Finanzgruppe Sparkassenstiftung für internationale Kooperation. Jahresbericht Internationale Kooperation Projekte und Partner

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1 Finanzgruppe Sparkassenstiftung für internationale Kooperation Jahresbericht 2006 Internationale Kooperation Projekte und Partner 2006

2 s Finanzgruppe Sparkassen Geschäftsvolumen Mrd. Spareinlagen 302 Mrd. Kredite an Kunden 615 Mrd. Mitarbeiter Landesbanken/Girozentralen 1 Bilanzsumme Mrd. Einlagen von Kunden und Kreditinstituten Mrd. Verbriefte Verbindlichkeiten Mrd. Kredite an Kunden und Kreditinstitute Mrd. Mitarbeiter * 11 Landesbausparkassen Bilanzsumme 52 Mrd. Neuabschlüsse 35 Mrd. Kapitalauszahlungen 8 Mrd. 11,4 Mio. Verträge/Bausparsumme 249 Mrd. Mitarbeiter DekaBank 4 Fondsvermögen 154 Mrd. Bilanzsumme 105 Mrd. Mitarbeiter Öffentliche regionale Erstversicherungsgruppen Bruttobeitragseinnahmen 16 Mrd. * Mitarbeiter * 1 Ohne DekaBank 2 Einschließlich Auslandsfilialen sowie in- und ausländische Konzerntochtergesellschaften der Landesbanken (ohne Landesbausparkassen) 3 Ohne Auslandsfilialen und ohne in- und ausländische Konzerntochtergesellschaften der Landesbanken (ohne Landesbausparkassen) 4 Konzernzahlen * 2005

3 Internationale Kooperation, Projekte und Partner Jahresbericht 2006

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5 Jahresbericht 2006 Vorwort Vorwort bemerkenswerte Erfolge in der Armutsbekämpfung. Die Gründung und Förderung von Kreditinstituten mit klarer Orientierung an den Bedürfnissen der ärmeren und benachteiligen Bevölkerungsschichten hat einen wichtigen Platz in der Entwicklungspolitik. Damit kommt weltweit ein Geschäftsmodell wieder in den Blick, das vor 200 Jahren Grundlage und Ausgangspunkt bei der Gründung von Sparkassen in Deutschland und in vielen anderen Ländern war. Dieses Geschäftsmodell hat auch und gerade in Zeiten der Globalisierung nichts von seiner Aktualität und Bedeutung verloren. Heinrich Haasis Vorsitzender des Kuratoriums und Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes Die Gründung der Grameen Bank vor 30 Jahren in Bangladesch gab Millionen Menschen Hoffnung und Chancen bei der Bekämpfung der Armut und für die Verbesserung ihrer persönlichen Lebensverhältnisse. Die Bedeutung solcher Kreditinstitute, die sich in ihrer Geschäftspolitik an den Bedürfnissen breiter Teile der Bevölkerung und besonders der ärmeren Schichten orientieren, rückte im Jahr 2006 durch die Verleihung des Friedensnobelpreises an die Grameen Bank und ihren Gründer Professor Muhammad Yunus stärker in das öffentliche Bewusstsein. Mit der Sparkassenstiftung für internationale Kooperation verfügt die Sparkassen-Finanzgruppe über eine erfolgreiche und bewährte Institution, die ihre Erfahrungen und ihr Knowhow in den Prozess der Armutsbekämpfung einbringt und den Inhalten der Sparkassenidee weltweit Geltung verschafft. Deshalb hat die Sparkassen-Finanzgruppe ihre 15 Mio. Euro- Hilfe für die Opfer der Tsunami-Katastrophe im Sparkassen-Wiederaufbaufonds Südasien gebündelt und die Sparkassenstiftung für internationale Kooperation mit der Durchführung des Projekts beauftragt. Die Sparkassenstiftung berät lokale Finanzinstitute in Indonesien und Sri Lanka und unterstützt durch die Bereitstellung von Mikrokrediten aus dem Fonds einen nachhaltigen Wiederaufbau. Das praktizierte Geschäftsprinzip ist einfach und erfolgreich: Den Menschen wird die Möglichkeit gegeben, ihre Spargelder sicher und verzinst anzulegen. Die Vergabe von Mikrokrediten schafft die Voraussetzungen dafür, dass die Menschen aus eigener Kraft und eigener Initiative Güter und Dienstleistungen erstellen und damit Einkommen erarbeiten können. Der Erfolg dieser Idee hat ähnliche Initiativen in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern ausgelöst und gefördert. Daraus resultierten 3

6 Sparkassenstiftung für internationale Kooperation Simrockstraße Bonn Telefon: 02 28/ Telefax: 02 28/ Homepage: Gesamtherstellung: Druck Center Meckenheim

7 Jahresbericht 2006 Inhalt Inhalt 6 Überblick 8 Einblick 8 Perspektiven der City Commercial Banks in China 12 Unser Einsatz in Banda Aceh 18 Projektarbeit Europa/Kaukasus 20 Albanien: Finanzwirtschaftliche Verbraucherbildung 21 Armenien: Förderung regenerativer Energieversorgung 22 Armenien, Aserbaidschan, Georgien: Kreditgarantiefonds 23 Aserbaidschan: Kreditlinie für kleine und mittlere Unternehmen 24 Aserbaidschan: Beteiligung an der Bank Respublika 25 Aserbaidschan, Georgien: Beratung von Partnerbanken im Retailbanking Afrika 26 Madagaskar: Institutionelle Stärkung und Weiterentwicklung der Sparkasse 27 Südafrika: Intensivierung des Retailbanking und Stärkung des internen Managements Asien 28 China: Stabilisierung des Finanzsektors 29 China: Aufbau von Gemeinschaftseinrichtungen für City Commercial Banks 30 China: Beteiligung an der Nanchong City Commercial Bank 31 Jemen: Finanzdienstleistungen für kleine und mittlere Unternehmen 32 Usbekistan: Intensivierung des KMU- und Privatkundengeschäfts 33 Vietnam: Aufbau einer Mikrofinanzinstitution Lateinamerika 34 Mexiko: Entwicklung der Sparkassen 35 Mexiko: Restrukturierung von Sparkassen Länderübergreifend 36 Sparkassen-Wiederaufbaufonds für Südasien: Indonesien, Sri Lanka 37 Managementtraining für Kreditinstitute: China, Kroatien, Mexiko, Südafrika 38 Finanzwirtschaftliche Grundbildung: Mexiko, Botswana, Namibia, Südafrika, Vietnam 40 Organe, Geschäftsstelle und Auslandsrepräsentanten der Sparkassenstiftung 44 Mitglieder der Sparkassenstiftung 5

