Unterstützung von Wissensmanagement durch Unternehmensportale

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1 Georg-August-Universität Göttingen Institut für Wirtschaftsinformatik Professor Dr. Matthias Schumann Platz der Göttinger Sieben Göttingen Telefon: Telefax: Arbeitsbericht Nr. 07/2006 Hrsg.: Matthias Schumann Christian Kaspar Unterstützung von Wissensmanagement durch Unternehmensportale

2 Copyright: Institut für Wirtschaftsinformatik, Abteilung Wirtschaftsinformatik II, Georg-August-Universität Göttingen. Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der Grenzen des Urhebergesetzes ist ohne Zustimmung des Herausgebers unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. Alle Rechte vorbehalten.

3 Inhaltsverzeichnis II Inhaltsverzeichnis Abbildungsverzeichnis...II Abkürzungsverzeichnis...II 1 Einführung Betriebliche Portalsoftware Wissensmanagement und IT-Unterstützung Portalsysteme zur Unterstützung von Wissensmanagement Fazit Quellenangaben...2

4 Abbildungsverzeichnis III Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Integrationsarchitekturen für Portallösungen (Puschmann 2003)... 2 Abbildung 2: Systematisierung von MIS... 2 Abbildung 3: Portalfunktionen zur Unterstützung von Wissensmanagement (Sandkuhl 2005)... 2 Abbildung 4: Generische Architektur eines Wissensportals... 2

5 Abkürzungsverzeichnis IV Abkürzungsverzeichnis Abb. bspw. bzgl. d.h. i.e.s. / i.w.s. i.h.v. insg. Mio. Mrd. Abbildung beispielsweise bezüglich das heißt im engeren Sinne / im weiteren Sinne in Höhe von insgesamt Million Milliarde S. Seite sog. u.a. Vgl. z.t. so genannte unter anderem Vergleiche zum Teil

6 1 Einführung 1 1 Einführung Das Angebot kommerzieller Standardsoftware für den Aufbau sog. Unternehmensportale wurde ab Ende der 1990er Jahre als Erfolg versprechender Markt für die inner- und zwischenbetriebliche Konsolidierung sowie für das Management, die Analyse und den Vertrieb von Informationen eingeschätzt (Shilakes/Tylman 1998). Als zentrale Anwendungsgebiete derartiger Standardsoftware wurden die Reduktion der wachsenden Informationsflut und die Unterstützung des betrieblichen Wissensmanagements gesehen. Zeitweise wurde ein Gesamtvolumen des Marktes von bis zu insgesamt 15 Mrd. US-$ prognostiziert (Shilakes/Tylman 1998, Ovum 1999). Im Markt entwickelte sich allerdings schnell ein Inter-Standard-Wettbewerb zwischen den verschiedenen inkompatiblen Software- Frameworks der einzelnen Anbieter (bspw. SAP, Microsoft, Plumtree, Hummingbird), der sich wachstumshemmend auf den Markt auswirkte. Derzeit findet eine substanzielle Konsolidierung unter den konkurrierenden Framework-Anbietern statt (Plumtree 2005). Zudem zeichnet sich eine anbieterübergreifende Standardisierung der Integrationsschnittstellen der einzelnen anbieterspezifischen Frameworks ab, wodurch eine weitere Konsolidierung des Marktes zu erwarten ist (Koschek 2004). 2 Betriebliche Portalsoftware Ein Portal bezeichnet allgemein eine Web-Anwendung, in der Inhalte, Dienste und Funktionen integriert werden (Sandkuhl 2005, Collins 2001). Aus Anwendersicht repräsentiert ein Portal eine Webseite, die als Einstieg in das Internet, in den öffentlichen Bereich einer Organisation, in den nicht-öffentlichen Bereich einer Organisation, in das Extranet einer Domain oder in das betriebliche Intranet dient (Bauer 2001). Ein engeres Verständnis des Portalbegriffs erschließt sich aus dem Softwaremarkt, wo sich Ende der 1990er Jahre ein Marktsegment für Standardsoftware zum Aufbau von speziell inner- und zwischenbetrieblichen Intranetportalen etabliert hat (Shilakes/Tylman 1998). Für derartige Portalstandardsoftware, auf die hier fokussiert wird, existiert eine heterogene Vielfalt von Typologien für Portalsoftware (Bullinger et al. 2002), darunter die Klassifikation nach: dem Anwendungsfall (bspw. anhand der zu integrierenden Prozesse in Logistikportale, Einkaufs~, etc.), der Zielgruppe (bspw. in Consumer-, Corporate- oder Community-Portale), dem Inhaltetyp (bspw. in Informations- oder Wissensportale), der Funktionalität (bspw. Collaboration-, Archiv- oder Semantic-Portale) und der funktionalen und inhaltlichen Breite/Tiefe (horizontale oder vertikale Portale). Portalstandardsoftware verfügt in der Regel über ein breites Funktions- und Instrumentenspektrum, darunter Schnittstellen zur Quellenintegration, Strukturierungsmechanismen, Suche- und Content-

