Anders alt!? Alles über den Ruhe-Stand in Leichter Sprache

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1 Anders alt!? Alles über den Ruhe-Stand in Leichter Sprache

2 Darum geht es: In diesem Heft finden Sie Informationen darüber, was passiert, wenn Sie älter werden. Dieses Heft ist aber nicht nur für alte Menschen. Sie können es auch als junger Mensch lesen. Wenn Sie vielleicht mit Menschen arbeiten oder wohnen, die älter sind. Oder weil Sie wissen möchten, wie es ist, wenn Sie älter werden. Wenn man 65 Jahre alt ist, geht man in den Ruhe-Stand. Dann kann man nicht mehr in der Werkstatt arbeiten. Wie erklären Ihnen: - was es heißt älter zu werden, - wie Sie sich gut auf den Ruhe-Stand vorbereiten können, - wie Sie Ihren Abschied aus der Werkstatt feiern können, - woher Sie dann ihr Geld bekommen, - und was Sie als Rentner machen können. 2

3 Inhalte: Seiten Inhalt 4 Was heißt eigentlich alt sein? 5 bis Wie verändert man sich, wenn man älter wird? Und was ist mit der Arbeit, wenn ich älter werde? Der Weg in den Ruhe-Stand 10 Die Abschieds-Feier 11 bis bis Was mache ich, wenn ich nicht mehr arbeite? Rentner erzählen von ihrem Leben Kontakt 3

4 Was heißt eigentlich alt sein? Man ist so alt wie man sich fühlt. Immer wenn man Geburtstag hat, wird man ein Jahr älter. Kinder sind noch nicht alt. Sie sind jung und wissen noch nicht so viel über das Leben, über Arbeit und Frei-Zeit. Alte Menschen hatten schon viele Geburtstage. Sie haben schon viel erlebt in ihrem Leben. Sie haben viele Erfahrungen gesammelt. Sie haben zum Beispiel schon in vielen Arbeits-Gruppen der Werkstatt gearbeitet. Oder sie sind schon mal umgezogen. Alte Menschen wissen also mehr als Kinder. Jeder Mensch wird anders alt. Manche Menschen denken, es wäre etwas Schlimmes alt zu werden. - Weil sich das Aussehen ändert. - Alte Menschen brauchen manchmal ein Hör-Gerät. - Oder weil alte Menschen manchmal nicht mehr so lange arbeiten können. Aber es gibt auch viele gute Sachen im Alter. - Man wird gelassener. - Man hat viele Erfahrungen gesammelt und kann darüber erzählen. 4 - Man hat viel Zeit für Dinge, die man gerne macht, weil man nicht mehr arbeiten muss.

5 Wie verändert man sich, wenn man älter wird? Es ist wichtig, dass Sie wissen was sich im Alter verändern kann. Das Aussehen verändert sich im Alter: - Zum Beispiel werden die Haare grau. - Oft werden die Haare auch weniger. - Die Haut bekommt mehr Falten. Der Körper verändert sich im Alter: Das kann man sehen, aber auch merken. - Manche merken, dass sie nicht mehr so viel arbeiten können. - Und es wird schwieriger, lange zu stehen. - Wenn man älter wird, braucht man öfter eine Pause - Oft kann man sich auch nicht mehr so gut konzentrieren. Es verändert sich, wie man sehen, riechen, hören und schmecken kann: Viele Menschen stellen das Fernsehen lauter als früher. Weil sie schlechter hören. Ältere Menschen brauchen oft eine Brille, weil sie nicht mehr so gut sehen. 5

6 Wie verändert man sich, wenn man älter wird? Viele Sachen dauern länger, wenn man älter ist: Zum Beispiel einen Faden in ein Nadelöhr einzufädeln. Denn auch die Augen und die Hände werden älter. Auch das Laufen dauert länger. Manche Menschen haben einen Rollator oder einen Stock, wenn sie laufen. Sie können dann besser laufen. Es gibt viele Dinge, damit das Leben im Alter einfacher wird: Zum Beispiel eine Brille oder ein Hör-Gerät. Aber es gibt auch gute Sachen, wenn man älter wird: Viele Dinge nimmt man im Alter gelassener. Wenn man älter ist, hat man in seinem Leben eine Menge Erfahrungen gemacht. Man hat gute und auch schlechte Dinge erlebt. Und man hat Vieles gelernt. Es sind Dinge, die junge Menschen erst noch lernen müssen. Vielleicht haben Sie auch schon erlebt, dass junge Menschen Sie um Rat fragen. Wenn sie Probleme haben oder vor einer wichtigen Entscheidung stehen. Vielleicht sind Sie auch im Werkstatt-Rat oder der Bewohner-Vertretung Und können dort Ihre Erfahrungen weitergeben. 6