8 Jahresbericht 2006 Überblick Überblick Vietnam ist eines von 15 Ländern, in denen die Sparkassenstiftung im Jahr 2006 Projekte durchgeführt hat. Wie in den vergangenen Jahren hat das Projektvolumen auch im Berichtsjahr deutlich zugenommen. Der Wiederaufbau- Fonds für Südasien, den die Sparkassenstiftung für die deutsche Sparkassen-Finanzgruppe implementiert, hat volle Fahrt aufgenommen: Sieben Experten vor Ort in Sri Lanka und Indonesien, fast ausstehende Kredite mit einem Volumen von ca. 6 Mio. Euro und geschaffene oder gesicherte Arbeitsplätze lautet die Zwischenbilanz zum Ende des Jahres. Dr. Holger Berndt Vorsitzender des Vorstands In Fachkreisen ist die Bedeutung von Mikrofinanzinstituten als Instrument der Armutsbekämpfung seit langem bekannt und anerkannt. Weltweit wurden in den letzten dreißig Jahren tausende von Mikrofinanzinstituten gegründet, die armen Menschen neue Perspektiven geben. Die Sparkassenstiftung für internationale Kooperation leistet seit ihrer Gründung wesentliche Beiträge auf diesem Gebiet. So hatte die Sparkassenstiftung von 1997 bis 2004 CARD, eine Mikrofinanzinstitution auf den Philippinen, unterstützt. Im Jahr 2005 begann die Zusammenarbeit mit dem vietnamesischen TYM Fund, einem Mikrofinanzinstitut, das aus der vietnamesischen Frauenunion hervorgegangen ist. In dem Projekt für den TYM Fund gibt CARD jetzt seine eigenen Erfahrungen weiter: Zusammen mit der Sparkasse Essen und der Sparkassenstiftung trägt CARD dazu bei, dass der TYM Fund seine Dienstleistungen als rechtlich selbstständige Mikrofinanzinstitution ausbauen kann. Wir freuen uns sehr darüber, dass CARD einen Rollenwechsel vollzogen hat: Aus dem Empfänger von Beratungsleistungen ist nun ein Multiplikator und Berater geworden. Der Ansatz Hilfe zur Selbsthilfe ist hier offenkundig erfolgreich realisiert worden. Weitere Projektschwerpunkte der Sparkassenstiftung waren der Kaukasus, China und Mexiko. In den beiden letztgenannten Ländern sind neue Projekte gestartet worden. In Mexiko hat die Sparkassenstiftung den Auftrag für ein weiteres von der Weltbank gefördertes Projekt bekommen. Es werden mittlerweile fast 200 kleine Kreditinstitute im ländlichen Raum beraten. Für jedes Institut erstellt ein Team der Sparkassenstiftung einen detaillierten Restrukturierungsplan und begleitet dessen Umsetzung. Die bisherigen Projekterfolge haben sowohl die Weltbank als auch das mexikanische Finanzministerium überzeugt, den eingeschlagenen Weg zur Restrukturierung des ländlichen Finanzsektors weiter zu fördern. Ziel eines neuen Projektes in China ist die Schaffung von Verbundeinrichtungen für die ca. 115 City Commercial Banks, die von Struktur und Aufgabenstellung den deutschen Sparkassen sehr verwandt sind. Dementsprechend plant die Sparkassenstiftung, die besonderen Erfahrungen der deutschen Finanzgruppe beim Aufbau von Verbundeinrichtungen, zum Beispiel auf dem Gebiet der IT, Ausbildung und Verbandsaufgaben, einzubringen. Wie sehr die chinesischen Partner den Ansatz von Verbundsystemen als eine echte Alternative zu Holdingstrukturen schätzen, wird aus dem Gastbeitrag von Wang Jingcheng, Generaldirektor der Bankenaufsicht der Provinz Shandong, in diesem Bericht deutlich. 6