7 2 Betriebliche Portalsoftware 2 Management-Werkzeuge, die Automatisierung von Arbeitsabläufen, Kooperations- und Kommunikationswerkzeuge, Personalisierungsmöglichkeiten und Instrumente für Administration und Sicherheit (Amberg et al. 2004). Portalsoftware beruht üblicherweise auf einer integrierten IT-Architektur mit proprietären Schnittstellen (Puschmann 2003). Vorteile der Integration von IT-Systemen bilden generell die Senkung des Zeitaufwands von Auswertungen, Personaleinsparungen bei der Datenerfassung, die Verbesserung der Datenqualität und die Vermeidung von Mehrfacherfassungen (Schumann 1992). Eine integrierte IT-Architektur verspricht zudem die Schaffung von Ressourcentransparenz, Senkung der IT-Betriebskosten (bspw. durch eine standardisierte Gestaltungselemente) und integrierte Informationsverfügbarkeit (Bullinger et al. 2002). Die Implementierung von Unternehmensportalen ist trotz des Einsatzes von Standardsoftware in der Regel sehr aufwendig, da schon die Konzeption der zugrunde liegenden Architektur sehr komplex ist und verschiedene Teilsichten (bspw. Projektmitglied, Projektleiter, Administrator, etc.) erfordert (Amberg et al. 2004). An der Entwicklung einer konkreten betrieblichen Portallösung sind (neben dem Kundenbetrieb) üblicherweise vier Entwicklungspartner beteiligt: Der Anbieter des Portal-Frameworks, Entwickler von kompatiblen Portalanwendungen (sog. Portlets), Paketierer von Portlets (bspw. für bestimmte Branchen) und Portalintegratoren, die eine kundenindividuelle Lösung implementieren. Kritische Erfolgsfaktoren für die Implementierung eines Unternehmensportals bilden Kosten und Zeit der notwendigen Integrations- und Standardisierungsprozesse sowie die Flexibilität einer solchen Lösung. Das Integrationsproblem eines Portals ist dabei zweifacher Natur: Vertikal zu integrieren sind Einzelnanwendungen, horizontal zu integrieren verschiedene Anwendungen in einem gemeinsamen Portal. Zur Integration von Anwendungen in einem Portal bieten sich drei Technologien (Puschmann 2003): Portlets (1), Enterprise Application Integration (2) und Web Services (3). Abbildung 1 zeigt die Einsatzmöglichkeiten der drei Technologien im Rahmen eines Kommunikationsvorgangs zum Austausch eines Liefertermins zwischen zwei Anwendungen. Unternehmen A Portal A Portal B Unternehmen B Prozessarchitektur Absatzplanung Liefertermin abstimmen Liefertermin abstimmen Prozessarchitektur Nachfrageplanung vertikale Integrationsinfrastruktur Planungsdaten Scheduling Integrationsarchitektur Applikationsarchitektur Scheduling Anwendung A API Adapter EAI Adapter Portlet A Portlet-API Konnektor Portlet Portlet-Repository Portlet B Portlet-API Konnektor Portlet Portlet-Repository PP Applikationsarchitektur Anwendung B API Adapter EAI Adapter Planungsdaten Scheduling Integrationsarchitektur Adapter Web Service Supply Chain Visualisierung Horizontale Integrationsinfrastruktur Abbildung 1: Integrationsarchitekturen für Portallösungen (Puschmann 2003)

