aus der Münchner Medienpädagogik-Szene und dem Umfeld des Netzwerks Von Anfang an waren die Kolleginnen und Kollegen eingebunden, gaben Rat und Feedback und tragen auch weiterhin durch ihre Aktivitäten mit dazu bei, dass auch auf pomki dem Grundgedanken der Medienkompetenz Rechnung getragen wird und natürlich, dass Kinder auch auf diesem Weg bei pomki mitmachen. Bisher können wir feststellen, dass vor allem die interaktiven Elemente stark genutzt werden: Spiele, Mitmachangebote, bei denen sofort Ergebnisse zu sehen sind, und natürlich die Gewinnspiele. Eine Herausforderung sind dagegen vor allem jene Seiten, die eher die Ergebnisse von Aktionen mit Kindern oder Inhalte, die mit Kindern erarbeitet wurden dokumentieren. Für die Kinder, die dabei waren, ist das sicher eine große Freude aber Kinder, die diese Seiten im Netz finden, brauchen offensichtlich einen zusätzlichen Anreiz, um sich damit zu beschäftigen. Gleichzeitig sehen wir besonders am Veranstaltungskalender mit Hinweisen auf Aktivitäten für Kinder, der mehrere hundert Mal pro Tag abgefragt wird, dass die Möglichkeiten der Vernetzung noch längst nicht ausgeschöpft sind. Er zeigt auch, dass die Idee vom Kinderportal als einer Plattform grundsätzlich funktionieren kann, weil er allen Anbietern die Möglichkeit bietet, ihre Aktivitäten für Kinder selbst einzutragen. Es geht uns also nicht in erster Linie darum, zentralistisch zu bestimmen, was drin ist und was nicht. Schon aus Gründen der eigenen Ressourcen, aber vor allem auch im Hinblick auf kommende Konsolidierungsbeschlüsse bieten wir ein Umfeld, in dem Angebote für Kinder in München auch tatsächlich gefunden werden können. Wenn Sie jetzt neugierig geworden sind, dann besuchen Sie uns doch einfach auf Sonja Moser; Kinderportal-Beauftragte der Landeshauptstadt München Klaus Dreyer; Mitarbeiter der Portal München Betriebs-GmbH 11

14 Ene, mene, muh und raus bist du? EIN FILMPROJEKT DES MEDIENZENTRUMS MÜNCHEN ZUM THEMA GEWALT Ene, mene, muh und raus bist du! Mit diesem harmlosen Auszählreim beginnen Kinder nicht nur viele ihrer Gruppenspiele, sondern häufig erfahren sie dabei auch, was es heißt, ausgegrenzt zu sein. Ene, mene, muh und raus bist du? 12 Im Rahmen des Aktionsprogramms Medienarbeit gegen Gewalt des Medienzentrums München setzten sich Kinder eines Münchner Hortes mit den Themen Ausgrenzung, Außenseiter und Ausgeschlossensein auseinander. Sie beschäftigten sich mit der Frage, warum jemand ausgegrenzt wird oder zum Außenseiter abgestempelt und ausgeschlossen wird. Damit die Kinder nicht moralische Kategorien entwickeln, die mit ihrem Lebensumfeld nur wenig zu tun haben und für sie somit abstrakt bleiben, sollten sie das Thema auf der Grundlage eigener Erfahrungen erarbeiten. Sie sollten nachvollziehen, wie sie sich fühlten, als sie einmal selbst ausgegrenzt wurden und dabei in die Rolle des Außenseiters geraten sind (z. B. weil sie nicht mitspielen wollten oder durften, weil irgendetwas anders an ihnen war und sie deshalb von der Gruppe ausgeschlossen wurden etc.). Diese Erfahrungen sollten sie in Form einer kleinen gezeichneten Geschichte festhalten und anschließend mit Hilfe von Video animieren. Ziel des Projektes war es, die Kinder dazu anzuregen, sich sowohl mit eigenen Erfahrungen als Außenseiter auseinander zu setzen, als auch sich in die Lage anderer Kinder, die ausgegrenzt und ausgeschlossen werden, zu versetzen und Verständnis für deren Situation zu entwickeln. Dadurch sollten Vorurteile abgebaut und tolerantes Verhalten gefördert werden. Verlauf des Projektes Am Projekt nahmen insgesamt 15 Kinder im Alter von 8 bis 10 Jahren teil. Als Einstimmung in die Thematik wurde den Kindern der erste Teil des englischen Kurzfilms Thirtyfive Aside Große Ranzen machen einsam vorgeführt. Der Film wurde gezielt als Anspielfilm eingesetzt und nur bis zu einer Szene gezeigt, bei der der Hauptdarsteller verzweifelt und einsam auf einer Bank zu sehen ist. Dadurch wurde den Kindern sehr anschaulich verdeutlicht, wie ein Kind in die Rolle des Außenseiters gerät und wie es sich dabei fühlt. Anschließend wurden folgende Fragen zum Film gestellt: Was, glaubt ihr, denkt der Junge am Schluss des Films auf der Bank? Warum haben die anderen Kinder ihn immer gehänselt und ausgegrenzt? Hätte er sich wehren können? Wenn ja, wie? Seid ihr selbst schon einmal in die Rolle eines Außenseiters geraten,

