Hinter der Kulisse Judentum kennenlernen. Projekt für Schüler, Lehrer, Multiplikatoren und Andere von Sylvia Strubelt und Hana Fischer

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1 Hinter der Kulisse Judentum kennenlernen Projekt für Schüler, Lehrer, Multiplikatoren und Andere von Sylvia Strubelt und Hana Fischer

2 Hinter der Kulisse - Judentum kennenlernen Ein gemeinsames Projekt von Milch und Honig & Theater Abgelehnt Projektleiterinnen Hana Fischer, Gründerin und Vorsitzende des jüdischen Kulturvereins Milch und Honig Jüdisches Kulturzentrum Köln e. V., Volkswirtin, Mitglied der Kulturkommission und der Kommission für Schulwesen der Synagogen-Gemeinde Köln Sylvia F. Strubelt, Theologin, Theaterregisseurin, Intendantin des Theater Abgelehnt Köln Allgemeine Ziele Das Judentum soll als lebensbejahende Religion und Kultur als wesentliche Wurzel europäischer Kultur erkennbar werden, um Antisemitismus vorzubeugen anstatt zu bekämpfen. Adressaten Gruppen/ Klassen aller Schulformen von Grundschule bis Sekundarstufe II, Lehrer (Fortbildung), studentische Gruppen, Multiplikatoren in der Kinder- und Jugendarbeit, gesellschaftliche Multiplikatoren (z.b. Journalisten, Politiker) Zeitliches Angebot Doppelstunden, einzelne Projekttage, Projektwochen, Wochenenden, mehrere Termine über einen längeren Zeitraum

3 Themenbeispiele Grundlagen jüdischer Religion als Maßstab der Lebensgestaltung (Einzelne) Jüdische Feiertage: Neben den zum Verständnis notwendigen Sachinformationen soll dabei das Erlebnis im Umgang mit den Festtagsritualen, Texten und Liedern, den speziellen Speisen und gegebenenfalls Tänzen im Mittelpunkt stehen. Jüdisches Familienleben und Kindererziehung Leben nach koscheren Speisevorschriften (in Deutschland) Methodik Zusätzlich zur Sachinformation und deren intellektueller Durchdringung soll die thematische Erfahrung mit möglichst vielen Sinnen im Fokus stehen. Durch Teilnahme z. B. an einer Sabbat-Zeremonie, wie sie in Familien gehalten wird, durch den Einkauf koscherer Lebensmittel in einem normalen Supermarkt und die Zubereitung des Mahls, durch Gestaltung des Raumes (z. B. Laubhüttenfest), durch Singen und Tanzen sollen die Teilnehmer eintauchen in jüdische Lebensformen und Lebensfreude. Wichtige Stationen jüdischen Lebens, die vor Ort nicht nachempfunden werden können, werden als Filmmitschnitte gezeigt. Außerdem werden nach Möglichkeit Besuche in den jüdischen Einrichtungen wie die Synagoge, jüdischer Kindergarten, Grundschule, Kulturvereine und Friedhöfe organisiert. Nach Hause gehen sollen die Teilnehmer mit Ohrwürmern der erlernten Lieder und der Erkenntnis, dass jüdisches Leben (auch in Deutschland) keine antiquierte, exotische Angelegenheit ist, sondern eine zeitgemäße, lebenszugewandte Daseinsform. Fischer/ Strubelt 2014

4 Milch und Honig/ Theater Abgelehnt Seminar Irmgardis-Schule Ablauf Allgemeine Einführung in die Funktion von (religiösen) Riten und Ritualen für Identität und Gruppenzusammenhalt Darstellung der Regeln für koschere Ernährung Besuch aller SchülerInnen im Supermarkt/ Rezeptjagd - Währenddessen Anlieferung der koscheren Speisen In der Schule: Auswertung der Erfahrungen Gestaltung des Raumes Klärung grundlegender Begriffe des jüdischen Glaubens Darstellung der wichtigsten jüdischen Feiertage Schabbat-Zeremonie Gemeinsames Essen Darstellung religiöser jüdischer Lebensprinzipien Gemeinsames Singen und Tanzen Die Kosten für die koscheren Speisen werden von den Seminarleiterinnen übernommen. Hana Fischer, Sylvia Strubelt 2014

5 Entzünden der Kerzen Am Freitagabend zündet die Frau des Hauses Kerzen an. Sie bedeckt mit ihren Händen die Augen und spricht: Gelobt seist Du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der uns durch Seine Gebote geheiligt und uns befohlen hat, das Schabbat-Licht anzuzünden. Kiddusch für Freitagabend Man nimmt einen vollen Becher Wein in die rechte Hand und spricht stehend den Kiddusch: (leise: Es war Abend, es war Morgen) Der sechste Tag. Da waren vollendet der Himmel, die Erde und all ihre Schar. Und Gott vollendete am siebten Tag Sein Werk, das Er gemacht, und ruhte am siebten Tag von all Seinem Werk, das Er gemacht. Gott segnete den siebten Tag und heilige ihn, denn an ihm ruhte Er von all Seinem Werk, das Gott geschaffen, dass es weiter wirke. Hört zu! Gelobt seist Du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, Schöpfer der Frucht des Weinstocks. Gelobt seist Du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der uns durch Seine Gebote geheiligt hat, uns (als Sein Volk) haben wollte, und uns Seinen heiligen Schabbat in Liebe und Wohlgefallen zum Anteil gegeben hat, zur Erinnerung an das Schöpfungswerk. Denn er (der Schabbat) ist der erste Tag der heiligen Feste, ein Andenken an den Auszug aus Ägypten. Denn uns hast Du erwählt, und uns hast Du von allen Völkern geheiligt und uns Deinen heiligen Schabbat in Liebe und Wohlwollen zum Erbe gegeben. Gelobt seist Du, Ewiger, der den Schabbat heiligt. Man trinkt sitzend vom Wein und gibt davon auch den anderen Anwesenden. Nach dem Übergießen der Hände sagt man: Gelobt seist Du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der uns durch Seine Gebote geheiligt und uns befohlen hat, die Hände zu waschen. Dann spricht man die Bracha über die zwei Schabbatbrote: Gelobt seist Du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der das Brot aus der Erde hervorbringt.

