Machbarkeitsstudie zur Umsetzung eines bestehenden Online-Shops mit der E-Commerce Software Magento

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1 Berufsakademie Sachsen Stickma.de/Wildsmile Studios Staatliche Studienakademie Dresden Rudolf-Leonhard-Straße 54 Studienrichtung Medienproduktion Dresden Machbarkeitsstudie zur Umsetzung eines bestehenden Online-Shops mit der E-Commerce Software Magento Diplomarbeit zur Erlangung des Grades Diplom-Informatiker (BA) in der Studienrichtung Medienproduktion eingereicht von: Jana Metschke 17. April Gutachter: Herr Dipl.-Medienkünstler Andreas Ullrich 2. Gutachter: Herr Dipl.-Wirtschaftsingenieur (FH) Dirk Bruder Tag der Themenübergabe: 30. April 2009 Tag der Einreichung: 06. August 2009

2 Auftragsblatt

3 Autorenreferat METSCHKE, Jana: Machbarkeitsstudie zur Umsetzung eines bestehenden Online- Shops mit der E-Commerce Software Magento, Berufsakademie Sachsen, Staatliche Studienakademie Dresden, Studienrichtung Medienproduktion, Diplomarbeit, Seiten, 20 Literaturquellen, 4 Anlagen Der Verkauf von Waren und Dienstleistungen über das Internet verzeichnet nach wie vor steigende Zuwachsraten bei den Umsätzen. Mit dem Trend zum Einkauf im Internet steigt gleichzeitig die Zahl der Anbieter. Um sich von der Konkurrenz abzuheben, muss ein Online-Shop aus Kundensicht benutzerfreundlich und übersichtlich sein. Aus der Verkäufersicht ist ein Web-Shop umso praktischer, desto mehr Geschäftsvorgänge elektronisch abgewickelt werden können. Dazu eignet sich ein E-Commerce System wie Magento. Die noch relativ junge Software verspricht ein flexibles und leistungsfähiges Arbeitsmittel zu sein. Die hier vorliegende Arbeit dient sowohl der abstrakten Analyse der Machbarkeit eines Druckshops mit Magento als auch der praktischen, konkreten Umsetzung in Form einer speziellen Lösung für Stickma.de. Dazu wird ein Shop mit Magento entwickelt und dabei auf die Herangehensweise bei der Erstellung von Spezialprodukten sowie auf die Anpassungen der Software an den deutschen Markt eingegangen. Im abschließenden Kapitel werden die aufgetretenen Schwierigkeiten bei der Shop-Umsetzung und deren Lösungsansätze noch einmal zusammengefasst, ausgewertet und aus diesen Resultaten ein Fazit gezogen.

4 Inhaltsverzeichnis Inhaltsverzeichnis... 4 Abkürzungen... 6 Glossar... 7 Einleitung... 8 Problemstellung Vorüberlegungen Bedeutung des E-Commerce Vorteile einer Internetpräsenz Kundenbindung Bedenkenswerte Aspekte Wahl eines Web-Shop Systems Magento Der steile Aufstieg von Magento Vorteile von Magento Nachteile von Magento Installation von Magento Lokale Installation Installation auf dem eigenen Server Installation auf Shared Webspace Magento auf der virtuellen Maschine Installation des Testshops für Stickma.de deutsche Übersetzung Aufbau des Produktkatalogs Kategorien anlegen Attribute anlegen Produkte anlegen aufgetretene Probleme Staffelpreise Stückzahl Mengenfeld

5 4.4.4 Upload PDF-Vorlage Anpassungen des Bestellsystems Versandkosten Zahlungsmöglichkeiten Rechnung Vorkasse Nachnahme Sofortüberweisung.de Allgemeine Geschäftsbedingungen Mehrwertsteuer ausweisen Kundengruppen Steuerberechnung Produktsteuerklassen Kundensteuerklassen Steuerzonen und sätze Steuerregeln verwalten Konfiguration der Steuern Checkout Grafische Gestaltung Ein eigenes Theme verwenden Transaktions- s Magento optimieren Cache Upgrade Enterprise Version Ergebnis der Machbarkeitsstudie Zusammenfassung Literaturverzeichnis Abbildungsverzeichnis Tabellenverzeichnis Verzeichnis der Anlagen

