Die Mutter eine Beziehungsreise zum Selbst

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1 1 Ich erlebe den Männertag immer wieder als eine alljährliche Feier auf dem Weg zur Entwicklung eines neuen Mannseins als eine Geburtsstunde für eine neue Männlichkeit. Heute ist der zwölfte Männertag, den wir gebären - nun zum ersten Mal zum Thema Mutter - heute mit dem Versuch, ein weiteres Kind auf das Leben zu bringen -die häufig gewünschten Folgeveranstaltungen einzelner Workshops. Die Mutter eine Beziehungsreise zum Selbst oder auch mammamia welch ein Leben- mit so vielen Möglichkeiten Von vielen Untersuchungen ist eindeutig festgestellt: Unsere wesentlichen Beziehungen sind vorrangig bedeutend für das Empfinden von Glück bzw. Unglück, für das Empfinden von Sinn in unserem Dasein. Von ihnen hängt unsere wirkliche Lebensqualität ab. In der Zeit, die wir in der Gebärmutter unserer Mutter verbracht haben, brauchten wir uns um nichts zu kümmern. Um uns herum war alles da, was wir brauchten. Alles wurde uns geschenkt. Auch in der ersten Zeit nach der Geburt wurde uns Vieles gegeben. Mit diesen Gaben haben wir uns aus einem inneren Impuls heraus immer weiter ins Leben hinein entwickelt. Doch irgendwann auf dieser Reise unseres Lebens begann es anstrengend zu werden. Die Entwicklung kam nicht mehr von alleine auf uns zu. Unser eigenes Engagement wurde immer wichtiger. Die Zeit mit der Mutter als Kind ist auf eine Art Vergangenheit. Doch in unserem Inneren besteht sie weiter.denn das Kleinkind lebt noch immer in unseren Herzen weiter. Die Beziehung zur Mutter war die erste wichtige Beziehung unseres Lebens. Sofern wir offen für Gefühle sind, verschwindet das Gefühl für unsere Mama nie vollständig. Doch beginnen wir im Jetzt, unabhängig davon ob Deine Mutter noch lebt oder schon gestorben ist. Übung: Sich die Mutter vorstellen, sie mit Fingern zeichnen Wie nah oder fern würdest Du gerne den Abstand zu ihr gestalten? - Welche wohlig angehnehmen, freudigen Gefühle tauchen in Dir auf? oderwelche unangenehmen, schmerzlichen, ärgerlichen oder ängstlichen Empfindungen? Was ist gestört im Miteinander zu ihr? Wo ist noch etwas verknotet in Dir - fernab von der Möglichkeit, eine Verbindung in Freiheit zu erleben? Du bist jetzt ein erwachsener Mann, zumindest äußerlich losgelöst von Deiner Mutter. Doch der Beginn Deines Lebens war völlig anders: Es gab für Dich weder Dich selbst noch die Mutter, es gab nur die große Verbundenheit. Es gab noch kein eigenständiges Leben, kein unabhängiges Dasein in der Welt. Alles um Dich herum war die Mutter. Es gab für Dich nur die große Einheit.

2 2 Auf dem Weg von der Abhängigkeit der Embryonalzeit bis hin zum unabhängigen, reifen, erwachsenen Mann gibt es 4 Entwicklungsphasen mit unterschiedlichen Schwerpunkten:Die erste Phase im Mutterleib und als Säugling ist geprägt von Verbindung und Abhängigkeit.Wenn Dir die Mutter (und später auch der Vater) in der Zeit als Embryo, Säugling, Kleinkind auf gute Art Bindung und Verbindung geboten haben, dann fällt es Dir leichter, Dich als Erwachsener im Leben verbunden, innerlich sicher und stabil zu fühlen In der zweiten Phase ist die Versorgung mit physischer und seelischer Nahrung wesentlich. Auch hierbei bist Du abhängig und darauf angewiesen, dass Du gute und ausreichende Nahrung bekommst. Wenn diese beiden Phasen gut verlaufen, machst Du die Erfahrung: Du wirst geliebt, ohne dafür etwas leisten zu müssen In der dritten Phase geht es um die Gelegenheit und Unterstützung dafür, die Welt außerhalb des Mutter-Bereichs zu erkunden; beginnend mit dem Krabbeln, dem Gehen, dem Kindergarten, der Schule bis hin zum Aufbegehren in der Zeit der Pubertät und dem Weggehen aus dem Elternhaus. In dieser Zeit geht es um Deine Selbstverwirklichung undum die Befriedigung Deiner menschlichen Grundbedürfnisse - Und als Viertes um das Bedürfnis, Beziehungen zu anderenmenschen herzustellen- als intime Form in einer liebenden Paarbeziehung. Hiermit beginnt dann ein neuer Generationen-Zyklus. Hierzu gehört es auch zu lernen, die eigenen Gefühle klar und direkt zu kommunizieren. Nüchtern betrachtet ist es eigentlich klar: Wir wachsen in der Gebärmutter einer nicht vollkommenen Mutter heran, werden in eine nicht vollkommene, manchmal recht problematische Welt geboren, lernen dann den ebenfalls nicht vollkommenen Vater kennen. So ist der Start in das Leben. Damit können wir uns nüchtern abfinden und nüchtern bleiben - oder wir können mit diesem Schicksal ein Leben lang hadern, leiden oder kämpfen - oder wir spüren in uns die Sehnsucht nach mehr ; ein inneres Wissen, dass es doch in diesem Leben mehr geben müsse, mehr an Freude, Wohlgefühl, Verbindung und Lebensqualität.Mit dieser Sehnsucht können wir uns dann aufmachen auf unseren Lebensweg als Erwachsener Auf dem Weg von der Verschmelzung und Einheit hin zur Loslösung in die Eigenständigkeit entstehen oftmals Verstrickungen, weil die reale Mutter (und genauso der Vater) nicht das geboten haben, was wir instinktiv von ihnen erwartet haben und gebraucht hätten.mögliche Verstrickungen zeigen sich in einem auf Dauer verfestigten Gefühl wie: Ärger auf die Mutter - der Stolz, auch ohne sie leben zu können - der Schmerz und die Enttäuschung über das, was sie nicht gegeben hat - die Angst, ihren Fängen nie zu entkommen. Wenn Du in einer Emotion, einer Haltung

