raubkunstfälschung Ein Beitrag von Prof. Dr. Raphaela Henze

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1 Liebe Leserinnen und Leser, it's gonna be awesome. Der Kulturnewsletter der HS Heilbronn, Campus Künzelsau geht in die fünfte Runde. Wir haben spannende Interviews geführt und interessante Themen aufgearbeitet. Das Redaktionsteam des ARTikel freut sich über nun fast 700 Abonnenten und wünscht viel Freude beim Lesen. Ihr -Team raubkunstfälschung Die Kunst der Fälschung? Monuments Men Wussten Sie etwas über Dynamic Pricing?... das Abonnement-System im Staatstheater Nürnberg?... Wein als Kulturgut?... Ihre eigene Kreativität? Wer ist eigentlich Die LUKE e.v.? Worum geht es eigentlich beim Literaturnobelpreis? Was ist sehenswert FRANKENFESTSPIELE Röttingen!... Afrika Festival! Kultur rund um die Welt Volunteer in einem Museum in Southhampton... über konflikttransformative Sozialund Kulturarbeit mit palästinensischen Flüchtlingen Neuerscheinungen... Kultur und Managment - eine Annäherung raubkunstfälschung Ein Beitrag von Prof. Dr. Raphaela Henze Die Themen Raubkunst und Kunstfälschung, die in den letzten Monaten und Jahren große mediale Aufmerksamkeit erregt haben, standen am Mittwoch, den 25. Juni 2014 im Mittelpunkt einer Veranstaltung an der Reinhold-Würth- Hochschule. Um das gesunde Halbwissen, das sich aus Zeitung- und Fernsehberichten speiste, zu fundieren, hatten die Bachelorstudierenden namhafte Referenten nach Künzelsau geladen. Neben dem ehemaligen Anwalt von Cornelius Gurlitt Dr. Hannes Hartung und der stellvertretenden Direktorin von Lost Art Dr. Andrea Baresel-Brand kamen auch der Galerist Dr. Johannes Nathan und die stellvertretende Direktorin der Kunsthalle Würth Dr. Beate Elsen-Schwedler an die Hochschule. Der als Schwabinger Kunstfund durch die Gazetten gejagte Fall Gurlitt und die Provenienzforschung spielten in den Referaten aber auch bei der anschließenden Diskussion eine gewichtige Rolle. Ebenso der Fall des selbsternannten Meisterfälschers Beltracchi aus dessen erfundener Sammlung Jägers auch zwei Werke an den Sammler Reinhold Würth verkauft worden sind. Dr. Hannes Hartung und Dr. Andrea Baresel-Brand begannen mit juristischen Standortbestimmungen und trugen zur Begriffsschärfung etwa der Unterscheidung von Raub- und Beutekunst sowie von entarteter Kunst bei. Auch wesentliche Informationen zur historischen Einordnung wurden gegeben. Besonders plastisch wurde dies in den Ausführungen von Dr. Johannes Nathan, der anhand der Geschichte seines Großvaters, der zur Zeit des Nationalsozialismus als jüdischer Galerist in München tätig war, sehr genau darlegen konnte, wie Menschen enteignet oder zum Verkauf ihrer Werke gezwungen wurden. Jüdische Kunsthändler wurden per Dekret ab 1935 systematisch aus dem Markt gedrängt und zur Aufgabe ihrer Geschäfte gezwungen. Für viele Kunstwerke be gannen dann wahre Odysseen, die die Provenienzforscher, Lost Art, aber auch Ausgabe Nr Juni 2014 Seite 1

2 zahlreiche Juristen in aller Welt bis zum heutigen Tag beschäftigen. Mit dem, auf sehr unterschiedlichen Motiven ruhenden Wunsch der Menschen Kunst zu besitzen, lässt sich gut verdienen. Ein Umstand, den der Fälscher Beltracchi zu seinem Vorteil (Schätzungen gehen von einem Gewinn von 16 Mio. aus) zu nutzen wusste. Frau Dr. Elsen-Schwedler machte deutlich, dass das Thema Fälschung aber wahrlich kein neues Phänomen ist, sondern so alt wie die Kunstgeschichte selbst. Auch für Experten ist es nicht einfach, Fälschungen auf Anhieb zu erkennen. Endgültige Klärung liefert meist eine naturwissenschaftliche Untersuchung des Gemäldes - etwa der Farbzusammensetzung. Erstaunlich ist nur, wie häufig der Kunstmarkt auf solche definitiven Klärungen verzichtet hat. Schwierige Fragen nach Recht und Moral und wie beide in Einklang zu bringen sind, tauchten im Rahmen der Podiumsdiskussion unweigerlich auf. Ist es moralisch, sich privat an Werken zu erfreuen, deren Herkunft zweifelhaft ist und die sehr wahrscheinlich das Eigentum anderer sind? Ist es in Ordnung, dass etwa betagte Holocaustüberlebende oder Erben von Menschen, die den Nationalsozialismus nicht überlebt haben, langwierig um Werke streiten oder sich ggf. gar vergleichen müssen? Warum hat der Kunstmarkt es Beltracchi derart leicht gemacht? Kann man Werke der klassischen Moderne überhaupt noch kaufen oder im Museum genießen und davon ausgehen das es sich um Originale handelt? Welche Interessen haben Galeristen, Auktionshäuser und Sammler überhaupt an der lückenlosen Aufklärung des Fälschungsskandals (die genaue Anzahl der Gemälde, die sich noch als vermeintliche Originale auf dem Markt befinden, will Beltracchi nicht verraten)? Welchen Wert hat das Original überhaupt noch? Mit Raubkunst und Kunstfälschung wurden zwei unterschiedliche, wenn auch beides virulente Themen behandelt. Beim ersten Thema, das durch den Hollywood Film Monuments Men in diesem Jahr nochmals befeuert wurde, geht es insbesondere um die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit und die Frage, ob die bestehende Gesetzeslage (etwa Verjährungsregelungen) den Umständen gerecht werden kann. Und wie beim zweiten Thema Kunstfälschung geht es natürlich auch um viel Geld. Am Beispiel des Fälschungsskandals konnten die Protagonisten und sehr eigenen Gesetzmäßigkeiten des Kunstmarktes aufgezeigt werden. Insgesamt eröffnete die Veranstaltung, die durch die WDR Dokumentation Der große Bluff wie man mit Kunst kassiert und ein von den Studierenden gestaltetes Rahmenprogramm abgerundet wurde, eine Vielzahl von spannenden Einblicken, die in dieser komprimierten Form und von derartig hochkarätigen Experten wirklich einzigartig und damit ein Original war. Ausgabe Nr Juni 2014 Seite 2