6 Abkürzungen B2C Business-To-Consumer, Handel zwischen Unternehmen und Privatpersonen CMS CSS CSV engl. GB GBP GHz GIF JPEG PDF Content Management System, Inhaltsverwaltungssystem Cascading Style Sheets, Formatierungssprache für strukturierte Dokumente wie z. B. Webseiten Comma separated Values, Textdatei zum Austausch einfach strukturierter Daten Englisch Gigabyte, Maßeinheit für die Speicherkapazität Great Britain Pound, britische Währung Gigahertz, eine Milliarde Rechenoperationen pro Sekunde Graphics Interchange Format, Grafikaustauschformat, 256 Farben Joint Photographic Experts Group, Grafikformat für Pixelbilder mit verschiedenen Komprimierungsverfahren Portable Document Format, plattformübergreifendes Dateiformat PHP Hypertext Preprocessor, Skriptsprache zur Erstellung von dynamischen Webseiten PNG RAM SFTP SSL URL Portable Network Graphics, portables Grafikformat für Pixelbilder Random Access Memory, Speicher mit wahlfreiem Zugriff, Arbeitsspeicher Secure File Transfer Protocol, ermöglicht sichere Dateizugriffe auf entfernte Systeme Secure Sockets Layer, Verschlüsselungsprotokoll zur sicheren Datenübertragung im Internet Unified Ressource Locator, dient zur Lokalisierung einer Ressource in Computernetzen (X)HTML (Extensible) HyperText Markup Language, textbasierte Auszeichnungssprache zur Strukturierung von Dokumenten XML Extensible Markup Language, erweiterte Auszeichnungssprache zur Darstellung hierarchisch strukturierter Daten 6

7 Glossar Backend Beschnittrand Checkout Debian dediziert Drop-down Framework Frontend Magento Admin Panel, Administrationsbereich erweitert die eigentliche Druckvorlage, um Abweichungen zu vermeiden in Magento: Bestellvorgang freies Linux-Betriebssystem auch dedicated, fest zugewiesen, reserviert engl. für nach unten herausfallend, übersichtliches Listenfeld engl. für Rahmenstruktur, Programmiergerüst für die Softwareentwicklung Shopansicht des Kunden Hosting engl. für Gastgeber, Bereitstellen von Internet Dienstleistungen IP-Adresse JavaScript Managed MySQL Newsletter Shared Template eindeutige Adressierung eines Rechners basierend auf dem Internet Protokoll objektbasierende Skriptsprache ~ Server, volle Leistung des Servers, Administration wird vom Anbieter des Servers durchgeführt Open Source Datenbank Neuigkeiten als Rundschreiben per an alle Kunden ~ Webspace, mehrere Webseiten und Kunden werden auf einem Server eines Internetanbieters verwaltet optisches Erscheinungsbild einer Webseite 7

8 Einleitung Der Vertrieb über das Internet verzeichnet nach wie vor steigende Zuwachsraten bei den Umsätzen. Mittlerweile werden nicht mehr nur die klassischen Versandprodukte des Internets wie Bücher oder CDs verkauft, sondern der Trend geht nun zu Elektrogeräten, Kleidung, Reisen sowie anderen Dienstleistungen. Die Palette des E-Commerce wird also bunter. Weiterhin haben sich auch die Einkaufsstrategien der Menschen geändert, denn der Einkauf vom Computer aus erfreut sich wachsender Beliebtheit. Es ist bequemer und zeitsparender direkt vom Schreibtisch aus zu bestellen. Doch Waren und Dienstleistungen online zu verkaufen, unterscheidet sich wesentlich vom gewöhnlichen Ladengeschäft. Problemstellung Um seine Produkte über das Internet zu verkaufen, reicht im Prinzip eine statische Seite mit allen Informationen zu Produkten, Preisen, AGB und Kontaktdetails aus. Nachfrage und Bestellung laufen in so einem Fall ausschließlich über oder Telefon ab, wobei alle Kunden- und Bestelldaten von Hand gespeichert werden müssen. Diese manuelle Bearbeitung von Geschäftsdaten ist sehr zeitintensiv und vor allem fehleranfällig. Werden Daten für einen späteren Geschäftsprozess benötigt, beispielsweise für die Lieferung oder Rechnungsstellung, müssen erst die jeweiligen Dokumente gesucht werden. Deshalb ist ein solches Verkaufsmodell heute nicht mehr zeitgemäß. Als erste Automatisierungsstufe bietet sich eine Datenbank für die Erfassung und Verwaltung der Kunden- und Produktdetails an. Alle Daten werden zentral gespeichert und sind ad hoc abrufbar. Ein weiterer Schritt in Richtung eines effizienten Web-Shops stellt daher ein Content Management System (CMS) dar. Mittels CMS wie beispielsweise TYPO3, Joomla oder Drupal lassen sich dynamische und statische Inhalte von Webseiten verwalten. Um seine 8

