Rohstoffverknappung, Energiekosten, Klimawandel Gründe für einen Kulturwandel

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1 Master Class Course Conference Renewable Energies, : Rohstoffverknappung, Energiekosten, Klimawandel Gründe für einen Kulturwandel Ressourceneffizienz und Klimaschutz: Potenziale für internationale Zusammenarbeit Detlef Schreiber, Head of GIZ Competence Center Environment, Resource Efficiency, Waste Management Page 1

2 Ressourceneffizienz und Klimaschutz: Potenziale für internationale Zusammenarbeit Themenüberblick Internationale Herausforderungen: Armut, Ungleichheit, steigende Rohstoff- und Energieverbräuche sowie Treibhausgasemissionen Rohstoffe und Klima aus Sicht der Entwicklung und Schwellenländer Die GIZ und ihre Arbeit Beispiele aus der Internationalen Zusammenarbeit Thesen und Schlussfolgerungen 19/01/2015 company presentation 2012 Page 2

3 Nachhaltige Industriegesellschaft Ungebrochene Dynamik Weltweites reales Bruttoinlandsprodukt Billion Dollar * Bevölkerungsentwicklung Mrd * (umgerechnet auf 1990 international Dollars) Verbrauch fossiler Rohstoffe Gigabarrel Öläquivalent/a Rohstoffentnahmen * (Erze, Industrie- und Bauminerale) Gt/a * CO 2 - Konzentration ppm Elemente aus dem Periodensystem Mit freundlicher Genehmigung von Prof. Dr. Martin Faulstich, Vorsitzender, SRU Stück

4 Herausforderung Rohstoffwirtschaft Globale Gerechtigkeit Energieverbrauch in MWh/(Person*Jahr) Ressourcenverbrauch in Mg/(Person*Jahr) Fleischverbrauch in kg/(person*jahr) Quellen: Sustainable Europe Research Institute, 2007, US Energy Information Administration, International Energy Annual, 2008, FAO Stat Food Supply Database Mit freundlicher Genehmigung von Prof. Dr. Martin Faulstich, Vorsitzender, SRU

5 Global Consumer Classes (GCC) (> US $ / a) 2004: 1,4 Mrd. Menschen 2050: ~ 4 Mrd. Menschen Immer mehr Menschen haben teil an der globalen Konsumgesellschaft, aber die Schere geht auseinander Source: Bentley 2003: Leading consumer classes in countries, 2002 Page 5

6 Doppelte Herausforderung: Armut & endliche Ressourcen 1. Armut und ungerechte Pro-Kopf-Verteilung von Gütern u. Ressourcen: Pro-Kopf-Emissionen: US ~ 20 t CO2e/a; D land ~ 10 t CO2e/a; Africa <0,5 ~1 t CO2e/a Ressourcenverbrauch: OECD ~15-35 t/a; Nicht-OECD ~3t/a 2. Planetare Grenzen werden z.t. bereits jetzt überschritten: We are already beyond the limits Vgl. Rockström et al sowie SDG- und Post 2015-Prozess Treibhausgasemissionen (2 -Ziel) Biologische Vielfalt (Auslöschung von ~ 100 Arten pro Tag) Überfischung, Landdegradation, Entwaldung, etc. Page 6

7 Rohstoffe und Klima aus Entwicklungsländerperspektive Viele Entwicklungsländer erzielen Deviseneinnahmen vorrangig durch den Verkauf von kaum weiter verarbeiteten Rohstoffen / Commodities Die wesentlichen Teile der Wertschöpfung und des Konsums finden in Industrieländern und Emerging economies statt Entwicklungs- und Schwellenländer haben in der Vergangenheit (und z.t. bis heute) nur unterproportional zum Treibhausgasausstoß beigetragen Entwicklungs- und Schwellenländer sind aber in besonderem Maße vom Klimawandel betroffen und bedroht Wesentliche Potenziale für die Verminderung von Treibhausgasemissionen liegen in Entwicklungs- und Schwellenländen Common but differentiated responsibilities : Industrieländer müssen mehr tun für die Begrenzung der Emissionen und die Finanzierung von Klimaanpassung 19/01/2015 Page 7