15 weil ihr z. B. beleidigt ward oder nicht mitspielen wolltet oder irgendetwas anders an euch war? Wie war das für euch? Die Reaktionen der Kinder auf den Film waren sehr lebhaft. Viele konnten sich sehr gut in die Rolle des Jungen im Film hineinversetzen und seine Situation nachempfinden. Da fühlt man sich ganz traurig und hat so einen Kloß im Hals, schilderte eines der Mädchen ihre eigenen Erfahrungen. Dieses Gefühl der Ohnmacht und Verzweiflung hatten viele der Kinder selbst schon erlebt und fingen deshalb sehr schnell an, eigene Geschichten zu erzählen, die ihnen auf der Seele brannten. Dabei drehten sich die meisten Erlebnisse um das Thema Ausgeschlossensein beim Spielen, sei es beim Fußball oder beim Spielen auf dem Pausenhof. Ein weiterer Aspekt bildete das Thema Freundschaft. Ausspannen meiner besten Freundin lautete z. B. eine der Geschichten, die ein Kind als Filmgeschichte ausarbeitete. Insgesamt acht Geschichten wurden von den Kindern entwickelt. Geschichten, die alle persönliche Erfahrungen wiedergeben und die Kinder schon länger beschäftigten. Die Geschichten konnten alleine oder in Kleingruppen (max. drei Kinder) entwickelt werden. Zunächst wurde mündlich mit Unterstützung der Erzieherinnen die grobe Handlung der Geschichte entworfen. Anschließend zeichneten die Kinder den Hintergrund für die Geschichte (z. B. Spielplatz, Schule, zu Hause etc.) und auf gesonderten Blättern die Hauptpersonen, die später animiert werden sollten. Ebenfalls gesondert gezeichnet wurden alle Gegenstände, die bewegt werden sollten (Auto, Fahrrad etc.). Nach Fertigstellung der Zeichnungen wurden die zu bewegenden Personen und Gegenstände ausgeschnitten und auf eine durchsichtige Folie geklebt. Nun konnte es ans Drehen der Geschichten gehen. Gedreht wurde mit einer DV-Kamera, die auf ein Reprostativ montiert wurde. Dadurch war es möglich, dass die Kinder den Film vollständig allein machen konnten. Zuerst wurde das Hintergrundbild fixiert und der richtige Bildausschnitt gewählt, anschließend konnten zwei Kinder die auf Folie geklebten Figuren bewegen. Das Kind, das die Geschichte entwickelt hatte, erzählte sie ins Mikrofon. Durch einen Monitor, der an die Kamera angeschlossen war, konnten die Kinder die aufgenommenen Szenen sofort kontrollieren. Die Umsetzung der Geschichten erfolgte sehr einfach. Zuerst wurde die Geschichte in der Totalen gefilmt und in einem zweiten Durchgang einzelne Szenen in Großaufnahme. Dadurch wurde es beim Endschnitt des Films möglich, unterschiedliche Perspektiven zu zeigen und den Film abwechslungsreicher zu machen. Zur Realisierung Ene, mene, muh und raus bist du? 13

