Regionalpolitische Programme der EU für periphere Regionen in Österreich

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1 Regionalpolitische Programme der EU für periphere Regionen in Österreich Ziel 1 Ziel 2 Ziel-1-Programm Burgenland (Gesamtes Bundesland als Region mit Entwicklungsrückstand ) 8 Ziel-2-Programme in den anderen Bundesländern (ausgewählte Gebiete mit strukturellen Schwierigkeiten : alte Industriegebiete, ländliche und städtische Gebiete) Gemeinschaftsinitiative INTERREG 7 INTERREG IIIA-Programme ( Grenzüberschreitende Zusammenarbeit in Grenzregionen, jeweils 1 Programm mit jedem Nachbarstaat) INTERREG IIIB-Programm Alpenraum ( Transnationale Zusammenarbeit im alpinen Raum) Gemeinschaftsinitiative LEADER LEADER+ Programm Österreich ( Lokale Strategien für die nachhaltige Entwicklung des ländlichen Raumes : Lokale Aktionsgruppen" in 56 LEADER-Regionen mit insgesamt Gemeinden)

2 Regionalpolitische Programme der EU für periphere Regionen in Österreich Ziel Konvergenz : 159 Mio. aus EFRE / ESF 2 Phasing Out -Programme Burgenland (EFRE / ESF): Übergangsförderung für das gesamte Bundesland Ziel Regionale Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung : 914 mio. aus EFRE / ESF 8 Programme zur regionalen Wettbewerbsfähigkeit in den anderen Bundesländern (Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität durch Förderung von Innovation, Kooperation, wissensbasierter Wirtschaft, endogener Potenziale, ohne regionale Beschränkung!) Ziel Territoriale Kooperation : 228 Mio. aus EFRE 7 Programme zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in Grenzregionen (Fortsetzung der INTERREG IIIA-Programme) Programm zur transnationalen Zusammenarbeit im Alpenraum Programme zur Entwicklung des ländlichen Raumes (im Rahmen der 2. Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik): 3911 Mio. aus ELER Nationaler Strategieplan: Der grüne Pakt für Österreichs Landwirtschaft Umweltprogramm für naturnahe Landwirtschaft Bergbauernprogramm für Österreichs Landschaften Investitionsoffensive für den ländlichen Raum

3 Regionalpolitik in Österreich I Sektorübergreifende Querschnittsmaterie ( regionale Wirtschaftspolitik ) Verschiedene Institutionen als Träger: Bundesministerien, regionale Wirtschaftsförderungsgesellschaften der Länder, staatsnahe Institutionen, Regionalmanagements, Koordination durch Bundeskanzleramt und ÖROK: Horizontale und vertikale Koordination der regionalpolitischen Instrumente und Maßnahmen Staatsnahe Institutionen zur Vergabe günstiger Kredite für KMU ERP-Fonds (Ursprung: European Recovery Program ) BÜRGES (Bürgschaftsfonds GesmbH.) Kommunalkredit AG Investkredit AG Gesellschaft des Bundes für industriepolitische Maßnahmen (GBI) Sektorübergreifende Regionalprogramme (70er Jahre) Aichfeld-Murboden-Programm Grenzland-Sonderprogramm Niederösterreich Waldviertelplan

4 Regionalpolitik in Österreich II Aktuelle Förderprogramme ERP-Programme: Sonderprogramm für periphere und strukturschwache Gebiete, Regionalprogramm, Infrastrukturprogramm, Technologieprogramm Sonderprogramm für eine Wachstums- und Technologieoffensive, ( : 638 Projekte in Regionalfördergebieten mit 1,6 Mrd. ) Regionale Innovationsprämie (RIP): 420 geförderte Projekte mit 101 Mio. ( ): BMWV Förderaktion für eigenständige Regionalentwicklung (FER): 403 geförderte Projekte mit 33,7 Mio. ( ): BKA Regionale Impulsförderung (RIF): Förderung von Innovationszentren und Wirtschaftsparks: 40 geförderte Projekte mit 70 Mio. ( ): BMWV Verkehrsinfrastrukturpolitik Bundeskompetenz für hochrangige Verkehrsinfrastruktur Generalverkehrskonzept, Bundesverkehrswegeplan, Generalverkehrsplan Institutioneller Rahmen für die nationale Regionalpolitik Österreichisches Raumordnungskonzept 1991 Österreichisches Raumentwicklungskonzept (ÖREK) 2001 Österreichisches Raumentwicklungskonzept (ÖREK) 2011