3 raubkunstfälschung... Die Kunst der Fälschung? Eine Filmbesprechung von Miriam Winter Der Deutsche Filmpreis 2014 in der Kategorie Dokumentarfilm ging an den Regisseur Arne Birkenstock für seinen Film Beltracchi - Die Kunst der Fälschung. Grund genug für den ARTikel, sich näher mit dem Film und der unglaublichen Geschichte um die Beltracchis zu befassen: Miriam Winter studiert im 6. Semester Betriebswirtschaft und Kultur-, Freizeit-, Sportmanagement an der Reinhold- Würth-Hochschule in Künzelsau. Wolfgang Beltracchi fälschte über 20 Jahre lang die Bilder großer Meister wie Max Ernst und Heinrich Campendonk. Er reproduzierte nicht nur verschollene Werke anhand von Fotos oder Skizzen, sondern nutzte auch geschickt die Lücken im Schaffen der Künstler und füllte sie mit neuen Werken aus, die er nach ihrem Stil auf alten Leinwänden und mit zeitgemäßen Farben selbst kreierte. Die Gemälde, die scheinbar aus der Sammlung von Ernst Jägers, dem Großvater von Beltracchis Frau Helene stammten, fanden auf dem Kunstmarkt reißenden Absatz und brachten der Familie geschätzte 20 bis 50 Millionen Euro ein. Als bei der Laboruntersuchung eines Gemäldes ein Weiß nachgewiesen wurde, das es zu dessen vorgegebenem Entstehungsdatum noch gar nicht gab, flog der Schwindel 2008 auf. Die Geschichte entpuppte sich als der größte Kunstfälschungsskandal des jungen 21. Jahrhunderts. Das Entsetzen war groß, der Kunstmarkt erschüttert. Warum hatte niemand Verdacht geschöpft? Oder wollten einige der Beteiligten das vielleicht überhaupt nicht? Arne Birkenstock zeigt die Geschichte um den Skandal aus dem Blickwinkel der Verbrecher selbst. Die beiden durchaus charismatischen Persönlichkeiten, Helene und Wolfgang Beltracchi plaudern aus dem Nähkästchen. Es wird erzählt, wie sie es schafften, die Fälschungen zu fertigen und diese auch ohne Probleme auf den Markt zu bringen. Sequenzen auf das Anwesen der Familie, in denen Wolfgang Beltracchi gerne noch einmal ausführlich das Vorgehen bei seinen Fälschungen vorführt, gepaart mit vielen Interviews, für die sogar die beiden Kinder der Beltracchis erstmals öffentlich zu sehen sind und berichten wie es ist, plötzlich zu erfahren, dass die eigenen Eltern Betrüger sind. Umrahmt werden die durchaus interessanten und aufschlussreichen Szenen von zahlreichen früheren Urlaubsfotos und Videos aus dem Privatfundus der Familie. Ein unbeschwertes Leben in Saus und Braus, ein bisschen Woodstock-Feeling, ein bisschen charmantes Gaunermärchen. Diesen sympathischen Eindruck hinterlässt der Film beim Zuschauer. Wer den Film ganz unvoreingenommen betrachtet, der wird sicherlich seinen Spaß daran haben, einem gut gelaunten Wolfgang Beltracchi dabei zuzusehen, wie er noch einmal haarklein erklärt und vorführt, wie einfach es war, alle Experten und Kunstsammler zum Narren zu halten. Ausgabe Nr Juni 2014 Seite 3

4 Die Menschen lieben Geschichten wie diese: in jedem von uns keimt manchmal der Wunsch auf, ein vogelfreies, unbekümmertes Leben zu führen; den Tag genießen und keine Regeln kennen. Komm wir bomben und durch s Leben und öffnen jede Tür, denn wir sind Bonny und Clyde!. Senator In der Realität geht es bei dieser Geschichte jedoch nicht um ein Kavaliersdelikt, sondern um eine echte Straftat. Als einzige Informationsquelle über diesen spannenden und sicherlich auch sehr komplexen Fall kann man diesen, zugegeben sehr aufschlussreichen und unterhaltsamen Film aber keinesfalls nutzen. Schon aus dem einfachen Grund, dass nicht über alle Beteiligten gleichermaßen berichtet wird. Denn die beteiligten Kunstsammler und Händler erscheinen nur am Rande. Beltracchi beschreibt sie als gierig. Der Markt habe es ihm sehr einfach gemacht. Denn wer in dieser Kette hat schon ein ernsthaftes Interesse daran, eine Fälschung auffliegen zu lassen? Der Experte, der ein sensationelles neues Gemälde begutachten darf und an einem Gutachten, das die Echtheit bestätigt sehr gut verdient? Der Auktionator, der eine beachtliche Provision kassiert? Der Käufer, der ein Vermögen für ein wertloses Bild ausgegeben hat und dieses nicht weiterverkaufen kann? Wer nicht nur einen guten Film genießen will, sondern sich weiterführend mit dem Thema Kunstfälschung beschäftigen möchte, sollte sich als Gegenpol zu Beltracchi- Die Kunst der Fälschung unbedingt Anke Rebberts Film Der große Bluff Wie man mit Kunst kassiert ansehen (online unter: watch?v=ghu2jfuos1u ). Hier wird mit einem anderen Blickwinkel auf den Fall Beltracchi und auch hinter die Kulissen des Kunstmarktes geschaut und über die Fehler berichtet, die letztendlich zu Beltracchis Erfolg als Kunstfälscher führten. Denn es gab viele Indizien, die an der Geschichte der Kunstsammlung und der Werke Zweifel hätten aufkommen lassen müssen. Die Überweisung des Versteigerungserlöses auf ein Konto nach Andorra, die Rückseiten der Gemälde, die mit vielen schlecht gefälschten Ausstellungslabeln versehen waren, die gefälschten Fotos, die als Provenienz dienen sollten, das junge Alter, in dem Ernst Jägers bereits riesige Summen für Kunstwerke ausgegeben haben soll, die verdächtigen Farben, die bei einem Gutachten sofort erkennbar gewesen wären Jedoch schien es bis dato nicht überall üblich gewesen zu sein, kritisch nachzufragen. Man verließ sich stattdessen blind auf Echtheitszertifikate ohne genaue naturwissenschaftliche Untersuchung. So dürfen wir gespannt sein, ob Kunstkenner und Käufer bei der Begutachtung von Gemälden in Zukunft misstrauischer zu Werke gehen. Denn schließlich sind ja noch viele Beltracchis, wie sicherlich auch andere Fälschungen im Umlauf. Und was ist er denn nun eigentlich, dieser Wolfgang Beltracchi? Ein Künstler? Ein Verbrecher? Ein Betrüger? Ein Genie? Diese Frage muss wahrscheinlich jeder für sich selbst beantworten. Ausgabe Nr Juni 2014 Seite 4

5 Filme zum Thema: Beltracchi Die Kunst der Fälschung von Arne Birkenstock läuft ist ab September 2014 als DVD erhältlich. Der große Bluff Wie man mit Kunst kassiert von Anke Rebbert im Internet verfügbar unter: Wolfgang Beltracchi mit seiner Frau Helene und Regisseur Arne Birkenstock bei der Filmpremiere von Die Kunst der Fälschung. Foto: dpa Literatur zum Thema: Rowohlt-Verlag (2014): Helene und Wolfgang Beltracchi: Selbstporträt Kiwi-Taschenbuch Verlag (2013): Stefan Koldehoff, Tobias Tim: Falsche Bilder Echtes Geld: Der Fälschercoup des Jahrhunderts - und wer alles daran verdiente Ausgabe Nr Juni 2014 Seite 5