9 Geschäftsprozesse optimal durch einen Webshop unterstützen zu lassen, eignet sich aber am besten ein eigens dafür konzipiertes E-Commerce System. Denn mit der Entscheidung online zu verkaufen, wird das Internet auch zu einer Plattform für unternehmensinterne Prozesse. Dies bedeutet wiederum, dass die Anbahnung, die Abwicklung und die Nachbearbeitung von Geschäftsvorgängen fast komplett elektronisch abgewickelt werden, was ein verlässliches E-Commerce System voraussetzt. Als Lösungen bieten sich hier Eigenentwicklungen, Fremdentwicklungen oder eben auch Open Source Programme wie Magento an. Ein komplexes, leistungsfähiges Shopsystem wie Magento verspricht auf den ersten Blick ein flexibles und umfangreiches Werkzeug zu sein. Doch lässt es sich auch für sehr individuelle Web-Shops einsetzen? Seit zehn Jahren werden bei Stickma.de Aufkleber in variablen Formaten, Druckverfahren, Materialien, und Veredelungsstufen mit jeweils unterschiedlichen Zusatzoptionen verkauft. Diese Wahlmöglichkeiten im bestehenden Online-Shop sind einigen Nutzern zu unübersichtlich, sodass immer wieder Standardbestellungen per oder Telefon abgewickelt werden. Das führt dazu, dass Mitarbeiter bei Stickma.de Kundendaten und Druckdateien manuell in das Bestellsystem eingeben müssen, was fehleranfällig und zeitraubend ist (siehe Anlage 1). Der Auswahl- und Bestellprozess sollte deshalb für den Kunden ein größtmögliches Maß an Standardisierung und Übersichtlichkeit erreichen. Denn ein vereinfachter Bestellmodus verringert die Fehlerquote bei den Bestellungen, erhöht die Kundenbindung und letztendlich den Umsatz eines Unternehmens. Somit würden auch die Mitarbeiter entlastet und müssten nur noch individuelle Aufträge über das Telefon annehmen. Die vorliegende Diplomarbeit soll die Vor- und Nachteile des E-Commerce Systems Magento aufzeigen, indem ein Shop mit Magento eingerichtet und überprüft wird, ob dieser an die Anforderungen eines Online-Druckshops angepasst werden kann. Es wird der Einsatz der Software als spezielle Lösung für Stickma.de sowie die Eignung von Magento für Unternehmen der Druckbranche an sich analysiert. 9

10 1 Vorüberlegungen 1.1 Bedeutung des E-Commerce Die Bezeichnung Electronic Commerce (E-Commerce) wird in der Literatur und öffentlichen Diskussion unterschiedlich verwendet. Meist wird der Begriff E-Commerce ausschließlich mit dem Verkaufen über das Internet umschrieben, aber folgende Definition beschreibt ihn exakter: Electronic Commerce ist die digitale Abwicklung von Geschäftsprozessen zwischen Privatpersonen, Unternehmen, Institutionen und Verwaltungen zu deren Partnern über globale Telekommunikationsnetze, wie z. B. über das Internet. 1 Der E-Commerce sorgt nicht nur in Deutschland (siehe Abbildung 1) für ein ständiges Wachstum bei den Umsatzzahlen. Umsatz in Deutschland im B2C Abbildung 1: Umsatzentwicklung in Deutschland im B2C-Bereich in Mrd. EUR (in Anlehnung an: STAHL, E./ KRABICHLER, T./ BREITSCHAFT, M./ WITTMANN, G. 2009, Seite 27) 1 BAUMANN, S. (2009), Seite 3. 10