8 2 Betriebliche Portalsoftware 3 (1) Portlets sind Web-Applikationen (meist programmiert in Java), die in das Portalframework eingebunden sind und vom Nutzer für eine persönliche Portalseite abonniert werden können (Amberg et al. 2004). Portlets können der Aggregation von Inhalten dienen oder Funktionalitäten verschiedener Anwendungen ausführen (Gurage 2002, Puschmann 2003). Portlets ermöglichen dabei in der Regel lediglich lesenden Datenzugriff. Portlet unterschiedlicher Frameworks sind nicht interoperabel, wodurch Portlets frameworkspezifisch entwickelt werden müssen. Eine Standardisierung von Portlet-APIs wurde anfangs von Framework-Anbietern verhindert, damit keine Austauschbarkeit der Frameworkprodukte entsteht (Koschek 2004). (2) EAI und Portlets repräsentieren komplementären Funktionen, wobei EAI speziell darauf abzielt, den schreibenden Zugriff auf verschiedene Systeme und deren Daten zu gewährleisten (Puschmann 2003). Ein EAI-System besitzt sechs generische Bestandteile: Integrationsdienste (Schnittstellendienste auf Grundlage klass. Middleware), spezielle Schnittstellendienste, Transformationsdienste (auf Grundlage eines Metadatenobjektmodells und einer Transformationsbibliothek), Prozessmanagementdienste, Laufzeitdienste sowie Entwicklungsdienste. (3) Web Services repräsentieren Softwarekomponenten, die auf der Grundlage offener XML-basierter Standards sowie etablierter Internetprotokolle kommunizieren und deren Entwicklung und Nutzung programmiersprachen- und plattformunabhängig erfolgen kann (Gurage 2002). Bei dem Web Service Architekturmodell handelt es sich um eine konkrete Umsetzung der bereits seit Anfang der 1970er Jahre diskutierten "Service Oriented Architecture" (SOA). Serviceorientierte Architekturen zeichnen sich durch verteilte Softwarekomponenten aus, die eine spezielle Dienstleistung zur Verfügung stellen und die lose miteinander gekoppelt werden können (Burghardt 2004). Im Gegensatz zur notwendigerweise herrschenden 1:1-Beziehung von Softwarearchitekturen, entwickelt mit proprietären Standards und anwendungsspezifischen Schnittstellen, wandeln sich die Integrationsbeziehungen durch Nutzung von serviceorientierten Architekturen zu n:m-strukturen. Dadurch verspricht die Web Service-Technologie für die Implementierung von Unternehmensportalen das Potenzial, Portlets trotz frameworkspezifischer Schnittstellen der Portalframeworks mehrfach in verschiedenen Portalen nutzen zu können. Zur Senkung des Integrationsaufwands und zur Vereinheitlichung der Schnittstellen zwischen Portal- Frameworks und zu integrierenden Anwendungen schlossen sich 2002 verschiedene Portalhersteller zusammen, um eine einheitliche Portlet-Schnittstelle für Portlet-Implementierungen in Java zu spezifizieren. Neben der im Oktober 2003 als JSR 168 verabschiedeten Spezifikation entwickelte das OASIS- Konsortium ein auf der Web Service-Technologie aufbauendes einheitliches Protokoll, bezeichnet als Web Services for Remote Portlets (WSRP), für die Kommunikation zwischen Portlets und einem Portal- Framework. Beide Entwicklungen sollen speziell Java-erfahrenen Entwicklern sowohl die Implementierung von Portlets erleichtern als auch die Grundlage dafür schaffen, einmalig entwickelte Portlets in Portal-Frameworks verschiedener Anbieter mehrfach zu verwenden (Koschek 2004). Mit Ausnahme von Microsoft unterstützen mittlerweile alle derzeit am Markt vertretenen Anbieter von Portal- Frameworks die beiden Spezifikationen.