6 raubkunstfälschung Monuments Men Eine Filmbesprechung von Hanna Walter Man kann Menschen einer ganzen Generation auslöschen, ihre Häuser niederbrennen, aber sie werden immer einen Weg zurück finden - Vernichtet man jedoch ihre Geschichte, ihre Errungenschaften, ist es als hätten sie nie existiert. Das will Hitler erreichen und genau dagegen kämpfen wir. Zitat Frank Stokes im Film Monuments Men Hanna Walter studiert im 6. Semester Betriebswirtschaft und Kultur-, Freizeit-, Sportmanagement an der Reinhold- Würth-Hochschule in Künzelsau. Rettung geraubter Bilder aus Schloss Neuschwanenstein. (c) U.S. National Archives and Records Administration Hintergrund Während des Zweiten Weltkriegs von plünderten Nationalsozialistische Organisationen Schlösser, Bibliotheken, Museen und Privatsammlungen in den von der Deutschen Wehrmacht besetzten Gebieten. Zum Teil sollten die erbeuteten Kunstgegenstände in einem geplanten Führermuseum in Linz ausgestellt und die geraubten Bibliotheken der Forschung und Lehre zugeführt werden, während andere Teile der Beutekunst zur Devisenbeschaffung auf dem internationalen Kunstmarkt angeboten wurden. Ein großer Teil gelangte in die Privatsammlung von Hermann Göring. Eine Gruppe von ungefähr 345 Frauen und Männern, die sogenannten Monuments Men, sahen in diesem Kunstraub der Nationalsozialisten eine erhebliche Bedrohung für die größten kulturellen und künstlerischen Errungenschaften Europas. Aus diesem Grund machten sie sich, zum Großteil freiwillig, auf den Weg an die Front um diese Kulturgegenstände aufzuspüren und an ihre Eigentümer zurück zu geben. Handlung des Films George Clooneys gleichnamiger Film Monuments Men Ungewöhnliche Helden beschäftigt sich mit der Heldentat dieser Frauen und Männer, die Millionen von Kunstgegenständen vor der Vernichtung gerettet haben. In der ersten Szene des Films kann der Kunstprofess or Frank Stokes (gespielt von George Clooney) den US-amerikanischen Präsidenten Roosevelt davon überzeugen, eine Sondereinheit der Alliierten zu gründen und diese zur Rettung von Kunstschätzen nach Europa zu schicken. Die fiktive siebenköpfige Gruppe, die von Stoke geleitet wird, besteht aus Museumsdirektoren, Kuratoren und Kunsthistoriker, sowie einem deutschstämmigen Soldaten, einem britischen und einem französischen Offizier. In Frankreich angekommen teilt sich die von Stoke zusammengestellte Gruppe direkt auf um verschiedene Einsätze durchzuführen. James Granger (Matt Damon) reist in das befreite Paris, um dort den Aufenthaltsort gestohlener Kunstwerke jüdischer Eigentümer zu ermitteln und diese zurückzugeben. Von Claire Simone (Cate Blanchett), einer französischen Museumsangestellten, versucht er Informationen über das Versteck der gestohlenen Werke zu bekommen. Da Claire jedoch befürchtet, dass die Amerikaner die Kunstgegenstände einbehalten, muss Granger zunächst ihr Misstrauen überwinden. Dass unbeabsichtigt wichtige Kunstschätze durch die kämpfenden Truppen zerstört werden, soll der Brite und Verbindungsoffizier Donald Jeffries (Hugh Bonneville) sicherstellen. Ausgabe Nr Juni 2014 Seite 6

7 In einer noch von Deutschen besetzten Stadt versucht er die berühmte Brügger Madonna, die in einer Kirche aufbewahrt wird, vor den Deutschen zu schützen. Als eine Anordnung Hitlers gefunden wird, setzt dies die Monuments Men unter Zeitdruck. In der Anordnung befiehlt Hitler mitunter die Vernichtung aller Kunstschätze, sollte Deutschland fallen oder er getötet werden. Matt Damon alias James Granger rettet Kunstwerke vor den Nazis. Gleichzeitig stoßen zwei weitere Truppenmitglieder, Privat Preston Savitz (Bob Balaban) und Walter Garfield (John Godmann), zufällig auf einen hohen deutschen Offizier und Nazi, der seine Wände mit Meisterwerken aus der Sammlung Rothschilds voll gehängt hat. Dort gelangen sie in den Besitz einer Karte, in welcher die Lagerplätze der vermissten Kunstschätze eingezeichnet sind. Laut dieser Kartebefinden sich die Kunstwerke zu großen Teilen in alten Bergwerken. Im Salzbergwerk von Altaussee kommt es zum Showdown. Im Wettlauf gegen die Zeit versucht die Truppe alle Kunstgegenstände zu bergen, bevor die russischen Soldaten die gesamte Region in Besitz nehmen oder die Nationalsozialisten der Anordnung Hitlers Folge leisten. Denn tatsächlich sieht deren Trophäenbrigade die Kunstwerke als ihre Beute an und will sie nach Russland schicken. Kommentar zum Film Der Film erzählt leichtfüßig und mit souveräner Gelassenheit die wahre Geschichte echter Helden, die Millionen bedeutender Kunst- und Kulturgüter davor bewahrt haben, zerstört oder von den Russen gestohlen zu werden. Trotz des ernsten Themas, ist der tragische Unterton der Geschichte nicht vordergründig, aber dennoch immer spürbar. Durch eine brillante Inszenierung und die hochkarätige Besetzung der Charaktere passender kann man ein Ensemble nicht zusammenstellen, entspricht er einem echten Hollywood Film. Da der Film in Kriegszeiten spielt, rundet die eingebaute moralische Frage ob Menschen für die Rettung von Kunstschätzen ihr Leben lassen sollen? die Geschichte passend ab. Einige Kritiker sehen das Problem darin, dass der Film vor allem auf Unterhaltung ausgelegt ist und die Geschichte nicht mit 100% Genauigkeit wiedergibt. So werden zum Beispiel einige Personen der ca. 345 originalen Monumente Men in eine einzelne Person verschmolzen und sogar umbenannt. Das der Film mehr unterrichten und unterhalten soll und das falscher Darstellungen gezeigt werden, seien dabei eindeutige Hinweise. Man müsse sich des halb die Frage stellen: Wie halten wir es mit der Vergangenheit? Lassen wir uns von den Zeitzeugen Geschichten erzählen oder forschen wir selbst? Was ist überhaupt wahr und was nicht? Besonders im Hinblick auf die aktuellen Vorfälle, wie die Entdeckung der Kunst bei Cornelius Gurlitt, sollten wir uns diese Fragestellungen wieder ins Gedächtnis rufen. Der Film dient dabei als eine gute Grundlage zu den Hintergründen der Monuments Men. Die Heldentaten der Monuments Men sind unermesslich wichtig für die Welt der Kunst und der Kultur. Monuments Men Ungewöhnliche Helden ist damit ein würdiges und filmisch eindrucksvolles Denkmal. Ausgabe Nr Juni 2014 Seite 7

