Burnout präventive Aspekte

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1 Burnout präventive Aspekte 25. Betriebs- und Werksärztetagung der Bezirksdirektion Heidelberg 26. Juni 2013 Firma Roche Diagnostics GmbH Dipl.-Psych. Roland Portuné BG RCI, Fachbereich Arbeitspsychologie Seite 1

2 Burnout - konzeptionnell Freudenberger (1974): arbeitsbedingte Erschöpfungssymptome Maslach und Jackson (1981) Burnout bei helfenden Professionen MBI (Maslach Burnout Inventar) mit den Dimensionen: emotionale Erschöpfung Depersonalisation / Zynismus Gefühl verringerter Leistungsfähigkeit Rückgang arbeitsbezogener Motivation ICD 10 Zusatzdiagnose Z-73 Ausgebranntsein - Burnout Zustand der totalen Erschöpfung Seite 2

3 Ursachen von Burnout Berufliche Anforderungen Arbeitsverdichtung, enge Zeitvorgaben, steigende Erwartungen und Anforderungen, Stellen- und Mittelkürzungen, Leistungs- und Konkurrenzdruck, fehlende Anerkennung für geleistete Arbeit Entgrenzung der Arbeit, fehlende Rückzugsmöglichkeiten Persönliche Hintergründe - Mangelnde Stressbewältigungsstrategien - Ehrgeiz, Perfektionismus, Nicht Nein sagen können - Angst vor dem Scheitern -> chronischer Stress -> Selbstausbeutung Seite 3

4 Risiko für Auftreten arbeitsbedingter psychischer Erschöpfung Hasselhorn und Nübling (2004) 67 Berufsgruppen ( Erwerbstätige, mindestens 20 Wochenstunden erwerbstätig) Lehrerberufsgruppen belegen die ersten Ränge mit signifikant erhöhten Risiken (Sonderschullehrer, Berufsschullehrer, Realschul-, Grundschul- und Hauptschullehrer sowie Schulleiter gefolgt von Sozialberufen (Kindergärtner/innen, Pflegehelfer/ innen, Altenpfleger/innen und Sozialarbeiter) Signifikant niedrigste Werte bei Handwerksberufen (z. B. Tischler) Gemeinsamkeit: kontinuierliche Arbeit mit Menschen, auf deren Kooperation sie angewiesen sind und deren Kooperation oft nicht entgegengebracht wird. Diese Konstellation wird als besonders kritisch für die Entwicklung psychischer und psychosomatischer Erkrankungen gesehen. Seite 4

5 Arbeitsbedingte Ursachen für depressive Störungen Rau, Gebele, Morling, Rösler (2010) Arbeitsplätze aus den Branchen Banken und Versicherungen, Gesundheitswesen und Öffentlicher Dienst objektive und subjektive Arbeitsanalysen durchgeführt Ergebnis: Arbeitsintensität steht im Zusammenhang mit dem Auftreten von Depression je höher die objektiv bewertete Arbeitsintensität, desto häufiger trat Major Depression und Depressivität auf Seite 5

6 Phasen Burnout nach Burisch (2006) (1) 1. Warnsymptome der Anfangsphase Überhöhter Energieeinsatz ( z.b. Hyperaktivität und freiwillige unbezahlte Mehrarbeit und Verleugnung eigener Bedürfnisse) Erschöpfung (z. B. Energiemangel, Unausgeschlafenheit) 2. Reduziertes Engagement für Klienten und Patienten (z. B. Verlust positiver Gefühle, grössere Distanz gegenüber Klienten) für andere allgemein (z. B. Verlust von Empathie, Auftreten von Zynismus) für die Arbeit (z. B. Desillusionierung, Widerwillen und Überdruss, Fehlzeiten) erhöhte Ansprüche (z. B. Gefühl mangelnder Anerkennung und/oder Gefühl, ausgebeutet zu werden) Seite 6

7 Phasen Burnout nach Burisch (2006) (2) 3. Emotionale Reaktionen in Form von Depressionen (z. B. Schuldgefühle, Insuffizienzgefühle, Selbstmitleid) in Form von Aggressionen (z. B. Vorwürfe an andere, Reizbarkeit, Schuldzuweisungen, Launenhaftigkeit) 4. Abbau der kognitiven Leistungsfähigkeit (z. B. Desorganisation, Entscheidungsunfähigkeit, Konzentrationsschwäche) der Motivation(z. B. Dienst nach Vorschrift, verringerte Initiative) der Kreativität (z. B. verringerte Phantasie und Flexibilität) Entdifferenzierung (z. B. rigides Schwarzweissdenken, Widerstand gegen Veränderungen aller Art) Seite 7

