Deutsche Industrie: Im Abschwung

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1 Deutsche Industrie: Im Abschwung ifo Branchen-Dialog 2008 Dr. Tobias Just München, Think Tank der Deutsche Bank Gruppe

2 Zahlreiche Belastungsfaktoren Schwäche wichtiger Exportländer hält an USA durch Immobilien- und Finanzkrise stark geschwächt Spanien, Irland, UK, Frankreich durch Korrekturen auf Immobilienmärkten unter Druck Ölexportierende Länder: Verlangsamung nach Ende der Ölpreishausse Refinanzierungsbedingungen belastet. Großprojekte insbesondere bei Immobilien erfordern deutlich mehr Eigenkapitalunterlegung als vor zwei Jahren Energiepreise noch immer vergleichsweise hoch Ölpreise haben zwar zyklisches Hoch verlassen, liegen aber noch deutlich über langfristigen Mittelwerten Dauerhaft hohe Energiepreise sind wahrscheinlich Ende der Investitionsanreize (durch Sonderabschreibungen) läutete 2008 das Ende des Investitions(wachstums)zyklus ein Dr. Tobias Just Seite 2

3 Gesamtkonjunktur verliert dramatisch an Schwung Frühindikatoren zeigen deutlich nach unten 2000=100 (rechts) Saldo (links) GfK Konsumentenvertrauen (links) GfK Konsumneigung (links) ifo Geschäftserwartungen (rechts) Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe hat sich deutlich verschlechtert auf Niveaus der letzten Konjunkturschwäche Konsumneigung ebenfalls rückläufig, allerdings noch auf etwas höherem Niveau als in der letzten Schwächephase (dies ist freilich ein nachlaufender Indikator) Konsumentenvertrauen insgesamt unter Vorjahresniveaus (allerdings gab es hier auch keine hohen Werte) Quellen: ifo, GfK Dr. Tobias Just Seite 3

4 Deutsche Wirtschaft im Abwärtssog Keine Abkopplung Reales Bruttoinlandsprodukt, % gg. Vj DE US EMU JP Wichtige Exportländer (nicht nur USA) sind am Rande der Rezession. Das belastet den Exportweltmeister Privater Konsum anhaltend schwach Immerhin hilft der zuletzt rückläufige Ölpreis und der etwas günstiger bewertete EUR den Industriebranchen Dr. Tobias Just Seite 4

5 Wichtige Exportländer unter Druck Wohin gehen unsere Güter? Ausfuhren 2007 insgesamt: EUR 911 Mrd. -3,1-1,7-1,5-5,0 Rest Asien Korea Japan China Rest Amerika Rest der Welt Frankreich UK -3,0-1,8-1,7-3,3 USA Italien +0,7-3,5 Niederl. -3,4-1,4-2,1-1,7-3,4-3,3 Rest Europa Wachstumsverlangsamung in %-Punkten Halb- und Fertigwaren, Nahrungs- und Genussmittel Quelle: Statistisches Bundesamt 2002 gg ,0 0,0 2009(p) gg Dr. Tobias Just Seite 5

6 Zyklischer Höhepunkt überschritten Produktionsrückgang in Sicht Produktionsindex Verarbeitendes Gewerbe, 2000= ,2% +6,0% +6,5 +1% -2,5% 2007 erreichte Wachstumszyklus den Höhepunkt 2008 gab es bereits Phase rückläufiger Produktion Fertigungsplus für 2008 sehr wahrscheinlich, da erste acht Monate noch deutlich über Vorjahr Abarbeiten der gefüllten Auftragsbücher und einige Großaufträge dämpfen Anpassungsdruck bisher Dr. Tobias Just Seite 6

7 Rezession ja, Depression nein Vergleich mit früheren Schwächephasen Produktionsindex Verarbeitendes Gewerbe % gg. Vj. (nsb, arbeitstäglich bereinigt) Rückgang der Fertigung im Rahmen üblicher konjunktureller Schwächephasen Allerdings kräftigere Korrektur als nach der Anpassung an die Dot-Com-Blase Gesamtzuwachs 2004 bis 2008: 23% Gesamtzuwachs 1997 bis 2001: 17% Es gibt keine Konjunkturretter wie 2002 (Economist titelte 2002: The houses that saved the world). Solch einen Retter gibt es heute nicht Quelle: Statistisches Bundesamt Dr. Tobias Just Seite 7

8 Belastungsfaktoren wirken unterschiedlich in Branchen Energie spielt nicht die wichtigste Rolle Anteil Energiekosten an Bruttoproduktionswert, 2006 in % Metallerz./bearbeitung Chemie Textil Kunststoffe Ernährung Maschinenbau Automobil Elektrotechnik Bekleidung Quelle: Statistisches Bundesamt Hohe Exportquoten %, 2007 Automobil Maschinenbau Chemie Elektrotechnik Textil Kunststoffe Metallerz./bearbeitung Bekleidung Ernährung Anteil Auslandsumsatz an Gesamtumsatz Quelle: Statistisches Bundesamt Dr. Tobias Just Seite 8

9 Ernährungsgewerbe: Stabile Produktion Ernährungsgewerbe wenig beeinträchtigt Produktionsindex Ernährungsgewerbe NACE 15, 2000= ,3 +1,7 +2,1-1% +1% Starker Anstieg der Erzeugerpreise in 2007 und 2008 vorerst gestoppt (Anstieg der Anbauflächen und gute Ernten nach zwei schlechten Erntejahren) Produktionsrückgang 2008 dürfte daher 2009 sogar wieder aufgeholt werden Dr. Tobias Just Seite 9

