Auferstehung der Toten und ewiges Leben

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1 1 Auferstehung der Toten und ewiges Leben Zum Jahr des Glaubens IX Das Jahr des Glaubens lädt uns ein, den Glauben von neuem zu entdecken und zu leben als lebendige Beziehung zu Gott, als persönliche Freundschaft mit Jesus Christus. Der Glaube als Freundschaft schliesst auch das neue Nachdenken über die Inhalte des Glaubens ein. In diesem Sinn wollen wir im Monat November nachdenken über unsere Hoffnung auf die Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Urmenschliche Erwartungen Es gibt im Leben der Menschen und der Menschheit so etwas wie eine Urhoffnung auf Leben über den Tod hinaus, die Hoffnung, dass mit dem Tod nicht einfach alles aus sein kann. Die Antworten auf diese urmenschlichen Erwartungen sind sehr unterschiedlich. Die christliche Antwort lautet: Auferstehung der Toten und ewiges Leben. Weil in dieser christlichen Hoffnung auch die Leiblichkeit des Menschen mit gemeint und eingeschlossen ist, stösst sie von Anfang an bis heute auf viel Unverständnis und Widerspruch und wird auch in der heutigen Verkündigung wenig oder nur leise vorgetragen. Schon Paulus erntete in Athen nur Spott, als er von der Auferstehung sprach (vgl. Apg 17,34). Im Hellenismus glaubte man an ein Weiterleben nach dem Tod im Sinne einer Unsterblichkeit der Seele. Weil man heute auch Mühe hat mit der Vorstellung einer unsterblichen Seele und weil man die Auferstehung des Fleisches auch nicht recht glauben will oder sie nicht richtig versteht, kommt es wohl, dass heute auch im Westen, auch unter Christen so viele an die Reinkarnation glauben (laut Umfrage 40%). Die christliche Hoffnung lautet "Auferstehung der Toten und ewiges Leben" und meint damit das Weiterleben des ganzen Menschen aus Leib und Seele, nicht nur eines Teiles oder eines geistigen Prinzips des Menschen. Der ganze Mensch wird ins ewige Leben eingehen. Der Grund unserer Hoffnung Wenn wir auf Auferstehung und ewiges Leben hoffen, ist da nicht einfach der Wunsch der Vater des Gedankens? Oder anders gefragt: Wie kamen die Menschen, konkret die Israeliten, dann die Apostel und ersten Christen, zu diesem Glauben und dieser Hoffnung? Wenn man dieser Frage im Alten Testament nachgeht, zeigt sich, dass die Auferstehungshoffnung eine lange Entwicklung durchläuft. Dieses lange Ringen, dem wir hier nicht nachgehen können, bedeutet aber nicht, dass die Hoffnung auf Auferstehung ein späterer Zusatz zum biblischen Jahwe-Glauben wäre; die biblische Auferstehungshoffnung geht vielmehr aus der innersten Mitte des Jahwe-Glaubens hervor, nämlich auf der Überzeugung, dass Jahwe selber das Leben und der Gott der Lebenden ist und dass die Macht des einen, allmächtigen Gottes nicht an der Schranke des Todes enden kann.

