EIN FILM VON MICHAEL WINTERBOTTOM

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1 25. Jhg. August 2013 THE LOOK OF LOVE EIN FILM VON MICHAEL WINTERBOTTOM ove-fi lm.de

2 Freitag, 2.8. OUT OF THE PAST (Goldenes Gift) USA 1947, 97 Min, 35mm, OmU Regie Jacques Tourneur mit Robert Mitchum, Kirk Douglas, Jane Greer, Virginia Huston Samstag, 3.8. REBECCA USA 1940, 130 Min, 16mm, DF Regie Alfred Hitchcock mit Joan Fontaine, Laurence Olivier, Judith Anderson, George Sanders, Florence Bates Samstag, DER ZWEITE ATEM (Le Deuxième Souffle) Frankreich 1966, 117 Min, 35mm, DF Regie Jean-Pierre Melville mit Lino Ventura, Paul Meurisse, Raymond Pellegrin, Christine Fabrega Freitag, DIE TOTEN (The Dead) Großbritannien / USA / Deutschland 1987, 83 Min, 35mm, DF Regie John Huston mit Anjelica Huston, Donal McCann, Helena Carroll, Cathleen Delany Freitag, 9.8. LETTER FROM AN UNKNOWN WOMAN USA 1948, 87 Min, 16mm, OF Regie Max Ophüls mit Joan Fontaine, Louis Jordan Samstag, VERGISS MEIN NICHT! (Eternal Sunshine of the Spotless Mind) USA 2004, 115 Min, 35mm, DF Regie Michel Gondry mit Jim Carrey, Kate Winslet, Kirsten Dunst, Mark Ruffalo, Elijah Wood

3 choices-thema. 5 URBAN GARDENING Grünfläche und Schrebergarten war gestern, der aktuelle Trend heißt Urban Gardening 6 Themeninterviews Betreutes Gärtnern Unser Gemüse ist Allgemeingut.de Mehr Meinung. Service. Hintergrund. In NRW. empfehlen weitersagen kommentieren Alle Texte. Ihre Stimme. Filmkritik im FORUM. Bühne. 8 Premiere Drama Köln über Hotel Köln und darüber, wie die ganze Stadt zur Herberge wird 9 Oper Köln 10 Theaterleben Start der neuen Spielzeit Komikzentrum Köln-Bonn Helge Schneider und Nickelodeon lassen die Puppen tanzen 11 Atelier Theater 12 Auftritt Das Festival Impulse ist politischer geworden 13 Senftöpchen 15 Theater-Kalender Köln-Bonn Kultur in NRW. überregional 12 Tanz in NRW Le Sacre du Printemps im Tanzhaus NRW 14 Oper in NRW Mariame Clément inszeniert Mozart in Dortmund Musical in NRW Freiluft-Theater bieten gute Unterhaltung Popkultur in NRW Duisburg als Popmetropole des Ruhrgebiets Literatur. Wortwahl/ComicKultur Buch- und Comic-Tipps im August Textwelten Geert Mak und Donald Ray Pollock sezieren Amerikas Niedergang Kino. KULTUR.KINO.KÖLN. 25. Jhg. I August culture clubs Lieblingsfilm: Der unsichtbare Dritte Kino-Café: Nachtzug nach Lissabon 19 Film-ABC Vorspann 20 choice of choices La Grande Bellezza Eine sommerliche Liebeserklärung an Rom Paolo Sorrentino 21 Kölner Kritikerspiegel Kino-Kalender 22 OFF Broadway 23 Weisshaus 24 Hintergrund The Look of Love 25 Odeon 26 weitere Film-Kritiken 27 Filmpalette 29 Cinenova 30 Festival Kinderfilmfestival im Metropolis 31 Roter Teppich Armie Hammer im Interview WOKI 32 Festival Die 29. Bonner Stummfilmtage Foyer NRW-Kurzfilmfestival der Schulen im Cinedom & Filmhaus / Systemfehler Wenn Inge tanzt im Cinedom / Points of View in der Filmpalette 33 Rex 35 Filmnächte auf dem Museumsdach 37 Festival Die Filmbar beschäftigt sich vom 2. bis mit Vergangenem und Verdrängtem 40 Metropolis Gespräch zum Film Aron Lehmann über seinen Film Kohlhaas oder die Verhältnismäßigkeit der Mittel Musik. 42 Kompakt Disk CD-Neuerscheinungen im August Unterhaltungsmusik Konzerttipps im August 43 Musik-Kalender Kunst. 44 Kunst in Köln Paul Thek in der Jahresausstellung des Kolumba 45 Kunst in NRW Hans Salentin in Mülheim und Leverkusen 46 Kunst-Kalender Köln Kunstwandel EVO Frauen in den Weltregionen im Bonner Frauenmuseum choices Spezial. 4 Intro 46 Auswahl Veranstaltungstipps im August 47 Impressum Lesen Sie mehr auf Dieses Icon zeigt Ihnen den Weg. BÜHNE Auftritt KINO choice of choices MUSIK Unterhaltungsmusik KUNST Kunst in Köln Der (kommende) Aufstand nach Friedrich Schiller Robin Junicke Foto: Lothar Schnepf; KOLUMBA, Köln; Nachlass Paul Thek 44

4 Intro.de August 2013 choices + choices.de Im Doppelpack mehr Service, Meinung und Hintergrund Thema Bio-Gemüse aus Eigenanbau Katrin Ivanov gartenglück erläutert das Prinzip der GemüseSelbstErnte und wie man hierdurch mit der Zeit zum ausgebildeten Bio-Gärtner wird. Katrin Ivanov Thema Mobile Gärten in Köln-Kalk Pit Giesen und Pauline Rieke haben vor zwei Jahren die Pflanzstelle Köln-Kalk gegründet. Das Kölner Equivalent zu den Prinzessinnengärten in Berlin ist ein Mitmachgarten mit mobilen Pflanzkästen. Pit Giesen Foto: privat Theater Alternative zum Sommerurlaub Die eigene Stadt mit anderen Augen sehen und vielleicht noch mal ganz neu kennenlernen das ist die Idee hinter dem Projekt Hotel Köln Philine Velhagen und Jan Holtmann. Philine Velhagen Foto: Drama Köln Film Fürs Publikum, nicht für die Branche Regisseur Aron Lehmann über seinen Film Kohlhaas oder Die Verhältnismäßigkeit der Mittel und darüber, wie die Parallelen zwischen Regisseur und dem Protagonisten zu deuten sind. Aron Lehmann Foto: Peter Jeschke Film Modernes Heldentum Armie Hammer über die Zusammenarbeit mit Johnny Depp und warum Helden auch heutzutage noch Masken tragen müssen Im Naturdarm Alles Wurscht! Foto: Francis Lauenau Chorweilers niedrigpreisige Gastronomie bietet manche Überraschung. In einer Pizzeria, die auch Gyros, Nasi Goreng und Döner anbietet und einem freundlichen Mann türkischer Abstammung betrieben wird, bestellte ich mir einen Hamburger. Am Nebentisch lungerten eine Handvoll Rentner in den Plastikgartenstühlen. Vor ihnen auf dem Tisch dufteten noch die Reste ihres opulenten Mahls, Jägerschnitzel und Pommes. Nur ein Spalier, bepflanzt mit Weinreben aus Kunststoff, trennte mich den Senioren. Der Wortführer jener Silbernacken erzählte detailgetreu der Darmspiegelung, die er am Tag zuvor absolviert hatte. Die farbliche Gestaltung des Untersuchungsgeräts, das in der Erzählung gerade seinen Körper wieder verließ, beschrieb er mit Hingabe, und er scheute auch eine mehrmalige Wiederholung des Berichts nicht. Ich konnte nicht anders. Ich ging zu jenem Herrn und fragte ihn, ob ich auf seinen Tisch speien dürfe. Die Empörung war groß. Nur der Betreiber der Pizzeria gab mir, nachdem ich gezahlt hatte, freundlich die Hand und bedankte sich bei mir. Manchmal frage ich mich, ob die Integration deutschstämmiger Bürger in unsere Gesellschaft wirklich gelingen kann. Immerhin verläuft das Leben in der Stadt an anderen Orten idyllischer: Gerade im Sommer ist Köln für seine Lebensqualität berühmt, nicht zuletzt wegen der vielen Grünanlagen. Das choices-thema URBAN GARDENING wirft einen Blick auf Schrebergärtner & Co. Dort findet gerade ein Generationswechsel statt. Junge Leute interessieren sich mittlerweile nicht mehr nur für die Aufzucht und Pflege Hanf, sondern begeistern sich für alle Arten Zier- und Nutzpflanzen und deren Anbau. Das Ganze hat vor allem auch einen gesellschaftspolitischen Background. Inzwischen wird mitten in der Stadt demokratisch, ökologisch und sozial gegärtnert. Urlaub in der Stadt bietet übrigens das Projekt HOTEL KÖLN DRAMA KÖLN. choices sprach mit dessen Initiatoren PHILINE VELHAGEN und JAN HOLTMANN über den außergewöhnlichen Wohnungstausch in der heimischen Region mit künstlerischem Anspruch. Künstliche Fleischbrocken und Altarräume präsentieren zwei Ausstellungen im KOLUMBA. Auf das abschließende Urteil unseres scheidenden Kardinals darf man gespannt sein. Ein Skandal war bereits vor 100 Jahren die Aufführung des Balletts LE SACRE DU PRINTEMPS. Es kam zu einer Massenschlägerei. Friedlicher wird wahrscheinlich die aktuelle Inszenierung im TANZHAUS NRW in Düsseldorf verlaufen. Wer alte Filme mag, wird den August lieben. Die 29. INTERNATIONALEN STUMMFILMTAGE BONN öffnen ihre Pforten. Ganz still ist Hitchcock zu sehen. Mit der Opernstimme des Kabarettisten NORBERT ALICH wiederum wird die Urversion CARMEN gewürzt. Über den Dächern Köln genauer: auf dem Dach des MUSEUM LUDWIG zeigt die FILMBAR unter dem Titel OUT OF THE PAST Filme, die sich ums Vergessen, Verdrängen und Erinnern ranken. Auch im choices-film des Monats, LA GRANDE BELLEZZA, wird ein alternder High Society-Kolumnist mit verdrängten Erinnerungen konfrontiert. Dabei zeigt sich Rom als eine der schönsten Städte der Welt, und dessen Gesellschaft als eine der korruptesten der Welt. LUTZ DEBUS Armie Hammer Foto Inhaltsverzeichnis: Amélie Kai 4