5 Regionalentwicklung in schrumpfenden Regionen (I) Schrumpfung als weitgehend unbeachtetes und verdrängtes Phänomen in einer wachstumsorientierten Wirtschaft und Gesellschaft In der Raumentwicklung / Regionalpolitik aufgrund aktueller Entwicklungen zunehmend in Diskussion Schrumpfung in innerstädtischer Peripherie Chance für eine Verbesserung der Lebensqualität und der wirtschaftlichen Attraktivität ( Revitalisierung, Stadterneuerung ) Strukturprobleme: hohe Dichten, Übernutzung, überlastete Infrastrukturkapazitäten (Verkehr, Ver- und Entsorgungsnetze, soziale Infrastruktur, ), Nutzungskonflikte, wenig öffentlicher Raum, keine Entwicklungsflächen, Entlastung der Infrastrukturen durch freiwerdende Kapazitäten Platz für neue Angebote durch freiwerdende Areale (moderne Wohnungen und Büroflächen, Parkanlagen, Fahrradwege, soziale Infrastruktur, Öffentlicher Raum,...) Schwierigkeit der Umnutzung oder des Rückbaus bestehender Gebäude und Infrastrukturen Tiefgreifende Veränderung der Nutzungsstrukturen sozialer und wirtschaftlicher Strukturwandel

6 Regionalentwicklung in schrumpfenden Regionen (II) Schrumpfung in dünn besiedelten ländlich-peripheren Regionen Ziel: Bremsen des Schrumpfungsprozesses Motivation: Erhaltung von historisch gewachsenen Siedlungsstrukturen und Kulturlandschaften als Teil der kulturellen Identität eines Landes als attraktiven Lebensraum zur Entlastung der Ballungsräume Konflikt mit dem Ziel des effizienten Einsatzes öffentlicher Mittel Kann der negative Trend in den Schrumpfungsregionen durch öffentliche Investitionen und Förderungen überhaupt noch gestoppt werden? Oder werden dabei unaufhaltsame Entwicklungen nur geringfügig gebremst und verzögert? Wären Investitionen in anderen Regionen nicht effektiver? Könnten dort mit dem gleichem Aufwand nicht höhere gesamtwirtschaftliche Effekte erzielt werden? Ab welchem Schwellenwert sind gewisse Infrastrukturen und öffentliche Einrichtungen nicht mehr finanzierbar? Wie hoch dürfen die (von der Gesellschaft zu tragenden!) Kosten solcher ineffizienten Angebote sein? Bis zu welchem Punkt haben Menschen Anspruch auf eine bestimmte infrastrukturelle Grundausstattung auf ihrem Wohnstandort? Entsteht mit der Baulandwidmung eines Grundstücks das unbefristete Recht auf bestimmte öffentliche Angebote?

7 Regionalentwicklung in schrumpfenden Regionen (III) Aufgaben der Raumplanung zur Erhaltung schrumpfender ländlich-peripheren Regionen als attraktive Lebensräume Umnutzung oder Rückbau: Was soll mit nicht mehr benötigten Einrichtungen, Baulichkeiten und Kapazitäten geschehen? Umnutzung / Renovierung von leerstehendem Wohnraum Umnutzung von ungenutzten Gewerbe- und Agrarflächen Umnutzung / Rückbau von überdimensionierten technischen und sozialen Infrastrukturen Aufrechterhaltung einer Mindestausstattung: Wie können die wichtigsten Elemente einer infrastrukturellen Grundausstattung auch bei weiter sinkender Nachfrage bereitgestellt werden? Bereitstellung einer mobilen Nahversorgung Einrichtung einer mobilen Gesundheitsversorgung Zusammenlegung von verschiedenen Einrichtungen Erhöhung der Nachfrage durch touristische Attraktivierung (spezielle Angebote) Umstieg auf e-government Einrichtung von Rufbussystemen (flexible ÖV-Angebote) Errichtung von Telearbeitszentren