3 3 fest verhaftet bist, ist dies ein Merkmal der Verstrickung - eine weitere bedeutende Verstrickung, keine Gefühle zur Mutter zu empfinden. Diese Verstrickungen gilt es zu bekämpfen nicht die Mutter - und sich aus ihnen zu lösen. Was wurde aus Dir auf Deinem Lebensweg von der Geburt bis heute? Was bist Du für ein Mann geworden? Manche bleiben auf Dauer ein Muttersohn andere fühlen sich in der Welt wie ein verlorener Sohn andere wie ein widerspenstiger Sohn andere auf Dauer verstrickt im Kampf gegen die Mutter und das Weibliche oder wie ein eigenständiger, autarker Mann, der jedoch keinen Zugang zu Gefühlen mehr hat und wieder andere als liebesfähiger Mann, der bereit ist, seine Liebe an das Leben weiter zu geben.für diese vielfältigen Entwicklungsmöglichkeiten ist der Vater mit zuständig und mitverantwortlich.wenn der Sohn die Liebe des Vaters erlebt, ist es für ihn leichter in die Welt hinaus zu gehen und ein Mann zu werden. Wenn die Mutter die Liebe ihres Mannes erlebt, kann sie ihren Sohn leichter loslassen. Doch heute bleiben wir mit dem Blick hauptsächlich bei der Mutter. Als Junge ist es wichtig, sich vom Weiblichen, von der Mutter zu lösen. Dies ist schwierig, wenn dahinter nicht die Welt des Vaters empfangsbereit steht, sondern der Junge in emotionale Leere und Orientierungslosigkeit laufen muss. Dann ist die Gefährdung groß, den Zugang zu Gefühlen zu verlieren oder Emotionalität abzulehnen. Gefühle, Bindung und Beziehung gelten oftmals als weibliche Bereiche. Doch das ist ein Irrtum.Beziehungen, Miteinander, Verbindung und Gefühle sind keine weiblichen Eigenschaften. Im Rahmen der gelebten Rollenaufteilungen wurden sie zwar den Frauen zugeschrieben, doch letztlich gehören sie genauso zu Männern wie zu Frauen. Als ersten Schritt auf dem Weg zum Mann sein lehnen Jungen häufig alles Weibliche ab und versuchen, es zu kontrollieren. Sie wollen sich aus den liebenden Fängen der Mutter befreien, indem sie Weichheit, Anhänglichkeit und Gehaltensein hinter sich lassen. Doch damit schütten sie das Kind mit dem Bade aus und werden zum einsamen, harten Helden. Der verdrängt seine Gefühlswelt und glaubt, nur soim Leben seinen Mann stehen zu können. Viele Männer bleiben stecken in der Abgrenzung zur Mutter, in der Wut oder dem Schmerz über das, was sie nicht gegeben hat oder über die Vereinnahmung, die viele Söhne von Müttern erleben müssen. Meist ist diese Wut gemischt mit Schmerz, Enttäuschung und Ängsten, aber manchmal auch mit der Ablehnung von Emotionen und innigen Beziehungen oder gar mit einer Lebensverweigerung.