5 Thema Keine Pflanze ist illegal Vom Urban Green zum Urban Gardening Selbst in die Hand genommen: DIY-Gärtnern in der Großstadt, Foto: Amélie Kai Köln ist schon länger eine grüne Stadt. Mit rund 800 Hektar ist der Äußere Grüngürtel die größte städtische Grünanlage die Hälfte da Wald. Der Innere Grüngürtel soll dazu in nächster Zeit weiter ausgebaut werden. Von 26 Hektar neuem Grün allein für die Südstadt ist die Rede. Doch inzwischen entsprechen die Parks nur noch bedingt den Wünschen der heutigen Kölner. Die Ansprüche der Bürger an das kommunale Grün nehmen immer mehr zu, weiß Dr. Joachim Bauer, im städtischen Gartenamt zuständig für Stadtgrün und Forst. Grünfläche war gestern. Heute ist Urban Gardening angesagt. Es geht um eine neue Gestaltung Stadtlandschaft wobei darunter auch Balkons, Dächer oder Terrassen fallen. Wenn der Boden verseucht ist oder auch nur vorübergehend nutzbar, weicht man auf mobile Pflanzkisten und transportable Hochbeete aus. Und dem Guerilla-Gärtner ist für das Ausbringen Samen keine Fläche zu klein. Sogar die traditionellen Schrebergärten, vor kurzem noch als muffig und spießbürgerlich verachtet, erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Es soll hier sogar schon Wartelisten geben. In jedem Fall ist der Bestand dieser Flächen in Köln zu 83% auf Dauer durch das Bundeskleingartengesetz gesichert. Dank der neuen Interessenten dürfte das Durchschnittsalter der Pächter und Eigentümer der Gärten allmählich auf die magische 50 sinken. choices-thema im August: Urban Gardening Grünfläche und Schrebergarten war gestern, der aktuelle Trend heißt Urban Gardening. Erlaubt ist, was Spaß macht. Handelt es sich um eine subkulturelle Bewegung, oben gelenkte Stadtplanung oder elitären Zeitvertreib der biobewussten Mittelklasse? Urbane Gärtner Kleingärten gibt es in deutschen Städten seit mehr als 200 Jahren. Schon die ersten Armengärten sollten billig und gesund Ernährungslücken schließen, die ihnen nachfolgende Gartenbewegung mühte sich dazu um den Aufbau innerstädtischer Parks ebenso wie um die Errichtung Schulgärten. Initiator der fast schon ökologischen Initiative war ein Schuldirektor namens Ernst Innozenz Hauschild und nicht etwa der Namensgeber der dann sogenannten Schreber- Gärten. (Moritz Schreber hingegen war eher an der Aufzucht des perfekten Menschen als an der Aussaat Möhren interessiert, galt allerdings als Volksaufklärer. Ihm zu Ehren benannte Hauschild seine Idee nach Schreber.) Jedenfalls war der Trend zu der privaten wie der öffentlichen Gartenanlage in der Stadt nicht mehr zu stoppen. Der Wunsch nach eigenem Gemüse, nach Erholung und Entspannung daheim im Grünen trotzte sogar der autogerechten Stadt. Mit den ersten interkulturellen Gärten tauchte Mitte der 1990er Jahre ein neuer Nutzertyp auf. Ein gutes Fünftel der Kölner hat einen Migrationshintergrund, manch einem fehlte es, die Erde mit eigenen Händen zu bearbeiten, wie es der 2005 gegründete Interkulturelle Garten Köln e.v. formulierte erhielt die einem breiten kommunalpolitischen Bündnis unterstützte Initiative sofort den Ehrenamtspreis der Stadt. Ein anderer Anstoß zu der aktuellen neuen Gartenbewegung kam ebenfalls aus der Ferne. Zu Zeiten, da Köln sich noch zusammen mit New York als Weltkunstmetropole feierte, waren jenseits des Atlantiks schon die ersten Green Guerillas unterwegs. Die Motive für die Einrichtung der ersten Community Gardens ( Gemeinschaftsgärten ) in New York City erinnern an die frühen Anfänge hierzulande. Sie entstanden vor allem in sozial schwachen Stadtteilen und sollten helfen, die allgemeine Lebensqualität vor Ort zu verbessern. Es ging um die Kombination Ernährung und Ökologie, Gesundheit und sozialem Engagement. Es wurde nicht nur gepachtet, sondern auch besetzt, man wollte nicht nur mobile Gärten, sondern Grünflächen inklusive deren landwirtschaftlichen Nutzung auf Dauer bis hin zu der Einrichtung innerstädtischer Bauernmärkte. Operation Grüner Daumen In den letzten Jahren ist auch in Köln die Zahl der Menschen und Gruppen, die sich dem urbanen Gärtnern in seinen vielfältigen Varianten verschrieben haben, stetig gewachsen. In Ehrenfeld zum Beispiel ist das Design Quartier Ehrenfeld DQE aktiv und möchte für viele offene grüne Flächen sorgen. Leider fehlt in Ehrenfeld vor allem eines: Grün., konstatiert der Kulturmanager David Brocchi. Mittlerweile ist Urban Gardening fester Bestandteil Creative City. In der Südstadt und in Kalk bewirtschaften Neuland und die Pflanzstelle mobile Gärten. An der Uni sorgt sich der Nachwuchs um den Campus-Garten, über den Dächern Chorweiler erntet eine Seniorengruppe demnächst himmelnahe Kartoffeln. Es gibt gartenglück und Balkonkarawane, dazu Dienstleistungen fürs ökologische Pflanzen aller Art. Im Herbst wollen Stadt und LVR sogar einen Rundweg nebst Wanderkarte zum Thema vorstellen. Die Botschaft über alldem: Die Gärten sind Teil der Stadt und kein Gegensatz zu ihr; sie wirken mitten im Quartier als öffentliche und kommunikative Begegnungsstätten. Bürgerschaftliches Engagement gehört natürlich dazu hier wie in New York oder Hamburg, Hanoi, Singapur oder Havanna. TEXT/INTERVIEW: WOLFGANG HIPPE Lesen Sie auch über Essbare Städte Andernach bis Zürich sowie das Interview mit Pit Giesen und Pauline Rieke über die Pflanzstelle in Köln-Kalk unter 5

6 Thema Betreutes Gärtnern Katrin Ivanov über Urban Gardening, Knowhow und Dienstleistung Privatsache statt Gemeinschaftsprojekt: Urban Gardening über den Dächern der Stadt., Foto: Mira Moroz choices: Frau Ivanov, Urban Gardening als Dienstleistung. Geht das? Katrin Ivanov: Das, was wir machen, ist ja nur ein Aspekt des urbanen Gärtnerns. Die Bandbreite ist riesig. Bei der GemüseSelbstErnte gehört die Dienstleistung zum Konzept. Ohne einen Landwirt, der die Gärten anlegt, würde es nicht funktionieren. Gärtnern ist in. Sie betreuen Gemeinschaftsgärten. Was passiert da? Zutreffender ist für uns die Bezeichnung GemüseSelbstErnte. Mit unserem Konzept bieten wir auch Menschen ohne eigenen Garten und ohne Vorkenntnisse die Möglichkeit, sich in gewissem Maße selbst zu versorgen. gartenglück ist also eine Art betreutes Gärtnern : Wir vergeben fertig bepflanzte Gemüseparzellen gegen einen einmaligen Saisonbeitrag. Ab dem Moment der Garten-Übergabe Anfang Mai sind die frisch gebackenen Gärtner selber für ihr Gemüse zuständig. Wir stellen Gießwasser, Gartengeräte und Infos rund ums jahreszeitlich aktuelle Gartengeschehen zur Verfügung. Außerdem finden ein- bis zweimal wöchentlich Beratungen statt. Während der Beratung sind wir vor Ort, beantworten Fragen und geben jede Menge Tipps rund ums Gärtnern. Außerdem können die Gärtner Bio-Pflanzen und Bio-Saatgut uns beziehen, um abgeerntete Reihen neu zu bepflanzen. gartenglück ist biozertifiziert, und wir sind Mitglied beim Bioland- Verband. Wo liegt der Unterschied zu normalen Schrebergärten? Das Konzept ist ein völlig anderes im gartenglück geht es darum, sich durch die Hege und Pflege des eigenen Bio-Gemüses möglichst selbst zu versorgen. Wer einige Jahre im gartenglück dabei ist, hat eine gärtnerische Grundausbildung! Ist das soziale und ökologische Potential Urban Gardening aus Ihrer Sicht noch steigerungsfähig? In jedem Fall! Die verschiedenen Initiativen und Akteure, die sich in Köln mit urbanem Gärtnern beschäftigen und sich unter dem Namen NUGK Netzwerk Urbanes Grün Köln zusammengeschlossen haben, erfahren großen Zulauf. Was gartenglück betrifft: Wenn wir wollten, könnten wir noch weitere Standorte eröffnen. Doch mit 700 Gärten haben wir eine Größe erreicht, bei der wir bleiben möchten. ZUR PERSON Katrin und Evgeny Ivanov sind Diplomingenieure und betreiben neben einem Bio-Bauernhof im Bergischen Land das Projekt GemüseSelbstErnte gartenglück. Foto: privat Tragödie oder Happy End? Eine (sehr) kurze Geschichte des Gartenbaus als Gemeingut Gemeingüter haben Konjunktur. Nicht nur im Gartenbau, auch in der Wissenschaft (Open Access) oder in der Software (Open Source). Allen gemeinsam ist ein historisches Vorbild. Seit dem Mittelalter hatte fast jede Gemeinde Ackerflächen, die allen Bewohnern gemeinsam bewirtschaftet werden konnten die sogenannte Allmende. Diese Periode kam mit den sogenannten Einschließungen, dem Übergang des gemeinsamen Ackerlands in Privateigentum, im 18. und 19. Jahrhundert an ihr Ende. Für den britischen Sozialhistoriker E.P. Thompson waren diese Einschließungen eine perfide Taktik. Zum einen konnten Großbauern auf diese Art ehemals gemeinsam bewirtschaftetes Land unter ihre Kontrolle bringen, zum anderen stand die Landbevölkerung, wenn sie einmal ihrer Lebensgrundlage beraubt war, als billige und willige Arbeitskraft für die neuen Minen und Fabriken zur Verfügung. Andere Historiker wiederum sahen im damit verbundenen Ende der Selbstversorgungslandwirtschaft eine notwendige Voraussetzung, um Probleme der Versorgung mit Lebensmitteln in den Griff zu bekommen. Bis heute werden im Streit zwischen den Anhängern der Gemeingüter und ihren Gegnern ähnliche Argumente ausgetauscht. Garrett Hardin schreibt in seinem vielbeachteten Aufsatz The Tragedy of the Commons, dass eine Gemeingüterwirtschaft zum unausweichlichen Verfall der Allmende und einem ökologischen Raubbau führt, weil sich einzelne auf Kosten der Gemeinschaft bereicherten. Deshalb sei der Privatbesitz eine brauchbare Alternative. Befürworter der Gemeinwirtschaft wie die Ökonomin Elinor Ostrom verweisen dagegen auf eine effiziente Verwaltung der Allmende in kleinen Einheiten, z. B. Kommunen. Auch freie und Open Source- Software wird immer wieder als Argument für eine funktionierende Allmende angebracht. Und das neueste, ein wenig handfestere Beispiel der Befürworter sind Gemeinschaftsgärten wie die Pflanzstelle in Kalk. 6 Zurück zur Geschichte. Das Problem der schlechten Versorgungslage der zu Industriearbeitern gewandelten Landbevölkerung war auch nach dem Ende der gemeinschaftlichen Subsistenzwirtschaft nicht gelöst. Niedrige Löhne machten eine teilweise Selbstversorgung mit Lebensmitteln notwendig, lange Arbeitszeiten erschwerten sie. In der Arbeiterbewegung wurde deshalb die Frage der Selbstversorgung wieder thematisiert mit durchaus unterschiedlichen Ergebnissen. Ein reformistischer Flügel propagierte städtebauliche Veränderungen. Die Gartenstadtbewegung sah vor, im Grünen auf ehemaligem Ackerland neue Städte zu bauen, die sowohl private Gärten als auch gemeinsam genutzte Gartenflächen einschloss. Damit beeinflusste sie den Arbeitersiedlungsbau bis weit in die Weimarer Republik hinein. Für den anarchistischen Flügel war Selbstversorgung Teil der Wiederaneignung der Produktionsmittel, und auch wenn sie sich damit nicht in der historischen Arbeiterbewegung durchsetzen konnten, inspirierten Neo- Anarchisten wie Colin Ward die aufkommende Landkommunenbewegung in den 1970ern. Und die Schrebergärten? Die hat sich ein Leipziger Lehrer um 1860 als Beschäftigungsmöglichkeit für spielende Arbeiterkinder ausgedacht. Mit Gemeingut haben sie nichts zu tun. CHRISTIAN WERTHSCHULTE