9 Jahresbericht 2006 Überblick Ein weiteres wichtiges Projekt wurde in Madagaskar begonnen, wo die Sparkassenstiftung mit der Hamburger Sparkasse nicht nur auf die Weiterentwicklung der madagassischen Sparkasse CEM (Caisse d Epargne de Madagascar) hinarbeitet, sondern auch in Kooperation mit der Handelskammer Hamburg den Ausbildungsberuf Bankfachangestellter aufbauen und einführen wird. Seit Mitte letzten Jahres hat sich die Sparkassenstiftung intensiver dem Thema Financial Literacy (finanzwirtschaftliche Grundbildung) zugewandt. In vielen Gesprächen mit unseren Partnern in Entwicklungs- und Transformationsländern haben wir gelernt, dass dort nicht nur der Zugang zu Finanzdienstleistungen schwierig, sondern auch das generelle Wissen um finanzwirtschaftliche Grundzusammenhänge lückenhaft ist. Es geht dabei um ganz elementare Themen wie etwa warum/wofür soll man sparen oder worauf muss man achten, wenn man einen Kredit aufnimmt. Es gibt viele Hinweise, dass der Mangel an Kenntnissen eine Barriere für die Nachfrage nach Basis-Finanzdienstleistungen darstellen könnte. Die Sparkassenstiftung hat eine länderübergreifende Studie in Auftrag gegeben, um Ansatzpunkte für gezielte Programme zur Förderung der finanzwirtschaftlichen Grundbildung zu identifizieren. Dr. Peter Langkamp Geschäftsführendes Vorstandsmitglied Seit nun 15 Jahren leistet die Sparkassenstiftung ihren Beitrag im Finanzsektor in Entwicklungs-, Schwellen- und Transformationsländern. In mehr als 50 Ländern und 90 Projekten hat die Sparkassenstiftung seither ausländische Partnerinstitute unterstützt und die deutsche Sparkassen-Finanzgruppe bekannt gemacht. Es wurden Projektmittel von mehr als 40 Mio. Euro für diese Arbeit eingesetzt. Genau so wichtig wie die regelmäßigen finanziellen Beiträge der Mitglieder ist die Bereitschaft der gesamten Sparkassen-Finanzgruppe, Mitarbeiter für die aktive Mitwirkung in der Projektarbeit freizustellen. Damit wird gewährleistet, dass wir Knowhow aus der Praxis für die Praxis anbieten können. Unter den Experten, die von der Sparkassen-Finanzgruppe in die Projekte entsandt werden, sind häufig jüngere Fach- und Führungskräfte, die sich so für entwicklungspolitische Aufgaben zur Verfügung stellen. Sie setzen damit Zeichen für ein gesellschaftliches Engagement, das hervorragend zu den satzungsgemäßen Aufgaben unserer Institute passt. Die Sparkassenstiftung bedankt sich bei den Unternehmen der Sparkassen-Finanzgruppe für ihre Förderung und bei den Experten für die engagierte Arbeit. Wir danken dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH, der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG), der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE), der Weltbank und nicht zuletzt auch unseren ausländischen Projektpartnern für die Bereitstellung von Finanzmitteln zur Durchführung der gemeinsamen Projekte, für die gute Zusammenarbeit und für das in uns gesetzte Vertrauen. 7

10 Jahresbericht 2006 Einblick Perspektiven der City Commercial Banks in China Die kleinen Banken werden in der künftigen Entwicklung nicht mithalten können, wenn sie nicht an der Verbesserung ihrer Dienstleistungskompetenz arbeiten. Sie müssen von innen und von außen effektive Maßnahmen ergreifen, um das Problem klein deshalb schwach zu überwinden. Sie müssen möglichst schnell Fehler der Geschäftsführung und Entwicklung korrigieren sowie die Stärken ihrer Organisation und Struktur nutzen. Sie müssen ihre Wettbewerbskompetenz ständig verstärken, um durch die Verbesserung ihrer Kernkompetenzen und ihres Dienstleistungsniveaus eine nachhaltige Entwicklung sicher zu stellen. Wang Jingcheng Generaldirektor der Bankenaufsicht in der Provinz Shandong Die Stärken der City Commercial Banks (CCBs) als kleine Banken liegen in ihrer Eigenschaft: klein. Klein deshalb flexibel, klein deshalb effektiv, klein deshalb leistungsfähig. Leider liegen auch die Schwächen der kleinen Banken in ihrer Eigenschaft: klein. Klein deshalb begrenzt, klein deshalb blindgläubig, klein deshalb schwach. Anpassung an den Markt erforderlich Von 1995 (als die Gründung der CCBs durch den Staatsrat genehmigt wurde) bis heute entwickelten sich die CCBs in mehreren Phasen: Aufbau der Institute, Übertragung der Risiken (Ausgliederung der notleidenden Kredite), Verbesserung des Managements usw. Nun sind die CCBs eine wichtige Säule des chinesischen Bankensystems. Sie spielen eine Hauptrolle in den lokalen Bankenmärkten und haben einen relativ großen Einfluss auf die Wirtschaft in ihren Regionen. An ihrer Bilanzsumme gemessen, sind die CCBs in der Provinz Shandong im Vergleich zu den CCBs in anderen Provinzen Chinas nicht groß, aber sie besitzen einen Marktanteil in ihren Regionen von ca. 10 %, manche sogar von 20 %. Die kleinste CCB in Shandong hat eine Bilanzsumme von 6 Mrd. Yuan (etwa 600 Mio. Euro). Die CCBs entwickeln sich schnell und steigern ebenso schnell ihren Marktanteil. Die wirtschaftlichen Kennzahlen hinsichtlich der Qualität des Kreditportfolios, des Betriebsergebnisses und des Risikomanagements entwickeln sich positiv. Die CCBs haben sich ein gutes Image am Markt erarbeitet. Die größte Herausforderung für die CCBs ist heute nicht mehr die Sicherung ihrer Existenz oder die Führung des Tagesgeschäfts, sondern die Wahl der richtigen Entwicklungsstrategie zur Verbesserung ihrer Position im Wettbewerb. Auch der Schwerpunkt der Aufsichtsarbeit liegt in der langfristigen Perspektive. Grundlegende Veränderung des Bankenmarkts In den letzten Jahren haben die Bankenreform und der Aufbau eines wettbewerbsorientierten Finanzmarktes große Veränderungen im Bankensektor bewirkt: 8

