Aktuelles vom Stadtverkehr der MVG

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1 Sicherheit aus Sicht der Kunden aktuelle Ergebnisse einer Studie aus München Aktuelles vom Stadtverkehr der MVG Herbert König MVG München

2 Inhalt Ziele und Vorgehensweise der Untersuchung Entwicklung Gewaltkriminalität in der Münchner U-Bahn Realisierte Maßnahmen im Vergleichszeitraum Ergebnisse der Untersuchung Schlußfolgerungen

3 Ziele und Vorgehensweise der Untersuchung Ziele: Aktualisierung der Forschungsergebnisse von 2001 Bewertung der seitdem durchgeführten Maßnahmen daher: weitgehend ähnliches Untersuchungsdesign wie 2001 zweistufiger Aufbau der Untersuchung: A) Fahrgastbefragung (repräsentative Stichprobe) B) Qualitative Erhebung: Tiefeninterviews und Gruppendiskussionen Abschluss: A): 2007 B) 2008 Bericht: Oktober 2008 Auftragnehmer und Quelle aller Darstellungen: Hamburg-Consult GmbH (HC) Hamburg/München 2008

4 Entwicklung Gewaltkriminialität in der Münchner U-Bahn 400 1,000 Gewaltkriminalität (Anzahl) Fahrgäste in Mio ,750 0,500 0,250 Gewaltkriminalität / Mio. Fahrgäste 0 0, HR Fahrgäste U-Bahn Gew altkriminalität Gew altkriminalität pro Mio. Fahrgäste Trend: aber: Stagnierende, seit 2007 rückläufige Gewaltkriminalität, steigende Netzlänge, steigende Fahrgastzahlen, somit: sinkendes Risiko (Gewalttaten pro 1 Mio Fahrgäste) kein Unterschied zur gesamtstädtischen Entwicklung Erhöhte Sensibilisierung Anfang 2008 durch Fallhäufung (mit veröffentl. Videobildern)

5 Realisierte Maßnahmen im Vergleichszeitraum Aufstockung U-Bahnwache um 49 Prozent Ausweitung Videoüberwachung (auf derzeit ca. 800 Kameras) Einführung der Speicherung aller Bilder mit Echtzeitzugriff der Polizei Ausbau Überwachungsplätze im Betriebszentrum Notrufsprechstellen in allen Wagen ( 3 je Wagen) Neue durchgängige Züge mit Durchblick zum Fahrer ( ca. 15 % des Wagenparks) Start neues Leitsystem Häufige Kommunikation der Maßnahmen (Medien, eigene Veröffentlichungen) Netzentwicklung: 2001: 85 km Betriebsstrecke 2007: 93 km Betriebsstrecke

6 Ergebnisse Fahrgastbefragung (1) Sicherheitsempfinden (3 Klassen) ,4 55, ,5 37, n = (= Rücklaufquote 36,6 %) ,1 7,2 Sicher Eingeschränkt sicher Unsicher Regelmäßige Nutzer: 66,8 % Gelegenheitsnutzer: 27,2 % Seltennutzer: 5,9 % Generelle Entwicklung: Sicherheitsempfinden hat sich weiter verbessert Nur 7,2 % fühlen sich unsicher (Hamburg 2004: 13 %) Am signifikantesten ist die Verbesserung in den U-Bahnzügen Sicherheitsempfinden im U-Bahnbereich fast so gut wie im eigenen Stadtviertel relativ am schlechtesten in der Umgebung von U-Bahnhöfen!

7 Ergebnisse Fahrgastbefragung (2) Sicherheitsempfinden nach Alter und Geschlecht 70 Männer: ø rd. 51% sicher Frauen: ø rd. 29% sicher 60 vv Anteile in % sicher eingeschränkt sicher unsicher m, unter 30 [n= 177] m, [n= 257] m, [n= 192] m, 70 + [n= 64] w, unter 30 [n= 349] w, [n= 383] w, [n= 273] w, 70 + [n= 82] Deutliche Soziodemographische Unterschiede: Junge Frauen fühlen sich besonders unsicher Sicherheitsgefühl junger Männer hat sich verschlechtert (allerdings auch: Deutlich höhere Teilnahme) Trend: Je jünger, desto unsicherer; Senioren fühlen sich am sichersten!