8 Phasen Burnout nach Burisch (2006) (3) 5. Verflachung des emotionalen Lebens (z.b. Gleichgültigkeit) des sozialen Lebens (z.b. Meidung informeller Kontakte, Einsamkeit) des geistigen Lebens (z. B. Aufgabe von Hobbys, allgemeines Desinteresse) 6. Psychosomatische Reaktionen (z.b. in Form von Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Atembeschwerden etc.) 7. Verzweiflung: Gefühl der Hilflosigkeit, Hoffnungslosigkeit bis hin zu Selbstmordabsichten Seite 8

9 Dreiebenenmodell psychischer Belastungen (Windemuth, Jung und Petermann 2009) Mitarbeiter Betriebliche Rahmenbedingungen Arbeitsaufgabe Soziale Arbeitsumgebung Unternehmen Arbeitsorganisation Materielle Arbeitsumgebung tarifliche/ rechtliche Bestimmungen Vereinbarkeit von Familie und Beruf Wirtschaftslage Gesellschaft Globalisierung Umgang mit der Zeit Demografischer Wandel Seite 9

10 Gesicherte Erkenntnisse (IGA 2008) Seite 10

11 Was jede/r selbst tun kann gegen Burnout (1) Stress bewältigen / abbauen Entspannungsverfahren /Stressbewältigungstechniken erlernen Arbeit und Freizeit klar trennen Sport / Ausgleich dabei aber Verzicht auf zusätzlich beanspruchende Hobbys Einstellungen überdenken und ggfls. ändern Ggf. ambulante / stationäre Therapie Seite 11

12 Was jede/r selbst tun kann gegen Burnout (2) im Privatleben: Freundeskreis pflegen Partnerschaft / Familienbeziehungen pflegen Körperliche Erkrankungen abchecken lassen Schilddrüse, Eisenmangel, Nährstoffmangel, hormonelles Ungleichgewicht) im kollegialen Miteinander: kollegialer / respektvoller Umgang miteinander Angebote der betrieblichen Gesundheitsförderung annehmen sich für Verbesserung der Arbeitsbedingungen einsetzen Vorschlagswesen Gesundheitszirkel Seite 12

13 Was Führungskräfte tun können regelmäßige Mitarbeitergespräche, realistische Zielvereinbarungen erkundigen, nachfragen, Unterstützung anbieten Gesundheit thematisieren, (Über-)Engagierte erden für eine Gesprächskultur sorgen, die auch Raum lässt für Informelles respektvoller Umgang, Anerkennung von Leistungen, konstruktive Kritik (Feedbackregeln) sich einbringen im Gesundheitsmanagement Gefährdungsbeurteilung psychische Belastungen Seite 13

14 Was die Unternehmensleitung tun kann Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung durchführen geeignete Maßnahmen ableiten und umsetzen evaluieren und Nachhaltigkeit sicherstellen (KVP!) Unternehmensleitlinien / -strategien mit Bezug auf Mitarbeiterorientierung Work-Life-Balance kooperativem Führungshandeln u.ä. Führung fördern: Führungsgrundsätze / Führungs-Feedback / Führungskräfte- Entwicklung Beteiligung fördern: Implementierung entsprechender Strukturen z.b. Ideentreffen (BGI ), Gesundheitszirkel o.ä. Seite 14

15 Drei-Ebenen-Interventionsmodell am Beispiel Burnout (Portuné, Windemuth und Jung (in Druck) präventiv Balance, Ausgleich und Erholung, Resilienz, Muster hinterfragen Gefährdungsbeurteilung inkl. psych. Belastungen, real. Zielvereinbarungen Unt.- Leitlinien, FKE Realistische Darstellung, Info, Sensibilisierung, Forschung/Evaluation korrektiv eigene Themen finden + bearbeiten (Coaching, Psychotherapie); EAP Betriebliches Eingliederungsmanagement (SGB IX) Soziale vs. freie Marktwirtschaft, angem. Versorgung Seite 15

16 Danke für die Aufmerksamkeit! Burnout Präventive Aspekte Dipl.-Psych. Roland Portuné BG RCI, Fachbereich Arbeitspsychologie Seite 16

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