11 Jahresbericht 2006 Einblick Existenz eines wettbewerbsfähigen Bankensystems Umfassendere und differenziertere Kundenbedürfnisse Erweiterung des Bankenmarktes Neuausrichtung der Bankenaufsicht, orientiert an den Marktergebnissen Der zukünftige Marktwettbewerb im Bankensektor wird in verschiedenen Dimensionen zu weiteren umfassenden Veränderungen führen, wie etwa in der Ordnungsdimension hinsichtlich Struktur und Organisation, in der Managementdimension hinsichtlich Kosten und Effizienz sowie in der Ressourcendimension hinsichtlich Personal und Kultur. Wettbewerbsvorteile der kleinen Banken richtig erkennen Im Vergleich mit anderen Finanzinstituten sind die CCBs kleine Banken, die ihre Geschäftstätigkeit auf kleine und mittlere Unternehmen und auf große Bevölkerungsschichten konzentrieren. Sie haben ihre Stärken in den folgenden 5 Aspekten: Geographischer Vorteil: gute Basis für die Entwicklung des Mengengeschäfts Organisatorischer Vorteil: gute Corporate Governance Struktureller Vorteil: flache Hierarchien, was schnelle Entscheidungen ermöglicht Gute Erfahrungen im Bereich Risikosteuerung Enger Kundenkontakt, insbesondere zu den kleinen und mittleren Unternehmen Wettbewerbsnachteile der kleinen Banken genau erkennen Historische Altlasten sind wichtige Komponenten, die die Entwicklung der CCBs beeinflussen. Aber es ist wichtiger, sich in der Analyse auf die Probleme zu konzentrieren, die eine künftige nachhaltige Entwicklung der Wettbewerbskompetenzen der CCBs verhindern: Hochqualifizierte Mitarbeiter fehlen Engpass im IT-Bereich Innovationskraft fehlt Produktpalette ist unvollständig Klein aber fein Konzentration auf Kernkompetenz Die Marktwettbewerbskompetenz ist relativ. Wettbewerbsfähig ist die Bank, die Wettbewerbsvorteile auf dem Markt besitzt, nicht die Bank, die einfach nur bessere betriebswirtschaftliche Kennzahlen ausweist. Für die kleinen Banken sind die folgenden 5 Aspekte wichtig, um ihre Wettbewerbskompetenz zu verbessern: Klare Marktpositionierung/Definition der Zielgruppe: lokale Wirtschaft, Stadtbevölkerung, kleine und mittlere Unternehmen Umstrukturierung der Arbeitsabläufe und Organisation zur Erhöhung der Effizienz Diversifizierung der Angebote Intensivierung von Innovationen Gute Balance zwischen Wachstum und Risikocontrolling Gemeinsames Entwicklungsmodell prüfen Der Wettbewerb fordert von den Banken, dass sie moderne und umfassende Finanzdienstleistungen anbieten. Dies können die kleinen Banken allein teils gar nicht, teils nur mit hohen Kosten oder mit Hilfen von außen leisten. Eine mögliche Lösung wäre, durch regionale und überregionale Fusionen und Übernahmen aus kleinen Banken größere Banken aufzubauen. Es müsste jedoch beachtet werden, dass das Bankensystem sich an die Wirtschaftsstruktur anpassen sollte. Eine bessere Lösung als ein solcher Konzentrationsprozess wäre der Ansatz, 9

12 Jahresbericht 2006 Einblick Qingdao in der Provinz Shandong die Dienstleistungen der CCBs durch einen Kapital- und Geschäftsverbund zu modernisieren, dabei die Unabhängigkeit aller CCBs jedoch unberührt zu lassen. In der Provinz Shandong haben sich alle CCBs über eine gemeinsame Entwicklung in Form eines Verbunds (Kooperation zwischen den CCBs) geeinigt. Stärkung durch Kooperation Die Ziele einer Geschäftskooperation bestehen darin, die Funktionen der kleinen Banken zu vervollständigen, die Kosten zu senken und die Effizienz zu erhöhen. Die kleinen Banken sollen wettbewerbsfähige Produkte und Dienstleistungen anbieten, mindestens so gut wie die großen Banken oder sogar mit einer breiteren Palette, mit einer höheren Effizienz und zu günstigeren Preisen. Die Finanztransaktionen, die die kleinen Banken nicht ausführen können, sollen durch den Verbund zustande gebracht werden. Organisation der Kooperation Die organisatorische Form der Kooperation soll derart gestaltet sein, dass sie alle Kooperationsbereiche abdecken und die Ziele der Kooperation repräsentieren kann. Bei einem Vergleich zwei verschiedener, möglicher Organisationsformen: Kooperation im Rahmen eines Verbandes mit Mitgliedschaften einerseits oder Kooperation durch Gründung einer Kapitalgesellschaft andererseits, wird in Shandong die Kapitalgesellschaft bevorzugt. Es wird erwartet, dass sie die Anforderungen der Kooperation besser repräsentieren kann. Das bedeutet, die Rechtspersönlichkeit aller CCBs bleibt unberührt; jede CCB beteiligt sich mit einem bestimmten Anteil an der zu gründenden Kapitalgesellschaft. In der Tat wird die Kapitalgesellschaft eine überregionale Finanzinstitution sein. Außer den Dienstleistungen, wie dem Aufbau einer IT-Plattform, der Produktentwicklung und der Personalschulung, kann die Gesellschaft noch die Finanzgeschäfte betreiben, die die Produkte und Dienstleistungen der CCBs ergänzen, wie zum Beispiel internationaler Zahlungsverkehr, Devisenkredite, Konsortialkredite und Kreditkartengeschäft. Gleichzeitig ist die Gesellschaft, als Sprecherin der beteiligten CCBs für die Interessenvertretung und Koordinationsaufgaben zuständig. In der Zukunft ist ein Allfinanzkonzept denkbar, d.h. ein solches Institut betreibt die Bankgeschäfte als Kerngeschäfte, und bietet daneben Geschäfte im Versicherungsmarkt, Wertpapiermarkt und Devisenmarkt an. Die Vorteile dieser Organisationsform bestehen darin, dass sie der Marktpositionierung der kleinen Banken entspricht, die Stärken aus der modernen organisatorischen Struktur nutzt, durch die Ressourcenbündelung die Dienstleistungsfunktion der Banken verbessert und den kleinen Banken umfassende Kooperationsmöglichkeiten eröffnet. Gleichzeitig steht dieses Modell mit dem gegenwärtigen Verwaltungssystem im Einklang und berücksichtigt den geographischen Nutzen der kleinen Banken. Ausrichtung der Kooperation Die CCBs beteiligen sich an dem Verbund, die Rechtsverhältnisse zwischen den CCBs und dem Verbund sind eindeutig. Die Hauptaufgabe des Verbundes ist es, die auftragsorientierten Dienstleistungen anzubieten. Die CCBs können die Produkte und Dienstleistungen nach Marktprinzipien erwerben. Das Marktprinzip 10