7 Wie verändert man sich, wenn man älter wird? Wenn man älter ist, kennt man sich mit vielen Dingen besser aus: Man kann zum Beispiel neuen Kollegen in der Werkstatt etwas erklären, wenn sie Fragen haben. Man hat schon viele Sachen in der Frei-Zeit ausprobiert und weiß, was einem gefällt oder nicht gefällt. Nicht nur die Menschen verändern sich, wenn sie älter werden: Auch die Umgebung, der Arbeits-Platz und die Technik ändern sich. Viele junge Menschen finden es spannend, zu hören, wie es früher war. Alte Menschen können davon erzählen, wie es früher war. Sie können zum Beispiel erzählen, wie es früher in der Werkstatt war. Die Werkstatt in Sutthausen: früher (Foto oben) und heute (Foto unten) Wir haben uns mit Menschen unterhalten, die älter sind. Sie haben uns erzählt, was für gute und schlechte Sachen es im Alter gibt. Auf den nächsten Seiten können Sie lesen: - Wie sich das Arbeits-Leben verändert, wenn man älter wird. - Und was man dann unternehmen kann 7

8 Und was ist mit der Arbeit, wenn ich älter werde? Wenn Menschen älter werden, gehen sie in den Ruhe-Stand. Wir erklären Ihnen, was das heißt und was sich dann verändert: Viele Beschäftigte gehen gerne arbeiten. Das Arbeiten macht ihnen Spaß. Sie sind gerne mit ihren Arbeits-Kollegen zusammen. Jeder Mensch hört aber irgendwann auf zu arbeiten. Dann ist er im Ruhe-Stand. Was ist Ruhe-Stand und was ist Rente? Rente Mit 65 Jahren können Sie nicht mehr in der Werkstatt oder an einem anderen Arbeits-Platz arbeiten. Dann bekommen Sie auch keinen Lohn mehr. Trotzdem bekommen Sie dann noch Geld. Dieses Geld hat den Namen Rente. Deshalb nennt man Menschen im Ruhe-Stand auch Rentner. Wie viel Geld bekomme ich, wenn ich nicht mehr arbeite? Wenn Sie in der Werkstatt oder an einem anderen Arbeits-Platz gearbeitet haben, bekommen Sie auch im Ruhe-Stand Geld. Denn ihr Arbeit-Geber zahlt Renten-Beiträge für Sie. Wenn Sie dann in den Ruhe-Stand gehen, bekommen sie dieses Geld jeden Monat. 8 Das ausgezahlte Geld ist die Rente.

9 Der Weg in den Ruhe-Stand Wie hoch die Rente ist, die Sie bekommen, ist bei jedem unterschiedlich. Die Mitarbeiter des Sozial-Dienstes sprechen mit Ihnen darüber. Sie finden heraus, wie hoch Ihre Rente ist. Wann gehe ich in den Ruhe-Stand? Mit 65 Jahren geht man in den Ruhe-Stand. 65 Manche gehen auch schon früher in den Ruhe-Stand. Zum Beispiel wenn man krank ist und nicht mehr arbeiten kann. Kann ich auch länger arbeiten gehen? Manche möchten gerne weiter arbeiten. Obwohl sie 65 Jahre alt sind. Das ist nicht möglich. Wenn Sie in der Werkstatt arbeiten: Der Weg in den Ruhe-Stand Mit 65 Jahren gehen Sie in den Ruhe-Stand. Dann sind Sie Rentner. Bevor Sie in den Ruhe-Stand gehen, sprechen die Mitarbeiter vom Sozial-Dienst mit Ihnen darüber. Sie erklären Ihnen, wie Sie sich auf den Ruhe-Stand vorbereiten können und wann Ihr letzter Arbeits-Tag ist. 9