11 Gleichzeitig mit den steigenden Zuwachsraten im Internethandel steigen auch die Zahlen der Online-Shops. Die Chance im Internet ihre Produkte und Dienstleistungen zu verkaufen, lassen sich die meisten Unternehmer nicht entgehen. Damit erhöht sich natürlich auch die Konkurrenz zwischen den Internethändlern. Neben der Abgrenzung durch die Preispolitik muss der Internetauftritt eines Unternehmens modern, informativ und vor allem benutzerfreundlich sein. Ansonsten ist der Anschluss an die Konkurrenz schnell verloren. Trotzdem ist ein Online-Shop zwar die wichtigste, aber nicht die einzige Möglichkeit den Vertriebskanal Internet zu nutzen. Neben dem Shop (oder parallel dazu) gibt es Verkaufs- und Auktionsplattformen wie ebay, Scout24 oder Amazon. Weiterhin existieren die sogenannten Subshops, wo der eigene Shop in die Webseite eines Dritten integriert ist Vorteile einer Internetpräsenz Im elektronischen Handel stellt der Web-Shop die beliebteste Form dar. Die Gründe dafür liegen in den vielen Vorteilen, die ein solcher Shop einem Unternehmen bietet: - 24 Stunden Verfügbarkeit Das virtuelle Geschäft ist rund um die Uhr zu erreichen und das an 365 Tagen im Jahr. Dabei spart das Unternehmen auf der einen Seite Personal- und Mietkosten (falls das Ladengeschäft komplett wegfallen kann) und der Kunde auf der anderen Seite Zeit. Die Kundenzufriedenheit steigt, wenn es jederzeit möglich ist, einen Kaufvertrag abzuschließen. 2 Vgl. STAHL, E./ KRABICHLER, T./ BREITSCHAFT, M./ WITTMANN, G. (2009), Seite

12 - Erreichbarkeit Ein Webshop ist für alle Kunden unmittelbar erreichbar, wobei es keine Rolle spielt, in welchem Land oder in welcher Region sie sich gerade aufhalten. Voraussetzung, um online einkaufen zu können, ist lediglich ein Internetzugang, den mittlerweile 75% der deutschen Haushalte besitzen 3. - Gewinnung von Neukunden Durch das Anlegen von Webshops in mehreren Sprachen kann sich ein Unternehmen über das Internet weltweit präsentieren. Dabei werden neue Absatzmärkte geschaffen und neue Kunden gewonnen. - effiziente Kommunikation Ein erfolgreicher Internetshop zeichnet sich durch eine benutzerfreundliche Bedienung (Übersichtlichkeit, Suchfunktion etc.) aus und gewährleistet eine schnelle Kommunikation per . - besseres Image für die Firma Heutzutage gehört eine Internetpräsenz zu einem modernen Unternehmen in der Kommunikationsbranche dazu. Der Kunde kann auf der Firmenseite alle wichtigen Informationen abrufen und das Unternehmen hat die Möglichkeit sich in einem guten Licht zu präsentieren. Dabei muss aber auf die Aktualität des gesamten Shopsystems geachtet werden. Kundenbindung Mit steigendem Wettbewerb im E-Commerce kommt der Kundenbindung eine immer größere Bedeutung zu. Der Kunde sollte nicht als zufälliger 3 Vgl. IFD (2009). 12

13 Netzsurfer angesehen werden, der heute hier und morgen dort einkauft. Denn auch im E-Commerce kann eine gute Beziehung zu den Kunden aufgebaut werden, um diese somit an ein Unternehmen zu binden. Unter dem Begriff Kundenbindung werden prinzipiell alle Aktivitäten zusammengefasst, welche die Geschäftsbeziehung zum Kunden enger gestalten 4. Aus Unternehmersicht liegt der Vorteil in einer Erschwerung des Anbieterwechsels und in der Möglichkeit individuelle Kundenprofile zu erstellen. Der Kunde entwickelt in einer entspannten Transaktionsatmosphäre eine positive Einstellung gegenüber dem Unternehmen und wird somit in der Zukunft auch wieder bei diesem Anbieter kaufen. Diese Loyalität und Treue wird nur durch die Zufriedenstellung des Kunden erreicht, aber nur wenn die Bindung des Kunden freiwillig ist. Denn Kundenbindung ist nicht immer positiver Art. Durch Abhängigkeit von einem bestimmten Produkt oder einem bestimmten Anbieter kann Kundenbindung auch erzwungen sein. Ein Unternehmen, welches keine Monopolstellung innehat und auf freiwillige Kundenbindung setzt, erreicht diese durch Wert- und Nutzenvorteile, Service, Kundennähe und andere Maßnahmen zur Zufriedenstellung der Kunden Bedenkenswerte Aspekte Neben den vielen Vorteilen, die ein Web-Shop bietet, gibt es auch bedenkenswerte Aspekte. So sollten die Kosten für die Einrichtung, Produkteinpflege und Anpassungen des Systems nicht unterschätzt werden. Auch anfallende Lizenz-, Miet- oder Hostinggebühren müssen mit eingerechnet werden. Bei den wichtigsten Punkten eines Web-Shops, der Hard- und Software, darf auf keinen Fall gespart werden. Denn eine leistungsstarke Hardware muss die Erreichbarkeit und die Performance des Shops sicherstellen, auch bei einem starken Besucherandrang auf der 4 Vgl. MÜLLER, U. (2005), Seite Vgl. ebenda, Seite

