Und doch gibt es Möglichkeiten, auch mit geringem Aufwand die Motivation der Jugendlichen zu fördern.

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1 Seite und Anreizsysteme Lehrlinge zu motivieren scheint heute eine größere Herausforderung denn je zu sein. Elektronische Ablenkungen und unrealistische Erwartungen sind an die erste Stelle der Interessen gerückt und die Aufgabenstellungen konkurrieren damit. Dazu kommt die Schwierigkeit, dass sich immer weniger kompetente Jugendliche für eine Lehrausbildung entscheiden und große Firmen hierbei am längeren Hebel sitzen. Sie locken mit Anreizen, die sich kleinere Betriebe nicht leisten können. Und doch gibt es Möglichkeiten, auch mit geringem Aufwand die der Jugendlichen zu fördern. leitet sich aus dem Lateinischen (motus Bewegung) ab und wird übersetzt mit Beweggründe, die das Handeln eines Menschen bestimmen. kann keinem gelernt werden. ist nur dann möglich, wenn Bedingungen für eine Person geschaffen werden, damit diese ihre Ziele erreichen und ihre Wünsche erfüllen kann. Was kann man also tun, damit Lehrlinge Bedingungen vorfinden, die sie sich wünschen? Was braucht der Lehrling überhaupt, damit er motiviert ist?

2 Seite 2 Bei allen Überlegungen und Erfahrungen haben Jugendliche oft keine Perspektiven bzw. Ziele. Wenn es also gelingt, den Lehrlingen Ziele aufzuzeigen, die für sie erstrebenswert sind, dann ist schon ein wichtiger Schritt getan. Jetzt muss es nur noch gelingen, alles, was dem im Wege steht, wegzuräumen. Für Ziele außerhalb des Einflussbereiches können wir nichts tun. Bevor Sie sich hier weiter über informieren, können Sie mithilfe der s-checkliste (siehe ) Ihre momentanen skünste überprüfen. Warum Ziele? Nur wer sein Ziel kennt, findet den Weg! (Laotse) Ziele wirken wie Wegweiser. Die Macht des Unterbewussten: Wenn man sich ein neues Fahrrad kaufen will, sieht man plötzlich überall Fahrräder. Fahrräder bekommen eine Bedeutung. Das Unterbewusste arbeitet mit dem Bewussten zusammen. Wichtig: Der Glaube an die Zielerreichung! Und wenn es beim ersten Mal nicht klappt analysieren, warum es nicht funktioniert hat, und von Neuem beginnen (Wie haben wir laufen gelernt?). Achten Sie darauf, dass Sie Ziele mit dem Lehrling zusammen SMART formulieren.

3 Seite S = Spezifisch Ziele müssen eindeutig definiert sein. M = Messbar Ziele müssen messbar sein (wer, was, wann, wieviel, wie oft). A = Angemessen Ziele müssen erreichbar sein (Ressourcen). R = Relevant Ziele müssen bedeutsam sein (Mehrwert). T = Terminiert Ziele müssen zu einem konkreten Termin erreicht werden. Zielsetzungs-Checkliste: Ziele werden nach einer Eingewöhnungsphase gemeinsam mit dem Lehrling erarbeitet. Seine persönlichen Neigungen, Interessen und Stärken werden erfragt und berücksichtigt. Der Lehrling äußert seine Vorstellung von seinen Zielen und begründet diese. Der Ausbilder erklärt dem Lehrling, worin er selbst die möglichen Zielsetzungen sieht, und begründet seine Ansicht. Ziele mit einfachen Worten darstellen, damit sie verstanden werden können. Teilziele vereinbaren. Am meisten motivieren Ziele, die herausfordern aber nicht überfordern. Gemeinsam werden die Übereinstimmungen und die Abweichungen besprochen: Die Übereinstimmungen werden sofort festgehalten, die Abweichungen werden näher betrachtet: Welche der vom Ausbilder genannten möglichen Zielsetzungen sind vorstellbar, welche hat der Lehrling möglicherweise übersehen?

4 Seite 4 Mit welchen kann er sich aus welchen Gründen nicht einverstanden erklären? Worin liegen die Hindernisse? Was müsste bei diesen Zielsetzungen passieren, damit sie akzeptabel werden? Welche Veränderungen sind realistisch? Welchen Nutzen könnte der Lehrling hinsichtlich der eigenen Entwicklung aus der Zielerreichung ziehen, wenn er sich diesen Herausforderungen stellt? Die Zielsetzungen, die sich daraus ergeben, sollten schriftlich, z. B. in der Zielvereinbarung, festgehalten werden.