6 Entzünden der Kerzen Am Freitagabend zündet die Frau des Hauses Kerzen an. Sie bedeckt mit ihren Händen die Augen und spricht: Kiddusch für Freitagabend

7 Adon Olam Herr der Welt Herr der Welt, der schon regierte, bevor noch ein Geschöpf erschaffen. Zur Zeit als durch Seinen Willen alles entstand, seither wird Er König genannt. Und nachdem alles endet, wird der Ehrfurchtgebietende allein regieren. Er war und Er ist, Er wird sein in Herrlichkeit. Er ist einzig und kein zweiter ist da, der Ihm gleicht, sich Ihm zugesellen könnte. Ohne Anfang, ohne Ende, Sein ist die Macht und die Herrschaft. Er ist mein Gott, und mein Erlöser lebt, der Fels in meinem Leid, zur Zeit der Not. Er ist mein Banner und meine Zuflucht, Er ist mein Teil, mein Kelch, da ich rufe. In Seine Hand lege ich meinen Geist, zur Zeit da ich schlafe und erwache; Und mit meinem Geist meinen Körper, der Ewige ist mit mir, ich fürchte mich nicht.

8 Köln, den Sehr geehrte Damen und Herren, heute haben Sie die Möglichkeit einem Kinderchor beim Singen zuzuhören, der vielleicht kein richtiger Kinderchor, dafür jedoch genau richtig ist: ein Chor aus jüdischen und nichtjüdischen Kindern der Grundschulen Peter-Petersen Köln-Porz-Grengel und Lauder-Morijah Köln-Ehrenfeld, die Ihnen davon singen, wie schön und gut es ist, wenn Brüder und Schwestern friedlich beisammen wohnen. Eine Kindergruppe mit einem Text, der nicht der einzige seiner Art bleiben sollte. Wir, Hana Fischer von Milch und Honig Jüdisches Kulturzentrum Köln e. V. und Sylvia Strubelt von Theater Abgelehnt haben überlegt, wie diese Einzigartigkeit zur Regel werden könnte. Daher möchten wir heute die Gelegenheit nutzen, Sie mit unserem Konzept Hinter der Kulisse Judentum kennenlernen vertraut zu machen. Mit unserem Projekt präsentieren wir Schülerinnen und Schülern aller Schulformen und Altersklassen sowie Studenten und allen Interessierten das Judentum als eine lebensbejahende Religion und als Wurzel europäischer Kulturen und Werte. Vor allem wollen wir zeigen, dass die Juden ein Volk sind und das Judentum eine Kultur und Lebensform ist, die ihren Platz mitten unter uns haben, im Hier und Jetzt, im 21. Jahrhundert, und dass es so ganz gut und richtig ist. Denn es heißt: Schewet achim gam jachad. Wir sind davon überzeugt, dass Wissen ein erster Schritt ist, Vorurteile abzubauen und Antisemitismus aktiv vorzubeugen. Unser Projekt ist bisher auf sehr großes Interesse gestoßen. Vor allem sind Lehrer und Schüler davon begeistert, dass wir für jede Gruppe ein besonderes Programm entwickeln, das den individuellen Bedürfnissen gerecht wird und die speziellen Fragen beantwortet. Jedoch scheitert die Verwirklichung immer wieder am Problem der Finanzierung: Schulen stehen keinerlei Mittel zur Finanzierung solcher Projekte zur Verfügung. Da die Eltern heutiger Schüler in der Regel sowieso schon in hohem Maße zur Kasse gebeten werden, scheuen Schulen verständlicherweise davor zurück, die Kosten auf die einzelnen Schüler umzulegen. Deshalb bitten wir Sie heute, uns bei der Überlegung zu helfen, wie wir das Projekt längerfristig finanzieren können. Vielen Dank! Hana Fischer Sylvia Strubelt

9 Angebot des Projekts Hinter der Kulisse Judentum kennenlernen Für jede Gruppe wird ein spezielles Programm nach den Wünschen der Teilnehmer unter Berücksichtigung von Alter, Vorkenntnissen und organisatorischem Rahmen entwickelt. Es wird hierzu Informationsmaterial erstellt, das mit den Teilnehmern bearbeitet wird. Informationen gewinnen durch kulturelle und Besichtigungssangebote an Erlebnischarakter. Die gemeinsame Vorbereitung, Gestaltung und das Feiern mit tradierten Texten, Gesang und Tanz von Festen wie Sabbat oder Chanukka machen einen emotionalen Zugang möglich. Fragen und Diskussionen sind jederzeit erwünscht Koschere Speisen und Getränke sowie spezielle Gerichte der jüdischen Küche, die angeboten werden, runden das Erlebnis ab. 1/2 Tag Tag 1000 Fischer/ Strubelt 2014

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