8 Ergebnisse Fahrgastbefragung (3) Keine Unterschiede mit / ohne Migrationshintergrund Häufignutzer fühlen sich sicherer

9 Ergebnisse Fahrgastbefragung (4) 84 % stimmen dem Statement Die MVG tut viel für die Sicherheit ihrer Fahrgäste zu Nur 4,6 % sind mit den Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit unzufrieden

10 Ergebnisse Fahrgastbefragung (5) Mehrfachnennungen möglich (Kategorien vorgegeben) Wahrgenommen wurden vor allem: Verbesserung Beschilderung, Qualität Sicherheitseinrichtungen, Durchsagen, Belebtheit v. Bahnhöfen Verschlechterung Sauberkeit, Anwesenheit von Personen, die Sicherheitsempfinden beeinträchtigen

11 Ergebnisse Fahrgastbefragung (6) Bekanntheit von Maßnahmen der MVG (vorgegebene Maßnahmen) Die meisten Maßnahmen wurden wahrgenommen bzw. sind bekannt Videoüberwachung in Zügen war zum Zeitpunkt der Befragung angekündigt, aber noch nicht begonnen

12 Ergebnisse Fahrgastbefragung (7) Rangliste geeigneter Maßnahmen (vorgegebene Vorschläge) Verbesserung der Beleuchtung erreicht die höchste Bewertung als geeignete Sicherheitsmaßnahme Hohe Bewertungen u. a. auch für Notrufsprechstellen, Durchgängigkeit der Züge und Video

13 Ergebnisse Fahrgastbefragung (8) Vorschläge für Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit (freie Texteingabe) Bei offener Abfrage dominiert eindeutig der Wunsch nach mehr personeller Präsenz an zweiter Stelle steht der Ausbau der Videoüberwachung an dritter Stelle werden Maßnahmen zur Belebung und Verbesserung des Erscheinungsbilds genannt

14 Ergebnisse Fahrgastbefragung (9) Mehrfachnennungen möglich (Kategorien vorgegeben, auch: Sonstiges ) 54 % : verunsichernde Erlebnisse in den letzten 4 Wochen (Hamburg 2004: 47,6 %) Häufigste Nennung bei Sonstiges: Rücksichtsloses oder bedrohliches Verhalten anderer Fahrgäste Anteilig stärkste Gruppe mit verunsichernden Erlebnissen: Frauen unter 30 (65 %!) Incivilities (Rücksichtslosigkeit, Verwahrlosungserscheinungen) werden mit zunehmendem Alter verunsichernd wahrgenommen

15 Ergebnisse Fahrgastbefragung (10) Fahrgäste, die von der verunsichernden Wirkung bedrohlich wirkender Personen berichten, fühlen sich auch weniger sicher Bereits Anwesenheit wirkt, nicht allein bedrohliches Verhalten

16 Ergebnisse Fahrgastbefragung (11) Einerseits: Relativ hohe Erwartung, Opfer zu werden (vor allem: Belästigung/Beleidigung und Diebstahl) Andererseits: Wenig Unterschied zu Einschätzung der Risiken in der Innenstadt

17 Ergebnisse Fahrgastbefragung (12) Angabe Fahrtverzicht aus Sicherheitsgründen hat gegenüber 2001 deutlich abgenommen Deutlich höhere Anteile bei Frauen unter 30 Häufigste Motive für Fahrtverzicht: Allgemeine Unsicherheit in Abendstunden, Rücksichtsloses Verhalten anderer Fahrgäste und Anwesenheit bedrohlich wirkender Personen Örtlich gilt dies vor allem für den Weg vom bzw. zum U-Bahnhof. Der U-Bahnzug folgt erst an 8.Stelle.

18 Ergebnisse Fahrgastbefragung (13) Vor allem Frauen fühlen sich auf dem Weg von und zur U-Bahn unsicherer als in der U-Bahn selbst

19 Ergebnisse Fahrgastbefragung (14) Einschätzung der Bahnhöfe hat sich in Summe verbessert Einige 2001 kritische Bahnhöfe werden jetzt als sicher bewertet Einige 2001 als sicher bewertete Bahnhöfe haben sich verschlechtert (u. a. infolge Standortwechsel Stadion) Gründe für Unsicherheit: Anwesenheit unangenehmer Personen, mangelnde Helligkeit, Alkohol/- Drogenkonsum, Einschätzung Umfeld, bauliche Situation (mangelnde Übersicht, Säulen) Gründe für Sicherheit: Belebung, Anwesenheit Personal, Erscheinungsbild/Sauberkeit Bahnhof

20 Ergebnisse Fahrgastbefragung (15) Es wurden noch mehr Infos am Bahnsteig und im Zug sowie über Infoscreen gewünscht

21 Ergebnisse Fahrgastbefragung (16) Frage: Haben Sie nach den Anschlägen in Madrid und London auf Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln verzichtet? 12,2 % geben an, nach ÖV-Anschlägen in Madrid und London auf Fahrten verzichtet zu haben 4,2 % geben an, weiterhin zeitweilig oder dauerhaft zu verzichten