14 Webseite. Die Software muss unbedingt gängige Sicherheitsstandards einhalten und alle nötigen Funktionen bereitstellen. Heute ist vor allem die Gewährleistung der Datensicherheit ein sehr wichtiger Aspekt. Die Datenbanken und Kundendaten müssen gegen Manipulationsversuche und Angriffe geschützt sein 6. Weiterhin muss ein Shop-Betreiber viele gesetzliche Verpflichtungen kennen und einhalten (beispielsweise das Angeben der AGB oder der Versandkosten), um den Verbraucher zu schützen. Die Nichtbeachtung dieser Vorgaben kann hohe Bußgelder nach sich ziehen und das Vertrauen der Kunden zerstören. Auch auf welche Art und Weise die Produkte zu den Käufern gelangen, sollte vorher geklärt werden. Denn einige Produkte sind nur begrenzt lager- und transportfähig, was eine durchdachte Distribution erfordert. Vor der Teilnahme am Internethandel ist es außerdem wichtig, die Konkurrenz und ihr Angebot gründlich zu studieren. Es sollte also immer eine gewissenhafte Analyse und Planung vor dem Start eines Web-Shops stehen, da die Konkurrenz im E-Commerce Markt auch immer stärker zunimmt. 1.4 Wahl eines Web-Shop Systems Waren und Dienstleistungen online zu verkaufen, unterscheidet sich wesentlich vom gewöhnlichen Ladengeschäft. Um im Internethandel erfolgreich agieren zu können, müssen im Vorfeld viele Fragen geklärt werden. Die Fragen betreffen die Auswahl und Einrichtung des Shop- Systems, die rechtssichere Gestaltung und Zahlungsabwicklung, die Versandabwicklung sowie andere Punkte. 7 Ein Unternehmen, welches Druck-Erzeugnisse verkauft, ist von der Sache her schon für einen Web- Shop prädestiniert. Denn die Druckdateien, mit denen gearbeitet wird, liegen ohnehin in digitaler Form vor. Über einen Onlineshop kann der 6 Vgl. STEIREIF, A./RIEKER, A. R. (2009), Seite Vgl. STAHL, E./ KRABICHLER, T./ BREITSCHAFT, M./ WITTMANN, G. (2009), Seite

15 Geschäftsabschluss unmittelbar ablaufen, wenn beispielsweise die Auswahl der Formate und Stückzahlen sowie der Dateiupload unmittelbar zusammen mit dem Bestellvorgang erfolgen. Ist die Entscheidung für einen Web-Shop erst einmal gefallen, muss zwischen den unterschiedlichen Shoplösungen (zusammengefasst in Tabelle 1) wieder eine Wahl getroffen werden. Hierbei ist es wichtig, sich vorher zu überlegen, welche Softwarelösung auf längere Sicht gesehen den größten Nutzen verspricht. Ein Shop lässt sich in Eigenentwicklung programmieren, wofür jedoch umfassende programmiertechnische Kenntnisse der Mitarbeiter nötig sind. Alternativ kann die Software auch von Drittanbietern gekauft werden. Die Eigenentwicklung hat den Vorteil, direkt auf die eigenen Bedürfnisse ausgerichtet zu sein. Nachteilig sind die hohen Kosten und der Zeitaufwand einer eigens programmierten Entwicklung. Zusätzlich kommen oft auch noch Kosten für Support und Pflege dazu. Kauf-Shops sind bereits vorgefertigte Shops mit einem hohen Funktionsumfang, die entweder auf Eigenentwicklungen oder auf Open Source Lösungen basieren. Tabelle 1: Vor- und Nachteile von Web-Shoplösungen Web-Shop Vorteile Nachteile Eigenentwicklung individuelle Lösung Kauf-Shop hoher Funktionsumfang, wenig Know-how nötig Miet-Shop Anschaffungskosten gering, vorgefertigte Layouts verfügbar Open Source kostenlos, viele Lösung Erweiterungen möglich hohe Kosten, viel Zeit, umfangreiches Wissen nötig hohe Kosten, Lizenzen etc. weniger Funktionen und Gestaltungsfreiheit wie Kauf- Shop, auf längere Sicht kostenintensiver umfangreiches technisches Wissen notwendig (modifiziert nach: STAHL, E./ KRABICHLER, T./ BREITSCHAFT, M./ WITTMANN, G. 2009, Seite 49) 15