9 3 Wissensmanagement und IT-Unterstützung 4 3 Wissensmanagement und IT-Unterstützung Überlegungen zum Wissensmanagement haben ihre Wurzeln in der ressourcenorientierten Denkrichtung des strategischen Managements: Bereits Ende der 60er Jahre beurteilten Penrose und Ansoff die spezifische Ressourcenkonfiguration eines Unternehmens als zentrale Quelle des Wettbewerbserfolgs (Eschenbach/Kunesch 1996). Aufgrund der Spezifität von Unternehmen dafür ausschlaggebend ist die langfristige, gewachsene Einbindung von Ressourcen in den spezifischen situativen, organisatorischen Kontext der Unvollkommenheit der Faktormärkte und der Immobilität von Ressourcen durch befristete vertragliche Verfügungsrechte sind Ressourcen heterogen zwischen den Unternehmen einer Branche verteilt (Barney 2002, Habann 1999). Diese Sichtweise wird auch als Resource-Based View (RBV) des strategischen Managements bezeichnet. Als eine der wichtigsten Ressourcen eines Unternehmens gilt dessen Kultur in Verbindung mit dem durch seine Mitarbeiter repräsentierten Wissen. Wissensmanagement repräsentiert daher dem Ursprung nach das Bemühen um eine organisatorische Operationalisierung des Resource-Based View (RBV) des strategischen Managements. Gegenstand von Wissensmanagement ist die Auswahl, Implementierung und Bewertung zielorientierten Wissensstrategien (Schmaltz 2005). Wissensmanagement repräsentiert ein Interventionskonzept zur Gestaltung der organisatorischen Wissensbasis eines Unternehmens (Voß 2001), mit dem Ziel, effektivere und effizientere Entscheidungen zu treffen. Das Management von Wissen besitzt sechs Aspekte (Probst et al. 1999): die Identifikation von (wertvollem) Wissen, die eigene Entwicklung von Wissen, der Fremderwerb von Wissen, die bedarfsgerechte Verteilung von Wissen, dessen Nutzung und Bewahrung. 1 Im Hinblick auf die Möglichkeiten der IT-Unterstützung von Wissensmanagement können zwei Sichtweisen unterschieden werden (Mertens/Griese 2002): die Sichtweise des Informationsmanagements, nach dem Wissensmanagement eine Kollektion von speziellen Techniken wie Groupware, Dokumentenmanagement- (DMS) oder Expertensysteme (XPS) repräsentiert, die der Unterstützung und (Teil-)Automatisierung betrieblicher Entscheidungen dienen (1), sowie die (psychologische bzw. pädagogische) Sichtweise des organisatorischen Lernens, nach der Wissensmanagement die Weiterentwicklung der Unternehmens- und Mitarbeiterintelligenz darstellt (2). (1) Im Informationsmanagement werden IT-Systeme zur Unterstützung von betrieblichen Entscheidungsprozessen werden allgemein auch als Management Information Systems (MIS) bezeichnet (Bocij et al. 1999). MIS repräsentiert einen Sammelbegriff für verschiedene Systemformen wie Transaktionsverarbeitungssysteme (Transaction Processing Systems, TPS), Workflow Management Systeme (WFM), Konzerninformationssysteme (Enterprise Information Systems, EIS) oder Entscheidungsunterstützungssysteme (Decision Support Systems, DSS). MIS können entsprechend der Strukturiertheit der durch das System verarbeitbaren Ressourcen (quantitative Daten vs. qualitative Informationen) und der Programmierbarkeit der unterstützten Entscheidungsprozesse (operativ, tendenziell gleich bleibend vs. strategisch, tendenziell veränderlich) klassifiziert werden 1 Aus ressourcenorientierter Sicht ist allerdings der Fremderwerb von Wissen kritisch zu sehen, da dies im Widerspruch mit der Spezifität und Nichttransferierbarkeit von Ressourcen steht.

