Ökonomie der Radiologie- Sicht der Ökonomie

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1 Ökonomie der Radiologie- Sicht der Ökonomie Radiologie in Klinik und Praxis VII -Ökonomische Strategien im Gesundheitswesen, 31. Mai 2013 Hamburg, 94. Dt. Röntgenkongress 2013 Jürgen Zerth Wilhelm Löhe Hochschule, Fürth International Dialog College and Research Institute (IDC)

2 I. Herausforderung Medizin-Technik II. Ökonomie der Radiologie III. Gesundheitswirtschaft: Verändertes Diagnose-Management 2

3 I. Herausforderung Medizin-Technik II. Ökonomie der Radiologie III. Gesundheitswirtschaft: Verändertes Diagnose-Management 3

4 I. Herausforderung Medizin-Technik Rektangularisierung der Alterskurve: Gesundheitspolitische Frage lautet: was treibt die Gesundheitsausgaben? Quelle c. f. Zweifel

5 Möglichkeitenraum Technik Technologie Bildgebende Verfahren Neue Werkstoffe Telemedizin Tissue-Engineering Genforschung Ausprägungen und Anwendungen Röntgen, Computertomographie, PET; PET/CT Biologisch abbaubare Implantate, biokompatible Materialien Telemedizinische Anwendungen, elektronische Patientenakte Extrakorporale Züchtung von Zellen und Gewebe Entwicklung von Biochips auf DNA-und Proteinbasis 5

6 Röntgenuntersuchungen im internationalen Vergleich: Bildgebende Verfahren je 1000 Einwohner 2008/2009 Fragen: Substitutionspotenzi al von MRT zu Röntgen/CT -Zugang zu radiologischen Leistungen Bildgebende Verfahren je 1000 Einwohner 2008/2009 Quelle: OECD Health Data

7 Zur Rolle des Gesundheitssystems Zur Effizienzbetrachtung von Medizintechnik Medizininnovation: ein Beispiel der Ambivalenz (1) Rationalisierungspotenzial und Rationalisierungsreserve Qualität Kostensenker Ausgaben (a) Mit gegebenen Ausgaben kann ein höheres Q-Niveau erreicht werden! (b) Das gegebene Q-Niveau kann mit niedrigeren Ausgaben erreicht werden! 7

8 Zur Rolle des Gesundheitssystems Zur Effizienzbetrachtung von Medizintechnik (2) Medizin-Innovationen Diagnose und Therapie zusätzliche Indikationen Qualität Lebensqualität und Lebensjahre Kosten Kostentreiber Kosten (Restlebenszeit) 8

9 Trends im Wachstumsmarkt Gesundheit Bei fortbestehenden Trends wird bis zum Jahr 2020 der deutsche Gesundheitsmarkt voraussichtlich um 80 % auf 540 Mrd. und einen BIP-Anteil von 17 % wachsen Bewusstsein für Gesundheit Med-tech. Fortschritt Demografie Lohnfortzahlung & Verwaltung Total Quelle: eigene Berechnung in Anlehnung an Kartte, J., Innovation und Wachstum im Gesundheitswesen, Roland Berger,

10 I. Herausforderung Medizin-Technik II. Ökonomie der Radiologie III. Gesundheitswirtschaft: Verändertes Diagnose-Management 10

11 II. Ökonomie der Radiologie Herausforderung durch den wachsenden Möglichkeitenraum 2009: ca. 5,15 Mrd. für Radiologie Freier Gesundheitsmarkt Mrd. Medizinisch sinnvoll Machbares 1,0 1,2 Bill. 8-10% p.a. GKV ca. 181,6 Mrd.* (2012) 1,15 % 1,15 % 8-10% p.a. BSP: 2,4 Bill. Gesundheitsmarkt 2012 insgesamt: Mrd. (14% - 16 % des BSP) *Quelle: Schätzung, Bundesversicherungsamt

12 Möglichkeiten: ökonomische Konsequenzen für Radiologie Behandlungskosten Screeningkosten Indirekte Kosten Verfügbare Behandlung Psychische Belastung Interdependenz zu Verwandten Krankheitseintrittswahrscheinlichkeit 12

13 Welche Kosten-Nutzen-Relation ist akzeptabel? Beispiel Protonentherapie: Krebspatienten Ca bis Personen effektiv ca /Fall bei Zielgröße II Kostendifferenz A I Intervention ist medizinisch unterlegen und kostspieliger - Intervention ist medizinisch unterlegen und kostengünstiger 0 α Intervention ist medizinisch überlegen und kostspieliger Ergebnisdifferenz Intervention ist medizinisch überlegen und kostengünstiger III - IV 13