16 Bei dieser Variante sind kaum Programmierkenntnisse nötig, da der Anbieter des Kauf-Shops die Installation und Einrichtung übernimmt. Bei dieser Lösung muss mit zusätzlichen Kosten für Zusatzfunktionen, Updates oder Layoutänderungen gerechnet werden. Miet-Shops werden häufig von Einsteigern in den E-Commerce Markt genutzt, da die gesamte technische Infrastruktur vom Provider (engl. Anbieter) übernommen wird. Auch die Wartung, Updates und andere Leistungen sind im Mietpreis enthalten, allerdings ist man als Kunde oft Einschränkungen unterworfen wie beispielsweise bei der Anzahl von Produkten oder bei der Gestaltungsfreiheit 8. Obwohl die Anschaffungskosten relativ gering sind, stellen die monatlichen Mietpreise auf Dauer eine erhebliche finanzielle Belastung dar. Eine Open Source Lösung ist dagegen kostenfrei erhältlich und lässt dem Shopbetreiber größtmögliche Freiheit bei der Gestaltung der Internetpräsenz. Dazu sind jedoch umfangreiches Wissen und auch Zeit notwendig, wobei fehlende Funktionen auch dazugekauft werden können. Für den Online-Shop Stickma.de kam von Anfang an kein Kaufoder Miet-Shop infrage, da die einmaligen bzw. laufenden Kosten dieser Lösungen den finanziellen Rahmen sprengen würden. Außerdem existiert ein bereits funktionierendes System schon seit einigen Jahren. Die bisherige Lösung funktioniert hauptsächlich als Bestellsystem, wohingegen Geschäftsabläufe wie Rechnungslegung oder Kundenkommunikation extern abgewickelt werden. Es ist also nötig, auf ein moderneres und effizienteres System umzurüsten. Da ein Druckshop einen speziellen Shop darstellt, wäre eine Eigenentwicklung eigentlich die beste Lösung, weil sie auf alle Bedürfnisse individuell zugeschnitten werden kann. Allerdings sind dafür viel Zeit sowie ein geschultes und erfahrenes Programmiererteam nötig. Da aber in relativ kurzer Zeit ein professionelles Ergebnis erreicht werden soll, bietet sich die Open Source Lösung Magento an. Das E- Commerce System weist eine hohe Flexibilität auf und verfügt bereits über viele Funktionalitäten, die nicht erst alle selbst programmiert werden müssen. 8 Vgl. STAHL, E./ KRABICHLER, T./ BREITSCHAFT, M./ WITTMANN, G. (2009), Seite 47 16

17 2 Magento Magento ist ein aufstrebendes E-Commerce Shopsystem, welches von der amerikanischen Firma Varien entwickelt wird. Varien ist schon seit einigen Jahren im Bereich E-Commerce tätig und beabsichtigte mit Magento eine Shoplösung zu schaffen, die umfangreicher und dabei benutzerfreundlicher ist als die Marktführer OS- und XT Commerce. Magento basiert auf dem Zend Framework für PHP 5. Das komponentenorientierte Framework trennt Anwendungslogik und Templates strikt voneinander und bietet so beste Voraussetzungen für eine stabile und skalierbare Web-Entwicklung 9. Das E-Commerce System Magento steht hauptsächlich unter der Open Software Licence (Version 3.0) und ist kostenlos erhältlich. Dieser Fakt verleitet schnell zu der Annahme, dass damit der eigene Web-Shop ganz einfach und schnell zu realisieren ist. Doch wie bei jeder anderen Software, deren Einsatz zur Debatte steht, sollte Magento erst einmal getestet und danach die Vorund Nachteile abgewogen werden. Denn die Meinungen über die Software gehen auseinander. Während die Flexibilität und der Funktionsumfang von Magento die Einen ins Schwärmen bringen, lassen negative Aussagen über die Performance wieder Zweifel an dem System aufkommen. 2.1 Der steile Aufstieg von Magento Seit der Veröffentlichung der ersten Betaversion im August 2007 und der darauf folgenden ersten stabilen Version 1.0 im März 2008 ist der Bekanntheitsgrad und die Verbreitung von Magento ständig angestiegen. Auf diese Popularität in den Medien (besonders im Internet) ist Varien auch angewiesen, da Magento ein Open Source Shopsystem ist. Umso mehr Menschen sich aktiv an der Entwicklung eines Open Source Systems beteiligen, indem sie z. B. Erweiterungen programmieren oder 9 Vgl. SYMMETRICS (2009). 17