8 Regionalentwicklung im Bezirk Güssing (I) Geographisch extrem periphere Lage Im äußersten Südosten Österreichs Jahrzehnte am eisernen Vorhang Große Entfernungen zu internationalen Wirtschaftsszentren (Wien, Bratislava, Graz, Maribor, Budapest, ) Kaum regionale Zentren in der näheren Umgebung (einzige Ausnahme: Szombathely) Keine Anbindung an das Eisenbahnnetz (einziger Bezirk Österreichs ohne Bahnanschluss!) Keine Anbindung an eine überregionale Transitroute im Straßennetz Güssing

9 Regionalentwicklung im Bezirk Güssing (II) Siedlungsstruktur Bevölkerungsarm ( Einwohner, 13. kleinster Bezirk in Ö) Keine städtischen Zentren (Güssing EW, Stegersbach EW, Kukmirm EW) Dünn besiedelt: 56 EW/km² (Ö: 95,8) / 97,3 EW/km² DSR (Ö: 255,2)

10 Regionalentwicklung im Bezirk Güssing (III) Bevölkerungsentwicklung Bevölkerungstruktur Bevölkerungsentwicklung im Bezirk Güssing Alterstruktur im Bezirk Güssing Österreich Güssing ,0% 2,0% 4,0% 6,0% 8,0% 10,0%

11 Regionalentwicklung im Bezirk Güssing (IV) Bildungsniveau Wohnbevölkerung nach höchster abgeschlossener Ausbildung 60,0% 50,0% Österreich Güssing 40,0% 30,0% 20,0% 10,0% 0,0% Universität, Akademie, Kolleg Berufsbildende höhere Schule Allgemeinbildende höhere Schule Berufsbildende mittlere Schule Lehrlingsausbildung Allgemeinbildende Pflichtschule

12 Regionalentwicklung im Bezirk Güssing (V) Wirtschaftsstruktur Abweichung der Branchenanteile vom Österreichischen Durchschnitt 6,0% 4,0% 2,0% 0,0% Bergbau Sachgütererzeugung Energie- und Wasserversorgung Bauwesen Handel und Reparatur Beherbergungs- und Gaststättenwesen Verkehr und Nachrichtenübermittlung Kredit- und Versicherungswesen Unternehmensdienstleistungen Öffentl. Verwaltung Unterrichtswesen Gesundheits- und Sozialwesen Persönliche Dienstleistungen -2,0% -4,0% -6,0% -8,0%

13 Regionalentwicklung im Bezirk Güssing (VI) Landwirtschaft /99 Betriebe insgesamt ,3% Nebenerwerbsbetriebe ,0% Flächen 377,7 343,3-9,1% Durchschn. Betriebsgröße 6,0ha 11,4ha +90,0% Tourismus: Nächtigungen (01/02): 66,0% im Sommerhalbjahr 4,1 Nächtigungen / Einwohner (Ö: 14,1) Pro-Kopf-Einkommen Durchschnittliches Nettoeinkommen: 965 pro Monat (Ö: 1104 ) Platz 78 unter 99 Bezirken

14 Regionalentwicklung im Bezirk Güssing (VII) Beschäftigung, Strukturwandel Veränderung der Beschäftigten nach Branchen 1991 / ,0% Güssing 120,0% Österreich 100,0% 80,0% 60,0% 40,0% 20,0% 0,0% Bergbau Sachgütererzeugung Energie- und Wasserversorgung Bauwesen Handel und Reparatur Beherbergungs- und Gaststättenwesen Verkehr und Nachrichtenübermittlung Kredit- und Versicherungswesen Unternehmensdienstleistungen Öffentl. Verwaltung Unterrichtswesen Gesundheits- und Sozialwesen Persönliche Dienstleistungen Summe -20,0% -40,0%