14 Beispiel Effizienz von Screenings: Notwendige Bedingung Krank Gesund Test positiv Echt positiv = Krank und positives Testergebnis Falsch positiv = Nicht krank, aber positives Testergebnis Test negativ Falsch negativ = Krank, aber negatives Testergebnis Echt negativ = Nicht krank, aber negatives Testergebnis 14

15 Beispiel Effizienz von Screenings: Hinreichende Bedingung Inzidenz einer Erkrankung (z. B. Colon-Ca): 50/ Spezifität: 90% bei ungezieltem Screening-Einsatz ca falsch-positive Fälle zu erwarten Sensitivität: 90% 45 richtig-positive werden diagnostiziert Kosten pro Screening: 125 Euro Gesucht: Kosten/pro richtig positiven Fall Pro richtig-positiven Fall muss die Gesellschaft x Euro investieren? 15

16 Formel von Bayes als epidemiologische Basisformel , / ) / ( Costs/ 0, ) / ( 50 /100000) (1 0,9) (1 50 / ,9 0,9 50 / ) / ( = = = = T K p T K p T K p 16 ) ( ) / ( ) ( ) / ( ) ( ) / ( ) / ( = K p K T p K p K T p K p K T p T K p Beispiel Effizienz von Screenings: Hinreichende Bedingungen sind relevant, z. B. Relevanz der Umsetzbarkeit

17 Beispiele zur Legitimationsfrage: Übersichtsarbeit von Buck et. al. 2010; Meta- Analyse von Müller et. al Colorectales Ca: Studien von Gamphir et. al. (1996) and Lejeune (2005) zeigen respectable ICER-Werte von ca /LYS Malignes Lymphom Studie von Hoh et. al. zeigen Erhöhung der diagnostischen Effektivität Anwendungsspektrum der PET-Technologie im Bereich der Onkologie sehr heterogen Kosteneffektivität abhängig von Vortestwahrscheinlichkeit Im Intervall von [0,1;0,7] ist additiver PET-Einsatz vorteilhaft im Vergleich zur konservativen Methode 17

18 Medizinproduktion heute: auf dem Weg zur Fallorientierung Clinical Pathway ( Routenplanerphilosphie ) Konsistent, gewisse Vorhersage, Qualitätsstandard, u. U. kosteneffektiv Jedoch: wie hoch ist die Evidenzbasierung, wie flexibel ist ein derartiges Konstrukt (personalisierte Medizin?): Quelle: in Anlehnung an Colaert

19 Medizinproduktion morgen: Personalisierte Medizin Personalisierte Medizin als GPS-Straegie Stufenweise Entscheidung mit kontinuierlichen Feedback! Flexibel auf multiple Herausforlderungen (klinische Daten, medizinisches Wissen, Vergütungsansätze) Welche Krankheitsfelder sind schon beherrschbar? Quelle: in Anlehnung an Colaert

20 Medizinproduktion morgen: Personalisierte Medizin Disease Burden Low Risk Participating Population? Late Chronik Early Chronik High Risk Costs/1/reversibility Time Lifestyle Risk Modification Disease Management 20

21 Personalisierte Medizin: volkswirtschaftliche Effizienz ist offen! Diagnostikum GKV: Kosten zu behandelnde Patientenpopulation = Marktgröße gezielte Therapie: Effektivität Effizienz Sicherheit GKV: Kosten höhere Preise Compliance Absatz GKV: Kosten Quelle: Oberender

22 Wie lässt sich der med. Fortschritt finanzieren? Kostenträger Interne/Externe Risikoteilung Staat GKV Versicherungen KH, Industrie, Haushalte Steuern Beiträge Prämien Prices, deductibles Standard: Wettbewerbsgedanke Breite Breite Form Quelle: eigene Darstellung Form 22

23 Zwischenfazit Medizin-Technik ist wesentlicher Treiber des Möglichkeitenraums Gesundheitswesen Ökonomie der Radiologie bedeutet die Effizienz gemessen etwa an Kosten pro richtig-positiven Fall zu optimieren Personalisierte Medizin erhöht das Diagnostikversprechen und verschärft die Kosten-Nutzen-Legitimation Die Frage der Innovationsimplementierung ist Schlüsselfrage künftiger Gesundheitsreformen 23

24 I. Herausforderung Medizin-Technik II. Ökonomie der Radiologie III. Gesundheitswirtschaft: Verändertes Diagnose-Management 24

25 III. Gesundheitswirtschaft: Verändertes Diagnose-Management als Aufgabe Effizienzprobleme Erlöslage, suboptimale Betriebsgröße Kooperationsmodelle mit Kliniken und Kollegen Zukunft doppelte Facharztschiene? Herausforderung Niedergelassene Radiologen Zunehmender Investitionsbedarf (amb. Operationen) Zukunft der Vergütung Querfinanzierung Steigende Patientenansprüche Wie werden (nicht budgetierte) Erlösquellen erschlossen? Wie werden bestehende Patientenströme gesichert? 25