7 Der Kumpeltyp unter den BahnCards: Bis zu 4 Freunde 25 % günstiger mitnehmen. Verlängert sich ohne rechtzeitige Kündigung vor Laufzeitende automatisch um ein Jahr (reguläres BahnCard 25-Abo). Die Probe BahnCard Nur 29 Euro. Fünfmal günstiger reisen: Mit der Probe BahnCard sparen Sie und bis zu 4 Freunde 25 % auf jeder Fahrt. Und das 4 Monate lang. Vom 1.7. bis überall, wo es Fahrkarten gibt, und auf Die Bahn macht mobil.

8 Premiere Begehbare Schlüssellöcher Drama Köln über Hotel Köln und über die zur Herberge werdende Stadt choices: Frau Velhagen, Herr Holtmann, es sind Ferien, schönstes Sommerwetter und wir bleiben zu Hause. Das neue Projekt Drama Köln schlägt vor, sich im Hotel Köln einzumieten. Philine Velhagen: Wenn man in einer anderen Stadt zu Besuch ist, passieren einem eher ungewöhnliche Dinge. Man läuft mit anderen Augen durch die Gegend, ist neugieriger und offener. Das liegt daran, dass ich mit einer anderen Einstellung herangehe. Die Idee Hotel Köln ist, das auf die eigene Stadt zu übertragen. Dass man seine eigene Wohnung oder sein Zimmer zur Verfügung stellt und sich gleichzeitig bei anderen einquartiert, ist der Versuch, einen anderen Blick auf vermeintlich Vertrautes zu werfen. Wenn man im Hotel Köln eincheckt, setzt man also eine Verfremdungsbrille auf? Velhagen: In dem Moment, in dem man seinen Wohnungsschlüssel abgibt und einen neuen Schlüssel und eine Adresse bekommt, beginnt das Wagnis. Das sorgt für mehr Adrenalin, als nur zu sich nach Hause zu gehen. Jan Holtmann: Wenn man eingecheckt hat und die Rezeption verlässt, wird die ganze Stadt zum Hotel. Man verfällt sicher immer mal wieder in seinen alten Trott, doch die Überlegung, wo man heute übernachtet, lässt die Vertrautheit kippen. Was passiert an der Rezeption? Velhagen: Man muss sich entscheiden, wie lange man in einer fremden Wohnung übernachten möchte, das geht einer bis zu zwölf Nächten. Das Hotel wächst natürlich mit den Gästen, je mehr mitmachen, desto größer das Angebot. Dann kann man entscheiden, ob man in einer Wohnung bleibt oder verschiedene kennenlernen will. Kann man sich die Zimmer oder Wohnungen auch nach Kategorien aussuchen? Holtmann: Es kann nur jemand einchecken, der im Gegenzug sein eigenes Bett zur Verfügung stellt. Man wird also selbst zum Hotelier. Es lässt sich allerdings nicht organisieren, wenn jemand unbedingt im Hochhaus übernachten will. Wenn jemand dort landet, ist das eine Überraschung. Deshalb ist es gut, oft zu wechseln. Das Haus in Rodenkirchen mit Garten und Pool ist genauso eine in sich stimmige Suite, wie auf einer Pritsche im Bauwagen zu liegen. Jede Wohnung ist in sich perfekt Velhagen: Wir werden wie jedes Hotel versuchen, die Wünsche der Gäste zu erfüllen. Das ist Sache des Hotel-Rezeptionisten. Ich fände es schön, wenn sich an der Rezeption ein Gespräch über die Wünsche ergibt, schon um zu verhindern, dass jemand in seinem eigenen Viertel landet. Kann ich demjenigen, in dessen Wohnung ich übernachte, begegnen, oder bleibt es anonym? Velhagen: Wir haben nicht die Absicht, Wohnungsgeber und Gast gezielt zusammenzubringen. Man kann sich Nachrichten hinterlassen, man kann sich in der Hotelbar zufällig treffen. Vielleicht gerät man in eine WG mit Anschluss an andere Mitbewohner. Holtmann: Als Möglichkeit wollen wir auch Halbpension anbieten, bei der man am Abend nach dem Besuch mit dem Wohnungsgeber zu Abend isst. Wie theatral ist Hotel Köln? Velhagen: Hotel Köln ist ein Theaterstück, das sich selbst kreiert. Wir setzen nur den Rahmen, in dem es stattfindet. Jeder Teilnehmer ist sein eigener Createur. Es funktioniert aber auch, die andere Wohnung als Bühne zu behaupten, auf der nur Requisiten vorhanden sind, aber keine Schauspieler. Meine Gedanken über den Wohnungsbesitzer bleiben natürlich immer Fiktion. Holtmann: Der Besucher ist nicht nur Zuschauer, sondern er beobachtet sich auch selbst. Er wird so zum Akteur, der seinen Bekannten später seinen Erlebnissen berichtet. Das sind eigene Miniaufführungen, selbst wenn man seine Tage in der anderen Wohnung nur mit dem Durchhören einer Plattensammlung verbringt. Das letzte Projekt we watch you watch hat implizit auch auf die Debatte vom gläsernen Menschen angespielt. Dürfen jetzt Fremde noch weiter in die Privatsphäre anderer eindringen? Velhagen: Bei we watch you watch lag der voyeuristische Aspekt darin, dass Schauspieler unterschiedlichen Passanten bestimmte Gedanken unterstellt haben. Bei Hotel Köln entwickelt der Gast angeregt durch die Einrichtung Fantasien über den Wohnungsgeber. Indem ich meine Wohnung öffentlich mache, verwischen sich natürlich die Grenzen zwischen privat und öffentlich. Mobiler Ort des Hotel Köln, Foto: Drama Köln Holtmann: Man macht sich zwar ein Bild der Person, und die Wohnung wird so zum begehbaren Schlüsselloch. Aber die eigene Haltung verwandelt den Raum, in dem man zu Gast ist, wahrscheinlich eher in ein Museum, in dem man sich nicht traut, irgendetwas anzufassen. Wie viele Anmeldungen gibt es bis heute? Holtmann: Es gibt bisher zehn bis fünfzehn Anmeldungen. Seit Mai weihen wir bereits mit unseren mobilen Bars potentielle Funktionsorte des Hotels ein wie einen Friseursalon oder eine Minibar. Dadurch wächst das Hotel kontinuierlich. Ist es nicht ein Luxus, in der eigenen Stadt das Hotel aufzusuchen? Holtmann: Wir sind ein Verschwendungsprojekt. Wir verschwenden Zeit. Außerdem ähnelt die Situation, ständig in eine neue Wohnung umzuziehen, einer Handlungsanweisung zum Flanieren. Velhagen: Manche sagen, das sei wie Couchsurfing, aber das würde man nicht in der eigenen Stadt machen. Das machst du ja aus einem praktischen Grund, weil du in einer anderen Stadt ein Konzert besuchst oder ein Praktikum machst. Dass man das in der eigenen Stadt macht, darin liegt das Absurde, und deswegen ist es verschwendete Zeit. INTERVIEW: HANS-CHRISTOPH ZIMMERMANN Hotel Köln ab Info und Reservierungen: oder ZUR PERSON Philine Velhagen arbeitet seit einigen Jahren als freischaffende Theater- und Hörspielregisseurin in Köln und München. Projekte realisierte sie u.a. am Pathos transport theater, Garage X Wien, FFT Düsseldorf. Seit Anfang 2012 leitet sie Drama Köln. Foto: privat Jan Holtmann ist freischaffender Künstler in Hamburg, er leitet die noroomgallery und lädt regelmäßig illustre Gäste zu seinem KunstHasserStammTisch ein. Foto: Simone Scardovelli 8