5 Seite / Zielvereinbarung Datum Datum der Zielerreichung Name des Lehrlings: Hauptziel: Ziel erreicht, wenn: 1. Teilziel: Ansprechpartner Was muss der Lehrling genau dafür tun? Welche Fähigkeiten/Fertigkeiten sind dafür notwendig? Welche Hilfestellungen durch den Ausbilder sind erwünscht/erforderlich? Teilzielerreichung bis: 2. Teilziel Ansprechpartner Was muss der Lehrling genau dafür tun? Welche Fähigkeiten/Fertigkeiten sind dafür notwendig? Welche Hilfestellungen durch den Ausbilder sind erwünscht/erforderlich? Teilzielerreichung bis:

6 Seite 6 Auch mit den perfektesten Zielen kann es ein wenig dauern, bis Lehrlinge anfangen, diese erreichen zu wollen oder zu können. Oft wundert man sich, warum junge Menschen, die gerade in einem Betrieb anfangen, keine Lust haben, ihren Aufgaben nachzukommen. Doch wenn man zu Hause nie motivierte Vorbilder erlebt hat, kein Familienmitglied ein Ziel verfolgt, kann sich das schnell auf einen selbst übertragen. Dies kann sich in einem gut funktionierenden Betrieb verändern, denn alle Mitarbeiter nehmen eine Vorbildfunktion ein. Nicht nur der Ausbilder hat es in der Hand, motivierend oder demotivierend zu sein, die ganze Firma wirkt auf den Lehrling: Tipps für den Chef: Ein Drei-Minuten-Gespräch einmal in der Woche, in dem er nach Neuigkeiten oder Problemen fragt und zeigt, dass er weiß, worum es in der Ausbildung geht, vermittelt dem Lehrling: Mein Chef hat Interesse an meiner Ausbildung. Ich bin keine billige Arbeitskraft. Tipps für den allgemeinen Umgang in der Firma: Am wichtigsten ist heutzutage ein wertschätzender Umgang der Mitarbeiter untereinander und mit den Lehrlingen. Grüßen Sie die Jugendlichen demonstrativ! Sie haben ihre Kommunikation auf SMS-Abkürzungen reduziert, man muss sie aus der Reserve locken. Ein Danke, gegenseitige Hilfestellungen und auch das wertschätzende Reden über Mitarbeiter,

7 Seite die gerade nicht anwesend sind, werten den Betrieb auf. Der Betrieb nimmt nur die Besten! Auch Aufnahmeverfahren haben sich bewährt. Schließlich muss eine Ausbildung, für die ich etwas investiert habe, um sie zu erhalten, etwas Besonderes sein. Setzen Sie Grenzen: konstante und allgemeingültige Regeln, die am ersten Tag eingeführt werden. Sie geben Sicherheit und ersparen Ihnen viele Diskussionen über Fairness. Stellen Sie den Beruf positiv dar. Vermitteln Sie, warum Ihnen Ihr Beruf Spaß macht. Die Sichtweise macht es aus. z. B.: Durch Arbeitszeiten am Abend oder Wochenende kann man an den freien Tagen unter der Woche viel entspannter Shoppen gehen. Fördern Sie die Zusammenarbeit in Teams oder mit unterschiedlichen Mitarbeitern. Persönliche Bekanntschaften binden an den Betrieb. Nutzen Sie vorhandene Kompetenzen, z.b. Affinität zur Elektronik oder EDV. Dies zeigt Wertschätzung und Anerkennung. Beziehen Sie die Ideen der Lehrlinge, z. B. für eine attraktive Arbeitsplatzgestaltung, mit ein. Ich kann kreativ gestalten und lerne, was vorgeschrieben sowie notwendig ist. Geben Sie relevante Informationen frühzeitig weiter. Ich weiß, was auf mich zukommt und gehöre dazu.

8 Seite 8 Tipps für den Ausbilder: Kommunizieren Sie definierte Ausbildungs- und Karrierepläne. Ich weiß, was auf mich zukommt und was von mir erwartet wird. Vereinbaren Sie mit dem Lehrling zusammen in diesem Rahmen Ziele. Es sind meine Ziele, die ich auch erreichen will. Ausbilder wird zum Mentor. Ich kann mich mit Problemen an eine Person wenden. Äußern Sie Lob und Anerkennung für gute Leistung, Kritik und Verbesserungsvorschläge für Fehler. (siehe Kapitel Das Kritikgespräch) Ich bin nicht auf mich allein gestellt und lerne, meine Arbeit einzuschätzen. Doch wo können Sie ansetzen? Als Ausbilder beginnen Sie gleich bei den Lerninhalten Geben Sie Ihren Lehrlingen die Möglichkeit, Schwerpunkte im Stoff selbstbestimmt zu wählen. bei Materialien und Medien Eine ästhetische, originelle, humorvolle oder auch provokative Gestaltung weckt Neugier und steigert die Freude an der Auseinandersetzung. bei Lernaktivitäten Lernende sind ganz bei der Sache, wenn sie aktiv involviert sind, spielerisch etwas ausprobieren oder