15 Regionalentwicklung im Bezirk Güssing (VIII) Pendler /01 Arbeitsplätze ,7% Erwerbstätige ,7% Arbeitsplätze pro Einwohner 0,55 0,59 6,9% Auspendler ,3% Einpendler ,0% Anteil Nichtpendler 15,0% 9,1% -39,1% Anteil Binnenpendler 32,2% 37,3% 15,6% Anteil Auspendler 52,8% 53,6% 1,5% davon nach Wien 39,0% 29,8% -23,4% davon nach Oberwart 31,1% 29,9% -3,6% davon Anteil Nichttagespendler 54,2% 37,9% -30,0% Betriebsgründungen 2005: 4,1 Gründungen / EW (Ö: 3,9) Wanderungsbilanz Personen ( )

16 Regionalentwicklung im Bezirk Güssing (IX) Situation Ende der 80er Jahre: extrem periphere Region mit typischen Kennzeichen regionalen Verfalls Klassische regionalpoltische Strategien (Mobilitätsförderung, Infrastrukturausbau, Ansiedelung von regionsfremden Betrieben, Vergabe öffentlicher Aufträge, ) haben nicht oder nur kurzfristig gegriffen Überlegungen zu alternativen endogenen Strategien Was sind die besonderen Stärken der Region? Welche endogenen Potentiale können genutzt werden? Für welche Produkte gibt es innerhalb und außerhalb der Region eine potentielle Nachfrage? Endogene Potentiale Hohe landschaftliche Attraktivität Forst- und Holzwirtschaft (40% Waldfläche) Weinbau Thermen Kulturelle Potentiale Veränderte geopolitische Situation durch den Fall des eisernen Vorhangs

17 Regionalentwicklung im Bezirk Güssing (X) Förderung der alternativen Energiegewinnung Energiekonzept der Gemeinde Güssing (1990): Ersetzen von fossiler durch erneuerbare Energie Errichtung des Europäischen Zentrums für Erneuerbare Energie in Güssing Biomasse-Kraftwerk (aus Holzabfällen der Forst- und Holzwirtschaft) Errichtung eines Fernwärmenetzes Anlage zur Erzeugung von Biodiesel Forschung in den Bereichen Brennstoffzelle Synthetische Brennstoffe Synthesegas Solare Kühlung Kühlung durch Fernwärme Windpark in Neuhof Senkung der Energieverluste (Gebäudesanierungen, Wärmeschutz) Solarenergie (Solartankstelle für Solarfahrzeuge)

18 Regionalentwicklung im Bezirk Güssing (XI) Regionalwirtschaftliche Bedeutung der alternativen Energiegewinnung Bezirk Güssing praktisch energieautharke Region 2003: Güssing innovativste Gemeinde Österreichs Öko-Energie-Tourismus (Hotel com.inn ) 50 Betriebe und 600 Arbeitsplätze, 100 Mio Investitionen, 7 Mio. Wertschöpfung / Jahr Ankurbelung regionaler Wirtschaftskreisläufe Förderung eines sanften Tourismus Thermen und Wellness (Therme und Golfanlage Stegersbach, ) Natur und Landschaft (Naturpark Weinidylle, Reiterhotel, ) Erhöhung des Lebensqualität Dorferneuerung (moderne Architektur, Öffentlicher Raum, Vinotheken, Dorfmuseen, ) Nahersorgung (alternative Versorgungskonzepte, Vermarktung regionaler Produkte, ) Öffentlicher Personennahverkehr (regelmäßige Busverbindung Unteres Stremtal) Förderung der Maßnahmen aus EU-Programmen ( / ) Ziel-1-Programm / Phasing-Out-Programm Burgenland Interreg IIIA-Programm / Programm zur grenzüberschreitenden Zusammenrbeit Österreich-Ungarn LEADER+ / Entwicklungspr. für den ländlichen Raum (LAG Unteres Pinka- und Stremtal, LAG Stegersbach)

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