9 Das Freiluft-Festival im Kölner Friedenspark Fr :00 Nosferatu Sa :00 Nosferatu So :30 Der Brandner Kaspar Mo :30 Romeo und Julia Di :30 Der Schimmelreiter Mi :30 Michael Kohlhaas Infos unter Karten ab 13,50 Euro an allen KölnTicket-Vorverkaufsstellen und an der Abendkasse. Auch bei Ausverkauf im KölnTicket-Vorverkauf wird es für jede Vorstellung ein begrenztes Kartenkontingent an der Abendkasse geben. DESIGN OPER / spielzeit \ KÖLN TOSCA / PUCCINI WA 15. SEP WOZZECK / BERG WA 29. SEP EUGEN ONEGIN / TSCHAIKOWSKIJ PR 20. OKT ALCINA / HÄNDEL WA 26. OKT LEONCE UND LENA / TANZGASTSPIEL 07. NOV RIGOLETTO / VERDI WA 22. NOV MUSIK / LANGEMANN UA 07. DEZ HÄNSEL UND GRETEL / HUMPERDINCK WA 15. DEZ DIE FLEDERMAUS (KONZERTANT) / STRAUSS PR 29. DEZ DIE MACHT DES SCHICKSALS / VERDI WA 18. JAN SAMSON UND DALILA / SAINT-SAËNS WA 16. MÄR JAKOB LENZ / RIHM PR 22. MÄR DER FREISCHÜTZ / VON WEBER PR 12. APR OTELLO / VERDI PR 18. MAI 2014 DER LIEBESTRANK / DONIZETTI PR 22. JUN TANZGASTSPIEL II KARTENSERVICE DER BÜHNEN KÖLN IN DEN OPERN PASSAGEN OFFENBACHPLATZ KÖLN 9 KARTEN UNTER

10 Theaterleben Komikzentrum Köln-Bonn Bunbury/Oscar Wilde, Foto: theater im bauturm Freies Schauspiel Köln Theaterfrei Zur neuen Spielzeit Der August ist fast theaterfrei, die meisten Kölner erstmal ausgeflogen. Doch bereits ab 28. August wartet das Hotel Köln auf alle Heimkehrer, die ihre eigene Wohnung weiterhin meiden wollen: Das Kölner Ensemble DRA- MA Köln eröffnete die einzelnen Dienstleistungsbereiche seiner Herberge Friseursalon, Parkdeck oder Minibar bereits im Mai mit kleinen Veranstaltungen. Nun startet endlich der eigentliche Hotelbetrieb : HOTEL KÖLN lädt alle Kölner dazu ein, an 10 Tagen im Spätsommer ihre eigene Stadt zu besuchen und in der Wohnung eines anderen Kölners zu übernachten. Dabei stellt jeder teilnehmende Gast seine eigene Wohnung oder ein Zimmer seiner Wohnung zur Verfügung. Das temporäre Hotelzimmer ist die Wohnung oder das Zimmer eines anderen Kölners, so die Ankündigung. Weitere Infos zum kultverdächtigen Heimaturlaub gibt es unter Das Leben ist ernst, Ernst heißt es dagegen ab im theater im bauturm an der Aachener Straße. Thomas Ulrich inszeniert hier mit seinen Acting Accomplices eine surreale Tour d amour nach Oscar Wildes Salonkomödie, die meistens mit Bunbury betitelt ist (www.theater-im-bauturm.de). Neu an den Start geht Heinz Simon Keller als Leiter des theater der keller in der Kleingedankstraße: eröffnet wird am 13. September mit Theresia Walsers Eine Stille Für Frau Schirakesch einer Groteske über Talkshows, die nur noch Leere produzieren und die westliche Diskussionskultur zu Grabe tragen in Kellers eigener Regie. Gefolgt Waisen (Dennis Kelly) am 20. September in der Regie Sandra Reitmayer einem Thriller über ein Trio, das bürgerliche Wertvorstellungen in einem Stadtviertel aufrechtzuerhalten versucht, wo es sich selbst kaum noch auf die Straße traut (www. theater-der-keller.de). Es scheint also wehrhaft weiterzugehen im keller, dem der Theaterbeirat jüngst weitere Mittel aus dem Feuerwehrtopf Konzeptionsförderung bis Ende 2014 zugesagt hat. Zum symbolischen Datum startet das Kölner Ensemble A.TONAL. THEATER im COMEDIA Theater mit Me, Myself & I: AMPHITRYON nach Heinrich Kleist in die neue Spielzeit: Was bleibt, wenn einem alles genommen wird, wenn selbst das Ich abhandenkommt?, lautet hier die Ausgangsfrage. Kleists Reflektion einer existenziellen Verunsicherung ist gerade in Zeiten des Web 2.0 mit seinen Social Media-Angeboten, PRISM- Spionageprogrammen und Formen des Cyber-Mobbings hochaktuell. Denn: Das Ich tritt heute nicht mehr mit einem Double aus der antiken Götterwelt in Konkurrenz, sondern mit dem Alter Ego aus dem Internet (www.comediakoeln.de). Last but not least... nein ziemlich am Anfang des Premierenreigens in der Freien Szene steht am 4. September die Premiere des Analogtheater in der Studiobühne Köln. BEING PHILOTAS Wofür es sich zu sterben lohnt erblickt hier in der Regie Daniel Schüßler das Licht der neuen Spielzeitwelt. Angekündigt wird eine Sehnsuchtsparty für Heimatlose nach G. (Gotthold) E. (Ephraim) Lessing (www.studiobuehne-koeln.de). Die Freien Theater und Gruppen gehen also trotz ihrer stiefmütterlichen Behandlung durch die Kölner Politik mit breitgefächertem Programm in die neue Spielzeit und freuen sich auf möglichst viele braungebrannte, theaterhungrige Kölner... JÖRG FÜRST Hat Liebe und Musik in den Fingern: Helge Schneider, Foto: Agentur Liebe, Sex und Sonnenbrand Helge Schneider und Nickelodeon lassen die Puppen tanzen Nicht viel los in der Region: Der Sommer hinterlässt seine Spuren und zeigt sich gnädig mit all jenen, die es vorziehen, sich in heimischen Gefilden zum Grillhähnchen zu machen außen braun und knusprig, innen zart und weiß. Schmeckt, wackelt und hat Luft. Oder so ähnlich. Könnte glatt Helge Schneider stammen, der im Rahmen seiner Tournee With love in my fingers & Bunte Sommerabende mit Musik und Quatsch am 4. August auf dem KunstRasen in Bonn-Gronau und am im Kölner Tanzbrunnen unter freiem Himmel auftritt. Mal sehen, was er sich diesmal einfallen lässt, um seine Zuschauer zu entzücken, zu unterhalten und zum Lachen zu bringen. Wenn einer sich Musik-Clown nennen darf, dann er. Wobei damit nicht das rührselige, weiß geschminkte Tränentier gemeint ist, sondern ein Künstler, der sich seine Kindheit in die Tasche gesteckt hat und schnell weggelaufen ist, als man ihn zum Erwachsenen machen wollte. Fest steht auf jeden Fall, dass er wieder viel Musik dabei hat, die bezaubernde Beatboxerin Butterscotch, die Puppenspielerin Suse Wächter und natürlich seine Band. In der Juli-Ausgabe habe ich versprochen, auf Stephan Masurs Varietéspektakel Show Télévisé zurückzukommen, das im Kölner Senftöpfchen- Theater noch bis zum 10. August über die Bühne geht. Vom 13. bis 24. August gastieren die Artisten im Bonner Pantheon. Diesmal begeben sie sich auf die Spuren der Fernsehshows aus den 70er und 80er Jahren und nehmen Sendungen wie Verstehen Sie Spaß?, Dalli Dalli oder Am laufenden Band akrobatisch auf die Schippe. Da heißt es: Augen auf, staunen und bibbern. Ebenfalls im Senftöpfchen zu begutachten: Nickelodeon mit ihrem Programm für laue Sommerabende. Mit Costa del Love knüpfen Krissi Illing und Mark Britton an ihre legendäre Dinner for Two -Produktion 1990 an, in der sich das Paar seinerzeit nähergekommen ist. In den zweiten Flitterwochen geht es an die Küste der spanischen Riviera, wo die stark kurzsichtige Frau und ihr linkischer Gatte ihre inzwischen auf Sparflamme heruntergeköchelte Leidenschaft wieder neu entzünden wollen. Tatsächlich entwickelt sich die Reise im VW-Golf mit vielsprachigem Navi zu einer irrwitzigen Odyssee in ein Land namens Slapstick: Wilma bandelt mit einem Herrn aus dem Publikum an, William schnarcht in seinem Liegestuhl, ein Presslufthammer liefert zwischendurch die Geräuschkulisse, er trägt die englische Flagge als Shorts, aus der Kühlbox taucht eine Pistole auf und beide schlecken ihre Eistüten mit unnachahmlicher Lust leer. Sommer, Sex und Sonnenbrand heißt der Untertitel der komplett abgedrehten Aneinanderreihung Missgeschicken, die dem Betrachter die (Lach-)Tränen in die Augen treibt. In perfektem Timing werden hier die Irrungen und Wirrungen des Liebeslebens zelebriert, immer knapp am Rande zur Katastrophe. Wobei man nicht so genau weiß, über wen man sich mehr amüsieren soll: über die in den höchsten Tönen kieksende Wilma mit ihrer unzweideutigen Begehrlichkeit oder den tollpatschigen, Augen rollenden Briten William, dessen erotische Ausstrahlung in Socken und Sandalen ihren adäquaten Ausdruck findet. Kurz: Man muss das einer Midlife-Crises gebeutelte Paar einfach gesehen haben. Was im Übrigen auch für Fußpflege Deluxe gilt: so verwirrend der Name des Duos, so vielversprechend ihre Kurzauftritte im Rahmen Gratis und nicht umsonst im Atelier Theater (26. bis 29.8.) verspricht wie immer hoch und heilig die Ihnen stets ergebene ANNE NÜME 10