10 Die Abschieds-Feier Bevor Sie in den Ruhe-Stand gehen, können Sie in der Werkstatt Ihren Abschied feiern: Diese Feier planen der Sozial-Dienst und die Gruppen-Leiter mit Ihnen. Sie dürfen selber entscheiden, wen Sie zu Ihrer Abschieds-Feier einladen möchten. Viele laden ihre Kollegen aus der Arbeits-Gruppe oder Mit-Bewohner aus dem Wohnheim ein. Oder Eltern, Geschwister oder andere Verwandte. Sie können Ihren Abschied mit einem gemeinsamen Frühstück oder einem gemeinsamen Kaffee-trinken feiern. Das können Sie selber entscheiden. Der Werkstatt-Rat kommt zu der Abschieds-Feier und sagt Ihnen Auf Wiedersehen. Auch der Werkstatt-Leiter kommt zu Ihrer Abschieds-Feier. Er bedankt sich dann für Ihre Arbeit in der Werkstatt und wünscht Ihnen alles Gute für Ihren Ruhe-Stand. 10

11 Was mache ich, wenn ich nicht mehr arbeite? Im Ruhe-Stand ist man tagsüber nicht mehr an seinem Arbeits-Platz: Viele von Ihnen waren sonst 8 Stunden am Tag dort. Das ist viel Zeit. Manche wissen nicht, was sie den ganzen Tag machen können, wenn sie nicht mehr arbeiten. - Manche haben Angst davor. - Andere freuen sich darauf. Für viele ist eine Aufgabe im Ruhestand wichtig: Es gibt viele Aufgaben, die Sie als Rentner machen können. Es gibt viele Möglichkeiten - Um Spaß zu haben. - Etwas Neues zu tun. - Oder auszuruhen. Wir möchten Ihnen Vorschläge machen, was Sie im Ruhe-Stand alles tun können. 11

12 Was mache ich, wenn ich nicht mehr arbeite? Anderen helfen Sie können anderen Menschen helfen, die weniger Zeit haben, weil sie arbeiten müssen. Oder Menschen die krank sind oder sehr alt. Das können Nachbarn sein oder Familie. Oder Leute aus dem Wohnheim. Vielleicht können Sie ihnen beim Einkaufen helfen, bei Besorgungen oder der Haus-Arbeit. Oder Sie können einfach Zeit mit ihnen verbringen. Viele Menschen im Ruhe-Stand helfen anderen Menschen. Es ist schön, wenn man Hilfe bekommt. Es ist auch schön, anderen zu helfen. Wenn man in seiner Frei-Zeit anderen Menschen hilft und kein Geld dafür bekommt, nennt man das Ehren-Amt. 12

13 Was mache ich, wenn ich nicht mehr arbeite? Freizeit Natürlich hat man im Ruhe-Stand viel Frei-Zeit. Jeder kann in seiner Frei-Zeit das tun, was ihn interessiert. - Manche verbringen ihre Frei-Zeit gerne alleine. - Andere sind lieber in einer Gruppe unterwegs. In der Heilpädagogischen Hilfe gibt es Leute, die Freizeit-Angebote für Sie machen. Diese Leute arbeiten im Bildungs- und Freizeit-Werk. Andere sagen auch Freizeit-Werk. Das kurze Wort dafür ist BuFO. Über das BuFO können Sie Kurse buchen, Ausflüge oder eine Reise. Es gibt dort auch Ausflüge und Reisen, die nicht so anstrengend sind. In einem Heft stehen alle Angebote. Das Heft wird in den Werkstätten und in den Wohnheimen verteilt. Wenn Sie nicht mehr in der Werkstatt sind und nicht in einem Wohnheim leben, können Sie das Heft auch direkt beim BuFO abholen. Oder sie können sich das Heft nach Hause schicken lassen. Das müssen sie den Mitarbeitern vom BuFo sagen. Manche Leute haben aber keine Lust auf einen Frei-Zeit-Kurs. Sie verbringen ihre Zeit allein, mit anderen Bewohnern oder Bekannten. 13

14 Was mache ich, wenn ich nicht mehr arbeite? Senioren-Betreuung im Wohnheim In einigen Wohnheimen gibt es tagsüber eine Senioren-Betreuung. Dort können ältere Bewohner hingehen, die in Rente sind. Oder die nicht mehr jeden Tag arbeiten müssen. Auch Rentner, die alleine oder bei Verwandten wohnen, können zur Senioren-Betreuung in das Wohnheim kommen. Der Tag startet dort meistens mit einem gemeinsamen Frühstück. Danach gibt es verschiedene Angebote. Zum Beispiel zusammen Zeitung lesen, kochen oder ein Spazier-Gang. Die Angebote sind freiwillig. Das bedeutet, dass man bei den Angeboten nicht mitmachen muss, wenn man keine Lust hat. Die Teilnehmer der Senioren-Betreuung essen auch mittags zusammen. Haus-Arbeit Viele Menschen machen gerne Haus-Arbeit. Dazu gehört zum Beispiel Geschirr spülen oder waschen. Einigen macht es auch Spaß im Garten zu arbeiten. Zum Beispiel Laub fegen oder Rasen mähen. 14 Für die Arbeit im Haus und im Garten hat man als Rentner mehr Zeit.