13 Jahresbericht 2006 Einblick gewährleistet einen Ansporn sowohl für den Verbund als auch für die CCBs und vermeidet Bürokratie. Schrittweise Umsetzung der Kooperation Um eine starke Gemeinschaftseinrichtung aufzubauen, müssen wir Schritt für Schritt vorgehen. Unsere vorläufige Idee ist, zuerst eine selbstständige Kapitalgesellschaft unter Beteiligung aller CCBs zu gründen. Die Gesellschaft soll den beteiligten CCBs Back-Office- Dienstleistungen wie Produktentwicklung, Personalschulung und IT-Entwicklung anbieten, um die dringenden Bedürfnisse der CCBs zu befriedigen. Auf dieser Basis können wir in den folgenden Schritten die Geschäfte der Gesellschaft nach den Wünschen der CCBs und den Entwicklungsrahmenbedingungen ausbauen sowie die Funktion der Gesellschaft vervollständigen. Kreditinstitute in Shandong Anzahl der Bilanz- Zahl der Mitarbeiter- Institute summe (Euro) Filialen zahl Staatliche Banken 4 87 Mrd Aktienbanken Mrd City Commercial Banks Mrd Kreditgenossenschaften n.b. 43 Mrd Unterstützung durch die Sparkassenstiftung für internationale Kooperation Um unsere Ziele zu verwirklichen und die Wettbewerbsfähigkeit unserer CCBs durch Kooperation, Verbundstrukturen und Gemeinschafsteinrichtungen zu stärken, werden wir die Zusammenarbeit der CCBs in Shandong mit der Sparkassenstiftung unterstützen. Die Sparkassen in Deutschland blicken auf eine über 200-jährige Geschichte zurück. Sie haben es gemeinsam geschafft, dass der Begriff Sparkasse in Deutschland heute nicht mehr mit relativ kleinen und regional begrenzten Instituten assoziiert wird, sondern zu einer der größten und erfolgreichsten Marken geworden ist. Unsere Aufgabe wird es sein, diese Erfahrungen zu nutzen und gemeinsam mit der Sparkassenstiftung Lösungen zu entwickeln, die die Besonderheiten des chinesischen Marktes berücksichtigen und unseren CCBs einen nachhaltigen Beitrag zur Entwicklung Chinas ermöglichen. Provinz Shandong: Zahlen und Fakten Lage Chinesische Ostküste, Unterlauf des Gelben Flusses, Kilometer Küstenlänge 36 Grad nördliche Breite (etwa wie Tunis) Bevölkerung 92 Mio. Einwohner nach Bevölkerungszahl zweitgrößte Provinz Chinas Bevölkerungsdichte 591 Einwohner/km 2 Deutschland: 231 Einwohner/km 2 Provinzhauptstadt Jinan 5,9 Mio. Einwohner Weitere Großstädte Qingdao 7,3 Mio. Einwohner in der Region Tai'an 5,5 Mio. Einwohner in der Region Weifang 8 Mio. Einwohner in der Region Yantai 6,5 Mio. Einwohner in der Region Zibo 4 Mio. Einwohner in der Region Bedeutende Konfuzius Begründer des Konfuzianismus Persönlichkeiten Zou Yan bedeutender Philosoph Bian Que Erfinder der traditionellen chinesischen Medizin Wirtschaft Industrie ca. die Hälfte des BIP, unter anderem Petrochemie, Nahrungsmittel, Papier, Haushaltsgeräte, Baustoffe Dienstleistungen ca. 35 % des BIP, Handel, Gastgewerbe, Transport Bergbau Gas, Öl, Kohle, Eisen, Bauxit, Diamanten, Saphir, Gold Landwirtschaft ca. 15 % des BIP, u. a. Weizen, Mais, Sorghum, Hirse City Commercial Banks 12 Institute 11