9 Seite selbst kreieren können, an einer konkreten Problemlösung arbeiten oder miteinander diskutieren. Der Ausbilder gibt ihnen die einzelnen Lernschritte nicht vor: die Lehrlinge haben mehr Spaß daran, sie selbst zu erarbeiten. in der Lernumgebung Diese sollte angenehm und positiv erlebt werden. Ein KFZ-Lehrling, der bei 10 Grad immer neben dem offenen Tor der Werkstätte arbeiten muss, wird weniger Freude haben als ein Banklehrling im warmen Büro. Die spontane Rückmeldung des Ausbilders in der Situation hat einen großen Einfluss auf die des Lehrlings, da es die Aufmerksamkeit und somit die Wertschätzung des Ausbilders zeigt. Daher ist es wichtig, sie von strukturiertem Feedback abzugrenzen und sich der Wirkung bewusst zu werden. Spontanes Feedback Spontanes Feedback erfolgt kurz nach der konkreten Situation und wird zum Teil unterbewusst durch Körpersprache, Mimik, Gestik oder Tonfall weitergegeben. Lehrlinge reagieren gerade auf diese unbewussten Reaktionen sehr empfindlich und interpretieren sie als allgemeine Wertschätzung des Erwachsenen dem Lehrling gegenüber. Sich dieser unbewussten Reaktionen bewusst zu werden, ist der erste Schritt. Sie zu ändern, kann ein langwieriger Prozess sein. Sie können durch verbales spontanes Feedback die spontanen Reaktionen entschärfen:

10 Seite 10 Im Vordergrund stehen die Eigenschaften und Stärken des Lehrlings, die geschätzt werden und die es gilt weiterzuentwickeln. Beschreiben Sie exakt, was Sie selbst wahrgenommen haben, was davon positiv und was davon negativ war. Gehen Sie nicht auf Gehörtes ein das können Sie für das nächste längere Feedbackgespräch aufheben. Geben Sie das Feedback sofort. In einigen Situationen ist Durchatmen angebracht. Reagieren Sie angemessen. Lob wird nicht ernst genommen, wenn es als übertrieben empfunden wird. Unangemessene Kritik verletzt und kann jegliche zerstören. Gehen Sie beim Feedback von den zuvor gezeigten Leistungen aus. Sprechen Sie in einem kameradschaftlichen Ton. Bewerten Sie nicht die gesamte Person, sondern nur die Leistung. Beschreiben Sie Ihre Beobachtung als Ich-Botschaft und sagen Sie dem Lehrling, was Sie von ihm erwarten. Lob: Das zu lobende Verhalten darf nicht banal oder selbstverständlich sein. Schreiben Sie das positive Verhalten den Fähigkeiten und dem Bemühen des Lehrlings zu. Drücken Sie Ihre Wertschätzung aus und danken Sie dem Lehrling. Kritik kann, wenn sie verhaltensbezogen, konkret und lösungssuchend geäußert wird, die Loyalität und die stärken.

11 Seite Das sgespräch mit Leitfaden Durch das sgespräch mit Leitfaden kann der Ausbilder herausarbeiten, was den Lehrling motiviert. Auch wenn er in den Ausbildungsgesprächen schon einen Eindruck erhalten hat, was dem Lehrling wichtig ist, kann dieser Eindruck durch ein sgespräch überprüft werden. Bei sgesprächen mit Leitfaden sollten die folgenden Tipps beachtet werden. Tipps: Der Ausbilder vereinbart einen Termin mit dem Lehrling und achtet darauf, dass genügend Zeit für ein ausführliches und ungestörtes Gespräch zur Verfügung steht. Der Ausbilder signalisiert dem Lehrling, wie wichtig es ihm ist, mehr über seine Wünsche und Bedürfnisse zu erfahren. Das Treffen wird wie ein Gespräch und nicht wie ein Interview geführt. Die Besprechung sollte in informeller und entspannter Atmosphäre stattfinden. Die Fragen im folgenden Leitfaden sind nur ein Vorschlag. Er kann je nach Bedarf abgeändert werden. Der Ausbilder hört dem Lehrling zu und gibt hin und wieder Feedback ohne ihn aber so zu beeinflussen, dass er nach den Wünschen des Ausbilders antwortet.

12 Seite 12 sleitfaden Welche Pflichten und Aufgaben findest du am anspruchsvollsten? Was magst du an deinem Job am meisten? Was am wenigsten? Welche Aufgaben möchtest du gerne übernehmen, worauf bist du neugierig? Was gefällt dir an der Art, wie deine Ausbilder mit dir umgehen? Was könnten wir verbessern? Wie kommst du mit deinen Kollegen zurecht? Was könnten wir verbessern? In welchen Bereichen deines Jobs würdest du gerne a) mehr Hilfestellungen erhalten? b) selbstständiger arbeiten können? Auf welche Entscheidungen würdest du gerne Einfluss nehmen können? In welcher Weise würdest du gerne die eigenen guten Leistungen gewürdigt sehen? Was gibt dir bei der Arbeit das Gefühl, herausgefordert zu werden, etwas geleistet zu haben? In welchen Bereichen könntest du deiner Meinung nach deine Leistungen verbessern? Wenn du die Interessen der Firma und der Gruppe zu Grunde legst, welche Bereiche und welche Kenntnisse würdest du gerne erweitern? Beschreibe bitte die Art von Kommunikation, die du in unserer Arbeitsbeziehung erleben möchtest. Wie kann ich dich motivieren? Beschreibe bitte eine Situation (die ganze Geschichte), in der du sehr gute Leistungen gezeigt hast. Diese Fragen werden in das Gespräch miteingebracht und geben eine Struktur. Das Interesse zeigt sich vor

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