10 3 Wissensmanagement und IT-Unterstützung 5 (vgl. Abbildung 2). MIS erzeugen Informationen, die für ihre Nutzer (unterstützt durch eine geeignete Unternehmenskultur) in ihrem Nutzungskontext Wissen darstellen können. Vereinfachung von Informationsund Wissensverteilung unstrukturierte Informationen Prozess-(teil-) automatisierung (WFM) Unterstützung von Gruppenarbeit (DMS, Mail, Groupware) Inputressourcen der Entscheidung Regelbasierte Systeme (XPS, WBS) strukturierte Daten Transaktionsautomatisierung (TPS) Berichtsaggregatoren (EIS) Irreguläre Datenverwendung (DSS) (Teil-)Automatisierung der Generierung neuen Wissens operativ (Teil-)Automatisierung von Entscheidungsprozessen Entscheidungsstrukturen strategisch Abbildung 2: Systematisierung von MIS (2) Aus Sichtweise des organisatorischen Lernens können IT-Systeme als sog. Organisational Memory Systems eingesetzt werden (Sandkuhl 2005). In solchen Systemen sind Informationen gespeichert, die jedoch nicht automatisch durch Nutzer als Wissen abgerufen werden. Stattdessen wird die hochgradig implizite Natur von Wissen (Polanyi 1958) betont, wonach Wissen individuelle Erwartungen über Handlungsfolgen sind, die die Grundlage individuellen Problemlösens darstellen und die nur schwer explizierbar sind (Nonaka 1998). Nur wenn diese Erwartungen in Bezug auf Informationen in einem Entscheidungskontext von allen Mitgliedern geteilt werden, kann von explizitem kollektivem Wissen gesprochen werden. Kollektives Wissen zu schaffen, zu erweitern und zu speichern ist daher generell problematisch, weshalb aus Lernsicht stärker die Bedeutung des Individuums für die Intervention mit der Wissensbasis, bspw. durch besseres Auffinden von Wissensträgern oder durch Kommunikationsinstrumente für den Austausch von Wissensträgern, hervorgehoben wird. IT-Infrastrukturen für die Unterstützung von Wissensmanagement nach dieser Auffassung umfassen drei Stufen (Mertens/Griese 2002): Datenbanken (bspw. Case-Based-Reasoning, FAQ-Datenbanken, Answer Gardens) Intranetdiskussionsforen, und Groupware Gelbe Seiten (bspw. Wissenslandkarten, Best Practice Maps) Einen Sonderfall für die IT-Unterstützung von Wissensmanagement bilden kooperative zwischenbetriebliche Vorhaben, deren auf verschiedene Unternehmen verteilte Wissensbasis ebenfalls durch Wissensmanagement unterstützt werden sollen. Zu den speziellen Problemen von Wissensmanagement in kooperativen Vorhaben gehören die Integration der jeweiligen Daten- und Informationsquellen,

11 4 Portalsysteme zur Unterstützung von Wissensmanagement 6 die Herstellung von Transparenz über die verfügbaren Ressourcen und die Überwindung von Informationspathologien (Schmaltz 2005). IT-Systeme, die Wissensmanagement in Kooperationen unterstützen sollen, müssen sich daher bspw. über plattformübergreifende Integrierbarkeit auf Input- und Outputseite, Möglichkeiten zur flexiblen Kopplung mit Partnersystemen und die Fähigkeit, sprachliche Differenzen z.b. in Bezug auf Metadatenvokabulare auf technischer Ebene zu lösen, verfügen. 4 Portalsysteme zur Unterstützung von Wissensmanagement Ein besonderes Potenzial für den Einsatz von Portalsystemen im Wissensmanagement wird vor dem Hintergrund der wachsenden Informationsflut gesehen: Es wird angenommen, dass sich derzeit das weltweit verfügbare Informationsangebot alle 5 Jahr verdoppelt, wobei insgesamt von einem exponentiellen Informationswachstum ausgegangen wird. Im Rahmen der betrieblichen Informationsversorgung bilden die Kapazitäten der Informationsverarbeitung und -selektion die wesentlichen Erfolgsfaktoren für effiziente Entscheidungen. Vor diesem Hintergrund wird die Hoffnung an Portalsysteme gerichtet, als Organisational Memory Systeme eingesetzt werden zu können, die das verfügbare Informationsangebot strukturiert erfassen, transparent darstellen und bedarfsgerecht verteilen (Sandkuhl 2005). Eine Portallösung, die das Wissensmanagement unterstützen soll, muss dabei über sechs Merkmale verfügen (Sandkuhl 2005): Die Bereitstellung eines gemeinsamen Begriffsraums für die Katalogisierung aller integrierten Inhalte und Anwendungen (1), die Verwendung von Metadaten zur Strukturierung der Navigation (2), die Unterstützung des gesamten Lebenszyklus von Inhalten (insb. Zugriff/Suchen, 3), die Individualisierung der Oberfläche (4), die Unterstützung kooperativen Arbeitens (5) und die Spezialisierung auf die konkrete Anwendungsdomäne (6). Abbildung 3 ordnet diese Funktionen (ausnehmlich der Suchfunktion) den zuvor genannten sechs Wissensmanagementaufgaben zu. Wissensnutzung Wissensbewahrung Gemeins. Spezialisierung Begriffsraum (1) (6) Suche (3) Wissensverteilung Kooperatives Arbeiten (5) Strukturierte Inhalte (2) Wissensidentifikation Wissenserwerb Wissensentwicklung Abbildung 3: Portalfunktionen zur Unterstützung von Wissensmanagement (Sandkuhl 2005)