18 Verbesserungen vorschlagen, desto mehr kann es optimiert werden. Magento wurde bisher Mal 10 heruntergeladen und kann eine weltweit wachsende Community (engl. Gemeinschaft) vorweisen. Neben dem englischsprachigen Hauptforum (unter commerce.com/boards) gibt es mittlerweile 40 Unterforen in anderen Sprachen, wovon das deutsche Forum mit großem Abstand das am meisten frequentierte ist. Google Trends stellt die Verteilung bestimmter Suchanfragen über einen festgelegten Zeitraum dar (siehe Abbildung 2). Abbildung 2: Verteilung von Suchanfragen (Quelle: GOOGLE TRENDS LABS 2009) In Abbildung 2 ist zu erkennen, dass seit Anfang 2009 in Deutschland die Suchanfragen nach Magento überwiegen. Weltweit gesehen sind die E- Commerce Lösungen Magento und OS Commerce zurzeit noch in etwa auf gleicher Höhe. Dies kann sich aber in den nächsten Monaten durchaus zugunsten von Magento verschieben, da OS Commerce deutlich länger erhältlich ist als das relativ junge Magento. 10 Vgl. NEITZEL, R. (2009). 18

19 2.2 Vorteile von Magento Die Flexibilität von Magento gewährleistet eine beliebige Erweiterbarkeit der Funktionen, ohne dabei den Kern des Systems zu verändern 11. Das Shop-System lässt sich an kunden- und länderspezifische Bedingungen (verschiedene Sprachdateien, Steuersätze oder andere Besonderheiten) anpassen. Durch die klare Trennung zwischen dem Programmkern und den (individuellen) Funktionalitäten bleibt die Updatefähigkeit erhalten 12. Die Entwickler haben großen Wert auf Benutzerfreundlichkeit gelegt. So sind die Benutzeroberflächen im Backend wie auch im Frontend klar und ansprechend strukturiert. Benutzern und Administratoren soll der Umgang mit dem System so leicht wie möglich gemacht werden. Die vollständig integrierte Bestellverwaltung erlaubt es einem Unternehmen Lieferscheine, Rechnungen, Gutschriften etc. komfortabel über das Backend zu verwalten. Außerdem kann der Bestellvorgang in Magento auf nur einer Seite zusammengefasst ablaufen. Das ist für den Nutzer sehr bequem, da er sich nicht mehr durch mehrere Seiten klicken muss, um seine Bestellung abzuschließen. Magento legt ein besonderes Augenmerk auf die Produktverwaltung. Das System bietet von Haus aus bereits sechs verschiedene Produktarten an. Kategorien und Produkteigenschaften werden immer dem Produkt zugewiesen und nicht anders herum. Das Produkt steht also bei Magento im Mittelpunkt und ermöglicht so klare Strukturen 13. Die Multi-Site-Funktionalität ist eine wirkungsvolle Funktion, die es erlaubt mehrere Webseiten und Shops (siehe Abbildung 3) unter einem 11 Vgl. STEIREIF, A./RIEKER, A. R. (2009), Seite Vgl. TECHDIVISION, S. (2008), Seite Vgl. TECHDIVISION, F. (2008), Seite

20 gemeinsamen Backend zu verwalten. Somit wird das ganze System skalierbar und kann jederzeit beliebig erweitert werden, wenn z. B. der Webshop auch in einer weiteren Sprache verfügbar sein soll. Es ist möglich, alle Änderungen an einer Webseite auf alle Shops dieser Seite zu übertragen 14. Dies reduziert den Administrationsaufwand erheblich und spart somit auch Kosten. Abbildung 3: Stores und Store Views Magento verfügt über ein breites Spektrum von Marketingfunktionen. So können beispielsweise Sonderangebote definiert, Gutscheine verteilt oder Staffelpreise festgelegt werden 15. Damit könnten weitere Kaufanreize geschaffen werden. Über Berichte (Reports) kann sich der Shopbetreiber über die aktuellen Entwicklungen in seinem Shop auf dem Laufenden halten. Kennzahlen über den Gesamtumsatz, die Anzahl der Bestellungen oder die meistverkauften Produkte lassen sich schnell abrufen. Die Möglichkeit, Benutzerverhalten, Suchabfragen, Wunschlisten und anderes auszuwerten, lässt eine kontinuierliche Optimierung des Online-Shops zu. 14 Vgl. TECHDIVISION, F. (2008), Seite Vgl. STEIREIF, A./RIEKER, A. R. (2009), Seite