2 2 Das zeigt sich denn auch in der Argumentation Jesu gegenüber den Sadduzäern, die nicht an die Auferstehung glaubten. Mit der frei erfundenen Geschichte von der Frau, die sieben Männer hatte, wollten sie den Glauben an die Auferstehung lächerlich machen; wem soll dann die Frau im Himmel gehören, wenn alle auferstanden sind? Mit dem Hinweis, dass im Himmel nicht mehr geheiratet wird, macht Jesus zunächst klar, dass das kommende Leben in der Herrlichkeit Gottes unvorstellbar anders sein wird. Die Tatsache aber, dass es die Auferstehung wirklich gibt, begründet Jesus auch aus Israels Glauben heraus, dass Jahwe der Gott des Lebens und der Lebenden ist; Er ist nicht der Gott der Toten. Beim brennenden Dornbusch nennt dieser Gott sich selber Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Diese gehören also zum Namen Gottes. Und nun ist die Logik Jesu folgende: Wenn Abraham, Isaak und Jakob so sehr zu Gott gehören, dass Gott sich nach ihnen benennt, Gott aber wesentlich ein Gott der Lebenden und nicht der Toten ist, dann müssen auch Abraham, Isaak und Jakob über ihren Tod hinaus leben. Also gibt es Auferstehung und ewiges Leben eben und nur in der Gemeinschaft mit Gott (vgl. Mk 12,18-27). Das Faktum: Jesus ist auferstanden Jesus hat also die in Israel errungene Einsicht und Hoffnung geteilt und in seine Botschaft aufgenommen. Dazu kommt aber etwas Neues: Er hat diese Hoffnung ganz an seine Person gebunden. Bevor Jesus Lazarus aus dem Grab herausruft, sagt er zu dessen Schwester Martha: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt (Joh 11,25). Auferstehung und ewiges Leben gibt es nur im Glauben an Ihn und in der Gemeinschaft mit Ihm. Denn wer Gemeinschaft mit ihm hat, steht in der Gemeinschaft mit Gott selber, dem Gott des Lebens und der Lebenden. Was aber im jahrhundertelangen betenden Ringen Israels allmählich als Hoffnung erkannt wurde und was dann Jesus in seiner Botschaft verheißen und in seinen Zeichen angekündigt und ganz an seine Person gebunden hat diese Hoffnung, die aus der Mitte des Glaubens hervorgeht, ist schliesslich in einem neuen Faktum besiegelt worden: Jesus, der am Kreuz gestorben ist, ist vom Tod auferweckt worden. In seiner Auferstehung hat die Hoffnung auf ewiges Leben ein neues, geschichtliches Fundament bekommen. Augustinus sagt dazu: Christus verwirklichte, was für uns noch Hoffnung ist. Was wir erhoffen, sehen wir nicht. Aber wir sind der Leib jenes Hauptes, an dem Wirklichkeit wurde, was wir erwarten. Die Auferstehung des Fleisches Die biblisch-christliche Hoffnung geht also aus der Mitte des Glaubens selber hervor und ist in der Auferstehung Christi bestätigt und verwirklicht worden. Was unsere künftige Auferstehung sein wird, finden wir bereits im auferstandenen Christus. Wie bereits oben angetönt, erwartet aber die christliche Hoffnung die Auferstehung des ganzen Menschen und nicht nur die Unsterblichkeit der Seele oder das Weiterleben eines geistigen Prinzips. Es geht nicht nur um ein Fortleben nach dem Tod, das man für die Seele erwartet, sondern um die Auferstehung auch des Leibes, so dass das Grab Jesu wirklich leer war.

3 3 Wie aber kann das geschehen? Wie soll man das verstehen? Wahrscheinlich gibt es deshalb so viele Schwierigkeiten mit dem Glauben an die wirkliche Auferstehung, weil dieses Geschehen so schwer vorstellbar ist, aber auch, weil wir hier an die Grenze unseres Sprechens kommen. Was die Bibel darüber sagt, sind keine vorwegnehmenden Reportagen, sondern Bilder und Gleichnisse, die die Tatsächlichkeit des kommenden Lebens festhalten und angesichts der kommenden Welt Trost und Zuversicht zusprechen und zu Umkehr und Glauben aufrufen wollen. Trotzdem kann über das 'Wie' eine gewisse Antwort gegeben werden im Blick auf den auferstandenen Christus. Neue, verwandelte Leiblichkeit Der Leib wird verwandelt in eine ganz neue Gestalt. Wir dürfen also nicht meinen, bei der Auferstehung der Toten würden wir wieder dieselbe Materie, dieselben Knochen und dasselbe Fleisch annehmen wie jetzt. Auch der auferstandene Christus erscheint in einer verwandelten, vergeistigten Leiblichkeit. Aber Er hat wirklich einen Leib, so dass Er seine Wunden zeigen kann und die Jünger Ihn berühren können. Wir dürfen also die Vergeistigung nicht rein spiritualistisch verstehen, als würde mit dem Leib doch nichts geschehen. Um die Verwandlung des Leibes zu erklären, greift Paulus einen Vergleich aus der Natur auf und schreibt in 1 Kor 15, : Nun könnte einer fragen: Wie werden die Toten auferweckt? Was für einen Leib werden sie haben? Was für eine törichte Frage! Auch das, was Du säst, wird nicht lebendig, wenn es nicht stirbt. Und was du säst, hat noch nicht die Gestalt, die entstehen wird; es ist nur ein nacktes Samenkorn... Was gesät wird, ist verweslich, was auferweckt wird, unverweslich... Die Toten werden zur Unvergänglichkeit auferweckt... Denn dieses Vergängliche muss sich mit Unvergänglichkeit bekleiden und dieses Sterbliche mit Unsterblichkeit Im Sinne des Apostels könnte hier auch noch der Vergleich Raupe - Schmetterling beigefügt werden. Paulus will in diesem Vergleich die Identität des Wesens und zugleich die radikale Umgestaltung zum Ausdruck bringen, die in der Auferstehung der Toten geschieht. Das nackte Samenkorn oder die hässliche Raupe steht in keinem Vergleich zur prächtigen Sonnenblume und zum flatternden Schmetterling, und doch ist es dasselbe Wesen. So ist es mit der Auferstehung. Unser jetziger Leib steht in keinem Vergleich zur vergeistigten Leiblichkeit des auferstandenen Menschen, und doch ist der auferstandene Mensch derselbe, der in dieser Welt und im irdischen Leib gelebt hat. Das neue ewige Leben ist zwar ganz anders als das irdische Leben, und doch ist es die Erfüllung und Verwandlung und Vollendung dieses Lebens, das hier auf Erden beginnt. Verwandelt und vollendet wird, was im irdischen Leben wie ein Samenkorn in die Erde gelegt wird. Vollendung des ganzen Menschen Damit zeigt sich auch, was mit der Auferstehung des Leibes gemeint ist und warum sie so sehr betont wird, obwohl doch nicht der irdische Körper wiederkehren wird. Leib meint in der Sprache der Bibel nicht bloss den Körper und das Materielle im Unterschied zur Seele. Die Seele ist sozusagen die Innenseite des Menschen, sein