12 4 Portalsysteme zur Unterstützung von Wissensmanagement 7 Generell lassen sich demnach alle Kernbereiche des Wissensmanagements durch ein entsprechend mit semantischen Indizes und Kollaborationswerkzeugen ausgestattetes Portalssysteme unterstützen. Abbildung 4 zeigt eine generische logische Architektur für ein Portalsystem, das die genannten sechs Funktionen unterstützt (Kaspar/Burghardt/Schumann 2003). Präsentationsebene Spezialisierte Web-Präsentation (6) Individualisierung (4) Sitzungsmanager Ereignis Manager Nutzer Manager Layout Manager Prozess Manager Wissens ebene Metainformationen (2) Suche (3) Kollaboration (5) Wissensarchiv (1) Anwendungsebene Portlet Portlet Portlet Ressourcenintegration Portlet Anwendung Anwendung Dokumente Datenbank Abbildung 4: Generische Architektur eines Wissensportals Zu den besonderen Vorteilen von Portalsystemen für die Unterstützung von Wissensmanagement gehört dabei die bereits von vorne herein bei der Implementierung einer Portalsoftware notwendige Integration verschiedener Inhaltequellen, die wie zuvor beschrieben in der Regel durch das Portalframework durch verschiedene, sowohl proprietäre als auch standardisierte Technologien unterstützt wird. Zudem besitzen Portalframeworks in der Regel (out-of-the-box) vorimplementierte Mechanismen zur Nutzermodellierung und damit zur Individualisierung der Inhaltepräsentation sowie zur Suche nach integrierten Inhalten. Abgesehen von Instrumenten zur Definition einfacher Arbeitsabläufe im Rahmen der Portalbedienung ist dagegen die Integration von etablierten Instrumenten des Informationsmanagements zur Unterstützung und (Teil-)Automatisierung betrieblicher Entscheidungen bislang grundsätzlich nur gering ausgeprägt. Eine besondere Herausforderung im Rahmen des Einsatzes von Portalsoftware zur Unterstützung von Wissensmanagement bildet dabei die Strukturierung und die semantische Klassifikation integrierter Inhalte. In der Regel besitzt Portalsoftware zwar ein begrenztes Instrumentarium zur Definition von bestimmten Strukturierungskriterien in Form einfacher Thesauri, der Aufbau, die Pflege und insbesondere die Repräsentation einer kundenindividuellen semantischen Ontologie erfordert jedoch die in der Regel wiederum aufwendige Integration (eigen- oder fremdentwickelter) Drittwerkzeuge.