22 Qualitative Untersuchung Tiefeninterviews (insgesamt 32): Opfer von Verbrechen und Vergehen Junge Frauen Personen mit Migrationshintergrund Beschwerdeführer Senioren Zuzügler aus anderen Metropolen Gruppendiskussionen: Jugendliche in einem Gymnasium Jugendliche in einem Freizeitheim Bewohner eines Stadtteils (mit besonders negativen Werten in der Befragung) Eltern (vor-)schulpflichtiger Kinder Tiefeninterviews: je ca. 60 Min; Leitfragebögen je Zielgruppe, keine Antwortvorgaben, (teilstandardisierte Interviews) Durchführung: Frühjahr/Sommer 2008 (= nach Vorfallsserie mit intensiver Medienberichterstattung)

23 Qualitative Untersuchung Wesentliche Erkenntnisse Insbesondere Senioren betonen Bedeutung von Umfeldbedingungen (Sauberkeit, Übersichtlichkeit) = des Wohlfühlfaktors für ihr Sicherheitsempfinden Incivilities sind Probleme für alle, werden aber teilweise sehr unterschiedlich definiert; jedoch bei fast allen: Betrunkene, Fußballfans große Bandbreite in der Wahrnehmung der Sicherheitskräfte (zu soft bis zu martialisch) Eingeschränktes Sicherheitsgefühl während Oktoberfest und bei Fußballspielen Zuzügler urteilen deutlich positiver, Ausnahme: woanders mehr Video im Zug Mit Ausnahme männlicher ausländischer Jugendlicher alle eindeutig pro Video Ausländer: keine signifkanten Unterschiede, aber: Unsicherheit durch Sprachprobleme (z. B. unverständliche Durchsagen, unverständliche Fahrausweisautomaten) Video ist cool (Gruppe Gymnasiasten) Verbreitung der Videobilder in den Medien macht Angst (Gruppe Eltern) Mehr Geld für Sicherheit, dann für Beleuchtung und Video (Gruppe Gymnasiasten)

24 Qualitative Untersuchung Wesentliche Erkenntnisse späte Reaktion auf Beschwerden und mangelnde Konsequenz wird als Desinteresse am Wohlbefinden des Kunden interpretiert ausländische Jugendliche fühlen sich extrem kontrolliert; sie empfinden die Ordnungskräfte als ihr subjektives Sicherheitsproblem ; diese könnten nicht differenzieren Eltern mit jungen Kindern wünschen sich kindgerechtes Agieren des Personals Junge Frauen haben latente Sorge vor Verunsicherung, Belästigung und Übergriffen und haben daher eine breite Palette von Vermeidungsstrategien entwickelt ALLE: Das größere Problem ist der Weg von der U-Bahn nach Hause! Daher wichtigster Wunsch: Umfeld der Bahnhöfe verbessern und beleben! Die U-Bahn ist ein Nadelöhr: Hier trifft man auf Leute, denen man woanders leichter ausweichen kann (Gruppe Gymnasiasten) wir regeln unsere Konflikte untereinander, das geht doch niemand etwas an (Gruppe ausländische Jugendliche)

25 Schlussfolgerungen Sicherheitsgefühl hat sich weiter verbessert, bisherige Maßnahmen greifen, dennoch gibt es Handlungsbedarf und Themen, die vertieft werden sollten: (1) Sauberkeit und Helligkeit sind Basis für subj. Sicherheit; insbesondere die Ausleuchtung der Bahnhöfe (Helligkeit und Farbigkeit) ist weiter zu verbessern (2) Videoüberwachung auch in den Zügen eine klare Sache! (3) Noch mehr erforderlich: Kommunikation der Noteinrichtungen (4) Sensibilisierung der Mitarbeiter (insb. der U-Bahnwache) für die Ergebnisse; noch mehr (psychologische) Schulung, Ziel: differenzierterer Umgang (5) Rücksichtslosigkeit ist der Anfang von Unsicherheit Unser Versuch: Kampagne (6) Sicherheits-Problem Alkohol; Weniger Toleranz? Geht das? (7) Fußballfans vom Fahrgast zum Sicherheitsproblem; wo und wie ziehen wir die Grenze? (8) Der Weg vom Bahnhof nach Hause wohl das wichtigste Sicherheitsthema! Mögliche Ansätze zu (8): Genaue Analyse für jedes Bahnhofsumfeld, Besser beleuchtete Wege, Taxiruf zum U-Bahnhof, AST-Linien, intensivere Polizeipräsenz im Bahnhofsumfeld, in jedem Fall: Konzertiertes Vorgehen mit Stadt, Polizei, Bezirksgremien, Sozialbehörden, ggf. Wohnungsbaugesellschaften etc.)

26 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit Danke für die Aufmerksamkeit und gute Fahrt mit der MVG

27 Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit

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