14 Jahresbericht 2006 Einblick Unser Einsatz in Banda Aceh Sonia Reinhardt Langzeitexpertin Sparkassen-Wiederaufbaufonds Mein Leben in Banda Aceh Jäh werde ich aus dem Schlaf gerissen. Es ist fünf Uhr morgens und eigentlich noch viel zu früh zum Aufstehen. Der Muezzin ruft zum Azan dem ersten Morgengebet. Im islamisch geprägten Banda Aceh haben gläubige Muslime eine Vielzahl von Moscheen errichtet, mit der Folge, dass nicht nur ein Muezzinruf mein Schlafzimmer erreicht, sondern mindestens drei davon. Müde lasse ich mich zurück ins Kissen sinken und versuche, noch ein wenig zu schlafen, bevor es ins Büro geht. Dies ist nun neun Monate her. Als ich im Mai 2006 Banda Aceh erreichte, tauchte ich in eine völlig andere und mir unbekannte Welt ein. Banda Aceh ist anders als der Rest Indonesiens, das ich durch zahlreiche Reisen und Studienaufenthalte kennen gelernt hatte. In Aceh hat die Religion historisch begründet einen sehr hohen Stellenwert, was die Einwohner dieser westlichsten Provinz Indonesiens mit Stolz erfüllt. Sie bezeichnen sich selbst als die Veranda Mekkas. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Acehner ihren Tagesablauf streng nach islamischen Vorschriften organisieren. Fünf Mal am Tag wird zu festgelegten Zeiten gebetet. Die Gebetszeiten richten sich nach der Sonne und werden jeden Tag auf die Minute genau in den gängigen Tageszeitungen veröffentlicht. Jeder Aspekt des alltäglichen Lebens wird im Islam geregelt und durch das im Jahr 2001 eingeführte Sharia- Recht forciert. Es umfasst auch Ge- und Verbote in Bezug auf Kleidung, Essen und Sozialordnung. Das Besondere an Aceh ist, dass die Einhaltung dieser Regeln durch die Sharia- Polizei überwacht wird. Frauen, die ohne Kopftuch erwischt werden. können öffentlich bloßgestellt und per Gerichtsbescheid zum Tragen des so genannten Jilbabs gezwungen werden. Es wird berichtet, dass in besonders harten Fällen auch mit körperlicher Gewalt die Einhaltung der Sharia-Gesetze erzwungen wird. Unklar ist bis heute, inwieweit das Sharia-Recht auch für in Aceh lebende Nichtmuslime gilt. Rein rechtlich gesehen beziehen sich diese Regelungen auf alle in Aceh lebende Personen, doch bislang wurden lediglich Nichtmuslime geahndet, sofern auch Muslime in die Tat verwickelt waren. So kenne ich keine weiße Frau, die ein Kopftuch trägt und auch Indonesier anderer Religionszugehörigkeit zeigen in Aceh ihr Haar. Öffentliche Plätze hingegen, auf denen das Risiko des Khalwat besteht, müssen nach Sonnenuntergang von Muslimen und Nichtmuslimen geräumt werden. Khalwat ist definiert als körperliche Nähe zwischen Mann und Frau ohne eheliche Bindung oder verwandtschaftliches Verhältnis an einem Ort oder in einer Situation, wo intimer Kontakt möglich ist. Dadurch werden Strandabende, bei denen man glutrote Sonnenuntergänge beobachten könnte, zum Spießrutenlauf, denn die Sharia- Polizei scheucht rigoros alle Strandbesucher weg. Darüber hinaus wurde der Fall eines italienischen Entwicklungshelfers bekannt, der festgenommen wurde, weil er ein Verhältnis mit einer acehnischen Frau eingegangen war. Die Nachbarn verständigten via SMS die Sharia- Polizei, weil sie das unverheiratete Pärchen oft 12

15 Jahresbericht 2006 Einblick zusammen allein im Haus beobachtet hatten. Es bestand Verdacht auf Khalwat. Die Sharia- Polizei stürmte das Haus und ertappte das Paar auf frischer Tat, wie es am nächsten Morgen in der Zeitung zu lesen war. Am Anfang meines Einsatzes fühlte ich mich durch solche Nachrichten wie in ein Korsett gepresst. Das Schlimmste war die Unwissenheit. Ich hatte eine Liste von Verboten vor mir, mit denen ich wenig anzufangen wusste und mir war völlig unklar, inwieweit ich mich als Nichtmuslimin daran halten musste. Dass ich Knie und Schultern bedecke, ist Respektsache, aber wird auch von mir verlangt, ein Kopftuch zu tragen oder halal (bedeutet: rein) zu essen? Ich hatte das Gefühl, mich in allen Bereichen des Alltags auf sehr dünnem Eis zu bewegen, das jeden Moment einzubrechen drohte. Doch heute nach neun Monaten weiß ich, dass ich als Nichtmuslimin nicht alle Regelungen befolgen muss, sofern die öffentliche Ruhe gewahrt bleibt. Das heißt beispielsweise kein Joggen neben der Moschee während des Maghrib des Abendgebets, aber durchaus im lokalen Fitnessraum. Kein öffentlicher Genuss von Bier oder Wein, sondern nur in Privaträumen, sofern sie nicht von Außen einsehbar sind. Der Erwerb von Alkohol ist ein weiteres Abenteuer in meinem Leben hier in Banda Aceh. Lediglich zwei von Chinesen betriebene Supermärkte bieten inoffiziell den Verkauf von Alkohol an. Das Prozedere läuft dann ungefähr so ab: Unauffällig schleicht man durch die Gänge und wartet, bis sich ein Chinese nähert, der flüsternd nach dem Gewünschten fragt. Während man an der Kasse zahlt, schnürt er im Hinterraum ein dickes Paket, das keinerlei Hinweis auf den Inhalt gibt und direkt ins Auto getragen wird. Eine weitere Besonderheit war der Fastenmonat im letzten Oktober, der einige interessante Beobachtungen bereithielt. Das öffentliche Leben kam in Banda Aceh tagsüber fast zum Stillstand. Viele Geschäfte machten erst nach Sonnenuntergang auf, und der gesamte Tagesablauf reduzierte sich auf das Ausüben religiöser Pflichten. Das völlige Verbot, Speisen und Getränke zu sich zu nehmen, machte vielen Indonesiern körperlich zu schaffen, vor allem, wenn man die hiesigen Temperaturen in Betracht zieht. Auch für uns Europäer bedeutete dies eine Zeit der Einschränkungen. Es gab lediglich zwei Restaurants, die mittags Essen hinter verschlossenen Türen anboten. Nichtmoslems ist es auch während des Ramadans offiziell erlaubt, zu Essen und zu Trinken. Aus Respekt vor unserem islamischen Gastland tranken wir jedoch immer nur in unbeobachteten Situationen. Bereits um 16 Uhr war der Arbeitstag vorbei, da vor allem die Frauen nach Hause eilten, um die Mahlzeiten für das Fastenbrechen vorzubereiten. Diese durften aber erst beginnen, nachdem aus den Lautsprechern der Moscheen nach Sonnenuntergang ein Signal ertönte, das unserem Feueralarm ähnelt und auf die Minute genau die Zeit des Fastenbrechens vorgibt. Solche Zeremonien sind ein fester Bestandteil des alltäglichen Lebens, und auch wir als westliche Berater müssen die Durchführung von Schulungsmaßnahmen unter Berücksichtigung der Gebetszeiten organisieren. Das bedeutet allerdings nicht, dass alle Acehner die rigorosen Gesetze des Sharia-Rechts befürworten. Eine Umfrage hat ergeben, dass nur sieben Prozent der Acehner die Meinung vertreten, dass das Sharia-Recht mit den Wünschen und Bedürfnissen der Bevölkerung übereinstimmt. Vor allem die Wahl eines Ex-GAM Kombattanten und nicht eines Islamvertreters zum Gouverneur der Provinz Aceh zeigte deutlich die Tendenz der Acehner, Religion als Privatsache zu betrachten, die ohne Zwang ausgeübt werden soll. Ich habe mich mittlerweile so sehr an den Ruf des Muezzins gewöhnt, dass ich morgens nicht mehr von ihm geweckt werde und ihn zu anderen Tageszeiten sogar genieße, denn er ist fast so schön wie unser sonntägliches Glockenläuten. 13