10 Bekleidungsgewerbe stärker belastet als Textilwirtschaft Leichte Produktionsrückgänge im Textilgewerbe Produktionsindex Textilgewerbe NACE 17, 2000=100 Talfahrt im Bekleidungsgewerbe setzt sich fort Produktionsindex Bekleidungsgewerbe NACE 18, 2000= ,9% ,2% -0,7% +0,8% -2% ,2% -11% -20% 80-3% 30-18% Dr. Tobias Just Seite 10

11 Chemie: Anpassungsprozess hat bereits begonnen Aufträge rückläufig Chemieindustrie, 2000=100 Insgesamt Inland Ausland Quelle: Statistisches Bundesamt Korrektur hat begonnen Produktionsindex Chemie NACE 24, 2000= ,8% +3,7% +5,0% -1% % Dr. Tobias Just Seite 11

12 Weniger Metallerzeugung und -bearbeitung Deutlich abwärts Produktion Metallerzeugung u. -bearbeitung NACE 27, 2000=100 Stahlbranche produzierte 2007 mit 48,5 Mio. Tonnen Rohstahl an Kapazitätsgrenze ,5% +6,5% +5,3 +/-0% -3% Wichtige Abnehmerbranchen (Auto, Maschinenbau, Elektrotechnik) verlangsamen bereits ihr Wachstum, und eine weitere Schwächung ist abzusehen Zugewinne durch Strukturverschiebung hin zu Qualitätsprodukten Dr. Tobias Just Seite 12

13 Auch der längste Boom geht einmal zu Ende Geschäftserwartungen: Maschinenbau eingebrochen Saldo aus positiven und negativen Firmenmeldungen Korrekur nach langem Boom Produktionsindex Maschinenbau NACE 29, 2000= ,7% +9,4% +5% -3% ,4% Quelle: ifo Institut Dr. Tobias Just Seite 13

14 Elektrotechnik: Vollbremsung! Auftragsbücher noch (!) voll Auftragseingang in der Elektrotechnik, 2000=100 Höhepunkt erreicht Produktionsindex Elektrotechnik ZVEI Abgrenzung, 2000=100 Inland Ausland % -2% ,0% ,1% ,0% Quelle: Statistisches Bundesamt Dr. Tobias Just Seite 14

15 Autoindustrie: Rückwärtsgang eingeschaltet Automobilindustrie rutscht in die Rezession Produktionsindex Automobilindustrie NACE 34, 2000= ,7% +2,4% +7,2% -2% -4% In den meisten westeuropäischen Länder geht die Zahl der Neuzulassungen zurück in Spanien und Italien dramatisch USA als Absatzmarkt massiv unter Druck Produktionsstätten in USA oder Spanien eher betroffen als jene in Deutschland. Daher Rückgang nur auf das Fertigungsniveau von 2006 Erste Rezession seit Dr. Tobias Just Seite 15

16 Sechs Thesen Weltwirtschaft verliert deutlich an Schwung Deutsche Industrie hat ihren Aufschwung bereits beendet 2009 droht Rezession Es fehlen die Rettungsanker des letzten Abschwungs im Ausland Strukturverschiebung in der globalen Fertigung begünstigen mittelfristig dt. Investitionsgüter ter Langlebige Konsumgüter massiv unter Druck; Bedarfsgüter weniger betroffen Es gibt sehr große e Prognoseunsicherheiten (nach oben als auch nach unten) Dr. Tobias Just Seite 16

17 Mehr auf Dr. Tobias Just Seite 17

18 Copyright Deutsche Bank AG, DB Research, D Frankfurt am Main, Deutschland. Alle Rechte vorbehalten. Bei Zitaten wird um Quellenangabe Deutsche Bank Research gebeten. Die vorstehenden Angaben stellen keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Alle Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung des Verfassers wieder, die nicht notwendigerweise der Meinung der Deutsche Bank AG oder ihrer assoziierten Unternehmen entspricht. Alle Meinungen können ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Die Meinungen können von Einschätzungen abweichen, die in anderen von der Deutsche Bank veröffentlichten Dokumenten, einschließlich Research-Veröffentlichungen, vertreten werden. Die vorstehenden Angaben werden nur zu Informationszwecken und ohne vertragliche oder sonstige Verpflichtung zur Verfügung gestellt. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Angemessenheit der vorstehenden Angaben oder Einschätzungen wird keine Gewähr übernommen. In Deutschland wird dieser Bericht von Deutsche Bank AG Frankfurt genehmigt und/oder verbreitet, die über eine Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht verfügt. Im Vereinigten Königreich wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG London, Mitglied der London Stock Exchange, genehmigt und/oder verbreitet, die in Bezug auf Anlagegeschäfte im Vereinigten Königreich der Aufsicht der Financial Services Authority unterliegt. In Hongkong wird dieser Bericht durch Deutsche Bank AG, Hong Kong Branch, in Korea durch Deutsche Securities Korea Co. und in Singapur durch Deutsche Bank AG, Singapore Branch, verbreitet. In Japan wird dieser Bericht durch Deutsche Securities Limited, Tokyo Branch, genehmigt und/oder verbreitet. In Australien sollten Privatkunden eine Kopie der betreffenden Produktinformation (Product Disclosure Statement oder PDS) zu jeglichem in diesem Bericht erwähnten Finanzinstrument beziehen und dieses PDS berücksichtigen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen. Dr. Tobias Just Seite 18

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