11 + AUGUST 2013 Liedfett Liedermachings Lieblingsköche Uhr Casino Paveier Füenf Phase»usjestöpselt«6 l A Cappella Uhr Kabarett Comedy Musik A Cappella Lesungen Theater Tanznächte King Rocko Schamoni Songs & Stories Uhr Ozan & Das Tunc neue "DA SIND WIR!" - Hybrid-Comedy Varietéspektakel Uhr»Show Frank Télévisé«Goosen »Heimat, Fußball, Uhr (18.8.: Rockmusik«17 Uhr) Uhr Casino 5 Frauen auf einenstreich Gerburg Jahnke & Gäste Nacht d. Komikerinnen Uhr 5. Offene Bühne Rheinland Uhr Aydin Isik WAHL oder QUAL 12.9.Casino Hortkind Nackt & Unplugged! Uhr Dittmar Bachmann Zu alt für diesen Scheiß 13.9.CASINO Ingo Appelt Frauen sind Göttinnen Uhr Habbe & Meik THE BEST Uhr Hans Gerzlich Boden-, Käfig-, Buchhaltung 15.9.CASINO die feisten die feisten kommen! Uhr Gernot Hassknecht Das Hassknecht-Prinzip Uhr Silvia Doberenz Erleuchtung für Anfänger 18.9.CASINO Tony Mono Die Tony Mono Worldtour Uhr Eva Eiselt Geradeaus im Kreisverkehr Uhr Pause & Alich»Oberwasser«21./25./27./29.9. Marek Fis»Baustelle Europa«- ein Pole packt ein/aus Uhr UNPLUGGED uhr Brückenforum KÄTHE LACHMANN Mit unschuldig durchtriebenem Humor begeistert sie uns seit Jahren. Diese Frau wird nie erwachsen. Gut so! Die verschmitzte Lachmann ist die lustigste LachFrau weit und breit. sa RENA SCHWARZ In unserer Sommer-Reihe gratis und nicht umsonst sucht Rena Schwarz charmant und schlagfertig den Traumprinzen - und findet sich selbst. Köstliches Kabarett für Hirn, Herz und Zwerchfell. mo bis do do : gratis und nicht umsonst: Murat Sen (Stand-Up-Comedy) fr : Hildegart Scholten: Grottenehrlich (Moment-Kabarett) 22.00: Gratis-Comedy mit Manuel Wolff sa : Käthe Lachmann: Ich werd' nicht mehr, ich bin ja schon (Kabarett) 22.00: Gratis-Comedy mit Manuel Wolff mo : gratis und nicht umsonst: Ulbtsmichel (Slam Petry & Comedy) di : gratis und nicht umsonst: Ulbtsmichel (Slam Petry & Comedy) mi : gratis und nicht umsonst: Ulbtsmichel (Slam Petry & Comedy) do : gratis und nicht umsonst: Ulbtsmichel (Slam Petry & Comedy) fr : Sylvia Brécko: Liebling, wir müssen reden (Kabarett) 22.00: Gratis-Comedy mit Ulbtsmichel sa : Monika Blankenberg: Altern ist nichts für Feiglinge (Gesellschaftskabarett) 22.00: Gratis-Comedy mit Petra Pansen mo : gratis und nicht umsonst: Monika Blankenberg (Gesellschaftskabarett) di : gratis und nicht umsonst: Monika Blankenberg (Gesellschaftskabarett) mi : gratis und nicht umsonst: Monika Blankenberg (Gesellschaftskabarett) do : gratis und nicht umsonst: Monika Blankenberg (Gesellschaftskabarett) fr : Manuel Wolff: Ui! (Musikkabarett) 22.00: Gratis-Comedy mit Bernd Budden sa : Jens Heinrich Claassen: Mama findet's lustig! (Musikkabarett) 22.00: Gratis-Comedy mit Bernd Budden mo : gratis und nicht umsonst: Rena Schwarz (Kabarett) di : gratis und nicht umsonst: Rena Schwarz (Kabarett) mi : gratis und nicht umsonst: Rena Schwarz (Kabarett) do : gratis und nicht umsonst: Rena Schwarz (Kabarett) fr : Rena Schwarz: Jung? Attraktiv... und übrig! (Kabarett) 22.00: Gratis-Comedy mit Alain Frei sa : Özgür Cebe: Der bewegte Muselmann (Stand-Up-Comedy) 22.00: Gratis-Comedy mit Alain Frei mo : gratis und nicht umsonst: Fußpflege Deluxe (Schauspiel-Comedy) di : gratis und nicht umsonst: Fußpflege Deluxe (Schauspiel-Comedy) mi : gratis und nicht umsonst: Fußpflege Deluxe (Schauspiel-Comedy) do : gratis und nicht umsonst: Fußpflege Deluxe (Schauspiel-Comedy) fr : Meltem Kaptan: desorientiert (Stand-Up-Comedy) 22.00: Gratis-Comedy mit Maria Vollmer Info-Tel.: Tickets: Pantheon Bundeskanzlerplatz Bonn 11 sa : Kristina Kruttke: i, Kruttke Ich kam, sah und singte (Kabarett) 22.00: Gratis-Comedy mit Maria Vollmer Ticket-Service: Roonstr Köln / Jetzt mit ONLINE-TICKETING! Theater-Beginn jeweils Uhr, Eintrittspreise: EUR 18/13 Mo. Sa. ab Uhr

12 Auftritt Tanz in NRW Schützen, Foto: Dieter Hartwig Verstörende Freundlichkeit Das Festival Impulse ist politischer geworden Es ist der klassische Morgen nach einem One-Night-Stand im Vollrausch. Marion S. steht in Slip und BH in ihrer Küche und versucht sich zu erinnern. War da ein Mann? Oder doch nicht? Sie testet die Hände der umstehenden Kollegen kein bekanntes Grabschgefühl. Aber woher kommt dann das Kondom? Graz Alexanderplatz verweist schon im Titel auf sein Vorbild, doch Franz Biberkopf ist hier weiblich und die Metropole zur Provinz geworden. Die Gruppe Theater im Bahnhof nutzt Döblins Romanstrategien und entwickelt daraus die Studie einer Frau. Marion S. driftet als gelernte Architektin mit gescheiterter Liebesbeziehung Billigjob zu Billigjob. Sie trifft sich mit anderen Frauen, erinnert sich an ihre Grundschulzeit, wandert durch die Stadt, hat einen Unfall, wird ausgenutzt alltägliche Vorgänge, die in kurzen Monologen verdichtet (Text: Pia Herzegger) und wechselnden Darstellerinnen vorgetragen werden. Dazwischen geschaltet sind Einlagen, die ein urbanes weißes Rauschen aus verlautbarter Werbung, männlichen Körperposen und Ordnungssystemen heraufbeschwören, die das Leben Marion S. grundieren. Ohne Larmoyanz entsteht das eindrückliche Bild einer prekären Existenz zwischen Unabhängigkeitsstreben, Bindungslosigkeit, Alkohol und Depression in einem städtisch-provinziellen Kontext. Die Impulse Theaterbiennale, die alle zwei Jahre in den Städten Köln, Düsseldorf, Bochum und Mülheim eine Bestenschau der Freien Szene abhält, ist unter der neuen Leitung Florian Malzacher deutlich politischer geworden. Das zeigten Produktionen zu den Folgen nationaler Gründungserzählungen (Yael Bartana: Zwei Minuten Stillstand), zum Stand des deutsch-deutschen Es wächst zusammen, was zusammen gehört (She She Pop: Schubladen) oder zur Historizität und Aktualität Aufständen (andcompany&co.: Der (kommende) Aufstand nach Friedrich Schiller / Tamer Yi it, Branka Prlic: Revolution Vakuum). Die künstlerischen Angänge waren dabei zwar denkbar unterschiedlich, doch die Vorliebe für die Molekül-Theaterkochkunst à la Gießen unverkennbar. So bei dem jungen dänisch-deutschen Duo Cecilie Ullerup Schmidt und Matthias Meppelink, das mit Schützen eine eindringliche choreographische Etüde über das Verhältnis Körper und Waffe präsentierte. Mit unwiderstehlicher Freundlichkeit führte Schmidt als Performerin Konzentrations- und Entspannungsübungen als Vorbereitung auf das Schießen vor; sie berichten eigenen Schießübungen bei der Berliner Schützengesellschaft 1882, stellen Verbindungen zwischen Release-Techniken beim Yoga und Schießen her. Fruchtbar gemacht werden die Erkenntnisse durch ihre Übertragung in tänzerische Elemente. Es geht schließlich um das Schießen selbst, das Jugendlichen demonstriert wird, und der dritte Teil handelt psychischen Störungen israelischer Soldaten. Alles mit einer verstörenden Gelassenheit und Sorge um das Publikum vorgetragen, denen man nichts entgegensetzen kann. HANS-CHRISTOPH ZIMMERMANN Le Sacre du Printemps, Foto: Jean-Louis Fernandez Geopfert wird immer noch Tanzhaus NRW mit dem Jubiläum Le Sacre du Printemps Von Thomas Linden Es gab blutige Nasen, blau geschlagene Augen und einen Komponisten, der über den Orchestergraben hinter die Kulissen und dann gleich durchs Fenster ins Freie flüchtete. 27 Verletzte zählte man am 30. Mai 1913, einen Tag nach der Premiere Le Sacre du Printemps im Pariser Théâtre des Champs- Elysées. Igor Strawinsky hatte die Musik komponiert und Waslaw Nijinsky die Choreographie entworfen, und der Skandal, den die beiden gezielt in Szene gesetzt hatten, sollte lange nachwirken. Das Frühlingsopfer erzählt einer archaischen Gemeinschaft, in der ein Mensch stellvertretend für die Gruppe geopfert wird. Ein Sujet, das im 20. Jahrhundert auf vielfache Weise zum Sinnbild für das Verhältnis Individuum und Gesellschaft wurde. In drastischer Form findet es sich in den Jagdgesellschaften des Nationalsozialismus, des Stalinismus aber auch in einer Situation, wie wir sie derzeit um den jungen Informatiker Edward Snowden erleben, der gesagt hat, was alle ahnten, und dafür nun um die Welt flüchten muss. Das Phänomen der Opferung wird es wohl so lange geben, wie es Menschen gibt. Zum Jubiläum zeigte Sascha Waltz in Paris eine Interpretation, die angesichts des expressiven Potenzials der Berliner Choreographin enttäuschend verhalten blieb. Da war Pina Bauschs legendäre Produktion, getanzt auf braunem Torfboden, der letztlich alle Beteiligten wie schmutzige Mörder aussehen lässt, schon anderem Kaliber. Zu den Tänzerinnen des Wuppertaler Tanztheaters, die damals auf der Bühne agierten, gehörte auch Meryl Tankard, deren Inszenierung The Oracle das Tanzhaus NRW jetzt nach Sichtung in London sofort an den Rhein holte. Im November ( ) wird das Solo getanzt Paul White in Düsseldorf zu sehen sein. Tankard steigt wie ihre Lehrmeisterin Pina Bausch mit wuchtiger Entschlossenheit in die inneren Kämpfe Waslaw Nijinskys ein. Über den Tänzer steuert sie den Sacre -Mythos an, wirbelt Kriegsahnung, Sexualität und Untergangsfantasien auf. Während sich der Hype um den Tanz-Skandal am Vorabend des Ersten Weltkriegs zum 100. Mal jährt, feiert das Tanzhaus sein 35jähriges Bestehen. Künstler haben diese Institution ins Leben gerufen und dann andere Künstler gefördert. Etwa Akram Khan, der in der Börnestraße in Düsseldorf in einer Werkstatt mit dem Tanzen begann und immer in Kontakt mit dem Tanzhaus geblieben ist. Als Weltstar präsentiert nun er seine Ensemble- Produktion zum Thema Sacre, die den listigen Titel itmoi (In the mind of Igor) trägt ( Oktober). Khan konfrontiert bildgewaltig mit den dramatischen Opferritualen. Elegant und sexy und dann wieder erdig und düster taucht er in das Mysterium der Vernichtung ein. Von den eindrucksvollen Bildern des norwegischen Malers Odd Nerdrum, die eine Art Symbiose Breughel, Rembrandt und Munch darstellen, ließ sich der Engländer in seinen visuellen Kompositionen inspirieren. Während Tankard das innere, psychische Schlachtfeld des Strawinsky-Stoffs ausmisst, setzt Khan auf die grausige Schönheit Bockshörnern, Abendkleidern und geschundenen Körpern. So stellt sich das Thomas Linden Journalist und Jurymitglied des Kölner Kinderu. Jugendtheaterpreises Elegant und sexy und dann wieder erdig und düster Frühlingsopfer immer wieder als Medium dar, mit dem der Tanz die großen Themen unserer Zeit auf die Bühne bringen kann. 12