13 5 Fazit 8 5 Fazit Portalsysteme bieten speziell vor dem Hintergrund einer heterogenen Inhalte- und IT-Infrastruktur die Möglichkeit, für Nutzer die Transparenz der verfügbaren Ressourcen zu verbessern und (m. E.) Prozess- und Medienbrüche bei der Verwendung unterschiedlicher Ressourcen zu verringern. Zudem kann eine Portalsoftware, bspw. durch Kollaborations-, Such- oder Individualisierungswerkzeuge, ein betriebliches oder zwischenbetriebliches Wissensmanagement unterstützen. Besondere Herausforderungen einer solchen Wissensmanagementunterstützung bilden dabei allerdings die (möglichst einheitliche) semantische Klassifikation und Strukturierung der in das Portal zu integrierenden Ressourcen. Derartige Aspekte der zugrunde liegenden Begriffswelt sind allerdings nicht alleine technische Fragestellungen. Es ist vielmehr grundsätzlich davon auszugehen, dass die Entwicklung eines Wissensportals alleine nicht ausreichend für eine erfolgreiche Umsetzung von Wissensmanagement in Unternehmen ist. Eine entsprechende IT-Lösung kann eine etablierte Kultur, die den Austausch von Wissen zwischen Organisationsteilnehmern und den Ausbau der gemeinsamen Wissensbasis erlaubt, allerdings sinnvoll dahingehend unterstützen, dass Informations- und Wissensressourcen leichter identifiziert und abgerufen werden können. 6 Quellenangaben Amberg et al. 2004: Amberg, Michael; Remus, Ulrich; Böhn, Martin (2004): Entwicklung von Unternehmensportalen. In: WISU (2005) 4, S Barney 2002: Barney, Jay (2002): Gaining and sustaining competitive advantage. Prentice Hall, Upper Saddle River Bauer 2001: Bauer, Herbert (2001): Unternehmensportale Geschäftsmodelle, Design, Technologien. Galileo Press, Bonn Bocij et al. 1999: Bocij, Paul; Chaffey, Dave; Greasley, Andrew; Hickie, Simon (1999): Business Information Systems Technology, Development and Management. Pearson Education, Harlow (England) Bullinger et al. 2004: Bullinger, Hans-Jörg; Eberhardt, Claus-T.; Gurzki, Thorsten; Hinderer, Henning (2002): Marktübersicht Portal Software für Business-, Enterprise-Portale und E-Collaboration. Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und organisation IAO, Stuttgart Burghardt 2004: Burghardt, Markus (2004): Web Services. Aspekte von Sicherheit, Transaktionalität, Abrechnung und Workflow. Deutscher Universitätsverlag, Wiesbaden Collins 2001: Collins, Heidi (2001): Corporate Portals: Revolutionizing Information Access to Increase Productivity and Drive the Bottom Line. Amacom, New York Eschenbach/Kunesch 1996: Eschenbach, Rolf; Kunesch, Hermann (1996): Strategische Konzepte. Management-Ansätze von Ansoff bis Ulrich. Schaffer-Poeschel Verlag. Stuttgart S

14 6 Quellenangaben 9 Gurage 2002: Gurage, Anura (2002): Corporate Portals Empowered with XML and Web Services. Butterworth-Heinemann, Newton Habann 1999: Habann, Frank (1999): Kernressourcenmanagement in Medienunternehmen. Josef Eul Verlag, Lohmar Kaspar/Burghardt/Schumann 2003: Kaspar, Christian; Burghardt, Markus; Schumann, Matthias (2003): Konzept einer problemgerechten Informationsbedarfsdeckung im Rahmen wissensbezogener Portalstrategien. In: Reimer, U., Abecker, A., Staab, S., Stumme, G. (Hrsg.): WM 2003: Professionelles Wissensmanagement Erfahrungen und Visionen. Luzern 2003, S Koschek 2004: Koschek, Holger (2004): Porta(be)l: Portlet Spezifikation harmonisiert Portale. In: ix Nr. 9/2004, S Mertens/Griese 2002: Mertens, Peter; Griese, Joachim (2002): Integrierte Informationsverarbeitung. Band 2: Planungs- und Kontrollsysteme in der Industrie. Gabler Verlag, Wiesbaden Ovum 1999: Enterprise Portals: New Strategies for Information Delivery. Market Research Report, bin/showpage.asp?doc=/research/eip/pricing/default.htm Polanyi 1958: Polanyi, Michael (1958): Personal knowledge: towards a post-critical philosophy. The University of Chicago Press, Chicago Plumtree 2005: The Corporate Portal Market in 2005: Portals, Composite Applications and Integrated Activity Management. Plumtree White Paper Puschmann 1993: Puschmann, T. (2003): Collaboration Portale - Architektur, Integration, Umsetzung und Beispiele. Dissertation der Universität St. Gallen, Difo-Druck, Bamberg Sandkuhl 2004: Sandkuhl, Kurt (2005): Wissensportale. Merkmale, Architekturen und Perspektiven. In: Informatik Spektrum (2005) 6, S Schmaltz 2005: Schmaltz, Robert (2005): IT-Unterstützung für das Wissensmanagement in Kooperationen. Universitätsverlag Göttingen, Göttingen Schumann 1992: Schumann, Matthias (1992): Betriebliche Nutzeffekte und Strategiebeiträge der großintegrierten informationsverarbeitung. Springer Verlag, Berlin Shilakes/Tylman 1998: Shilakes, Christopher; Tylman, Julie (1998): Enterprise Informations Portals: Move Over Yahoo!; the Enterprise Information Portal Is on Its Way. Merrill Lynch Industry Report. Elektronisch veröffentlicht: Voß 2001: Voß, Stefan; Gutenschwager, Kai (2001): Informationsmanagement. Springer Verlag, Berlin 2001.

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