8 Wussten Sie eigentlich etwas über Dynamic Pricing? Ein Beitrag von Tom Schößler Tom Schößler ist stellvertretender Leiter der Verwaltung im Theaterhaus Stuttgart. Das Musical Der König der Löwen ist ein Phänomen. Nicht nur, dass die Bühnenadaption des Disney-Films bereits seit 1997 auf den Spielplänen der Musicaltheater steht und bereits über Aufführungen allein am Broadway hinter sich hat. Das auch. Es ist aber mindestens genauso interessant, wie es die Produktion im 18. Jahr ihres Lebenszyklus geschafft hat, die umsatzstärkste Show am Broadway zu sein. Im Geschäftsjahr 2013, so berichtete die New York Times im März 2014 mit Zahlen des Branchenverbands The Broadway League, war The Lion King erstmals seit 2003 wieder Broadway s number one earner. Und das, obwohl man weder das größte Theater bespielt noch die höchsten Ticketpreise erhebt. Zudem spielt man gegen einen insgesamt rückläufigen Besuchertrend am Broadway an. Wie ist das Ergebnis also möglich? Die Antwort heißt: Dynamic Pricing. Dynamic Pricing hat fast jeder schon einmal erlebt. Am häufigsten wird es in der Flugindustrie verwendet. Wer heute einen Flug nach New York bucht, zahlt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit einen anderen Preis als der Sitznachbar, der vielleicht früher gebucht hat oder erst kurz vor dem Flug. Das Produkt ist prinzipiell das gleiche, aber der Zeitpunkt der Buchung hatte Einfluss auf den Preis. Mittlerweile haben Hotels und Restaurants, in den USA auch Sportstadien und neuerdings Kulturveranstalter das Instrument für sich entdeckt. Woher stammt das Dynamic Pricing? Um im Wettbewerb zu bestehen, der sich mit der Deregulierung des US-amerikanischen Luftverkehrs im Jahr 1978 deutlich verschärfte, schaffte American Airlines als eines der ersten Unternehmen erweiterte Analyse- und Prognosemöglichkeiten, optimierte seine Kapazitätssteuerung samt gezielter Überbuchung und nutze ausgeprägte Preisdifferenzierung als strategische Steuerungsinstrumente. Ausgehend von der zentralen Kennzahl Einnahmen je Passagierkilometer, dem sogenannten Yield, entstand der Begriff Yield Management, das bisweilen als Revenue Management, im Deutschen auch als Erlösmanagement bezeichnet wird. Dynamic Pricing hat sich daraus als eigenständiges Instrument entwickelt und sich als preisorientierte Form des Revenue Managements etabliert, die neben den klassischen mengenorientierten Instrumenten steht. Durch technische Weiterentwicklung ist es heute möglich, jeden einzelnen Platz im Flugzeug oder im Theater separat zu bepreisen, um die individuelle Zahlungsbereitschaft des Kunden abzuschöpfen. Die klassische dynamische Preisdifferenzierung wird im Kulturbetrieb teilweise schon genutzt. Samstagabende sind häufig teurer als Wochentage, Abendveranstaltungen sind teurer als Matineen, die Premiere ist teurer als die Folgevorstellungen, für Starsolisten lässt sich mehr erlösen als für die Zweitbesetzung usw. Besonders Opernhäuser verstehen es immer besser, derlei Kriterien für eine gezielte Einstufung in bestimmte Preiskategorien zu nutzen und die Einnahmen zu verbessern. In den genannten Fällen ist der Preisunterschied jedoch auch an Leistungsunterschiede geknüpft. Auch wenn alles andere gleich ist, bedient eine Aufführung am Ausgabe Nr Juni 2014 Seite 8

9 Samstagabend einen anderen Nutzen als an einem Montag. Es ist dadurch auch ein etwas anderes Produkt mit einer anderen Nachfrage. Beim Dynamic Pricing wird hingegen für ein und dieselbe Aufführung differenziert. Schon während des Vorverkaufs wird die momentane Nachfragedynamik kalkuliert und so die individuelle Zahlungsbereitschaft für jeden Platz ermittelt. Der Algorithmus kann so gesteuert werden, dass die Preis-Mengen-Kombination den Umsatz maximiert. So können am oberen Ende Zahlungsbereitschaften abgeschöpft und am unteren Ende preissensible Kunden trotzdem erreicht werden. Wichtigste Voraussetzung dafür ist eine eindeutig festgelegte und nicht erweiterbare Kapazität. Theater und Konzertveranstaltungen mit festen Sitzplätzen sind demnach geeignete Anwendungsfälle für Dynamic Pricing, für Ausstellungen und Museen bieten sich hingegen andere Instrumente an. Es bedarf der entsprechenden Software zur Anpassung der Preise, es darf keine Notwendigkeit geben, die Preise weit im Voraus zu fixieren und die Preissetzung für Angebote muss unabhängig voneinander möglich sein, das heißt es dürfen keine Verbundeffekte auftreten. Bei Flügen verhindert das sogenannte Fencing, dass preisunsensible Kunden die Preise der sensiblen Kunden nutzen, zum Beispiel müssen günstige Privatreisen ein Wochenende enthalten, was Geschäftsreisende ausschließen soll. Ist Dynamic Pricing auch für deutsche Theater geeignet? Bisher ist kein Theater in Deutschland bekannt, das Dynamic Pricing in dieser Form verwendet, nicht einmal die Musicals. Grundsätzlich sind die genannten Voraussetzungen aber gegeben. Einige britische und US-amerikanische Theater auch abseits des Broadways nutzen Dynamic Pricing bereits und berichten von bis zu zweistelligen Umsatzsteigerungen nach der Einführung. Doch auch dort wird das Thema heiß diskutiert, denn Wer einmal erlebt hat, dass der Sitznachbar im Flugzeug nach New York einen günstigeren Preis gezahlt hat, ohne dass irgendeine Produktdifferenzierung dahinter stünde, der kennt das Gefühl man fühlt sich irgendwie über den Tisch gezogen. Fluggesellschaften sind nicht gerade die beliebtesten Unternehmen und der Begriff Preisvertrauen ist keiner, den man zuerst mit ihnen in Verbindung bringt. Sie nutzen die Not des Konsumenten, eine (Geschäfts-)Reise antreten zu müssen aus, besonders wenn man sich kurzfristig entscheidet. Die Kunden haben sich daran gewöhnt: Wer clever ist, der findet den günstigsten Preis. Mit der Schnäppchenjagd nach Flügen, Hotels und Restaurants ist ein eigener Wirtschaftszweig entstanden. Sparfuchs zu sein gilt hierzulande als Tugend. Den Broadway-Theatern dürfte das alles wenig ausmachen. Die Gäste sind zu großen Teilen Touristen, eine überwiegend unterhaltungsorientierte Besuchsmotivation aufweisen, sind zeitlich eher unflexibel und gelten als wenig preissensibel. Wer nach New York reist (oder auch nach Hamburg), dort übernachtet, abends essen geht, vielleicht vorher noch zum Friseur und hinterher ein Königder-Löwen-Stofftier als Souvenir mit nach Hause nimmt, für den sind die Eintrittskarten nur ein Teil der gesamten Ausgaben, und zwar ein verhältnismäßig kleiner. Ausgabe Nr Juni 2014 Seite 9