26 Verändertes Diagnose-Management im Kontext der Versorgungskette Aufwand, Versorgungsbedarf Zuhause HA Integrierte Versorgung FA Ambulante LE Spezialfachärztliche Versorgung Hochschul ambulanz teilstationär vollstationär Niedergelassener Krankenhaus I Bereich Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Schulte 2007, S. 520 Krankenhaus II 26

27 Totale Durchschnittskosten (TDK) Prozessorientierung statt Sektorentrennung Kooperationen fördern die Effizienz der Mittelverwendung im Gesundheitswesen Skaleneffekte Menge Mortalitätsrisiko (Index) High Volume Hospital Aortenaneurysma CABG 64% 42% 39% Low Volume Hospital Kinderherzchirurgie Qualitätseffekte Resultat: Industrialisierung der Versorgung durch Verzahnung Quelle: JAMA. 2000;283:

28 Prozessorientierung statt Sektorentrennung Kooperationen fördern die Effizienz der Mittelverwendung im Gesundheitswesen Externe Standards (leitliniengestützt) Zertifizierung Delegation Prozessorientierung und Standardisierung Clinical Pathways Organisatorische Standards Konvergenz bei der Innovationsimplementierung (Verbots-/Erlaubnisvorbehalt) Gate-Keeping-Systeme 28

29 Radiologie als Beförderer der patientenorientierten Wertschöpfungskette Patientenorientierter Informationsfluss Niedergel. Radiologe Krankenhaus Reha Haus arzt SONSTIGE 29

30 Patientenorientierte Steuerung Nutzen (Vorteile) Vermeidung und Optimierung von Interventionen (OP ) Verkürzung von Krankheit, Fehlzeiten, Krankenhausverweildauer Vermeidung von Doppeluntersuchungen Qalys (Lebensdauer und qualität) Kosten (Nachteile) Untersuchungskosten Strahlenrisiko Untersuchungsrisiko Kosten für Folgeuntersuchungen 30

31 Herausforderung E-health Tele Health Remote Patient Management Ambient Assisted Living Tele-Konsulatation -Tele-Radiologie -Tele-Screening Tele Monitoring Vitalparameter TeleCare -Hilferuf -Servicezentrale Fokus Leistungserbringer- Leistungserbringer (Arzt-Arzt) Fokus Leistungserbringer- Patient (Arzt-Patient) Fokus Sozialer Dienstleister- Patient/Kunde (Pflege/Soziales) Quelle: Eigene Darstellung nach Baer

32 Erfolgsfaktoren Telemedizin : ein Versuch Funktionierende Technik Adäquate Zielgruppe: Indikation Ganzheitlicher Betreuungsansatz Therapiemanagement als Ziel Anmerkung -hohe Usability -Nahtlose Verbindung -Standardisierte Schnittstellen -Definition der Interventionspopulation anhand nachgewiesener Nutzenvorteile -Nahtlose Integration telemedizinischer Intervention in optimierte, lokale, Betreuungsprozesse -Leitlinienkonforme, klinische Inhalte im Match mit passender Versorgungslogik -Orientierung an Versorgungs- und Gebrauchsnutzen des Patienten -Service- und Organisationskonzept als Hebel Auswirkung -Skalierbarkeit -Vertrauen -Basis für Größenvorteile -Maximierung klinischer und ökonomischer (indikationsbezogener) Vorteile -Produktivitätssteigerung für das medizinische Fachpersonal -Hohe Motivation der Patienten ( engagement ) -Wissenserweiterung und Verhaltensänderung Quelle: eigene Darstellung auf Grundlage von Baer

33 Synthese: Innovative Diagnostik als Schlüssel einer effizienteren Gesundheitsversorgung Medizintechnik muss dabei dem Legitimationsdruck standhalten Wachstumsperspektiven Standardisierung innerhalb von Gesundheitsverbünden Fallmanagement der radiologischen Leistungen: Erfolgsfaktor Wissensmanagement Erlösoptimierung im stetigen Wechselspiel zwischen Größe und (möglicher) Preisdifferenzierung in den Gesundheitsmärkten Wachstumstreiber Diagnostik : Rolle der personalisierten Medizin?! 33

34 Kontakt Prof. Dr. Jürgen Zerth WILHELM LÖHE HOCHSCHULE FÜR ANGEWANDTE WISSENSCHAFTEN International Dialog College and Research Institute Merkurstraße 41/Südstadtpark Fürth Telefon

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