15 Rentner erzählen von ihrem Leben Bestimmt kennen Sie auch Menschen, die nicht mehr arbeiten. In Ihrem Wohnheim oder unter den Nachbarn. Vielleicht ist es spannend, wenn Sie sich mit diesen Menschen unterhalten. Sie können Ihnen erzählen, wie sie ihren Ruhe-Stand verbringen. Wir haben einige Menschen besucht, die nicht mehr zur Arbeit gehen. Sie haben uns erzählt, was sie den ganzen Tag machen. Monika Last ist 67 Jahre alt und seit zwei Jahren Rentnerin. Sie ist gerne in die Werkstatt gegangen. Ihr Leben als Rentnerin gefällt ihr aber genauso gut. Sie macht sehr gerne Hand-Arbeiten. Seitdem Sie nicht mehr in die Werkstatt geht hat sie viel Zeit für Hand-Arbeiten. Das findet sie gut. Monika hat im Ruhe-Stand keine Lange-Weile. 15

16 Rentner erzählen von ihrem Leben Erika Drerup ist 67 Jahre alt und lebt im Wohnheim Wittlage. Sie geht nicht mehr in die Werkstatt, Erika ist Rentnerin. Bevor sie Rentnerin geworden ist, hat sie viele Jahre in der Werkstatt gearbeitet. Das hat ihr Spaß gemacht. Jetzt ist sie manchmal traurig, dass sie dort nicht mehr jeden Tag hingehen kann. Erika geht von Montag bis Freitag in die Senioren-Betreuung vom Wohnheim Wittlage. Dort ist sie gemeinsam mit einigen anderen Rentnern. Sie frühstücken jeden Tag zusammen. Dann verbringen sie gemeinsam den Vormittag. Erika schreibt in ihrer Freizeit gerne Tage-Buch, geht einkaufen oder prickelt. Die vielen Kollegen und die Arbeit vermisst sie manchmal. Erika ist Mitglied im Heim-Beirat vom Wohnheim Wittlage. Sie setzt sich dort für die Interessen aller Bewohner ein. Das macht sie sehr gerne. 16

17 Rentner erzählen von ihrem Leben Viktor Ramza ist 58 Jahre alt und seit ein paar Jahren Rentner. Vorher hat er über 20 Jahre in den Osnabrücker Werkstätten gearbeitet. Normalerweise geht man mit 65 Jahren in den Ruhe-Stand. Viktor ist früher in den Ruhe-Stand gegangen, weil er oft Schmerzen am Rücken und in den Knien hat. Viktor lebt in einer eigenen Wohnung. Viktor gefällt es Rentner zu sein. Er nutzt seine freie Zeit um alte Filme zu gucken, Hand-Arbeiten zu machen oder mit seinem Rolli unterwegs zu sein. Viktor besucht an drei Tagen in der Woche das Agnes-Schöller-Wohnheim. Dort verbringt er seine Zeit mit anderen Rentnern. Er geht auch oft in den Treff-Punkt der Ambulanten Assistenz an der Sutthauser Straße. Dort trifft er andere Menschen. 17

18 Kontakt Dieses Heft hat die Arbeits-gruppe vom Projekt "Anders alt?!" geschrieben. Wenn Sie Fragen zu dem Heft haben, helfen Ihnen diese Personen: Bettina Lindmeier Universität Hannover Cornelia Kammann Osnabrücker Werkstätten Bilder: Mensch zuerst Netzwerk People First Deutschland e.v. Piktogramme: Picto Selector 18

19 VERTRAUENSVOLL. IM MITEINANDER. Man kann Leben einfach versichern. Man kann es aber auch einfach sicherer und lebenswerter machen. Gemeinsam tun wir das und unterstützen kirchliche und soziale Projekte. Gute Beratung braucht Gespräche. Ich bin für Sie da. Elisabeth Dellbrügge, Agenturleiterin Zur Spitze Hilter Telefon Menschen schützen. Werte bewahren. 19

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