4 4 Ich, seine Person. Der Leib ist die Aussenseite der Person und gibt die Möglichkeit, in der Welt zu leben, Beziehungen aufzunehmen, sich mitzuteilen. Auferstehung des ganzen Menschen auch des Leibes, nicht nur der Seele beinhaltet darum die Erwartung, dass der Mensch mit allem, was in seinem irdischen Leben positiv gewachsen und gereift ist, in die Verwandlung des Sterbens und des Todes hineingenommen und zur neuen Weise des neuen Lebens in der Gemeinschaft mit dem auferstandenen Christus gerufen wird. Nicht nur für einen Teil, nicht nur für ein geistiges Prinzip, sondern für den ganzen Menschen, für alles, was wir positiv wirken und erfahren, gibt es Sinn und Hoffnung, Zukunft und Vollendung. Vollendung der Gemeinschaft Wenn von der Auferstehung des Leibes gesprochen wird, ist ferner nicht nur die Vollendung des ganzen Individuums aus Leib und Seele gemeint, sondern mit dem Leib und der Leiblichkeit ist hier im Sinne der Heiligen Schrift auch der für die menschliche Person wesentliche Bezug zur Mitwelt und Umwelt gemeint. Zum Wesen des Menschen gehört die Beziehung zur menschlichen Gemeinschaft und zur Schöpfung und Geschichte. Die leibliche Auferstehung beinhaltet darum auch, dass der Bezug zu den andern Menschen und zur Welt in einer neuen und vollendeten Weise wiederhergestellt wird. Es geht bei der Auferstehung nicht nur um die individuelle Vollendung des einzelnen Menschen, sondern um die Vollendung aller Wirklichkeit: der ganzen Menschheit und der gesamten Schöpfung. Die Welt und ihre Geschichte wird am Ende der Zeit vom Geist Gottes erfüllt sein und verwandelt werden in den neuen Himmel und die neue Erde. Auferstehung Christi unsere Hoffnung Jesus Christus, der Auferstandene, der Erstgeborene der Toten, ist also der Grund unserer Hoffnung auf Auferstehung und ewiges Leben. Wenn dieser Osterglaube zum innersten Angelpunkt unseres Lebens wird, verändert sich damit auch das ganze irdische Dasein. Dann gewinnt auch unser jetziges Leben hier auf Erden an Gewicht und Verantwortung, aber auch an Leichtigkeit und Gelassenheit. An Gewicht und Verantwortung, weil in diesem Leben gewirkt, gehandelt, geliebt, erkämpft und gelitten werden muss, was einmal endgültig sein darf vor den Augen Gottes. Zugleich gewinnt unser Leben an Leichtigkeit und Gelassenheit, zum einen, weil wir nicht mehr jedem Angebot der Welt nachjagen müssen aus lauter Angst, wir könnten sonst etwas verpassen, zum andern, weil auch Leiden und Kreuz in einem anderen Licht erscheinen. Unser Leben hat einen Sinn und eine Zukunft über den Tod hinaus. Das ist der neue Grundwert des Lebens, der in der Auferstehung Christi für uns sichtbar wird. In diesem Glauben und in dieser Hoffnung dürfen wir feststehen in allem Auf und Ab des Lebens. In diesem Glauben und Hoffen brauchen wir nie aufzugeben oder zu resignieren, auch nicht in den Zusammenbrüchen und Enttäuschungen, die wir im Leben selber verschulden oder die uns zustossen. Der Glaube an die Auferstehung lässt uns schon jetzt immer wieder aufstehen und neu anfangen. Der Osterglaube und die

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