13 29. August bis 16. November 2013 Uraufführung die wollen nur spielen Lars Redlich: Lars but not least JÜRGEN VON DER LIPPE, INGO OSCHMANN ASTRID KOHRS, NINA VORBRODT Komödie Jürgen der Lippe Regie: Axel Beyer Theater am Dom, Glockengasse 11, Opern Passagen, Kasse: /54 Then-Fotografie guter abend. 13 Stephan Masurs FR SA Varietéspektakel 2013 Show Télévisé Sommer-Varieté (nicht donnerstags und sonntags) Hochkarätige artistische Kapriolen und herzerfrischende Jürgen B. Hausmann MO DI Ich glaub et Disch! Kabarett mit Musik Lars Redlich Lars but not least Musik-Comedy-Show Thekentratsch DO Schönheit hat immer 2 Gesichter Kabarett Murat Topal FR Multitool Ein Mann für alle Fälle Comedy Kasalla SA SO Alles kann Kölsch muss! Kölsche Tön Wilfried Schmickler, DI Ich weiß es doch auch nicht Kabarett Harry Heib & Timo Bader MI Aber bitte mit Udo! Musik-Entertainment Anka Zink Leben in vollen Zügen Kabarett Nickelodeon FR MO Costa del Love Sommer, Sex und Sonnenbrand Comedy Florian Schroeder Offen für alles und nicht ganz dicht Kabarett Konrad Beikircher, Das Beste aus 35 Jahren Jubiläumsprogramm Kabarett MI DO DI MI FR Reiner Kröhnert SA SO 1.9. Kröhnerts Krönung Kabarett & Polit-Parodie TICKETS: (tgl. 16:00 20:00 h) Große Neugasse Köln-Altstadt Vorstellungsbeginn 20:15 h Jetzt auch online buchen unter: KÖLN- PREMIERE KÖLN- PREMIERE

14 Oper in NRW Musical in NRW Der Graf knöpft sich die Gräfin vor, Foto: Thomas Jauk / Stage Picture Klassischer Figaro mit Tiefgang Mariame Clément inszeniert Mozart in Dortmund Von Karsten Mark Ohne diplomatisches Fingerspitzengefühl hätte es Figaros Hochzeit wohl nicht bis zur Uraufführung geschafft zumindest nicht zu Mozarts Zeiten. Denn das Theaterstück Beaumarchais, das der Komischen Oper zugrunde liegt, durfte im Wien des späten 18. Jahrhunderts nicht aufgeführt werden. Zu aufrührerisch war den Habsburgern die Kritik des Franzosen an dem feudalen Recht der ersten Nacht. Doch Lorenzo da Ponte, den nicht nur seine besondere Anpassungsfähigkeit gegenüber seinen Komponisten, sondern auch gegenüber den politischen Verhältnissen auszeichnete, milderte den Stoff so weit ab, dass er Kaiser Joseph II. schließlich durch die Zensur gewunken wurde. Mozart konnte sich also freuen. Irgendwie muss es ihn aber auch geärgert haben, wieder einmal vor dem Adel zu Karsten Mark Journalist mit Schwerpunkt (Musik-)Theater Figaro WA: 15. September Oper Dortmund Inszenierung bis ins Detail durchdacht Kreuze kriechen zu müssen. Die Ouvertüre zu Le nozze di Figaro jedenfalls schäumt nur so über vor Lust aufs Aufrührerische so sehr, dass Mozart mit ihr das althergebrachte Konzept der Ouvertüre als zusammenfassende Vorschau auf die kommenden Arien und Ensembles völlig über den Haufen warf. Regisseurin Mariame Clément hat dieses dramaturgische Manko auf recht originelle Weise ausgeglichen. An der Oper Dortmund zeigt die Französin zu Beginn des ersten Akts nicht nur den Figaro und seine Susanna in ihrem neuen Schlafzimmer, sondern gleich auch alle anderen Räume des gräflichen Schlosses in Parallelmontage. Stumm agierend sind da bereits Musikmeister Basilio an Cembalo und Geige zu sehen, die Gräfin in ihrem eigenen Schlafzimmer und die Dienerschaft in der Küche. Bis auf ein paar Möbelstücke bleibt die Bühne Ausstatterin Julia Hansen erst einmal leer. Von einer abstrakten Inszenierung kann dennoch keine Rede sein. Clément und Hansen bieten eine Produktion, nach der das konservative Opernpublikum nicht müde wird zu verlangen: eine werkgetreue Aufführung ohne Aktualisierungen und größere Überraschungen. Auf den ersten Blick wirkt das wenig aufregend, doch Clément vermag sehr schnell mit vorzüglichen handwerklichen Qualitäten zu überzeugen. Ihre Inszenierung ist bis ins Detail durchdacht und die Personenführung entsprechend ausgefeilt. Hinzu kommt ein spielfreudiges Ensemble, das sich bis in die Nebenrollen sehr lustvoll darauf einlässt allen voran Hannes Brock als Don Basilio und als Garant für treffsichere Komik im Stile der Commedia dell arte. Allerdings betont die Regie nicht nur das Komödiantische. Anke Briegel transportiert als sehr junge, aber nicht mehr naive Susanna auch die eigentliche Problematik des Stücks: Sie wird vom gräflichen Dienstherren sexuell bedrängt und hat zunächst wenig Möglichkeiten zur Gegenwehr. Seinen musikalischen Stempel hat dieser Produktion indes noch Ex-GMD Jac van Steen aufgeprägt, der gerade Dortmund verlassen hat. Durch die Wiederaufnahme bleibt seine gute Arbeit mit den Dortmunder Philharmonikern und dem Gesangsensemble, mit dem auch der Maestro seine helle Freude gehabt haben dürfte, noch bis zum Jahresende im Spielplan präsent. Der Schuh des Manitu auf der Bühne Tecklenburg Musical-Spaß im Freien Die Freiluft-Theater bieten wieder hochklassiges Entertainment Von Rolf-Ruediger Hamacher Die Freiluftbühnen der Republik haben nun schon seit Jahren das Genre Musical als Zugpferd für ihr (Ferien-)Publikum entdeckt und locken mit immer professioneller werdenden Aufführungen nicht nur die Musical-Fans der näheren Umgebung an. Allen voran das mit mehr als Sitzplätzen größte Freilicht-Musiktheater Deutschlands in Tecklenburg, das im letzten Jahr über Besucher zählte. Nach den unverwüstlichen Klassikern wie Leonard Bernsteins West Side Story, Andrew Lloyd Webbers Jesus Christ Superstar und George Gershwins Crazy for You gibt Tecklenburg in diesem Sommer zwei neueren Musicals eine Chance: der 2008 im Berliner Theater des Westens uraufgeführten Das Genre Musical als Zugpferd Rolf-R. Hamacher Hochschuldozent und Vorstand des Filmkritikerverbandes Bühnenversion Bully Herbigs Kino-Hit Der Schuh des Manitu, deren künstlerische Umsetzung damals allerdings nicht zu überzeugen wusste. Nun hat man in Tecklenburg mit Ulrich Wiggers einen Regisseur verpflichtet, der bekannt ist für kreative Inszenierungen. Wohl in der Hoffnung, dass er dem musikalisch (Komponist: Martin Lingnau) und inhaltlich eher zweitklassigen Stück neue Reize abgewinnen wird. Denn eigentlich passt diese schwule Karl-May-Festspiele-Version wie die Faust aufs Auge einer ausladenden Freilicht-Bühne, auf der sich dann die über 100 Solisten, Statisten und Chormitglieder so richtig austoben können. Zumal es gelungen ist, Alexander Klaws, den Sieger der ersten Staffel Deutschland sucht den Superstar, für die Rolle des Rangers zu gewinnen, der ja in Tanz der Vampire und Tarzan schon Musical-Erfahrung gesammelt hat. Ähnliches gilt für das zweite Tecklenburger Musical Der Graf Monte Christo. bei dem der international renommierte Musical-Darsteller und schon seit Jahren Stammgast in Tecklenburg Marc Clear (u.a. Phantom der Oper, Evita ) nicht nur die Hauptrolle, sondern auch die Regie übernommen hat. Außerdem wurde mit Karoline Goebel einer der strahlendsten neuen Sterne am deutschen Musicalhimmel für die Rolle der Valentine de Villefort verpflichtet. Auch dieses Musical Frank Wildhorn, der seit Jekyll & Hyde trotz mehrerer Anläufe keinen Hit mehr am Broadway landen konnte, überzeugt im Gegensatz zu Michel Legrands Musical-Version des Romans Alexander Dumas musikalisch nicht, dürfte aber durch seine rasanten Fecht-Szenen und viel Romantik das Rund der Freilichtbühne füllen, zumal hier traditionsgemäß mit einem vielköpfigen Live-Orchester gespielt wird. Live-Orchester sind es auch im Kloster Oesede und auf der Burg Monschau, die die dortigen Musical-Aufführungen veredeln. Die Waldbühne spielt zu ihrem 25jährigen Jubiläum Shakespeares Sommernachtstraum in der Musical-Bearbeitung Martin Lingnau, und die stimmungsvolle Freiluft-Bühne im Dreiländereck gibt der Kölner Kammeroper Gelegenheit, ihre im Rodenkirchener Stammquartier allzu eingedampfte Ein Käfig voller Narren - Aufführung dort mit großem Orchester und erweiterter Tanztruppe so richtig knallen zu lassen