10 Erlössteigerung vs. kulturpolitischer Auftrag? Beim typischen deutschen Stadttheater liegt die Sache etwas anders. Abgesehen davon, dass die Eintrittserlöse anders als am Broadway eine untergeordnete Rolle im Finanzierungsmix spielen, stehen anders als bei Fluggesellschaften Vertrauen, Verlässlichkeit und Fairness im Vordergrund. Auch liegt ein Unterschied darin, ob die Leistung Teil des Erlebnisses ist oder ein Mittel zum Zweck. Der Flug ist eine Notwendigkeit, um zum Urlaubsort oder zum Geschäftstermin zu gelangen, die Theatervorstellung hingegen ist das Erlebnis. Das öffentliche Theater ist explizit angebotsorientiert, hat einen Bildungs- und Versorgungsauftrag, leistet Kunstproduktion. Finanziell ist vielerorts der Gemeinderat für die Theaterpreise zuständig es gilt die Gebührenordnung. Die Preise werden im Spielzeitheft lange im Voraus veröffentlicht, auf sie soll man sich verlassen können. Die langfristige Planung besonders im Musiktheater geht mit behäbiger Nachfragereaktion einher. Der Repertoire-Spielplan ist schwieriger zu steuern als die En-Suite-Systeme der Musicals. In kleinen Städten ohne viele Touristen sind die Stammbesucher preisbewusster und können auf spätere Aufführungen ausweichen. Im Flugzeug mag man sich daran gewöhnt haben, aber den potenziellen Ärger an der Theaterkasse Warum hat der jetzt weniger gezahlt als ich? möchte man im Theater vermeiden, insbesondere im Hinblick auf die Abonnenten. Und grundsätzlich gilt: Nur wo Knappheit herrscht, sprich eine hohe Nachfrage, lässt sich Zahlungsbereitschaft abschöpfen, man kennt das z.b. von blitzartig ausverkauften Popkonzerten. Selbst wenn man das wollte nur in wenigen Theatern übersteigt die Nachfrage das Angebot. Vielerlei Gründe deuten also darauf hin, dass Dynamic Pricing im deutschen Veranstaltungsbetrieb, vor allem im öffentlichen Theater, keine Option ist. Auch die Musicaltheater werden wohl wissen, warum sie Dynamic Pricing hierzulande (noch) nicht eingeführt haben. Sollte jedoch die Entwicklung voranschreiten, dass die personalgetriebenen Kosten rapider steigen als die Zuwendungen und Zuschüsse, werden sich auch die öffentlich geförderten Betriebe stärker mit den Chancen und Risiken der Erlössteigerung beschäftigen müssen. Ausgabe Nr Juni 2014 Seite 10

11 Wussten Sie eigentlich etwas über das Abonnement-System im Staatstheater Nürnberg? Susanne Wissen im Interview mit Florian Richard Susanne Wissen ist seit 2008 Marketingleiterin am Staatstheater Nürnberg. Sie studierte Kunstgeschichte und Geschichte und absolvierte nach Abschluss des Studiums noch eine Weiterbildung zur Kulturmanagerin. Sie arbeitete als Presse und Marketingreferentin für verschiedene größere Ausstellungsprojekte und Theater. Das Staatstheater Nürnberg als großes Mehrspartenhaus (Musiktheater, Ballett, Schauspiel und Konzert) erfreut sich an einem immer größeren Besucheransturm. Der Metropolregion scheint IHR Staatstheater immer mehr zu gefallen das zeigen zumindest die steigenden Besucher- und Abonnentenzahlen des Staatstheaters. Ein Trend, wie er im deutschsprachigen Raum eigentlich nicht mehr geläufig ist. Ganz im Gegenteil. Viele Theater bemühen sich, die sinkende Abonnentenzahl so stabil wie möglich zu halten. Nicht mehr flexibel genug sei das verstaubte Theaterkartenplatzreservierungssystem (das jedoch trotzdem noch für viele Häuser eine große Relevanz hat). In Nürnberg ist von Staub jedoch keine Spur. Florian Richard traf sich mit der Marketingleiterin des Staatstheater Nürnberg, Susanne Wissen, um diesem ungewöhnlichen Trend nachzugehen. F.R.: Frau Wissen der Trend an den deutschen Theatern (und Opernhäusern) ist eigentlich klar erkennbar: Das Theater-Abo ist ein auslaufendes Modell, das immer weniger Nachfrage findet. Und nun ist das in Nürnberg anders. Am Staatstheater sind die meisten Abo-Kategorien ausverkauft und es sind sogar signifikante Zuwächse in verschiedenen Kategorien erkennbar. Wie kommt es, dass das Abonnement-System in Nürnberg funktioniert? Was braucht es für ein funktionierendes System? Zu allererst das entsprechende Publikum! Die Franken sind offensichtlich ein sehr treues Publikum, wie wir auch schon bei der Sanierung des Schauspielhauses bemerkt haben. Nur wenige Abonnenten haben in dieser Zeit eine Auszeit genommen und dem Theater die Treue gehalten. Eine weitere wichtige Basis unserer Arbeit war und ist ein wirksames Database-Marketing und die Analyse der vorhandenen Besucherstrukturen mit dem Intendantenwechsel So haben wir unter anderem festgestellt, dass bis zu 70 % der Besucher des Nürnberger Staatstheaters nur einmal im Jahr ins Haus kommen ein sehr großer Anteil. Der Fokus unseres Marketingkonzeptes lag zunächst einmal darauf, die Marke Staatstheater durch gezielte Imagestatt einzelner Produktionswerbung mit dem Slogan Für Jeden eine Bühne in der Stadt und der Metropolregion zu stärken. Ziel war es diese Einmal- oder Wenig -Besucher durch gezielte Ansprache und Anreize zu Mehrfachbesuchern des Theaters zu machen. Anhand der jeweiligen Kundenhistorie haben wir den Besuchern durch persönliche Mailings entsprechende Empfehlungen für Produktionen an die Hand gegeben. Dies sehen wir als Service gegenüber dem Besucher und so kommunizieren wir es auch. Die Angesprochenen haben jederzeit die Möglichkeit, diese Kontaktaufnahme zu beenden, indem sie sich bei uns melden und wir sie mit einem entsprechenden Merkmal versehen. In den Entwicklungen der letzten fünf Jahre konnten wir sehen, dass die Zahl Ausgabe Nr Juni 2014 Seite 11

12 der Mehrfachbesucher kontinuierlich gestiegen ist, die Zahl der Einmalbesucher liegt dabei weiterhin um die 70 %. Die Schlussfolgerung: Mit der Zufriedenheit des einzelnen Besuchers nimmt auch die Zahl der Theaterbesuche zu und über das Empfehlungsmarketing dieser Besucher generieren wir letztendlich auch Neukunden, die wir über reine Werbemaßnahmen nie in dieser Intensität hätten ansprechen können. F.R.: Und wie kommt man dann an neue Abonnenten? Indem man Besucher, die bereits sehr regelmäßig ins Staatstheater gehen, auch durch gezielte persönliche Ansprache auf die besonderen Vorteile des Abonnements hinweist und ihnen ein Abo nach ihren Interessen anbietet. Wir haben insgesamt 42 unterschiedliche Abonnements, zum Teil auf eine Sparte bezogen, aber auch spartenübergreifende Angebote. Gerade die gemischten Abos hatten in den letzten Jahren die größten Zuwächse. Der zweite und nicht weniger wichtige Faktor neben dem Database-Marketing ist und bleibt der Service. Nur wenn alles so kunden- und serviceorientiert wie möglich ausgerichtet ist, sind auch die Besucher zufrieden und empfehlen im besten Fall das Haus weiter. So kommt es bei uns nur äußerst selten vor, dass ein Theaterbesucher erst am Abend vor Ort über eine Vorstellungsänderung oder einen -Ausfall informiert wird - eigentlich nur, wenn dies tatsächlich sehr kurzfristig geschehen musste oder jemand anonym seine Karten gekauft und wir keine Kontaktdaten haben. Und haben Gäste einmal die Erfahrung gemacht, sind sie beim nächsten Mal gerne bereit ihre Kontaktdaten zu hinterlegen. Mittlerweile werden nur noch knapp 9 % unserer Karten an anonyme Kunden verkauft. Sei es im Kontakt mit dem Kassenpersonal, den Mitarbeiterinnen im Abonnementbüro oder dem Vorderhauspersonal am Abend, die Interessen des Theaterbesuchers stehen immer im Vordergrund. Dafür braucht es aber qualifiziertes und geschultes Personal in allen Bereichen, die sich auch mit dem Haus identifizieren und wissen, was sie verkaufen. Entsprechend muss man jedoch auch in den Servicebereich investieren da braucht es eine passende Bezahlung des Personals und entsprechende Schulungen. Investitionen, die sich meiner Meinung nach lohnen. Mit dem Service steht und fällt alles. Ein unzufriedener Kunde so heißt es oft zieht schließlich gleich 6 7 andere Leute mit. Und unseren Besuchern scheint unser allumfassender Service zu gefallen, wie sich an den Zahlen ablesen lässt. F.R.: Ehrlicherweise muss man jedoch auch sagen, dass das Staatstheater in der Metropolregion Nürnberg wegen nahezu fehlender relevanten Konkurrenz eine Art Monopolstellung hat. Das ist natürlich auch ein großer unterstützender Faktor, den nicht jede Stadt hat. Ist das vielleicht die Quintessenz? Eine gute Stellung in der Region hat das Haus, das stimmt. Ein Großteil unseres Publikums kommt mit knapp 90 % aus der Metropolregion, aber immerhin 10 % der Kartenverkäufe sind an überregionale Kunden, von München bis in den Norden Deutschlands. Ich würde jedoch nicht von fehlender relevanter Konkurrenz sprechen. Zwar ist es hier nicht vergleichbar mit dem Ruhrgebiet, wo es eine große Dichte an Theatern gibt, aber es gibt neben den Theatern in den direkten Ausgabe Nr Juni 2014 Seite 12