8 Rohstoffe und Internationale Zusammenarbeit Weltweiter Rohstoffverbrauch steigt (hohe Nachfrage, hohe Preise) 42 Enorme Chancen und Risiken für Entwicklungsländer => Hohe Relevanz für Entwicklung: Ca. 50 Länder (viele davon LDCs) hängen stark von extraktiven Industrien und deren Einnahmen ab Rohstoffentnahmen Gt/a * Rohstoffreichtum bedeutet oftmals keineswegs nachhaltige Entwicklung (Konflikte, Korruption, holländische Krankheit, vielfältige soziale und ökologische Probleme ) Hoher Unterstützungsbedarf im Rahmen internationaler Kooperation 19/01/ * (Erze, Industrie- und Bauminerale) Rohstoffentnahme Quelle: Prof. Dr. Martin Faulstich, SRU Page 8 7 0

9 GIZ: Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit Bundesunternehmen der Internationalen Zusammenarbeit für nachhaltige Entwicklung > MA s weltweit in > 130 Ländern > Mio. EUR Umsatz (2013) Hauptauftraggebber: BMZ Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Weitere Auftraggeber: AA, BMUB, EU, Entwicklungsbanken, Regierungen anderer Länder Fachthemen: Nachhaltiges Wirtschaften, Governance, Stadtentwicklung, Gesundheit, Bildung, Wasser, Energie, Transport, Landwirtschaft, Umwelt, Klima, Biodiversität, Frieden, Nothilfe, Green Economy etc. Page 9

10 Leistungsangebot zu Green Economy: Beratung zur Schaffung förderlicher Rahmenbedingungen Natural Capital accounting, Environmental Fiscal Reform, Strategie- und Dialogprozesse, Mainstreaming Capacity Development Stärkung personeller und institutioneller Kapazitäten Institutionelle Kapazitäten, Technologie & Innovation, HCD - Human Capacity Development Green Jobs Unterstützung einer grünen Transformation in Schlüsselsektoren Nachhaltiges Wirtschaften, Ressourceneffizienz & Cleaner Production, Wald, Biodiversität, Tourismus, Landwirtschaft, Energie, Transport, Wasser, Abfall, Green Cities Page 10

11 Ökologische Fiskalreform / Green Fiscal Policies Grüne Fiskalpolitik beinhaltet die Einnahmenund die Ausgabenseite; ökonomische Rahmenbedingungen sind entscheidend für grüne Transformation & Klimaschutz! Getting the prices right! Doppelte Dividende Steuern, Abgaben, Preise, Anreiz- und Fördersysteme, Subventionen -> ökologische Fiskalreform Chance und Herausforderung: Abbau umweltschädlicher Subventionen (IWF: > 500 Mrd. US$ p.a. für fossile Energie) Page 11

12 Handlungsfelder im Energiesektor Energiegrundversorgung Haushaltsenergie Ländliche Stromversorgung Erneuerbare Energien Windenergie Bioenergie Nachhaltige Wasserkraft Solarenergie Sonstiges (Geothermie, ) Energieeffizienz EE in Gebäuden EE in Endverbrauchsgeräten EE in der Industrie EE in therm. Kraftwerken Strategien für Energie und Klima Internationale Prozesse u. Netzwerke Energieplanung Kohlenstoffmärkte / Emissionshandel Página 12

13 Umwelt- und Klimaschutz in Stadt und Industrie Über die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in Städten, Tendenz steigend Noch höher ist der Anteil städtisch-industrieller Räume am globalen Ressourcenverbrauch sowie klima- u. ozonschädlichen Emissionen Hinzu kommen Umweltprobleme durch Müll, Abwasser, Transport, Luftverschmutzung, Altlasten und zunehmenden Flächenverbrauch Städte sind wesentliche Akteure der internationalen Klima- und Nachhaltigkeitspolitik Vision: Green, intelligent, climate-smart cities -> Hohe Potenziale für Kooperation, Technologietransfer etc. Page 13