16 Jahresbericht 2006 Einblick Unser Einsatz in Banda Aceh Förderung des wirtschaftlichen Wiederaufbaus bedarf es frischen Kapitals. Dieses wiederum wird in aller Welt, unabhängig von Religionen und Wirtschaftssystemen, von der Kreditwirtschaft zur Verfügung gestellt; so auch in Aceh. Michael Kühl Langzeitexperte Sparkassen-Wiederaufbaufonds Warum? Manchmal werde ich gefragt: Warum haben Sie als Banker Ihre sichere Position in einer Sparkasse in Deutschland verlassen und engagieren sich in einem Land, das auch ohne die Tsunamikatastrophe schon viel Entwicklungsbedarf und -potential bereithielt? Warum setzen Sie sich vielen gesundheitlichen Gefahren aus, um zu helfen? Erdbeben können binnen Sekunden die Region verwüsten, Mücken durch Malaria oder Dengue-Fieber töten Das sind Fragen, bei deren Beantwortung ich mich schwer tue. Ich möchte helfen zu neuer Hoffnung, neuer Zuversicht und damit zu einem sorgenfreieren Leben der Menschen in Aceh beitragen. Auch rufen Abenteuerlust und der Drang zur Selbstverwirklichung. Aber wie kann ich als Banker helfen? Ich baue weder Häuser, Schulen oder Krankenhäuser, noch schule ich Lehrer, Ärzte oder Krankenschwestern. Stattdessen vergebe ich Kredite über unser lokales Partnerinstitut. Entwicklungszusammenarbeit setzt sich aber aus vielen Komponenten zusammen. Nur die intelligente Verzahnung aller Komponenten führt zum Erfolg. Zur In 2006 erhielt Muhammad Yunus, der Gründer der Grameen Bank, einer Mikrofinanzinstitution in Bangladesch, den Friedensnobelpreis. Er beweist seit zwanzig Jahren, dass klassischer Kapitalismus eine profitable Symbiose mit sozialem Fortschritt eingehen und nachhaltig zur Armutsbekämpfung und Arbeitsplatzschaffung beitragen kann. Wie hat Yunus die Quadratur des Kreises geschafft? Er hat erkannt, welche entfesselnde Wirkung es bei Klein(st)unternehmern auslöst, vom Bittsteller zum akzeptierten Geschäftspartner eines Geldinstituts zu werden. So sind Kleinstunternehmer nicht mehr auf die Großherzigkeit unsteter Geber angewiesen, sondern arbeiten selbstbestimmt für ihren höchstpersönlichen Erfolg. Ein berauschendes Gefühl Geschenke hingegen machen träge. Deshalb machte die UN das Jahr 2005 zum Jahr der Mikrofinanzierung. Der Sparkassen-Wiederaufbaufonds verleiht deshalb Geld an Menschen, die üblicherweise bei Banken bereits an der Eingangstür zurückgewiesen werden. Ich helfe dabei, indem ich die lokale, staatliche Entwicklungsbank Acehs, die Bank BPD Aceh, bei der Implementierung des Mikrokreditproduktes berate. Bevor ich meine Mission in Indonesien begann, wurde ich bei InWent in Bad Honnef in die Geheimnisse der indonesischen Kultur eingeweiht, um den berühmt-berüchtigten Kulturschock so gering wie möglich zu halten. Die indonesische Kultur unterscheidet sich so sehr von der westlichen, dass man es kurz zusammenfassen kann: Es ist alles ganz anders. Ich lernte, dass die gebückte Haltung, mit der mir die Indonesier mit niedrigerem gesellschaftlichem Status begegnen, ein Zeichen von Respekt und nicht von Unterwerfung ist. 14