16 Ene, mene, muh und raus bist du? jeder Geschichte wurde ca. 1/2 Stunde benötigt, sodass an einem Nachmittag 4 Filme fertiggestellt werden konnten. Der Endschnitt und die Montage aller Filme zu einem Gesamtfilm erfolgte im Medienzentrum, da dies die Kinder überfordert hätte und auch mit allen Kindern nicht möglich gewesen wäre. Geschichten vom Ausgeschlossensein Die Trickfilme, die die Kinder im Rahmen des Projektes produzierten, schildern sehr eindringlich die Ängste und Nöte, die Kinder mit dem Thema Ausgrenzung und Ausgeschlossensein empfinden. Sie zeigen, dass Kinder das Thema sehr bewegt und dass sie die Filmarbeit dazu nutzten, auf ihre eigenen Probleme aufmerksam zu machen. Es entstand eine Nähe zu den Kindern, die es geradezu herausforderte, ihre Botschaften als Gesprächsanlässe zu nutzen, um Be- und Verarbeitungsmöglichkeiten für ihre Probleme und Nöte aufzuzeigen. Bemerkenswert bei allen Geschichten war, dass die Kinder sie jeweils positiv enden ließen. So war klar, dass die Geschichte vom Ausspannen der besten Freundin damit enden musste, dass sich die beiden Kontrahentinnen am Schluss wieder versöhnen oder bei der Fußballgeschichte der ausgeschlossene Junge die anderen schließlich doch überzeugt, ihn mitspielen zu lassen. Da jedes Kind die Möglichkeit hatte, seine individuelle Geschichte zu erzählen, trug das Projekt dazu bei, eigene Probleme und Nöte zu thematisieren und diese mit Hilfe einer kleinen Trickfilmsequenz anderen mitzuteilen. Die Montage aller Trickfilmsequenzen zum gemeinsamen Film Ene, mene, muh und raus bist du? Geschichten vom Ausgeschlossensein ermöglichte es schließlich, das Thema Ausgrenzung aus der Sicht von Kindern anderen verständlich und nachvollziehbar zu machen. Günther Anfang Medienzentrum München 14

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18 ELTERNTALK bringt Eltern miteinander ins Gespräch NEUE WEGE IN DER MEDIENPÄDAGOGISCHEN ELTERNBILDUNG ELTERNTALK initiiert Gesprächsrunden von Müttern und Vätern in privater Atmosphäre. Diese werden von anderen Müttern und Vätern moderiert, die auf diese Aufgabe mit Schulungen vor Ort vorbereitet wurden. ELTERNTALK 16 Elterntalks befassen sich mit Themen rund um Medien und Familie und greifen auch Fragen wie beispielsweise Medien und Gewalt auf. Gemeinsame Gespräche, offener Erfahrungsaustausch und Diskussionen unter Eltern sollen helfen, in der eigenen Familie Wege im Umgang mit Medien zu finden und zu gehen. ELTERNTALK fördert die Kommunikation zwischen Eltern und ihren Kindern und unterstützt sie bei ihrer Alltags- und Konfliktbewältigung. Gleichzeitig wird die gegenseitige Beratung der Eltern vor Ort ausgebaut und das soziale Netzwerk gestärkt. Durch die Ansiedlung von Elterngesprächen in privaten Bezügen erreicht ELTERNTALK auch Zielgruppen, die sich bei institutionell gebundenen Formen der Elternbildung eher zurückhalten. ELTERNTALK im Schneeballsystem" vernetzt ELTERNTALK ist für städtische und ländliche Verhältnisse geeignet. Deshalb legt die Aktion Jugendschutz, Landesarbeitsstelle Bayern e. V. (aj) bei diesem Projekt besonderen Wert auf enge Kooperation mit verschiedenen Einrichtungen, Diensten und Institutionen vor Ort, den so genannten Standortpartnern sowie auf Landesebene. Die Grafik auf der folgenden Seite veranschaulicht das Multiplikatoren-System von ELTERNTALK. ELTERNTALK beschreitet mit diesem Projekt neue Wege in der Zusammenarbeit mit Eltern. Koordiniert von der aj soll ein möglichst flächendeckendes Netz von Regionalbeauftragten entwickelt werden, die in ihren Regionen (etwa bezogen auf bestehende Stadt- und Landkreise) Mütter und Väter zu Moderatorinnen und Moderatoren ausbilden. Diese (Laien-)Moderatoren werden von den Regionalbeauftragten in einer Schulung auf ihre Aufgaben vorbereitet. Die wesentlichen Inhalte liegen dabei im Anwenden von Moderationsmethoden, um den Erfahrungsaustausch zu strukturieren und zu unterstützen sowie im Organisieren und Durchführen von Elterngesprächen.