15 Theater-Termine Köln-Bonn Theater-Kalender Köln-Bonn = Premiere = choices-empfehlung auf den Auswahlseiten ATELIER THEATER , Beginn Uhr Gratis und nicht umsonst Do (Murat Sen), Mo bis Do je (Ulbtsmichel), Mo bis Do je (Monika Blankenberg), Mo bis Do je (Rena Schwarz), Mo bis Do je (Fußpflege Deluxe) Hildegart Scholten Fr Gratis-Comedy Fr. 2.8., Sa. 3.8., Fr. 9.8., Sa , Fr , Sa , Fr , Sa , Fr , Sa je Käthe Lachmann Sa Sylvia Brécko Fr Monika Blankenberg Sa Manuel Wolff Fr Jens Heinrich Claassen Sa Rena Schwarz Fr Özgür Cebe Sa Meltem Kaptan Fr Kristina Kruttke Sa COMEDIA , Beginn Uhr Gott und die Welt Do. 1.8., Fr FREIES WERKSTATT THEATER , Beginn Uhr Der Weg zum Glück Fr , Sa , Fr , Sa Mein Arm Fr , Sa MUSICAL DOME Let It Be Di bis Fr je 20.00, Sa u , So u N.N. THEATER IM FRIEDENSPARK , Beginn Uhr Nosferatu Fr , Sa SENFTÖPFCHEN , Beginn Uhr Stephan Masurs Varietéspektakel 2013: Show Télévisé Fr. 2.8., Sa. 3.8., Mo bis Mi. 7.8., Fr. 9.8., Sa Jürgen B. Hausmann Mo , Di Lars Redlich Mi Thekentratsch Do Murat Topal Fr Kasalla Sa , So Wilfried Schmickler Di Heib & Bader Mi Anka Zink Do Nickelodeon Fr bis Mo Florian Schroeder Di Konrad Beikircher Mi bis Fr Reiner Kröhnert Sa TAS - THEATER AM SACHSENRING , Beginn Uhr Frauenrausch Fr. 2.8., Sa Traumfrau, verzweifelt gesucht Fr. 9.8., Sa , Fr , Sa THEATER AM DOM , Beginn Uhr Die wollen nur spielen Mi bis Sa THEATER IM BAUTURM , Beginn Uhr Gogol & Mäx Do. 1.8., Sa Rochus Aust Fr. 2.8., Di Acting Accomplices Sa. 3.8., Mi Markus Sauer Di Toti Toronell Mi. 7.8., Fr Peter Spielbauer Do. 8.8., Sa Elke Brauer Mi Kabarett Die Arche Do , Sa Cargo Theater Mi , Fr Peter Helten Do Martin Zingsheim Sa Tierra Negra So , Fr Angela Krüll Do PANTHEON / BONN , Beginn: Uhr Rocko Schamoni So Stephan Masurs Varietéspektakel 2013: Show Télévisé Di , Mi , Fr bis So , Di , Mi , Fr , Sa SPRINGMAUS / BONN , Beginn: Do bis Sa Ladies Night Ganz oder gar nicht Do bis Sa Delta Q Fr Die Mobilés Sa Malediva Mi bis Sa Foto: Wolfgang Weimer Nosferatu Mit einer herausragenden Adaption des Murnau-Filmklassikers Nosferatu beginnt das N.N. Theater sein diesjähriges Open-Air-Festival. Jürgen der Lippe Foto: A. Kowalski-Grau Das Theater am Dom ist auch in der neuen Saison für Überraschungen gut. Erzkomödiant Jürgen der Lippe führt in Die wollen nur spielen Sitcom und Boulevardtheater zusammen und jagt dazu sich selbst und drei weitere Personen mit diversen Identitätskrisen A nach B. Ex-WDR-Unterhaltungschef Axel Beyer kehrt dazu als Regisseur zu seinen Bühnenwurzeln zurück. Premiere ist am Tickets im Vorverkauf.

16 KD PARTYFAHRTEN JEDEN FREITAG! ZOOM OPEN-AIR 2013 im historischen Rathaus-Innenhof, Brühl MALLORCA-FETE EXPRESS Ü30 PARTY SION-KÖLSCH-DISCO er / 90er PARTY MALLORCA-FETE Tel / Tickets THE SAPPHIRES (OmU) 2.8. BEFORE MIDNIGHT 3.8. OH BOY 8.8. THE MUSIC NEVER STOPPED (OmU) 9.8. DAS LEBEN IST NICHTS FÜR FEIGLINGE DER GROSSE GATSBY DAS MÄDCHEN WADJDA Preview (OmU) THE BROKEN CIRCLE DJANGO UNCHAINED Ausführliche Infos unter Hotline: Adresse: Uhlstraße 3, Brühl Rathaus-Innenhof Kasse: Uhr Filmbeginn bei ausreichender Dunkelheit Oikocredit Westdeutscher Förderkreis / Adenauerallee 37 / Bonn / / Foto: Adama Ouedraogo Mit einem Darlehen Oikocredit haben die Markthändlerinnen Cocovico eine eigene Markthalle gebaut. Sie bietet mehr als Menschen Arbeit und Lohn. Markthalle statt Finanzmarkt Keine Zukunft ohne Gerechtigkeit. Ihre Geldanlage in Genossenschaftsanteilen bei Oikocredit eröffnet Menschen weltweit Wege aus der Armut. Sie selber können in der Regel mit einer Dividende zwei Prozent rechnen. Lust auf Kriminaltour, Unterwelt- oder Brauhaustour? Oder eine andere Entdeckertour? Tour-Agentur vermittelt Gruppenführungen, arrangiert Betriebsausflüge und Familienfeiern. Erlebnistouren in Köln und Region Tour-Agentur Hohe Pforte Köln Fon: Fax: bei Buchung einer Gruppentour Code: Ch

17 OFF Broadway Weisshaus Odeon Filmpalette Cinenova Filmforum Rex am Ring Metropolis Woki 25. Jhg. August 2013 CAMILLE VERLIEBT NOCHMAL! EIN FILM VON NOÉMIE LVOVSKY ab im Kino

18 culture club culture club präsentiert: Lieblingsfilm DER UNSICHTBARE DRITTE Der britische Tenor Ian Bostridge hat sich als Lieblingsfilm Alfred Hitchcocks Thriller 1959 gewünscht, der bis heute in unzähligen Filmen und Büchern zitiert wird. Ein bis dato unbescholtener Werbeberater (Cary Grant) wird darin in ein Spionageabenteuer verwickelt und quer über den amerikanischen Kontinent gejagt. Filmforum im Museum Ludwig, Bischofsgartenstr. 1. Karten an der Kinokasse. präsentiert: Kino-Café NACHTZUG NACH LISSABON Schicksalhaft verschlägt es einen Schweizer Professor (Jeremy Irons) nach Lissabon. Dort setzt er sich auf die Fährte eines Autors und erfährt dem tragischen Schicksal junger Widerständler unter der Diktatur Antonio de Oliviera Salazars im Portugal der 1930er Jahre. Bewegendes, Bille August meisterhaft inszeniertes Melodram mit internationaler Starbesetzung. UCI Kinowelt Hürth Theresienhöhe 1, Hürth-Park Karten: choices verlost 3x2 Karten. bis an Kennwort: Hitchcock choices verlost 3x2 Karten. bis an Kennwort: Lissabon So Uhr Mi Uhr 18 Alle Filme, alle Kinos, alle Filmkritiken, alle Termine in Köln