14 Schutz der Ozonschicht und des Klimas Hintergrund: UNEP Executive Director launches Ozone Assessment Report Press Release: Nairobi/Geneva, 10 September 2014 (UNEP/WMO) - Ozone Layer on Track to Recovery: Success Story Should Encourage Action on Climate GIZ-PROKLIMA setzt für die Bundesregierung (BMZ und BMUB) weltweit Projekte für integrierten Ozon- und Klimaschutz mit Fokus auf natürliche Kältemittel und Energieeffizienz um Politikberatung der Partnerregierungen zur Umsetzung internationaler Vorgaben, Kapazitätsaufbau, Technologietransfer Ausbildung von > Kältetechnikern Phaseout von > t an ozonschädlichen Substanzen Reduktion von > 100 Mio t CO2-eq Treibhausgasemissionen Page 14

15 Integrierter Ozon- und Klimaschutz: China 1. Raumklimageräte Erfolgreiche Technologie-Demonstration: Produktionslinie für klimafreundliche (F-Gas-freie) Klimaanlagen Sektorplan USD 75 Mio. (UNIDO) bis 2015: Produktionskapazität von 3 Mio. Geräten/Jahr Umstellung des gesamten Sektors bis Klimafreundliche Schaumstoffproduktion Erfolgreiche Technologiedemonstrationen: Umstellung von Produktionslinien auf klimafreundliche (F-Gas-freie) Verfahren Sektor ~ 500 Firmen (ca. 800 Produktionslinien) Vermeidung von ca. 1,5 Mio. Tonnen CO2äq direkten Emissionen Page 15

16 Niedrigemissionsland Costa Rica Unterstützung der Klimaneutralitätsstrategie als Modell für Low-carbon Development Stärkung institutioneller Kapazitäten, z.b. der Managementfähigkeiten des Klimasekretariats des Umweltministeriums Einrichtung einer Kooperationsplattform Plataforma KlimaTica Unterstützung der interministeriellen Zusammenarbeit Integration von Klimazielen in den mittelfristigen Nationalen Entwicklungsplan ( ) Unterstützung bei der Umsetzung einer ökologischen Steuerreform mit dem Schwerpunkt Klimafinanzierung Entwicklung von NAMAs (z.b. Kaffee-NAMA = low-carbon Coffee ) Page 16

17 Extraktive Industrie vs. Biodiversität: Ölbohungen im Biosphärenreservat Yasuní, Ecuador Unternehmenspräsentation 2012 Page 17

18 Direkte und indirekte Auswirkungen sowie Bedrohungen Kontamination: Ölverschmutzung an Bohrstellen und Pipelines (Hangrutsche, Erdbeben), Abfälle, Chemikalien -> Gewässer, Fisch, Nahrung, Gesundheit etc. Straßenbau mit der Folge von Besiedlung, (Indigene und Nicht-Indigene), Entwaldung, Jagd und Wilderei / Befischung etc. Zunehmende Konflikte zwischen unterschiedlichen Gruppen Gewalt, Prostitution, Alkohol, Verlust kultureller Identität indigener Gruppen Abhängigkeit der Dörfer von den Ölfirmen; Nachhaltigkeitsinitiativen wie z.b. Nachhaltiger Tourismus z.t. obsolet 19/01/2015 Page 18

19 Bilaterales Vorhaben Biosphärenreservat Yasuní, Ecuador Ziel: Beitrag zum Schutz der biologischen Vielfalt und zur nachhaltigen Entwicklung des Biosphärenreservats Yasuní mit Betzeiligung lokale Akteure (Indigene und Nicht-Indigene). Institutionelle Entwicklung Schutz Natürlicher Ressourcen Nachhaltige Nutzung von Ressourcen Stärkung indigener Gemeinden 19/01/2015 GIZ Yasuní Page 19

20 Informeller Goldbergbau in Madre de Dios, Peru In den 60ern begannen Hochlandbewohner im Regenwald am Rande des Amazonasbeckens, in kleinem Maßstab Gold zu waschen Heute treiben in der Region Zehntausende von Menschen informellen / illegalem Goldbergbau Regenwald wird großräumig zerstört; Konflikte, ökologische und soziale Probleme Page 20

21 Indien: Effizienzsteigerung als Beitrag zur Rohstoffsicherheit Ressourceneffizienz erscheint als interessanter Lösungsansatz nicht nur für Industrieländer sondern auch für Schwellenländer mit wachsender Industrie und Rohstoffnachfrage Bewusstseinsbildung als Voraussetzung Domestic material consumption billion tonnes Dittrich, 2011 / SERI 2011 / World Bank Page 21