19 Aktion Jugendschutz Bayern Region 1/Standortpartner benennt Regionalbeauftragte Schulung Begleitung ELTERNTALK Projektkoordination Vernetzung und Auswertung vor Ort Region 2/Standortpartner benennt Regionalbeauftragte Schulung Begleitung Moderatorin A Moderatorin B Moderatorin C Elterntreffen Elterntreffen Elterntreffen Elterntreffen Elterntreffen Elterntreffen Die Moderatoren suchen in privaten Kontexten Gastgeber für moderierte Gesprächsrunden, sog. Elterntalks. Zu einem Elterntalk werden ca. 5-7 Personen in die Wohnung der Gastgeber eingeladen. Themenbereiche werden vorab mit den Gastgebern abgestimmt und durch einen entsprechenden Einstieg anmoderiert mit anschließender Überleitung zu einem offenen Erfahrungsaustausch. Im Mittelpunkt der Elterntalks stehen Fragen der Erziehung und Familie im Kontext zu medienpädagogischen Themen. Die Teilnahme von Eltern an einem Elterntalk soll dazu motivieren, dass sich weitere Eltern als Gastgeber zur Verfügung stellen oder auch selbst Moderatoren werden, um so das Schneeball-System ELTERNTALK weiterzutragen. Ziele von ELTERNTALK ELTERNTALK will die Bedeutung der Medien in der Konflikt- und Alltagsbewältigung von Kindern ins Bewusstsein bringen. ELTERNTALK will Eltern in ihrer Kompetenz und im Umgang mit Medien stärken. ELTERNTALK will dies zum Inhalt moderierter Elterngespräche machen. Erfahrungsaustausch, gegenseitige Information und Absprachen stehen dabei im Mittelpunkt. Zielgruppen von ELTERNTALK ELTERNTALK richtet sich vorwiegend an Eltern mit Kindern bis zwölf Jahren. ELTERNTALK will insbesondere auch Eltern mit Migrationshintergrund ansprechen sowie Eltern in belasteten Lebenslagen. Bei den Elterngesprächen wird beim Alltagswissen der Eltern angesetzt, denn sie sind die Experten für ihre Situation. ELTERNTALK will durch Information Medienkompetenz entwickeln, vor allem aber durch einen initiierten Erfahrungsaustausch der Eltern untereinander. ELTERNTALK 17

20 ELTERNTALK 18 Die Öffnung der Familie und die Dialogbereitschaft entsprechen einem Ansatz von sozialer Vernetzung, der das Miteinander betont und dadurch als gewaltpräventiv wirkend anzusehen ist. Durch diese moderierten Elterngespräche werden auch die Eltern-Kommunikationsnetze gestärkt. Aktion Jugendschutz Bei der Aktion Jugendschutz, Landesarbeitsstelle Bayern e. V. ist das gesamte Projektmanagement samt Projektkonzeption, -entwicklung und -evaluation angesiedelt. Die Erstellung des didaktischen Begleitmaterials für die Schulung der Regionalbeauftragten und der Moderatoren vor Ort sowie die Ausbildung und fachliche Begleitung der Regionalbeauftragten erfolgt durch die Aktion Jugendschutz. Wichtig ist der Aktion Jugendschutz als Projektträger von ELTERNTALK auch der Aufbau und die Pflege eines Kooperations- und Kommunikationsnetzes auf Landesebene. Dabei werden vorhandene Gremienstrukturen ebenso genutzt wie Medien zur Öffentlichkeitsarbeit und vor allem auch das Internet. Standortpartner Sowohl auf Landesebene, insbesondere aber vor Ort ist die Zusammenarbeit und Vernetzung mit anderen Einrichtungen, Diensten und Institutionen sinnvoll und gewünscht. Je nach Situation und Ausgangslage kommen als Standortpartner von ELTERNTALK besonders in Betracht: Jugendämter Wohlfahrtsverbände mit ihren Untergliederungen und Institutionen Evangelische und katholische Kirchengemeinden Freie und öffentliche Familienbildungsträger Eltern- und Familienverbände, Frauenverbände Mütter-/Väterzentren, Familienzentren Beratungsstellen für Menschen mit Migrationshintergrund Die Standortpartner werden in ihrer regionalen Öffentlichkeitsarbeit durch die Aktion Jugendschutz unterstützt und beraten. Im Rahmen einer Projektförderung ist die Aktion Jugendschutz derzeit in der Lage, Standortpartnern einen Zuschuss zu den laufenden Aufwendungen zu zahlen. Regionalbeauftragte Die Regionalbeauftragten verfügen über strukturelle Kenntnisse in der Jugendhilfe ihrer Region und eine pädagogische Ausbildung. Sie arbeiten eng mit den Standortpartnern in ihrer Region zusammen und können auch die Ressourcen dieser Partner nutzen. Die Zielgruppen von ELTERNTALK werden über eine gezielte Ansprache erreicht. Dabei ist ein Mitwirken und ein kooperativer Austausch mit denjenigen Institutionen von Bedeutung, die unmittelbar mit diesen Familien zusammenarbeiten und um ihre besondere Situation wissen. Entsprechend der unterschiedlichen regionalen Sozialstrukturen können dies beispielsweise folgende dezentrale Einrichtungen sein: Erziehungsberatungsstellen Stadtteilbezogene Sozialarbeit Sozialpädagogische Familienhilfen Heilpädagogische Tagesstätten Arbeitskreise für Aussiedler

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