21 Die Suchmaschinenoptimierung (SEO) wird durch benutzerfreundliche URLs realisiert. Dies ist wichtig, damit der Web-Shop leichter von Suchmaschinen gefunden werden kann. In Magento können für alle Seiten individuelle Metatags (Seitentitel, Beschreibung und Schlüsselwörter) vergeben werden 16. Der Administrator hat also die volle Kontrolle darüber, was und vor allem wie in den URLs angezeigt werden soll. 2.3 Nachteile von Magento Die Performance ist auf den ersten Blick ein Problem von Magento. Aber eine professionelle und umfassende E-Commerce Lösung verbraucht nun einmal auch umfangreiche Ressourcen. Magento bietet als Open Source System mehr als seine Vorgänger und verlangt dementsprechend mehr Leistung 17. Dabei ist anzumerken, dass durch verschiedene Optimierungsmaßnahmen die Performance gesteigert werden kann. Trotzdem braucht ein Magento Shop einen eigenen Server, um immer hochverfügbar zu sein. Für kleinere Shops könnte eventuell ein Shared Webspace (mehrere Webseiten auf einem Server des jeweiligen Anbieters) ausreichen. Für einen professionellen Einsatz von Magento ist ein dedizierter oder ein Managed Server notwendig. Das System Magento ist von Haus aus eher unzureichend dokumentiert, denn der Support ist eine Variante der Firma Varien, Geld zu verdienen. Deswegen muss auch mit einer etwas höheren Einarbeitungszeit im Vergleich zu OS bzw. XT Commerce (andere verbreitete E-Commerce Lösungen) gerechnet werden. Doch wie bereits in Kapitel 2.1 erwähnt, wächst die Community von Magento ständig weiter, sodass auftretende Fragen oftmals von Mitgliedern bereits beschrieben und gelöst worden sind. Hierbei ist zu beachten, dass mit Version ein zumindest teilweiser Wechsel der Lizenzierung stattfand. Das bedeutet, dass Firmen mit einer 16 Vgl. TECHDIVISION, F. (2008), Seite Vgl. TECHDIVISION, S. (2008), Seite 9. 21

22 kommerziellen Lizenz nicht mehr verpflichtet sind, ihre Änderungen am Quellcode offen zu legen. Weiterhin ist Magento in erster Linie für den amerikanischen Markt entwickelt. Um das System auf dem deutschen bzw. europäischen Markt einzusetzen, sind einige Anpassungen nötig. Diese sind zum einen Rechtshinweise wie die allgemeinen Geschäftsbedingungen und das Widerrufsrecht sowie zum anderen landestypische Zahlungsarten und Versandkosten. Außerdem ist es in Deutschland Pflicht, bei Preisen im Shop anzugeben, ob bereits die Mehrwertsteuer und Versandkosten enthalten sind. Diese rechtlichen Rahmenbedingungen müssen unbedingt beachtet werden, sonst drohen Abmahnungen vonseiten der Konkurrenz. 3 Installation von Magento Magento lässt sich auf zwei Arten installieren. Zum einen gibt es das Full Release und zum anderen die Downloader Version. Bei der Full Release Version lädt sich der Nutzer alle Dateien in ein Archiv gepackt herunter, extrahiert diese und lädt sie auf den Webserver hoch. Die Downloader Version ist dagegen eine nur 700 KB große Anwendung, die sich alle benötigten Daten direkt vom Magento Server herunterlädt. Bei der Installation auf einem Server oder Webspace im Internet lässt sich dadurch eine Menge Zeit sparen 18. Wo Magento installiert wird, hängt dann vom jeweiligen Einsatzzweck ab. Das Shop-System lässt sich zu Testzwecken lokal oder auf einer virtuellen Maschine installieren. Für den Einsatz als Produktivumgebung wird Magento eher auf einem eigenen Server installiert werden. 18 Vgl. STEIREIF, A./RIEKER, A. R. (2009), Seite

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