22 Abfallwirtschaft Herausforderung: Aufbau einer geregelten Abfallwirtschaft mit modernen umweltpolitischen Orientierungen: Vermeidung, Kreislaufwirtschaft, Recycling, Treibhausgasminderung positive Wirkungen: Umwelt, Klima, Gesundheit, Wasser, Stadtentwicklung, Jobs Ansätze der Internationalen Zusammenarbeit: Beratung und Kapazitätsentwicklung zu Abfallpolitik und management (Finanzierungsinstrumente, Organisationsfragen; Produzentenverantwortung, Technologien etc.) 3R: Reduce reuse - recycle Integrierte Abfallwirtschaftsplanung in Städten / Kommunen Industrie- und Sonderabfallmanagement Länderbeispiele: Chile, Costa Rica, Ägypten, Indien, Marokko, Mexiko, Moçambique, Philippinen, Palästina, Tunesien Page 22

23 Sekundärrohstoffe: Strategische Allianz mit Gerdau Einbeziehung des informellen Sektors in die Stahlwertschöpfungskette Kooperation mit dem Stahlunternehmen Gerdau: Stärkung und Training des informellen Sektors in 4 Ländern: Brasilien, Chile, Peru und Uruguay Stärkung von NGO s und netzwerken Monitoringsystem für die gesamte Wertschöpfungskette Positive ökonomische, soziale, ökologische und Klima-Wirkungen 267 formalisierte Unternehmen mit MA s (höhere Einkommen: + 155%) Page 23

24 Informelles E-Waste-recycling, Ghana Enorme Verschmutzungs-, Arbeitsschutz- und Gesundheitsprobleme Große Teile des Elektronikschrotts stammen aus Industrieländern Wie können intelligente Lösungen aussehen? Recyclingpartnerschaften? Recycling und Urban Mining sind nicht nur wichtig, um Sekundärrohstoffe zu erschließen, sondern auch als Quelle von Einkommen und Beschäftigung armer Bevölkerungsgruppen 19/01/2015 Page 24

25 Umweltmanagement & Ressourceneffizienz in der Industrie Rahmenbedingungen & Politikinstrumente: Basis: Vorsorge-, Kooperations-, Verursacherprinzip Aufbau institutioneller Strukturen Ordnungsrechtliche, ökonomische Instrumente etc. Praktische Umsetzung von Umweltmanagement und Ressourceneffizienz: Grüne / Nachhaltige Wertschöpfungsketten Nachhaltige Industriestandorte Auf Unternehmensebene, z.b. PREMA Profitable Resource Efficient Management, 3xWin: Reduce costs of Production Improve Environmental Performance Enhance organisational Capabilities Page 25

26 Ökoeffiziente Schulen - Peru Schulen erarbeiten praxisorientierte Programme zu Ökoeffizienz in den Bereichen Wasser, Energie, Abfall und Biodiversität Inhaltliche und methodische Weiterbildung der Lehrkräfte Bau von Prototypen umweltgerechter Schulen Vernetzung der Schüler/innen über Social Media Foto Foto Foto Page 26

27 Thesen und Schlussfolgerungen 1. Rohstoffverbrauch und Treibhausgasemissionen steigen weiter an 2. Während planetare Grenzen überschritten zu werden drohen, herrscht weiter Armut und ungerechte Verteilung von Ressourcen vor ist für Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung entscheidend: Globales Klimaabkommen angestrebt in Paris Ziele für Nachhaltige Entwicklung (Post 2015) 4. Viele Entwicklungsländer profitieren in ihrer Wirtschaftsentwicklung von hohen Rohstoffpreisen, leiden aber unter sozialen und ökologischen Folgen 5. Rohstoff- und Energiepreise würden weit höher liegen, wenn die sozialen und ökologischen Kosten darin voll berücksichtigt wären 6. Entwicklungsländer tragen bislang wenig zum Klimawandel bei, sind aber besonders von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen 7. Große Potenziale für Klimaschutz in Schwellen- u. Entwicklungsländern 8. Große Aufgaben und Herausforderungen für Internationale Zusammenarbeit Page 27

28 Mahatma Gandhi: Earth provides enough to satisfy every man's need, but not every man's greed Vielen Dank! Page 28

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