19 Film-ABC Vorspann Spannender Science-Fiction-Stoff mit Star-Besetzung: Elysium, S. 39 KULTUR.KINO.KÖLN. 25 Jhg. I August 2013 FILMKRITIK-ÜBERSICHT FILMSTART-TERMINE X 38 Apple Stories X 38 Can't Be Silent X 26 Camille Verliebt nochmal! X Conjuring Die Heimsuchung X 28 Das ist das Ende X 26 Die Möbius-Affäre X Die Schlümpfe 2 X 39 Elysium X 39 Feuchtgebiete X 37 Frances Ha X 28 Gloria X 28 Gold X 30 Halbschatten X 39 Kick-Ass 2 X 30 Kid-Thing X 26 Kohlhaas oder Die Verhältnismäßigkeit der Mittel X 20 La Grande Bellezza x 28 Lone Ranger X 30 Mr. Morgan's Last Love X Pain & Gain X Percy Jackson 2: Im Bann des Zyklopen X 37 Sâdhu X 36 The Bling Ring X 37 The Company You Keep Die Akte Grant X 38 Die Legende Kaspar Hauser X 38 The Look of Love Trance Gefährliche Erinnerung X What Happiness Is Auf der Suche nach dem Glück X 38 Wochenendkrieger X 39 Wolverine: Weg des Kriegers X Findet, dass Schweißtropfen im Kino nichts zu suchen haben: Christian Meyer Freispiel ohne Filmrollen Die Digitalisierung erreicht das Open Air-Kino Sommer und Kino sind das die ewigen Konkurrenten? Das Kino hat es wohl nicht schwerer als alle anderen Kulturveranstaltungen, die im Hochsommer in geschlossenen Räumen stattfinden. Im Gegenteil, das Kino hat einige Vorteile gegenüber der Konkurrenz Theater, Konzert und Party- Event. Ein Kinosaal ist definitiv kühler als ein Konzertsaal oder gar eine Partylocation. Dort dürfte glücklicherweise selten Schweiß der Decke tropfen. Und im Gegensatz zum nicht grundlos seltenen Open Air-Theater ist das Open Air-Kino eine atmosphärisch wie akustisch gut funktionierende und weit verbreitete Alternative zum Indoor-Ereignis. So haben während der 5. Kölner Kino Nächte vom 4. bis zum 7. Juli auch die Open Air-Vorführungen hervorragend funktioniert. Die Preview des Kölner Low Budget-Films Hans Dampf lockte 250 Zuschauer in den Innenhof des Museums für Angewandte Kunst (MAKK). Die ungewöhnliche Location unter der Überdachung des Ebertplatzes reizte bei freiem Eintritt nicht nur Cineasten, sondern auch manch zufälligen Passanten. Und auch im Kinosaal funktionierten die Kino Nächte trotz der großen Konkurrenz Freibad und Park gut: Ob Fußball-Doku am Mittag oder Kölner Jugendkultur der 80er Jahre um Mitternacht viele Vorstellungen waren trotz Hitze gut besucht. Die neue Reihe Meine Kino Nacht, in der Prominente wie Anke Engelke oder Elke Heidenreich Filme präsentierten, sorgte für weitere Höhepunkte. Trotz des Erfolgsmodells Open Air-Kino gibt es in diesem Jahr einige Veranstaltungsreihen nicht mehr oder nicht mehr in der bisherigen Form. Denn einerseits benötigt man einen Ort, der eine kontinuierliche Bespielung zulässt. Andererseits muss die technische Ausrüstung stimmen. Ohne die Möglichkeit der digitalen Projektion ist das Angebot unnötig begrenzt. Zwar rüsten nach den Kinosälen auch immer mehr Open Airs auf digitale Projektoren um, das lohnt sich aber nur bei größeren Kapazitäten und einer langen Saison. Größere Veranstalter wie das Sion Sommerkino im Rheinauhafen, das bis in den September Filme zeigt, müssen diese Kosten nicht scheuen. Das Cinenova, das noch bis zum im Biergarten hinter dem Kino täglich ausgewählte Filme aus der letzten Saison zeigt, projiziert in diesem Jahr noch analog. Für 2014 strebt man aber auch dort eine digitale Projektion an, denn aktuelle Filme wird man dann kaum noch analog bekommen. Das Filmhaus Open Air hingegen, das der Wiese hinter dem Mediapark ins Olympia am Gleisdreieck verlegt wurde, wirbt mit dem Rattern & Knattern unseres TK 35 -Projektors aus dem VEB Carl Zeiss Jena explizit nostalgisch ( , Do-Sa). Gleich daneben im Odonien gibt es im August dienstags bis donnerstags Klassiker DVD oder Blu-ray. Die Filmbar auf dem Dach des Museum Ludwig präsentiert ihren Rückblick auf Erinnerung und Verdrängung in der Geschichte des Kinos natürlich ganz klassisch auf 16- bzw. 35mm-Film ( , Fr und Sa). Die Internationalen Stummfilmtage in Bonn ( ) spielen selbstverständlich auch klassisches Filmmaterial. Im Innenhof der Uni wird es aber tatsächlich auch digitale Projektionen geben, inklusive einiger früher Versuche in man staune 3D. Wertung unter den Filmkritiken: 1 ( ) bis 6 ( ) 6 Punkte = Höchstwertung 19 Alle Filme, alle Kinos, alle Filmkritiken, alle Termine in Köln

20 choice of choices Sterbende Schönheit La Grande Bellezza Paolo Sorrentino Beim Flanieren durch die ewige Stadt offenbart sich einem alternden High-Society- Kolumnisten die Magie Roms, in all ihrer opulenten Dekadenz und flüchtigen Grazie. C Ein moderner Fellini Im Porträtieren eben jener poetischen Momentaufnahmen liegt die große Stärke des italienischen Regisseurs Paolo Sorrentino, Stammgast im Wettbe - werb der Filmfestspiele Cannes, der schon mit der Politsatire Il Divo und dem melancholischen Roadmovie Cheyenne This Must Be the Place zu begeistern wusste. Kaleidoskopisch entfaltet sich seine ebenso ästhetisch brillante wie wehmütige Hommage an die Stadt des Dolce Vita. Wie schon Marcello Mastroianni ist auch Sorrentinos Hauptfigur primär ein Beobachter des boulevardesken Treibens der zügellosen Oberschicht, getrieben schriftstellerischen Ambitionen, durch dessen Blick wir in das pulsierende Le - ben der italienischen Metropole hineingeworfen werden. Jep Gambardella (Toni Servillo) ist jedoch schon lange dieser Welt der zweifelhaften Schön heit und des Exzesses überdrüssig. Kein rasender Reporter, sondern eine schillernde Institution der High Society, dessen Anwesenheit über Gelingen oder Scheitern einer Party entscheiden kann. Seine Kolumne spiegelt die Leich - tigkeit und Oberflächlichkeit einer Elite wieder, die sich um nichts anderes schert, als darum, sich selbst zu feiern. Doch der 65. Geburtstag des ewigen Junggesellen beschwört einige existenzielle Fragen herauf, die er jahrzehntelang zwischen schönen Frauen und rauschenden Festen verdrängt hat: Was bleibt übrig, wenn man auf sein Leben zurückblickt? Was hat man bewegt, wodurch wurde man selbst ergriffen? Einst hat er einen Roman veröffentlicht, der ihn zu einem der vielversprechendsten Debütautoren des Landes machte und noch vierzig Jahre später konfrontieren die Bewunderer Jep mit der Frage, was aus dieser Karriere geworden ist. Doch es gibt keine Antwort darauf. Wie auch bei Fellini scheint es um verschwendetes Talent und verschwendetes Leben im großen Stil zu gehen, das melancholische Meditieren über eine tief greifende Schaffenskrise. Eine Liebeserklärung an die ewige Stadt Die Nachricht eines plötzlichen Todes wirft Jep schlagartig in die Vergangen - heit zurück: Der langjährige Ehemann seiner ersten großen Liebe sucht ihn auf, um seine Fassungslosigkeit darüber zum Ausdruck zu bringen, dass diese in ihren Tagebüchern mehr über die flüchtige Affäre zu Jep in ihrer Jugend sinniert hat, als über die Beziehung zu ihm, was in dem charmanten Nihilis ten die Erinnerung an den Glanz und die Schönheit früherer Tage heraufbeschwört. Tief berührt streift er durch die leuchtende Stadt, die ihm in ihrer Sinnlichkeit Groteske Momente, melancholische Leere noch einmal das Gefühl unendlicher Möglichkeiten und Erha ben heit vermittelt, die er einst verspürte, als er ein junges Mädchen an einem Sommertag am Meer küsste. In einem Stripclub trifft er auf die wesentlich jüngere Tänzerin Ramona (Sabrina Ferilli), der er sich aus unerfindlichen Gründen nahe fühlt und die ihn bei seiner Odyssee durch die Stadt begleitet. Kameramann Luca Bigazzi katapultiert uns in dynamischen Fahr ten durch ausschweifende Parties mit Euro-Dance-Trash über den Dächern der Stadt und ebenso entlang der Jahrtausende alten, imposanten Architek tur, die das Treiben stoisch zu ertragen scheint, getragen sakraler Musik, die das Heilige mit dem Obszönen kontrastiert. Berlusconis Bunga-Bunga, samt korrupter Polit-Eliten, trifft auf äußerst weltliche Kleriker, alberne Performance-Künstler, resignierte Idealisten, bizarre Paradiesvögel, zerbrechliche Liebende und die Schönheit einer Stadt, die nicht nur Fellini inspiriert hat, doch dessen Vision ihr hier eine würdige Aktualisierung erfährt. Das süße Nichts Auch das Werk des großen Ettore Scola ( La terrazza ) wird aufgerufen, wenn sich die einstmals linksintellektuellen Weggefährten auf Jeps riesiger Terrasse mit Blick auf das Kolosseum versammeln, wo sich auf ebenso sarkastische Weise wie im Vorbild (ebenfalls mit Marcello Mastroianni in der Hauptrolle) die Korrumpiertheit der Kulturindustrie offenbart. Und auch Sorren tino hütet sich davor, seinen Charakteren eine dramatische Wandlung aufzuzwingen so sehr Jep sich auch auf der Suche nach einer tief greifenden Erkenntnis befindet, so ungreifbar bleibt sie doch für ihn und den Zu schauer in einem Sog der vielgestaltigen Emotionen. Grandios spiegelt sich im stets subtil-melancholischen Blick Toni Servillos die Sehnsucht nach jener großen Schönheit, die vielleicht nicht in etwas scheinbar Bedeutsamen liegt, sondern in all jenen Momenten des Alltäglichen, für die er nur ein Flaubert-Zitat übrig hat. Der französische Romancier versuchte zeitlebens vergeblich, über das Nichts zu schreiben und auch bei Jeps Sinnsuche versagen die Worte. Doch Sorrentino lässt sie in magisch anmutenden Bildern Form gewinnen, die dabei nicht verklären und auch das Versagen der italienischen Eliten ironisch auf den Punkt bringen. So gelingt ihm ein zeitgenössisches Porträt der römischen Gesellschaft ebenso wie eine sommerliche Liebes erklärung an eine der schönsten Städte der Welt. SILVIA BAHL LA GRANDE BELLEZZA Ital. Golden Globes 2013: beste Kamera I/F Drama - Regie: Paolo Sorrentino - Kamera: Luca Bigazzi - mit: Toni Servillo, Carlo Verdone, Sabrina Ferilli - Verleih: DCM Start: Cinenova, Odeon, Weisshaus 20 Alle Filme, alle Kinos, alle Filmkritiken, alle Termine in Köln

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