13 Nachbarstädten Fürth und Erlangen (Schauspiel) auch im Umkreis von ca. 100 km Mehrspartenhäuser in Bamberg, Würzburg, Coburg, Ingolstadt, und Regensburg. Das ist, denke ich, vergleichbar mit der Situation vieler anderer Theater in Deutschland. Die Quintessenz setzt sich meiner Meinung nach aus mehreren Faktoren zusammen. Das ist vor allem natürlich das künstlerische Programm und die Qualität, für die das hiesige Staatstheater stehen. Darüber hinaus arbeiten hier alle Abteilungen Hand in Hand, von der Intendanz, den Spartenleitern, dem Künstlerischen Betriebsbüro, der Dramaturgie über die Kommunikation, dem Vertrieb und dem Marketing. Denn nur wenn alle Abteilungen am Haus zusammenarbeiten, kann es funktionieren. Somit braucht man Professionalität an allen Fronten und eine gute Kommunikation am Haus. Dabei ist es jedoch auch wichtig, Dinge immer mal wieder in Frage zu stellen - was leider häufig nicht passiert. Ich möchte mich nie dabei ertappen zu sagen: Das funktioniert schon immer so!, oder wie der Franke sagen würde Des bassd scho! F.R.: Vielen Dank für das Gespräch! Ausgabe Nr Juni 2014 Seite 13

14 Wussten Sie eigentlich etwas über Wein als Kulturgut? Ein Beitrag von Dr. Hermann Kolesch Dr. Hermann Kolesch ist Vize-Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim, sowie Leiter der Abteilung Weinbau und Oenologie. Die Bedeutung des Weines als Kulturgut, sowie die Bedeutung der Kultur für den Wein sind in nahezu allen Hochkulturen der Menschheitsgeschichte bis heute gegenwärtig. Der Rebstock, die Traube und der Wein sind seit alters her in der Kunst und damit in der Kultur des Menschen dargestellt worden. Der Wein und seine Verbindung zur Mythologie, also zum Glauben der Menschen, ist in allen Kulturen zentraler Gegenstand der Darstellung wiederum in der Kunst. Immer geht es darin auch um die Darstellung eines Mysteriums, des Mysteriums Wein: den durch die Gärung ausgelösten Verwandlungsprozess von der Traube zum Wein. Aber auch die Veränderung des menschlichen Befindens nach dem Genuss von Wein. HUGH JOHNSON betont, dass es besonders die elementare Erfahrung des Weinrausches war, der zum Motor der abendländischen Kultur wurde. Nicht zuletzt hat der Wein die Landschaft wie keine andere landwirtschaftliche Kultur der Begriff Kultur leitet sich ja vom Lateinischen cultivare, also bebauen, ab, geformt und geprägt, so dass einige von Ihnen, wie das Duoro - Tal in Portugal oder der Weinbau am Mittelrhein sogar als UNESCO Weltkulturerbe gelten. In Franken selbst stehen einige der Jahrhunderte alten Terrassenweinberge unter Denkmalschutz. Somit trifft gerade für den Wein ohne Zweifel die Definition des Begriffs Kulturgut aus dem Duden zu: etwas, was als kultureller Wert Bestand hat und bewahrt werden muss. So reichen die kunstvollen Darstellungen des Themas Wein von der uns bekannten frühesten Darstellung des Weintrinkens auf der Standarte von Ur, ca Jahre alt (British Museum) das Weintrinken symbolisiert den Frieden, bis zur Objektkunst der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts eines JOSEPH BEUYS, der sich in seinem Frühwerk intensiv mit dem mythologischen Themenfeld von Christus, Dionysos und Apoll auseinandergesetzt hat und eine Weinflasche symbolisch zum Objekt der Verteidigung der Natur erklärt. Diese Entwicklung hat seine Fortsetzung bis in die heutige Zeit in Form der Videoinstallationen gefunden. Wein als besonderer Impulsgeber während der Jahrtausende ist aber nicht nur auf die künstlerische Entwicklung des Bildes beschränkt. Wer schreibt, trinkt auch! Große Werke der Weltliteratur haben wir dem Weingenuss zu verdanken. GOETHES Weinkonsum ist penibel festgehalten. Selbst in der islamischen Dichtung wird dem Wein als Symbol der Liebe, Freude und der Reinigung gehuldigt. Berühmt sind die Verse eines HAFIS von SCHIRAS ( ) Vierzehn Jahre zählt mein Schätzchen, zwei mein Rebenkind. Mir genügt es wenn Jung und Alt so beisammen sind. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Prophet Mohammed den Weingenuss schon 700 Jahre lang im Koran verbieten lassen! Mittlerweile ist der Wein mit seinen vielfältigen symbolischen Bedeutungen natürlich auch in der Literatur der Moderne vertreten. So lässt John Irving seine Protagonisten in seinem Roman Wittwe für ein Jahr sagen: Solange wir guten Wein, gutes Brot und guten Käse haben, werden wir immer auch ein gutes Gespräch haben. Zur Ver- Ausgabe Nr Juni 2014 Seite 14