17 Jahresbericht 2006 Einblick Außerdem erfuhr ich, dass Indonesien mit seinen 240 Mio. Einwohnern nicht nur das viertbevölkerungsreichste Land der Erde ist, sondern auch das bevölkerungsreichste moslemische Land (88 % Moslems). In Aceh wird das strenge islamische Sharia-Gesetz mit seinen teilweise drakonischen Strafen, wie z.b. öffentlichen Stockhieben, angewendet. Doch kann auch die beste theoretische Vorbereitung nicht vor jedem Fehler schützen. Ich erfuhr durch etliche Trial-and-error -Erfahrungen, was es bedeutet, in einer konformistischen Gesellschaft zu leben, in der Gesellschaft und Alltag bis in die kleinsten Äderchen durch Hierarchien strukturiert sind. Indem jeder Mensch die mit seinem Status verbundenen Standespflichten erfüllt, trägt er dazu bei, dass die verschiedenen Teile der Gesellschaft eine harmonische Einheit bilden. Hierarchische Ordnung ist nach diesem Verständnis etwas Gutes. Die Menschen fühlen sich in ihr sicher, weil sie nichts falsch machen können. Zu Anfang fiel es mir schwer, diese fein ziselierten, nicht immer offensichtlichen Verhältnisse zu erkennen. Ein westlicher Berater, der zu vielen Personen auf die Füße tritt, kann sein Projekt bereits vor dem eigentlichen Beginn zum Scheitern bringen, wenn er Respekt und Glaubwürdigkeit verspielt. Es war für mich nicht leicht, zu akzeptieren, dass das Wort einer lebenserfahrenen Person schwerer wiegen kann, als ein Sachargument. Denn nach indonesischem Verständnis eignet man sich Wissen nicht durch den Besuch von Bildungseinrichtungen an, sondern durch praktische Lebenserfahrung. Das Hinterfragen von Aussagen und Anweisungen älterer Personen kommt einem Affront gleich, denn den Älteren wird traditionell Weisheit und Wissen zugesprochen. Die aus dem gesellschaftlichen Status resultierenden traditionellen Rollenerwartungen schnüren den Berater häufig in ein enges Korsett. Das Ausbrechen aus diesen Kassenraum der Zentrale der BPD in Banda Aceh. Mit Mikrofinanzen hatte die BPD lange keine Erfahrung. Im Rahmen des Sparkassen-Wiederaufbaufonds für Südasien wurde sie Projektpartner der Sparkassenstiftung und legt seither erfolgreich Mikrokredite an vom Tsunami betroffene Kleinunternehmer aus. Konventionen ist hoch riskant. Es führt schnell zur Verunsicherung auf der indonesischen Seite und kann leicht als Verletzung der Gefühle oder der Ehre empfunden werden. So ist in vielen Sitationen sehr viel Fingerspitzengefühl gefragt. Auch der von indonesischer Seite sehr geschätzte Technologietransfer ist nicht immer einfach. Im Umgang mit neuen Technologien und Freiheiten tendieren indonesische Mitarbeiter zu Unsicherheiten, da das Erziehungsideal nicht der kreative Individualismus, sondern das harmonische Sicheinfügen in Bestehendes ist. Inzwischen gerate ich jedoch nicht mehr so schnell ins Grübeln, wenn ich feststelle, dass ein Plan bereits in der allerersten Sekunde der Umsetzung gescheitert ist. Dennoch sind diese Erfahrungen Kraft raubend, weil sie zu den Dingen gehören, an die ich mich als typischer Deutscher nur schwer gewöhnen kann. Meine Kompromissformel zum Thema Planen lautet: Habe stets Plan B bis E dabei. Gerade zu Beginn blieb Verunsicherung wegen der Fülle der unverstandenen Unterschiede 15

18 Jahresbericht 2006 Einblick nicht aus. Es kam zu Frustrationen, weil ich nicht wusste, wie ich kulturadäquat auf ungewohnte Situationen reagieren sollte und auch keine unmittelbare Problemlösung sah. Die Verunsicherung gepaart mit dem Wissen, die Erwartungen des Arbeitgebers aus Deutschland erfüllen zu müssen, sind für die erforderliche Eigenmotivation nicht einfach. Je mehr ich jedoch von dieser andersartigen Kultur verstehe, desto klarer wird mir, welch großartige Möglichkeit ich hier habe, neue Lebenswelten kennen lernen, gestalten und genießen zu können. Und genau solche Momente sind es, die alle Schwierigkeiten und Entbehrungen vergessen machen. Das Erleben anderer Farb-, Geschmacks-, Geruchs- und Ordnungswelten verliert die Fremdartigkeit und wird stattdessen faszinierend. Ich vergesse den Ärger darüber, dass zwar eigentlich alles verfügbar und machbar ist, nur nicht im Moment meiner Nachfrage. Ich sehe einen funktionierenden Internetanschluss nicht mehr als Selbstverständlichkeit an, sondern als ein grandioses Medium, die Kilometer Distanz nach Deutschland unaufgeregt überbrücken zu können. Nicht funktionierende Türklinken, Leitungswasser mit täglich wechselnder Qualität, die Nutzung von Hocktoiletten, Stromausfälle, überlastete Telefonnetze, garantierte Flugverspätungen verlieren ihre nervenzehrende Wirkung, und ich komme zu der Erkenntnis, dass das Leben eben doch funktioniert und sich auch der Mangel organisieren und handhaben lässt. Ich sehe die Arbeit, die bei der Implementierung des Sparkassen-Wiederaufbaufonds in Indonesien noch vor uns liegt, als lösbare und nicht als unüberwindbare Herausforderung an. 16

19 Jahresbericht 2006 Einblick Projekte 17

20 Jahresbericht 2006 Projektübersicht Kroatien Albanien Georgien Usbekistan Armenien Aserbaidschan China Jemen Sri Lanka Vietnam Indonesien Botswana Namibia Madagaskar Südafrika 20 Albanien Finanzwirtschaftliche Verbraucherbildung 21 Armenien Förderung regenerativer Energieversorgung 26 Madagaskar Institutionelle Stärkung und Weiterentwicklung der Sparkasse 27 Südafrika Intensivierung des Retailbanking und Stärkung des internen Managements 22 Armenien, Aserbaidschan, Georgien Kreditgarantiefonds 23 Aserbaidschan Kreditlinie für kleine und mittlere Unternehmen 24 Aserbaidschan Beteiligung der an der Bank Respublika 25 Aserbaidschan, Georgien Beratung von Partnerbanken im Retailbanking 18

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