4 4 Jeder Mann wird aus einem weiblichen Schoß geboren. Ohne die Mutter gibt es kein Leben. Alles um ihn herum ist weiblich: Die Erde, die Natur, das Zyklische des Lebens. In den ersten Lebensjahren dann noch zusätzlich die vielen Erzieherinnen im Kindergarten, die Lehrerinnen in der Grundschule. Erfahrungen mit Männern sind in den ersten Lebensjahren eher eine Seltenheit. Das kann überwältigend sein. Und damit ist eine Grundangst des Mannes angesprochen: dem Weiblichen, Mütterlichen ausgeliefert und unterlegen zu sein - die Angst mit dem Weiblichen überfordert zu sein und vom Weiblichen überrollt zu werden. Aus dieser Angst grenzen sich Männer vom Weiblichen ab. Es ist viel erreicht, wenn es als Erwachsener gelingt, mit der realen Mutter auf gute, lebendige Art Frieden zu finden - wenn es gelingt, die Verstrickungen mit ihr zu lösen. Dies hilft für die Entwicklung von körperlicher und seelischer Gesundheit. Das Verlangen nach dem Weiblichen taucht wieder aufim sexuellen Verlangen nach einer Frau. Es ist leicht sich sexuell zu einer anderen Frau hin zu orientieren und von der Mutter zu lösen. Der sexuelle Trieb ist dafür im Normalfall stark genug. In der Verliebtheit wächst die Hoffnung, mit dieser Frau alles erleben zu können, durch sie wieder im Paradies anzukommen. Die Illusion ist da, dass nun alles vorhanden und geschenkt sei und wir wieder glücklich sein können, ohne uns dafür engagieren zu müssen. Alles ist im guten Fluss. Doch die Enttäuschung holt uns ein, die Ernüchterung der Realität naht. Denn keine Frau ist wirklich eine Göttin, jede hat neben ihren Stärken auch Schwächen. Vieles, was zum Gelingen einer Beziehung notwendig ist, muss sich das Paar gemeinsam erarbeiten.um eine Liebesbeziehung mit einer Frau erfüllend gestalten zu können, ist es für viele Männer eine wichtige Aufgabe, den Zugang zu Emotionen wieder zu erlernen, auch wenn dies schwierig und gefährlich erscheint.die emotionale Loslösung von der Mutter ist schwieriger als die sexuelle. Sie braucht eine bewusste Entscheidung für die Welt der Gefühle, anstatt sich von Gefühlen abzuschneiden. Sonst bleiben Emotionalität und Sexualität auf Dauer als zwei getrennte Welten bestehen. Die meisten Männer suchen sich eine Frau, die im Kontrast zur Mutter steht. Sie suchen bei der Partnerin häufig das, was ihnen in der Kindheit gefehlt hat und lehnen das ab, was ihnen schon damals nicht gefallen hat. Doch in langen Beziehungen taucht die Mutter dann meist wieder auf. Ähnliche Züge werden bei der

5 Partnerin sichtbar. An diesen Themen und Haltungen ist nun die Arbeit an den eigenen einengenden und beschränkenden Lebensmustern notwendig. Diese lassen sich nicht einfach verändern. Doch die Arbeit daran kann zu tiefer Erfüllung in der Beziehung führen. Das Potenzial zur Liebe haben wir in der Gebärmutter in der tragenden Verbindung mit der Mutter mitbekommen. Jetzt liegt dieses Potenzial in uns selbst. Es ist unsere Aufgabe und Herausforderung, es in uns weiter zu entwickeln und in die Welt zu bringen. Der Schlüssel zum Glück und zur Erfüllung als Mann liegt unter dem Kopfkissen der Mutter. Von dort müssen wir ihn klauen, ihn uns selbst aneignen, müssen unser Glück in unsere eigene Verantwortung nehmen -anstatt es im Außen bei einer vermeintlich tollen Frau zu suchen und uns von ihr abhängig zu machen. Wir müssen uns von den Verstrickungen mit der Mutter lösen und dadurch Frieden mit ihr und mit uns finden. Ob die Mutter eine gute Mutter ist, liegt letztlich am Kind. Wenn Kinder es als Erwachsene schaffen, mit den Belastungen des Lebens gut umzugehen, wenn sie etwas Gutes aus ihrem Leben machen, dann können sie Ja zur Mutter sagen. Dadurch wird es möglich, sich auf gute emotionale und sexuelle Art dem Weiblichen zuzuwenden und zu einer Frau eine Beziehung in Liebe zu leben. Hierzu braucht es ein unterstützendesmännliches Miteinander. Die Sehnsuchtnach der Einheit und Verbundenheit unseres Lebensanfangslebt in uns weiter. Doch es geht nicht darum, die paradiesische Einheit in der Verschmelzung mit der Mutter wieder zu beleben - und auch nicht in der Verschmelzung mit der Ehefrau.Als Erwachsener ist es letztlich das Ziel,die Verbindung und Einheit zum Leben an sich zu suchen und zu finden.wenn es uns gelingt, mit uns selbst Eins zu sein, wenn wir zu uns selbst wirklich Ja sagen können, dann kommen wir der Erfüllung im Leben nahe und fühlen uns mit der Welt der großen Mutter -verbunden. Wichtige Vorstufen hierfür sind das liebevollemiteinander mit einer Partnerin und mit Kindern in der Familie. Den Weg, dieser Sehnsucht zu folgen, müssen wir im Leben bestreiten - durch viel Schönes und viel Schwieriges hindurch - mit viel Enttäuschung, Ärger, Abhängigkeit und Schuldzuweisung und mit der Angst, die sich immer wieder an der Unvollkommenheit anderer Menschen festmacht. praxisbösch I christophbösch I paartherapie/körperpsychotherapie/persönlicheweiterentwicklung I hofackerstr.25, freiburg tel mail. - 5

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