15 vollständigung soll angemerkt werden, dass die Symbolkraft des Weines selbst in den Songtexten guter Popmusik bis heute Verwendung findet. (Bob Dylan, Alanis Morisette, u. v. a.) Eine neue Dimension der Thematisierung des Weins in zeitgemäßen künstlerischen Darstellungen dürfte mit dem amerikanischen Film SIDEWAYS erreicht worden sein. Hier wird die Symbolkraft des Weines, in diesem Fall zweier Rebsorten, für die Charakterisierung zweier unterschiedlicher Persönlichkeiten hinsichtlich ihrer Liebes-, Arbeits- und Genussfähigkeit eingesetzt. Immerhin war dieser Film für sechs Oscars nominiert. Wein und die Beschäftigung mit Wein ist längst fester Bestandteil einer modernen, zeitgemäßen Lebenskultur. Wein ist gepflegte Genusskultur. Kein anderes Genussmittel erschließt wie der Wein als Medium das kulturelle Leben, das gute Gespräch. Der passende Wein zum Essen, das richtige Weinglas, die erforderlichen Accessoires wie der Weinklimaschrank sind heute aus den Küchen nicht mehr wegzudenken. Ganze Kulturkreise, wie z.b. China und Indien, lernen derzeit intensiv den Umgang mit Wein. Das Wissen um Rebsorten, Weinregionen, die Herstellung und den Geschmack von Wein ist schlechthin zur kulturellen Kompetenz geworden. Gegenwärtig erleben wir eindrucksvoll, dass sich der Wein verstärkt einer Leitkultur des 21. Jahrhunderts bemächtigt: Der Architektur. Auch sie war und ist, wichtiger Bestandteil der Kunst und unseres künstlerischen Erbes. Seit jeher wurden Weingüter baulich kunstvoll umgesetzt. Von den romanischen Klosteranlagen, über die italienischen Renaissance-Paläste, den barocken fränkischen Gütern, den Chateaux in Bordeaux bis zu den postmodernen Weintempeln der neuen Welt reicht die architektonische Bandbreite. Hier, am Ort der Verwandlung, dem Werden des Weines, verschmelzen letztendlich Wein und Kultur zu einer Einheit. Nicht selten ist das Weingut, das Etikett eine Plattform für die Kunst. Ist ein großer Wein nicht auch ein kleines Kunstwerk? Wir Winzer verstehen unsere großen Weine als Kunstwerk. Sie bedürfen, wie die Kunst, uneingeschränkter Leidenschaft, der Kreativität, einer großen Portion Hartnäckigkeit, aber auch des Scheiterns. Nicht jedes Kunstwerk gelingt dem Künstler, nicht jeder Jahrgang gelingt dem Winzer! In beiden Fällen jedoch ist es der Wein, der, wie kein anderes Kulturgut unserer Zivilisation, uns die Kraft für neue Vorstellungen gibt. Gerade darin ist das Geheimnis des Weines begründet. Vergeblich klopft, wer ohne Wein ist, an der Musen Pforte (ARISTOTELES) Ausgabe Nr Juni 2014 Seite 15

16 Wussten Sie eigentlich etwas über Ihre eigene Kreativität? Ein Beitrag von Ann-Kathrin Stöppler Stellen Sie sich einmal einen Künstler vor. Was kommt Ihnen in den Sinn? Ein Maler, ein Musiker, eine Tänzerin? Menschen, die kreativ sind. Doch was bedeutet Kreativität? Welche Eigenschaften definieren einen Künstler? Könnte es sein, dass auch in Ihnen ein Künstler steckt? Diesen Fragen versuche ich in diesem Artikel auf den Grund zu gehen. Ann-Kathrin Stöppler studiert im 6. Semester Betriebswirtschaft und Kultur-, Freizeit-, Sportmanagement an der Reinhold-Würth-Hochschule in Künzelsau. Die Herkunft des Wortes Kreativität kommt von dem lateinischen Wort creare, was so viel bedeutet wie schaffen, erschaffen, hervorbringen. Obwohl man den Begriff der Kreativität nicht spezifisch definieren kann, da es eine unendliche Vielfalt und Uneinheitlichkeit in der Begriffsformulierung gibt, geht man davon aus, dass kreative Menschen neue Dinge erschaffen. Joy P. Guilford hat 1960 den Grundstein der modernen Kreativitätsforschung gelegt. Er entwickelte diverse Tests, die es erstmalig möglich machen, ein Maß an kreativem Denken zu messen. Guilford unterscheidet als Erster zwischen konvergentem Denken und divergentem Denken. Er beschreibt divergentes Denken als eines der wichtigsten Kriterien für Kreativität. Darunter versteht man, eine unklare Problemstellung, jedoch mehrere Lösungsmöglichkeiten. Konvergentes Denken dagegen findet eine genaue Lösung für ein klares Problem. Kreatives Verhalten eines Menschen wird durch folgende grundlegende psychische Merkmale erfasst und setzt diese psychologischen Merkmale als wesentliche Bestandteile kreativer Menschen voraus: 1. Problemsensitivität: erkennen dass und wo ein Problem besteht 2. Flüssigkeit: in kurzer Zeit viele Ideen hervorbringen 3. Flexibilität: gewohnte Wege des Denkens verlassen und neue Sicht weisen entwickeln 4. Redefinition: bekannte Objekte neu verwenden, improvisieren 5. Elaboration: anpassen der Ideen an die Realität 6. Originalität: ungewöhnliche, neuartige Ideen erschaffen Dazu kommen Besonderheiten, die kreative Menschen ausmachen: Kontrollierte Spontanität: Spielerisch sein und Emotionalität gehören zu ihrem Wesen, doch gleichzeitig sind sie zielgerichtet und leben ihre Neigungen nicht unkontrolliert aus. Kreative Persönlichkeiten reagieren sensibel auf ihre Umwelt, legen großen Wert auf Humor und haben einen Sinn für Ästhetik. Hierbei fördert vor allem die Unvoreingenommenheit und Offenheit mit der sie Dinge angehen und die Achtsamkeit, mit der sie Menschen und Situationen wahrnehmen, ihre Kreativität. Sie sind auch bereit, Ziele zu ändern sofern es notwendig wird. Ohne Spielraum für unsere Spontanität lassen wir uns beherrschen, anstatt zu herrschen, bleiben wir gefangen, statt das Leben zu meistern. Ausgabe Nr Juni 2014 Seite 16

17 Neugier: Kreative wollen immer alles wissen, haben vielseitige Interessen, eine breite Allgemeinbildung und ihre Lieblingsfrage ist Warum?. Ihr interdisziplinäres Denken ermöglicht es ihnen, auch neue Blickwinkel einzunehmen und ungewöhnliche Schlussfolgerungen zu ziehen. Optimale Nutzung von linker und rechter Gehirnhälfte (Logik und Fantasie): Ein Beispiel hierfür wäre Sherlock Holmes, der durch eine wahnsinnige Kombinationsgabe und kreatives Denken die kompliziertesten Fälle gelöst hat. Wer Probleme auf eine kreative Art und Weise löst, nutzt also sein gesamtes Gehirnpotential. Energie und Motivation: Kreative Menschen gelten gemeinhin als entschlossen, hartnäckig, hoch motiviert und begeisterungsfähig. Sie können hoch konzentriert arbeiten, sind lern- und leistungsfähig, identifizieren sich stark mit dem was sie tun, sind eigeninitiativ und haben Spaß am Erfolg. Darum sind sie heutzutage in der Wirtschaft gefragt. Unabhängigkeit: Kreative Menschen mögen es oftmals nicht von anderen Menschen kontrolliert und gelenkt zu werden. Sie finden sich nur schwer in hierarchischen Strukturen zurecht und respektieren nur den Menschen, nicht aber Titel und Funktionen wurde Guilford Präsident der American Psychology Association, dem nordamerikanischen Fachverbands für Psychologie. In seiner Antrittsrede erneuerte er, durch die Aussage Jeder Mensch ist kreativ! ein festgefahrenes Weltbild der Psychologen und brachte dadurch neuen Schwung in die Gesellschaft. Funktionen der persönlichen Kreativität werden mit interpretativer Kapazität, Diskretion und Intentionalität dargestellt. Interpretative Kapazität ist das einzigartige Verständnis eines schöpferischen Individuums von einer Erfahrung. Da die Erfahrung einzigartig ist, ist sie originell. Diskretion bedeutet das Bewusstsein darüber, wann es sinnvoll ist, eine unkonventionelle Interpretation zu formen und wann dies weniger sinnvoll ist. Intentionalität ist die Motivation, Anstrengungen zu unternehmen um sich eine eigene Erklärung zu bilden. Kreativität ist also ein Zustand, der durch äußere Umstände begünstigt oder verhindert werden kann. Es ist Potential, das in jedem Menschen vorhanden ist und geweckt werden kann. Um seine eigene Kreativität zu messen, gibt es folgende Methode: Man gibt für den Kreativitätstest 1-3 Wörter ganz simpler Alltagsgegenstände den Versuchspersonen vor, zum Beispiel Ziegelstein, Kleiderbügel oder Zahnstocher etc. Die Aufgabe für Probanden ist es dann, in zwei Minuten möglichst viele neue unübliche und ungewöhnliche Verwendungsformen für diese Alltagsgegenstände zu notieren. Die Anzahl der so notierten Verwendungsformen entspricht dann einem Messwert für die Kreativität der Versuchsperson. Diese Methode ist eine sehr einfache und gleichzeitig aber auch wissenschaftlich oft verwendete Methode zur Messung der relativen Kreativität von Personen. Jeder Mensch ist kreativ. Welcher Künstler steckt in Ihnen? Probieren Sie es doch einfach mal aus Ausgabe Nr Juni 2014 Seite 17

18 Hintergrundliteratur: Vgl. UNIVERSITÄT KLAGENFURT, Begriff und Theorien der Kreativität, Online: begriffe_und_theorien_ der_k.htm, (Stand: ) Vgl. HÜTTTEBRÄUKER, J.P. Guilford: Kreativität und Messung von Kreativität die Ursprünge der modernen Kreativitätsforschung, Online: (Stand: ) THORMANN, Kreatives Denken, Online: (Stand: ) Ausgabe Nr Juni 2014 Seite 18

19 Wer ist eigentlich Die LUKE e.v.? Andreas Prangenberg im Interview mit ARTikel Eliane und Andreas Prangenberg gründeten vor vier Jahren Die LUKE e.v. in Ludwigsburg. Im LudwigsburgerKulturKeller DIE LUKE geben bekannte Künstler und Nachwuchstalente von Herzen ihr Bestes. Die Spanne reicht von Singer/Songwriter über Chanson und Rock bis zu Jazz; von Live-Hörspiel über Improtheater bis zu Musikkabarett. Dabei sind die Akteure ganz nah am Publikum. Von der Atmosphäre, die an solchen Abenden entsteht, war schon so manch einer hingerissen und ging verändert wieder seiner Wege. Andreas Prangenberg, Gründer von Die LUKE e.v. im Gespräch mit Ann-Kathrin Stöppler darüber, warum die LUKE ein Ort ist, an dem Kultur lebendig wird. ARTikel: Hallo Andreas! Was genau macht die LUKE aus? Wir machen unsere Arbeit super gerne. Die Location ist wundervoll. Die Künstler, die bei uns spielen, geben von Herzen etwas weiter. Das Publikum schätzt das total, ist still und hört intensiv zu. Künstler mögen die Betreuung und sind von dem Publikum begeistert. Das ist uns wirklich geschenkt worden. ARTikel: Wie ist die Idee eines Kulturkellers überhaupt entstanden? Ich hatte schon ziemlich früh die Idee Kunst mit einem Restaurant oder einem Café zu verknüpfen. Bei meiner Frau, Eliane, war es ähnlich. Sie hatte den Gedanken, ein Café zu schaffen, in dem jeder sich als Mensch wahrgenommen und geschätzt fühlt. Mit der Möglichkeit diese Räumlichkeiten zu übernehmen - davor waren die Räume ebenfalls eine Bar, in der Musiker aufgetreten sind haben wir einen ersten Schritt gewagt, unseren Traum in Erfüllung gehen zu lassen. Es ist zwar ein bisschen klein, aber auf jeden Fall einmal ein Anfang. ARTikel: Für welche Form der Kunst ist die LUKE hauptsächlich gedacht? In erster Linie für Musik. Wir stellen aber auch Gemälde aus und zeigen Filme, die uns gut gefallen. Im Programm findet man ebenfalls Kabarett und Theater und wir sind offen für all das, was uns sonst noch in den Sinn kommt. ARTikel: Seid ihr selbst Musiker? Ja, Eliane ist Pianistin und Sängerin. Ich bin Songwriter und E-Bassist. Ab und zu spielen wir auch selbst in der LUKE. ARTikel: Das heißt, bezogen auf die Führung eines Kulturbetriebes ist euer Motto eher Learning by Doing oder? Ja, absolut. Wir lernen komplett von vorne. Wir beide haben nicht professionell gelernt, wie man einen Kulturkeller führt aber, wie du schon gesagt hast: Learning by Doing. Ausgabe Nr Juni 2014 Seite 19

20 ARTikel: Was empfindest du bspw. als Herausforderungen, beim Betreiben einer Kulturstätte? Eine Herausforderung ist es etwa zu entscheiden, wer auftreten darf. Hier stellt sich die Frage, nach welchem Kriterium entscheidet man? Durch den Musik- Link oder Videoclip, den die Musiker uns schicken, versuchen wir zu spüren, bei welchem Künstler etwas rüber kommt. Versucht der Musiker den Menschen etwas weiter zu geben oder ist es eher Musik zum nebenher hören. In der LUKE ist es schon so, dass es wirklich Konzert- oder Theatercharakter hat. Das Publikum möchte zuhören und die Künstler mögen es sehr, wenn man zuhört. Eine schöne Herausforderung ist die Künstlerbetreuung. Wir haben den Anspruch, dass sich jeder Künstler wohlfühlen soll. Uns ist es wichtig, dass dem Künstler alles Nötige zur Verfügung steht. Genauso legen wir Wehrt darauf, dass sich unsere Gäste wohlfühlen. Diese zwei Komponenten zu managen, ist die wahrscheinlich größte Herausforderung und erfordert bei einem hohen Qualitätsanspruch, viel Engagement. ARTikel: Wer darf überhaupt in der LUKE auftreten? Wir erhalten über Anfragen pro Jahr und wählen daraus aus. Wenn es einem Künstler hier gut gefallen hat, spricht sich das schnell rum. Natürlich fragen wir ebenso Künstler an, die wir kennen und gerne für einen Auftritt engagieren möchten. ARTikel: Und wie viele Besucher passen in die LUKE? Personen. Maximal erlaubt sind 100 Personen. Doch da wird es uns selbst zu eng. Bei Platzmangel sitzen die Besucher auf der Treppe. ARTikel: In der LUKE zahlt man keinen festen Eintritt, richtig? Ja, genau. Am Ende eines Veranstaltungsabends geht immer ein Kulturbeutel durch die Menge. Jeder Gast, darf so viel geben, wie er möchte. Der eine gibt mehr, der andere weniger. Dieses geht zu 100 % an den Künstler. Meistens geht das nicht schlecht für den Künstler aus. ARTikel: Gibt es Zukunftspläne für die LUKE? In meiner Vorstellung, die ich zu Beginn erwähnt hatte, war die Bühne etwas größer und es gab mehr Sitzplätze. Trotzdem möchten wir den familiären Rahmen gerne behalten, den wir in der LUKE haben. Das Publikum soll nach wie vor nahe am Künstler sein und im besten Fall ist ein Café oder Restaurant direkt nebenan. In diese Richtung gehen wir momentan gemeinsam mit einem weiteren Verein. Mehr kann ich dazu im Moment aber noch nicht sagen. Ausgabe Nr Juni 2014 Seite 20

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